#521

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 11:46
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von FSK-Veteran




Ihr habt auch uns Westler vor der Welt befreit von dem Gerücht, daß die Deutschen brav zur Arbeit gehen, wenn sich die Welt um sie herum verändert.....


Also FSK Veteran, ich sehe zwar ein, das ihr Berliner zu der ganzen Umwälzung eine andere Beziehung hattet. Aber in der Bundesrepublik haben das die Leute zwar wohl auch mitverfolgt und waren auch gespannt, wie es weitergeht. Aber je weiter man von der Grenze wegwohnte, desto nebensächlicher wurde dich Sache. Und das Ausland wußte bestimmt sehr wohl zu unterscheiden zwischen der Bundesrepublik und der DDR . Der Westen hatte sich innerlich nämlich bereits seit 1968 gewandelt und ging nicht nur brav zur Arbeit. Das war eben auch einer der Unterschiede der beiden Staaten.


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#522

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 11:48
von FSK-Veteran (gelöscht)
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dein 1945:

Ich war ja so ein Verrückter: ich habe wild alle interessanten Sendungen
ab Ungarn/Botschaftsbesetzung/Zeltlager
bis: letzte Volkskammerwahlen 1990 hintereinander/durcheinander auf 10 Videobändern realtiv lückenlos aufgezeichnet. Etwa 30 Stunden.

Dabei sind Nachrichtensendungen: Tagessschau/heute/Aktuelle Kamera

Berichte und Sondersendungen.

Karl Eduards vorletzte und letzte Sendung (die Vorletzte war geil! Kled nochmals in Hochform! Wahrscheinlich der Grund f.d. schnelle Absetzung)

Stürmung der Stasi-Zentrale (...dieser Beitrag gehört also damit ganz klar zum Thema! )

Die letzte Stunden des DDR-Fernsehens usw....

Außerdem besitze ich Videoaufnahmen des DDR-Fernsehens von 1986 vom 25. Jahrestag des Mauerbaus ("...der Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls") Aufnahmen der AK und eine DDR-Sondersendung von Günther Herlt.

Habe ich mir gerade wieder angeguckt, die vom DDR-Fernsehen übertragene "Feierstunde" im Festsaal des ZK.

("...da haben wir unseren Schutzwall gebaut, wir konnten nicht länger warten...
...wer den Frieden stört und die Warnung nicht hört, sürt die Faust unserer starken Armeen!....
...solang man aus Bonn noch mit Kriegsbränden droht, stehen wir auf der wacht van der Spree..."
---Träller---... )

Ich genieße dann solche selbstverordneten Fest-Stunden gerne mal bei einem Fläschchen Budweiser Pils....


zuletzt bearbeitet 22.07.2009 11:51 | nach oben springen

#523

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 11:52
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von dein1945
Hallo FSK und GW,
auch ich habe im Westen mitgefiebert, nicht nur "Tagesschau" und "Heute", nein ich habe die letzten Monate vor der Wende auch den "Schwarzen Kanal" und "AK" gesehen, nur dort war nichts vom Aufbruch in eine neue Zeit !
Gruß aus Berlin


@ dein, das schlimmste für mfs- angehörigen über jahre war, die unfähigkeit der eigenen partei führung und deren alles schön reden bzw. sich und andere (trotz besseren wissen!!!) zu belügen, zu erleben. sie hatten den weg der partei schon lange verlassen, als man keine kritik mehr zulies bzw. übte (genossen, nur keine fehlerdiskussion...). und dieses von dir genannte verschweigen und verdrehen war eigentlich nur noch der punkt auf dem i...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#524

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 11:55
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Das kann ich mir sehr gut vorstellen, daß vielen MfS-Beschäftigten (bei den Informationen, die sie hatten) klar sein mußte, daß das alles irgendwann schief gehen kann (muß?)....


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#525

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 11:57
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von karl143
Zitat von FSK-Veteran




Ihr habt auch uns Westler vor der Welt befreit von dem Gerücht, daß die Deutschen brav zur Arbeit gehen, wenn sich die Welt um sie herum verändert.....


