#101

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.02.2014 19:26
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #96
Zitat von rei im Beitrag #83
Hallo!
Als ehemaliger Diensthundeführer muß ich mal was richtig stellen.
Wachhunde wurden nicht zur Suche eingesetzt,sie hatten keine Ausbildung.
Zum Einsatz kamen ausgebildete Fährtenhunde und Schutzhunde.Mit 10 oder mehr Diensthundeführen wurde dann das Gebiet durchsucht.
Daher der Begriff: Meute




Falsch!

Die Meute wurde zum Revieren eingesetzt.
Es mußte bei Einsätzen der Hundemeute gewährleistet sein, dass sich keine unbeteiligten Personen im Einsatzraum befanden.


Diese Art der Meute kenn ich nicht.Wie gesagt mußten ca.10 Hundeführer mit ihren Hunden das Gelände durchsuchen,in Berlin die Friedhöfe.


nach oben springen

#102

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.02.2014 00:56
von Rothaut | 400 Beiträge

Ich habe darüber was hier im Forum gefunden, dass war in M-V, Nähe Schalsee, jedoch nicht der Schalsee. Ich habe geweint, als ich das gelesen habe. Wie kann man so grausam sein?


Es war der Lankower See....
Mein Vater..(der in diesem Regiment diente) erzählte mir die Geschichte auch mal.....
Der Verantwortliche konnte sich danach "warm anziehen"....hat die Hunde aber auch nicht wieder lebendig gemacht.

grausam das Ganze.....man verspürt Wut und Traurigkeit!

Gruß Rothaut


nach oben springen

#103

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.02.2014 09:56
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.490 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #99
Zitat von rei im Beitrag #83
Zum Einsatz kamen ausgebildete Fährtenhunde und Schutzhunde.
Mit 10 oder mehr Diensthundeführen wurde dann das Gebiet durchsucht.

Daher der Begriff: Meute
Zitat von Thunderhorse im Beitrag #96
Falsch!
Die Meute wurde zum Revieren eingesetzt.
Es mußte bei Einsätzen der Hundemeute gewährleistet sein, dass sich keine unbeteiligten Personen im Einsatzraum befanden.


Richtig @th, siehe #87, na aber jetzt isses sozusagend amtlich.
Mal 'ne andere Frage, gibts es hier Zeitzeugen, welche mal eine Meute miterleben durften? Die spezielle Ausbildung hatte ja nur dieHündin aus dem Batallion, die Rüden wurden dann von den an der Lage beteiligten Kompanien 'zusammengeborgt'.

oT, was macht'n die lesbare Version des ZA-40-Schemas? Es schon öfters mal danach gefragt ...
Technische Ausrüstung in BT-6 Füst?
Frage zu Aufbau und Funktion des Zentralen Anzeigegeräts ZA 412


Moin@94,
rotmark:während meiner Dienstzeit ist unsere Meute nicht eingesetzt worden! Dies bedauere ich auch nicht..!
blaumark: Das trifft absolut zu.
Der Einsatz der Hundemeute hätte einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet, vom Logistischen Aufwand ganz zu schweigen.

gruß h.


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 10:00 | nach oben springen

#104

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 05.10.2015 10:46
von Rotti | 83 Beiträge

Hallo,
auch wenn der Beitrag schon „etwas“ älter ist, hier doch auch meine Kommentare:

Nahm jemand was mit für die Tiere?
-> Es hat auch Soldaten gegeben, die etwas für die Hunde mitgenommen haben.

Wie viele Hunde gab es pro Trasse, war die Anzahl überall gleich?
-> Die Trassen waren nicht gleichmäßig besetzt. Es war aber niemals ein Hund alleine. Es waren meistens 10 bis 20 Hunde an einer Trasse. Stichwort Meute-Rudel.

Die Reißzähne waren bei allen Hunden abgeschliffen?
-> Unfug. Ich kenne keinen Fall, bei dem die Zähne eines Hundes abgeschliffen wurden.

Wer versorgte die Tiere, ein eigenes Kommando?
-> Im GK Nord GR20 2BT -> KSSi -> dort genauer die Hundestaffel bestehend aus 10-15 Soldaten, 2-3 Uffze, 1 Staffelführer. Hundezwinger für ca. 20 Hunde, 2 LKW. Hier waren auch Suchhunde, Diensthunde sowie die Meute angesiedelt. Der größte Teil der Soldaten war mit der Fütterung der Trassenhunde beschäftigt.

