#21

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 03.05.2013 22:59
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #20
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #19
Er hat ganz einfach eine Anweisung bekommen. Er hat mit mir auch erst gesprochen, als der Schreiber", der während den Untersuchungen mit anwesend war, den Raum verlassen hat. Ihm war sicher auch nicht wohl in seiner Haut.


Damit ich das für mich ganz persönlich mal auf die Rolle bekommen - hattest du ein "Besonderes Elternhaus" - wenn nicht OK, ansonsten würde mich das schon interessieren - aber nur dann.


Eigentlich nicht, Vater (Kfz-Meister in einem Betrieb, bis 1988), Mutter Angestellte, keiner in der Familie, auch Onkel und Tanten, ohne Parteibuch. Ich denke, daß es wirklich daran lag, daß die da in jedem Lehrjahr 100% Parteikandidaten haben wollten. Man war ja Auslandskader, ich denke mal, für die ging eben das nicht ohne SED-Mitgliedschaft.



94 und Mike59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 04.05.2013 19:14
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #10
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #8
...Ich sollte ohne großes Trara abserviert werden, weil ich nicht SED-Kandidat werden wollte (hab ich in einem anderen Thread geschildert).

Ahja, na denne. Was seh'n mer denn heute so auf so'ner Ishihara-Tafel, zum Beispiel ...


Quelle: gimpfr.org/contrib/scripts/exemples/channelswitcher_Ishihara_23.png


ist doch eine 4 mit Fragezeichen?wofür das Fragezeichen?,
oder muss ich doch zum Augenarzt?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#23

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 04.05.2013 21:47
von berlin3321 | 2.520 Beiträge

94 steht da, ist doch klar.

Der hat´s ja auch eingestellt

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#24

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 04.05.2013 22:32
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #21



Ich denke, daß es wirklich daran lag, daß die da in jedem Lehrjahr 100% Parteikandidaten haben wollten. Man war ja Auslandskader, ich denke mal, für die ging eben das nicht ohne SED-Mitgliedschaft.




Diese Aussage entspricht nicht den Tatsachen,ist also falsch.

seaman


zuletzt bearbeitet 04.05.2013 22:34 | nach oben springen

#25

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 07:54
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

oder muss ich doch zum Augenarzt?
Lutze

Für mich isses eine Fette 4 (hatte ich in der Schule immer) , und eine schwache 2 (hatte ich auch in der schule immer 2 Fehltage pro Woche )


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#26

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 13:17
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #25
oder muss ich doch zum Augenarzt?
Lutze

Für mich isses eine Fette 4 (hatte ich in der Schule immer) , und eine schwache 2 (hatte ich auch in der schule immer 2 Fehltage pro Woche )

2 Fehltage pro Woche?,deswegen auch die Schulnote 4,,
ich bin immer lieb und brav zur Schule gegangen,mein Gesamtdurchschnitt 2 minus
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#27

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 17:53
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #24
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #21



Ich denke, daß es wirklich daran lag, daß die da in jedem Lehrjahr 100% Parteikandidaten haben wollten. Man war ja Auslandskader, ich denke mal, für die ging eben das nicht ohne SED-Mitgliedschaft.




Diese Aussage entspricht nicht den Tatsachen,ist also falsch.

seaman


Kennst du Fälle, wo Bürger der DDR regelmäßig (berufsbedingt als LKW-Fahrer, Seemann o.ä.) ohne Parteimitgliedschaft ins NSW reisen durften ? Ich frage deshalb, weil mir persönlich kein solcher Fall bekannt ist.



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#28

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 18:19
von seaman | 3.487 Beiträge

Normalerweise glaube ich immer den persönlichen Erlebnissen hier schreibender User.
Bei welch ziviler Einrichtung Seeschifffahrt der DDR hast du Deine Lehre begonnen?
Weisse Flotte,Fischerei,Handelsschifffahrt...
Grundsätzlich war Parteizugehörigkeit nicht Pflicht als Reisekader West.
Laß uns das aufbröseln.

seaman


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#29

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 20:16
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #28

Normalerweise glaube ich immer den persönlichen Erlebnissen hier schreibender User.
Bei welch ziviler Einrichtung Seeschifffahrt der DDR hast du Deine Lehre begonnen?
Weisse Flotte,Fischerei,Handelsschifffahrt...
Grundsätzlich war Parteizugehörigkeit nicht Pflicht als Reisekader West.
Laß uns das aufbröseln.

seaman




Ich habe bei der Hochseefischerei begonnen. Ich wollte dann dort mein Steuermannspatent machen und dann später zur Handelsflotte wechseln (so war der Plan). Eben weil es kein Bestandteil des Lehrvertrages war, einer Partei anzugehören hätte ich mir ein paar Jahre auf einem Fischdampfer angetan, um dann zu den Postkartenmatrosen wechseln zu können (Achtung, Ironie !). Die Lehrstellen direkt bei der Handelsflotte wurden wirklich handverlesen und da hatte ich keine Chance.



