#1

DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 08.02.2013 06:46
von Angelo | 12.394 Beiträge

Halle (ots) - An Sachsen-Anhalts Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gibt es verglichen mit anderen Bundesländern ein besonders geringes Interesse, mit Zeitzeugen über die DDR-Vergangenheit zu sprechen. Das geht nach einem Bericht der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe) aus dem Jahresbericht des Projekts "Koordinierendes Zeitzeugenbüro" (KZB) an der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hervor, der dem Blatt vorliegt. Demnach belegte Sachsen-Anhalt gemessen an der Einwohnerzahl den drittletzten Platz. Schlechter schnitten bloß Bremen und das Saarland ab. An der Spitze des Interesses rangiert Thüringen. Der Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für den Aufbau Ost und thüringische FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", Thüringen habe "ein Lob verdient", fügte aber hinzu: "Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu anderen abgeschlagen auf einem hinteren Rang. Dafür gibt es keinen Grund aus Sicht des KZB. Hier ist die Landesregierung im Rechtfertigungsdruck. Das geht so nicht, es müssen Änderungen herbeigeführt werden." Das KZB wird von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer getragen und vermittelt DDR-Zeitzeugen an Schulen und andere Bildungseinrichtungen. 2012 gab es laut Bericht 513 Zeitzeugen-Einsätze, davon 44 Prozent an Gymnasien. In dem Bericht heißt es: "Die Zielsetzung, mit dem Angebot eine Stärkung der Rolle der Zeitzeugen bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur zu erreichen, wurde damit erfüllt. Dass es gelungen ist, in den sonst eher desinteressierten ostdeutschen Bundesländern besonders viele Zeitzeugeneinsätze zu organisieren, ist als ein gar nicht hoch genug zu veranschlagender Erfolg des Projekts hervorzuheben." Das Projekt existiert seit Juni 2011.


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#2

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 08.02.2013 07:22
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Ach ja, eine Statistik aus einem Projekt unter der Federführung von Herrn Knabe. Natürlich muss so eine alte rote Socke, wie ich, da gleich wieder Zweifel anmelden. Wobei, ich stelle nicht die Zahlen in Zweifel, sondern die Schlussfolgerung. Dass sich ein selbstgefälliger Schleimer von der FDP aus Thüringen gleich nach vorn drängelt und das als politischen Erfolg 1. Der FDP, 2. Des Landes Thüringen und 3. Des Ostens verbuchen will, gönne ich Herrn Knabe - nicht den Leuten, die mit Engagement und ihren eigenen Zeitzeugnissen an die Öffentlichkeit gehen, wohlgemerkt. Unser Forum zeigt, wie breit das Spektrum von Zeitzeugen sein kann, wie kontrovers die Geschichte in diesen Zeugnissen erlebbar ist. Ich habe keinen der Auftritte erlebt, kann also, darf und will nicht darüber urteilen. Aber die Zahlen hinter der Meldung kann man sich mal anschauen.

Der Verein des Projekts "Koordinierendes Zeitzeugenbüro" verfügt nach eigener Hompage über 150 Zeitzeugen. Sieht man sich die Verteilung an, stellt man schonmal fest, dass es in Thüringen doppelt so viele Zeitzeugen gibt, wie in Sachsen-Anhalt und in MeckPomm doppelt soviele wie im Saarland (2 zu 1 !). Aber nach der Zahl der Zeitzeugen - warum liegt da Berlin nicht bei den Einsätzen vorn?

Die 513 Einsätze ergäben ca. 32 Einsätze pro Bundesland - mal ehrlich, ist diese Zahl statistisch relevant, um eine tiefgreifende Schlussfolgerung über die politische Haltung der Lehrer und Schüler eines Bundeslandes abzugeben? Nach meiner Auffassung nicht. Aber ich kann mich irren. Ergänzen wir die Statistik mal um die Verteilung der Zeitzeugen in Deutschland lt. oben verlinkter Homepage.

10 Baden-Württemberg
10 Bayern
54 Berlin
8 Brandenburg
1 Bremen
6 Hamburg
11 Hessen
2 Mecklenburg-Vorpommern
8 Niedersachsen
13 Nordrhein-Westfalen
3 Rheinland-Pfalz
1 Saarland
6 Sachsen
5 Sachsen-Anhalt
2 Schleswig-Holstein
10 Thüringen

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 08.02.2013 07:23 | nach oben springen

#3

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 08.02.2013 08:57
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Schulwesen ist Ländersache. Die (vermutlich eher kritische) Aufarbeitung der DDR Vergangenheit unter Vermittlung des Vereins erfolgt deshalb wohl eher in bürgerlich regierten Bundesländer. Eher links regierte Länder, insbesondere in Ostdeutschland beschäftigen wohl Lehrer, die zu diesem Thema selber etwas Bescheid wissen oder organisieren können, aber mit Knabe nicht so auf der gleichen Wellenlänge liegen.
Theo


