#701

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 13:53
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
OK. Die Zahlen von heute können wir nicht mit denen vor 20 Jahren gleichsetzen. Es ging doch darum, wieviele Schnüffler gab es vom Staat der DDR gegen das eigene Volk?


Dann nimm doch einfach die Zahlen von vor 20 Jahren und vergleiche sie mit den Zahlen des MfS.
Obwohl wir ja eigentlich erstmal klären müssten, wer ein "Schüffler gegen das eigene Volk" war.
Ist ein Mitarbeiter der PKE des MfS (insgesamt ca. 8 000 DDR weit)ein "Schüffler gegen das eigene Volk" ? Dann wäre der BGS-Mann auch einer? Ist ein Mitarbeiter der Terrorabwehr oder der ZSK (Zentrale spezifische Kräfte (vergleichbar GSG 9) ein "Schnüffler gegen das eigene Volk" ? Ist der Mitarbeiter bzw. der Soldat vom Wachregiment F. Dzierzynski(ca 11 000 Mann) ein "Schnüffler gegen das Volk"? Ist ein MA der HA PS (ca 3 700 MA) ein "Schnüffler gegen das Volk"? Dann wären bundesdeutsche Personenschützer auch welche? Oder waren die MA des Medizinischen Dienstes des MfS (DDR weit ca. 1 700) "Schüffler gegen das Volk"? Fragen über Fragen




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#702

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 13:58
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von dein1945

U-Bahnhof Kochstr. nächste Station Friedrichstr. und ich war wieder "DAHEIM", S-Bahnhof Lehrterstr. nächste Station Friedrichstr. und ich war wieder "DAHEIM", selten habe ich dort unsere Polizei gesehen, höchsten mal den Zoll, der hat aber nur die andere Richtung unter die Lupe genommen (Intershop-Ware), und so war es doch an allen Übergängen in Richtung DDR, Autobahn bin ich nie vom BGS überprüft worden, beim fliegen Richtung Berlin wurde nicht einmal der Ausweis verlangt. Nur beim Abflug in Richtung Westdeutschland wollte man meinen "Behelfsmässigen Ausweis" sehen. Ich hatte also dutzende Möglichkeiten dem Westen den Rücken zu kehren, ohne das ein Hahn danach krähte ! Ich konnte also ohne diesen Umweg durch den Zaun jederzeit raus,


@dein1945, genau durch die dort einsetzende rasterfahndung des bfv sind einige kuriere und anschliessend die kundschafter, u.a. g.guillaume, aufgeflogen. für dich als laie waren die maßnahmen entweder nicht sichtbar bzw. du hast es nicht wargenommen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#703

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 14:07
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von manudave
In Antwort auf:
MfS, 1989: 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter, zuzüglich über 100.000 IM
BND, 2005: 6000 Mitarbeiter



Ob der BND auch Köche, Pförtner etc. hat? Dann bleibt ja gar keiner mehr übrig...


selbstverständlich hat der dienst dieses personal. nur gehören sie nicht zum dienst und sind entweder beamte oder angestellte des normalen öffentlichen dienstes.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#704

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 14:24
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Zitat von Peter F.
Das ist alles, was ich zum Thema Stasi zu sagen habe. Ansonsten: http://www.iltener-internet-zeitung.de

Was hat denn der Link deiner Homepage mit diesem Thema hier zu tun?


Hallo Angelo, ist ganz einfach, dort habe ich versucht darzustellen, wie Stasiseilschaften heute noch ihre Opfer verhöhnen. Und das Stasienblem - mittels Collagetechnik habe ich einmal versucht den Stasi-Terror zu gestalten. Und da ich meine, dass das etwas zum Thema Stasi ist, habe ich es halt hereingestellt.

Und nun noch einige Zitate von Mielke:Zitate vom einstigen Chef der Stasi, Erich Mielke, weil zwei zeigen, was für eine "menschenfeindliche Athmosphäre" vom Armeegeneral ausging.

"Wir haben, Genossen , liebe Abgeordnete, einen außerordentlich hohen Kontakt mit allen werktätigen Menschen, in überall, ja, wir haben einen Kontakt, ja, wir haben einen Kontakt, ihr werdet gleich hören, warum, ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen, na, ich liebe doch, ich setze mich doch dafür ein..."

(13. November 1989 vor der Volkskammer.)

"Wir sind nicht gefeit leider, dass auch mal ein Schuft noch unter uns sein kann, wir sind nicht gefeit dagegen, leider. Wenn ich das schon jetzt wüsste, dann würde er ab morgen schon nicht mehr leben. Ganz kurz – Prozess. Aber weil ich Humanist bin, deshalb habe ich solche Auffassungen. Lieber Millionen Menschen vor'm Tode retten als wie einen Banditen leben lassen, der also uns dann also die Toten bringt. ... . mal richtig erklären, warum man so hart sein muss. All das Geschwafel von wegen nicht Hinrichten und nicht Todesurteil – alles Käse is' Genossen. Hinrichten den Menschen ohne ... , ohne Gerichtsbarkeit und so weiter."

