#1

Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 10:23
von SET800 | 3.090 Beiträge

hallo,
meine These oder Einschätzung, denkend an Hilde Benjamin und den Spätstalinismus, vor 1955 - 1957 gab es ideologisch bedingte Strafverfahren auch gegen Bürger "guten Willens" nur um vorzeigbare Straftäter zu haben oder auch zur Machdemonstration der SED.

Vereinfacht: Private Handwerks- Handels- und Industriebetriebe mussten real irgendwann und irgendwie gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen um überhaupt zu funktionieren, auch OHNE private Bereicherung der Eigentümer und Firmenleiter, jede "Besorgung" mit Kompensation von Material konte als Bestechung oder Steuervergehen ausgelegt werden.... Damit waren Betriebsleiter jederzeit wenn es politisch passte anklag- und bestrafbar.

Dagegen gab es nach 1960 für Leute die in ihrer Funktion vernünftig arbeiteten keine "Blitzeinschläge" politisch motivierter Anklagen. Wer danach Probleme hatte WOLLTE sich der DDR nicht anpassen, sei es Lenkung ablehnend oder Wunsch nach materiellen Wohlstand im Westen.



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#2

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:09
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Diese Erkenntnis ist einen Asbach Uralt wert ,oder zumindest einen alternativen Nobelpreis.
Ich fasse zusammen: Systemkonforme Mitläufer hatten in der DDR nach 1960 nichts zu befürchten.
Ja, so war es! Ich kann es bezeugen.


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#3

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:11
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Das Datum der "Änderung" ist genau bestimmbar. Der 13. August 1961 - die Mauer. Damit endete die grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität weitgehend und die "illegale Migration" nach Westberlin und der DDR wurde sehr erschwert. Die Arbeit der Kriminalpolizei und des MfS wurde dadurch erleichtert, inbesondere bestand oft keine so grosse Zeitnot mehr bei den Ermittlungen, die Beschuldigten konnten sich der Strafverfolgung nicht mehr so leicht durch Flucht entziehen. Bessere Ermittlungsergebnisse waren die Folge und demzufolge vermutlich weniger Schauprozesse erforderlich
Eine grosse Rolle spielte aber auch der Kalte Krieg. Für die Westpropaganda war klar, dass alle Einwohner der "Zone" unter dem "Pankowregime" litten und sofort abhauen würde, wenn es denn die "Staatsbüttel" der sowjetischen "Marionetten" in Ostberlin zuliessen. Deshalb musste die DDR Propaganda nachweisen, dass die Bürger in der DDR glücklich und zufrieden waren und keineswegs an Flucht dachten. Wenn sich Fluchten ereigneten, wurden die Prozesse totgeschwiegen, wenn das nicht möglich war, brauchte es wahnsinnige Verrenkungen
Beispiel : Der "Terrorist" Harry Deterling, Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn, hielt seinen Zug am 5. Dezember 1961 auf offener Strecke an, in der Absicht einen Auffahrunfall des nachfolgenden Schnellzuges Hamburg-Berlin zu bewirken. Das vielleicht folgenschwerste Unglück in der Geschichte der Reichsbahn konnte durch das beherzte Eingreifen des Zugführers (Zugbegleiters) verhindert werden, der die Fahrgäste rechtzeitig aus dem Zug evakuierte und so viele Leben rettete. Das wurde dann auch so angeklagt, es erging ein entsprechendes (Abwesenheits-) Urteil, obschon es ganz anders war. Denn von Flucht durfte nicht die Rede sein.
Theo


zuletzt bearbeitet 07.04.2013 11:13 | nach oben springen

#4

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:15
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #2
Diese Erkenntnis ist einen Asbach Uralt wert ,oder zumindest einen alternativen Nobelpreis.
Ich fasse zusammen: Systemkonforme Mitläufer hatten in der DDR nach 1960 nichts zu befürchten.
Ja, so war es! Ich kann es bezeugen.


Wobei eben Mitläufertum in der DDR eben nicht die Duldung, Unterstützung oder Beteiligung an Völkermord und Raubkrieg bedeutete, ein deutlicher Unterschied zu NS-Mitläufern.


