#1

Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 21.06.2009 18:10
von NPKCA (gelöscht)
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Da hier an einigen Stellen schon hin und wieder die vormilitärische Ausbildung in der DDR angeschnitten wurde. Grund für mich das Thema etwas zu vertiefen.
Die Anfänge lagen ja eigentlich schon in den sogenannten Pioniermanövern- eine Art Schnipseljagd mit militärischem Anstrich. Geleitet und betreut von den Kampfgruppen des Patenbetriebes. Zum Auftakt gab es den Auftrag „subversive Elemente zu stellen, die Anschläge auf die sozialistische Volkswirtschaft planen“. Diese wurden meist von Schülern der oberen Klassen gemimt. Eifrig stürmten wir durch den Wald auf der Suche nach dem „Feind“. Der wurde natürlich aufgespürt und gefangen genommen. Zum Abschluss gab’s dann Suppe aus einer echten Gulaschkanone und man durfte die ausgestellte Technik der Kampfgruppen bewundern. Für die Jungs immer ein großer Spaß, die Mädels mussten auch mit, waren aber deutlich gelangweilter.
Die nächste Stufe war dann die Wehrerziehung in der 9. Klasse. Hier wurden wir durch einen Major vom WKK unterrichtet. Auch die ersten Gespräche zum Thema „Längerverpflichtung“ wurden geführt. Wer hier als 15-16 jähriger schon zugesagt hatte, konnte später kaum noch zurück. Teilweise kamen die Lehrer zu diesem Thema auch nach Hause. Zum Glück hatte ich ältere Brüder die ihren Dienst schon hinter sich hatten und aus deren Erfahrung heraus stand für mich fest: Grundwehrdienst und mehr nicht! Die Krönung des ganzen war dann das Wehrerziehungslager mit allem was auch in eine Grundausbildung gepasst hätte- Exerzieren, Schutzausbildung u.v.a. Die Ausbilder waren Offiziersschüler die ihre ersten „Führungsqualitäten“ testen konnten. Das dauerte glaube ich zwei Wochen ohne „Heimaturlaub“ am Wochenende.
Die Mitgliedschaft in der GST kam eigentlich fast von selber. Hier gab’s schließlich die Möglichkeit günstig und ohne lange Anmeldung zu einem Führerschein zu kommen. Also mit 15 die Klasse A mit der Einschränkung für Mopped für 15,-M und danach mit 16 die Erweiterung für Kraftrad für nochmal 5,- zzgl. GST Beitrag von ein paar Pfennig und Soli-Spende. An der Berufsschule konnte man sich dann für die Ausbildung zum Militärkraftfahrer melden. Das vermied zum einen die Mot-Schützenausbildung zum anderen kam man an den Führerschein Klassen C,B,E für 70,-M, den man dann auch mit 18 ausgehändigt bekam. Zudem war W50 fahren schon ziemlich cool, auch wenn man mit Anhänger durch die Innenstadt kurbeln musste und dabei so manches Mal ins Schwitzen kam.
Mein Fazit aus heutiger Sicht: Geschadet hat’s mir nicht, aber geprägt ganz sicher. Es wurde eine Menge für die Jugend getan nur leider irgendwie immer unter militärischem oder politischem Aspekt. Als Kind war das alles ziemlich normal und es war Spaß in der Gruppe, als Jugendlicher sah man schon eher zu ein paar Vorteile für sich zu finden.
Heute diskutieren wir über „Ballerspiele“ und Gewalt in den Medien. Manchmal frage ich mich, was das geringere Übel darstellt.


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#2

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 21.06.2009 19:17
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Grüß Dich NPKCA!
Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen.OK,Wehrerziehung sowie Wehrkundeunterricht gab es zu meiner Zeit noch nicht an den Schulen,das kam alles später.Nagut man könnte nun sagen wie Du geschrieben hast--mit den Geländespielen das man es auch als Wehrerziehung betrachten kann,da liegst Du richtig.Ich kenne so was noch unter -Manöver Schneeflocke--.Später mit der Lehrzeit kam auch die GST,was schon eher der Wehrerziehung näher kam.Denn während der Lehrzeit fuhr man für 2 Wochen ins GST-Zeltlager wo man militärisch geschult würde.Zu GST kann ich aus meiner Sicht noch beitragen,es gab dort viele Gruppierungen.Z.B.wie--Segelsport-Schießsport-Motorsport-Segelflugsport u.v.m.Sicher mit dem Ziel,einer Wehrerziehung.
GST = Gesellschaft für Sport und Technik