(Mielke 1982, Ausschnitt eines Stasi-Tonbandprotokolls, auf einer Konferenz hoher Stasi-Offiziere, mit Bezug auf die Flucht des damaligen Stasioberleutnants Werner Stiller in den Westen.)

"Ich will euch überhaupt mal etwas sagen Genossen, wenn man schon schießt dann muss man dat so machen, dass nicht der Betreffende noch bei wegkommt sondern dann muss er eben dableiben bei uns. Ja so ist die Sache, wat is denn das, 70 Schuß loszuballern und der rennt nach drüben und die machen ne Riesenkampagne."

(Ebenfalls Ausschnitt aus einem Tonbandprotokoll einer Mielke-Rede.=


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#705

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 14:37
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter F,

und nun. ?

Hattet die Tagung wirklich bezug zu Stiller ?

Stiller ist 1979 in die BRD und dann nahm eine Tagung 3 Jahre später bezug zu ihn ?

Du solltest eins bedenken. Mielke hatte ab und zu mal eine richtige Berliner Schnauze. Aber auch diese Äußerungen hatten ja keine Befehlskraft.

Und jeder darf sich mal Gedanken machen, was er schon alles geäußert hat in seinen Leben, wenn dies alles auf Tonband wäre ...

Und der Präsident der USA äußerte mal Sinngemäß, "und in x Minuten beginnen wir mit der Bombardierung der UdSSR".




zuletzt bearbeitet 28.08.2009 14:38 | nach oben springen

#706

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 14:48
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Obwohl wir ja eigentlich erstmal klären müssten, wer ein "Schüffler gegen das eigene Volk" war.
Ist ein Mitarbeiter der PKE des MfS (insgesamt ca. 8 000 DDR weit)ein "Schüffler gegen das eigene Volk" ? Dann wäre der BGS-Mann auch einer?


Ich weiß nicht mehr Merkur, ob du das hier wirklich ernst meinst, oder ob das ein Spielchen wird.
Nachher hole ich noch meine Akte raus und du erklärst mir, das derjenige, der heimlich Infos über mein Privatleben an das MfS gegeben hat, kein Schnüffler war sondern ein unbezahlter Denunziant des MfS, der seinen Job nicht richtig getan hat. Gab es einen der über 100.000 IM's, die man nicht als Schnüffler bezeichnen könnte? Möchtest du dann diese Verbindungsoffiziere der IM's als Nichtschnüffler bezeichnen, weil sie ja direkt nichts getan haben?
Zwischen PKE und BGS siehst du also nur Gemeinsamkeiten? Ja, du hast wahrscheinlich den Unterschied nie kennen gelernt.....leider.


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#707

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 14:56
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
Zitat von dein1945

U-Bahnhof Kochstr. nächste Station Friedrichstr. und ich war wieder "DAHEIM", S-Bahnhof Lehrterstr. nächste Station Friedrichstr. und ich war wieder "DAHEIM", selten habe ich dort unsere Polizei gesehen, höchsten mal den Zoll, der hat aber nur die andere Richtung unter die Lupe genommen (Intershop-Ware), und so war es doch an allen Übergängen in Richtung DDR, Autobahn bin ich nie vom BGS überprüft worden, beim fliegen Richtung Berlin wurde nicht einmal der Ausweis verlangt. Nur beim Abflug in Richtung Westdeutschland wollte man meinen "Behelfsmässigen Ausweis" sehen. Ich hatte also dutzende Möglichkeiten dem Westen den Rücken zu kehren, ohne das ein Hahn danach krähte ! Ich konnte also ohne diesen Umweg durch den Zaun jederzeit raus,


@dein1945, genau durch die dort einsetzende rasterfahndung des bfv sind einige kuriere und anschliessend die kundschafter, u.a. g.guillaume, aufgeflogen. für dich als laie waren die maßnahmen entweder nicht sichtbar bzw. du hast es nicht wargenommen.


Hallo GW,
das kann ja nur klappen wenn ich den Kurier schon vorher entarnt habe, es sind täglich tausende mit der U-Bahn zwischen Kochstr. und Reinickendorferstr. gependelt, die alle zu kontrollieren hätte den U-Bahnverkehr lahmgelegt, nur als ein Beispiel, es gab noch die S-Bahn !
Insofern gebe ich Dir Recht, als Laie kann man sich sowas nicht vorstellen. Doch glaub mir so einen Aufwand hat hier keiner getrieben. Wie gesagt, der Kurier muß schon vorher aufgeflogen sein, aber erst beim Grenzübertritt wurde zugegriffen,
Gruß aus Berlin


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#708

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:05
von S51 | 3.733 Beiträge

Kam nicht mal in irgendeiner Dokumentation des Fernsehens (Phönix oder MDR?), dass ein Überläufer unter anderem auch alte Codes verraten hat? An Hand dieser Codes wurden dann damals schon vor Jahren abgefangene Nachrichten analysiert. Das hat nicht nur Guilliaume enttarnt. Natürlich wurde diese Aktion damals durch andere Maßnahmen getarnt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#709

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:22
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Ich weiß nicht mehr Merkur, ob du das hier wirklich ernst meinst, oder ob das ein Spielchen wird.
Zwischen PKE und BGS siehst du also nur Gemeinsamkeiten?


