#1

Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 20:30
von Lutze | 8.042 Beiträge

ein ehemaliger Kollege(gebürtiger Pole) von mir ist oft in seine Heimat gefahren,
da er wusste, das ich aus der ehemaligen DDR komme,hat er mir ein Erlebnis an der
Grenzübergangsstelle B5 Horst bei Boizenburg erzählt,er ist mit dem BMW
seines Freundes unterwegs gewesen,dieser war Jäger und hatte vergessen
aus seinem Auto die Schrotmunition raus zunehmen,der 7er wurde so gründlich
durchsucht,er dachte schon,mit dem Fahrzeug kommst du nicht mehr nach
Hamburg
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#2

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 21:13
von ABV | 4.204 Beiträge

Das selbe würde dem werten Herrn heute auch noch passieren. Wer Waffen und / oder Munition im Fahrzeug transportiert, darf sich der besonderen Aufmerksamkeit der Kontrollorgane sicher sein. Vor allem dann, wenn er das Zeug über die Grenze bringt. Ich kann daran nichts verwerfliches erkennen. Auch nichts " DDR-typisches".

Gruß Uwe


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werner, LO-Wahnsinn und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 21:15
von werner | 1.591 Beiträge

Kannst Dich ja heute mal als Nichtjäger mit Munition im Auto bei einer einfachen Polizeikontrolle erwischen lassen. Du hast sofort ein OWiV an der Backe, u.U. eine Strafanzeige, denn soweit mir bekannt ist, darf Munition nur von berechtigten Personen mitgeführt werden. Dass bei der Gelegenheit das Auto intensiv auf Waffen kontrolliert wird, kannst Du wohl annehmen.

Wie gleicher Tatbestand bei Grenzübertritt/ Einreise nach D verfolgt wird, weiß ich allerdings nicht, gehe aber davon aus, dass damit auch recht unentspannt umgegangen wird.

Als Nicht- US Bürger bei Einreise Munition im Auto - viel Spaß!


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#4

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 21:28
von ABV | 4.204 Beiträge

Also ich kann bestätigen, dass mit Munition sehr unentspannt umgegangen wird. Weder die deutsche Bundespolizei / Zoll noch der polnische Grenzschutz / Zoll, verstehen in dieser Hinsicht sonderlich viel Spaß. Das kann ja auch nicht anders sein.

Gruß Uwe


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#5

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 21:41
von Lutze | 8.042 Beiträge

zur Anmerkung,mein Kollege wusste nichts von der Munition,
sein eigenes Auto war nicht fahrbereit,da war er froh,das sein
Freund sein Auto verliehen hat,und dann noch nach Feierabend
nach Polen fahren,wer schaut da noch intensiv in den Kofferraum
nach,
ist zwar OT,wir haben zur Zeit immer noch viele Radwechsel
auf Sommerreifen,viele Kunden wissen einfach nicht,das beim
Wechsel der Räder andere Radbolzen oder Radmuttern benötigt
werden,sehr,sehr wichtig,und wer von euch weiß,was er im
Kofferraum überhaupt so alles drinne hat?
Lutze


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#6

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 22:04
von Bugsy | 454 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #5
ist zwar OT,wir haben zur Zeit immer noch viele Radwechsel
auf Sommerreifen,viele Kunden wissen einfach nicht,das beim
Wechsel der Räder andere Radbolzen oder Radmuttern benötigt
werden,sehr,sehr wichtig,
und wer von euch weiß,was er im
Kofferraum überhaupt so alles drinne hat?
Lutze

Bist du dir da sicher? Das habe ich noch nie gehört. Ich frage nur deshalb, weil ich schon seit Jahrzehnten den Wechsel immer vom Raddienst machen lasse, falls eine Auswuchtung erforderlich sein sollte. Sicher haben die Jungs dort mal gelegentlich Radbolzen oder –mutter ersetzt, wenn sie ein bisschen ausgelutscht waren, aber doch nicht alle und schon gar nicht bei jedem Wechsel.

Es wollen mir aber auch keine logischen Gründe dafür einleuchten, was ja nicht heißt, dass es die nicht gibt. Ich wäre deswegen an eine Erklärung deinerseits schon interessiert.

