#141

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 13:16
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Gut. Aber wir leben hier in einem freien System. Mir fehlen die Bücher und die Artikel, in denen Menschen aus der Bundesrepublik Deutschland berichten, daß an ihnen Scheinhinrichtungen vollzogen wurden. Und/oder das sie in -15 Grad kalten Zellen fasst erfroren wären. Oder andere Arten der schweren Folter erlitten hätten...

Von den ganzen Schläger-Exzessen jetzt einmal ganz abgesehen....


zuletzt bearbeitet 09.07.2009 13:18 | nach oben springen

#142

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 13:20
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Es lag auch sicherlich H. Knabe fern, den von dir konstruierten Vergleich herzustellen.


von mir konstruierten vergleich??? die o.g. worte sind nicht die meinen und dr. hubertus knabe wird sich sehr wohl die bedeutung und wirkung seiner worte bewusst gewesen sein.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 09.07.2009 13:36 | nach oben springen

#143

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 14:37
von sentry | 1.077 Beiträge

Ich bin nun wirklich kein Freund des alten Systems und ich bin auch sehr interessiert daran, was damals in der DDR so alles abging, insbesondere die Sachen die dem Normalo auf der Straße völlig verborgen waren und die sich heute so unglaublich für ein Land in angeblichem Volkseigentum darstellen.

Aber ich will wissen, was wirklich abging. Ich will nicht wissen, was irgendwelche Inquisitoren (und so kommt mir Knabe manchmal vor) wollen, dass ich es wissen soll.
Ich versteh' das Ganze gar nicht. Warum muss ich in einen Knast, der die Brutalität des Systems von ganz alleine verdeutlichen soll, einene Eisenbahnwaggon platzieren der Analogien zu Deportationen herstellt? Warum muss ich eine Wasserfolterzelle in eine Gedenkstätte einbauen, wenn ich gar keine gefunden habe? Und dann sollen ehemalige Insassen, die schon genug Mist erlebt haben, Besucher durch die Anlage führen und Sachen erzählen, die sie gar nicht erlebt haben, sondern die ihnen eingetrichtert wurden. Wollen wir Geschichtsaufarbeitung oder Disneyland?
Wenn eine Gruppe ehemaliger Mitarbeiter mit Gegenargumenten und Korrekturen (in welcher Form auch immer) eine Veranstaltung sprengen kann, dann hat wohl keine wissenschaftliche Aufarbeitung stattgefunden. Dann hat man mit Übertreibungen und Halbwahrheiten eine Sensation konstruiert, die so sensationell gar nicht war.

Ich war 'mal in der Gedenkstätte Marienborn auf einer Führung. Die Führerin erzählte von einem versuchten Grenzdurchbruch der dort endete. Einer der Täter sei dafür 7 Jahre ins Gefängnis gegangen. Aus der Gruppe rief jemand, das könne nicht sein. In der DDR war die Höchststrafe für solche Delikte bei 3 Jahren. Der Stand natürlich sofort irgendwie als altkommunistischer Putscher dar, weil er die eindringliche Schilderung der Brutalität des Regimes mit Haarspaltereien störte.
...war er ja vielleicht auch (keine Ahnung), aber es stellte sich 'raus, dass die Führerin falsch informiert war. An einer Tafel an der Wand stand tatsächlich, dass es genau 3 Jahre gegeben hatte.
Wieviele Besucher die Gedenkstätte mit der 7-Jahre-Story verlassen haben, weiß kein Mensch.

