#21

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 11:36
von werner | 1.591 Beiträge

Wie kann man am frühen Morgen so wirres Zeug schreiben, @harzwanderer. Nimm mal eine neutrale Brille und versuch´s dann noch mal mit verstehendem Lesen.

Das Gericht hat Burianek rehabilitiert, nicht Herrn Schmidt, und Schmidt ist weder Genosse noch OSL.

Das Urteil gegen Schmidt ist wohl damit begründet, dass ja Burianek rehabilitiert ist und damit nach bundesdeutschem Rechtsverständnis kein Terrorist ist.

Wenn man das Andenken Verstorbener nach dem Rechtsverständnis durch bestimmte Titulierung verunglimpft und damit eine strafbare Handlung begeht, dann sollten einige mal überlegen, was sie über andere verstorbene Personen hier im Forum rumposaunt haben, ich erinnere mich da z.B. an Mordbuben, Verbrecherclique - aber wenn es gegen die geht, sind auf einmal nicht mehr alle vor dem Gesetz gleich, nicht wahr?
Auch so was ist Rechtsbeugung, egal mit welchen advokatischen Winklelzügen das begründet wird, und bestätigt einmal mehr, dass Recht und Gesetz niemals unpolitisch sein kann, sondern Interessen der Macht vertritt, auch wenn man hierzulande genau das so gerne abstreitet und mit dem Titel "Gesetzgeber" verschleiert.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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zuletzt bearbeitet 06.04.2013 11:37 | nach oben springen

#22

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 11:38
von Barbara (gelöscht)
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Vielleicht ein bisschen OT, aber immerhin taucht diese Wort in der Überschrift auf und auch sonst häufig im Forum:

„ Siegerjustiz“ hört sich so an, als habe die DDR habe den „Kalten Krieg“ gegen die BRD verloren. Das historisch so runter zu brechen halte ich für falsch.
War es nicht so, dass die DDR-Bürger mehrheitlich einen Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten zugestimmt haben und das auf demokratischem Weg? Also „Kriegsfolgen“ sehen anders aus, wie die Geschichte uns lehrt.

Müssten nicht eigentlich die, die bedauern, dass es nicht einen eigenen Weg der DDR gegeben hat (was ich nachvollziehen kann), eher selbstkritisch sein und sich hinterfragen, warum sie sich nicht mehr engagiert haben in der damaligen DDR-Bevölkerung – vor den Wahlen, Überzeugungsarbeit geleistet haben für den „eigenen Weg“ , aufgezeigt haben, welch ein gesellschaftlicher Wechsel eigentlich bevorsteht und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein können? Sozusagen eine "verlorene Wahl" analysieren?

Nebenbei wird durch diese Sprache die gesamte Bevölkerung der ehem. BRD in Misskredit gebracht als Träger der „Siegermacht“. Ich finde das nicht in Ordnung. Ich habe keine einzige Stimme bei 1989 und später gehört, die von einem "Sieg" über die DDR oder über den Sozialismus sprach. Und ich fühle mich ganz gewiss nicht als Teil einer „Siegermacht“.

Was ich damals mitbekommen habe, waren Freude und später Besorgnis, wie ein Zusammenschluss von zwei Staaten zu stemmen sei. Ein Zusammenschluss, den die DDR-Bevölkerung mehrheitlich gewählt hat.

Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.

Ich habe hier im Forum einen ganz anderen Eindruck von den ehem. DDR-Bürgern, nämlich dass sie kluge und reflektierte Menschen sind.
Also vielleicht ist es langsam mal angebracht, damit aufzuhören letztlich die gesamte deutsche Bevölkerung abzuwerten, die einen als „zu doof“ und die anderen als „überheblich“.

Politische Auseinandersetzung sieht für mich anders aus und außerdem - kein einziges aktuelles Problem wird dadurch gelöst.


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#23

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 11:40
von eisenringtheo | 9.164 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #3


Nämlich daß die Benennung eines Planers von Sprengstoffanschlägen als "Bandit und Mitgleid einer Verbrecherorgansiion" als Verunglimpfung von Toten als strafwürdig beurteilt wird.

Ein schönes Beispiel ist dieser Gummiparagraph dafür daß Rechtsfragen Machtfragen sind und Recht IMMER auch ein Kampfmittel der herrschenden Klasse ist.
(.....)



