#1

Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 28.02.2013 19:00
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Auch juedische Mitbuerger waren nicht sicher vor Bespitzelung durch die Stasi.


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#2

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 28.02.2013 21:05
von Moskwitschka (gelöscht)
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Meiner Meinung nach ist das Thema sehr komplex.

Als ich Spitzel in der Synagoge las, ist mir spontan der Antisemitismus in der Sowjetunion eingafallen. "Unsere" MfS -ler bezeichnen sich gerne als Tschekisten. Und ihre sowjetischen "Kampfgenossen" waren in den 50-iger Jahren bei der Verfolgung von Juden in der Sowjetunion sehr aktiv. Ein direkter Zusammenhang mit der Bespitzelung von Juden in der DDR ist glaube nicht von der Hand zu weisen.

"Am 13. Januar 1953 kündigte die Regierung die Verhaftung einer Gruppe von prominenten Ärzten an, von denen die meisten jüdisch waren. Sie wurden angeklagt, in der so genannten Ärzteverschwörung mittels falschen medizinischen Behandlungsmethoden Regierungsmitglieder umgebracht zu haben und weitere Ermordungen zu planen. Eine antisemitische Welle durchzog das Land. Viele Juden verloren ihre Stelle, und Gerüchte von bevorstehenden Massendeportationen nach Sibirien begannen sich zu verbreiten. Der Zeitraum von 1948 bis zu Stalins Tod im Jahre 1953 wird als „Schwarze Jahre“ bezeichnet. Während der Jahre von 1948 bis 1952 kam es zur fast restlosen Vernichtung aller jüdischen nationalen Institutionen. Ein religiöses Leben konnte nur in bescheidenem Rahmen weiterbestehen."

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_...den_in_Russland

Ich habe dieses Zitat aus wiki ausgewählt, weil ich noch heute in der eigenen Familie erleben muss, welchen Einfluss diese antisemitische Propaganda in der Sowjetunion hatte. Eine chronische Erkrankung einer Familienangehörigen wird von ihr noch heute auf Behandlungsfehler jüdischer Ärzte in der Sowjetunion zurück geführt. "Jude" ist in Russland auch heute ein nicht seltenes Schimpfwort.

Wenn ich "Juden in der DDR" lese, fällt mir widerum ein, dass es während meiner gesamten Schulzeit keine offenen verbale Angriffe auf meine jüdischen Mitschüler gab. Es war ein ganz normales Miteinander. Es mag sein, dass sie sich wie viele andere auch, im Alltag zurückgenommen haben, um nicht aufzufallen. Meine ehemaligen jüdischen Mitschüler haben jedenfalls alle Abitur gemacht, studiert und sind noch heute beruflich sehr erfolgreich

Das Grundproblem ist meiner Meinung nach , dass „Leben der Juden in der DDR“ in der öffentlichen Wahrnehmung nicht statt fand. Mit einer Ausnahme: Verfolgte Juden des Nationalsozialismus, haben volle Aufmerksamkeit erhalten.

Nachdenkliche Grüße von der grenzgaengerin


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#3

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 28.02.2013 21:11
von Ex-Huf (gelöscht)
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Zugegebenermaßen, ohne heute jemanden verletzen zu wollen, zu o.a. Thema hörten wir in der DDR nichts.

VG Ex-Huf


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#4

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 28.02.2013 21:14
von damals wars | 12.145 Beiträge

Ich weiß nur noch, das man damals einen Rabbi importierte. Damit wir auch einen haben.

War ein ziemlicher Zirkus.

Erich wollte so gern mal in die USA reisen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#5

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 09:00
von Polter (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #2
Meiner Meinung nach ist das Thema sehr komplex.

Als ich Spitzel in der Synagoge las, ist mir spontan der Antisemitismus in der Sowjetunion eingafallen. "Unsere" MfS -ler bezeichnen sich gerne als Tschekisten. Und ihre sowjetischen "Kampfgenossen" waren in den 50-iger Jahren bei der Verfolgung von Juden in der Sowjetunion sehr aktiv. Ein direkter Zusammenhang mit der Bespitzelung von Juden in der DDR ist glaube nicht von der Hand zu weisen.