Also FSK Veteran, ich sehe zwar ein, das ihr Berliner zu der ganzen Umwälzung eine andere Beziehung hattet. Aber in der Bundesrepublik haben das die Leute zwar wohl auch mitverfolgt und waren auch gespannt, wie es weitergeht. Aber je weiter man von der Grenze wegwohnte, desto nebensächlicher wurde dich Sache. Und das Ausland wußte bestimmt sehr wohl zu unterscheiden zwischen der Bundesrepublik und der DDR . Der Westen hatte sich innerlich nämlich bereits seit 1968 gewandelt und ging nicht nur brav zur Arbeit. Das war eben auch einer der Unterschiede der beiden Staaten.


Ja absolut! Das hast Du natürlich recht!


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#526

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 13:28
von FSK-Veteran (gelöscht)
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@karl143:

..aber ein qualitativer Unterschied bleibt trotzdem: eine Revolution gegen die Herrschenden. Mit dem Ergebnis der Absetzung der herrschenden roten "Adels"-Klasse: das gibt es in Deutschland erst seit dem couragierten Auftreten der Deutschen in der DDR!

Wer hätte denn im Sommer 1989 je geglaubt, daß DDR, SED und das MfS innerhalb kürzester Zeit "wie vom Erdboden verschluckt" sein werden?

Also ich nicht!

Da gab es nur Prof. Hermann von Berg (ehemals DDR), der den Untergang schon 1987 mit einer Sicherheit vortrug, daß ich dachte:
entweder ist er ein Genie. Oder etwas sehr verrückt...


zuletzt bearbeitet 22.07.2009 13:28 | nach oben springen

#527

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 13:55
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="karl143"][quote="FSK-Veteran"]



das ihr Berliner zu der ganzen Umwälzung eine andere Beziehung hattet. Aber in der Bundesrepublik haben das die Leute zwar wohl auch mitverfolgt und waren auch gespannt, wie es weitergeht. Aber je weiter man von der Grenze wegwohnte, desto nebensächlicher wurde dich Sache.
Hallo karl143,
habe am 04.11.89, die DEMO vom Alex in Oberhausen am TV verfolgt, meine Schwiegereltern konnten, daß überhaupt nicht verstehen, wie auch, obwohl sie schon x-mal vorher in Berlin waren.
Bin noch Anfang der Achtziger in Westdeutschland gefragt worden, na sie kommen aus Berlin, OST oder WEST, das sagt doch wohl alles !
Noch einen schönen Tag


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#528

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 14:06
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von dein1945
[quote="karl143"][quote="FSK-Veteran"]

Bin noch Anfang der Achtziger in Westdeutschland gefragt worden, na sie kommen aus Berlin, OST oder WEST, das sagt doch wohl alles !
Noch einen schönen Tag


Auch heute ist es erschreckend, was viele Altbundesbürger von den neuen Bundesländern wissen! Besonders unter der Jugend ist da ein gehöriges Defizit an Wissen und Bildung, fängt an bei Geografie und endet: Gelinde gesagt, in naiver, wenn nicht schon gefährlicher Unwissenheit...!
Dem bundesdeutschen Schulsystem sei Dank...!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#529

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 14:14
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von josy95

Auch heute ist es erschreckend, was viele Altbundesbürger von den neuen Bundesländern wissen! Besonders unter der Jugend ist da ein gehöriges Defizit an Wissen und Bildung, fängt an bei Geografie und endet: Gelinde gesagt, in naiver, wenn nicht schon gefährlicher Unwissenheit...!
Dem bundesdeutschen Schulsystem sei Dank...!

josy95

Hallo josy95,
ich glaube nicht, das dieses Problem sich allein auf die alten Bundesländer bezieht. Generell ist das Wissen über das eigene Land heute nicht mehr so ausgeprägt. Bei der Jugend ist ja vom Unterrichtsstoff heute kein Unterschied mehr. Und mal ehrlich, meinst du wirklich, das zur Zeit der Trennung in der DDR ausführlich über den Westen unterrichtet wurde. Warum auch, es war eigentlich nie möglich, auch vom Westen aus mal einen Urlaub in der DDR zu buchen. Und attraktiv (ich meine jetzt nicht auf die Geografie bezogen) waren die Unterkünfte ja auch nicht. Und das sich in Oberhausen oder an der Weser keiner so richtig prächtig für die Geschehnisse in der DDR interessierte ist zum Teil auch verständlich. Die Leute hier hatten auch ihre Sorgen und Probleme. Und die Auswirkungen wie Flüchtlinge aus Prag oder Ungarn waren zum Beispiel bei uns an der Weser schon nicht mehr zu spüren.