Zitat: Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

Wirklich? Was ist mit den Politgangstern der KgU? Waren dort Polizeihinweise auf Sabotage eine Lumpentätigkeit oder Bürgerpflicht?



zuletzt bearbeitet 07.04.2013 11:17 | nach oben springen

#5

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:26
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Jungs, seid ihr euch sicher, dass ihr wirklich jeweils die ganze Wahrheit kennt? Diese aufgeputschten Stories sind offenbar die Maximalvariante der damaligen DDR-Propagandaauslegung aus der Ostpresse. Da wurde doch gerne aus einer Flucht ein Verrat, Spionage, Agenten, Anschlag, Boykotthetze, Gefährdung des Weltfriedens und so weiter. Je früher das war, desto schriller die Vorwürfe.
Vielleicht sollte man sich die Mühe machen, den jeweiligen Einzelfall nochmal aufzurollen? Geht nicht so eben im Forum. Dann könnte man sich auch die spontanen Hasstiraden hier sparen.

Reichsbahner Deterling ist mit seiner Lok und einem Zug über die Grenze nach West-Berlin abgehauen. Alle Fahrgäste, die wollten, konnten auch gleich da bleiben. Der war kein Terrorist.
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/lo...90,8945852.html


zuletzt bearbeitet 07.04.2013 11:32 | nach oben springen

#6

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:36
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich habe irgendwie immer ein Problem mit dem "Mitläufertum". Stelle mir da also einen Menschen vor, so am Straßenrand stehend und es kommt eine Gruppe von Leutchen, die scherzen und lachen und die rufen zu ihm rüber:" Du da Menschenkind, hast du nicht Lust mit uns mitzulaufen"? Und ohne zu fragen, wo die Gruppe denn nun überhaupt hinlaufen will, ordnet er sich ein...."läuft einfach mit".

Klingt simpel, ist aber für mich sinngemäß ein typischer Mitläufer, der einfach nicht nachdenkt...eben wie schon geschrieben mitläuft.. Ich meine, das Menschenkind in der DDR war irgendwie anders. Man kann das wirklich schlecht formulieren und um das mal zu erweitern und das schrieb ich auch schonmal irgendwo...." Jede Gesellschaftsordnung verlangt eine gewisse Anpassung, so war das im Sozialismus und so ist das auch noch heute".

Denn das Leben unterliegt Regeln, Gesetzen,noch vielem mehr, also alles Sachen, an die ich mich schon halten muss, um in der Gesellschaft in der lebe nicht als Aussenseiter, Terrorist, Querulant, (könnte man hier ergänzen mit DDR typischen Begriffen wie Klassenfeind) halt als Einer dazustehen, der nur schwer mit "seiner Gesellschaft" kann.

Aber wenn wir OT sind, könnte man einen Extrafred aufmachen unter "Der Mitläufer oder doch nur Alltagsmensch"?

Lebensläufer


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#7

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 11:55
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von SET800 im Beitrag #1
hallo,
meine These oder Einschätzung, denkend an Hilde Benjamin und den Spätstalinismus, vor 1955 - 1957 gab es ideologisch bedingte Strafverfahren auch gegen Bürger "guten Willens" nur um vorzeigbare Straftäter zu haben oder auch zur Machdemonstration der SED.

Vereinfacht: Private Handwerks- Handels- und Industriebetriebe mussten real irgendwann und irgendwie gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen um überhaupt zu funktionieren, auch OHNE private Bereicherung der Eigentümer und Firmenleiter, jede "Besorgung" mit Kompensation von Material konte als Bestechung oder Steuervergehen ausgelegt werden.... Damit waren Betriebsleiter jederzeit wenn es politisch passte anklag- und bestrafbar.

Dagegen gab es nach 1960 für Leute die in ihrer Funktion vernünftig arbeiteten keine "Blitzeinschläge" politisch motivierter Anklagen. Wer danach Probleme hatte WOLLTE sich der DDR nicht anpassen, sei es Lenkung ablehnend oder Wunsch nach materiellen Wohlstand im Westen.


Anfang der 70er war da aber auch noch was mit privaten Handwerks- Handels- u. Industriebetrieben.
Die ehemaligen Firmeneigner sind da alle freiwillig, in der Einsicht zur sozialistischen Notwendigkeit, nach "Verkauf" ihres ehemaligen Besitzes zu VEB-Betriebsleitern geworden, oder in den Westen abgehauen.
Auf uneinsichtige Kleinkapitalisten konnte man aber locker verzichten.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.04.2013 12:25 | nach oben springen