An diese Geschichte denke ich immer, wenn ich so etwas wie dieses hier lese. Und ich bin froh, dass es heute Leute wie Gilbert gibt, die solche Sachen hinterfragen und richtig stellen. Ich finde es auch gut, dass die Stasi-Typen ab und zu mal solche Veranstaltungen stören. Wenn die nur Propaganda-Schei*e erzählen, sollte das doch von einem Historiker leicht zu widerlegen sein!?!
Die Motive mögen manchmal andere sein als meine, letztendlich sind ja die ehemaligen Mitarbeiter heute "Betroffen" der Aufarbeitung, während ich nur ein interessierter Bürger bin...interessiert an der Wahrheit, nicht an Sensationen die erst noch hochstilisiert werden müssen.
Ergebnis dieser unsachlichen Art der Aufarbeitung, ja dieser teilweise enormen Verars***e ist für mich z.B., dass ich gar kein Interesse mehr habe mir Hohenschönhausen anzusehen, obwohl es mich wirklich interessiert hätte. Ich habe keinen Bock darauf, von irgendeinem Typi abgemistet oder in irgendeine Ecke gedrängt zu werden, nur weil ich irgend etwas genau wissen will.
Lieber würde ich mir so eine Anlage von einem Insider, von welcher Seite auch immer, erklären lassen. Meine Meinung darüber kann ich mir doch selber bilden, ich will keine Meinungsbildner mehr, die hatte ich doch lange genug.


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#144

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 14:45
von Udo (gelöscht)
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@sentry:
Meine Gedanken hast Du schön in Worte verfasst. Danke, da sind wir uns einig.
Udo


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#145

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 15:19
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Sentry:
Das, was Du schreibst, kann ich sehr gut verstehen. Ich glaube Dir auch sofort die Story mit den 7 Jahren anstatt 3. So etwas könnte mich auch ärgern. Die Berichte von Betroffenen reichen vollkommen aus. Da muß man nicht noch eine zusätzliche Dramatik konstruieren mit Dingen, die historisch einfach falsch sind. Das ist ärgerlich. Und kontraproduktiv.

Auf der anderen Seite bin ich weit davon entfernt, ehem.MfS-Leuten und Angestellten des Regimes bei Behauptungen "blindes Vertrauen" entgegenzubringen. Haben sie doch nachweislich früher eher durch parteiliche "Desinformation" von sich Reden gemacht. Im Dienste der einen, heilsbringenden Weltreligion: des Marxismus-Leninismus.

Einer der wichtigsten DDR-Funktionäre im Kontakt zu Westdeutschland, Prof. Hermann von Berg, schreibt in seinem Buch von 1987 (welches ich gerne nochmals empfehlen möchte, gibt´s preiswert bei amazon)
Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Berg
http://www.amazon.de/Marxismus-Leninismu...e/dp/3766330152


Marxismus-Leninismus

Das Elend
der halb deutschen
halb russischen
Ideologie

..in seinem Vorwort:

"Die politische Praxis unter Stalin kam der Hitlers noch am nächsten, modifizierte sie sich unter dem Regime des Neostalinisumus und der wachsenden politischen, ökonomischen und juristischen Einflußnahme des Westens auf die DDR, besonders auf deren führende Staatsmänner, durch direkten Umgang, aber sie bleibt im politischen Bereich Diktatur: Willkürliche, subjektivistische, formaljuristisch durch Gummiparagraphen kaschierte, rechtlose Gewalt, ausgeübt von der Geheimpolizei im Auftrag des Politbüros des ZK der SED, wobei das Tragische ist, daß dieses Führungsgremium, durch den Marxismus-Leninismus auf sektenhaftes, realitätsfremdes Denken eingeschworen, mit seinen entscheidenden Köpfen wirklich glaubt, der Weltrevolution, der Befreiung des arbeitenden Volkes zu dienen, Werkzeug der Geschichte zu sein, die Diktatur gegen die Menschen auszuüben als notendige Durchgangsstufe ins kommunistische Paradies..."

...wenn also ehem. Anhänger dieser Ersatzreligion "ML" (mit den hier beschriebenen Eigenschaften und Auswüchsen) mir nun erzählen, was wirklich Recht und Unrecht war in der DDR...

....bin ich eher ein wenig mißtrauischer, als bei den Ausführungen von H.Knabe...