Das hat nichts mit Gummi, sondern mit der Unschuldsvermutung zu tun
http://de.wikipedia.org/wiki/Unschuldsvermutung
Da das Urteil des Gerichts der DDR aus formellen Gründen aufgehoben wurden, ist der Verstorbene als unschuldig zu betrachten. Und dann darf man ihn nicht öffentlich eines Verbrechens bezichtigen. Als politisch motiviert ist aber vielleicht das Vorgehen der Staatsanwaltschaft zu sehen...
§194 (2) Ist das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, so steht das Antragsrecht den in § 77 Abs. 2 bezeichneten Angehörigen zu. Ist die Tat durch Verbreiten oder öffentliches Zugänglichmachen einer Schrift (§ 11 Abs. 3), in einer Versammlung oder durch eine Darbietung im Rundfunk begangen, so ist ein Antrag nicht erforderlich, wenn der Verstorbene sein Leben als Opfer der nationalsozialistischen oder einer anderen Gewalt- und Willkürherrschaft verloren hat und die Verunglimpfung damit zusammenhängt. Die Tat kann jedoch nicht von Amts wegen verfolgt werden, wenn ein Antragsberechtigter der Verfolgung widerspricht. Der Widerspruch kann nicht zurückgenommen werden
Sofern der Prozess gegen B in der DDR nach rechtsstaatlichen Grundsätzen abgelaufen wäre, so hätte man ihn nach der - auch heute - unbestrittenen Beweislage, auch zum Tode verurteilt, und genau mit dieser Begründung das heutige Verfahren wegen Geringfügigkeit einstellen müssen (§153 StGB). Diese "heisse" Kartoffel reicht man aber lieber an das Gericht weiter, welches dann natürlich an der untersten Grenze des Strafrahmens geblieben ist.
Theo


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#24

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 11:57
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Nimm mal eine neutrale Brille und versuch´s dann noch mal mit verstehendem Lesen.

Werner, das wollte ich Dir gerade empfehlen.

Zitat
Schmidt ist weder Genosse noch OSL



Schmidt war sehr wohl Genosse Oberstleutnant, beim MfS.
Junge Welt:

Zitat
Diese Erfahrung konnte der frühere Oberstleutnant des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Wolfgang Schmidt Ende März vor dem Landgericht Berlin machen, das ihn in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilte. Schmidt hatte Burianek als »Banditen« und »Angehörigen einer terroristischen Vereinigung« bezeichnet.


zuletzt bearbeitet 06.04.2013 11:59 | nach oben springen

#25

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:19
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #20
Wenn das Gericht so gegen den Genossen Oberstleutnant entscheidet, war er offenbar kein Verbrecher. Das kann man sich doch nicht jeweils aussuchen? Es gibt doch keinen Freibrief für alte Stasi-Leute, nach belieben andere zu beleidigen, nur weil die aus ihrer Endlosschleife nicht mehr raus kommen?


Offenbar weißt Du selbst nicht, was Du so absonderst und Lesen ist nach wie vor nicht Deine Stärke, verstehen erst recht nicht, dafür aber pöbeln.
Ich habe ausdrücklich IST geschrieben, und nicht "war", vielleicht bekommst Du es ja jetzt auf die Reihe. Kannst Dich also wieder hinlegen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
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#26

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:20
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat Barbara:

Zitat
Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.



Es war kalter Krieg - und in einem Krieg gibt es meist nur Sieger und Verlierer. Insofern würde ich das nicht so ernst nehmen und Häme aus einem solchen "wording" würde ich nicht herauslesen, wohl aber @Yamatos Denkweise folgen: Wer einen Krieg verliert, ist einfach zu schwach gewesen und hat es nicht besser verdient. Wir haben es damals vergeigt, aber das habe ich hier bereits formuliert, als ich mich hier registriert habe.

Ich für meinen Teil ziehe mir die Jacke mit dem fehlenen Engagement vor den Wahlen nicht an. In dem Stadtbezirk, in dem ich groß geworden bin und dort, wo ich später wohnte, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht und gefunden und immer wieder den Partnern versucht, begreiflich zu machen, wohin eine schnelle Vereinigung führt und was der Einigungsvertrag bedeuten wird. Dass der bundesdeutschen Wirtschaft, da sie selbst auf weiten Strecken in der Kapazität auf 70 - 80% fuhr, überhaupt nicht daran gelegen ist, die Betriebe in der DDR auf Vordermann zu bringen, sondern die die Konkurrenten schnellstmöglich zu verdrängen, dass es nicht damit getan ist, die DM einzuführen, sondern eben die Wirtschaft auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu heben und dass dieser Prozess mindestens 15 Jahre dauern wird.

Mit dieser, meiner Meinung habe ich mich nie versteckt, die meisten meiner Gesprächspartner wussten, aus welchem Stall ich komme und haben mir - verständlicherweise - unterstellt, dass ich ihnen die schnelle D-Mark nicht gönnen würde und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht, aber die Angst der Wortführer, selbst nicht unversehrt austeilen zu können, hat wohl Schlimmeres verhindert.