MsG


Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlicheit, der Sanitäter kommt zehn Minuten später.
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#7

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 22:13
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von Bugsy im Beitrag #6
Zitat von Lutze im Beitrag #5
ist zwar OT,wir haben zur Zeit immer noch viele Radwechsel
auf Sommerreifen,viele Kunden wissen einfach nicht,das beim
Wechsel der Räder andere Radbolzen oder Radmuttern benötigt
werden,sehr,sehr wichtig,
und wer von euch weiß,was er im
Kofferraum überhaupt so alles drinne hat?
Lutze

Bist du dir da sicher? Das habe ich noch nie gehört. Ich frage nur deshalb, weil ich schon seit Jahrzehnten den Wechsel immer vom Raddienst machen lasse, falls eine Auswuchtung erforderlich sein sollte. Sicher haben die Jungs dort mal gelegentlich Radbolzen oder –mutter ersetzt, wenn sie ein bisschen ausgelutscht waren, aber doch nicht alle und schon gar nicht bei jedem Wechsel.

Es wollen mir aber auch keine logischen Gründe dafür einleuchten, was ja nicht heißt, dass es die nicht gibt. Ich wäre deswegen an eine Erklärung deinerseits schon interessiert.

MsG




Könnt Ihr diese hochwichtige Frage nicht durch PN klären ?

Danke

passport


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#8

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 22:27
von passport | 2.640 Beiträge

Zurück zum Thema

1. Einfuhr von Waffen und Munition waren verboten.
Außnahme Sportveranstaltungen mit Schusswaffengebrauch ( zB. Biathlon)

2. Transit 3. Staaten bzw. Transit BRD-WB
Die Personen gaben bei der Einreise beim GZA Anzahl der Munition und Waffe an. Vom Zoll wurden die Waffe(n) und Munition in getrennten
Behältnissen verplombt. Es wurde ein Protokoll erstellt und Gebühren erhoben. ´

passport


zuletzt bearbeitet 10.05.2013 22:27 | nach oben springen

#9

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 22:47
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von Bugsy im Beitrag #6
Zitat von Lutze im Beitrag #5
ist zwar OT,wir haben zur Zeit immer noch viele Radwechsel
auf Sommerreifen,viele Kunden wissen einfach nicht,das beim
Wechsel der Räder andere Radbolzen oder Radmuttern benötigt
werden,sehr,sehr wichtig,
und wer von euch weiß,was er im
Kofferraum überhaupt so alles drinne hat?
Lutze

Bist du dir da sicher? Das habe ich noch nie gehört. Ich frage nur deshalb, weil ich schon seit Jahrzehnten den Wechsel immer vom Raddienst machen lasse, falls eine Auswuchtung erforderlich sein sollte. Sicher haben die Jungs dort mal gelegentlich Radbolzen oder –mutter ersetzt, wenn sie ein bisschen ausgelutscht waren, aber doch nicht alle und schon gar nicht bei jedem Wechsel.

Es wollen mir aber auch keine logischen Gründe dafür einleuchten, was ja nicht heißt, dass es die nicht gibt. Ich wäre deswegen an eine Erklärung deinerseits schon interessiert.

MsG


,es geht darum,in den meisten Fällen sind die
Sommerreifen auf Alu-Felgen und die Wintereifen auf Stahlfelgen,kann auch
umgekehrt sein,oder beides,auf alle Fälle sollte man wissen,ob andere Radbolzen
oder Radmuttern zu dem Fahrzeug gehören,gerade bei Zubehörfelgen,
ich kann es nicht oft genug sagen,sehr,sehr wichtig,dein Radhändler sollte das wissen,
und wer die Räder selber wechseln möchte,macht die Radnaben an den Bremsscheiben
richtig sauber und auch die Innenseite der aufzusetzenden Räder,noch ein Tip,
bevor ihr selber die Räder abmontiert,beschriftiert ihr die,wenn man das vergessen
sollte,könnte es das nächste Problem geben,einige Reifen sind Rotationsgebunden,
und nicht vergessen,nach 30-50 Kilometern die Radmuttern oder Bolzen noch einmal
nachziehen,mit den richtigen Drehmoment,steht in der Bedienungs-Anleitung,
und den richtigen Lutfdruck beachten
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#10

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 22:49
von LO-Wahnsinn | 3.496 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #2
Das selbe würde dem werten Herrn heute auch noch passieren. Wer Waffen und / oder Munition im Fahrzeug transportiert, darf sich der besonderen Aufmerksamkeit der Kontrollorgane sicher sein. Vor allem dann, wenn er das Zeug über die Grenze bringt. Ich kann daran nichts verwerfliches erkennen. Auch nichts " DDR-typisches".