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#30

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 05.05.2013 22:06
von seaman | 3.487 Beiträge

Hochseefischerei.....Rostock oder Sassnitz?
Ist aber egal.
Wer für eine Lehre in der zivilen Schifffahrt der DDR bestätigt wurde hatte zwingend vorher die Seetauglichkeit abgelegt.
Bedeutet,auch die Seh-(Seetauglichkeit) vor Lehrbeginn abgelegt zu haben.
Die Einstellungskriterien Handels-bzw. Fischereischifffahrt waren identisch.Seefahrtsbuch-Sichtvermerk.
Abwerbungen für die Volksmarine während der Lehrausbildung gab es nicht.
Für danach schon.
Mit 18 in Deinem vorgegebenen Fall ausgelernt,4 Jahre VM,dann zur Handelsmarine(falls kein Geheimnisträger?) und dann ein dubioses Patent?
Die Parteigeschichte entspricht auch nicht der Realität.

seaman


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#31

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 13:31
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Warum sollte ich mr das ausdenken ? Es war damals mein Traumberuf und ich war glücklich, den Lehrvertrag bekommen zu haben. Irgend einen Grund muß es gegeben haben, jedenfalls nicht die Augen. Ein paar Tage nach dem Parteigespräch wurde ich ohne Anlaß zur Augenuntersuchung geschickt. Warum ? Ohne den Lehrvertrag schriftlich zu beenden, wurde ich nach hause geschickt. Es gab kein Gespräch in der Kaderleitung zwecks einer Alternative. Warum ? Aus meinem Erstantrag auf Einsicht in meine Stasiakte bekam ich heraus, daß in Saßnitz (dort lernte ich) ein IM Günther über mich berichtet hat. Was gab es zu berichten, warum wollte man mich loswerden ? Ich weiß nicht ob ich richtig kombiniere, aber ich denke, daß das alles irgendwie zusammenhängt.



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#32

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 13:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Kann ich nicht nachvollziehen.An der Absage zur Kanditatur kann es nicht gelegen haben.


seaman


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#33

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 13:54
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Unner Gräzer, Gestern 17:53
Kennst du Fälle, wo Bürger der DDR regelmäßig (berufsbedingt als LKW-Fahrer, Seemann o.ä.) ohne Parteimitgliedschaft ins NSW reisen durften ? Ich frage deshalb, weil mir persönlich kein solcher Fall bekannt ist.



Ich kenne persönlich drei Leute (2x DSR 1xDeutrans) kein rotes Parteibuch und trotzdem regelmäßig NSW.
Die Ablehnung hatte einen anderen Grund.Vermutlich falsche Bemerkung am falschen Ort,falscher Umgang o.ä.
Vielleicht wollte man dem Bewerber mit dem Antragen der Kandidatur auf den Zahn fühlen und war sich nach seiner Ablehnung sicher , daß er unsicher ist.


zuletzt bearbeitet 06.05.2013 13:57 | nach oben springen

#34

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:00
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Boelleronkel im Beitrag #4
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #1
Hallo liebe Forumgemeinde, meine militärische "Karriere" verlief etwas anders als bei den meisten männlichen DDR-Bürgern. Ich beschreibe es mal kurz.