"Am 13. Januar 1953 kündigte die Regierung die Verhaftung einer Gruppe von prominenten Ärzten an, von denen die meisten jüdisch waren. Sie wurden angeklagt, in der so genannten Ärzteverschwörung mittels falschen medizinischen Behandlungsmethoden Regierungsmitglieder umgebracht zu haben und weitere Ermordungen zu planen. Eine antisemitische Welle durchzog das Land. Viele Juden verloren ihre Stelle, und Gerüchte von bevorstehenden Massendeportationen nach Sibirien begannen sich zu verbreiten. Der Zeitraum von 1948 bis zu Stalins Tod im Jahre 1953 wird als „Schwarze Jahre“ bezeichnet. Während der Jahre von 1948 bis 1952 kam es zur fast restlosen Vernichtung aller jüdischen nationalen Institutionen. Ein religiöses Leben konnte nur in bescheidenem Rahmen weiterbestehen."

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_...den_in_Russland

Ich habe dieses Zitat aus wiki ausgewählt, weil ich noch heute in der eigenen Familie erleben muss, welchen Einfluss diese antisemitische Propaganda in der Sowjetunion hatte. Eine chronische Erkrankung einer Familienangehörigen wird von ihr noch heute auf Behandlungsfehler jüdischer Ärzte in der Sowjetunion zurück geführt. "Jude" ist in Russland auch heute ein nicht seltenes Schimpfwort.

Wenn ich "Juden in der DDR" lese, fällt mir widerum ein, dass es während meiner gesamten Schulzeit keine offenen verbale Angriffe auf meine jüdischen Mitschüler gab. Es war ein ganz normales Miteinander. Es mag sein, dass sie sich wie viele andere auch, im Alltag zurückgenommen haben, um nicht aufzufallen. Meine ehemaligen jüdischen Mitschüler haben jedenfalls alle Abitur gemacht, studiert und sind noch heute beruflich sehr erfolgreich

Das Grundproblem ist meiner Meinung nach , dass „Leben der Juden in der DDR“ in der öffentlichen Wahrnehmung nicht statt fand. Mit einer Ausnahme: Verfolgte Juden des Nationalsozialismus, haben volle Aufmerksamkeit erhalten.

Nachdenkliche Grüße von der grenzgaengerin



Also gab es verbale Angriffe?
Geht das ausführlicher? So im täglichen Leben.


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 09:18 | nach oben springen

#6

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 09:07
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.


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#7

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 09:55
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Polter im Beitrag #5

Also gab es verbale Angriffe?
Geht das ausführlicher? So im täglichen Leben.


Guten morgen,

ich habe mich vielleicht an der Stelle missverständlich ausgedrückt, da ich beim Schreiben immer den Vergleich zur Sowjetunion im Hinterkopf hatte. Nein, es gab keine verbalen Angriffe auf meine Klassenkameraden in der Schule.

Ausführlicher kann ich meine Schulzeit mit ihnen nicht beschreiben. Ihr Glaube hat nie eine Rolle gespielt, weil es einfach kein Thema war. Wenn ich so recht überlege, haben wir sie auch nicht darauf angesprochen. Selbst, wenn im Unterricht über die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus gesprochen wurde, wurde nicht nach ihrer persönlichen Geschichte gefragt. Ob nun aus Respekt oder Angst alte "Wunden" aufzureissen , kann ich heute nicht mehr sagen. Wir waren Kinder, die mit 8-9 Jahren aufeinander getroffen sind und einen gemeinsamen Schulweg beschritten haben. Vielleicht haben wir einen Lehrer in unserer Mitte, der mehr drüber berichten kann, denn die hatten es ja in der Hand, solche Diskussionen zu "steuern".

LG von der grenzgaengerin


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#8

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:19
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.


Wenn man die offiziziellen Zahlen betrachtet, ist das auch nicht verwunderlich.

"1989 zählten die fünf jüdischen Gemeinden in der Deutschen Demokratischen Republik rund 400 Mitglieder, die Mehrzahl, etwa 250, lebte in Ostberlin "

http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/65.html

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 10:24 | nach oben springen

#9

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:39
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.