Nach welchen Kriterien wurden Hundetrassen angelegt – also warum genau dort? -> Hundetrassen gab es an den Stellen die durch bautechnische Massnahmen nicht (z.B Eckerloch) oder noch nicht (z.B. Baustellen) gesichert werden konnten. Desweiteren an Stellen an denen eine besondere Präsenz gezeigt wurde (z.B. im Bereich der Tore bei Elend). Allerdings war die Gesamtanzahl der Hunde begrenzt. Wir hatten allein in unserem Abschnitt über 400 Hunde zu versorgen. Ein riesen Aufwand.

Wie oft erfolgte die Fütterung und was gab es - Nass- oder Trockenfutter oder Schlachtabfälle oder wirklich nur undefinierbare Pampe?
-> Die Fütterung erfolgte täglich, außer Sonntag. Es gab bei uns jeden Donnerstag eine Frischfleischlieferung. Diese bestand aus gefühlten 5 Tonnen Pansen, halben Pferden, halben Rindern, Schafen etc. . Geliefert wurde Freibankfleisch. Diese Fleischlieferung wurde jede Woche verarbeitet. Im Detail wurde der Pansen in handliche Stücke (ca. 1kg) geschnitten und in 200L – Fässern unter Wasser gelagert. Das Frischfleisch wurde für den täglichen Bedarf in einer Kühlzelle im Zwinger eingelagert. Der Pansen wurde dann innerhalb kürzester Zeit (Freitags) an den Trassen verfüttert bzw. auf die GK verteilt. Mit dem Frischfleisch wurde jeden Tag frisches Futter für den nächsten Tag zubereitet. Das was an der Grenze gemeinhin als Pat bezeichnet wurde, besteht im Wesentlichen aus gekochtem Fleisch - kleingeschnitten und Trockenfutter – Pellets. Diese Mischung wurde mit der Fleischbrühe zu einer „Pampe“ verrührt die an die Hunde verfüttert wurde. Und zwar an alle Hunde. Nicht nur an die Hunde an der Trasse. Im Winter gab es zusätzlich noch Haferflocken in der Futtermischung. Jeder Hund an der Trasse bekam eine große Kelle vom Pat und frisches Wasser. Der einzige Vorteil für die Hunde im Zwinger war der etwas höhere Fleischanteil und die persönliche Betreuung.
Meiner Meinung nach kam es hier eher auf die Fähigkeiten des Soldaten an, der für die Futterzubereitung eingeteilt bzw. verantwortlich war. Ich hatte jedenfalls zu tun, meinen eigenen Leuten auf die Finger zu schlagen, wenn sie den Hunden das Futter weg essen wollten. Sie haben sich trotzdem oft genug aus meinen Zubereitungen bedient. Nur Salz mussten sie sich noch mitbringen.

Wurden die Tiere nach einer "Regeldienstzeit" ausgetauscht?
-> Ja, aber… . Die Regeldienstzeit war ca. 10 Jahre. Bedingt durch die relativ gute, regelmäßige und vor allem hundegerechte Ernährung lebten die Hunde jedoch häufig deutlich länger. Das führte alle halbe Jahre zu einer großen Diskussion. Jeder hatte seine Lieblinge und diese sollten natürlich nicht aus der Rolle genommen und damit getötet werden. Der älteste Hund in meinem Bereich war ca. 16 Jahre.

Wer hat Erfahrungen mit Tieren, die dank Koller ausgetickt sind?
–> Welcher Koller? Alle Hunde haben unterschiedliche Eigenarten. Wir haben so lange die Hunde in den Trassen getauscht bis es passte. Dass einige Hunde aus purer Langeweile ihre Hütten und Blechnäpfe zerkaut haben – rechne ich nicht als Koller. Für die meisten Außenstehenden – also Nichthundeführer wirkten die Hunde schon eigenartig. Das waren sie aber eigentlich nicht. Auf mich wirken bis heute die Hunde die privat gehalten werden, eher als ob sie einen Koller haben, einschließlich die Besitzer. Dabei ist jedoch zu beachten, dass an den Hundetrassen eine wilde Mischung aus ehemaligen Diensthunden – Schutz-, Fährten und Meutenhunden sowie der gesamte Zuchtausschuss der DDR versammelt waren. Wenn irgendein Hobbyzüchter mit seinem Hund nicht mehr klarkam landete dieser bei uns.