#8

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 12:49
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Die Mehrheit der Menschen passt sich jedem System an. Das liegt einfach in der Natur des Menschen. Zu Märtyrertum neigen die Wenigsten. Proportional zum zeitlichen Abstand des Ende eines ...ismus, steigt die Anzahl der ehemaligen Systemgegner und aktiven Widerstandskämpfer und natürlich auch die Zahl der Systemopfer. Ein ständig wiederkehrendes Phänomen.
In der Regel sieht Jeder in jedem System zu, wie er es sich am Besten einrichtet. Ich sehe da keinen Unterschied zwischen den Gesellschaftssystemen.
Abweichler werden in jedem System , nur eben mit unterschiedlichen Methoden kaltgestellt. In Aufbau-und Endphasen eines Systems gibt es zwangsläufig verstärkte Versuche der Systemkritiker und damit auch die Reaktion des Staates, seine Repressalien zu verstärken.
Dieses Anpassen findet man in sehr vielen Staaten, ist also kein typisches DDR-Phänomen.

@Grenzwolf
Mit der Enteignung kleiner Privatbetriebe Anfang der 70er wurde dann, ein weiterer Spatenstich zum Untergang des Arbeiterparadieses vollzogen. Das war in etwas das, was sich heute im bundesdeutschen Sprachgebrauch "Energiewende" nennt.

@SET800
Verbrecherische Straftaten zu melden und Schaden von Menschen und Eigentum abzuwenden, ist Bürgerpflicht und kein Denunziantentum.


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.04.2013 12:53 | nach oben springen

#9

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 13:55
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Zitat
Verbrecherische Straftaten zu melden und Schaden von Menschen und Eigentum abzuwenden, ist Bürgerpflicht und kein Denunziantentum.



Verbrechen werden in Diktaturen aber völlig anders ausgelegt. Ist es da auch immer Bürgerpflicht, "verbrecherische Straftaten" zu melden?
"Da wird ein Jude versteckt", "da hört jemand Feindsender", "da schmiedet jemand Fluchtpläne", "da hat jemand ein Führerportrait beschmiert" und so weiter. Alles "Straftaten".


zuletzt bearbeitet 07.04.2013 13:56 | nach oben springen

#10

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:05
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #2
Diese Erkenntnis ist einen Asbach Uralt wert ,oder zumindest einen alternativen Nobelpreis.
Ich fasse zusammen: Systemkonforme Mitläufer hatten in der DDR nach 1960 nichts zu befürchten.
Ja, so war es! Ich kann es bezeugen.


Grün: Systemkonforme Mitläufer haben nie und nirgedwo etwas zu befürchten. M.E. mußte man auch nach 1960 kein systemkonformer Mitläufer sein. Es reichte, seiner Arbeit nachzugehen, sich in seiner Hobby-Niesche zu betätigen, nicht die Abschaffung des Systems zu fordern und bei Kritiken sich weitestgehend auf die Ökonomie zu beschränken.



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#11

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:15
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #9

Zitat
Verbrecherische Straftaten zu melden und Schaden von Menschen und Eigentum abzuwenden, ist Bürgerpflicht und kein Denunziantentum.


Verbrechen werden in Diktaturen aber völlig anders ausgelegt. Ist es da auch immer Bürgerpflicht, "verbrecherische Straftaten" zu melden?
"Da wird ein Jude versteckt", "da hört jemand Feindsender", "da schmiedet jemand Fluchtpläne", "da hat jemand ein Führerportrait beschmiert" und so weiter. Alles "Straftaten".




Ist ja wohl ein riesen Unterschied, ob es um Handlungen geht, bei denen nicht Leib und Leben Unbeteiligter oder erhebliche Sachwerte in Gefahr sind oder ob hier Gesundheit und Leben von Menschen,i.d.R. Unbeteiligten auf dem Spiel stehen oder ob z.B. hoher wirtschaftlicher Schaden verhindert wird.



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#12

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:24
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Auch das wurde ja frei ausgelegt. Boykotthetze, Gefährdung des Weltfriedens, Verrat. Jedem kleinen Flüchtling wurde doch gerne unterstellt, als "Agent" im Kontakt mit imperialistischen Mächten zu stehen. Da konnte schon ein Musikwunsch beim RIAS zuviel sein.

Hier oben, die Nummer mit dem Lokführer auf der Flucht. Der wollte nicht den D-Zug nach Hamburg auf sich auffahren lassen. So ein Vorwurf wurde aber draus gemacht. Verbrecher? Also melden?


zuletzt bearbeitet 07.04.2013 14:27 | nach oben springen

#13

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:42
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

[quote=Harzwanderer|p245422]Auch das wurde ja frei ausgelegt. Boykotthetze, Gefährdung des Weltfriedens, Verrat. Jedem kleinen Flüchtling wurde doch gerne unterstellt, als "Agent" im Kontakt mit imperialistischen Mächten zu stehen. Da konnte schon ein Musikwunsch beim RIAS zuviel sein.