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#4

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 10.02.2013 10:45
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Wäre mal interessant zu wissen, wie sich die Zeitzeugen, die offiziell für Diskussionen mit Schülern und Studenten eingesetzt wurden/werde, in ihrer politischen Ausrichtung verteilen. Damit meine ich, nicht zuallererst und sehr vorrangig tatsächliche und vermeintliche Opfer von Ungerechtigkeiten, erfolgreiche und erfolglose Flüchtlinge, die naturgemäß kaum einen guten Faden an der DDR lassen und eher dazu geneigt sind, Geringfügigkeiten und für heutige Verhältnisse zur Normalität gewordene kleinere Unbill groß rausbringen, sondern auch Zeugen, die an einer grundlegenden Beibehaltung der Eigentumsverhältnisse interessiert waren, wie Angehörige aller bewaffneten Organe, Wirtschaftslenker, Wissenschaftler, Künstler und Sportfunktionäre, denen nach der Wende von Besserwissern gesagt wurde, daß sie überhaupt keine Ahnung von ihrem Fachgebiet haben u.s.w.



Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 11.02.2013 12:07
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #2
Ach ja, eine Statistik aus einem Projekt unter der Federführung von Herrn Knabe. Natürlich muss so eine alte rote Socke, wie ich, da gleich wieder Zweifel anmelden. Wobei, ich stelle nicht die Zahlen in Zweifel, sondern die Schlussfolgerung. Dass sich ein selbstgefälliger Schleimer von der FDP aus Thüringen gleich nach vorn drängelt und das als politischen Erfolg 1. Der FDP, 2. Des Landes Thüringen und 3. Des Ostens verbuchen will, gönne ich Herrn Knabe - nicht den Leuten, die mit Engagement und ihren eigenen Zeitzeugnissen an die Öffentlichkeit gehen, wohlgemerkt. Unser Forum zeigt, wie breit das Spektrum von Zeitzeugen sein kann, wie kontrovers die Geschichte in diesen Zeugnissen erlebbar ist. Ich habe keinen der Auftritte erlebt, kann also, darf und will nicht darüber urteilen. Aber die Zahlen hinter der Meldung kann man sich mal anschauen.

Der Verein des Projekts "Koordinierendes Zeitzeugenbüro" verfügt nach eigener Hompage über 150 Zeitzeugen. Sieht man sich die Verteilung an, stellt man schonmal fest, dass es in Thüringen doppelt so viele Zeitzeugen gibt, wie in Sachsen-Anhalt und in MeckPomm doppelt soviele wie im Saarland (2 zu 1 !). Aber nach der Zahl der Zeitzeugen - warum liegt da Berlin nicht bei den Einsätzen vorn?

Die 513 Einsätze ergäben ca. 32 Einsätze pro Bundesland - mal ehrlich, ist diese Zahl statistisch relevant, um eine tiefgreifende Schlussfolgerung über die politische Haltung der Lehrer und Schüler eines Bundeslandes abzugeben? Nach meiner Auffassung nicht. Aber ich kann mich irren. Ergänzen wir die Statistik mal um die Verteilung der Zeitzeugen in Deutschland lt. oben verlinkter Homepage.

10 Baden-Württemberg
10 Bayern
54 Berlin
8 Brandenburg
1 Bremen
6 Hamburg
11 Hessen
2 Mecklenburg-Vorpommern
8 Niedersachsen
13 Nordrhein-Westfalen
3 Rheinland-Pfalz
1 Saarland
6 Sachsen
5 Sachsen-Anhalt
2 Schleswig-Holstein
10 Thüringen

ciao Rainman


Rainman, mit Statistiken ist es so eine Sache. Ja, die Zahlen mögen stimmen, aber die Auswertung, hier schlägt die mangelnde Allgemeinbildung
zu, und man kann mühelos mit der allgemeinen Hirnamputation fortsetzen.

Hier 2 kleine Beispiele:
1.) Während meiner Fahrt zur Arbeit höre ich gerne Antenne Thüringen. Sehr guter Sender, aber einmal hatten sie sich ein Bein gestellt.
Man grub das leidige Ost/West-Thema aus (was mir schon immer auf den Sack geht) und gab folgende Statistik zum Besten:
"Drei Viertel aller Ostdeutschen haben schonn den Westen besucht, gagegen hat jeder 5.Westdeutsche den Osten noch nicht gesehen."
So wollte man den Ostdeutschen als reiselustig darstellen, während man dem Westdeutschen mangelndes Interesse am Osten attestieren wollte.
Wer die Grundregeln der Mathematik nicht beherrscht, der merkt gar nicht, dass dieser Schuss nach hinten losgeht. Ich schrieb an den Sender
und erteilte den Moderatoren Nachhilfe in dem Fach, welches ab der 1.Klasse gelehrt wird:
Drei Viertel sind 75%. Jeder 5. ist ein Fünftel, also 20%. Das bedeutet, wenn 20% der Westdeutschen den Osten noch nicht gesehen haben,
ihn dann 80% bereits bereist haben. Ups, und schon verkehrte sich alles ins Gegenteil.
Mal abgesehen davon, dass Statistiken aus Umfragen ihre Fehler haben und 5% Unterschied nicht soooo groß sind, möchte ich nicht wissen
welche anderen "Informationen" dieser Art man beliebte, zu verbreiten.
2.) Irgendwann, so im Zeitraum 2004, 2005, 2006 (genau weiß ich es nicht mehr), standen Wahlen an, ob damit Landtagswahlen in Thüringen gemeint
waren oder die Bundestagswahl 2005, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls waren damals im Fernsehen diese PISA-Shows Mode, wo Bundesländer
gegeneinander antraten. Bei einer dieser Shows gewann Thüringen den 1.Platz.
Das nutzte unser damaliger Ministerpräsident Althaus (immerhin Lehrer vom Beruf, welcher im Denken geschult sein sollte) zu der Wahl-
kampfaussage: "Die PISA-Show beweist es: Wo die CDU regiert, da taugt auch die Bildung was!"
Peinlich, peinlich, Herr Althaus. Diejenigen, die an der Show teilnahmen, waren im mittleren Erwachsenenalter (30-40-50 Jahre alt) und hatten
ihre Bildung noch zu DDR-Zeiten genossen.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#6