Was passierte mit den Hunden, die nicht mehr dienstfähig waren, wurden diese getötet oder schaffte es auch mal ein Tier in ziviles Gnadenbrot?
-> Ja und Nein. Es gab Hundeführer die Ihren Hund auch nach der Dienstzeit nach Hause nahmen. Das war aber nicht so häufig. Ich hätte am liebsten auch meinen Lieblingshund nach Hause genommen. Das wäre von Seiten der Grenztruppen sogar gegangen. Aber wie hätte ich in einer Neubauwohnung bei meinen Eltern eine Rottweilerhündin halten sollen, die nur auf mich fixiert ist. Die hätte jeden angegriffen der auch nur in die Nähe meines Zimmers gekommen wäre.
Der normale Fall war eher Diensthund-> Trassenhund-> aussortiert -> getötet. Und bevor jetzt hier das große Jammern losgeht. Es waren Diensthunde, teilweise teuer ausgebildet, sie wurden hundegerecht gehalten und versorgt. Es waren definitiv keine Spiel-, Spass- und Schoßhunde.

Gruß
Rotti


hundemuchtel 88 0,5, Rainer-Maria Rohloff, vs1400, zweedi04 und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#105

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 00:00
von vs1400 | 2.359 Beiträge

Zitat von Rotti im Beitrag #104
Hallo,
... Es waren Diensthunde, teilweise teuer ausgebildet, sie wurden hundegerecht gehalten und versorgt. Es waren definitiv keine Spiel-, Spass- und Schoßhunde.

Gruß
Rotti



hallo, Rotti,
wurden die hunde nicht eher 'teuer' von züchtern abgekauft und zwar schon ausgebildet als zb. schutzhund?

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


nach oben springen

#106

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 07:27
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #105
Zitat von Rotti im Beitrag #104
Hallo,
... Es waren Diensthunde, teilweise teuer ausgebildet, sie wurden hundegerecht gehalten und versorgt. Es waren definitiv keine Spiel-, Spass- und Schoßhunde.

Gruß
Rotti



hallo, Rotti,
wurden die hunde nicht eher 'teuer' von züchtern abgekauft und zwar schon ausgebildet als zb. schutzhund?

gruß vs




nee, das war wohl eher nicht der Fall....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#107

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 08:17
von Rotti | 83 Beiträge

Hallo,

ich denke mal beides. Sowohl fertig ausgebildet als auch selbst ausgebildet.


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#108

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 09:36
von 80er | 560 Beiträge

Zitat von Rotti im Beitrag #104


[...] Die Reißzähne waren bei allen Hunden abgeschliffen?

Unfug. Ich kenne keinen Fall, bei dem die Zähne eines Hundes abgeschliffen wurden.[...]



Dass du keinen Fall kennst, bedeutet nicht, dass es diese Hunde nicht gegeben hätte:

Trassenhunde (5)


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#109

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 10:00
von schulzi | 1.756 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #108
Zitat von Rotti im Beitrag #104


[...] Die Reißzähne waren bei allen Hunden abgeschliffen?

Unfug. Ich kenne keinen Fall, bei dem die Zähne eines Hundes abgeschliffen wurden.[...]



Dass du keinen Fall kennst, bedeutet nicht, dass es diese Hunde nicht gegeben hätte:

Trassenhunde (5)



mir ist aus meiner Zeit in Groß-Glienicke auch nicht bekannt das den armen Kreaturen Zähne abgeschielfen wurden


zuletzt bearbeitet 06.10.2015 10:01 | nach oben springen

#110

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 12:54
von freddchen | 58 Beiträge

Zitat von Rotti im Beitrag #104
Hallo,
auch wenn der Beitrag schon „etwas“ älter ist, hier doch auch meine Kommentare:

...