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#530

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 14:43
von Musiker12 | 822 Beiträge

In Antwort auf:
Auch heute ist es erschreckend, was viele Altbundesbürger von den neuen Bundesländern wissen! Besonders unter der Jugend ist da ein gehöriges Defizit an Wissen und Bildung, fängt an bei Geografie und endet: Gelinde gesagt, in naiver, wenn nicht schon gefährlicher Unwissenheit...!
Dem bundesdeutschen Schulsystem sei Dank...!


Das ist wohl wahr. Liegt aber nicht nur am Schulsystem. Das Interesse im allgemeinen ist nicht vorhanden. Zu Zeiten der Grenze hat man eher negatives gehört was naturgemäß interessanter war und den Sensationshunger der Bevölkerung gestillt hat. In der Schule haben wir über die DDR garnichts gehört ausser, dass dies der teil Deutschlands ist der durch die Sowjets besetzt wurde. Und was josy95 schreibt ist schon richtig. Urlaub in der DDR oder wie wir immer sagten in der Zone war eher nicht drin. Also unerreichbares Ausland. Wenn man nicht direkt aus anderen Gründen mit der DDR konfrontiert wurde dann war sie eingentlich nicht existent. In Giessen hatten wir das Notaufnahmelager. Täglich kamen Leute aus dem Osten und ich kam mit den Leuten im Taxi zusammen bevor sie in das Lager gingen. Geblieben ist eh keiner denn nach dem Notaufnahmeverfahren sind die Leute gleich weiter. Aber fragt man heute was sich früher im Notaufnahmelager so abgespielt hat die jungen Leute wissen das alle nicht. Dumm ist, dass die Informationen gegenüber der jungen Generation sehr einseitig ist. Dargestellt werden negative Dinge der DDR (siehe in den Medien). Was fehlt ist die objektive Darstellung damit sich jeder sein eigenes Bild machen kann.

In Antwort auf:
Und die Auswirkungen wie Flüchtlinge aus Prag oder Ungarn waren zum Beispiel bei uns an der Weser schon nicht mehr zu spüren.


Wir dafür umso mehr. Das Lager ist aus allen Fugen und Nähten geplatz. Weiß garnicht mehr wo sie die Leute noch untergebracht haben.



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#531

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 17:05
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
Dargestellt werden negative Dinge der DDR (siehe in den Medien).


Dann hast du andere Sender als der Rest von Deutschland.

Denn Aufklärung über das Regime wird in den Medien kaum betrieben, was von Opferverbänden, Bürgerrechtlern, Museen, Lehrern und Politikern ständig kritisiert wird.

Vielmehr werden ständig (N)Ostalgieshows gezeigt, was es alles so gab und wie toll doch die Erinnerung an damals ist. Die will man auch keinem nehmen - aber das es ständig negative Presse über die DDR gibt, ist völlig falsch.

In Antwort auf:
Dumm ist, dass die Informationen gegenüber der jungen Generation sehr einseitig ist.


Es gibt überhaupt keine Information in den Schulen über die DDR - wie kann die dann einseitig sein?

In Antwort auf:
Was fehlt ist die objektive Darstellung


Mir scheint, sobald etwas negatives über das System zur Sprache kommt, wird es sofort von dir angezweifelt und kann auf keinen Fall richtig und objektiv sein.



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#532

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 17:25
von Musiker12 | 822 Beiträge

In Antwort auf:
Mir scheint, sobald etwas negatives über das System zur Sprache kommt, wird es sofort von dir angezweifelt und kann auf keinen Fall richtig und objektiv sein.


Da liegts Du falsch.

Ich habe bestimmt die gleichen TV-Sender wie Du. Aber bitte, was hört man denn in den einschlägigen Sendungen? Wie schlecht war doch alles, Mangelwirtschaft, Stasiverbrechen etc. Hälst Du das für objektiv?

Keine Infos in den Schulen? Naja, das lassen wir dahingestellt sein. Dann hat mir mein Sohn Mist erzählt. Den werde ich mal gleich befragen.