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 11.02.2013 21:38
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Angelo im Beitrag #1
Halle (ots) - An Sachsen-Anhalts Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gibt es verglichen mit anderen Bundesländern ein besonders geringes Interesse, mit Zeitzeugen über die DDR-Vergangenheit zu sprechen. Das geht nach einem Bericht der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe) aus dem Jahresbericht des Projekts "Koordinierendes Zeitzeugenbüro" (KZB) an der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hervor, der dem Blatt vorliegt. Demnach belegte Sachsen-Anhalt gemessen an der Einwohnerzahl den drittletzten Platz. Schlechter schnitten bloß Bremen und das Saarland ab. An der Spitze des Interesses rangiert Thüringen. Der Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für den Aufbau Ost und thüringische FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", Thüringen habe "ein Lob verdient", fügte aber hinzu: "Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu anderen abgeschlagen auf einem hinteren Rang. Dafür gibt es keinen Grund aus Sicht des KZB. Hier ist die Landesregierung im Rechtfertigungsdruck. Das geht so nicht, es müssen Änderungen herbeigeführt werden." Das KZB wird von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer getragen und vermittelt DDR-Zeitzeugen an Schulen und andere Bildungseinrichtungen. 2012 gab es laut Bericht 513 Zeitzeugen-Einsätze, davon 44 Prozent an Gymnasien. In dem Bericht heißt es: "Die Zielsetzung, mit dem Angebot eine Stärkung der Rolle der Zeitzeugen bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur zu erreichen, wurde damit erfüllt. Dass es gelungen ist, in den sonst eher desinteressierten ostdeutschen Bundesländern besonders viele Zeitzeugeneinsätze zu organisieren, ist als ein gar nicht hoch genug zu veranschlagender Erfolg des Projekts hervorzuheben." Das Projekt existiert seit Juni 2011.


Vielen Dank Angelo, daß Du das Land der Frühaufsteher einmal in den Fokus gerückt hast aber jener Rückstand scheint mir irgendwie ohne Relevanz für irgendwas zu sein, womöglich ist es gar nur die PR- Aktion eines Agitationsbüros.
Die haben scheinbar Angst davor, daß die Schüler angesichts der prekären Beschäftigungsverhältnisse ihrer Eltern bzw. der tagelangen Abwesenheit des Hauptverdieners, der nur in der Fremde noch ein menschenwürdiges Einkommen erzielen kann wieder Bock auf Sozialismus kriegen könnten.
Wenn diese Eltern denen erklären, daß sie früher nicht anderthalb Stunden pro Tag mit dem Schulbus unterwegs waren, um zum Unterricht zu kommen und daß sie nicht drei Lehren absolvieren mußten, um nicht als Praktikant in irgendeiner Feldschmiede zu enden brauchen diese Kinder einfach ein Kontrastprogramm für die Lobpreisungen dieser Eltern, denn wer sonst sollte ihnen die häßliche Fratze des sozialistischen Alltags sonst vermitteln.
Diese Kids brauchen keine Theoretiker sondern Anleitungen dafür, wie sie selbst dem unausweichlichem Niedriglohnterror im Schlußlichtland entkommen können und wie sie selbst es schaffen könnten, im Land der Kartell- und Lobbywirtschaft einmal Unternehmer zu werden mit den Chancen der westdeutschen Schulabgänger beispielsweise der siebziger Jahre als in der DDR gleichzeitig der Sozialismus aufgebaut werden sollte.
Diese Theoretiker werden sich fragen lassen müssen, was denn heute noch so schlimm am Sozialismus sein soll, wenn man seine eigenen Perspektiven zum Ansatz bringt.
Übrigens gibt es 23 Jahre nach der Einheit noch keine Statistik darüber, wieviele Einkommensmillionäre es im Osten gibt, warum wohl ?
http://www.welt.de/print-welt/article639...illionaere.html
Einkommensmillionäre sind im Osten noch seltender als Stecknadeln im Heuhaufen, freuen wir uns doch einfach nur darüber, daß wir hier auch ohne regierende Linkspartei nach wie vor eine klassenlose Gesellschaft sind.



LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 11.02.2013 22:28
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Wäre mal interessant zu wissen, wie sich die Zeitzeugen, die offiziell für Diskussionen mit Schülern und Studenten eingesetzt wurden/werde, in ihrer politischen Ausrichtung verteilen. Damit meine ich, nicht zuallererst und sehr vorrangig tatsächliche und vermeintliche Opfer von Ungerechtigkeiten, erfolgreiche und erfolglose Flüchtlinge, die naturgemäß kaum einen guten Faden an der DDR lassen und eher dazu geneigt sind, Geringfügigkeiten und für heutige Verhältnisse zur Normalität gewordene kleinere Unbill groß rausbringen, sondern auch Zeugen, die an einer grundlegenden Beibehaltung der Eigentumsverhältnisse interessiert waren, wie Angehörige aller bewaffneten Organe, Wirtschaftslenker, Wissenschaftler, Künstler und Sportfunktionäre, denen nach der Wende von Besserwissern gesagt wurde, daß sie überhaupt keine Ahnung von ihrem Fachgebiet haben u.s.w.


Hallo DoreHolm,

Du vermutest schon richtig. Ein Blick auf die Homepage des von Rainman2 genannten "Zeitzeugenbüros" sagt alles.
Falls Du es noch nicht wußtest: Der DDR-Alltag war "grausam", und jetzt sind wir endlich frei. Das findest Du dort unter "Danksagungen".
Da weißt Du doch gleich, wer vor den jungen Leuten gesprochen hat.
Die Obdachlosen dürfen sich endlich die Mülltonne aussuchen, aus der sie Essenreste kramen oder die Brücke, unter der sie schlafen wollen.
Das Bildungssystem der Bundesrepublik, mit ihrer tollen Länderhoheit, bringt Schulabgänger hervor, unter denen in manchen Bundesländern (laut Statistik) 20% Analphabeten sind. Nimm heute mal einem 16jährigen Haupt- oder Realschüler den Taschenrechner weg. Gib ihm/ihr Stift und Zettel und konfrontiere ihn/sie mit den Grundrechenarten.... Selbst bei youtube findest Du viele Berichte und Reportagen, wie schlimm es damals war und wie toll der Staat heute ist.
Ich bin mir relativ sicher, daß man uns Grenzer nicht vor diesen Schulklassen sprechen lassen würde. Denn in deren Augen (Zeitzeugenbüro) sind wir alle "blutrünstige Handlanger des diktatorischen Regimes" gewesen.
Bis Sommer 2000 habe ich an einem Berliner Gymnasium Englisch, Geschichte und politische Weltkunde unterrichtet. Da wurde mir von einem Kollegen mal der Tipp gegeben, ich sollte aufpassen, was ich sage, denn die Wahrheit an sich sei zwar gut, aber wenn von "OBEN" nicht ausdrücklich danach gefragt wird, sollte man sie lieber für sich behalten, zumindest als Lehrer.
In diesem Forum lesen hoffentlich ein paar junge Leute mit und hören/lesen einmal auch die andere Seite des wirklichen/normalen Lebens in der DDR.
Natürlich gab es in der DDR auch Unrecht, und es wurden Fehler gemacht. Nur trifft dies ebenso auf die heutige Bundesrepublik zu.


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#8

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 12.02.2013 19:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Und so http://www.youtube.com/watch?v=3zkSzZY-ONo sieht das aus, wenn sich ehemalige Bürgerrechtler an den Schulalltag im Arbeiter- und Bauernstaat erinnern.
Die kleinen Opfer mit ihren zehn Jahren geraten bereits in den Ost- West- Konflikt und haben sich schon mal mit dem Wirken von Ernst Thälmann vertraut zu machen.
Der Abweichler mit den eingeschleppten Propagandamaterial wird vor der gesamten Klasse bloßgestellt und kriegt schon mal seine Zukunft vorausgesagt, wenn er nicht schnellstens seinen antisozialistischen Kurs verlassen würde.
Mir ist vollkommen unklar, wie ich diese Terroratmosphäre zehn Jahre lang überstanden habe....
Den größten Wahrheitsgehalt haben wohl immer noch die Filme, über den Alltag der DDR mit der DEFA als Quelle, z.B. "Winter ade" 1988 (Link unten) , so authentisch wird man heute kein Material mehr neu erstellen können.
Die gnadenlose Offenheit der Kapitel dieser Reportage verblüfft mich bis heute und ich kann mich nicht erinnern, diesen Film jemals zu DDR- Zeiten gesehen zu haben.
http://www.youtube.com/watch?v=aDIqCP5FKTU



Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.02.2013 20:00 | nach oben springen

#9

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 12.02.2013 20:06
von Kurt | 933 Beiträge

Hallo Hackel39,

Da hast Du zwei sehr schöne Filmbeispiele gebracht. Die Spiegel-Reportage zeigt blanke Hetze, während der Schwarzweißfilm des ZDF recht genau den wirklichen Alltag widerspiegelt.