Ich hoffe, man kann mich vestehen!



zuletzt bearbeitet 09.07.2009 15:32 | nach oben springen

#146

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 15:35
von sentry | 1.077 Beiträge

Na gut alten Stasi-Männern "Blindes Vertrauen" entgegenbringen und mir von ihnen "Recht und Unrecht" erklären lassen, ist auch eine sehr stark überspitzte Interpration meiner Ausführungen.

Das habe ich ja nicht 'mal zu DDR-Zeiten so gehalten.

Aber wenn alter Stasi-Mann sagt: "Die Wasserzelle ist ja weder abgedichtet noch hat sie einen Abfluss.", dann ist er für mich in dem Moment näher am Bausachverständigen als am MfS und ich bin sehr interessiert, die Antwort derer zu hören, die mir gerade noch erzählt haben, dass die so was hatten in HSH.
Wenn der dann wiederum sagt: "Die olle Deerbobbe ham mir abgerissen un' den Obfluss zugeschbochtelt wegen den Gellohassln.", dann ist alles wieder offen - hat er aber nich'.

@manudave
Das hat nichts mit Deinen Berichten über Hoheneck zu tun. Wenn Du sagst, Du hast mit Insassen gesprochen, die das selbst erlebt haben, habe ich erstmal gar keinen Grund, Dir nicht zu glauben


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#147

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 16:36
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Hallo Senrty,

ich habe jetzt einfach mal die Seiten der Stiftung Hohenschönhausen aufgerufen.

Dort ist für den betreffenden Gebäudekomplex folgendes zu lesen:

Sowjetische Untersuchungshaftanstalt

Häftlinge mussten dazu im Keller der ehemaligen Großküche einen Trakt mit fensterlosen, bunkerartigen Zellen errichten – das so genannte “U-Boot”. Die feucht-kalten Kammern waren nur mit einer Holzpritsche und einem Kübel ausgestattet. Tag und Nacht war eine Glühbirne angeschaltet. Die Verhöre fanden vor allem in der Nacht statt und waren oft von Drohungen und körperlicher Gewalt begleitet. Ehemalige Häftlinge berichteten später, wie sie durch Schlafentzug, stundenlanges Stehen, tagelangen Arrest oder Aufenthalt in Wasserzellen zu Geständnissen gezwungen wurden."

Quelle:
http://www.stiftung-hsh.de/document.php?...ack=1&special=0

Dienstsitz der Haftabteilung des MfS

"Das Leitungsbüro befand sich in einem Seitenflügel der früheren Großküche und späteren sowjetischen Internierungslagers. Häftlinge mussten das Backsteingebäude 1966/67 im vorderen Teil um zwei Etagen aufstocken. In dem Gebäude befanden sich auch Umkleide- und Konferenzräume sowie Büros der Abteilung, im ehemaligen Kellergefängnis (“U-Boot”) gab es eine Sauna."

Quelle:
http://www.stiftung-hsh.de/document.php?...ack=1&special=0

Diese Angaben decken sich mit den beiden Führungen, die ich mitgemacht habe.

Das heißt im Klartext:
Es wurde mir gegenüber erklärt, daß die Russen mit Wasserbehandlungen gefoltert haben.
Es wurde mir gegenüber nicht behauptet, daß es diese "Wasserzellen" zu DDR Zeiten in der MfS-U-Haftanst.Hohenschönhausen benutzt wurden.

Die offz. Seite der Stiftung verfährt in ihren Angaben (wie vorstehend zu sehen) genauso.

Das allerdings nach Verkündung des Urteils in den DDR-Haftvollzugsanstalten (z.B. Bautzen) usw. gefoltert wurde (wie es in den von mir zitierten Ausschnitten Berliner Zeitung + Spiegel übereinstimmend von politischen Häftlingen ausgesagt wurde, z.B. mit "Scheinhinrichtungen") ist für mich glaubwürdig:

------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Insgesamt verbrachte Wolfgang Welsch, der einmal Schauspieler werden wollte und sich nun nach Schlägen, einer Scheinhinrichtung und Arrest im Eiskeller keine Texte mehr merken konnte, sechs Jahre und acht Monate in DDR-Gefängnissen.
--------------------------------------------------------------------------------


Quelle:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...0004/index.html

...und Berichte gibt es


In Antwort auf:
--------------------------------------------------------------------------------
Misshandlungen, Schlafentzug, Scheinhinrichtungen: In keinem anderen Stasi-Gefängnis der DDR waren die Haftbedingungen so unmenschlich wie in Bautzen. Einziger Lichtblick war für viele Häftlinge der Knast-Chor....
--------------------------------------------------------------------------------



Quelle:
http://einestages.spiegel.de/static/auth...rdgedanken.html


zuletzt bearbeitet 09.07.2009 16:57 | nach oben springen

#148

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 17:38
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Schließt sich nach der Diskussion um offensichtliche Folter in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen die Frage an: wie waren denn dort die Methoden zur Informationsgewinnung, wenn körperlich-offensichtliche Mißhandlungen nicht vorgenommen wurden?

Dazu folgender Bericht:

In Antwort auf:
Unter dem Begriff "Weiße Folter", "Saubere Folter" oder eben psychologische Folter werden solche Foltermethoden zusammengefasst, die in ihrer Anwendung und ihrer unmittelbaren Wirkung "unsichtbar" sind, jedoch die Psyche des betroffenen Menschen angreifen. Die Folgen sind oft ein Leben lang wirksam. Andere häufig vorzufindende Methoden sind: Scheinhinrichtungen, sexualisierte Gewalt, oder andere allgemein entwürdigende und entmündigende Behandlungen wie Nacktheit, Verwahrlosung, Verlangen totaler Unterordnung.
Die Definition bzw. Erscheinungsformen von Folter haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark geändert.
Körperliche Folter mit physischer Gewaltanwendung und Peinigung ist unökonomisch, da die Auswirkungen somatisch behandlungsbedürftig und "nachweisbar" sind. Zwar wird bei Verhören zur Erlangung von Informationen noch immer Folter in Form von Anwendung extremer Gewalt wie das Verwenden von Elektroschocks, Zufügen von Verbrennungen, Verstümmelungen, Aufhängen an Gliedmaßen verwandt. Wir wissen jedoch aus der Dokumentation und Arbeit der Psychosozialen-, Behandlungs- oder Rehabilitationszentren in Europa, dass es bei fast allen Formen vorrangig um die psychische Wirkung der Pein geht, und die Formen der Folter sich von Gewaltanwendung weg, hin zur psychischen Folter bewegen
......
Deprivation und Folter zur Informationsgewinnung am Beispiel der DDR

Aus vielen Beschreibungen oder wissenschaftlichen Berichten wissen wir, dass bei Opfern des Stasi Regimes die Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Welt nachhaltig erschüttert wurde. Sie isolieren sich und leben in einem unsichtbaren Gefängnis geprägt von den mit Absicht durch Menschen herbeigeführten Angriffe auf die Integrität.3
"Ich fühle mich wie in einem Gefängnis, nur dass ich die Wände hier nicht sehen kann" ist ein Satz den man so auch von traumatisierten Flüchtlingen hören kann. Sie versuchen darüber auszudrücken, dass sie sich hier in Deutschland nicht angenommen fühlen. Es ist aber auf der psychischen Ebene auch Ausdruck dessen, dass sie die Isolation mit sich tragen wo immer sie sein werden.