Gruß Uwe


Ich weis sowieso nicht, warum sich der Bundesbürger über die Abfertigung an der DDR Grenze immer so aufgeilt.
Ist aber halt so, wenn man nicht respektieren WILL, dass es Grenzen gibt die Systeme trennten und noch trennen.
Wie ihr wisst, bin ich Fernfahrer, also richtig, nicht so um die Kirche oder mal in die Nachbarländer.
Das heisst ich fahre in Drittländer wie es so schön heisst, habe damit auch Grenzen ausserhalb der EU, Russland, Türkei etc.pp.
Dort werde ich je nach Befindlichkeit und Dringlichkeit auch extremst tief gecheckt samt Fahrzeug, mitunter gleich 2-4 mal an einer Grenze.
Grenzpolizei und Zoll des einen Landes, das gleiche nochmal im Ein- oder Ausreiseland an selbiger Grenze.
Wer also bei der Ein- und Ausreise der DDR von permanenter Schikane spricht, der hat schier keinen Plan wie es an anderen Grenzen aussieht.
Das es Schikanen gab ist klar, die gibts auch heute noch, sind nicht alle Beamten lieb und manche schlecht drauf oder ganz benible.
Von der Regel kann man aber heute nicht reden und ich denke konnte man auch damals nicht.

Und heute ist das noch viel gefährlicher, wehe es hat mir einer Drogen unters Chassis geheftet was ich trotz eigner Sichtprüfung nicht gesehn habe, dann wäre ich aber richtig am Arsch, oder Illegale, die Nachts während ich schlief in meinen Palettenkasten gekrochen sind.
Auch wurde ich mit dem Privatauto schon mehrfach in Frankreich sehr tief kontrolliert, samt Verkleidungen abbauen, und das als EU Bürger in einem EU Land.
Auch werde ich als Deutscher Staatsbürger, wenn ich mit dem LKW mit dem Schiff aus einem EU Land komme (Finnland), vom Deutschen Zoll in Travemünde oft kontrolliert, auch da wird manchmal im Fahrerhaus alles durchsucht.
Das mag ärgerlich sein und nervig aber die Zöllner machen ihren Job, sie haben einen Auftrag und den hatten sie in der DDR auch.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#11

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 23:47
von Zaunkönig | 624 Beiträge

Ich bin seit 1972 auf der Eisenbahnfähre Warnemünde - Gedser als Matrose gefahren und hatte viel mit den KFZ Fahrern; PKW und LKW; zu tun. Einige haben sich auch zu den Kontrollen bei der Ausreise nach Gedser an Bord geäußert, aber von Schikane hat keiner gesprochen. Zwar genau und penibel, aber höflich und korrekt sollen die Zöllner gewesen sein. Und auch bei der Einreise aus Gedser gab es keine Probleme, wie vor: zwar genau und intensiv, aber höflich und korrekt.
Peter, der Zaunkönig, von 1972 bis 95 als Matrose auf dem EFS Warnemünde.


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
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#12

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 10.05.2013 23:49
von ABV | 4.204 Beiträge

Von Zöllnern oder besser gesagt von allen Kontrollkräften in der Welt wird erwartet, dass sie all die Dinge aufspüren, die dem Durchschnittsbürger irgendwie gefährlich werden können. Gleich zeitig wird erwartet, dass die Kontrollen möglichst schnell und ohne Aufwand über die Bühne gehen. Was einer Quadratur des Kreises gleichkommt. Entweder man schaut gründlich nach, oder verzichtet gleich auf die Maßnahme. Mir sind bei Kontrollen die verschiedensten Charaktere untergekommen. Die einen äußerten Verständnis, andere fuhren regelrecht aus der Haut. Aber wehe, wenn diese Spezie einmal Opfer einer Straftat wurde. Dann hätten die Kontrollen gar nicht penibel genug sein können.

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 10.05.2013 23:51 | nach oben springen

#13

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 00:40
von seaman | 3.487 Beiträge

Über Grenzabfertigungen könnte ich garantiert ein Buch schreiben,soviel unterschiedliche Dinge erlebte ich dabei weltweit.

Die Abfertigung an der DDR-Grenze war für mich dabei nie eine Ausnahmesituation gegenüber manch anderen Staaten.
Selbst bei einer Festnahme war man dort noch höflich.So habe ich das empfunden.

seaman


zuletzt bearbeitet 11.05.2013 01:19 | nach oben springen

#14

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 01:28
von Gelöschtes Mitglied
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Ich bin geschätzte 20mal über die Grenze gefahren: Anfangs als Kind (bei meinem ersten Besuch war ich 6) und im Schlepptau meiner Eltern per Bahn, später dann als Erwachsener mit dem PKW.