Gruß, Kurt


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#10

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 12:40
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Bleibt nun noch die Frage, warum Bemerkenswertes aus diesem Bindestrichlandstrich so wenig Beachtung findet, somit möchte ich mal einiges zusammentragen, was dem einem oder anderen vielleicht interessiert.

1. In Klötze (Altmark) gibt es eine weltweit einmalige Algenzuchtanlage, die enorme Perspektiven sowohl für die Welternährung aber auch für die Energiegewinnung in sich birgt, zwar gibt es das anderswo auch, dann aber unter enormen Flächenverbrauch (Teichanlagen).

2. In Gröningen (bei Halberstadt) wurde einst die Fließbandherstellung von Ziegelsteinen erfunden, die man bis dahin nur in aufwändigen Etappenverfahren herstellen konnten. Der 1858 erfundene Ringofen war eine bahnbrechende Idee des "Herrn der Ringe" E. Hoffmann.

3. In Burg bei Magdeburg geschah das gleiche mit Schuhen. Im Jahre 1874 eröffnete Conrad Tack die erste Schuhfabrik Deutschlands mit einer unglaublichen Steigerung des Ausstoßes von 4000 Paar Schuhen pro Tag.

4. Die Magdeburgerin Henny Porten war die erste deutsche Stummfilmdiva der Filmgeschichte und hatte 1906 ihren ersten Auftritt.

5. in Quedlinburg war der Drehort legendärer DEFA- Klassiker wie "Die Abenteuer des Werner Holt" oder "Nicht schummeln, Liebling".

6. Naumburg besaß das mit 20.000 qm größte FKK- Gelände Deutschlands und das bereits in den 1920er Jahren und auch der erste Nacktwanderweg Deutschlands befindet sich in Dankerode/ Harz.

7. Das 53 m hohe Gebäude mit seiner 42 m langen Antenne auf dem Brocken war der erste Fernsehturm Deutschlands und nahm 1936 den Sendebetrieb auf.

8. Einer der drei Erfinder von you tube stammt aus Merseburg, von wo aus Jawed Karim 1992 in die USA auswanderte, von ihm stammt das erste Video der Plattform überhaupt ("Ich im Zoo").

9. Ein Verabscheuer von echtem Kaffee stammt aus Köthen. Jener Heilpraktiker Arthur Lutze erfand schließlich dem Gesundheitskaffe auf Gerstebasis und machte ein Millionengeschäft daraus.Bereits vorher erfand man hier auch den Zichorienkaffee als Ersatz für den damals noch unbezahlbaren Importkaffee, Sachsen- Anhalt ist also die Heimstatt der Kaffeepanscher.

10. Basierend auf dem in Magdeburg erfundenen Wirbelschichtröstverfahren konnte nun Rohkaffee erheblich sparsamer verwendet werden, so daß auch namhafte Markenfirmen in Magdeburg rösten ließen, nachdem man dort bereits 1977 die DDR vor dem Kaffeekollaps (nach einer Mißernte in Brasilien...steigende Weltmarktpreise) gerettet hat.

11. Passend zur Fassenachtzeit in Süddeutschland ist jedoch erwähnen, daß in Martinsried (Mansfelder Land) bereits 1809 erstmals in Deutschland offiziell Narren unterwegs waren, allerdings gab es schon 1792 in Hackpfüffel einen Karnevalsumzug.

12. Das älteste Museum Deutschlands steht als (nachgebautes) Geburts- und Sterbehaus Martin Luthers in Eisleben, wo man es allerdings erst 210 Jahre nach seinem Tod aufbaute und zur Pilgerstätte für Gäste aus aller Welt machte. Jener Luther erfand auch das Chriskind, aber auch populäre Redensarten wie "Bäume versetzen", "Hummeln im Arsch" oder "in den sauren Apfel beißen".

13. Im Jahre 1930 wurde in Edersleben das weltweit einzige komplett erhaltene Mammut ausgegraben und im Spenglermuseum Sangerhausen aufgestellt.

14. Die seit 1200 geförderten Kupfervorkommen im Mansfelder Revier hätten heute einen Wert von 12 Mrd. Euro, trotzdem waren die Grafen 1570 pleite und zwangsverwaltet.

15. Im Jahre 1880 wurde in Magdeburg die erste Wetterkarte Deutschlands der Öffentlichkeit vorgestellt.

16. In Halle fuhr 1891 die erste Straßenbahn Kontinentaleuropas, dort gibt es auch die längste Straßenbahnlinie Ostdeutschlands (Überlandbahn nach Bad Dürrenberg., während die Naumburger Zicke das kleinste Straßenbahnnetz Deutschlands befährt.

