#81

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 26.04.2016 10:57
von 80er | 572 Beiträge

Zitat von mibau83 im Beitrag #71
[...] der personalbedarf blieb in etwa der gleiche, nur das nach der umstrukturierung 8 kompanien den regimentsabschnitt an der linie sicherten und 4 im hinterland.


... oder anders ausgedrückt, zu gunsten der Hinterlandsicherung wurde es zwischen den Zäunen "dünner"?

Sorry, Mitte der Siebziger gab's das noch nicht!
Mich interessiert dabei wirklich, welche Wandlung die "Strategen" genommen haben, den antiimper. Schutzweall zu sichern. Von der DGP, über Kompaniesicherung zur Bataillonssicherung, wieder zurück zu einer modifizierten Kompaniesicherung, Einführung der Hinterlandsicherung durch GT - ehemals alleinige Domäne von VP, TraPo und FHG (hab' ich was vergessen?).

Muss ich mir das so vorstellen: Ab Tag x sicherten 4 geeignete GKn eines GR nicht mehr ihre ehemaligen Abschnitte zwischen den Zäunen, sondern wurden von da an - abgesehen von Alarmständen - nur noch in neu zu beschreibende PoP vor dem GSSZ im Hinterland eingesetzt?

Gab es im zuge dieser Umstellung auch zusätzliche bauliche Massmahmen, wie weitere BTe etc.? Etwas OT, ich weiss!


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#82

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 26.04.2016 11:31
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Also da möchte ich mich meinen Vorschreiber anschließen. In den 70 er Jahren gab es noch keine Kompanien zu Hinterlandsicherung. Hinterlandsicherung übernahmen Gak,s,wir hatten auf der GK 3 bis 4 Leute davon. Die fuhren mit den Krad raus oder gingen zu Fuß mit ihren Diensthund raus. An das einzige wo ich mich noch dran erinnere ist, das wir mal während der Ausbildung, nach Lenzen fuhren und dort am Rande des Schutzstreifens für 14 Tage Sicherungen übernahmen. Aber danach ging es wieder zurück nach Glöwen. Gak,s wurden auch nicht auf dem Vorgelagerten eingesetzt-es sei den sie mussten zu Vieteljährigen Grenzbegehung mit.


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#83

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 26.04.2016 13:12
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von ZA412 im Beitrag #1

Kann mir weiterhin jemand sagen, an welche Bestätigungen er sich erinnert und was sie bedeuteten, Schultkes Einteilung scheint mir fehlerhaft zu sein.


Ich kopier hier mal leicht editiert etwas her, was ich früher mal geschrieben habe:

Zitat von sentry im Beitrag RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten
GT-intern wurden die Einsatzmöglichkeiten der Grenzer ("Wo darf der Soldat hin und wo nicht...") nach Buchstaben von A-D kategorisiert. Diese Buchstaben wurden im Grenzerjargon als "Blutgruppen" bezeichnet.
Folgende Bedeutung (geholt aus NVA-Forum):

Kategorie A: Der Soldat konnte mit jedem Angehörigen der Grenztruppen auf dem gesamten Grenzgebiet eingesetzt werden, also auch hinter den letzten Sperranlagen bis zu den Grenzsäulen.

Kategorie B: Der Soldat war bis zur Höhe des ersten Kolonenweges einsetzbar und durfte mit einem A-Bestätigten im gesamten Grenzgebiet Dienst tun.

Kategorie B1: Diese Soldaten konnten mit einem A-Bestätigten im gesamten Grenzgebiet Dienst tun. Mit einem B-Bestätigten (ohne Ziffer) bis zur Höhe des ersten Kolonnenweges agieren.

Kategorie C: Dazu zählten alle Soldaten im Urlaub und alle abkommandierten Soldaten.

Kategorie D1: Diese Soldaten durften nur “freundwärts” handeln, also hinter den Sperranlagen, und nur gemeinsam mit einem A- Bestätigten. Der Einsatz mit einem B-Bestätigten war nicht erlaubt.

Kategorie D2: Der Soldat war grenzdienstuntauglich.