Und, Barbara, ich war nicht der Einzige, der einen relativ nüchternen Blick auf die bevorstehende Zukunft hatte. Allerdings hatte ich auch keine Angst vor dieser Zukunft. Ich hatte mir den Beruf ausgesucht und meine Abiturnoten hatten mir zu DDR Zeiten auch andere Wege in der Wirtschaft schon geöffnet.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
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#27

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:26
von EK82I | 869 Beiträge

Heikles Thema,auch heute noch. Die Eisenbahnbrücke bei Erkner ist heile geblieben,mittlerweile durch ein neues Bauwerk ersetzt worden,Wär der Anschlag gelungen,Tote ohne Ende.
Heute würde das sicher als geplanter Terroranschlag ebenfalls durch die Medien geistern.Welches Strafmass wäre dann hier und heute genehm? Tote einzuplanen um ein anderes System zu bekämpfen,bleibt abartig und Strafwürdig!


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zuletzt bearbeitet 06.04.2013 12:27 | nach oben springen

#28

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:27
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Offenbar weißt Du selbst nicht, was Du so absonderst und Lesen ist nach wie vor nicht Deine Stärke, verstehen erst recht nicht, dafür aber pöbeln. Ich habe ausdrücklich IST geschrieben, und nicht "war", vielleicht bekommst Du es ja jetzt auf die Reihe. Kannst Dich also wieder hinlegen.



Werner, was soll das jetzt werden? Du pöbelst doch hier? Sonst keine Argumente?


zuletzt bearbeitet 06.04.2013 12:28 | nach oben springen

#29

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:33
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #22
Vielleicht ein bisschen OT, aber immerhin taucht diese Wort in der Überschrift auf und auch sonst häufig im Forum:

„ Siegerjustiz“ hört sich so an, als habe die DDR habe den „Kalten Krieg“ gegen die BRD verloren. Das historisch so runter zu brechen halte ich für falsch.
War es nicht so, dass die DDR-Bürger mehrheitlich einen Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten zugestimmt haben und das auf demokratischem Weg? Also „Kriegsfolgen“ sehen anders aus, wie die Geschichte uns lehrt.

Müssten nicht eigentlich die, die bedauern, dass es nicht einen eigenen Weg der DDR gegeben hat (was ich nachvollziehen kann), eher selbstkritisch sein und sich hinterfragen, warum sie sich nicht mehr engagiert haben in der damaligen DDR-Bevölkerung – vor den Wahlen, Überzeugungsarbeit geleistet haben für den „eigenen Weg“ , aufgezeigt haben, welch ein gesellschaftlicher Wechsel eigentlich bevorsteht und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein können? Sozusagen eine "verlorene Wahl" analysieren?

Nebenbei wird durch diese Sprache die gesamte Bevölkerung der ehem. BRD in Misskredit gebracht als Träger der „Siegermacht“. Ich finde das nicht in Ordnung. Ich habe keine einzige Stimme bei 1989 und später gehört, die von einem "Sieg" über die DDR oder über den Sozialismus sprach. Und ich fühle mich ganz gewiss nicht als Teil einer „Siegermacht“.

Was ich damals mitbekommen habe, waren Freude und später Besorgnis, wie ein Zusammenschluss von zwei Staaten zu stemmen sei. Ein Zusammenschluss, den die DDR-Bevölkerung mehrheitlich gewählt hat.

Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.

Ich habe hier im Forum einen ganz anderen Eindruck von den ehem. DDR-Bürgern, nämlich dass sie kluge und reflektierte Menschen sind.
Also vielleicht ist es langsam mal angebracht, damit aufzuhören letztlich die gesamte deutsche Bevölkerung abzuwerten, die einen als „zu doof“ und die anderen als „überheblich“.

Politische Auseinandersetzung sieht für mich anders aus und außerdem - kein einziges aktuelles Problem wird dadurch gelöst.



Barbara das hast du sehr schön beschrieben. Ich vermute mal, dass die, die dieses Vokabular heute noch gebrauchen, schon in der DDR nichts zustande gebracht haben und heute erst recht nicht. Anders kann man sich das nicht erklären.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#30

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:46
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von werner im Beitrag #26
Zitat Barbara:

Zitat
Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.


Es war kalter Krieg - und in einem Krieg gibt es meist nur Sieger und Verlierer. Insofern würde ich das nicht so ernst nehmen und Häme aus einem solchen "wording" würde ich nicht herauslesen, wohl aber @Yamatos Denkweise folgen: Wer einen Krieg verliert, ist einfach zu schwach gewesen und hat es nicht besser verdient. Wir haben es damals vergeigt, aber das habe ich hier bereits formuliert, als ich mich hier registriert habe.

Ich für meinen Teil ziehe mir die Jacke mit dem fehlenen Engagement vor den Wahlen nicht an. In dem Stadtbezirk, in dem ich groß geworden bin und dort, wo ich später wohnte, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht und gefunden und immer wieder den Partnern versucht, begreiflich zu machen, wohin eine schnelle Vereinigung führt und was der Einigungsvertrag bedeuten wird. Dass der bundesdeutschen Wirtschaft, da sie selbst auf weiten Strecken in der Kapazität auf 70 - 80% fuhr, überhaupt nicht daran gelegen ist, die Betriebe in der DDR auf Vordermann zu bringen, sondern die die Konkurrenten schnellstmöglich zu verdrängen, dass es nicht damit getan ist, die DM einzuführen, sondern eben die Wirtschaft auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu heben und dass dieser Prozess mindestens 15 Jahre dauern wird.