17. Aus Platzgründen aufhören möchte ich vorerst mit dem ersten Hippie der Welt, der bis 1952 in Arendsee lebte und 1920 einen Tempel baute, zu dem jährlich 10.000 Anhänger pilgerten....

Wie man sieht, wir waren mal wer, aber es gibt überhaupt keinen Grund, sich nicht für Geschichte zu interessieren, zu vieles gibt es zu entdecken...ach so um Himmels willen, die Quelle

"Heimatkunde" Band 2 - Alles über Sachsen- Anhalt. wirklich sehr lesenswert, kompakt und informativ.



chantre und Schmiernippel haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 12:47
von chantre | 425 Beiträge

Einfach Klasse. Du hast Dir viel Mühe gegeben. Ich bin gebürtiger Sachse, war aber von 1985 bis 1992 Magdeburger. Neben dem was Du hier beschrieben hast gibt es noch viele andre interessante Sachen in Sachsen-Anhalt. Mir hat es dort gut gefallen.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
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#12

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 13:17
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Sa.-Anhalt aöso doch zu Recht das Land der Frühaufsteher und nicht der Schlafmützen. Ich muß ja Sa.-Aht. loben, habe ich doch in Leuna I u. II meine Lehre absolviert (Chemiefacharbeiter) und meine jetzige Frau ist ebenfalls Anhaltinerin (Bernburg). Vom Dialekt her wird sie manchmal in die Berliner Gegend gestellt.



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#13

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 18:32
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Der Grund ist einfach, zumindest ist er es für mich als Sachsen-Anhalter.
Sachsen-Anhalt war lange und oft Schlusslicht in der Bundesrepublik, sind es teils noch heute.
Vorallem was Arbeitslosigkeit betrifft und dem damit einher gehendem Elend, der Zerstörung familiärer, gesellschaftlicher und freundschaftlicher STrukturen durch Armut und Wegzug.
Für viele ist extrem viel weggebrochen und bricht immernoch weg, nicht nur in Sachsen-Anhalt, aber da sehr stark.
Die Jugendlichen sind längst in der tatsächlichen Realität des Systems angekommen und sie kennen die Erzählungen ihrer Grosseltern und Eltern.
Darum fallen sie einfach nicht auf Geschichtsverbiegung ala K. und anderer Interessenverbände rein, und wollen von denen nichts wissen.
Hat also nichts mit Desinteresse zutun, sondern mit einem hohen Grad an realistischer Aufklärung.
Das sehen bestimmte Sesselpupser in Berlin oder sonstwo natürlich ganz anders.
Sollen sie, zeigen sie damit nur einmal mehr das sie kein Bezug zur Basis haben.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#14

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 18:47
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat
Die haben scheinbar Angst davor, daß die Schüler angesichts der prekären Beschäftigungsverhältnisse ihrer Eltern bzw. der tagelangen Abwesenheit des Hauptverdieners, der nur in der Fremde noch ein menschenwürdiges Einkommen erzielen kann wieder Bock auf Sozialismus kriegen könnten.
Wenn diese Eltern denen erklären, daß sie früher nicht anderthalb Stunden pro Tag mit dem Schulbus unterwegs waren, um zum Unterricht zu kommen und daß sie nicht drei Lehren absolvieren mußten, um nicht als Praktikant in irgendeiner Feldschmiede zu enden brauchen diese Kinder einfach ein Kontrastprogramm für die Lobpreisungen dieser Eltern, denn wer sonst sollte ihnen die häßliche Fratze des sozialistischen Alltags sonst vermitteln.
Diese Kids brauchen keine Theoretiker sondern Anleitungen dafür, wie sie selbst dem unausweichlichem Niedriglohnterror im Schlußlichtland entkommen können und wie sie selbst es schaffen könnten, im Land der Kartell- und Lobbywirtschaft einmal Unternehmer zu werden mit den Chancen der westdeutschen Schulabgänger beispielsweise der siebziger Jahre als in der DDR gleichzeitig der Sozialismus aufgebaut werden sollte.
Diese Theoretiker werden sich fragen lassen müssen, was denn heute noch so schlimm am Sozialismus sein soll, wenn man seine eigenen Perspektiven zum Ansatz bringt.



DAnke Hackel, Du bringst es auf den Punkt!
Vergleicht man Deinen Text mit meinem, wird man erkennen müssen, dass wir zwar unterschiedliche Worte wählten, aber exakt das Gleiche meinten.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#15

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 18:54
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #13
Der Grund ist einfach, zumindest ist er es für mich als Sachsen-Anhalter.
Sachsen-Anhalt war lange und oft Schlusslicht in der Bundesrepublik, sind es teils noch heute.
Vorallem was Arbeitslosigkeit betrifft und dem damit einher gehendem Elend, der Zerstörung familiärer, gesellschaftlicher und freundschaftlicher STrukturen durch Armut und Wegzug.
Für viele ist extrem viel weggebrochen und bricht immernoch weg, nicht nur in Sachsen-Anhalt, aber da sehr stark.
Die Jugendlichen sind längst in der tatsächlichen Realität des Systems angekommen und sie kennen die Erzählungen ihrer Grosseltern und Eltern.
Darum fallen sie einfach nicht auf Geschichtsverbiegung ala K. und anderer Interessenverbände rein, und wollen von denen nichts wissen.
Hat also nichts mit Desinteresse zutun, sondern mit einem hohen Grad an realistischer Aufklärung.
Das sehen bestimmte Sesselpupser in Berlin oder sonstwo natürlich ganz anders.
Sollen sie, zeigen sie damit nur einmal mehr das sie kein Bezug zur Basis haben.