Es war IMMER ein mulmiges Gefühl, ganz anders als bei Grenzübertritten in andere europäische oder außereuropäische Länder. Es war ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit, das Gefühl des Ausgeliefertseins, ein Anflug einer Art Angst. Obwohl ich mich penibel an die Vorgaben gehalten und (im Gegensatz zu anderen Auslandsreisen) NIE versucht habe, etwas nicht zu deklarieren oder gar zu schmuggeln.

Das mag auch mit den besonderen Umständen zusammengehangen haben: Meine Verwandten wohnen immer noch in der Altmark und so haben wir die Grenze am Übergangsort Bergen/Dumme - Salzwedel passiert. Ein nicht sehr stark frequentierter Übergang und ganz besonders nicht zu den Zeiten, an den wir ihn passiert haben: Kurz nach Mitternacht. Von der Zeit passte das ganz gut: Gegen 18:00, 19:00 h nach der Arbeit im Rheinland gestartet, knappe 400 km bis zur Grenze, ab Hannover Bundesstraßen: Passt. Und wenn wir etwas zu früh waren, dann wurde halt gewartet: Bei vier Erwachsenen und einem Mindestumtausch von 25 DM pro angebrochenem Tag hat man sich schon überlegt, ob man um 23:40 h oder um 00:05 an die Kontrollstelle fuhr.

Dann ging es los, der erste Vorposten (falls ich nicht korrekte Bezeichnungen verwenden sollte: Seht es mir nach): Kurze Kontrolle der Pässe und der Einreisegenehmigungen, dann ging es weiter. Ein doppelflügeliges Tor, verschlossen. Motor aus, Radio aus, warten. Irgendwann wurde es geöffnet und wir fuhren 5 m weiter. Hinter uns wurde das Tor wieder geschlossen und vor uns, in ca 20 m Entfernung, ein zweites Tor. Natürlich ebenfalls verschlossen. Der Vergleich mit der Maus in der Falle kam mir oft: Wir waren allein, kein anderer West-Bürger wollte zu diesem Zeitpunkt die Grenze passieren. Allein mit den Menschen, in deren Hand wir nun waren. So empfanden wir es jedenfalls: Welche Ahnung hatten wir denn von deren Vorschriften, Kompetenzen, Möglichkeiten? Keine.

Die Papiere wurden entgegengenommen und der Kontrolleur verschwand damit im Dienstgebäude. Wir warteten. Es war völlig ruhig - aber es war keine beruhigende Stille. Teilweise wurden wir aufgefordert, auszusteigen und ins Gebäude zu kommen. Dort gab es dann Fragen nach dem woher und wohin, dem warum, der Dauer usw. usw. usw. Fragen, deren Sinn ich nicht verstand: Alle Antworten standen auch in unseren Dokumenten. Danach wurde das Fahrzeug kontrolliert: Alle Gepäckstücke raus, Reservereifen raus, hintere Sitzbank raus. Und alles zurück, als das vorbei war.

Dann begann Phase II: 10 m weiter fahren, zur nächsten Kontrollstelle. Wieder alle Gepäckstücke ausladen und diesmal ins Kontrollgebäude bringen. Und natürlich auch wieder die eben kontrollierten Papiere vorlegen, die 3. Kontrolle der Dokumente. Anschließend erfolgte eine mal mehr, mal weniger intensive Kontrolle der Gepäckstücke: Mal wurden wir aufgefordert, den gesamten Inhalt zu entnehmen und ihn einzeln wieder einzupacken, manchmal begnügte man sich damit, in einer oder mehrer Ecken des Koffers oder der Tasche etwas anzuheben, damit gesehen werden konnte, was sich darunter befand. Irgendwann war auch das vorbei, wir "durften" wieder einpacken, die Koffer im Auto verstauen, bekamen unsere Dokumente und endlich, endlich wurde das zweite Tor geöffnet und wir in die Nacht entlassen.

Gedauert hat das Ganze zwischen 30 Minuten und einer Stunde, je nach Lust und Laune der Kontrollierenden. Allerdings habe ich auch einmal eine 4-Stunden-Kontrolle erlebt, ohne dass ich dies mit meinem Verhalten begründen konnte.