Es gibt auch andere Abstufungen und Definitionen (je nach Quelle), aber so in etwa ist das schon korrekt, denke ich, und vermittelt einen ausreichenden Eindruck.
Die Bestätigung für das Vorgelagerte Hoheitsgebiet wird anderswo auch als "A013" bezeichnet.
Fakt ist, dass die Einstufung des einzelnen Grenzers regelmäßig überprüft wurde. Quellen behaupten mindestens einmal monatlich.

Unter den Soldaten der SiK Marienborn war dieses System, dass sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Grenzer beschäftigte, so nicht bekannt. Das Wort "Blutgruppen" verwendeten wir auch nicht. Bei uns gab es im SiK-Jargon verschiedene Stufen von "staubig" und "bestätigt". Ultrastaubige Typen gingen nur auf "ungefährliche Postenpunkte, z.B. auf die B2 auf dem Dach eines Stellwerkes am östlichen Rand der Eisenbahn-GÜSt, mehr als 5 km von der Grenze weg.
Der Gegenpol war der "Linienbestätigte", der in seiner Grenzerzeit mehr sah als so mancher (die meisten?) Offizier(e) in der Sicherungskompanie Marienborn, der Gehilfe des Diensthabenden Offiziers Eisenbahn (GDHO/E) lief, er durfte sich alleine im Schutzstreifen bewegen und durfte ins vorgelagerte Hoheitsgebiet.
Der "Bestätigte" durfte auf Postenpunkte unmittelbar an der Grenzlinie, durfte den Eisenbahnaufzug leiten, durfte auf die B5, einen Postenpunkt wo er ganz alleine war...
Der "Staubige" durfte nur auf Hinterlandposten und war nur ganz selten an der Autobahn-GÜSt...sein Revier war der 5km im Hinterland liegende Bahnhof.

Die Überprüfung dieser Einstufung kann ich am eigenen Leib bestätigen, oder sagen wir mal: zumindest "gefühlt bestätigen".
Gerade wenn man linienbestätigt war, wie ich, und überwiegend die "coolen" Postenpunkte besetzte, registrierte man sehr feinfühlig jede hässliche Veränderung im Einsatzplan. Wenn man da 'mal in einem Zeitraum sehr häufig GUvD in der Einheit stand oder Wacheinheit oder eben wiederholt auf die B2, dann dachte man tatsächlich': "Schei*, ich bin nicht mehr bestätigt!"
Glücklicherweise waren das aber immer nur kurze Phasen und man konnte wieder aufatmen. Es hatte ja keiner Bock, seinen Grundwehrdienst in einer telefonzellengroßen Butze auf dem Dach eines Stellwerkes abzusitzen.
Wir hatten in Marienborn rund um die Uhr 12 Posten und Dienste (UvD, GUvD, Wache) zu besetzen. Im 3. DHJ hätte ich bei 130 vollen Schichten und gleichmäßiger Aufteilung jeden Postenpunkt also etwa 11x besetzen müssen.
Tatsächlich musste ich nicht einmal Wache stehen und war nur 5x auf der oben beschriebenen B2.
73 Schichten also 56% aller Einsätze habe ich auf 4 Postenpunkten verbracht, wo man sicher Blutgruppe A sein musste, davon 35 Schichten auf der B5 an der Eisenbahn-GÜSt alleine auf Grenzdienst (einmal sogar 6x in einer Woche). Dazu kamen noch 5 Einsätze an der Grenzlinie, sozusagen A013. Es waren eben von schätzungsweise ca. 80 Soldaten nur 4 oder 5, die das regelmäßig machen durften.


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#84

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 26.04.2016 13:37
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von Niederlausitzer im Beitrag #70
Ich hatte zwar Verwandte im Westen, aber das hatten ja bestimmt auch viele andere Kameraden.



Die tatsächlichen Kriterien dürften etwas komplexer gewesen sein.
Ich hatte gefühlt mehr West- als Ostverwandtschaft, vor und zum Wehrdienst nicht mal eine feste Freundin und war gut 2 Jahre vorher vom MfS (irrtümlich) wegen Verdacht einer spektakulären Republikflucht "zugeführt" und sehr lange verhört worden...

Ich denke entscheidend war die tatsächlich zu vermutende Fluchtgefahr, in deren Bewertung man auch die Dienstdurchführung, der Postverkehr und sicher auch Beobachtungen durch IM's eine Rolle spielten.
Vermutlich gerade wegen dieser Verdacht-213-Geschicht hatte ich lückenlose IM-Begleitung in meiner Grenztruppenzeit. Dieses und auch die Geschichte der Postüberwachung habe ich als handfesten Beweis erst mit meiner Stasi-Akte erhalten. So habe ich gelegentlich doch etwas freimütig und unbedarft an meinen Bruder über die GÜSt referiert, was auf einer Briefkopie in meiner Akte sogar als "Geheimnisverrat" deklariert wurde.
Bestraft wurde das auf Weisung des MfS nicht - man wollte wohl die eigenen Aufklärungsmaßnahmen nicht dekonspirieren.
Aber ich bin eben eine zeitlang nur auf die Eisenbahn-GüSt gegangen, was ich mir damals eben nicht erklären konnte.

Für mich ist das nach wie vor eine erstaunliche Geschichte: Vom Republikfluchtverdächtigen zum Linienbestätigten in gut 2 Jahren.
Zumindest in meinem Falle haben die Kollegen vom MfS aber trotz des vermeintlich hohen Risikos richtig gelegen. Obwohl ich einige Male mit den Hacken an der weißen Linie stand, habe ich den kleine Schritt, der für mich (und meine Familie) eine Menge geändert hätte, nie gemacht.

Wie eine Beförderung zur Linienbestätigung aussehen konnte, hat User @Oss`n in 2009 hier im Forum eingestellt
Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten (2)


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#85

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 26.04.2016 23:46
von mibau83 | 831 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #81

Muss ich mir das so vorstellen: Ab Tag x sicherten 4 geeignete GKn eines GR nicht mehr ihre ehemaligen Abschnitte zwischen den Zäunen, sondern wurden von da an - abgesehen von Alarmständen - nur noch in neu zu beschreibende PoP vor dem GSSZ im Hinterland eingesetzt?

Gab es im zuge dieser Umstellung auch zusätzliche bauliche Massmahmen, wie weitere BTe etc.? Etwas OT, ich weiss!



ja der vormalige grenzabschnitt dieser kompanien wurden unter den nachbarkompanien aufgeteilt.

der hintergedanke war wohl der, potenzielle grenzverletzter vermehrt bereits im hinterland festzunehmen. also außer sichtweite des westens. die hinterlandskompanien durften auch zwischen den zäunen eingesetzt werden, aber nur mit zustimmung der kommandeure der beiden linien-gb's.

bauliche veränderungen gab es anfang/mitte der 80er in soweit,dass erd-und splitterminen abgebaut wurden und anstelle des bisherigen gsz, ein gssz errichtet wurde.

weiterhin wurden die bis dahin auf den linienkompanien vorhandenen schweren waffen (spg-9,ags-17) an die hinterlandskompanien übertragen.


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zuletzt bearbeitet 26.04.2016 23:50 | nach oben springen

#86

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 27.04.2016 09:38
von terraformer1 | 193 Beiträge

Zitat von skbw im Beitrag #2
Hallo ZA412,
der Einfachheit halber , habe ich mal meine Ausführungen aus einem anderen Thread für Dich kopiert.