Das nötige Wissen für die Zersetzung von Staatsfeinden vermittelte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seinen Mitarbeitern in einem eigens geschaffenen Studienfach, der »Operativen Psychologie«. An der Juristischen Hochschule Potsdam-Eiche wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus Allgemeiner, Sozial- und Klinischer Psychologie gezielt zweckentfremdet. Hier lernten die Studenten die destruktive Wirkung bestimmter Haftbedingungen; hier verfassten sie detaillierte Doktorarbeiten über die Effektivität psychologischer Verhörtechniken. Ziel der geheimen Forschung und Lehre war es, „die Persönlichkeit des Häftlings durch psychische Zersetzung grundlegend zu destabilisieren, um in den Vernehmungen Aussagen und nach der Entlassung Gehorsam zu erzwingen".4
Die destruktiven Auswirkungen von bestimmten Bedingungen während der Gefangenschaft, sowie effektive psychologische "Techniken" in der Gesprächsführung bei Verhören wurden wissenschaftlich untersucht und gelehrt. Das Ziel war die Zerstörung der Persönlichkeit der Gefangenen durch psychologische Destabilisierung, um Aussagen zu erzwingen und die Menschen auch nach der Entlassung gefügig zu halten.

Die destabilisierenden Maßnahmen waren über die Gefängniszeit hinaus auf Familien- und Arbeitsverhältnisse fokussiert. "Innerhalb der berüchtigten Untersuchungshaftanstalten der Staatsicherheit stand dann die Isolationshaft mit bestimmten Verhörmethoden im Zentrum. In der Isolationshaft wurden Gefangene in eine kahle Zelle, 2 mal 3 Meter, schallisoliert und ohne Fenster gesperrt. Tag und Nacht brannte grelles Neonlicht. Außer einer Pritsche mit einer Wolldecke, und einem stinkenden Kübel gab es in der Zelle nichts, keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit. Die Regeln waren: Absolute Kontaktsperre nach draußen, Liegen auf der Pritsche nur nachts, keine Selbstgespräche, keine sportliche Betätigung, maximal 5 Schritte Gehen in jede Richtung. Durch einen »Spion« in der Tür konnten Wärter das Verhalten jederzeit kontrollieren. Die Gefangenen waren der völligen Reizdeprivation preisgegeben. Je nach persönlicher Labilität treten bereits nach 48 Stunden Isolation deutliche Symptome auf: Verlust des Raum- und Zeitgefühls, Unvermögen, logisch zusammenhängend zu denken, Apathie, Depression, plötzliche Panikattacken bis hin zu schweren Halluzinationen."5

Über die sensorische Deprivation hinaus wurde in den Verhören mit double-bind Situationen gearbeitet um die Persönlichkeit des Gefangenen zu destabilisieren: "Damit sollten persönliche Beziehungen nachhaltig verändert werden und der Glaube an die eigene Wahrnehmung zerstört werden. So wurden gezielt Falschinformationen über nahe Personen aus dem persönlichen Umfeld gestreut, Verunsicherungen über bisher als sicher vermutete Inhalte sozialer Bezüge in Frage gestellt: »Glauben Sie wirklich, dass ihre Freundin treu ist? Ihre Mutter ist aufgrund der Vorkommnisse um Sie suizidgefährdet! « Weiterhin wurde dem Inhaftierten in den Verhören bedeutet, dass er offenbar kommunikative Einheiten anders wahrnähme als seine Umwelt: »Das haben wir so nie gesagt…, woher nehmen Sie die Sicherheit…«. Diese Einwirkungen wurden kombiniert mit mimischen und gestischen Elementen, z.B. viel sagende Blicke zum anderen Vernehmer, die viele Verfolgte – in Kombination mit Menschen- und Schlafentzug – nachhaltig an ihrer Wahrnehmung zweifeln ließen: Nicht nur meine Beziehungen sind anscheinend anders, als ich es bisher dachte, auch hier und jetzt stimmt mit mir etwas nicht." Zudem ließen die Vernehmer staatsideologisch unterfütterte Verurteilungen in Kombination mit moralischen Abwertungen in Bezug auf die persönliche Lebensgestaltung einfließen. In Folge entstanden in den verfolgten Menschen dauerhafte Deformationen der Selbstorganisation, ernsthafte Veränderungen der Persönlichkeit, wie Abspaltungsprozesse, Isolierung von Empfindungen, selbstzerstörerischer Umgang, sowie große Verunsicherungen in Bezug auf die Einschätzung der inneren und äußeren Realität.6
Es scheint übrigens weithin bekannt zu sein, dass dieses subtile und präzise geplante und durchgeführte System von Deprivation und deren Dokumentation sehr erfolgreich exportiert wurde z.B. in den Irak.