1985 Beginn einer Lehre bei der zivilen Seefahrt der DDR, dort Verpflichtung zu 4 Jahren Volksmarine, da dies Voraussetzung für die Zulassung zum Steuermannspatent war (so wurde es uns erklärt). Dann anfangs des ersten Lehrjahres die große Frage wegen Parteikandidatur. Die habe ich aber abgelehnt. Darauf der Hinweis, daß das Soll von 100% Parteikandidaten auf jeden Fall erfüllt wird, ob mit oder ohne mir. 2 Tage später wurde ich nach Strahlsund in die Augenklinik geschickt und dort auf Grund meiner schlechten ! Augen als seefahrtsuntauglich eingestuft. Weitere 2 Tage später wurde ich aus dem Unterricht geholt und mir mitgeteilt, daß meine Lehre beendet sei. Ich musste am gleichen Tag noch das Internat verlassen und wurde nach Hause geschickt. Dann war ich knapp anderthalb Wochen arbeitslos in der DDR, aber das ist ein anderes Thema.
1987 reguläre Musterung, aus Enttäuschung auf GWD abgekeult (da hätte ich komischerweise wieder zur Marine gedurft !). Der wahrscheinlich übliche Spruch "dann ziehen wir sie erst ganz zum Schluss". Nichts passierte, dann kam die Wende, freu, freu.
Mai 1996 ! Aufforderung zur Musterung ! Ich hielt das Ganze alles für nen Witz, so bin ich dann auch ins WEK nach Gera gefahren. Dort verging mir das Lachen, die meinten es tatsächlich ernst ! Bock auf Militär hielt sich in meinem "hohem" Alter äußerst in Grenzen. Letztenlich bin ich dann am 2. Januar 1997, 18 Tage vor meinem 28. Geburtstag zum Zivildienst ins Pflegeheim eingerückt. Mit Vollendung des 28. Geburtstages wäre Schluß gewesen ! Ich denk heute noch, da hatte die NVA nen langen Arm.

Nun meine Frage, ist es jemanden ähnlich ergangen, noch weit nach der Wende antreten zu müssen ?

P.S. Mit meinen "schlechten" Augen bin ich seit 1989 im Besitz eines Personenbeförderungsscheines !




Morjeens Unna...

darf ich mal beim oberen Teil "deiner schlechten Augen bleiben"....kannst Du mal etwas naeher beschreiben,was da so "schlecht"war,das es seefahrtsmaessig nicht mehr "reichte".


Vorab mal die eine Info,fuer die ich aber bis heute keine echte Bestaetigung habe!....
es ist nur vom Hoehrensagen aus einer Augenartzpraxis,die Schwester aus DDR Zeiten war so nett.

Es gab diese Farbfibel (Farbtuechtigkeit) also auch wichtig fuer Elektriker Maler etc...mit vielen bunten Punkten die immer bunter wurde.
Auf den Seiten waren dann mal Buchstaben Zahlen etc. zu erkennen.
Wer dies eben nicht konnte wurde eben als Bewerber "ausgemustert"..insofern verstaendlich.

Es soll und ich sage extra noch einmal,ich habe dafuer keinen Beleg....ein extra Buechlein gegegen haben(was auch nicht allen Praxen zugaenglich war),da war eben kein Sinn oder Buchstabe,Zahl oder was auch immer zu "erkennen" und wo nix zu erkennen ist,hat mann folglich "schlechte Augen".

Gruss BO




@BO, gehöhrt habe ich auch sowas aus der Richtung, ohne es wie Du belegen zu können.

Diese Sehtest´s mit diesen eigentlich heute noch (wenn auch in etwas abegewandelter Form)gebräuchlichen Hilfsmitteln waren der Standard des "Medizinischen Dienstes des Verkehrswesen der DDR". Alleinige Zuständigkeit in der DDR für Berufe mit hohen gesundheitlichen Anforderungen wie Berufskraftfahrer (Busfahrer(, Lokführer (Eisenbahner allgemein, hier jedoch nur mit geringeren Anforderungen), Schiffahrt und natürlich auch Luftverkehr.

Diese Hefte mit den farblichen Punkten waren im hohen Anforderungsbereich schon nicht von Pappe und man mußte sich doch bei den immer wiederkehrenden tournusmäßigen Untersuchungen sehr gut konzentrieren, dort den richtigen Buchstaben, die richtige Zahl oder -Kombination zu erkennen. Ich bin kein Mediziener, aber eine Schwester sagte mir mal, das es bei diesen Farbpunkten im höheren Anforderungsbereich hauptsächlich um den Ausschluß einer s. g. Rot- Grünblindheit des Probanten ging. Als Test für den Lokführer sind da sehr viele gescheitert.

Ein Kuriosium gab es auch noch. Wer Brillenträger war, konnte bei der Deutschen Reichsbahn erst mit 28 Jahren einen Beruf im Lokfahrdienst ergreifen. Warum gerade mit 28...??? Als wenn das Sehen durch die Brille da anders sein soll...???