Ein weiterer Vorfall ist mir in bleibender Erinnerung geblieben: Ich war mir meiner damaligen Frau und unserem Sohn, 3 Jahre alt, unterwegs. Kurz vor der Grenze fiel ihr auf, dass sie seinen Kinderausweis vergessen hatte: Ein einfaches Dokument mit Name und Anschrift, ohne Lichtbild. Ich habe geflucht, aber es lagen ein langer Arbeitstag und 400 km Fahrt hinter mir - was sollte ich machen? Also weiter. Dem ersten Vorposten habe ich dann "gebeichtet" und seine Reaktion war sinngemäß, dass das nicht schlimm sei, es könne ein Ersatzdokument ausgestellt werden. Also weiter in den eben beschriebenen Käfig. Dort die gleiche Erklärung und der Kontrollierende verschwand. Und dann dauerte es, gefühlte Ewigkeiten vergingen. Bis dann ein Anderer, vermutlich ein Vorgesetzter, erschien und mir erklärte, dass wir nicht einreisen dürften. Interessant war dabei, dass er mir dabei kein einziges mal ins Gesicht geschaut, sondern sich hochinteressiert meinen Kotflügel angesehen hat. Auf eine Diskussion habe ich mich nicht eingelassen, sie erschien mir zwecklos. Also Auto wenden und zurück. Nur mal nebenbei meine Frage an die Experten: Wäre es möglich gewesen, ein Ersatzdokument zu erstellen und uns einreisen zu lassen? Wäre interessant, das zu erfahren.

Doch zurück: Zu allem Unglück gab auf dem Rückweg das Getriebe seinen Geist auf: Die letzten ca. 150 km bin ich im 3. Gang gefahren - auf der Autobahn war ich einfach nur langsam, aber im abschließenden Stadtverkehr wurde das schon zur echten Herausforderung. Doch ich habe es geschafft, um 07:00 h war ich wieder zu Hause.

Zum Glück hatte ich damals eine leitende Position (ich war Prokurist) und mein Audi 80 war ein Dienstwagen. Also war ich um 08:00 h (es war ein Samstag, aber ich hatte alle erforderlichen Schlüssel) im Büro und habe mir einen der Pool-PKW geschnappt, bin wieder nach Hause, habe alles umgeladen und so gegen 10:00 h sind wir wieder gestartet. Diemal MIT Kinderausweis.

Am frühen Nachmittag waren wir dann endlich am Ziel: Ein harter Arbeitstag, 1.200 km und der Ärger, der Stress lagen hinter mir. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich noch ein Bier getrunken und bin dann im Sessel eingeschlafen.

Dies nur als "Bericht von der anderen Seite"


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#15

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 02:16
von Gelöschtes Mitglied
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Nachtrag (stressfrei, ich scheine heute Nacht in Schreiblaune zu sein):

Zwei Jahre nach dem eben beschriebenen Erlebnis mit dem Kinderausweis verstarb mein Vater. Sein Neffe, mein Cousin (ein Jahr jünger als ich, verheiratet, zwei Kinder) erhielt zum Begräbnis eine Ausreiseerlaubnis "in dringenden Familienangelegenheiten", ausgestellt auf eine Woche. Wir hatten also genügend Zeit für andere Dinge.

Ich wohnte damals am Nordrand der Eifel, nicht so schrecklich weit von der belgischen Grenze entfernt. Er wollte gerne auch was von Land und Leuten sehen und so machten wir eine ausgedehnte Fahrt durch die Eifel, die uns auch an die belgische Grenze führte. Wir fuhren über die B 265, die über einen längeren Abschnitt die Grenze (für Detailversessene: Am Weißen Stein) darstellt: Ähnlich wie in Berlin in der Bernauer Straße gehörte die Straße selber noch zum Bundesgebiet, der Straßenrand hingegen schon zu Belgien. Ich habe das meinem Cousin gesagt, aber der sah mich nur irritiert an und schwieg. Konsterniert war er, als ich ihm ein Haus mit einem Kiosk zeigte: Es stand auf belgischem Grund und Boden, wenn man es allerdings durch den Haupteingang verließ, war man in Deutschland. Die verkauften dort fröhlich Zigaretten, Kaffee (die dort deutlich preiswerter waren) und natürlich die gute belgische Schokolade. Ausweiskontrollen? Zoll? Weit und breit nichts davon zu sehen.

Völlig perplex war er, als wir dann an den "offiziellen" Grenzübergang kamen: An der Straßenseite eine Baracke, in der Straßenmitte ein leeres Postenhäuschen, so groß wie eine Telefonzelle und dazu zwei weit geöffnete Schlagbäume. Kein Zaun rechts und links davon, nichts. Ich habe die Fahrt etwas verlangsamt und in Richtung der Baracke geschaut: Dort konnte ich gerade noch eine Hand erkennen, die uns aufforderte, doch endlich weiterzufahren. So kam er zu einem Kurzbesuch in Belgien - und konnte es nicht fassen.