Erwecke ich den Eindruck, als würde ich Spielchen treiben?
Das ist gewiss nicht meine Absicht. Ich wundere mich nur, wie mal wieder alles schön in einen Topf geworfen und pauschalisiert wird. Dahingehend ergeben sich für mich halt Nachfragen.
Es ist richtig, dass das MfS statistisch betrachtet ein großer Apparat war. Wenn man sich allerdings genau damit auseinandersetzt, wer wirklich operativ gearbeitet bzw. IM geführt hat, stellen sich die Zahlen schon ganz anders dar. Nur macht sich halt diese Mühe kaum jemand. Es ist wesentlich einfacher, pauschal irendwelche Zahlen zu übernehmen, die durch die Medienlandschaft geistern.
Ich sehe zwischen den Mitarbeitern des MfS und den Beamten des BGS eine Reihe von Gemeinsamkeiten, da sich bei bestimmten Aufgabenfeldern die zu realisierenden Aufgaben glichen.
- Beide standen in einem besonderen Dienstverhältnis zu ihrem Staat, der BGS-Mann als Beamter, der MfS-Mann als Berufssoldat
- Der BGS-Mann kontrollierte Pässe an den GÜSten, der MA der PKE auch
- Der Beamte der GSG 9 sorgt dafür, dass Terror und kriminelle Gewaltakte beendet werden, der MA der ZSK der HA XXII tat das auch
- Der Beamte des BGS/der BuPol sorgt dafür, dass die Auslandsvertetungen der Bundesrepublik im Ausland zuverlässig geschütz werden, die zuständigen MA des MfS taten das auch
- Der Beamte des BGS/der BuPol sorgt dafür, dass die Gebäude und Einrichtungen der Bundesregierung geschützt werden, die Wach- und Sicherungskräfte des MfS taten selbiges mit den Einrichtungen der DDR-Regierung.
Gravierender Unterschied: Jeder diente seinem Staat, wobei der eine natürlich eine Demokratie war und der andere, wie wir ja seit 20 Jahren alle wissen, einer, indem die Menschen geknechtet worden sind und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden.



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#710

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:23
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Alfred
Peter F,
und nun. ?
Hattet die Tagung wirklich bezug zu Stiller ?
Stiller ist 1979 in die BRD und dann nahm eine Tagung 3 Jahre später bezug zu ihn ?
Du solltest eins bedenken. Mielke hatte ab und zu mal eine richtige Berliner Schnauze. Aber auch diese Äußerungen hatten ja keine Befehlskraft.
Und jeder darf sich mal Gedanken machen, was er schon alles geäußert hat in seinen Leben, wenn dies alles auf Tonband wäre ...
Und der Präsident der USA äußerte mal Sinngemäß, "und in x Minuten beginnen wir mit der Bombardierung der UdSSR".


Ich war nie Stasimann sondern nur Opfer dieses Geheimdienstes. Große Schnauze hin, große Schnauze her: Reagans dämlicher Spruch zeigte, wie wenig Benehmen und Verstand der Mann zu haben schien, der in den 80er Jahren Präsident der Vereinigten Staaten war, ein ehemalig zweit- oder gar drittklassiger Hollywood-Schauspieler, dann aber einer zu der Zeit mächtigsten Männer der Welt. Später musste er sich für seinen dummen und unüberlegten Spruch bei Michail Gorbatschow entschuldigen.

Mielke war Chef eines Geheimdientes, der mit terroristischen und unmenschlichen Methoden gegen Kritiker des SED-Regimes vorging und Menschen, die Ostdeutschland verlassen wollten. Wie viele Menschen wurden bespitzelt? Gegen wieviele Menschen wurden Intrigen gefahren, Lügen über sie verbreitet, um ihre Intigrität und Persönlichkeit zu zerstören? Von 1961 bis 1989 wurden in der DDR etwa 250 000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert - rund 40 000 - laut Freya Kliers Buch (über den Widerstandskämpfer Michael Gartenschläger und seine Ermordung 1976 auf Befehl Mielkes) sollen es nur etwas mehr als 33 000 gewesen sein, die durch Vermittlung von Prof. Dr. hc Wolfgang Vogel von der DDR gegen blanke Devisen an den Westen verkauft, man kann auch sagen vom Westen freigekauft wurden. 40 000 DM für einen Facharbeiter bis zu 100 000 für einen Akademiker. In den von mir wiedergegebenen Zitaten gibt Mielke nur den Geist des Sicherheitsdienstes wieder. Meine Position ist parteilich: Das Unrecht und die Gewalt, die die SED-Diktatur und sein "Schwert- und Schild, die Stasi, begangen haben, muss aufgearbeitet werden. Und dabei sind wir erst am Anfang. Und genauso kritisch stehe ich - seit 1977 in der Bundesrepublik - dem nationalsozialistischen Deutschen Faschismus, dessen Verbrechen noch viel viel grausamer waren, weil Nazideutschland Völkermord begangen hat, aber auch der Politik der Parteien in der Bundesrepublik gegenüber: angefangen bei Die Linke (vormals SED-PDS), der SPD, der CDU, der FDP, den Grünen und besonders gegen rechte Neonazis. Lies bitte in meiner Homepage - und nicht nur die Serie "Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer"). Deshalb gefällt mir trotz meiner "Parteilichkeit" gegen das ehemalige SED-System auch dieses Forum, weil hier frei die Diskussionskultur Pro und Contra gepflegt wird. Schönenes Wochenende wünscht Dir und Deiner Familie Peter F., pittisfotogalerie.de...