Mit dieser, meiner Meinung habe ich mich nie versteckt, die meisten meiner Gesprächspartner wussten, aus welchem Stall ich komme und haben mir - verständlicherweise - unterstellt, dass ich ihnen die schnelle D-Mark nicht gönnen würde und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht, aber die Angst der Wortführer, selbst nicht unversehrt austeilen zu können, hat wohl Schlimmeres verhindert.

Und, Barbara, ich war nicht der Einzige, der einen relativ nüchternen Blick auf die bevorstehende Zukunft hatte. Allerdings hatte ich auch keine Angst vor dieser Zukunft. Ich hatte mir den Beruf ausgesucht und meine Abiturnoten hatten mir zu DDR Zeiten auch andere Wege in der Wirtschaft schon geöffnet.



Grün: Die SPD, namentlich Lafontaine hats gewußt und auch laut gesagt. Die Ostdeutschen wollten es mehrheitlich nicht wissen. Die SPD wurde für ihre Realitätsoffenheit bei den Wahlen abgestraft. Wer es von den Ostdeutschen hätte besser wissen wollen, hätte es auch gewußt, was wahrscheinlich kommt. Nur mal beim entsprechenden Unterrichtsthema in Stabü besser aufgepasst, als die Ökonomie des Kapitalismus dran war und sich selbst analysieren, wie man denn selbst als Großunternehmer wirklich handeln würde. War ja keine Seltenheit, daß sich ostdeutsche Neuunternehmer wie die Urkapitalisten gegenüber ihren Angestellten verhalten haben. Meine Frau hatte auch solche Typen kennengelernt.



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zuletzt bearbeitet 06.04.2013 12:48 | nach oben springen

#31

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:52
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von EK82I im Beitrag #27
Heikles Thema,auch heute noch. Die Eisenbahnbrücke bei Erkner ist heile geblieben,mittlerweile durch ein neues Bauwerk ersetzt worden,Wär der Anschlag gelungen,Tote ohne Ende.
Heute würde das sicher als geplanter Terroranschlag ebenfalls durch die Medien geistern.Welches Strafmass wäre dann hier und heute genehm? Tote einzuplanen um ein anderes System zu bekämpfen,bleibt abartig und Strafwürdig!



Da es die Todesstrafe nicht mehr gibt, dann 20 Jahre. Eher weniger, da es sich erst um Vorsatz gehandelt hätte, also noch ohne Todesopfer. Möglicherweise mit anschließender Sicherheitsverwahrung, möglicherweise aber auch vorher raus wegen "guter Führung und ideologischer Leuterung", möglicherweise wäre in der haft aber auch ein unglücklicher tödlicher Unfall passiert.



zuletzt bearbeitet 06.04.2013 12:53 | nach oben springen

#32

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 12:59
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #29
Zitat von Barbara im Beitrag #22
Vielleicht ein bisschen OT, aber immerhin taucht diese Wort in der Überschrift auf und auch sonst häufig im Forum:

„ Siegerjustiz“ hört sich so an, als habe die DDR habe den „Kalten Krieg“ gegen die BRD verloren. Das historisch so runter zu brechen halte ich für falsch.
War es nicht so, dass die DDR-Bürger mehrheitlich einen Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten zugestimmt haben und das auf demokratischem Weg? Also „Kriegsfolgen“ sehen anders aus, wie die Geschichte uns lehrt.

Müssten nicht eigentlich die, die bedauern, dass es nicht einen eigenen Weg der DDR gegeben hat (was ich nachvollziehen kann), eher selbstkritisch sein und sich hinterfragen, warum sie sich nicht mehr engagiert haben in der damaligen DDR-Bevölkerung – vor den Wahlen, Überzeugungsarbeit geleistet haben für den „eigenen Weg“ , aufgezeigt haben, welch ein gesellschaftlicher Wechsel eigentlich bevorsteht und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein können? Sozusagen eine "verlorene Wahl" analysieren?

Nebenbei wird durch diese Sprache die gesamte Bevölkerung der ehem. BRD in Misskredit gebracht als Träger der „Siegermacht“. Ich finde das nicht in Ordnung. Ich habe keine einzige Stimme bei 1989 und später gehört, die von einem "Sieg" über die DDR oder über den Sozialismus sprach. Und ich fühle mich ganz gewiss nicht als Teil einer „Siegermacht“.

Was ich damals mitbekommen habe, waren Freude und später Besorgnis, wie ein Zusammenschluss von zwei Staaten zu stemmen sei. Ein Zusammenschluss, den die DDR-Bevölkerung mehrheitlich gewählt hat.

Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.

Ich habe hier im Forum einen ganz anderen Eindruck von den ehem. DDR-Bürgern, nämlich dass sie kluge und reflektierte Menschen sind.
Also vielleicht ist es langsam mal angebracht, damit aufzuhören letztlich die gesamte deutsche Bevölkerung abzuwerten, die einen als „zu doof“ und die anderen als „überheblich“.

Politische Auseinandersetzung sieht für mich anders aus und außerdem - kein einziges aktuelles Problem wird dadurch gelöst.



Barbara das hast du sehr schön beschrieben. Ich vermute mal, dass die, die dieses Vokabular heute noch gebrauchen, schon in der DDR nichts zustande gebracht haben und heute erst recht nicht. Anders kann man sich das nicht erklären.



Grün: Da liegst Du mit Deiner Vermutung ganz bestimmt richtig, wenn Du die mit geistigem Biertischniveau meinst. Kannst Dir wohl nicht vorstellen, daß ein Linker auch intellektuelle Fähigkeiten haben könnte, damals und auch heute und sowohl damals als auch heute bei seinem Arbeitgeber oder als Selbständiger eine geachtete und geschätzte Person ist ?



Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 13:24
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Harzwanderer im Beitrag #20
Wenn das Gericht so gegen den Genossen Oberstleutnant entscheidet, war er offenbar kein Verbrecher. Das kann man sich doch nicht jeweils aussuchen? Es gibt doch keinen Freibrief für alte Stasi-Leute, nach belieben andere zu beleidigen, nur weil die aus ihrer Endlosschleife nicht mehr raus kommen?


Das mit der Endlosschleife ist so eine Sache. Die Endlosschleife hab ich hier im Forum schon vor geraumer Zeit mal beklagt. Mittlerweile hab ich es
aufgegeben, weil ich gelernt habe. Endlosschleifen werden eingelegt, weil man sie liebt. Texte, Lieder, Videos u.a. Es ist immer die Frage, wer
startet die Endlosschleife? Wer holt ständig im Zusammenhang mit der DDR - Geschichte offensichtlich Unwahrheiten hoch?
Die Leute vom MfS, die sich zu Wort melden, haben die Interesse an Unwahrheiten? Ich denke eher nicht. Es ist doch ein einmaliger Vor-
gang in der Weltgeschichte, daß die Akten eines Geheimdienstes von seinen Gegnern erbeutet wurden. Durch den Gegner wird dieses
Kapital gehörig genutzt. Das da eine historisch belastbare Wahrheit rauskommt, wer glaubt das? Ich nicht. Immer wird geschwärzt, weggelassen und einseitig veröffentlicht. Veröffentlicht wird aber auch nur dies, was der Behörde genehm ist. Und genehm ist,
die DDR im Hirn der Menschen auszumerzen. Schön wärs ja, wenn Hirn durch die jetzigen Machthaber abgeschaltet werden kann.
Wir sind ja technisch gesehen nicht mehr weit davon entfernt.


Küchenbulle 79, passport, GilbertWolzow und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#34

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 13:34
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

In diesem Fall spielen die Stasi-Akten doch keine Rolle? Der OSL hat heutzutage jemanden beleidigt und das Gericht hat ihn nach heutigen Regeln deshalb verurteilt.
Man kann sich auch unverstanden fühlen wollen. Ist für manchen evtl. auch ein sehr bequemes Feindbild mit dem es sich gut leben lässt, ohne dass man sich ändern oder infragestellen muss? So wie der Geisterfahrer, der sich über die vielen Autos wundert, die ihm entgegen kommen.

Dazu gehört auch diese oben angesprochene Arroganz, alles besser wissen zu wollen, vor allem besser als das verachtete Volk, wenn dieses auch mal unangenehme Wahlentscheidungen trifft.


zuletzt bearbeitet 06.04.2013 13:36 | nach oben springen

#35

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 14:26
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #29

Ich vermute mal, dass die, die dieses Vokabular heute noch gebrauchen, schon in der DDR nichts zustande gebracht haben und heute erst recht nicht. Anders kann man sich das nicht erklären.


wenn @gert, so öffentlich selbstkritik äussert, stimmt etwas nicht wurde etwa sein account geknackt ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#36

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 14:41
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #30
Zitat von werner im Beitrag #26
Zitat Barbara:

Zitat
Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.


Es war kalter Krieg - und in einem Krieg gibt es meist nur Sieger und Verlierer. Insofern würde ich das nicht so ernst nehmen und Häme aus einem solchen "wording" würde ich nicht herauslesen, wohl aber @Yamatos Denkweise folgen: Wer einen Krieg verliert, ist einfach zu schwach gewesen und hat es nicht besser verdient. Wir haben es damals vergeigt, aber das habe ich hier bereits formuliert, als ich mich hier registriert habe.