Wie oft erfolgte die Fütterung und was gab es - Nass- oder Trockenfutter oder Schlachtabfälle oder wirklich nur undefinierbare Pampe?
-> Die Fütterung erfolgte täglich, außer Sonntag. Es gab bei uns jeden Donnerstag eine Frischfleischlieferung. Diese bestand aus gefühlten 5 Tonnen Pansen, halben Pferden, halben Rindern, Schafen etc. . Geliefert wurde Freibankfleisch. Diese Fleischlieferung wurde jede Woche verarbeitet. Im Detail wurde der Pansen in handliche Stücke (ca. 1kg) geschnitten und in 200L – Fässern unter Wasser gelagert. Das Frischfleisch wurde für den täglichen Bedarf in einer Kühlzelle im Zwinger eingelagert. Der Pansen wurde dann innerhalb kürzester Zeit (Freitags) an den Trassen verfüttert bzw. auf die GK verteilt. Mit dem Frischfleisch wurde jeden Tag frisches Futter für den nächsten Tag zubereitet. Das was an der Grenze gemeinhin als Pat bezeichnet wurde, besteht im Wesentlichen aus gekochtem Fleisch - kleingeschnitten und Trockenfutter – Pellets. Diese Mischung wurde mit der Fleischbrühe zu einer „Pampe“ verrührt die an die Hunde verfüttert wurde. Und zwar an alle Hunde. Nicht nur an die Hunde an der Trasse. Im Winter gab es zusätzlich noch Haferflocken in der Futtermischung. Jeder Hund an der Trasse bekam eine große Kelle vom Pat und frisches Wasser. Der einzige Vorteil für die Hunde im Zwinger war der etwas höhere Fleischanteil und die persönliche Betreuung.
Meiner Meinung nach kam es hier eher auf die Fähigkeiten des Soldaten an, der für die Futterzubereitung eingeteilt bzw. verantwortlich war. Ich hatte jedenfalls zu tun, meinen eigenen Leuten auf die Finger zu schlagen, wenn sie den Hunden das Futter weg essen wollten. Sie haben sich trotzdem oft genug aus meinen Zubereitungen bedient. Nur Salz mussten sie sich noch mitbringen.

...

Wer hat Erfahrungen mit Tieren, die dank Koller ausgetickt sind?
–> Welcher Koller? Alle Hunde haben unterschiedliche Eigenarten. Wir haben so lange die Hunde in den Trassen getauscht bis es passte. Dass einige Hunde aus purer Langeweile ihre Hütten und Blechnäpfe zerkaut haben – rechne ich nicht als Koller. Für die meisten Außenstehenden – also Nichthundeführer wirkten die Hunde schon eigenartig. Das waren sie aber eigentlich nicht. ...

Gruß
Rotti


Interessant, was Rotti schreibt. Zumindest von der Fütterung her kann man das wohl als deutlich artgerechter bezeichnen, als das was heutzutage allgemein so üblich ist. Bei uns hatte aber ein Diensthund-Uffz. seinen Rottweiler so gut angefüttert, dass es immer für Heiterkeit sorgte, wenn die beiden zusammen auftauchten. Das arme Viech war so fettgefüttert, dass es sich nur mühsam fortbewegte und bei Einsätzen auf den Elo gehoben werden musste.

Dass die Trassenhunde nicht verhaltensauffällig waren, halte ich hingegen für Wunschdenken. Aber das ergab sich ja aus den Bedingungen. An manche konnte man ran gehen, da gabs auch mal ein Postenbrot oder dem Hundi wurde inoffiziell ein Name zugeteilt. I.d.R. wurde der Kontakt aber wegen des aggressiven Verhaltens gemieden. Den meisten war wohl auch nicht ganz wohl dabei, die Tiere an den paar Metern nervös hin- und hertigern zu sehen...


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#111

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 16:33
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.490 Beiträge

moin, mal was zu den abgeschliffenen oder teilweise fehlenden Zähnen, wir hatten Hunde an der Trasse, die haben den ganzen Tag "ihren" Stein
hin und hergeschleppt, der war immer ausgesucht und ganz flach, ich schätze das Gewicht so auf 1-2 kg, hierbei haben sie sich die Zähne abgebrochen.

Jeder zweite Hund hatte ne GM, der eine schleppte seinen Stein, der andere lief immer nur im Kreis und es gab auch solche Experten die zerlegten grundsätzlich immer ihre Hütte, machten innerhalb von einem Tag Kleinholz aus ihr.

Es hat ihnen niemand die Zähne abgeschliffen.

@Rotti , wir kochten unser Futter ähnlich, taten aber noch Haferflocken hinzu, das Rezept müsste ich auch noch haben, falls sich jemand mal genau die Zusammensetzung ansehen will.


gruß h.


vs1400 und schulzi haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#112

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 06.10.2015 23:58
von vs1400 | 2.359 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #106


nee, das war wohl eher nicht der Fall....