Dir ist der Vater von Gregor Gysi, Klaus Gysi nicht bekannt ?

Der hatte in der DDR nicht wenige Funktionen.

Oder Markus Wolf mit seinen Bruder - Konrad - ? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 10:41 | nach oben springen

#10

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:47
von Mike59 | 7.959 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #9
Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.



Dir ist der Vater von Gregor Gysi, Klaus Gysi nicht bekannt ?

Der hatte in der DDR nicht wenige Funktionen.

Oder Markus Wolf mit seinen Bruder ? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.



Ja wer sich mit diesen Personen und Ihrer Geschichte beschäftigte, hat es gewusst. Aber es war doch kein Thema, die waren meist einfach "NUR" DDR Bürger. Zumal die auch nicht auf Ihrem Glaubensbekenntnis bzw. Ihrem "Judentum" rumgeritten sind.

400 Jüdische Mitbürger in der DDR oder 400 praktizierende Juden?

Das Thema kann man sicher auf andere "Minderheiten" in der DDR übertragen und wäre somit nichts besonderes für die DDR Verhältnisse.


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#11

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:49
von Gelöschtes Mitglied
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Bei dieser Thematik gerate ich in einen sogenannten Gewissenskonflikt.
Es war ein jüdischstämmiger Volkskommissar namens Lew Bronstein - auch später als Leo Trotzki bekannt - der meine Großeltern, besonders meinen Großvater vor den in der jungen Roten Armee einsetzenden Säuberungsaktionen bewahrte und sie per seinem persönlichem Erlaß nach Ostppreussen übersiedeln ließ.

Im MfS gab es zahlreiche Mitarbeiter, nicht nur Markus Wolf, die jüdischer Herkunft bzw. Abstammung waren, aber in der Regel keine glaubenspraktizierenden Juden waren. D.h., der Shabbat wurde nicht gelebt und jüdische Hochfeste, wie Jom Kippur (Tag der Sühne) oder Chanukka (jüdisches Lichterfest) wurden nicht begangen.
Auch mein unmittelbarer Vorgesetzter in der HA war jüdischer Abstammung und wir streiften bei unseren Zusammenkünften diese Thematik nur gelegentlich und oberflächlich.
Der Talmud und die Menora meiner Großeltern befinden sich im meinem Besitz, da keiner aus der Familie darauf großen Wert legte. Sie befinden sich im meinem Lesezimmer, wie auch mein personengebundener Rabbi "Löw", den mir vor vielen Jahren mein Prager Freund Jiří in Gestalt einer Marionette schenkte.
Eine jüdische Synagoge besuchte ich erstmals bei einer meiner Pragvisiten. Dann später auch in Budapest. Die große Synagoge in Jerusalem habe ich bei meinem Israelbesuch anläßlich des Gottesdienstes zum Shabbat besucht - aber nur als Zuschauer.
Die neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin mit dem Centrum Judaicum aber erst im vergangenem Jahr - zusammen mit meinen Brüdern.

In meiner Schulklasse gab es jedoch einen Mitschüler, in dessen Elternhaus, nach der jüdischen Religion gelebt wurde und der Shabbat auch so begangen wurde, wie es vorgeschrieben steht. Er fehlte dann immer an den Samstagen zum Schulunterricht, wo noch samstags Schule war.

@grenzgängerin, die von Dir angeführte Verfolgungskampagne im Jahr 1953 seitens des NKWD geht noch auf Lawrenti Beria - Stalins Henker zurück. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 11:31 | nach oben springen

#12

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:54
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #10
Zitat von Alfred im Beitrag #9
Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.



Dir ist der Vater von Gregor Gysi, Klaus Gysi nicht bekannt ?

Der hatte in der DDR nicht wenige Funktionen.

Oder Markus Wolf mit seinen Bruder ? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.



Ja wer sich mit diesen Personen und Ihrer Geschichte beschäftigte, hat es gewusst. Aber es war doch kein Thema, die waren meist einfach "NUR" DDR Bürger. Zumal die auch nicht auf Ihrem Glaubensbekenntnis bzw. Ihrem "Judentum" rumgeritten sind.

400 Jüdische Mitbürger in der DDR oder 400 praktizierende Juden?

Das Thema kann man sicher auf andere "Minderheiten" in der DDR übertragen und wäre somit nichts besonderes für die DDR Verhältnisse.



Na dass war doch bekannt. Genau wie bekannt war, dass H. Axen Jude war.
Dies war bekannt und wurde entsprechend geachtet.


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#13

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 10:58
von Gelöschtes Mitglied
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Es gab in der DDR mehr jüdischstämmige Mitbürger als die benannten 400. Mit der Zahl 400 in den praktizierenden jüdischen Gemeinden, da habe ich auch so meine Zweifel.

Vierkrug


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#14

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 11:56
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Das es Juden in der DDR gab ,war mir schon bekannt. Ich hatte geschrieben "kennengelernt" , also persönlichen Kontakt mit Menschen, von denen ich wusste, das sie Juden sind.


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#15

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 12:53
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #2
Meine ehemaligen jüdischen Mitschüler haben jedenfalls alle Abitur gemacht, studiert und sind noch heute beruflich sehr erfolgreich



Was ja nun nicht gerade für die These, einer besonderen Repression dieser Bevölkerungsgruppe gegenüber, spricht!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#16

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 20:16
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #15
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #2
Meine ehemaligen jüdischen Mitschüler haben jedenfalls alle Abitur gemacht, studiert und sind noch heute beruflich sehr erfolgreich



Was ja nun nicht gerade für die These, einer besonderen Repression dieser Bevölkerungsgruppe gegenüber, spricht!


Hallo Feliks,

bisher hat hier im Forum keiner diese These aufgestellt. Mag sein, dass es diese These in dem Video gab. Dieses Video im ersten Beitrag habe ich mir auch nicht vollständig angesehen. (Ich bin übrigens kein „Konsument“ von ZDF History, der alles unreflektiert aufnimmt.) Mein Beitrag bezog sich eher auf den Titel :“Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR“

Ich finde die Beiträge der Mitforisten sehr wohltuend, weil jeder versucht, sich zu erinnern, welche persönlichen Berührungspunkte er in der DDR mit Juden hatte. Und es scheint, dass bei uns allen es einen mehr oder weniger großen weißen Fleck gibt.

Ich stimme Dir zu, dass es im Falle meiner jüdischen Mitschüler keine besonderen Repressionen gab, die ihre berufliche Entwicklung eingeschränkt haben. Ich hoffe sehr, dass es bei den anderen jüdischen Mitbürgern ebenso war. Daher würde ich hinter „personenbezogener“ Repression einen Haken machen, solange es keinen neuen Erkenntnisse gibt.

Doch ist es nicht auch eine Form von Repression, wenn ein „staatlich gefördertes“ Stillschweigen über das Vorhandensein bzw. die Wertschätzung des gesellschaftlichen Beitrages einer Bevölkerungsgruppe statt fand? Wie weit dieses Tabu in den Alltag reichte, möchte ich an einem Beispiel schildern.

In der Zeit zwischen 1973 und 1977 fand in Berlin ein internationales Treffen von Jugendorganisationen (WBDJ, Studentenorganisationen, u.ä.) statt, bei dem ich als Dolmetscherin eingesetzt war. Ein Teilnehmer kam aus Israel. Da es nicht genug Englisch-Dolmetscher gab und der Teilnehmer auf Grund seines Studiums fließend russisch sprach, wurde ich ihm als Begleiterin zugeteilt. Erst mal habe ich mich gewundert, dass es überhaupt einen israelischen Teilnehmer gab. Das Wundern war nur von kurzer Dauer, denn es stellte sich heraus, dass mein zu betreuender Gast Palästinenser war.

Das Treffen dauerte einige Tage. Ich weiß nicht wie oft er in diesen Tagen am Rande der Tagung und abends beim geselligen Beisammensein erklären musste, dass er kein Jude ist und und dass er seine Aufgabe darin sieht, sich gemeinsam mit seinen jüdischen Freunden für eine friedliche Lösung im Nahen Osten einzusetzen. Anschließend ging es fast ausschließlich um den Alltag im Zusammenleben von Juden und Palästinensern. Irgendwann fragte er mich, ob es in der DDR seit dem 2. Weltkrieg keine Juden mehr gäbe.

Es ist schon eigenartig, dass wir uns die Frage nach über 30 Jahren immer noch stellen.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 20:16 | nach oben springen

#17

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 20:20
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #9
Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.



Dir ist der Vater von Gregor Gysi, Klaus Gysi nicht bekannt ?

Der hatte in der DDR nicht wenige Funktionen.

Oder Markus Wolf mit seinen Bruder - Konrad - ? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.


Aber die stellten den Sozialismus vor den juedischen Glauben. Darum konnten sie in der DDR Karriere machen.


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#18

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 20:28
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #17
Zitat von Alfred im Beitrag #9
Zitat von Eisenacher im Beitrag #6
Ich habe in der DDR nicht einen einzigen Juden kennengelernt, der sich als solcher zu erkennen gab. Es gab sie einfach nicht in der Öffentlichkeit.



Dir ist der Vater von Gregor Gysi, Klaus Gysi nicht bekannt ?

Der hatte in der DDR nicht wenige Funktionen.

Oder Markus Wolf mit seinen Bruder - Konrad - ? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.


Aber die stellten den Sozialismus vor den juedischen Glauben. Darum konnten sie in der DDR Karriere machen.



Kennst Du z.B. Klaus Gysi ?


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#19

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 01.03.2013 21:22
von damals wars | 12.145 Beiträge

Ich kannte in der DDR auch keinen Katholiken.
Nur den Spruch von meiner Oma, das die "falsch sind".
Man trug in der DDR seinen Glauben nicht wie so eine Monstranz vor sich her.

Die einzige mir bekannte Ausnahme waren die Zeugen Jehovas.
Von denen lernte ich mal einen auf der Arbeit kennen.
Am Schluss des Tages teilte er mir mit, das er Abends eine Bericht über unser Gespräch verfassen würde,
und diesen Bericht seinen Glaubensgenossen zur Kenntnis bringen würde.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#20

RE: Spitzel in der Synagoge - Juden in der DDR

in DDR Zeiten 02.03.2013 09:16
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #16

In der Zeit zwischen 1973 und 1977 fand in Berlin ein internationales Treffen von Jugendorganisationen (WBDJ, Studentenorganisationen, u.ä.) statt, bei dem ich als Dolmetscherin eingesetzt war. Ein Teilnehmer kam aus Israel. Da es nicht genug Englisch-Dolmetscher gab und der Teilnehmer auf Grund seines Studiums fließend russisch sprach, wurde ich ihm als Begleiterin zugeteilt. Erst mal habe ich mich gewundert, dass es überhaupt einen israelischen Teilnehmer gab. Das Wundern war nur von kurzer Dauer, denn es stellte sich heraus, dass mein zu betreuender Gast Palästinenser war.

Das Treffen dauerte einige Tage. Ich weiß nicht wie oft er in diesen Tagen am Rande der Tagung und abends beim geselligen Beisammensein erklären musste, dass er kein Jude ist und und dass er seine Aufgabe darin sieht, sich gemeinsam mit seinen jüdischen Freunden für eine friedliche Lösung im Nahen Osten einzusetzen. Anschließend ging es fast ausschließlich um den Alltag im Zusammenleben von Juden und Palästinensern. Irgendwann fragte er mich, ob es in der DDR seit dem 2. Weltkrieg keine Juden mehr gäbe.

LG von der grenzgaengerin




OT

@grenzgängerin, kann es sich bei dem von Dir benanntem Treffen um die Tagung des WBDJ und des ISB handeln ? Diese fand im Februar 1975 statt zum selbigen Zeitpunkt wie das Festival des politischen Liedes. Tagungsort war das Hotel "Stadt Berlin".
Auf dieser Tagung wurde beschlossen, das die XI. Weltfestspiele 1978 in Havanna stattfinden. Da müßten wir uns ja fast über den Senkel gelaufen sein, denn ich gehörte zur Sicherungsgruppe dieser Tagung. Und den Teilnehmern Israels und der PLO wurde wie schon1973 zu den X.Weltfestspielen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 02.03.2013 10:18 | nach oben springen



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