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#711

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:31
von Alfred | 6.841 Beiträge

Mielke hat den Befehl zur Ermordung von Gartenschläger gegeben ?

Habe ich ja noch nie gehört ?

Hoffentlich kann die Dame das auch belegen.

Und die Zahl 250.000 hatten wir doch auch schon.

Aber keiner konnte so richtig klären, wer und was man da alles so unter politisch zählt , vielleicht kannst Du es .

Und woher kannst Du denn einschätzen, dass Mielke des Geist seines Ministeriums vertritt ? Für mich ist dies SEINE Meinung oder besser gesagt seine Äußerung.


zuletzt bearbeitet 28.08.2009 15:34 | nach oben springen

#712

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:36
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Zitat von Augenzeuge
Ich weiß nicht mehr Merkur, ob du das hier wirklich ernst meinst, oder ob das ein Spielchen wird.
Zwischen PKE und BGS siehst du also nur Gemeinsamkeiten?

Erwecke ich den Eindruck, als würde ich Spielchen treiben?
Das ist gewiss nicht meine Absicht. Ich wundere mich nur, wie mal wieder alles schön in einen Topf geworfen und pauschalisiert wird. Dahingehend ergeben sich für mich halt Nachfragen.
Es ist richtig, dass das MfS statistisch betrachtet ein großer Apparat war. Wenn man sich allerdings genau damit auseinandersetzt, wer wirklich operativ gearbeitet bzw. IM geführt hat, stellen sich die Zahlen schon ganz anders dar. Nur macht sich halt diese Mühe kaum jemand. Es ist wesentlich einfacher, pauschal irendwelche Zahlen zu übernehmen, die durch die Medienlandschaft geistern.
Ich sehe zwischen den Mitarbeitern des MfS und den Beamten des BGS eine Reihe von Gemeinsamkeiten, da sich bei bestimmten Aufgabenfeldern die zu realisierenden Aufgaben glichen.
- Beide standen in einem besonderen Dienstverhältnis zu ihrem Staat, der BGS-Mann als Beamter, der MfS-Mann als Berufssoldat
- Der BGS-Mann kontrollierte Pässe an den GÜSten, der MA der PKE auch
- Der Beamte der GSG 9 sorgt dafür, dass Terror und kriminelle Gewaltakte beendet werden, der MA der ZSK der HA XXII tat das auch
- Der Beamte des BGS/der BuPol sorgt dafür, dass die Auslandsvertetungen der Bundesrepublik im Ausland zuverlässig geschütz werden, die zuständigen MA des MfS taten das auch
- Der Beamte des BGS/der BuPol sorgt dafür, dass die Gebäude und Einrichtungen der Bundesregierung geschützt werden, die Wach- und Sicherungskräfte des MfS taten selbiges mit den Einrichtungen der DDR-Regierung.
Gravierender Unterschied: Jeder diente seinem Staat, wobei der eine natürlich eine Demokratie war und der andere, wie wir ja seit 20 Jahren alle wissen, einer, indem die Menschen geknechtet worden sind und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden.


Hallo Merkur, gestatte meinen Einwurf, Du kannst beides nicht miteinander wie Äpfel und Birnen vergleichen: Die DDR hat streng undf schikanös an der innerdeutschen Grenze kontrolliert im Sinne der SED-Diktatur und ihrer Politik und das von ihr errichtete Grenzregime, zu dem auch Stacheldraht, Minenfelder und SM 70 gehörten. (Übrigens wurde diese Selbstschußanlage schon bei den Nazis von einem hohen SS-Mann konstruiert, aber erst in den 50er Jahren von der Stasi bis zur vollen Funktionsfähigkeit entwickelt. Genauer: Im sogenannten Stasisondergefängnis Lager X in Berlin-Hohenschönhausen mussten das auf Stasi-Druck Stasi-Gefangene in Zwangsarbeit erledigen. Der BGS hat selten an den Übergängen Richtung Bundesrepublik Kontrollen ausgeübt und nicht so fies wie der DDR-Zoll: "Genn Se ´fleisch mol den Gufferraum ufmochen?"


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#713

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 15:50
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter,

zu Gartenschläger vielleicht mal hier lesen, ab Seite 390

Zu der SM 70, auch dies ist mir neu.

Eigentlich kam diese aus der CSSR und über den damaligen Chef der Grenztruppen der DDR General Peter.

Das mal kurz zur SM 70

Die Ersetzung der ursprünglich angelegten Erdminensperren durch die SM 70



· Anfang der 70 er Jahre- erfolgte ,um

· einerseits die militärische Grenzsicherung nach beiden Seiten hin aufrechtzuerhalten und

· andererseits das Gefährdungspotential für Grenzverletzer soweit wie möglich auszuschließen.



Darüber hinaus hatte dieses Minensystem den Vorteil, daß bei Gefahrensituationen einzelne Minenfelder abgeschaltet werden konnten, um eine schnellere Bergung von Verletzten zu ermöglichen.

Auch die SM -70 - Anlagen waren abgesichert und große Warnschilder wiesen in beiden Richtungen auf die Lebensgefahr hin, die mit einem unbefugten Überwinden dieser Anlage verbunden war.



Dabei sollte man auch folgendes berücksichtigen.



· für Angriffe aus dem Westen waren die Minenfelder das 1. Hindernis

· für Grenz - Verletzer aus dem Osten waren die Minenfelder nach 5 km Sperrgebiet das letzte Hindernis.





Alle Minenfelder wurden nach dem Prinzip der militärischen Verteidigung so angelegt, daß



· in den zu erwartenden Handlungsrichtungen des Gegners



· zuerst die Minensperren wirksam würden

· und erst dann die Kräfte der Sicherung und Verteidigung handeln.



Deshalb waren auch alle Minenfelder 30 bis 50 Meter von der Staatsgrenze entfernt angelegt.








Dateianlage:
zuletzt bearbeitet 28.08.2009 15:56 | nach oben springen

#714

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:01
von Peter F. (gelöscht)
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Hallo Alfred, der Befehl kam von Mielke, nachdem Gartenschläger am Großen Grenzknick bei Bühren (Landkreis Herzogtum Lauenburg) und Leisterförde (Kreis Hagenow) schon in der Nacht des 30. März 1976 die erste SM 70 abbaute und in den Westen brachte, um Honeckers international in Helsinki 1975 zur KSZE getätigten Aussagen "Die DDR hat keine Selbstschussanlagen an ihrer Grenze zur BRD") und die Aussagen des damaligen DDR-Außenministers Oskar Fischer zu widerlegen, dass es sich nur um Aptrappen am Grenzzaun handele. Den Plan und den Einsatz von 21 Mann der sogenannten "Einsatzkompanie" der Hauptabteilung I des MFS genehmigte der damalige Leiter der HA I, General Kurt Kleinjung (+ 2003).

Und dazu noch das: Nach der Wende und der Wiedervereinigung mussten sich drei ehemalige Stasi-Leute wegen der tödlichen Schüsse auf den Bürgerrechtler vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Sie sagten aus, ihre Aufgabe sei die Festnahme Gartenschlägers gewesen. Aber er habe nach ihrem Warnruf zuerst aus seiner Pistole geschossen, bevor sie „deshalb aus Notwehr das Feuer auf ihn eröffnen mussten“. Doch auf beweiskräftige Schmauchspuren sind 1976 weder der Tote noch seine Waffe von der Stasi oder der ostdeutschen Gerichtsmedizin untersucht worden. Die beiden Freunde Gartenschlägers, die den Mordanschlag von westdeutschem Boden aus verfolgt hatten, bestritten dagegen, dass er mit seiner Pistole geschossen habe. Die Stasi-Leute hätten, als der 32jährige noch zum Zaun schlich, ohne jegliche Warnung sofort aus allen Rohren auf ihn gefeuert.

Ungeklärt blieb in dem Prozess der Widerspruch, warum man aus allen Rohren auf jemanden ballert, den man eigentlich lebendig festnehmen wollte? Oder stand doch in Wahrheit laut Befehl Mielkes von vorn herein fest, den Bürgerrechtler „zu liquidieren“? Die Staatsanwaltschaft ging in dem Verfahren genau davon aus: Mit einer zweiten Salve hätten die drei Todesschützen den bereits wehrlos am Boden liegenden endgültig getötet. Der vierte, aber nicht angeklagte Stasi-Mann des Kommandos stützte in seiner Aussage diesen Vorwurf: Er sei nach den ersten Schußsalven zu dem vor Schmerzen stöhnenden Schwerverwundeten gerobbt und habe seinen Stasi-Genossen zugerufen: "Der lebt noch!" Der Führer des Kommandos habe aber gebrüllt: "Weg da vorn!" Dann sei nochmals Dauerfeuer geschossen worden. Die drei Angeklagten behaupteten dagegen, sie hätten nur "zur BRD hinüber in die Luft geschossen"...

Der Schießbefehl für die Stasisondereinheit der Hauptabteilung I, die auch Gartenschläger tötete. Der Begriff "tschekistisch" ist von der Geheimpolizei Lenins aus der russischen Oktoberrevolution 1917, von den grausam gegen Revolutionsfeinde vorgegangenen Tschekisten unter Felix Dsershinsky "entlehnt" - die Stasi sah sich als Nachfolger. Und genau dieser erst 2007 in der Birthler-Behörde in Berlin aufgetauchte Befehl weckt Zweifel an den Aussagen, die die MfS-Schützen 2003 bei ihrem Prozess vor dem Landgericht Schwerin gemacht hatten. In der ZDF-Sendung Frontal sagte Dr. Jochen Staadt vom Forschungsverbund "SED-Staat" der Freien Universität Berlin am 2. Oktober 2007: "Ich gehe davon aus, dass weder Warnrufe vorher abgegeben wurden, noch Warnschüsse, sondern dass man Gartenschläger kaltblütig töten wollte und auch getötet hat." Siehe Dateianhang)

Angefügte Bilder:
f76t834p17184n1.jpg

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#715

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:01
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
@berliner, erich mielke hat hier in seinen aussagen absolut recht. es gab soviele geheimdienstlich fremde aufgaben, weil sich andere staaliche stellen entweder nicht trauten oder versagten, das es hier den rahmen sprengen würde. viele staatliche leiter, die am ende mit ihren nerven waren, wandten sich bewusst an das mfs um etwas ändern zu können.

mir fällt da ein ganz klassisches beispiel ein: in den 80´er jahren gab es plötzlich eine kanppheit an tabak (virginia-tabak) und auch bulgarien kam mit der lieferung von tabak nicht hinterher. die lieblingszigaretten wie: alte-juwel, cabinett, club, f6 wurden plötzlich nur noch unter dem ladentisch verkauft bzw. waren überhaupt nicht mehr erhältlich. in berlin- heinersdorf streikten die bauarbeiter deshalb. das mfs musste ran um zigaretten zu besorgen, aber nur weil die dortigen leiter dazu nicht in der lage waren.
(@berliner, ich hoffe du fängst jetzt nicht an zu lachen ob der "probleme"...)


Hi GW, nochmals vielen Dank fuer Deine Antwort. Ich glaube ich habe sie nicht gewuerdigt und auch nicht komplett ausgewertet, als noetig waere, und ich entschuldige mich dafuer.

Wenn Du das Beispiel der Zigaretten bringst, ist es mir vollkommen raetselhaft. Ich glaube es Dir natuerlich, es ist passiert, ober wo in einem Staat ist die Macht, wenn nicht beim Hauptorgan, in diesem Fall beim Politbuero (oder, hilf' mir bitte zu verstehen)? Oder trifft die Antwort von Augenzeuge auch hier zu, dass sogar im Politbuero, die Angst um etwas falsches zu machen, die Entscheidungen bestimmte ?

Hier waere, glaube ich, so was laecherlich, die CIA zu fragen, ob sie das Zigarettenproblem im Lande loesen wuerde. Wieso und mit welchen Mitteln ? Sollen sie nach Mexiko gehen und ein "black bag job" veranstalten um die Zigarettenfabriken da unten auszurauben ? Du verstehst worauf ich hinaus will, auch wenn ich mich grob und unbeholfen ausdruecke.

Solche Entscheidungen gehen vor den Kongress, dann schliesslich an den Praesidenten, die die Macht und Mittel haben solche Probleme zu loesen.

Nun, ich will nicht durchs Fettgedrueckte schreien, aber schon die Frage hervorheben, wieso das in der DDR nicht der Fall war ?

Ich danke Dir wieder im voraus fuer Deine ausfuehrlichen und sachlichen Antworten,
Berliner


zuletzt bearbeitet 28.08.2009 16:05 | nach oben springen

#716

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:08
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Jeder diente seinem Staat, wobei der eine natürlich eine Demokratie war und der andere, wie wir ja seit 20 Jahren alle wissen, einer, indem die Menschen geknechtet worden sind und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden.


Immerhin hast du in der zweiten Satzhälfte keine Anführungszeichen gesetzt. Aber, wie wir wissen, können wir das so pauschal auch nicht gelten lassen. Denn wenn man sich angepasst hatte, dann ging es einem gar nicht so schlecht. Der eine Staat hat die "Demokratie" im Wort mit drin- aber es gab sie nicht, eigentlich hätte es doch besser Deutsche Diktatorische Republik heissen müssen. Aber das Wort Diktatur bleibt ein schlechtes, auch wenn es eine Diktatur des Proletariats war. Und der andere Staat musste das Wort nicht erwähnen, man wusste es eben auch so.

Zu deinen Vergleichen habe ich nichts hinzuzufügen. Die Menschen in der DDR, die das MfS als das gesehen haben, was der Dienst gerne sein wollte, der Beschützer des einfachen Volkes, waren gering. Man sah sie als die unbarmherzige, ideologisch verbohrte Geheimpolizei, die große Macht im Staate an, mit der nicht zu spaßen war. Und man ist immer daran schuld, wie andere einen sehen. Auch wenn es pauschalisiert wird.


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#717

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:09
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter,

lies doch einfach mal meine angehängte PDF Datei.

Was hat General Kleinjung vorgeschlagen, was stand denn drin im Schreiben.

Gartenschläger zu erschießen ?

Und auch das unten genannte Schreiben ist doch kein Befehl.


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#718

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:23
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Peter F.
SM 70 gehörten. (Übrigens wurde diese Selbstschußanlage schon bei den Nazis von einem hohen SS-Mann konstruiert, aber erst in den 50er Jahren von der Stasi bis zur vollen Funktionsfähigkeit entwickelt. Genauer: Im sogenannten Stasisondergefängnis Lager X in Berlin-Hohenschönhausen mussten das auf Stasi-Druck Stasi-Gefangene in Zwangsarbeit erledigen.


Manchmal kann ich nur mit dem Kopf schütteln, was hier alles falsch kolportiert wird. Mit der Entwicklung der SM 70 hatte das MfS nichts, aber auch überhaupt nichts zu tun.
Die Entwicklung der Splittermine SM 70 begann mit einer grundlegenden Studie des VEB Chemiewerkes Kapen zu Ende des Jahres 1965. Kapen liegt bei Oraniebaum/Dessau.Im Jahre 1966 kam es zu einem Treffen zwischen Vertretern des Kapener Werkes und Mitarbeitern des tschechoslowakischen Forschungsinstitutes VUSTE. Noch im Oktober 1966 liefen die Entwicklungsarbeiten in der CSSR an.
Im Jahre 1970 legte der CGT, Generalleutnant Peter, dem Minister für Nationale Verteidigung die Einsatzkonzeption für die Truppenerprobung der neuen Sperranlage vor. Diese wurde entsprechend bestätigt. Mit dem Befehl 56/70 des CGT wurde mit der versuchsweisen Einführung der Sperranlagen (SM 70)in einem Erprobungsabschnitt des GR 24 (Salzwedel-Lüchow/Arendsee-Prezelle) begonnen.



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#719

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:33
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Berliner


Nun, ich will nicht durchs Fettgedrueckte schreien, aber schon die Frage hervorheben, wieso das in der DDR nicht der Fall war ?


hmmm berliner, darauf zu antworten ist schwierig. heute wird von jedem hobby-historiker erklärt, dass die ddr nur aus sed-kadern bestand, dem war mitnichten so. warum aber oftmals wirtschaftskader versagten hat mit vielem zu tun: menschliches versagen, unfähigkeit, keine möglichkeiten entscheidungen hervorzurufen, mangelnde durchsetzungskraft, duckmäusertum etc. also die ganze palette. in dem zuge möchte ich der aussage von @augenzeuge widersprechen das alle leitungskader duckmäuser o.ä. waren. ganz im gegenteil...

zu dem von mir genannten beispiel mit den zigaretten. ursache war hier die ausgebliebene lieferung von tabak aus den usa. frage mich jetzt bitte nicht wieso und warum, ich weiss es nicht. und als ersatz konnte bulgarien auch nicht mehr liefern als schon geliefert wurde. dadurch entstand ein engpass an zigaretten bestimmter lieblingssorten.
über die lage der bevölkerung (u.a. hier der raucher) hat das mfs immer an die partei berichtet. die berichte wurden offensichtlich, wie so oft, ignoriert. anschliessend musste das mfs wegen der unfähigkeit der partei, aktive politik zu betreiben, wieder die kartoffeln aus dem feuer holen.
das dieses beispiel banal ist, ist mir klar, aber es ist (leider)eines von vielen...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#720

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.08.2009 16:44
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter,

zu "deinem" Dokument noch folgendes,

Sommerlochthema: Schießbefehl



In den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RBB vom 10.08.07, im „Spiegel“, Tagesspiegel“ vom 11.08.07 und sicherlich in anderen meinungsbildenden Medien auch wurde von einem brisanten Aktenfund in der BStU-Außenstelle Magdeburg berichtet. Endlich habe man einen bisher nie belegbaren – bei der Verurteilung von DDR-Bürgern im Zusammenhang mit Schüssen an der Grenze aber immer vorausgesetzten – „Schießbefehl“ entdeckt.

Anscheinend aus einem in einer IM-Akte enthaltenen Auftrag wird zitiert: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zunutze gemacht haben“.

Dieser Auftrag wurde vermutlich an einen IM erteilt, der die Fahnenflucht von Angehörigen der Grenztruppen verhindern sollte.

Es handelt sich also um einen Auftrag eines Führungsoffiziers und nicht um einen Befehl oder eine Dienstanweisung.

Unklar bleibt, welche ominöse Spezialeinheit des MfS innerhalb der Grenztruppen der DDR existiert haben soll. Die Verhinderung von Fahnenfluchten war Auftrag aller IM in den Streitkräften der DDR. Fahnenflucht war eine Militärstraftat nach § 254 des StGB der DDR. Sie wird auch heute als Militärstraftat gemäß § 16 des Wehrstrafgesetzes der BRD mit bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Die Anwendung von Schusswaffen war - wie in allen anderen bewaffneten Organen der DDR - auch im MfS durch eine Schusswaffengebrauchsbestimmung penibel geregelt. Bevor ich eine persönliche Dienstwaffe ausgehändigt bekam, musste ich, wie alle anderen Angehörigen des MfS diese Schusswaffengebrauchsvorschrift studieren und ihre Kenntnisnahme mit meiner Unterschrift bestätigen. Regelmäßig vierteljährlich musste ich ebenso mit Unterschrift aktenkundig erklären, dass ich mit dem Inhalt der Schusswaffengebrauchsvorschrift vertraut bin.

Für die Anwendung der Schusswaffe an der Staatsgrenze galt das Grenzgesetz der DDR, das einen speziellen Paragraphen zur Anwendung der Schusswaffe enthielt (§ 27 Grenzgesetz der DDR)

Kein Führungsoffizier des MfS konnte diese allgemeinverbindlichen Vorschriften außer Kraft setzen oder verändern.

Als 1973 (in Auswertung des Dramas der Olympiade in München) zur Verhinderung terroristischer Anschläge auf ausländische Teilnehmer der Weltfestspiele in Berlin eine zeitweilige Arbeitsgruppe Ausländische Festivalteilnehmer je zur Hälfte aus Angehörigen des MfS und der Deutschen Volkspolizei gebildet und worden war und ihre Einsatzstärke von mehr als 3.000 erreicht hatte, war es notwendig geworden, den Einsatz der Schusswaffe bei möglichen Geiselnahmen u. ä. zu regeln. Das konnte nur der Minister für Staatssicherheit in Abstimmung mit dem Minister des Inneren. Eine entsprechende, von Erich Mielke unterzeichnete Anweisung für den Einsatz der Schusswaffe unter diesen besonderen Bedingungen wurde von mir persönlich nach der Auflösung dieser zeitweiligen Arbeitsgruppe im September 1973 zusammen mit weiteren Unterlagen archiviert und liegt ebenso wie die Schusswaffengebrauchsbestimmung des MfS in der BStU vor.



Die Aufforderung an einen IM, die Schusswaffe ohne zu zögern einzusetzen, hebt die allgemeinen Vorschriften für den Einsatz der Schusswaffe nicht auf, sondern besagt nur, dass auch in einem solchen Fall, bei dem ein Fahnenflüchtiger nach der heutigen Terminologie mit menschlichen Schutzschilden operiert, auf einen Schusswaffeneinsatz gegen ihn nicht verzichtet werden sollte. (es ging also nicht um einen Schusswaffeneinsatz gegen Frauen und Kinder) Von einem Schusswaffeneinsatz „ohne Vorwarnung“ ist in dem veröffentlichten Text nichts zu lesen, wie auch das gesamte Dokument – aus welchen Gründen auch immer – vermutlich geheim bleiben wird. Was Zuschauer oder Leser zur Kenntnis nehmen dürfen, bestimmen Herr Knabe und Frau Birthler. Ob es dabei um die Aufdeckung der Wahrheit oder um gezielte Hetze gegen die DDR handelt, muss schon jeder selbst herausfinden.

Die Aufforderung zum Einsatz der Schusswaffe ist keinesfalls „Anstiftung zum Mord“ oder eine „Lizenz zum Töten“. Der Einsatz der Schusswaffe war den allgemeinen Vorschriften nach immer vom Ziel bestimmt die davon betroffene Person kampf- bzw. fluchtunfähig zu machen und letztlich festzunehmen. Das dabei auch Menschen getötet wurden, ist ebenso bedauerlich wie heutige Vorkommnisse, bei denen Personen von Polizisten oder verdeckten Ermittlern erschossen werden.



Mitten im Sommerloch und „rein zufällig“ passend zum Jahrestag des 13. August 1961 haben Herr Knabe und Frau Birthler wieder einmal mit Unterstützung gleichermaßen unkritischer wie diensteifriger Medien ihre Wichtigkeit unterstreichen können. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die geforderten staatsanwaltlichen Ermittlungen ausgehen werden wie das Hornberger Schießen.



Wolfgang Schmidt

11.08.2007



Nachtrag:

Nur einen einzigen Tag dauerte es, dann stellte sich heraus, dass der sensationelle Fund der BStU ein Dokument betrifft, das schon seit 1994 bekannt und bereits 1997 auszugsweise veröffentlicht worden war. Seinerzeit allerdings nicht mit der perfiden Ausdeutung der letzten Tage, gipfelnd in der Unterstellung eines "uneingeschränkten, flächendeckenden, bedingungslosen Schießbefehls gegen Frauen und Kinder".

Handelt es sich hier um Schweinejournalismus, Volksverhetzung pur, ritualisierte Stasi-Hysterie oder ist das ganze nur Erfüllung des normalen politischen Auftrags angeblich unabhängiger Medien?

W. S.

13.08.2007



2.Nachtrag:

Wider Erwarten veröffentlichte heute der "Spiegel" den vollständigen Auftrag für inoffizielle Mitarbeiter einer Einsatzkompanie, der vom "Spiegel" als "Dienstanweisung" bezeichnet wird. Diejenigen, die aus diesem Auftrag einen "bedingungslosen Schießbefehl" im Sinne einer Anweisung zum Töten von Frauen und Kindern ableiten, haben vermutlich absichtsvoll überlesen, das es im entsprechenden Abschnitt dieses Auftrages um die Verhinderung von Fahnenfluchten geht. Dabei wird u. a. gefordert, "...nach erfolgter Anwendung der Schusswaffe ... Erste Hilfe zu leisten..." sowie "... immer entsprechend den Grenzdienstvorschriften zu handeln..."

Ebenfalls zu erfahren war, dass dieses Dokument schon 1993 der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungskriminalität und 1996 dem Landgericht Berlin vorlag. Die geforderten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen müssten sich also auch gegen diese Stellen wegen des Verdachtes der Strafvereitelung richten.

Nebenbei erfährt man auch, dass die Leitung der BStU schon im Juni 2007 von der Magdeburger Außenstelle über den Dokumentenfund informiert war, offenbar aber abgewartet hat, die "Sensation" pünktlich vor dem 13. August zu verkünden.

W.S.

14.08.2007


Quelle: http://www.mfs-insider.de


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