Das dies ein indirektes Druckmittel für eine Längerverpflichtung zum Wehrdienst gewesen sein sollte? Nie drüber nachgedacht und würde mir heute noch sehr schwer fallen, das zu glauben. Das bestimmte Berufswünsche, auch solche, die nur über die s. g. Erwachsenenqualifizierung zu erreichen waren, als beliebtes Druckmittel genauso wie die Androphung der späten Einberufung kurz vor Toresschluß mit 27 dienten, ist ja nun kein Geheimnis. Auch das oft die bei der Abgabe einer Längerverpflichtung zugesicherte Einberufung zu einer bestimmten (gewünschten) Waffengattung bzw. Grenze, Marine oder KVP selten eingehalten wurde, ist auch kein Geheimnis.

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 20:34 | nach oben springen

#35

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:20
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #33
Unner Gräzer, Gestern 17:53
Kennst du Fälle, wo Bürger der DDR regelmäßig (berufsbedingt als LKW-Fahrer, Seemann o.ä.) ohne Parteimitgliedschaft ins NSW reisen durften ? Ich frage deshalb, weil mir persönlich kein solcher Fall bekannt ist.



Ich kenne persönlich drei Leute (2x DSR 1xDeutrans) kein rotes Parteibuch und trotzdem regelmäßig NSW.
Die Ablehnung hatte einen anderen Grund.Vermutlich falsche Bemerkung am falschen Ort,falscher Umgang o.ä.
Vielleicht wollte man dem Bewerber mit dem Antragen der Kandidatur auf den Zahn fühlen und war sich nach seiner Ablehnung sicher , daß er unsicher ist.


Hallo Schattchen, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Im Allgemeinem war man schon vorsichtig mit seinen Äußerungen, abr es kann schon sein, daß mal bei zu viel Bier im Kopf was nicht so günstiges rausgerutscht ist. Ich empfand es eben als eine etwas linke Tour, so abserviert zu werden. Es folgten ja dann weitere Probleme, z.B. Androhung von Haft, weil ich dann zu Hause 1/12 Wochen keiner geregelten Arbeit nachging. Fair war es nicht.



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#36

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:23
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #28

Normalerweise glaube ich immer den persönlichen Erlebnissen hier schreibender User.
Bei welch ziviler Einrichtung Seeschifffahrt der DDR hast du Deine Lehre begonnen?
Weisse Flotte,Fischerei,Handelsschifffahrt...
Grundsätzlich war Parteizugehörigkeit nicht Pflicht als Reisekader West.
Laß uns das aufbröseln.

seaman





@seaman, ich will nicht an Deinen Erfahrungen oder was auch immer zweifeln.

Hochseefischerei, Handelsschiffahrt egal ob Binnenschiffahrt oder Hochsee, Deutrans, Reichsbahn..., alles was als Reisekader NSW in Frage kam wurde schon gesiebt, und das zwar ganz gewaltig! Und diese Siebfunktion ging auch über die Kandidatur als SED- Genosse, da kannst Du jetzt behaupten, was Du willst. Offiziell gab es dazu bestimmt kein Gesetz, auch keine Verordnung. Inoffiziell wurde aber auf die Bewerber ein sehr hoher Druck ausgeübt. Darüber ist hier auch schon sehr viel geschrieben wurden. U. a., das dieser Druck regional auch sehr unterschiedlich sein konnte und oft wohl an den handelnden Personen an den Schaltstellen gelegen hat. Und hier kann ich Dir aus eigener Erfahrung berstätigen, das man selbst bei uns im damaligen Bahnbetriebswerk Wernigerode, das als Schmalspurbahn wohl kaum in Frage gekommen wäre, ins NSW zu fahren, einen nicht geringen Druck besonders auf uns jüngere Kollegen ausgeübt hat, Kandidat und in Folge Mitglied der SED zu werden. Der simple und unmißverständliche(!) Satz der Erpressung begann immer damit: "Du willst gerne Lokführer werden...? Wir sind aber ein Kollektiv nur von Genossen...!" Und m. Ea. noch heute, war das gesteuert, denn vom Parteisekrtär selbst kamen diese auffordernden Worte nie, da wurden willfähige Parteisoldaten vorgeschickt. In anderen Reichsbahndienststellen sah es keineswegs anders aus. Und wenn ich mir besonders den disziplinarrechtlichen Weg einiger damaliger Kollegen anschaue, @seaman, dann sei mir bitte nicht böse, wenn ich jetzt schreibe, das mir da heute noch das *otzen kommt...! Einer hat ein Ding nach dem anderen gedreht, besoffen zum Dienst, besoffen im Dienst, Motorad vom Kollegen geklaut und im Suff damit Unfall gebaut, anschl. aus Krankenhaus abgehauen und wie damals bei solchen Dingen nicht unüblich, einen Grenzalarm ausgelöst, die eigene Dienststelle beklaut..., aber der "gute" Kollege, hoppla, Jugendfreund wurde mit gar lächerlichen Strafen "auf den rechten Weg zum Genossen", sehr schnell zum Lokführer und nicht viel später zur Kreisparteischule gebracht. Andere Kollegen sind wegen wesentlich geringer Verfehlungen "gegangen wurden", wenn Du weißt, was ich damit meine. Heute nennt man es wohl weggemobbt. An zwei kann ich mich noch gut erinnern, einer war der, den besagter "Jugendfreund" das Motorad geklaut hatte. Und beide waren weder Kandidat noch Genosse...

Auch das sind Tatsachen, auch das ist erlebtes Leben á la DDR...


josy95

(Schreibfehler- Edith)


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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Unner Gräzer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.05.2013 20:33 | nach oben springen

#37

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:26
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #35
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #33
Unner Gräzer, Gestern 17:53
Kennst du Fälle, wo Bürger der DDR regelmäßig (berufsbedingt als LKW-Fahrer, Seemann o.ä.) ohne Parteimitgliedschaft ins NSW reisen durften ? Ich frage deshalb, weil mir persönlich kein solcher Fall bekannt ist.



Ich kenne persönlich drei Leute (2x DSR 1xDeutrans) kein rotes Parteibuch und trotzdem regelmäßig NSW.
Die Ablehnung hatte einen anderen Grund.Vermutlich falsche Bemerkung am falschen Ort,falscher Umgang o.ä.
Vielleicht wollte man dem Bewerber mit dem Antragen der Kandidatur auf den Zahn fühlen und war sich nach seiner Ablehnung sicher , daß er unsicher ist.


Hallo Schattchen, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Im Allgemeinem war man schon vorsichtig mit seinen Äußerungen, abr es kann schon sein, daß mal bei zu viel Bier im Kopf was nicht so günstiges rausgerutscht ist. Ich empfand es eben als eine etwas linke Tour, so abserviert zu werden. Es folgten ja dann weitere Probleme, z.B. Androhung von Haft, weil ich dann zu Hause 1/12 Wochen keiner geregelten Arbeit nachging. Fair war es nicht.




Von einer ungeschickten oder gar falschen Bemerkung am falschen Ort gehe ich auch von aus. Wenn man diese falsche Bemerkung nicht sogar bei dem Anwerbungsgespräch als SED- Parteikandidat gefallen ist oder der Anwerber gar ein IM war..., etwas verärgert über Deine Ablehnende Haltung zu seinem Begeehren.., muß ja nicht der "IM Günther" gewesen sein...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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zuletzt bearbeitet 06.05.2013 20:27 | nach oben springen

#38

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:33
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #34
Zitat von Boelleronkel im Beitrag #4
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #1
Hallo liebe Forumgemeinde, meine militärische "Karriere" verlief etwas anders als bei den meisten männlichen DDR-Bürgern. Ich beschreibe es mal kurz.

1985 Beginn einer Lehre bei der zivilen Seefahrt der DDR, dort Verpflichtung zu 4 Jahren Volksmarine, da dies Voraussetzung für die Zulassung zum Steuermannspatent war (so wurde es uns erklärt). Dann anfangs des ersten Lehrjahres die große Frage wegen Parteikandidatur. Die habe ich aber abgelehnt. Darauf der Hinweis, daß das Soll von 100% Parteikandidaten auf jeden Fall erfüllt wird, ob mit oder ohne mir. 2 Tage später wurde ich nach Strahlsund in die Augenklinik geschickt und dort auf Grund meiner schlechten ! Augen als seefahrtsuntauglich eingestuft. Weitere 2 Tage später wurde ich aus dem Unterricht geholt und mir mitgeteilt, daß meine Lehre beendet sei. Ich musste am gleichen Tag noch das Internat verlassen und wurde nach Hause geschickt. Dann war ich knapp anderthalb Wochen arbeitslos in der DDR, aber das ist ein anderes Thema.
1987 reguläre Musterung, aus Enttäuschung auf GWD abgekeult (da hätte ich komischerweise wieder zur Marine gedurft !). Der wahrscheinlich übliche Spruch "dann ziehen wir sie erst ganz zum Schluss". Nichts passierte, dann kam die Wende, freu, freu.
Mai 1996 ! Aufforderung zur Musterung ! Ich hielt das Ganze alles für nen Witz, so bin ich dann auch ins WEK nach Gera gefahren. Dort verging mir das Lachen, die meinten es tatsächlich ernst ! Bock auf Militär hielt sich in meinem "hohem" Alter äußerst in Grenzen. Letztenlich bin ich dann am 2. Januar 1997, 18 Tage vor meinem 28. Geburtstag zum Zivildienst ins Pflegeheim eingerückt. Mit Vollendung des 28. Geburtstages wäre Schluß gewesen ! Ich denk heute noch, da hatte die NVA nen langen Arm.

Nun meine Frage, ist es jemanden ähnlich ergangen, noch weit nach der Wende antreten zu müssen ?

P.S. Mit meinen "schlechten" Augen bin ich seit 1989 im Besitz eines Personenbeförderungsscheines !




Morjeens Unna...

darf ich mal beim oberen Teil "deiner schlechten Augen bleiben"....kannst Du mal etwas naeher beschreiben,was da so "schlecht"war,das es seefahrtsmaessig nicht mehr "reichte".


Vorab mal die eine Info,fuer die ich aber bis heute keine echte Bestaetigung habe!....
es ist nur vom Hoehrensagen aus einer Augenartzpraxis,die Schwester aus DDR Zeiten war so nett.

Es gab diese Farbfibel (Farbtuechtigkeit) also auch wichtig fuer Elektriker Maler etc...mit vielen bunten Punkten die immer bunter wurde.
Auf den Seiten waren dann mal Buchstaben Zahlen etc. zu erkennen.
Wer dies eben nicht konnte wurde eben als Bewerber "ausgemustert"..insofern verstaendlich.

Es soll und ich sage extra noch einmal,ich habe dafuer keinen Beleg....ein extra Buechlein gegegen haben(was auch nicht allen Praxen zugaenglich war),da war eben kein Sinn oder Buchstabe,Zahl oder was auch immer zu "erkennen" und wo nix zu erkennen ist,hat mann folglich "schlechte Augen".

Gruss BO




@BO, gehöhrt habe ich auch sowas aus der Richtung, ohne es wie Du belegen zu können.

Dieses Sehtest´s mit diesen eigentlich heute noch (wenn auch in etwas abegewandelter Form)gebräuchlichen Hilfsmitteln waren der Standard des "Medizinischen Dienstes des Verkehrswesen der DDR". Alleinige Zuständigkeit in der DDR für Berufe mit hohen gesundheitlichen Anforderungen wie Berufskraftfahrer (Busfahrer(, Lokführer (Eisenbahner allgemein, hier jedoch nur mit geringeren Anforderungen), Schiffahrt und natürlich auch Luftverkehr.

Diese Hefte mit den farblichen Punkten waren im hohen Anforderungsbereich schon nicht von Pappe und man mußte sich doch bei den immer wiederkehrenden tournusmäßigen Untersuchungen sehr gut konzentrieren, dort den richtigen Buchstaben, die richtige Zahl oder -Kombination zu erkennen. Ich bin kein Mediziener, aber eine Schwester sagte mir mal, das es bei diesen Farbpunkten im höheren Anforderungsbereich hauptsächlich um den Ausschluß einer s. g. Rot- Grünblindheit des Probanten ging. Als Test für den Lokführer sind da sehr viele gescheitert.

Ein Kuriosium gab es auch noch. Wer Brillenträger war, konnte bei der Deutschen Reichsbahn erst mit 28 Jahren einen Beruf im Lokfahrdienst ergreifen. Warum gerade mit 28...??? Als wenn das Sehen durch die Brille da anders sein soll...???

Das dies ein indirektes Druckmittel für eine Längerverpflichtung zum Wehrdienst gewesen sein sollte? Nie drüber nachgedacht und würde mir heute noch sehr schwer fallen, das zu glauben. Das bestimmte Berufswünsche, auch solche, die nur über die s. g. Erwachsenenqualifizierung zu erreichen waren, als beliebtes Druckmittel genauso wie die Androphung der späten Einberufung kurz vor Toresschluß mit 27 dienten, ist ja nun kein Geheimnis. Auch das oft die bei der Abgabe einer Längerverpflichtung zugesicherte Einberufung zu einer bestimmten (gewünschten) Waffengattung bzw. Grenze, Marine oder KVP selten eingehalten wurde, ist auch kein Geheimnis.

josy95



Das mit den Farbtafeln muß ich alle 5 Jahre machen, bis jetzt (trotzdem ich mittlerweile für´s Weitgucken eine Brille trage) immer sehr gut bestanden.

Zum zweiten, das mit dem später einziehen ist nicht das Problem, es war bei mir kurioserweise 6 Jahre nach der Wiedervereinigung. Es gab definitiv keine NVA mehr ! Ich wollte lediglich wissen, ob es noch weitere User gibt die trotz Musterung in der DDR erst weit nach der Wende gezogen wurden. Und mich interessiert, ob die Akten über nichteingezogene ehemalige DDR-Bürger von der NVA an die Bundeswehr "vererbt" wurden.



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#39

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:44
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #37
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #35
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #33
Unner Gräzer, Gestern 17:53
Kennst du Fälle, wo Bürger der DDR regelmäßig (berufsbedingt als LKW-Fahrer, Seemann o.ä.) ohne Parteimitgliedschaft ins NSW reisen durften ? Ich frage deshalb, weil mir persönlich kein solcher Fall bekannt ist.



Ich kenne persönlich drei Leute (2x DSR 1xDeutrans) kein rotes Parteibuch und trotzdem regelmäßig NSW.
Die Ablehnung hatte einen anderen Grund.Vermutlich falsche Bemerkung am falschen Ort,falscher Umgang o.ä.
Vielleicht wollte man dem Bewerber mit dem Antragen der Kandidatur auf den Zahn fühlen und war sich nach seiner Ablehnung sicher , daß er unsicher ist.


Hallo Schattchen, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Im Allgemeinem war man schon vorsichtig mit seinen Äußerungen, abr es kann schon sein, daß mal bei zu viel Bier im Kopf was nicht so günstiges rausgerutscht ist. Ich empfand es eben als eine etwas linke Tour, so abserviert zu werden. Es folgten ja dann weitere Probleme, z.B. Androhung von Haft, weil ich dann zu Hause 1/12 Wochen keiner geregelten Arbeit nachging. Fair war es nicht.




Von einer ungeschickten oder gar falschen Bemerkung am falschen Ort gehe ich auch von aus. Wenn man diese falsche Bemerkung nicht sogar bei dem Anwerbungsgespräch als SED- Parteikandidat gefallen ist oder der Anwerber gar ein IM war..., etwas verärgert über Deine Ablehnende Haltung zu seinem Begeehren.., muß ja nicht der "IM Günther" gewesen sein...

josy95


Ich denke der Anwerber ein IM, das wäre zu offensichtlich gewesen. Obwohl, möglich ist alles. Vieleicht erfahre ich noch wer "Günther" war. Ich habe seit einem Jahr und zwei Monaten einen Folgeantrag auf Akteneinsicht laufen. Beim Erstantrag wurde nachvollziehbar, daß meine Akte von unserer KD über die BV Gera nach Stralsund ging und nach meiner "Abdankung" wieder zurück.



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#40

RE: Wer hat ähnliches erlebt?

in DDR Staat und Regime 06.05.2013 20:45
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #38


Das mit den Farbtafeln muß ich alle 5 Jahre machen, bis jetzt (trotzdem ich mittlerweile für´s Weitgucken eine Brille trage) immer sehr gut bestanden.

Zum zweiten, das mit dem später einziehen ist nicht das Problem, es war bei mir kurioserweise 6 Jahre nach der Wiedervereinigung. Es gab definitiv keine NVA mehr ! Ich wollte lediglich wissen, ob es noch weitere User gibt die trotz Musterung in der DDR erst weit nach der Wende gezogen wurden. Und mich interessiert, ob die Akten über nichteingezogene ehemalige DDR-Bürger von der NVA an die Bundeswehr "vererbt" wurden.




Hab ich jetzt was überlesen?

Darf man fragen, was machst Du (beruflich) jetzt? Bist Du doch noch bei der Seefahrt gelandet? Im allgemeinen braucht man derartige Sehtests auch heute doch nur für bestimmte Berufe.

josy


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