Es mag schwierig sein etwas objektiv zu betrachten. Das Thema hatten wir schon mal. Ich dachte eigentlich Du hast verstanden was ich meine. Aber offensichtlich ist das doch nicht der Fall.

Um Dich zu Beruhigen. Ich werde mich ab Sofort aus dieser Diskussion raus halten und verabschiede mich hiermit aus diesem Thema.



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#533

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 17:53
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
vorab, ich begrüsse dich wieder aus dem urlaub, @augenzeuge. bevor auch ich in den urlaub verschwinde, möchte ich kurz auf deinen beitrag eingehen.


Hallo Gilbert, das Wichtigste zuerst: Ich wünsche auch dir einen so schönen Urlaub wie ich ihn gehabt habe. Morgen geht es dann wohl los. Wohin? Vielleicht kannst du ja auch ein paar Bilder in den VIP-Bereich einstellen, wie ich es getan habe.

Zitat von GilbertWolzow
.... hier hatte ich die von @manudave geschätzten "politischen häftlinge" zu grunde gelegt.

Ok, hier haben wir uns in differenzierten Mengen bewegt.

Zitat von GilbertWolzow

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie die Stasi mit Unangepassten umgegangen ist. In Halle/S. unter dem Kaufhaus am Markt befand sich ein Keller. Eine Messingtür war der Eingang. Ich habe oft gesehen, wie Menschen, die nur anders waren als der gewünschte Durchschnitt, z.B. Jugendliche mit langen Haaren, hierher verschleppt wurden. Nach 20-30 min kamen sie wieder raus, oft im Gesicht blutverschmiert.
Auch wenn dies für GW oder andere unglaubhaft klingen sollte, weil sie es so nie gesehen haben- bitte, auch ich bin nur an der Wahrheit interessiert.

ja, es klingt für mich unglaubhaft. in einer einkaufsmeile werden dekadente jugendliche weggefangen und dann in einem keller verprügelt. wer soll diese folterhölle unter dem kaufhaus betrieben haben ?[/quote]

Wenn du meine früheren Beiträge auch nur teilweise gelesen hast, weißt du, wie unwahrscheinlich es bei mir ist, das ich dies erfinde. Allerdings muss ich dazu schreiben, dass ich dies immer erst in den Abend- undf Nachtstunden gesehen hatte, hier hatten alle Geschäfte zu. Ich kam da öfters vorbei. Damals hatte ich das Gefühl, das man oft die Leute mitnahm, die sich vom Aussehen (Kleidung, Haare...) von der Masse abhoben. Man hatte sie einfach auf dem "Kiecker".

Zitat von GilbertWolzow

bei einer eingeleiteten opk wird wohl nicht nur ein normaler ausreiseantrag im spiel gewesen sein, oder


Wann wird ein normaler Ausreiseantrag (seit wann gab es den eigentlich?)unnormal? Heute weiß ich es, teilweise zumindest. Es ist ja unbestritten, welche gewaltige Kraft Richtung Sturz des Systems von der Masse der Übersiedler und den späteren Botschaftsbesetzungen ausging. Witzig ist nur, das es die damalige Führung selbst geschaffen hatte- in dieser Größe. Ich hatte früher schon darüber geschrieben, es gibt auch ein Buch darüber mit vielen Originaldokus und Infos. Nun zurück. Weißt du denn wie man mit den Übersiedlern umgegangen ist? Mann hat versucht, so ganz diktaturmäßig, und so wie in vielen Lebensbereichen (Schwedt, Grenze, auch schon in der Schule), wo ein Bürger die Mitarbeit am System irgendwie in Frage stellte, diese Leute und ihre Einstellung zu zersetzen.
Das die Besetzung der Botschaften durch DDR-Ausreisewillige immer von Erfolg gekrönt war, versuchte man zu verheimlichen. Spätestens seit Anfang 1984 (Besetzung der US-Botschaft in Ostberlin) nahm die Welle ihren Lauf. Die Stoph-Nichte in Prag verstärkte das alles.
Nach Monaten der Verzweiflung und versuchter Zersetzung durch viele, zwangsweise geführte, psych. Gespräche war ich auch in der Vertretung in Ostberlin. So einfach war das nicht, wie du weißt. Ich wollte einfach erreichen, dass man von uns überhaupt erfährt, natürlich wollte ich mich auch über die Modalitäten des Umzuges informieren (man erfuhr ja sonst nichts) das Anwaltsbüro Schulenburg in Westberlin kümmerte sich danach weiter. Ähnlich wie Anwalt Vogel in der DDR. Während andere die Vertretung besetzten, ging ich wieder raus, nachdem mir die Vertreter dort Straffreiheit aufgrund des Besuches zugesichert hatten- man hatte wohl eine diesbezügliche Vereinbarung mit der DDR getroffen. Danach fuhr ich direkt zu Inneres und berichtete über den Besuch und meine Aktivitäten. Natürlich habe ich so getan, das es doch das Natürlichste auf der Welt sei, dass sich jemand über die Vertretung des Staates informiert, in den man bald ziehen wird. Ich habe sie nie glauben lassen, dass ich an der Genehmigung zur Übersiedlung zweifelte. Auch wenn man alles dagegensetzte. Über mein Verhalten waren die total baff. Allerdings hatte ich mittlerweile gelernt, das man mit dieser direkten Offenheit bei Inneres schwer umgehen konnte. Heute weiß ich, das dies zur OPK geführt hat. Stimmts, oder habe ich Recht?