Hier oben, die Nummer mit dem Lokführer auf der Flucht. Der wollte nicht den D-Zug nach Hamburg auf sich auffahren lassen. So ein Vorwurf wurde aber draus gemacht. Verbrecher? Also melden?[/quote]

Rot: Ich gebe Dir Recht, daß hier eine Menge Kleinigkeiten sehr willkürlich ausgelegt wurden. Was ich meinte, war die echten Gefährdungen, bei denen es keiner Auslegung mehr bedurfte, die zu jeder Zeit und überall strafbar gewesen wären, also gesellschaftsunabhängig.
Mich hätte man damals auch belangen können, als ich z.B., 87 oder 88 ware es, einen Beitrag an eine westdeutsche Hobbyzeitschrift als Antwort auf einen Artikel geschrieben hatte. Mein beitrag, etwa 1/4 Seite lang, wurde auch abgedruckt, aber ohne meinen Namen. Alle, die mich aus meinem Verein kannten und denen diese Zeitschrift ebenfalls zugänglich war, wußten aus dem Inhalt heraus, daß er von mir stammt. Und damals war ich sogar nebenamtlicher PS in unserem Betrieb und habe mir das getraut. Sogar, 69 oder 70 muß es gewesen sein, erschien ebenfalls in einer westdeutschen Hobbyzeitschrift (ich glaube, es war "Der Aufschluss", eine Tauschanzeige auf meinem Namen, die allerding meine Kasseler Bekannten dort eingegeben hatten. Das Resutat war, daß ich fortan bis zum Erlass eines für mich ungünstigen Zollgesetzes 1973, einen sehr regen Tausch mit Sammlern aus der BRD,Österreich, Schweiz u.sogar aus der USA hatte und mich das MfS, welches mich bis dahin bewerben wollte, in Ruhe ließ. In meiner Akte hatte ich lediglich Hinweise gefunden, daß ich persönliche Kontakte zu Sammlern habe. Mehr nicht. Also was ich damit ausdrücken will, so alles über Restriktionen, was manchmal behauptet wird, kann ich nicht nachvollziehen.



zuletzt bearbeitet 07.04.2013 14:44 | nach oben springen

#14

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:52
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #12


Hier oben, die Nummer mit dem Lokführer auf der Flucht. Der wollte nicht den D-Zug nach Hamburg auf sich auffahren lassen. So ein Vorwurf wurde aber draus gemacht. Verbrecher? Also melden?


Irgendwie genial war es schon...
(aber offtopic)
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...nical/year/1961
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...ember/year/1961

http://www.w-schlegel.de/Gleisplaene/body_as.htm
(Interessante Neuigkeiten: Der belobigte Zugbegleiter soll angeblich Mittäter gewesen sein...!)
Theo
Zurück zum Thema!!


zuletzt bearbeitet 07.04.2013 14:56 | nach oben springen

#15

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 14:56
von SET800 | 3.090 Beiträge

Hallo, zum bestrafen von "Hetze" und ähnlichem. Wer heute sieht was die von aussen eingebrachte Radikalisierung
und "Nationalisierung" für Folgen brachte in Jugoslavien und Libyen, mehr Menschenrechte und Frieden brachte
das den Menschen nicht.

Ich traue mich sogar zu nennen, die Aufhetzung der Tschechen zum Chauvinismus vor 1919 durch französich-britische Agenten brachte den
Menschen an der Moldau insgesamt und zu keinem Zeitpunkt nicht mehr Freiheit als unter dem Habsburger Reich.



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#16

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 15:21
von turtle | 6.961 Beiträge