Quelle:
http://www.rav.de/infobrief99/Bittenbinder.html


zuletzt bearbeitet 09.07.2009 17:53 | nach oben springen

#149

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 20:43
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
...wenn also ehem. Anhänger dieser Ersatzreligion "ML" (mit den hier beschriebenen Eigenschaften und Auswüchsen) mir nun erzählen, was wirklich Recht und Unrecht war in der DDR...

....bin ich eher ein wenig mißtrauischer, als bei den Ausführungen von H.Knabe...

Ich hoffe, man kann mich vestehen!



Genau das tue ich


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#150

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 21:43
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@fsk-veteran, wollen wir jetzt wirklich amerikanische verhörmethoden mit denen in der u-haftanstalt hsh vergleichen ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#151

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 21:47
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Bereits mehrfach hatten wir Menschen im Museum zu Gast, die bis zu 9 Jahre (!!!!) wegen versuchter Republikflucht im besonders schweren Fall im Bau saßen. Erst letzten Freitag erfuhr ich von einem der Kollegen vom Springsteen-Konzert, dass er wegen dieses Tatbestandes 6 Jahre und 3 Monate gesessen hat - u.a. hat der den Grotewohl-Express miterlebt.

@ manudave, seltsamerweise bist du immer sehr nebulös. man kann sich mit keiner aussage auseinandersetzen, da sie oftmals sehr schwammig sind.
wer hat wann den grothewohl-express in einer u-haftanstalt des mfs erlebt und vorallem wann ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#152

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:01
von karl143 (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
@fsk-veteran, wollen wir jetzt wirklich amerikanische verhörmethoden mit denen in der u-haftanstalt hsh vergleichen ?

Gilbert Wolzow,
Du vergleichst immer Äpfel mit Birnen. Was die Amerikaner gemacht haben heiße ich bestimmt nicht gut. Das ist schlimm für ein Land, welches sich die Demokratie auf die Fahne geschrieben hat. Der Unterschied ist aber: Die Amerikaner setzen diese (unmenschliche) Praxis gegen Nichtlandsleute ein, in dem Wahn ihr Land zu schützen. Die DDR setzte diese (unmenschliche) Praxis ein, um sich vor den eigenen Landsleuten zu schützen. Und diese Verbrechen wurden nicht nur bei 500 Personen begangen. Das sind zehntausende die von der Stasi gequält und auch gefoltert wurden. Manchmal frage ich mich nur, warum sind hier nicht mal wirkliche Opfer im Forum und teilen mal ihre eigenen Erlebnisse mit.


zuletzt bearbeitet 09.07.2009 22:02 | nach oben springen

#153

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:14
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zu den nächsten Bildern schreibe ich mal gar nichts.
Es sind Bilder einer Strafanstalt, in einem damals gesperrten Stadtteil.
Nicht nur Westberlin war eingemauert!
Es handelt sich um das zentrale MfS Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen, welches in einem Stadtteil lag, in dem das MfS sich "niedergelassen" hatte und deshalb für niemanden zugänglich war.
Es wird auch viel in anderen Foren darüber geschrieben und Hardliner behaupten heute noch es wäre alles nicht so gewesen.
Ich kann nur sagen, wenn jemand von euch in der Nähe ist - anschauen und ein eigenes Bild machen.
Ich bin gern bereit für Leute, die es wirklich interessiert per Mail mehr und ausführlich davon zu erzählen, aber hier nicht.
Nur noch mal so als Anhang.
Wenn der Leiter der Anstalt öffentlich sagt, dass er nur noch auf den Einsatzbefehl wartet, bis es wieder los geht und er nat. wieder dabei ist, dann kommt mir einfach nur das K..... !
PS.: montags ist freier Eintritt - sonst 4 €.
Zeitig da sein - die meisten Führungen sind angemeldet.