Gruß, Augenzeuge


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#534

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 18:39
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von Musiker12
In Antwort auf:

[quote]Und die Auswirkungen wie Flüchtlinge aus Prag oder Ungarn waren zum Beispiel bei uns an der Weser schon nicht mehr zu spüren.


Wir dafür umso mehr. Das Lager ist aus allen Fugen und Nähten geplatz. Weiß garnicht mehr wo sie die Leute noch untergebracht haben.

Hallo musiker12,
Notaufnahme-Lager Berlin Marienfelde platzte aus allen Nähten, ich habe schon mal geschrieben, hatte dort über längere Zeit eine Baustelle und konnte täglich die Schlangen vor dem Eingang beobachten. Es war wie kurz vor dem 13.August, ja wo blieben die Menschen. In Berlin wurden Notunterkünfte in Sporthallen eingerichtet, es wurden auf Sportplätzen ganze Zeltstädte errichtet, oder wenn man Glück hatte bekamen Eltern mit Kind eine Unterkunft beim DRK 8qm für 3 Personen. In Berlin war zur Zeit der Wende Wohnraum knapp, wir hatten Haus-Verwaltungen, die meine Kunden waren. Die haben 22-25qm 1 Zimmer-Wohnungen für 1.000 DM vermietet, obwohl die Mieter kein Auto hatten mußte der Tiefgaragenplatz noch für 100 DM dazu gemietet werden. Marienfelde wurde vor kurzem für immer geschlossen, nachdem es bis 2008 noch für Übersiedler genutzt wurde. Heute ist dort eine kleine Ausstellung, aber Schlangen davor kann ich nicht sehen, auch keine Schulklassen, es ist besser den Wandertag im Grünen zu verbringen, als sich mit der Geschichte zu befassen! Ansonsten meine Bitte, schreibe weiter was Du denkst, ich war vorgestern auch soweit mich auszuklinken, aber aus Trotz schreibe ich weiter, warum nur Andersdenkenden das Feld überlassen, ich hab nun mal als Westler eine andere Meinung zu vielen Dingen.
Noch einen schönen Abend und denk drüber nach


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#535

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 22:53
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo, manudave,

danke für die Einstellung des Interviews aus der Zeit. Leider muss man wohl sagen, dass auch Professoren in ihrer Wortwahl ziemlich nachlässig sind. Mich stört, das Prof. Schröder sagt, dass die Mauer unzählige Opfer gefordert hat. Nach meinem Dafürhalten - und ich glaube, da sind wir uns alle einig, on Wessis, Ossis, oder ehemalige Grenzer - hat sie viel zu viele gefordert.

Aber unzählig: Ich weiss nicht, für mich stellt das einen Versuch dar - wenn auch durch Fahrlässigkeit in den Aussagen - die Mauer auf eine Stufe mit dem organisierten Völkermord im 3. Reich zu stellen. Man kann es anders sehen, aber das ist mein Eindruck.