Eigentlich entstanden die nach und nach und je mehr ich versuchte die DDR mit der BRD zu vergleichen umsomehr wurde das Minuskonto der DDR größer.Sozialismus wie ich mir vorstellte ,nein so wie in der DDR praktiziert war es für mich nicht erstrebenswert. Ich träumte von der weiten Welt ,Reisen ohne Einschränkungen, Kritik gegen den Staat auch mal etwas schärfer vorzubringen.Gängelei ,ja fast schön manchmal Nötigung
die Systemtreue unter Beweis zu stellen. Das fing schon damit an das ich bereits im Kinderheim massiv bedrängt wurde bei der Paten LPG Rinderzüchter zu lernen.. Später kam die wiederholte Werbung endlich in die FDJ einzutreten hinzu, Meine Westantenne sollte ich auch entfernen usw. Im Prinzip fühlte ich mich wie mit Maulkorb und Zwangsjacke.Sicherlich waren es genauso Verlockungen wenn ich in Leipzig zur Messe die westlichen Besucher sah. Wieso wurden die bevorzugt behandelt ,schon am Messeabzeichen konnte man sie erkennen. Devisenbars musste das sein? Da kam ich mir doch nur als Bürger 2. Klasse im eigenem Land vor. Wenn die Wessies dann noch erzählten was sie alles dürfen ,so stellte ich mir meine Demokratie vor. Damals mit 18 Jahren dachte ich nicht so sehr über die Kehrseite des Kapitalismus nach. Auch so frei zu leben ,das wollte ich. Na jedenfalls dachte ich damals so. So kam es wie es kommen musste ,ich machte mich auf die Socken Richtung Westen. Kurz vor der Grenze war mein Ausflug beendet ,einem Helfer der Grenztruppen fiel ich auf. Verurteilt zu 18 Monaten Zuchthaus war die Quittung. Nein ich empfand keine Schuld.das Urteil empfinde ich auch heute noch als Unrecht. Und danach ? Meine Abneigung wurde noch stärker zum Staat DDR. Arbeit im Rahmen der kollegtiven Erziehung im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk wurde mir zugewiesen, Rechenschaft sollte ich ablegen ,hören wollten sie das ich mein Fehlverhalten einsehe. Einmal pro Woche beim ABV melden,einen Sonderausweis mir dem ich mich nicht einmal in der DDR frei bewegen konnte! Nein meine Liebe zur DDR und dem Sozialismus wurde nicht besser. Jeder " Normale" Straftäter wurde zwecks Wiedereingliederung in die sozialistische Gesellschaft besser behandelt. Ich sah keine andere Möglichkeit als es wieder zu versuchen. Ich schaffte es. Nein einen Idealstaat fand ich auch in der BRD nicht,aber einige Träume konnte ich verwirklichen,und bereut habe ich es nie.


Lutze, seaman und utkieker haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.04.2013 15:34 | nach oben springen

#17

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 15:35
von Lutze | 8.027 Beiträge

@turtle,hattest du mal versucht, einen Ausreiseantrag zu stellen?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#18

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.04.2013 15:38
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #17
@turtle,hattest du mal versucht, einen Ausreiseantrag zu stellen?
Lutze



So etwas gab es zu meiner DDR Zeit noch nicht . 1. Fluchtversuch war 1964 .Flucht 1968 !


Lutze und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 11.04.2013 12:06
von berlin3321 | 2.513 Beiträge

@ DoreHolm:

Was ist ein PS des Betriebes?

Fluchten der ehemaligen Eigentümer von Betrieben oder allgemeine, "verbrecherische" Handlungen von Betriebsleitern waren doch wohl zum Teil auch aus der Mangelwirtschaft heraus unumgänglich?

Mir ist aus einer Chronik der AWO/ Sport AWO heraus im Gedächtnis, man hatte ein Motorrad, Baugleich mit der BMW R 25/ 3 (mehr oder weniger), konnte die nicht produzieren, weil es kein Material für die Speichennippel gab. Es fuhr jemand nach West- Berlin, kaufte eine Aktentasche voll und die Produktion konnte weiter gehen.

Ich frage mich da, was ist das für ein Wirtschaftssystem? Man hat Millionen für die Grenzsicherung ausgegeben statt das Geld in die Modernisierung zu investieren.

Dies gilt speziell für die letzten 10 Jahre der DDR. Jedoch wurde der Grundstein m.E. nach schon zu Beginn gelegt. Und die ehemaligen, enteigneten Inhaber der VEB´s besaßen den Weitblick und gingen genau aus dem Grund.

Ich bitte um rege Diskussion.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#20

RE: Fluchtgründe vor ca. 1955 und so ab 1960?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 11.04.2013 12:58
von SET800 | 3.090 Beiträge

Hallo,
ich sage Erich, einerseits stockonservativ betreff Autonomie der Betriebsleiter, deutlich "sozialistisch-planwirtschaftlicher" als Walter, sein Vorgänger.

Anderseits Erichs Gier mit materieller "Bestechung" inkl. Westimporten gegen Devisen Zustimmung der Bevölkerung zu erlangen.

Mit dem Effekt daß mit steigenden Kreditbelastungen UND Export zu zu geringen Preisen ( Quelle..... ) Volksvermögen und Arbeitskraft verschleudert wurde.



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