... sicher biste dir jedoch nicht ganz, exgakl,
doch in den damaligen hundesportvereinen wurden nicht wenig schutzhunde, mit prüfung, abgegeben.
zwar nicht direkt an die gt und damit hast du durchaus recht.
anbei ein beispiel und dass war nicht selten ...

... " ... 1987 konnte ich mit Mirco in der Schutzhundeklasse 2 ebenfalls Kreis- und Bezirksjugendmeister werden und einen 5. Platz auf der DDR Jugendmeisterschaft belegen. 1987 startete ich mit Mirco ebenfalls in der Polizeischutzhundeprüfung 1 als Mitglied der Mannschaft der Sektion Dienst- und Gebrauchshundesport des Kreises Oranienburg und konnte die Einzel- und Mannschaftswertung gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit diesem Hund ebenfalls die Fährtenprüfungen 1 bis 3 erfolgreich abgelegt. 1988 wurde ich Kreisjugendmeister in der Schutzhundeklasse 3. 1988 verkaufte ich Mirco von der Bukowina aufgrund des anstehenden Wehrdienstes als Fährtenhund an das Ministerium für Staatssicherheit. ... "...
quelle: www

... und derartige prüfungen wurden sehr ernst genommen.
was zur konsequenz hatte, hat, dass noch heute derartige sportvereine die wende gut überstanden.
weil es einen bedarf gab und gibt, doch der aufwand zur ausbildung sehr viel persönliches engagement bedurfte, bedarf und der käufer lieber geld als zeit investiert.


gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


nach oben springen

#113

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 00:09
von bürger der ddr | 3.578 Beiträge

Ich lese hier mit Grausen. Jeder Hund ist ein Rudeltier und braucht den entsprechenden Anschluß, ob das andere Hunde sind oder die Familie als Ersatzrudel. Dort braucht er auch seine "Stellung", mit "antiautoritärer Erziehung" kann man keinen Hund erziehen. Der Rudelführer muß die Autorität haben. Aber jetzt komme ich vom Thema weg....
Für mich ist dieser Einsatz von Hunden einfach eine Form der Tierquälerei.

Außer Schäferhunde und Rottweiler, welche Rassen wurden noch eingesetzt?



nach oben springen

#114

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 00:17
von vs1400 | 2.359 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #88
Zitat von Gast im Beitrag #86

[...] Zähne wurden nicht abgeschliffen,zum teil hatten die Hunde keine mehr,so alt waren sie schon,aber bellen konnten sie noch.[...]

Nein, von euch natürlich nicht, denn sie (einige) wurden schon mit abgeschliffenen Zähnen "in Dienst" gestellt.

Das Thema hat mich beschäftigt, da immer wieder dementiert wird, dass es Hunde mit angeschliffenen (nicht abgeschliffenen) Reisszähnen gegeben hätte.
Weil ich nicht behaupte, was ich nicht selbst gesehen habe, bin ich dieser Tatsache nachgegangen und zu fogender Erklärung gekommen:

Trassenhunde für die Grenze wurden aus verschiedenen privaten und dienstlichen Bereichen erworben. Darunter waren ältere ehem. Polizeihunde, Hunde, die für eine Zucht oder zur Ausbildung nicht taugten bzw. aus anderen Gründen unverkäuflich waren, ebenso wie alte oder ausbildungsresistende Schäfer- bzw Hütehunde!

Letztere hatten ja bekanntlich Hüteaufgaben und manchmal musste dem rangniederen Herdentier durch den Hund mit "Nachdruck" begegnet werden. Dabei durfte der Hund auch mal - bei besonders unbelehrbaren Woll- oder Haarträgern - in die Läufe der Tiere "zwicken".

Damit dies möglichst unblutig verlief, weil der Schäfer sonst mit der Wundpflege Mehrarbeit bekommen hätte, die er gerne vermied, wurden den Hunden von einigen Schäfern die Reiss- bzw. Eckzähne durch Anschleifen "entschärft", was erklärt, weshalb solche Hunde im Rentenalter dann auch an der Grenze als Trassenhunde wieder auftauchten.