Gruss

icke



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#536

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.07.2009 23:08
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von icke46
Aber unzählig: Ich weiss nicht, für mich stellt das einen Versuch dar - wenn auch durch Fahrlässigkeit in den Aussagen - die Mauer auf eine Stufe mit dem organisierten Völkermord im 3. Reich zu stellen. Man kann es anders sehen, aber das ist mein Eindruck.

man koennte unterscheiden zw. den lebendigen Toten und den Toten, sollen wir das aber ?



Quelle: DVD DIE FIRMA Das Ministerium fuer Staatssicherheit

Berliner


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#537

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.07.2009 01:16
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
Über mein Verhalten waren die total baff. Allerdings hatte ich mittlerweile gelernt, das man mit dieser direkten Offenheit bei Inneres schwer umgehen konnte. Heute weiß ich, das dies zur OPK geführt hat. Stimmts, oder habe ich Recht?

damit konnte man nicht umgehen, daher kurz und knapp: beides !!!


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#538

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.07.2009 10:19
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von manudave
@Musiker

In Antwort auf:
Keine Infos in den Schulen? Naja, das lassen wir dahingestellt sein. Dann hat mir mein Sohn Mist erzählt.


Die westdeutschen Schüler betrachten die sozialen Errungenschaften der DDR zwar auch sehr positiv, sie sehen aber auch die Nachteile einer Diktatur. Mit diesem gespaltenen Geschichtsbild müssen wir noch eine Weile leben.

Zuender: Wie lange?

Klaus Schroeder: Als Optimist würde ich sagen drei Jahre. Als Realist zehn bis zwanzig. Vielleicht gibt es so etwas wie 1968 auch in Ostdeutschland. Wenn die Jugend nach der ganzen Schäbigkeit des Alltags fragt, dann könnte daraus eine produktive Unruhe entstehen. Mutti, Vati – wie war es?

Jetzt haben die jungen Ostdeutschen eher Mitleid mit ihren Eltern. Diese werden als Verlierer des Systemwettbewerbs gesehen. Mit Verlierern und den Schwachen hat man eher Sympathie und man vergisst die Rolle, die Menschen in einer Diktatur spielen.

Hallo manudave,
gehört eigentlich nicht zum Thema, aber da schon mal über Bildung geschrieben wird.Wie soll sich das Geschichtsbild ändern. Berlin-Kreuzberg, in den Hauptschulen 98% der Kinder nicht deutscher Herkunft, 50% sprechen kaum oder garnicht deutsch, da hat der Lehrer(in) kaum eine Chance den Kid,s etwas über die Mauer oder DDR beizubringen, er (sie) ist froh wenn er (sie) den normalen Unterichtsstoff schafft. Wer es von den Eltern zu etwas gebracht hat, zieht um nach Steglitz od. in andere Bezirke wo der Ausländeranteil niedriger ist. Jetzt beginnt auch da die Mischung, den Türken, Russen oder Iraner um nur einige zu nennen interessiert auch da die Mauer nicht. Die Lehrer kommen oft aus Westdeutschland waren mit der Materie als Kinder nicht berührt, warum sollen sie von Mauer oder Diktatur in der DDR reden, noch dazu wo der Lehrplan kaum darauf abgestellt ist. Ich selbst habe Nichte und Neffe, Abi im Ruhrpott, beide studieren auf Lehramt, über die DDR wissen sie kaum etwas, als sie das erste mal in Berlin waren stand die Mauer nicht mehr, fahren wir durch Berlin und ich sage jetzt sind wir im Ostteil dann wird es zur Kenntnis genommen mehr aber auch nicht. Ich komme beruflich sehr oft in Schulen, hauptsächlich Steglitz, also wie man so sagt gut bürgerlich, da würde die Umfrage von Prof.Schröder wahrscheinlich noch schlimmer ausfallen. So nun noch was von DDR Lehrern, ich lernte 1996 bei einer Beerdigung (Cousine meiner Mutter, war Lehrerin und hatte sich das Leben mit 52 Jahren genommen, weil sie nicht mit dem neuen System klar kam). Ihr ehemaliger Dozent mit Frau war ebendfalls anwesend, anschließend Besuch einer Gaststätte in der Karl-Marx-Alle. Wir kamen ins Gespräch, er war schon in Rente, seine Frau noch im Dienst. Ich habe dann auch das Thema Mauer und DDR angeschnitten und mal gefragt, Frau S. wie erklären sie heute das Thema, sie war zu DDR zeiten Lehrerin für Staatsbürgerkunde. Ihre Antwort kurz und bündig "unseren Kindern brauchen wir das nicht zu erklären, sie wissen das die Mauer der Antifaschistische Schutzwall war", damit war das Gespräch beendet. Wir waren nur wenige Westler und sofort kam von einigen, na sie waren es doch, die mit ihren verbrecherischen Handlungen in Westberlin dafür gesorgt haben, das wir die Mauer bauen musten. Ich hab es vorgezogen, meinen Mantel zu nehmen und den DDR-Nostalgie-Club zu verlassen. Aus der Zeitung erfuhr ich ein Jahr danach Frau und Herr S. hatten eine geschlossene Schranke durchbrochen und waren mit einem Regionalzug zusammen gestoßen, beide sofort Tod, auch sie konnten oder wollten mit unserem System nicht klar kommen.
Gruß aus Berlin und einen schönen Tag