gestern um 20:15 Uhr kam ein ganz interessanter Bericht dazu im TV auf Tagesschau 24
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#16

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 18:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #13
Der Grund ist einfach, zumindest ist er es für mich als Sachsen-Anhalter.
Sachsen-Anhalt war lange und oft Schlusslicht in der Bundesrepublik, sind es teils noch heute.
Vorallem was Arbeitslosigkeit betrifft und dem damit einher gehendem Elend, der Zerstörung familiärer, gesellschaftlicher und freundschaftlicher STrukturen durch Armut und Wegzug.
Für viele ist extrem viel weggebrochen und bricht immernoch weg, nicht nur in Sachsen-Anhalt, aber da sehr stark.
Die Jugendlichen sind längst in der tatsächlichen Realität des Systems angekommen und sie kennen die Erzählungen ihrer Grosseltern und Eltern.
Darum fallen sie einfach nicht auf Geschichtsverbiegung ala K. und anderer Interessenverbände rein, und wollen von denen nichts wissen.
Hat also nichts mit Desinteresse zutun, sondern mit einem hohen Grad an realistischer Aufklärung.
Das sehen bestimmte Sesselpupser in Berlin oder sonstwo natürlich ganz anders.
Sollen sie, zeigen sie damit nur einmal mehr das sie kein Bezug zur Basis haben.


Und ob man's mit diesem Auftragsoptimismus http://www.youtube.com/watch?v=KENDDbyUc9c nicht doch ein wenig übertreibt ?
Wir als Empfängerland des Länderfinanzausgleichs sollen mit den verordneten Strukturen dorthin gebracht werden, in ewiger Dankbarkeit keine kritischen Fragen bezüglich der Perspektiven zur baldigen wirtschaftlicher Eigenständigkeit zu stellen.
Solche Texte können unbeabsichtigt einen richtig tragischen Anstrich bekommen, siehe Solarstandort Bitterfeld und den Grund für diese Tragik erfahren sie nicht von Hubertus Knabe sondern aus dem Wirtschaftsteil des "Handelsblattes" und vielleicht von den Eltern, die als Leiharbeiter bei Q- Cells sich einst von Monat zu Monat zitterten um letzten Endes doch wieder mal unter die Räder zu kommen.
Wir brauchen keine glatt gebügelten Schulkinder aber auch keine roten Anarchisten, wir brauchen ein frisch gemischtes Kartenspiel und funktionierende Spielregeln, welche die bislang regierenden Parteien nicht zustande gebracht haben.
Ein mutiger Schritt wäre die Splittung der Gewerbesteuern auf Bund, Land und Kommunen- dann wäre möglicherweise sogar der Finanzausgleich hinfällig, aber dann wären wir ja auch kein Empfängerland mehr und müßten auch nicht mehr dankbar sein, weil ein beträchtlicher Anteil der an die Stadt München, Stuttgart oder Heidelberg von den hundertausenden pendelnden ostdeutschen Niedriglohnflüchtlingen erwirtschafteten Gewerbesteuern nämlich dorthin zurückfließen würde wo das Humankapital dafür hergekommen ist.



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#17

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 19:05
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #14

Zitat
Die haben scheinbar Angst davor, daß die Schüler angesichts der prekären Beschäftigungsverhältnisse ihrer Eltern bzw. der tagelangen Abwesenheit des Hauptverdieners, der nur in der Fremde noch ein menschenwürdiges Einkommen erzielen kann wieder Bock auf Sozialismus kriegen könnten.
Wenn diese Eltern denen erklären, daß sie früher nicht anderthalb Stunden pro Tag mit dem Schulbus unterwegs waren, um zum Unterricht zu kommen und daß sie nicht drei Lehren absolvieren mußten, um nicht als Praktikant in irgendeiner Feldschmiede zu enden brauchen diese Kinder einfach ein Kontrastprogramm für die Lobpreisungen dieser Eltern, denn wer sonst sollte ihnen die häßliche Fratze des sozialistischen Alltags sonst vermitteln.
Diese Kids brauchen keine Theoretiker sondern Anleitungen dafür, wie sie selbst dem unausweichlichem Niedriglohnterror im Schlußlichtland entkommen können und wie sie selbst es schaffen könnten, im Land der Kartell- und Lobbywirtschaft einmal Unternehmer zu werden mit den Chancen der westdeutschen Schulabgänger beispielsweise der siebziger Jahre als in der DDR gleichzeitig der Sozialismus aufgebaut werden sollte.
Diese Theoretiker werden sich fragen lassen müssen, was denn heute noch so schlimm am Sozialismus sein soll, wenn man seine eigenen Perspektiven zum Ansatz bringt.