Edit: Zitat gekürzt


ausbildungsresistente helfer entsorgten manche schäfer auf ihre art, 80er,
doch dazu möchte ich nicht ins detail gehen.

doch kein schäfer, damals wie heute, wird einen hund halten der seiner 'ware' schaden zufügt.
schon damals durften hütehunde nur ins fell kneifen.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


nach oben springen

#115

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 05:13
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.490 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #113
Ich lese hier mit Grausen. Jeder Hund ist ein Rudeltier und braucht den entsprechenden Anschluß, ob das andere Hunde sind oder die Familie als Ersatzrudel. Dort braucht er auch seine "Stellung", mit "antiautoritärer Erziehung" kann man keinen Hund erziehen. Der Rudelführer muß die Autorität haben. Aber jetzt komme ich vom Thema weg....
Für mich ist dieser Einsatz von Hunden einfach eine Form der Tierquälerei.

Außer Schäferhunde und Rottweiler, welche Rassen wurden noch eingesetzt?


moin, wir hatten außerdem Riesenschnauzer, Bernhardiner, und sehr große Spitze.
Viele Schäferhunde bekamen wir von der Polizei, ziemlich junge, diese sollen sich dort nicht zur Ausbildung geeignet haben, waren auch ziemlich brasslig.

gruß h.


zuletzt bearbeitet 07.10.2015 05:13 | nach oben springen

#116

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 07:03
von Hanum83 | 4.661 Beiträge

Wir hatten einen Turm wo eine Hundetrasse nicht weit entfernt war, konnte man die Tiere gut beobachten.
Also mir haben die einfach leid getan, sie waren ja so an der Rolle das sie fast aneinander ran konnten, wollten ja einige auch, wurden dann aber vom Seil abgebremst was wohl einige ziemlich verrückt gemacht hat.
Andere rannten ständig im Kreis herum und einige lagen nur aphatisch da.
Weiß nicht ob das für einen Hund eine artgerechte Haltung ist.
Ich komm ja vom Land und wir hatten auch den typischen Hofhund der ständig angekettet war, hat man sich gar keine richtigen Gedanken darüber gemacht, war halt so üblich, heute ist wohl Kettenhaltung generell verboten.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.10.2015 07:04 | nach oben springen

#117

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 10:41
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von bürger der ddr
... Außer Schäferhunde und Rottweiler, welche Rassen wurden noch eingesetzt?

Zitat von hundemuchtel 88 0,5
... außerdem Riesenschnauzer, Bernhardiner, und sehr große Spitze.

... kann man ergänzen um Boxer und Kaukasen. Wobei der Einsatz ersterer als Trassenhunde, wie auch die Verwendung von Riesenschnauzern an der HuLA mir nicht bekannt ist.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


RiFu hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#118

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 13:12
von bürger der ddr | 3.578 Beiträge

@94 , Boxer? Ich liebe diese Hunde und habe nach langer Abstinenz wieder einen "Deutschen Boxer" als Mitbewohner, einfach Klasse Hunde!

Für solche "Aufgaben" sind Boxer nun gar nicht geeignet, sie gehören zu den "Lagerhunden" und besitzen ein hohes Potential im Bereich "Familienanschluß". Ohne Rudel oder Familienbindung wird ein Boxer "ungenießbar".

Das ist auch ein trauriges Kapitel der Grenze.....



Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#119

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 13:45
von freddchen | 58 Beiträge

Zitat von freddchen im Beitrag #110

Interessant, was Rotti schreibt. Zumindest von der Fütterung her kann man das wohl als deutlich artgerechter bezeichnen, als das was heutzutage allgemein so üblich ist. Bei uns hatte aber ein Diensthund-Uffz. seinen Rottweiler so gut angefüttert, dass es immer für Heiterkeit sorgte, wenn die beiden zusammen auftauchten. Das arme Viech war so fettgefüttert, dass es sich nur mühsam fortbewegte und bei Einsätzen auf den Elo gehoben werden musste.

Dass die Trassenhunde nicht verhaltensauffällig waren, halte ich hingegen für Wunschdenken. Aber das ergab sich ja aus den Bedingungen. An manche konnte man ran gehen, da gabs auch mal ein Postenbrot oder dem Hundi wurde inoffiziell ein Name zugeteilt. I.d.R. wurde der Kontakt aber wegen des aggressiven Verhaltens gemieden. Den meisten war wohl auch nicht ganz wohl dabei, die Tiere an den paar Metern nervös hin- und hertigern zu sehen...

Zur Kompaniesicherung waren bei uns zeitweise auch 2-3 Hunde eingesetzt, einmal war ein richtig schöner Windhund dabei. Das fiel auf, denn für den Grenzdienst selber waren nur Rottweiler und Schäferhunde im Einsatz. (Rottweiler haben seit der Zeit bei mir einen Stein im Brett.)