Oss`n


Die Bilder sind in "Mein Urlaub" zu sehen.
Man sollte auch nicht vergessen, das das Untersuchungsgefängnis des MfS auch nur ein Teil eines ganzen Stadtteiles des MfS war.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#154

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:16
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Dieser Stadtteil war übrigens in keinen Karten der DDR eingezeichnet.
Straßen waren an diesem Stadtteil einfach zu Ende.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
zuletzt bearbeitet 09.07.2009 22:16 | nach oben springen

#155

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:23
von maja64 (gelöscht)
avatar

Kann ich dir sagen,weil das hier ein Forum der DDR Grenze ist und in der Mehrheit hier ehemalige DDR Grenzer sind (meistenteils Wehrpflichtige)und die teilen Ihre eigene Erlebnisse aus der damaligen Zeit mit.


Gruß maja64


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#156

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:55
von Oss`n | 2.777 Beiträge

scheint wirklich niemanden so richtig zu interessieren.
Na dann - Gute Nacht

sagt der Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#157

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 22:58
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Maja---Das Wort Stasi wird hier noch sehr oft fallen.Denn es war ein Organ und ein Machtapperat der sich in allen gesellschaftlichen Schichten der DDR rein gehangen hat.Auch bei den Grenztruppen.Ein Machtapperat der das eigene Volk mißtraute und auch sich selber.Ich finde es ganz OK das man sich auch damit hier im Forum auseinander setzt-es wird unvermeidlich bleiben.


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#158

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 23:04
von tiroler (gelöscht)
avatar

@ Gilbert Wolzow,

den Grotewohlexpress habe ich erlebt.Die Gefangenen wurden zu einer Sammelstelle , etwas
abgelegen vom Bahnhof gebracht.Dort musste man in kleine Zellen einsteigen.Diese Zellen boten Platz ,ich glaube für zwei Personen. Bin mir da aber nicht mehr sicher.Die Fenster bestanden aus Milchglas, von innen mit einer Art Maschengitter.Mit Mühe gelang es mir die Scheibe an einem Vierkantstummel runter zu drehen.Dieser einzelne Wagen wurde dann an den Zug angehangen.Durch den Spalt habe ich versucht zu einer Person auf dem Bahnsteig Kontakt aufzunehmen.Er wurde sofort aufgefordert weg zu gehen. Die Schließer waren auch gleich ran und haben den Spalt zugedreht.Als Verpflegung bekamen wir einen Beutel mit Brot .Tee wurde im Zug ausgegeben.Im Zug herrschte ein sehr rüder Ton.Es war für mich erschreckend.Ich saß bis kurz vorher nur in Einzelhaft.Die Wärter und auch Gefangenen
sprachen sehr primitiv miteinander. Der Zug war sehr lange unterwegs. Er fuhr alle größeren
Bahnhöfe an. Ich wurde von so einem Bahnhof mit Gefängnisbus in verschiedene Haftanstalten weiter gebracht. Immer kam ich in eine Transportzelle. In diese Zellen kamen
nach und nach neue Gefangene. Die Einen mussten zu Gerichtsverhandlungen, die Anderen
wurden auf verschiedene Haftanstalten verteilt. Eine U-Haftanstalt war vom MFS. Wir mussten die Schließer immer mit Dienstgrad anreden. Die vom MFS hatten andere Uniformen
(Armee) und auch andere Schulterstücke. Ich bekam immer einen Zettel mit Dienstgraden zum lernen. Im eigentlichen Vollzug waren nur VP-Angehörige als Schließer tätig. Für die Gefangenen ist der Tagesablauf militärisch gewesen. So viel, wie ich dort marschiert bin oder
auch fast alles im Laufschritt machen musste, hab ich mein ganzes Leben nicht gebraucht. Ich will sagen ,bei Armee war es nicht so streng. So, nun genug, es ist ja ei anderes Thema. Für mich war es ein Verbrechen der DDR, dass die politischen mit den Kriminellen zusammen
untergebracht waren. Die Zellen waren überbelegt.( drei Betten übereinander)

So ,nun aber Schluss

Tiroler

Die Zeit und die Haftanstalten erwähne ich absichtlich nicht.