DAnke Hackel, Du bringst es auf den Punkt!
Vergleicht man Deinen Text mit meinem, wird man erkennen müssen, dass wir zwar unterschiedliche Worte wählten, aber exakt das Gleiche meinten.



Ja Rainer, auch wenn man so zum quengelnden und ewig nörgelnden Jammerossi deklariert wird.
Trotz der Nachwendeerrungenschaften, die größtenteils auf Pump realisiert worden sind, bleibt die Bundesrepublik Ostdeutschland eine Baustelle, ein Trainer hört ja nach dem Aufstieg auch nicht auf, seine Mannschaft zu trainieren und genau deshalb sollten sich die Sachsen- Anhalter nicht auf ihren Wellnessoasen, Spaßbädern und Schnellbahntrassen ausruhen, sondern öfter mal an Morgen denken.
Es sei denn, wir richten uns auf ein Leben in der Dritten Liga für alle Ewigkeit ein.



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#18

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 20:40
von Ex-Huf (gelöscht)
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In unregelmäßigen Abständen wird es wohl noch sehr häufig zu lesen sein, welches ostdeutsche Bundesland welche eklatanten Rückständigkeiten aufweist?
Was veranstalten Medien noch, um eigene Landsleute zu diffamieren? Übrigens zur nachhaltigen Übelversprüherei von gestern?
Nach meinem Eindruck sind geleistete Arbeit der Leute in Ostdeutschland, ehrlich gezielte investierte Projekte und die auch oft gescholtene, aber wirksame Solidarität der Bevölkerung der westlichen Bundesländer der Grundstein für das Vorankommen in Ostdeutschland, das einen sagenhaften Wandel in Struktur und Attraktivität erfahren hat.
Oder habt Ihr das Grau vor 25 und mehr Jahren vergessen?

VG Ex-Huf


zuletzt bearbeitet 18.02.2013 20:41 | nach oben springen

#19

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 21:02
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Ex-Huf im Beitrag #18
In unregelmäßigen Abständen wird es wohl noch sehr häufig zu lesen sein, welches ostdeutsche Bundesland welche eklatanten Rückständigkeiten aufweist?
Was veranstalten Medien noch, um eigene Landsleute zu diffamieren? Übrigens zur nachhaltigen Übelversprüherei von gestern?
Nach meinem Eindruck sind geleistete Arbeit der Leute in Ostdeutschland, ehrlich gezielte investierte Projekte und die auch oft gescholtene, aber wirksame Solidarität der Bevölkerung der westlichen Bundesländer der Grundstein für das Vorankommen in Ostdeutschland, das einen sagenhaften Wandel in Struktur und Attraktivität erfahren hat.
Oder habt Ihr das Grau vor 25 und mehr Jahren vergessen?

VG Ex-Huf


Grau und lebendig waren die Städte damals, als schlimm empfand ich das nicht mit der Bausubstanz, es war ja Standard und man selbst benutzte ja auch bloß das Plumpsklo, das man im Herbst auch noch eigenhändig im Garten zwecks Düngung ausbrachte.
Die Leere der entvölkerten Städte mit ihren überwiegend kreditfinanzierten schicken Wohnbauten kann einen genauso krank machen wie die Wohnruinen von Halle- Glaucha des Jahres 1988, alles eine Frage der selektiven Wahrnehmung.
Es ist in der Tat angebracht, die Bürger vor Ort und eben nicht die höheren Wesen vom Potsdamer Platz für den Schub bei der Modernisierung der Infrastruktur zu loben, immerhin zahlen die nun auch erhebliche Steuern und auch Eigenbeiträge für ihr verbessertes Wohnumfeld, die nicht nur im Einzelfall hohe vierstellige Beträge im Verlauf der letzten 20 Jahre ausmachen.
Und grau ist übrigens kein negativ besetzter Begriff http://www.youtube.com/watch?v=WVfrsuPOjes.
Meinst Du, diese Filmaufnahmen dokumentieren Tristesse und Armut ?



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#20

RE: DDR-Geschichte Auffallend geringes Interesse in Sachsen-Anhalt

in DDR Zeiten 18.02.2013 21:15
von Ex-Huf (gelöscht)
avatar

Mit meinem Beitrag meinte ich sowohl das ganze Land betreffende Beschreibungen, als auch individuell, soll heißen, vor Ort sichtbare Verbesserungen.
Und jeder von uns wird doch wohl seinen Heimatort vor 1990 und heute einschätzen können?

Eigentlich möchte ich dem eingangs erwähnten Vorurteil entgegenwirken, dass unsere Landsleute in Sa.-Anhalt der jüngeren deutschen Geschichte relativ wenig Interesse zuwenden würden...
Da gibt es hier im Forum durchaus einige deutliche Gegenbeispiele...

VG Ex-Huf


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