Mehrere Kaukausen habe ich nur einmal im Hinterland bei einer Kompanie im Zwinger gesehen, die glaube ich irgendwas mit Nachrichtentechnik zu tun hatte. Das waren gewaltige Tiere, die schnell erregbar und höllisch laut waren. Wer denen im falschen Augenblick ohne Gitter dazwischen begegnete, hatte es verwirkt...


zuletzt bearbeitet 07.10.2015 14:18 | nach oben springen

#120

RE: Trassenhunde

in Grenztruppen der DDR 07.10.2015 16:10
von Rotti | 83 Beiträge

Also "Artgerecht" würde ich die haltung der Hunde auch nicht unbedingt bezeichnen. Aber es war eben ein Kompromiss zwischen Aufgabe -> Sicherung und Haltungsbedingungen. Das Verhalten der Hunde an der Trasse war geprägt durch extreme Langeweile. Praktisch sollten sie ja nur "da" sein. Und dadurch das sie eben da waren, Grenzdurchbrüche erschweren. (Das gilt übrigens auch für die Grenzer. Auch die waren ja irgendwie Verhaltensgestört. Schlafentzug und Langeweile ist schon eine gefährliche Mischung.) Alle auch von Euch beschriebenen Verhaltensweisen haben sich bei mir im Zwinger binnen kürzester Zeit gelegt. Nur da war eben auch keine Langeweile, sondern ich habe mich mit den Hunden beschäftigt. Schon um selber der Langeweile und der Ödnis etwas entgegen zu setzen. An Diensthunden gab es bei uns Schäferhunde, Rottweiler und Riesenschnauzer. An der Trasse gab es so ziemlich alles, gerne auch in den wildesten Zuchtkombinationen. Boxer gab es bei uns zu meiner Zeit weder als Diensthund noch an der Trasse. Kaukasen gab es meines Wissens im I. Batallion, also nördlich von uns. Gesehen habe ich diese Hunde während meiner Dienstzeit nicht. Nur die wildesten Gerüchte gehört. Da ich aber auch weiß, wie unsere eigenen Soldaten (Nichthundeführer) auf unsere Hunde reagiert haben, glaube ich nicht mal die Hälfte dieser Gerüchte. Selbst für unsere eigenen Herren haben wir ja Monster gehegt und gepflegt. Und einer dieser Killerhunde hat damals speziell im Abschnitt Sorge oder Elend regelmäßig für Hektik gesorgt. Nur diese Hündin wollte einfach Ihren Hundeführer bei sich haben. Dummerweise war ich das. Und so durfte ich regelmäßig mitten in der Nacht in den Abschnitt um "meinen" Trassenhund wieder einzufangen. Diese Rottweilerhündin war kein Monster, nur erkläre das mal einem völlig aufgelösten Postenführer, der der Meinung ist er wäre beinahe gekillt worden.

Wenn es Hunde mit abgeschliffen Zähnen gegeben hat, dann ist dies auf Steine schleppen und auf das zerlegen von Blechnäpfen und Hütten zurückzuführen. Von mir aus auch auf eine zahnärztliche Behandlung. Aber warum sollte sich jemand an die Trasse begeben und den Hunden die Zähne abschleifen? Das ergibt doch keinen Sinn. S51 hatte einen fast zahnlosen Hund. Aber doch nicht weil er oder jemand anders den armen Hund mit Gewalt die Zähne abgeschliffen hat.

Ich denke, viele Grenzer kannten Hunde nur als Haustiere und das möglichst aus der Ferne. Und jetzt wurden sie mit Hunden konfrontiert die unter völlig anderen Bedingungen ein anderes Verhalten zeigten als Omas Hundi in der Stadt. Unser Politnik war auch der Meinung er verstünde etwas von Diensthunden. Schließlich hat er ja einen Pudel. Nur in unseren Zwinger hat er sich dann doch nicht getraut. Unser Kompaniechef schon, der hatte zwar keinen eigenen Hund, aber eben auch keine Angst vor unseren Hunden.

Gruß
Rotti


vs1400, Fritze und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen


Besucher
25 Mitglieder und 65 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: rtde
Besucherzähler
Heute waren 2881 Gäste und 172 Mitglieder, gestern 3912 Gäste und 213 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14352 Themen und 556880 Beiträge.

Heute waren 172 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen