#81

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 27.02.2013 16:08
von Kimble | 397 Beiträge

Bis 1989 war die Welt in der BRD durchaus noch in Ordnung und irgendwie auch gemütlicher.
Mit wesentlich weniger Hektik im Alltag. Hier mal so ein paar Sachen die mir spontan dazu einfallen.

Die Schlangen im Supermarkt, von Spitzenzeiten am Samstag mal abgesehen, waren klein.
Wenn da mehr als 3 an der Kasse warteten, bemühte man sich allerschleunigst eine weiter Kasse auf zu machen.
Heutzutage beim Feinkost- Albrecht fühle ich mich original wie zu DDR Zeiten,
nagut das Sortiment und die Kittel der Verkäuferinnen sind schon etwas schöner.

Das Sozialamt einer durchschnittlichen Landeshauptstadt hatte in etwa die Größe einer Lokal- Redaktion der Zeitung.
Das Arbeitsamt war auch nicht wesentlich größer.

Es gab in einer durchschnittlichen Straße so in etwa 2 bis 3 Familien, da sprach man dann verachtungsvoll immer,
"die leben vom Sozi" oder "die dürfen sich die Möbel aus dem Quelle- Katalog aussuchen".
Das war ok so, finanziel war es kein Problem die mit durchzufüttern. Das Verhältnis Lohnsteuer zu Sozialausgaben war gesund.
Bis zu dem Zeitpunkt, als es zu viele wurden. Da kursierten Ratgeber, auf was man so alles Anspruch hatte und es beantragen kann.
Spätestens Mitte der 90 war das dann einfach nicht mehr tragbar. So etwas wie Harz wurde schon alleine dadurch einfach notwendig.
Heute, im Angesicht der Bankenrettungen, muß man sich allerdings auch wundern, um welche lächerlichen Summen es damals ging.

Arbeit zu finden war in der Zeit vor 1989 kein unmögliches Ding. Taxifahren ging auch damals immer.
Die erforderliche Ausbildung wurde gleich mit angeboten.

Für ungelernte gab es damals noch genügend einfache Montagearbeiten am Band.

Mit Sonderschichten am Wochenende konnte man bequem zusätzliche Konsumwünsche außer der Reihe finanzieren.

Es gab noch Butterfahrten auf der Ostsee. Für 3 Mark Dänemark und zurück. Günstig Einkaufen lohnte sich da auch noch wirklich.

Um nun aber nicht völlig in das OT abzudriften, hier meine Meinung zum Vergleich Ost/ West:
Der Stolz, ein DDR- Bürger gewesen zu sein geht in Ordnung. Das kann und muß jeder für sich abschätzen.
Davon eine Überlegenheit gegenüber dem Modell BRD abzuleiten wäre allerdings ein völlig falsches Fazit.

Gruß von Kimble


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
Eisenacher, Ecki, Lebensläufer und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.02.2013 16:25 | nach oben springen

#82

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 27.02.2013 17:39
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Bis zur 7.Klasse war ich auch eine Rote Socke. Vater Parteigenosse und voll überzeugter Kommunist. Da konnte man einfach nicht anders. Bei mir hat es klick gemacht , als ich im Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion an einer Fräsmaschine stand. Da hatte ich mich echt bemüht und mit Enthusiasmus den Kameraden gezeigt, wo der Hammer hängt.
Da wollte mir die Arbeiterklasse echt an den Kragen. Junge ,willst Du uns die Norm versauen und ganz böse Blicke waren der Judaslohn , für meine Anstrengungen.
Da hat bei mir persönlich, das Denken über dieses System begonnen.


94 und vogtlaenderjoe haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#83

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 27.02.2013 18:03
von Lutze | 8.039 Beiträge

das mit der Arbeitsnorm kenne ich auch,lege immer viel Wert auf Qualität als auf Quantität,
hatten damals auch so einen Normbrecher,und dann der Spruch vom Meister,warum schaffst
du das nicht?sagte ihm,will einfach keine Reklamationen vom Kunden haben so wie er,
und wenn der im Urlaub war,durfte man seinen Mist auch noch abarbeiten
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#84

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 27.02.2013 18:24
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Kimble im Beitrag #81
Um nun aber nicht völlig in das OT abzudriften, hier meine Meinung zum Vergleich Ost/ West:
Der Stolz, ein DDR- Bürger gewesen zu sein geht in Ordnung. Das kann und muß jeder für sich abschätzen.
Davon eine Überlegenheit gegenüber dem Modell BRD abzuleiten wäre allerdings ein völlig falsches Fazit.
Mein lieber Kimble,

ich sehe das auch so und möchte mich, als "Ossi", nochmals für diese, aus meiner Sicht objektive, Einschätzung bedanken.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#85

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 15:43
von arno1990 | 9 Beiträge

Interessant was so eine Aussage alles ausrichten kann. Ich bin stolz mit meinen 2 Sätzen so einen Diskussion entfacht zu haben.
Und ich stehe dazu!


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#86

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:19
von Mike59 | 7.978 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #82
Bis zur 7.Klasse war ich auch eine Rote Socke. Vater Parteigenosse und voll überzeugter Kommunist. Da konnte man einfach nicht anders. Bei mir hat es klick gemacht , als ich im Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion an einer Fräsmaschine stand. Da hatte ich mich echt bemüht und mit Enthusiasmus den Kameraden gezeigt, wo der Hammer hängt.
Da wollte mir die Arbeiterklasse echt an den Kragen. Junge ,willst Du uns die Norm versauen und ganz böse Blicke waren der Judaslohn , für meine Anstrengungen.
Da hat bei mir persönlich, das Denken über dieses System begonnen.


Da ich nicht so in der Produktion angesiedelt bin, habe ich mal eine Frage. Gab/gibt es solche Verhaltensweisen, welche die Arbeitsnorm betreffen nur unter den Bedingungen des real existierenden oder wird heute eine Erfüllung der Norm nicht mehr erwartet? Hab noch eine Frage? gibt's noch Normbrecher? Von so einem dämlichen Jungspund mal abgesehen.


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#87

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:27
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Vermutlich sind die Normen heute so hoch angesiedelt, das es da keine Chancen mehr zum Versauen gibt. Aber das ist nur eine Vermutung, da ich auch schon etwas länger nicht mehr in der Produktion tätig bin.


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#88

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:35
von Mike59 | 7.978 Beiträge

Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


exgakl, Ecki, 94, OlsenWeilrode, schulzi und Arnstädter haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.03.2013 16:37 | nach oben springen

#89

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:38
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


ja... klingt komisch... iss aber so...


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
Arnstädter hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#90

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Mike59 im Beitrag #86

Da ich nicht so in der Produktion angesiedelt bin, habe ich mal eine Frage. Gab/gibt es solche Verhaltensweisen, welche die Arbeitsnorm betreffen nur unter den Bedingungen des real existierenden oder wird heute eine Erfüllung der Norm nicht mehr erwartet? Hab noch eine Frage? gibt's noch Normbrecher? Von so einem dämlichen Jungspund mal abgesehen.



Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, als um die Qualität von Erzeugnissen ging. Während meiner "Bewährungsphase" in der Produktion war ich in der Qualitätssicherung in einem Metallbetrieb tätig der Sicherheitsschlösser hergestellt hat. Nach dem Fräsen der Schlüssel musste manuell die Schließbarkeit aller Schlüssel beidseitig im betreffenden Schloss getestet werden. Wenn trotz Entgraten das Schloß nicht einwandrei schloß, wanderte es zurück. Ich war da konsequent. Denn im Hinterkopf hatte ich immer, dass es ja die Mieter etc. sind, die beim Ab- oder Aufschließen ihrer Wohnung Schwierigkeiten bekommen könnten. Falsch gedacht.

Auf der einen Seite bekam ich Ärger mit den Fräsern, die sich nicht mangelnde Qualitätsarbeit nachsagen lassen wollten. Auf der anderen Seite mit dem Meister, der nicht die geforderte Menge ausliefern konnte.Wörtlich bekam ich von ihm zu hören:" Die Rückläufe von nicht einwandfreien Schlössern seien ihm total egal. Der Umtausch von fehlerhaften Schlössern sei Sache des Handels. Was zählt ist Menge, die den Betrieb verlässt.

In unserer Halle hing übrigens ein rotes Transparent mit großen Lettern: "Jeder liefert jedem Qualität ".

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 01.03.2013 17:07 | nach oben springen

#91

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 16:57
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


Grün: Das halte ich für eine ganz normale menschliche Eigenschaft. Kritisiert jemand mich, mein Umfeld, meine Verwandten und Freunde, kurz, irgendetwas, was Teil von mir ist oder war und macht das jemand, der eigentlich keine Ahnung richtig davon hat, dann geht man sofort in eine Verteidigungsposition. Jeder verteidigt seine Familie, wenn ein Mitglied angegriffen wird, obwohl man dieses Mitglied intern nicht besonders schätzt. In der großen Politik ist das nicht anders. Kritisiere mal einen Imigranten ! Dannbekommst Du aber Kontra, obwohl sich die Clique untereinander nicht grün ist. Was werden wir Deutsche von Italiener, Franzosen, Holländer, kurz, von halb Europa, kritisiert ? Und, lassen wir das auf uns sitzen ? Natürlich nicht, die sollen erst mal vor der eigenen Tür kehren, antworten wir dann. Schimpft ein Ostdeutscher über die DDR, müssen wir seine Ansicht zwar nicht teilen, aber es ist ein Unterschied, ob es ein "Insider" sagt ober ob die gleichen Worte jemand sagt, der nie aus den Tälern der Alpen oder des Schwarzwaldes rausgekommen ist, mal überspitzt ausgedrückt. Ja, wir, die zur Wende vor allem etwa 30 - 50-Jährigen (verzeihung, Übergänge sind fließend) haben das Privileg, sachlich vergleichen zu können, was nicht heißt, daß ein nie hier Gelebter keine Ahnung hätte. Viel haben durch Verwandtschaft oder Beruf oder weil sie sich auch interessehalber sehr intensiv und nicht nur einseitig mit der jüngeren deutschen Geschichte beschäftigt haben, ein recht realistisches Bild vom Leben in der DDR, aber das alles live erlebt zu haben, erfordert dann doch einiges Vorstellungsvermögen. Am "liebsten" () sind mir diejenigen, die da behaupten, daß sie das nicht so mitgemacht hätten, wenn sie in der DDR gelebt hätten, daß sie beizeiten protestiert hätten u. dergleichen.



zuletzt bearbeitet 01.03.2013 16:58 | nach oben springen

#92

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 17:30
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #90
Zitat von Mike59 im Beitrag #86

Da ich nicht so in der Produktion angesiedelt bin, habe ich mal eine Frage. Gab/gibt es solche Verhaltensweisen, welche die Arbeitsnorm betreffen nur unter den Bedingungen des real existierenden oder wird heute eine Erfüllung der Norm nicht mehr erwartet? Hab noch eine Frage? gibt's noch Normbrecher? Von so einem dämlichen Jungspund mal abgesehen.



Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn als um die Qualität von Erzeugnissen ging. Während meiner "Bewährungsphase" in der Produktion war ich in der Qualitätssicherung in einem Metallbetrieb tätig der Sicherheitsschlösser hergestellt hat. Nach dem Fräsen der Schlüssel musste manuell die Schließbarkeit aller Schlüssel beidseitig im betreffenden Schloss getestet werden. Wenn trotz Entgraten das Schloß nicht einwandrei schloß, wanderte es zurück. Ich war da konsequent. Denn im Hinterkopf hatte ich immer, dass es ja die Mieter etc. sind, die beim Ab- oder Aufschließen ihrer Wohnung Schwierigkeiten bekommen könnten. Falsch gedacht.

Auf der einen Seite bekam ich Ärger mit den Fräsern, die sich nicht mangelnde Qualitätsarbeit nachsagen lassen wollten. Auf der anderen Seite mit dem Meister, der nicht die geforderte Menge ausliefern konnte.Wörtlich bekam ich von ihm zu hören:" Die Rückläufe von nicht einwandfreien Schlössern seien ihm total egal. Der Umtausch von fehlerhaften Schlössern sei Sache des Handels. Was zählt ist Menge, die den Betrieb verlässt.

In unserer Halle hing übrigens ein rotes Transparent mit großen Lettern: "Jeder liefert jedem Qualität ".

LG von der grenzgaengerin



Rot: Ja, die sog. "Tonnen-Ideologie. Kenne ich auch noch. Bei uns zählten natürlich auch die Tonnen (Klebstoffe), aber jede Charge wurde im Labor auf ihre wichtigsten Parameter getestet und die Viskosität wurde vom Meister/Schichtleiter gemessen und in ein Buch eingetragen. Wir hatten, so ich mich erinnere, sehr selten Reklamationen, die wir zu verantworten hatten. Eher gab es da mal Probleme mit den Rohstoffen, weil gerade Importrohstoffe mal von da und mal von dort eingekauft wurden, jenachdem, wer am billigsten war, wenn es sich um die gleiche Qualitätsklasse handelte (z.B. Rohkauschuk). 1977 wurde vom Zeitlohn zum Stücklohn übergegangen und ich hatte die Aufgabe, Normen einzuführen und diese auf dem aktuellen Stand ständig zu aktualisieren. Nun hatte ich den Vorteil, vorher einige Jahre in nahezu allen Produktionsabteilungen und Hilfsabteilungen als Springer gearbeiete zu haben und jedem, der versuchte zu tricksen, die Arbeit vorzumachen. Bisherige Leistung = 100%, so war die Vorgabe, auch der Gewerkschaft, und diese 100% wurden in ca. 2/3 der regulären AZ geschafft. Die Leute klotzten ran, um bald wieder ein Extra-Päuschen zu machen. Neuerungen schlugen sich meist nicht 1 : 1 in der Normänderung nieder, es blieb immer ein Teil für noch mehr Pausen übrig. Es wurde auch im technologischen Ablauf versucht zu tricksen. Es gab eine Technologie, die war vorgegeben und dann kam auch die gewünschte Qualität hinten raus. Irgendwann stimmte die Qualität dann aber nicht mehr. "Wir machen es so wie immer, wir haben nichts geändert", kam dann die Antwort von den Produktionern. Bei näherer Untersuchung hatten sich aber Entscheidende Dinge geändert. Es wurde immer ein klein bischen weggelassen oder geändert. Das ging lange gut, bis es dann irgendwann nicht mehr gut ging und da es so schon seit einigen Wochen gemacht wurde, hieß es dann natürlich wie oben "Wir haben es immer so gemacht".
Wir hatten auch Exportabfüllungen für die UdSSR. Bei einer Kanne reichte die Abfüllmenge nicht mehr, jedenfalls hat einer der Arbeiter einen Ziegelstein da mit reingeworfen "Für die Russen ist das gut genug", seine Ansicht. Haben wir aber erst mitbekommen, als es zu spät war. Sie (die "Russen") hatten es wohl tatsächlich auch nicht mitbekommen, denn es kam keine Reklamation. Andererseits wurden die Leerkannen (es war keine Einwegverpackung) durch unsere Kunden mit allem Möglichen gefüllt: Kehricht, Folienreste, Dichtungen u.a. Und natürlich oft genug mit mehreren Kilo eingetrocknetem Klebstoff. Wir hatte die Arbeit des mühevollen und materialintensiven Reinigens (einen Liter Toluol/Kanne und dann einige Tage weichen lassen) und unsere Kunden eine schlechte Materialökonomie. Ein Neuerervorschlag, den ich deshalb im Kombinat einreichte, wurde wohl nicht für Ernst genommen. War ein Behälter, auf dem die Klebstoffkanne aufgestülpt wird, diese läuft sauber aus und der Klebstoff wird durch einen Schnellverschluss in die Arbeitsdosen abgefüllt und nicht mehr mit der großen Schöpfkelle mit viel Kleckerei. Das Abfallzeug aus den Rückkannen wurde etwas absetzen lassen und dann die klare brühe in die Klebstoffmaschinen gegeben, trotzdem fielen täglch so ca. 300 - 500 l brennbare Abprodukte an, die Anfangs in einer stillgelegten Kiesgrube abgefackelt wurden (gab ein herrliches Feuer mit viel Qualm), bis sich dann die Dörfler in der Nähe beschwerten und wir das auf eine Sondermülldeponie geben mußten, nachdem der größte Teil des Lösungsmittels raus war. Durch eine Neuerervereinbarung, deren Leiter ich war, ist es uns gelungen, die anfallende Menge Abprodukt auf ca. 50,-kg wöchentlich zu verringern. Das waren zumeist Importrohstoffe und Lösungsmittel, die eingespart wurden. Nebeneffekt: Unerwartet verbesserten sich wichtige Parameter des Klebstoffes. Zwei Jahre später kam die Wende und es graust einem, wenn man zusehen muß, wie aus nur kleinen Gründen tonnenweise das Roh- oder Fertigmaterial in die Verbrennungsanlage geht und dafür auch noch eine Menge geld bezahlt werden muß.
So, Uff, das wollte ich mal loswerden.



zuletzt bearbeitet 01.03.2013 17:35 | nach oben springen

#93

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 19:02
von Arnstädter | 266 Beiträge

Normenbrecher gibt es heute noch.Dies ist ja in diesen System gewollt.Schaffst du deine Arbeit ,ist der chef zufrieden.
Bist du ab 50,dann sieht die Welt anderst aus.
Ich persönlich muß mich nicht mehr beweisen.Damals zur DDR zeit gab es einen spruch
Ich in der DDR LEBE um zu arbeiten,der in der BRD arbeitet um zu LEBEN.Heute kann jeder entscheiden was er machen muß.


das System funktioniert weil du funktionierst
silberfuchs60 und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.03.2013 19:04 | nach oben springen

#94

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 20:21
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.

Hallo...warum denn genau ? Kannst du da noch konkreter werden ?



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#95

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 01.03.2013 20:30
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


Worauf bezieht sich denn dieses genannte Geschwafel und wie argumentierst du dann dagegen?


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#96

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 04.03.2013 21:49
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #82
Bis zur 7.Klasse war ich auch eine Rote Socke. Vater Parteigenosse und voll überzeugter Kommunist. Da konnte man einfach nicht anders. Bei mir hat es klick gemacht , als ich im Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion an einer Fräsmaschine stand. Da hatte ich mich echt bemüht und mit Enthusiasmus den Kameraden gezeigt, wo der Hammer hängt.
Da wollte mir die Arbeiterklasse echt an den Kragen. Junge ,willst Du uns die Norm versauen und ganz böse Blicke waren der Judaslohn , für meine Anstrengungen.
Da hat bei mir persönlich, das Denken über dieses System begonnen.


Böse Blicke sind da noch gar nicht das Schlimmste.
Als wir mit der Klasse wieder mal zur Obsternte am Süßen See zum Pflichteinsatz waren, da habe ich in der Plantage auch Sozialismus gemacht und die Norm mit weit über 100 Körben so wie einst der Adolf Hennecke gebrochen, ich hatte halt einen Lauf, so wie Du an der Fräsmaschine.
Wenig später kam die Konterrevolution in Form eines Vorschlages, alle Erträge in die Klassenkasse zu transferieren, davon war vorher keine Rede und alle mit 10 Körben hätten genauso partizipiert wie der bekloppte Hennecke !
Hackels sozialistisches Weltbild bebte wenige Sekunden lang mit Stärke 8 auf der Richterskala bis die Lehrerin auf meinen Protest hin dieses Ansinnen der FDJ- Sekretärin abschmetterte, es hatte nichts mit der sozialistischen Erziehung bezüglich materieller Stimmulation zu tun, das war schließlich das höherwertige Anliegen als gemeinsam finanzierte Geselligkeit auf Kosten der Leistungsbereiten.
Für mich war das eine der wichtigsten Weichen auf dem Wege zum späteren Genossen, hätte die auf Gleichmacherei gestanden, wäre einiges wohl anders gekommen, weitere Schlüsselerlebnisse sollten folgten....
Allerdings war ich mit einer solchen Einstellung auch sehr weit weg vom kommunistischen Ideal- Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, aber Kandidat der SED wurde man ja frühestens erst mit 18.



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#97

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 04.03.2013 22:05
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hoppla, hab diesen sehr interessanten Thread erst eben gefunden..., mich auch noch nicht in allen Beiträgen belesen... .

Trotzdem möchte ich ganz spontan zur Überschrift, zum Thema folgendes von mir geben:

Ich war und bin stolz, werde immer stolzer, ein DDR- Bürger gewesen zu sein!

Warum? In den Augen des linientreuen und durch die einschlägigen Medien bestens geschulten Edel*essis war und bin ich doch pauschalisiert nur der blöde Ossi, der Russenknecht, der DDR- *ürke, der penetrant und in Schaaren 1989 in den glorreichen Westen eingefallen ist und die Idylle der deutschen Teilung total gestört hat....

Und stolzer werde ich besonders immer dann und immer mehr, wenn ich die stetig anwachsende Menge der Weicheier, Vergaser, hoppla Versager und Jammerluden sehe..., fein gekleidet mit Schlips oder Propeller, hoppla, Krawatte und Fliege und Nadelstreifen, das Taschentuch stets und ständig, immer griffbereit...


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#98

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 04.03.2013 22:45
von Mike59 | 7.978 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #95
Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


Worauf bezieht sich denn dieses genannte Geschwafel und wie argumentierst du dann dagegen?



Undifferenziert! Der Duden sagt u.a. dazu folgendes. Unbestimmt, .. unklar, ...unsauber,...unpräzise, ... schwammig.
Es sind eben Meinungen die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Z.B. das alle GreSo Parteimitglieder waren. Auch immer wieder gern zitiert, dass die Bewohner im Grenzgebiet alles 150%tige waren. Oft auch, alle die einen Ausreiseantrag stellten wurden inhaftiert und die Verwandtschaft wurde in Sippenhaft genommen. Ich kenne erstaunlicherweise nur Personen die keine Probleme mit der Ausreise hatten. Okay – ist nicht ganz korrekt. Kenne schon einen Fall, der reiste aus obwohl er es eigentlich gar nicht wollte – nein, keine Abschiebung eines Oppositionellen. Ist aber OT.

Viele dieser Thesen findest du auch hier im Forum.

Wenn ich an einer Konversation interessiert bin, frage ich erst einmal woher er seine Infos hat. Höre mir die Story an und wenn ich dazu keine Infos besitze halte ich das Maul oder melde Bedenken an. Habe ich Infos gebe ich die gern weiter.
Und versichere das es dies wohl alles gegeben hat, allerdings war es nicht die Regel.
Funktioniert meist nicht mit dem – Nein es war nicht so – ich verweise Ihn auf das Forum hier. Da kann er sich eine eigene Meinung bilden.
Und beim nächsten mal, gehe ich einfach nicht auf sein Palaver ein. Lebt sich einfacher. Oder er fragt eben etwas anderes und das Spiel beginnt von neuem.


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#99

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 04.03.2013 22:53
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #82
Bis zur 7.Klasse war ich auch eine Rote Socke. Vater Parteigenosse und voll überzeugter Kommunist. Da konnte man einfach nicht anders. Bei mir hat es klick gemacht , als ich im Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion an einer Fräsmaschine stand. Da hatte ich mich echt bemüht und mit Enthusiasmus den Kameraden gezeigt, wo der Hammer hängt.
Da wollte mir die Arbeiterklasse echt an den Kragen. Junge ,willst Du uns die Norm versauen
und ganz böse Blicke waren der Judaslohn , für meine Anstrengungen.
Da hat bei mir persönlich, das Denken über dieses System begonnen.


Eisenacher--Ich habe da mal eine Frage.Wenn ich Dich richtig verstehe,war das ein Unterrichtstag den man auch ESP (Einführung in die Sozialistische Produktion)nannte.Meinste oder dachtest Du etwa im ernst,das Du einen gelernten Dreher oder Fräser zeigen konntest wo der Hammer hängt.Oder hatte man Dir schon so viel Berufserfahrung mit in die Wiege gelegt. @Eisenacher nehme mir das nicht Übel--aber ich glaube,da hat Dir die Arbeiterklasse mit der Norm versauen--etwas verarscht.Und Du bist Stolz nach Hause gegangen mit dem guten Wissen--was geschaft zu haben.


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#100

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 04.03.2013 22:54
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #98
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #95
Zitat von Mike59 im Beitrag #88
Bin ich stolz ein DDR Bewohner gewesen zu sein?
Irgend wie schon. Ich habe ja etwas wirklich erlebt was viele aus dem "Westen" so nicht erlebt haben. Zwei vollkommen unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Ich (viele andere auch) haben das Privileg und können vergleichen. So kann ich(wir) Schlüsse ziehen, wenn die auch zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen können.
Ich beobachte ein ganz anderes Phänomen, je mehr undifferenziert über die DDR geschwafelt wird, um so mehr verteidige ich die DDR. Heute mehr als zu der Zeit als ich in dieser DDR lebte. Wenn ich dies bemerke bin ich immer wieder aufs neue verblüfft.


Worauf bezieht sich denn dieses genannte Geschwafel und wie argumentierst du dann dagegen?



Undifferenziert! Der Duden sagt u.a. dazu folgendes. Unbestimmt, .. unklar, ...unsauber,...unpräzise, ... schwammig.
Es sind eben Meinungen die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Z.B. das alle GreSo Parteimitglieder waren. Auch immer wieder gern zitiert, dass die Bewohner im Grenzgebiet alles 150%tige waren. Oft auch, alle die einen Ausreiseantrag stellten wurden inhaftiert und die Verwandtschaft wurde in Sippenhaft genommen. Ich kenne erstaunlicherweise nur Personen die keine Probleme mit der Ausreise hatten. Okay – ist nicht ganz korrekt. Kenne schon einen Fall, der reiste aus obwohl er es eigentlich gar nicht wollte – nein, keine Abschiebung eines Oppositionellen. Ist aber OT.

Viele dieser Thesen findest du auch hier im Forum.

Wenn ich an einer Konversation interessiert bin, frage ich erst einmal woher er seine Infos hat. Höre mir die Story an und wenn ich dazu keine Infos besitze halte ich das Maul oder melde Bedenken an. Habe ich Infos gebe ich die gern weiter.
Und versichere das es dies wohl alles gegeben hat, allerdings war es nicht die Regel.
Funktioniert meist nicht mit dem – Nein es war nicht so – ich verweise Ihn auf das Forum hier. Da kann er sich eine eigene Meinung bilden.
Und beim nächsten mal, gehe ich einfach nicht auf sein Palaver ein. Lebt sich einfacher. Oder er fragt eben etwas anderes und das Spiel beginnt von neuem.



Es gibt eben immer welche, meist aus Deutschland-West (die Hiesigen wissen ja, wie es war), die so lange bohren, bis sie glauben, ihre durch Medien oder auch durch tatsächliche oder nur vermeintliche (möchtegern)-Bürgerrechtler erworbene Meinung bestätigt zu bekommen.
Die wollen gar keine andere Meinung hören.



schulzi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.03.2013 22:56 | nach oben springen



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