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#159

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 23:12
von turtle | 6.961 Beiträge

Wegen dem Grothewohl -Express! muss ich doch nachfragen Es ist ja kein Geheimnis hier im Forum das ich wegen dem so genannten Paßvergehen (versuchte Republikflucht) 18 Monate im Zuchthaus war. Darüber und was ich da erlebte hatte ich bereits zum großen Teil geschrieben.
In dieser Zeit war ich mehrmals auf Transport ! In der Regel lief das so ab! Zeitiges wecken, antreten zum Effekten fassen, Handschellen um .
Das besondere dabei war ich bekam immer die Acht (Handschelle) allein . In der Regel wurden zwei Häftlinge an eine Acht geschlossen.
Auf meinem Begleitschreiben stand vielleicht Achtung gefährlich ,keine Ahnung! Jedenfalls stand da irgendwo außerhalb des Bahnhofes ein Waggon welcher von außen Milchglasfenster hatte. Innen waren die Abteile klein hatten Gitter und etwas zum sitzen. Selbstverständlich wurden wir da eingeschlossen. Im Gang waren die Wachposten. Diesen Waggon nannten wir den Grothewohl -Express! Also der war weiter nichts als ein spezieller Eisenbahnwagon, der dann irgendwann an einem Zug angekoppelt wurde. Versteht sich von selbst das uns kein Fahrplan mitgeteilt wurde ,oder wohin die Reise geht. Es kam vor der Waggon wurde zwischendurch abgekoppelt stand längere Zeit auf einem Abstellgleis manchmal auch über Nacht. bis es weiterging. Natürlich war das unangenehm auf engen Raum. Möchte noch erwähnen zu diesem Waggon wurden wir immer durch die Hintertüren und nur im dunklen geführt da uns niemand sehen sollte! Da bereits in anderen Beiträgen die Rede vom Grothewohl-.Express ist und es da so klingt als wäre das etwas besonderes schlimmes ,frage ich meinen wir den gleichen Grothewohl-Express? Meiner war nur ein scheiß vergitterter, mit Milchglasscheiben versehener alter Eisenbahnwaggon mit engen Abteil!
für zwei Personen (in der Regel glaube ich) Kann auch sein für jemanden der zartbeseitet war dieser Transport schlimm.
Ich dachte dabei an die Transporte in die KZ im 3.Reich und so war es ein Luxuswaggon!. Es kommt immer auf die Betrachtungsweise an, und schon ist es halb so schlimm. So habe ich das immer im Knast gehalten , brechen konnten die mich nie. Selbst wenn ich wieder Mist gebaut hatte und wieder einmal in die Arrestzelle musste, habe ich nicht gejammert nur gegrinst! Gruß Peter(turtle)


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#160

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.07.2009 23:31
von tiroler (gelöscht)
avatar

turtle, ich gebe dir in allen Punkten recht.Ich habe es genau so erlebt.Habe aber vieles schon vergessen,oder auch
verdrängt.Ich will auch nicht viel über diese schreckliche Zeit nachdenken.Mir fällt aber noch ein.Auf dem
Freihof mußten wir Freiheitslieder ,oder auch das Moorsoldatenlied singen.Sicherlich hat es dazu geführt,dass so manch
sadistischer Schließer eine feuchte Hose bekommen hat.

tiroler


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Racheakt der DDR-Staatssicherheit Die Ermordung des früheren BGS-Beamten Hans Plüschke
Erstellt im Forum Staatssicherheit der DDR (MfS) von Angelo
230 10.03.2016 19:28goto
von SET800 • Zugriffe: 21613

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