Ich für meinen Teil ziehe mir die Jacke mit dem fehlenen Engagement vor den Wahlen nicht an. In dem Stadtbezirk, in dem ich groß geworden bin und dort, wo ich später wohnte, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht und gefunden und immer wieder den Partnern versucht, begreiflich zu machen, wohin eine schnelle Vereinigung führt und was der Einigungsvertrag bedeuten wird. Dass der bundesdeutschen Wirtschaft, da sie selbst auf weiten Strecken in der Kapazität auf 70 - 80% fuhr, überhaupt nicht daran gelegen ist, die Betriebe in der DDR auf Vordermann zu bringen, sondern die die Konkurrenten schnellstmöglich zu verdrängen, dass es nicht damit getan ist, die DM einzuführen, sondern eben die Wirtschaft auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu heben und dass dieser Prozess mindestens 15 Jahre dauern wird.

Mit dieser, meiner Meinung habe ich mich nie versteckt, die meisten meiner Gesprächspartner wussten, aus welchem Stall ich komme und haben mir - verständlicherweise - unterstellt, dass ich ihnen die schnelle D-Mark nicht gönnen würde und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht, aber die Angst der Wortführer, selbst nicht unversehrt austeilen zu können, hat wohl Schlimmeres verhindert.

Und, Barbara, ich war nicht der Einzige, der einen relativ nüchternen Blick auf die bevorstehende Zukunft hatte. Allerdings hatte ich auch keine Angst vor dieser Zukunft. Ich hatte mir den Beruf ausgesucht und meine Abiturnoten hatten mir zu DDR Zeiten auch andere Wege in der Wirtschaft schon geöffnet.


Grün: Die SPD, namentlich Lafontaine hats gewußt und auch laut gesagt. Die Ostdeutschen wollten es mehrheitlich nicht wissen. Die SPD wurde für ihre Realitätsoffenheit bei den Wahlen abgestraft. Wer es von den Ostdeutschen hätte besser wissen wollen, hätte es auch gewußt, was wahrscheinlich kommt. Nur mal beim entsprechenden Unterrichtsthema in Stabü besser aufgepasst, als die Ökonomie des Kapitalismus dran war und sich selbst analysieren, wie man denn selbst als Großunternehmer wirklich handeln würde. War ja keine Seltenheit, daß sich ostdeutsche Neuunternehmer wie die Urkapitalisten gegenüber ihren Angestellten verhalten haben. Meine Frau hatte auch solche Typen kennengelernt.




Dore ich habe Lafontaine damals gewählt und zwar aus genau dem Grund, weil er eine offensichtlich für beide Seiten unbequeme Wahrheit ausgesprochen hat. Ich bin bei solchen Wirtschaftsanalysen nicht sonderlich fit, aber ich habe gespürt, dass er gegen ein "Hauruck-Verfahren" angetreten ist in einer ungemein komplexen Situation. Er wurde nicht gewählt. Die "Nation" befand sich im Rausch, in welchem auch immer. Mahner wurden nicht gehört.


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#37

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 14:45
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von werner im Beitrag #26
Zitat Barbara:

Zitat
Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.


Es war kalter Krieg - und in einem Krieg gibt es meist nur Sieger und Verlierer. Insofern würde ich das nicht so ernst nehmen und Häme aus einem solchen "wording" würde ich nicht herauslesen, wohl aber @Yamatos Denkweise folgen: Wer einen Krieg verliert, ist einfach zu schwach gewesen und hat es nicht besser verdient. Wir haben es damals vergeigt, aber das habe ich hier bereits formuliert, als ich mich hier registriert habe.

Ich für meinen Teil ziehe mir die Jacke mit dem fehlenen Engagement vor den Wahlen nicht an. In dem Stadtbezirk, in dem ich groß geworden bin und dort, wo ich später wohnte, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht und gefunden und immer wieder den Partnern versucht, begreiflich zu machen, wohin eine schnelle Vereinigung führt und was der Einigungsvertrag bedeuten wird. Dass der bundesdeutschen Wirtschaft, da sie selbst auf weiten Strecken in der Kapazität auf 70 - 80% fuhr, überhaupt nicht daran gelegen ist, die Betriebe in der DDR auf Vordermann zu bringen, sondern die die Konkurrenten schnellstmöglich zu verdrängen, dass es nicht damit getan ist, die DM einzuführen, sondern eben die Wirtschaft auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu heben und dass dieser Prozess mindestens 15 Jahre dauern wird.

Mit dieser, meiner Meinung habe ich mich nie versteckt, die meisten meiner Gesprächspartner wussten, aus welchem Stall ich komme und haben mir - verständlicherweise - unterstellt, dass ich ihnen die schnelle D-Mark nicht gönnen würde und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht, aber die Angst der Wortführer, selbst nicht unversehrt austeilen zu können, hat wohl Schlimmeres verhindert.

Und, Barbara, ich war nicht der Einzige, der einen relativ nüchternen Blick auf die bevorstehende Zukunft hatte. Allerdings hatte ich auch keine Angst vor dieser Zukunft. Ich hatte mir den Beruf ausgesucht und meine Abiturnoten hatten mir zu DDR Zeiten auch andere Wege in der Wirtschaft schon geöffnet.