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#539

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.07.2009 16:57
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von manudave
Klaus Schroeder: Jugendliche in Ost und West haben ein unterschiedliches Geschichtsbild. Unsere Vermutung war, dass die Schule dieses durchbricht, aber das tut sie nicht. Die Mauer ist geblieben, weil das Umfeld und die Familien prägender sind als die Schule. Die ostdeutschen Schüler sehen die DDR wesentlich positiver, sie überbetonen die soziale Seite. Die Mehrheit von ihnen blendet die diktatorischen Seiten aus. Die westdeutschen Schüler betrachten die sozialen Errungenschaften der DDR zwar auch sehr positiv, sie sehen aber auch die Nachteile einer Diktatur. Mit diesem gespaltenen Geschichtsbild müssen wir noch eine Weile leben.



Zunächst eins, ich finde das Interview richtig gut. Ok, ein paar Dinge müssten deutlicher herausgestellt werden- aber wann ist so etwas schon 100%ig. Etwas fehlt doch immer. Einen indirekten Vergleich mit dem 3. Reich sehe ich hier nicht. Er wäre auch nicht hilfreich. Wir können die Diktaturen vergleichen, aber nicht anhand der Opfer um dann daraus vielleicht noch Schlüsse zu ziehen. Aber natürlich bleiben die Menschen, welche von der Stasi erfolgreich "zersetzt" wurden, Opfer. Und diese Zahl ist sehr hoch.
Es gibt einen klaren Zusammenhang der Schülerbildung im Osten mit den Mehrheitverhältnissen der Linken und natürlich auch der besonderen schlechten Situation auf dem Arbeitsmarkt. Auch dein1945 hat Recht mit dem was er schreibt. Vieles davon habe ich von Freunden in Berlin auch gehört. Wenn man einen Einblick in das Schulsystem in Berlin hat- und dieses z.B. mit NRW vergleicht- hat man das Gefühl in einem anderen Staat zu sein. Das ist ein großes Manko des Systems und ich gebe zu, das dies in der DDR besser geregelt war. Es ist nicht einfach den Schülern die falschen Handlungen ihrer Eltern herauszustellen, ohne sie dabei zum Verlierer dieser Diktatur werden zu lassen. Ein Wessi kann das schon gar nicht. Ihm fehlen hier wichtige Kenntnisse und Erfahrungen. Man versteht die Größe der Diskrepanz die sich hier aufgebaut hat erst, wenn man vom Selbstmord der jeweiligen Menschen erfährt. Was wird das für ein Land, wo die Menschen die eigene Geschichte der letzten 50 Jahre nicht kennen? Mann könnte doch so viel tun, aber Schulen sind leider keine Banken.

Gruß, Augenzeuge


zuletzt bearbeitet 23.07.2009 16:58 | nach oben springen

#540

RE: Die Staatssicherheit der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.07.2009 20:11
von manudave (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
Mann könnte doch so viel tun, aber Schulen sind leider keine Banken.



Sollten sie aber eigentlich sein. Dort sollten die Konten mit Wissen gefüllt werden.


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