Na ja, und wenn ich das mit meinem gerade mal zwei Jahre davor zurückliegendem Erlebnis vergleiche - dann gab es da schon einen signifikanten Unterschied....


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#16

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 08:43
von Polter (gelöscht)
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Nun mit Erinnerungen ist es so eine Sache !
Über den Kontrollpunkt Bergen/ Dumme - Salzwedel bin ich sehr oft allein und auch mit Familie gefahren. Ich habs einfach anders in Erinnerung als
oben beschrieben. Räumlickeiten und Kontrolle. Ich weiß, daß die DDR - Kontrolle verlangt hat, daß mitreisende Kinder entweder im Paß der
Eltern eingetragen waren oder die Kinder einen Kinderausweis haben mußten. Ob bzw. was ab welchem Alter ? keine Ahnung. Ich denke nicht, daß die Kontrolleure der DDR bei der Einreise berechtigt waren, ohne irgend einen bundesdeutschen Nachweis, einen Kinderausweise o.ä. auszu-
stellen. Für ungültige Pässe gabs wohl eine Identitätsbescheinigung.
In Marienborn mußte ich einmal zurückfahren, weil ich meinen Pass vergessen hatte. Ich bekam noch den Rat in Marienborn Paßbilder im Automaten zu machen, damit die Polizei in Helmstedt die " Verlustbescheinigung " ausstellen kann. Gesagt - getan, es hat alles recht gut geklappt und brauchte nicht zurück nach Hause. Hätte die Polizei in Bergen/ Dumme nicht auch den Ersatz ausstellen müssen oder können?
Die DDR war doch nicht zuständig, daß jeder Reisende seinen Paß hatte, oder?
Zu den gefühlten Ewigkeiten und Ängsten an den Übergängen meint der Lebensberater Graf Bonto:
Die Länge einer Minute und die Ängste sind immer davon abhängig, ob man vor der Toilettentür steht oder dahinter !


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#17

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 08:55
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

Die Länge einer Minute und die Ängste sind immer davon abhängig, ob man vor der Toilettentür steht oder dahinter !@Polter

Da ist sehr viel wahres drann Polter.Egal ob bei einem die Bude brennt,oder ob jemand einen Herzinfarkt hat,es heisst immer "Sie kommen aber Spät,wir haben doch vor einer halben Stunde schon Angerufen" Nachweisbar war es aber vor 10 min.


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#18

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 09:20
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zu den an der Grenze der DDR ausstellbaren Paßersatzdokumenten gibt es hier eine Abbildung und weitere Infos -
so war mir das Procedere eigentlich auch bekannt:

http://www.runde-ecke-leipzig.de/sammlun...x.php?inv=14978

Gruss

icke



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#19

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 10:31
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #13
Über Grenzabfertigungen könnte ich garantiert ein Buch schreiben,soviel unterschiedliche Dinge erlebte ich dabei weltweit.

Die Abfertigung an der DDR-Grenze war für mich dabei nie eine Ausnahmesituation gegenüber manch anderen Staaten.
Selbst bei einer Festnahme war man dort noch höflich.So habe ich das empfunden.

seaman



Ganz so normal kann es ja wohl nicht gewesen sein bei den Grenzabfertigungen.
Diese Fragen standen zeitweise ständig auf der Tagesordung der Transitkommission.
Selbst Honecker versprach "humanere" Kontrollen der westdeutschen Reisenden, mit der Aussicht auf die Droge D-Mark.


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#20

RE: Stress an der DDR-Grenzübergangsstelle

in Mythos DDR und Grenze 11.05.2013 10:39
von Gelöschtes Mitglied
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Zitate Polter:
Hätte die Polizei in Bergen/ Dumme nicht auch den Ersatz ausstellen müssen oder können?
Das habe ich natürlich versucht. Aber in der Nacht von Freitag auf Samstag, so gegen 01:00 h? In dem Kuhdorf? Keine Chance

Die DDR war doch nicht zuständig, daß jeder Reisende seinen Paß hatte, oder?
Selbstverständlich nicht, das war eigene Blödheit oder meinetwegen auch Schusseligkeit. Was anderes habe ich auch nie behauptet.


PKE hat sich für diesen Beitrag bedankt
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