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#3

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 21.06.2009 19:33
von Augenzeuge (gelöscht)
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An Wehrerziehung kann ich mich noch sehr gut erinnern. Mit der GST hatte ich nichts zu tun. Genau weiß mich auch nicht warum. Bei uns war das einfach nicht so verbreitet, leider. Deshalb habe ich meine Führerscheine "normal" gemacht. Das war relativ günstig und ging auch sehr schnell.

An die Wehrerziehung, die erstmals 1978/79 stattfand habe ich nur schlechte Erinnerungen. Ich weiß noch wie wir uns alle gewundert hatten, wie militärisch- auch rhetorisch- jetzt der vorher so nette Lehrer war.
Die Mädels lernten mediz. Hilfe, auch bei Atomangriffen. Schon damals hatten wir das alle als Schwachsinn deklariert. Spaß hatte hierbei kaum jemand, nur kurzfristig.
Ich fand es schlimm, wieviele Tage normalen Schulunterrichtes dafür geopfert werden mussten. Wichtig war die mögliche Verpflichtung zu einem längeren Wehrdienst, nur nicht für uns. Aus heutiger Sicht sehe ich das fast als Verbrechen, wie top psychologisch geschulte Lehrer/ Offiziere hier Kinder, die 15 Jahre alt waren, beeinflussten. Das war typisch für die DDR.
Und wie angstvoll wir geschaut haben, wenn einer seine andere politische Meinung kundgetan hatte und der Lehrer sich hierzu Notizen machte, oder der Lehrer denjenigen als Dummkopf bloßstellte. Schlimmstenfalls begleitete das einem eine sehr lange Zeit. Wir hatten es damals kaum verstanden, wie doch intelligente Leute keine Delegierung zur Oberschule bekamen, andere weniger Gute aber doch.

Das erste im Lehrjahr war immer diese Ausbildung. Hier sonderte man einige schon aus. Das Schießen mit MG's fand ich damals als Junge toll. Ich war sogar richtig gut. Vielleicht gab es hier schon die erste Notiz, die zu meinem späteren Einberufen an die Grenze beinahe führte. Man war aber nur Spielball im System. Man kam nur an ein Studium, wenn man sich mind. 3 Jahre verpflichtete, oder man die Entscheidung so weit hinausschob, bis man den Platz hatte. Lehnte man von vornherein 3 Jahre oder mehr direkt ab, war die Studienmöglichkeit nur noch gering.

Eigentlich ist aus heutiger Sicht die Einführung der Wehrerziehung mit Verteidigungs- u. Friedenspolitik der DDR kaum begründbar. Die Russen hatte heimlich ihre SS20 in der DDR stationiert, einen Nato-Doppelbeschluss gab es noch nicht, kein Reagan der die Aufrüstung später forcierte. Und gleichzeitig aber schon ein Land, was wirtschaftlich Richtung Abgrund marschierte.

Heute ist bekannt, das die Friedensarmee in der Praxis gar nicht so friedlich war und sogar Angriffskriege im Konzept hatte.

Das Problem heute sind keine Ballerspiele o.ä., das Problem ist einfach das die Kinder heute durch den Schulalltag gejagt werden, das sie für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oft keine Zeit mehr haben. Keine Zeit für gemeinsame Aktivitäten.
Aber immer Zeit für ein Spielchen am PC, allein. Hier könnte vielleicht wirklich eine unpolitische GST hilfreich sein.

Gruß, Augenzeuge


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#4

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 21.06.2009 20:48
von bruno | 598 Beiträge

-ich wurde in der 7.klasse als 10enter geworben(bub)
-9.klasse wehrerziehung
-9.klasse 2 wochen wehrerziehungslager (wie schon oben beschrieben)
-10.klasse in den winterferien 3 tage der wehrbereitschaft.
-1.und 2.lehrjahr jeweils 1 woche gst-lager, pro lehrjahr 4 (schul)tage gst-ausbildung
-ich hatte als bub in fast jeden ferien vormilitärische ausbildung
-1983 zur musterung(mit 18 jahren) 10 jahre armee zurück gezogen





nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#5

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 22.06.2009 11:44
von NPKCA (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge


Das Problem heute sind keine Ballerspiele o.ä., das Problem ist einfach das die Kinder heute durch den Schulalltag gejagt werden, das sie für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oft keine Zeit mehr haben. Keine Zeit für gemeinsame Aktivitäten.
Aber immer Zeit für ein Spielchen am PC, allein. Hier könnte vielleicht wirklich eine unpolitische GST hilfreich sein.

Gruß, Augenzeuge


Aber "Ballerspiel" klingt in den Medien schön gewalttätig und niemand braucht sich um die wahren Hintergründe zu kümmern- z.B. das vielen Eltern die Betätigung ihrer Kinder egal ist, soll sich doch die Schule/der Staat darum kümmern. Dafür werden doch Lehrer bezahlt. Oder das die Kids täglich bis zu 3h mit Bussen durch die Gegend kutschiert werden, weil wir Schulen einsparen müssen.
Eine unpolitische "Gesellschaft für Sport und Technik" wäre wohl nicht schlecht- aber wer bezahlts? Ich hätte da ne Idee: nicht das Kindergeld mit der Gießkanne erteilen, sondern in Förderung von sinnvoller Feizeitgestaltung oder kostenlose Schulspeisung investieren. Dann haben auch die Kinder was davon und die sind nunmal unsere Zukunft.

Die Sache mit der Friedensarmee- nun diese und andere Erkenntnisse die in vollem Umfang ja erst nach der Wende ans Tageslicht kamen, haben (zumindest bei einigen) die letzten Zweifel ausgeräumt. Irgendwann wäre der Karren mächtig gegen den Baum gefahren.


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#6

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 04.07.2012 17:36
von Rumbi | 29 Beiträge

Wenn ich das alles von Euch so lese, dann muß es bei Euch ganz schön gerappelt haben. So heftig kenne ich das nicht. Klar gab es bei uns auch das "Manöver Schneeflocke" aber wir brauchten da niemanden fangen. Bei uns wurden da Schätze versteckt, die wir finden mußten und auch wollten, dann da waren Süßigkeiten drin. Begleidet wurde das von Offiziersschülern und wir durften zum Abschluß da auch mal den Abzug der Kaschie betätigen... natürlich nur mit Platzpatronen. Dann natürlich auch ein schönes Essen. Auch in der Lehre waren wir zwar bei der GST aber in ein Zeltlager oder dergleichen brauchten wir auch nicht, alles nur in der Lehrwerkstatt. Nur zum Schießen sind wir auf nen Schießplatz gefahren, wo wir dann mit der KK-Kaschie schießen durften. Die hatte aber mehr Ladehemmung als was sie geschossen hat. Als Abschluß waren wir dann mal einen Tag bei der Pateneinheit. Diese war die Offiziersschule der Flugabwehr in Löbau. Mal so'ne Flak war schon interessant. Ich kann mich auch nicht erinnern, das mal jemand in der Schule gewesen wäre um uns zum längerdienen zu bewegen. Es war mal ein Offizier da, der uns einen Film über die NVA gezeigt hat und uns gesagt hat, welche Möglichkeiten sich da bieten aber das wir da schon gefragt wurden bzw. was unterschreiben sollten, ist mir nicht in Erinnerung. Gemustert wurde ich eigentlich zu den Panzern.... aber es kam dann ja ganz anders. Als ich dann meine Einberufung erhalten hatte und da drauf stand zu den GT und nach Rudolstadt, da haben meine Kollegen schon gesagt... dort findet dann die Aufteilung statt und wenn du da auf nen LKW mußt, dann haste das große Los gezogen. Dann gehts ab in die Schinderhütte.... so kam es dann leider auch. Die anderen wurde zum Ausbildungsfeld gefahren und wir durften immer nen Gewaltmarsch dorthin machen.
Naja, die heutige Jugend bedauere ich schon. Abgesehen von der vormilitärischen Ausbildung wurde für uns damals doch viel mehr getan. In der Schulzeit gab es eine ganze Menge AG's, die alle kostenlos waren. Da brauchte sich niemand zu langweilen und am Wochenende war immer Disco. In meiner Gegend gab es da bei uns und in den Nachbardörfern 3 Tanzsääle. Sonnabends war da immer was los und im Sommer sogar Freitag, Sonnabend und Sonntag. Der Eintritt lag bei 1,60 Mark bis max. 4,00 Mark, wenn ne Gruppe da war. Also ich hab mir nie mehr als 20 Mark eingesteckt und davon war ich immer rattendatten zu, wenn da mal ein Bierchen schlecht gewesen ist..... Heute kommste mit 20 Euro noch nicht mal rein.... das heißt, wenn man weit genug gefahren ist und mal ne Disco findet. Bei uns gibts da nicht eine mehr. Dann wundert man sich, wenn die Jugend nur Blödsin anstellt.

Gruß an Alle



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#7

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 04.07.2012 19:41
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Nach meinen Erinnerungen hat die 'Militarisierung' der DDR Gesellschaft Ende der 70er einen riesigen Schritt in diese Richtung gemacht.

Viele Schilderungen von Menschen welche in der Zeit ab 1978 bis 1989 in die Schule/Lehre gingen kenne ich so nicht.

In meiner Schulzeit fanden keine Werbeveranstaltungen der NVA für längeren Wehrdienst statt oder wenn dann waren sie so bedeutungslos das ich es vergessen habe.
Eine Zulassung zum Abitur und zum Studium war für Jungs damals nicht von einer Verpflichtung abhängig.

GST gab es an der POS schon aber das waren dann Arbeitsgemeinschaften und da gingen diejenigen hin die sich für das angebotene interessierten.
Mitglied der GST wurde ich erst in der Lehre und da lockte hauptsächlich der kostengünstige Erwerb der Fahrerlaubnis.

Jeweils eine Woche im März fuhren wir während der Lehre zur vormilitärischen Ausbildung ins GST-Lager nach Thüringen.
Hierbei handelte es sich um ein Betriebsferienlager für die im Bezirk Leipzig ansässigen Betriebe meiner Ausbildungseinrichtung und alle Lehrlinge daraus waren dort um diese Ausbildung über sich ergehen zu lassen.
als Ausbilder hatten wir damals vorrangig Reservisten, ihnen wurde das wohl als Reservistendienst angerechnet.
Je nach Ausbilder war die Ausbildung ziemlich lax.

Schießen war nur KK, keine anderen Waffen.

Als 'miltitärische' Bekleidung hatten wir damals solche dunkelblauen, durchgehenden Arbeitskombis an und normale Arbeitsschutzschuhe.
GST Uniformen gab es entweder noch nicht oder wir hatten keine....
Jedenfalls sahen wir in den Kombis sehr peinlich aus und waren froh das sich das Lagergelände außerhalb des Ortes befand.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#8

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 04.07.2012 20:40
von damals wars | 12.186 Beiträge

Eine normale Kaschie habe ih als Schüler nie zu sehen bekommen.
Wir haben nur mit der KK geschossen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#9

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 04.07.2012 22:18
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #3
An Wehrerziehung kann ich mich noch sehr gut erinnern. Mit der GST hatte ich nichts zu tun. Genau weiß mich auch nicht warum. Bei uns war das einfach nicht so verbreitet, leider. Deshalb habe ich meine Führerscheine "normal" gemacht. Das war relativ günstig und ging auch sehr schnell.

An die Wehrerziehung, die erstmals 1978/79 stattfand habe ich nur schlechte Erinnerungen. Ich weiß noch wie wir uns alle gewundert hatten, wie militärisch- auch rhetorisch- jetzt der vorher so nette Lehrer war.
Die Mädels lernten mediz. Hilfe, auch bei Atomangriffen. Schon damals hatten wir das alle als Schwachsinn deklariert. Spaß hatte hierbei kaum jemand, nur kurzfristig.
Ich fand es schlimm, wieviele Tage normalen Schulunterrichtes dafür geopfert werden mussten. Wichtig war die mögliche Verpflichtung zu einem längeren Wehrdienst, nur nicht für uns. Aus heutiger Sicht sehe ich das fast als Verbrechen, wie top psychologisch geschulte Lehrer/ Offiziere hier Kinder, die 15 Jahre alt waren, beeinflussten. Das war typisch für die DDR.
Und wie angstvoll wir geschaut haben, wenn einer seine andere politische Meinung kundgetan hatte und der Lehrer sich hierzu Notizen machte, oder der Lehrer denjenigen als Dummkopf bloßstellte. Schlimmstenfalls begleitete das einem eine sehr lange Zeit. Wir hatten es damals kaum verstanden, wie doch intelligente Leute keine Delegierung zur Oberschule bekamen, andere weniger Gute aber doch.

Das erste im Lehrjahr war immer diese Ausbildung. Hier sonderte man einige schon aus. Das Schießen mit MG's fand ich damals als Junge toll. Ich war sogar richtig gut. Vielleicht gab es hier schon die erste Notiz, die zu meinem späteren Einberufen an die Grenze beinahe führte. Man war aber nur Spielball im System. Man kam nur an ein Studium, wenn man sich mind. 3 Jahre verpflichtete, oder man die Entscheidung so weit hinausschob, bis man den Platz hatte. Lehnte man von vornherein 3 Jahre oder mehr direkt ab, war die Studienmöglichkeit nur noch gering.

Eigentlich ist aus heutiger Sicht die Einführung der Wehrerziehung mit Verteidigungs- u. Friedenspolitik der DDR kaum begründbar. Die Russen hatte heimlich ihre SS20 in der DDR stationiert, einen Nato-Doppelbeschluss gab es noch nicht, kein Reagan der die Aufrüstung später forcierte. Und gleichzeitig aber schon ein Land, was wirtschaftlich Richtung Abgrund marschierte.

Heute ist bekannt, das die Friedensarmee in der Praxis gar nicht so friedlich war und sogar Angriffskriege im Konzept hatte.

Das Problem heute sind keine Ballerspiele o.ä., das Problem ist einfach das die Kinder heute durch den Schulalltag gejagt werden, das sie für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oft keine Zeit mehr haben. Keine Zeit für gemeinsame Aktivitäten.Aber immer Zeit für ein Spielchen am PC, allein. Hier könnte vielleicht wirklich eine unpolitische GST hilfreich sein.

Gruß, Augenzeuge



ENTSCHULDIGUNG BITTE ! diesen schwachsinn lass ich mal unkommentiert (weil mir die worte fehlen ) , denn der spricht für sich !!!



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#10

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 05:42
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #8
Eine normale Kaschie habe ih als Schüler nie zu sehen bekommen.
Wir haben nur mit der KK geschossen.


Wenn es sich ergab, haben Schüler damals tatsächlich aus heutiger Sicht beeindruckende Begegnungen mit dem Militär erleben können.
So wurde ich und ein paar Mitstreiter einmal zu einer Verführung von Militärtechnik auf dem Sportplatz eingeladen.
Dort waren richtige Kanonen aufgebaut aus denen sogar geschossen wurde, das Klingeln in meinen Ohren habe ich bis heute nicht vergessen.



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#11

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 06:07
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von NPKCA im Beitrag #5

Zitat von Augenzeuge


Das Problem heute sind keine Ballerspiele o.ä., das Problem ist einfach das die Kinder heute durch den Schulalltag gejagt werden, das sie für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oft keine Zeit mehr haben. Keine Zeit für gemeinsame Aktivitäten.
Aber immer Zeit für ein Spielchen am PC, allein. Hier könnte vielleicht wirklich eine unpolitische GST hilfreich sein.

Gruß, Augenzeuge


Aber "Ballerspiel" klingt in den Medien schön gewalttätig und niemand braucht sich um die wahren Hintergründe zu kümmern- z.B. das vielen Eltern die Betätigung ihrer Kinder egal ist, soll sich doch die Schule/der Staat darum kümmern. Dafür werden doch Lehrer bezahlt. Oder das die Kids täglich bis zu 3h mit Bussen durch die Gegend kutschiert werden, weil wir Schulen einsparen müssen.
Eine unpolitische "Gesellschaft für Sport und Technik" wäre wohl nicht schlecht- aber wer bezahlts? Ich hätte da ne Idee: nicht das Kindergeld mit der Gießkanne erteilen, sondern in Förderung von sinnvoller Feizeitgestaltung oder kostenlose Schulspeisung investieren. Dann haben auch die Kinder was davon und die sind nunmal unsere Zukunft.

Die Sache mit der Friedensarmee- nun diese und andere Erkenntnisse die in vollem Umfang ja erst nach der Wende ans Tageslicht kamen, haben (zumindest bei einigen) die letzten Zweifel ausgeräumt. Irgendwann wäre der Karren mächtig gegen den Baum gefahren.



Ich denke mal, selbst die GST war wohl intelligenter als von der Leyens Familienpolitik mit ihren wirren unstrukturierten und undiffenzierten Verteilungsorgien.
Was heute eben fehlt, sind Betreuer vor Ort, die sich um solche Projekte, wie sie die GST einst geboten hatte, kümmern könnten.
In dieser total bekloppten Arbeitswelt heutzutage, gibt es für so etwas keinen Raum mehr.
Als ich noch die Arbeit vor Ort hatte, konnte ich Angelcamps betreuen, ohne daß so etwas für mich ein Opfer dargestellt hätte- heute packe ich es nicht mal mehr selber meinem Hobby nachzugehen.
Ich weiß auch nicht, wie schlimm es noch werden würde, gäbe es die von den Kommunen gehätschelten Feuerwehren und Spielmannszüge nicht.
Allerdings hat das mit den Bussen auch eine wirtschaftliche Dimension- die Konzentration der Schulstandorte bringt für diese kommunalen Unternehmen auch eine Auslastung, die ihre Existenz rettet, das wiederum sorgt dafür, daß weniger mobile Bürger überhaupt noch Zugang zum ÖPNV haben.
Daß ich heute statt 10 min mehr als eine Stunde zur Schule fahren müßte, sei nur am Rande bemerkt und auch aus vielen anderen Gründen bin ich recht froh, in einer solchen Gesellschaft kein Kind mehr sein zu müssen.



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#12

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 16:27
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Beim Kleinkaliberschießen (KK69) erinnere ich mich noch an folgende Übungen:

Nach der ersten Einweisung an der Waffe (Zerlegen und wieder zusammenbauen) 5 Schuß Einzelfeuer liegend

Dreistellungskampf je 5 Schuß liegend, kniend und stehend, jeweils auf Ringscheiben

Dauerfeuer, 9 Schuß in Feuerstößen auf 3 Ringscheiben

Geschossen wurde grundsätzlich auf 50 m.
Im Gegensatz zum "Barrasdrill" (marschieren usw.) war Kleinkaliberschießen der Teil der VM, der Spaß machte, leider aber zu selten dran kam.



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#13

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 17:05
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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78 hab ich einmal GST-Berührung gehabt und den Moped-Schein gemacht, in der Lehre war mal 2 Tage Marschieren und ähnlicher Mumpitz angesagt, da hat mich aus heiterem Himmel ein grippaler Infekt erwischt.
Also militärisch Ernst wurde es erst zur Einberufung, vorher hatte ich damit nichts am Hut.
Da in einem Kuhdorf im Erzgebirge aufgewachsen, hatten wir auch kein Patenregiment was auf dem Schulhof mit Geschützen die benachbarte Kirche unter Beschuss genommen hätte.
Alles friedlich und beschaulich bei uns.


zuletzt bearbeitet 06.07.2012 13:01 | nach oben springen

#14

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 18:12
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Keine GST gebraucht in meinem Leben.Nie dort gewesen,und nichts mitgemacht.


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#15

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 19:03
von linamax | 2.020 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #14
Keine GST gebraucht in meinem Leben.Nie dort gewesen,und nichts mitgemacht.

Hallo Pit
Ich brauchte diesen Mist nie mit machen .
linamax


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#16

RE: Wehrerzehung und GST- vormilitärische Ausbildung in der DDR

in Leben in der DDR 05.07.2012 19:49
von metal.999 | 49 Beiträge

Als 1983 meine Lehre begann, hatten wir in der Berufsschule eine dreitägige vormilitärische Ausbildung gehabt. Die Sache spielte sich auf dem Gelände der Berufsschule ab.


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