Werner, soviel erstmal vorab:
Dein Engagement nehme ich dir unumwunden ab! So auch das einiger anderer hier. Ich wollte mit meiner Bemerkung zum Ausdruck bringen, dass die DDR-Gesellschaft meiner Ansicht eine höchst heterogene war und nicht über einen Kamm zu scheren, genauso wie ich das über die ehem. BRD-Bevölkerung sagen würde.

„…und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht,“

Du kannst dir sicher sein, dass ich mich in einer solchen Situation vor dich gestellt hätte, unabhängig davon, wieviel Meinungsübereinstimmung wir gehabt hätten.
Ich verabscheue Gewalt prinzipiell, jedem gegenüber, auch verbale Gewalt. Und würde in jedem Fall die Menschenrechte auf Unversehrtheit und Meinungsfreiheit verteidigen, die überparteilich und grundlegend und von denen ich ausgehe, dass wir dazu eine gemeinsame Haltung haben.

Ich möchte im weiteren noch einige andere Aspekte aufgreifen, die mir wichtig erscheinen (vielleicht müssen wir da einen anderen Thread aufmachen, hier wird ja eigentlich etwas anderes diskutiert), will aber erst noch ein wenig darüber nachdenken.

Ich möchte jetzt aber erstmal auf Gerd reagieren, solange die Beiträge noch örtlich noch so nahe zusammen liegen…..


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#38

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 15:02
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #29
Zitat von Barbara im Beitrag #22
Vielleicht ein bisschen OT, aber immerhin taucht diese Wort in der Überschrift auf und auch sonst häufig im Forum:

„ Siegerjustiz“ hört sich so an, als habe die DDR habe den „Kalten Krieg“ gegen die BRD verloren. Das historisch so runter zu brechen halte ich für falsch.
War es nicht so, dass die DDR-Bürger mehrheitlich einen Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten zugestimmt haben und das auf demokratischem Weg? Also „Kriegsfolgen“ sehen anders aus, wie die Geschichte uns lehrt.

Müssten nicht eigentlich die, die bedauern, dass es nicht einen eigenen Weg der DDR gegeben hat (was ich nachvollziehen kann), eher selbstkritisch sein und sich hinterfragen, warum sie sich nicht mehr engagiert haben in der damaligen DDR-Bevölkerung – vor den Wahlen, Überzeugungsarbeit geleistet haben für den „eigenen Weg“ , aufgezeigt haben, welch ein gesellschaftlicher Wechsel eigentlich bevorsteht und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein können? Sozusagen eine "verlorene Wahl" analysieren?

Nebenbei wird durch diese Sprache die gesamte Bevölkerung der ehem. BRD in Misskredit gebracht als Träger der „Siegermacht“. Ich finde das nicht in Ordnung. Ich habe keine einzige Stimme bei 1989 und später gehört, die von einem "Sieg" über die DDR oder über den Sozialismus sprach. Und ich fühle mich ganz gewiss nicht als Teil einer „Siegermacht“.

Was ich damals mitbekommen habe, waren Freude und später Besorgnis, wie ein Zusammenschluss von zwei Staaten zu stemmen sei. Ein Zusammenschluss, den die DDR-Bevölkerung mehrheitlich gewählt hat.

Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.

Ich habe hier im Forum einen ganz anderen Eindruck von den ehem. DDR-Bürgern, nämlich dass sie kluge und reflektierte Menschen sind.
Also vielleicht ist es langsam mal angebracht, damit aufzuhören letztlich die gesamte deutsche Bevölkerung abzuwerten, die einen als „zu doof“ und die anderen als „überheblich“.

Politische Auseinandersetzung sieht für mich anders aus und außerdem - kein einziges aktuelles Problem wird dadurch gelöst.



Barbara das hast du sehr schön beschrieben. Ich vermute mal, dass die, die dieses Vokabular heute noch gebrauchen, schon in der DDR nichts zustande gebracht haben und heute erst recht nicht. Anders kann man sich das nicht erklären.






Gerd, danke füre deine Einschätzung meines Beitrags.

Aber ich möchte gerne dahin, dass wir uns nicht immer wieder gegenseitig "aufmunitionieren".

Und eines scheint mir sehr wichtig auch mal zu hinterfragen:

Wo waren "wir" eigentlich, als 17 Mio Menschen in einer geschichtlich extraordinären Situation waren, nach dem großen (ich bin sicher echten) Freudentaumel? Warum haben wir den parteilichen und überparteilichen "Geiern" derartig das Feld überlassen? Warum gab es bei uns nicht einen gesellschaftllichen Diskurs darüber, was es bedeuten muss mehr oder weniger über Nacht vertraute Lebensumstände komplett auf den Kopf gestellt zu sehen? Sich in einer wahnsinnigen Orientierungslosigkeit wiederfinden mussten, während wir uns in den bequemen Fernsehsesseln zurück gelehtn haben? Wir haben sie alleine gelassen, unsere lieben Landsleute, mit denen wir und lt. GG immer so sehr eine Einheit gewünscht hatten - zumindest wenn es opportun war. Ich spreche hier jetzt nicht über Jobs oder überhaupt Materielles. Das trifft m.E. überhaupt nicht die Tiefe des Problems. Wir waren ohne jede Empathie, ohne jedes Mitgefühl! Wir waren lediglich technokratisch, wie kann man ein Land "irgendwie einsortieren".
Das ist das Versagen des Westens, seiner Intellektuellen, die hier eine emotionale und mentale Bequemlichkeit sondersgleichen an den Tag gelegt haben.
Auch das ist eine historisch verpasste Chance! Auch diese gilt es zu diskutieren! ich beziehe mich selbstverständlich in diese Kritik mit ein!


PF75, Jobnomade, Wahlhausener und EK82I haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 15:07
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
wenn ich es richtig verstehe wurd das alte DDR-Urteil wegen Verfahrensfehlern aufgehoben, aber betreff der
sachlichen Schuldfrage keine neue Beweiserhebung vorgenommen auch weil gegen Tote nicht ermittelt wird.
Deshalb gilt der Verbrecher, Terrorist und Politgangster formal als unschuldig.



Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#40

RE: Kalter Krieg und nun Siegerjustiz ?

in Themen vom Tage 06.04.2013 15:38
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von werner im Beitrag #26
Zitat Barbara:

Zitat
Das kann man bedauern oder nicht, aber diese "Sieger- und Verlierer-Sprache", vielleicht sollte man das mal mitbedenken, beinhaltet auch Häme gegen die ehem. DDR-Bevölkerung, nämlich dass sie zu blind und zu doof gewesen sind, um die Situation richtig zu durchschauen.


Es war kalter Krieg - und in einem Krieg gibt es meist nur Sieger und Verlierer. Insofern würde ich das nicht so ernst nehmen und Häme aus einem solchen "wording" würde ich nicht herauslesen, wohl aber @Yamatos Denkweise folgen: Wer einen Krieg verliert, ist einfach zu schwach gewesen und hat es nicht besser verdient. Wir haben es damals vergeigt, aber das habe ich hier bereits formuliert, als ich mich hier registriert habe.

Ich für meinen Teil ziehe mir die Jacke mit dem fehlenen Engagement vor den Wahlen nicht an. In dem Stadtbezirk, in dem ich groß geworden bin und dort, wo ich später wohnte, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht und gefunden und immer wieder den Partnern versucht, begreiflich zu machen, wohin eine schnelle Vereinigung führt und was der Einigungsvertrag bedeuten wird. Dass der bundesdeutschen Wirtschaft, da sie selbst auf weiten Strecken in der Kapazität auf 70 - 80% fuhr, überhaupt nicht daran gelegen ist, die Betriebe in der DDR auf Vordermann zu bringen, sondern die die Konkurrenten schnellstmöglich zu verdrängen, dass es nicht damit getan ist, die DM einzuführen, sondern eben die Wirtschaft auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu heben und dass dieser Prozess mindestens 15 Jahre dauern wird.

Mit dieser, meiner Meinung habe ich mich nie versteckt, die meisten meiner Gesprächspartner wussten, aus welchem Stall ich komme und haben mir - verständlicherweise - unterstellt, dass ich ihnen die schnelle D-Mark nicht gönnen würde und ich sowieso eine rote Sau sei und eigentlich an die Wand gestellt gehöre, erst mal arbeiten soll - um nur mal zwei dieser Entgegnungen zu nennen. Auch körperliche Gewalt wurde mir mehrfach angedroht, aber die Angst der Wortführer, selbst nicht unversehrt austeilen zu können, hat wohl Schlimmeres verhindert.

Und, Barbara, ich war nicht der Einzige, der einen relativ nüchternen Blick auf die bevorstehende Zukunft hatte. Allerdings hatte ich auch keine Angst vor dieser Zukunft. Ich hatte mir den Beruf ausgesucht und meine Abiturnoten hatten mir zu DDR Zeiten auch andere Wege in der Wirtschaft schon geöffnet.



Die DDR wurde nicht besiegt und ist auch nicht selbstbestimmt untergegangen, als das Mutterland zu wanken begann waren für die Vasallenstaaten die Messen gelesen.
Ich sehe es immer so, die Sowjetunion war wie ein mächtiges Schlachtschiff und um sie herum waren die kleinen Beiboote, als der Koloss sank konnten die Mannschaften in den Beibooten so kräftig dagegenrudern wie sie wollten, ihr Schicksal war besiegelt, sie wurden durch den Sog ebenfalls in den Abgrund gerissen.


DoreHolm, Jobnomade und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2013 15:39 | nach oben springen


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