"An der Berliner Grenze wurde die Postenvorplanung durch den StKCGSi gemacht. Das Intervall, daß gleiche Postenpaare einzusetzen, musste so groß wie möglich sein. Die Postenvorplanung wurde grundsätzlich vom Mitarbeiter Verw. 2000 freigegeben. Bei der Postenvorplanung war die Einstufung jedes Einzelnen und der vorgesehene Postenpunkt zu berücksichtigen. Bei uns gab Postenpunkte der Einstufung 1,2 und 3. Die Einstufung für die Kompanieangehörigen war A13,1,2,3,4,5 und 6. Wobei die 6 nicht zum Grenzdienst eingesetzt werden durfte. Auf Grund der Einstufungen ergaben sich zahlreiche Kombinationen.
Die Einstufungen wurden in der monatlichen Personalannalyse festgelegt. Teilnehmer: KC, StKCGSi, Polit, ZF, Verw. 2000. Jeder wurde "duchleuchtet" und letztendlich durch den Mitarbeiter Verw. 2000 eingestuft. Höherstufungen gab es nur nach schriftlicher Einschätzung mit Antrag durch den ZF.
Die Bekanntgabe der Postenzusammensetzung erfolgte unmittelbar vor dem Grenzdienst, nach dem Kommando "Kompanie, raustreten zum GD!", durch den jeweiligen K-SiA. Mitunter gingen auch Paare aus unterschiedlichen Zügen zum Dienst. "

Bis bald, skbw


Während meiner Dienstzeit als UAZ habe ich nur A13, 1, 2 und 3 kennen gelernt. Von 4, 5 und 6 habe ich damals nie was gehört. Als ich mal heimlich in einem günstigen Moment ungestört das Planungsbuch durchblättern konnte (was ich ja als Uffz. sonst nie in die Hand bekam), sah ich auch zum ersten Mal meine eigenen Einstufung, "2". Wenn es bis zur 6 ging, war ich ja gar nicht mal so schlecht eingestuft und ich dachte immer, die Abteilung 2000 hätte mich als total unzuverlässig angesehen.


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#87

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 27.04.2016 19:43
von 80er | 572 Beiträge

Dass es Einstufungen gegeben hat, war uns bekannt, aber nicht wieviele. Wir haben unter uns flapsig immer von A, B und C gesprochen, wenn es um die Zuteilung der PoP ging und das hat sich von DHJ zu DHJ immer weiter "vererbt", so dass es eben auch A,B und C Posten gab.

Es wird ja hier immer davon ausgegangen, dass, je leichter der letzte Grenzzaun zu überwinden war, je "höher" die Zuverlässigkeitsstufe der eingesetzten Posten gewesen wäre.

Wenn ich nach dieser Logik unsere PoP im Rückblick betrachte, kann ich dem nicht zustimmen!

Mit der Zeit kannte jeder Posten und PF die "Blutgruppe" der anderen Kameraden und es war leicht, die PoP ebenfalls nach diesen Kriterien zu klassifizieren.

Ich als "C" z.B. kam nie zum Einsatz auf Kontrolle des K6. Dort liefen "A" PF mit UaZ, oder, als Ausnahme, ein PF "A" mit einem PF "B". Es kratzte schon am Selbstwertgefühl,da nie hinzukommen, aber andererseits hätte ich mit denen nicht wirklich tauschen wollen, weil die im Sommer nach den ersten 2 km wegen dem Tau auf dem hohen Gras ständig bis zur Brust durchnässt waren.

Wer für das Vorgelagerte eingestuft war, wussten wir nicht, weil es die Aufgabe der GAK war und für uns praktisch nie vorgekommen ist.

Mit dem Aufbau von 1 km "Probeabschnitt" SM70-Anlage 1974, blieb der PoP zwar "A", brachte den Kameraden dort aber richtig Stress, den sie vorher nicht hatten. Es musste hier gewährleistet sein, dass sie unmittelbar auf "Sendung" gehen konnten.
Das bedeutete, dass sie nur zwischen den GMN-Buchsen am Kolonnenweg hin und herlaufen konnten und dies auch noch unter Dauerbeleuchtung in der Nacht. Unmittelbar gegenüber hatten die Amis einen ständigen Posten, weshalb es dort "A" gewesen sein könnte.

Der 3. "A" PoP (ich schrieb es schon, fällt mir ein) war ein Gebiet am Eingang zum Grenzsack, das mit alten Erdminen im Doppelzaun bestückt war, in Sichtweite zu einem Dorf freundwärts, aber ohne GSZ und ohne GMN.
Der Posten durfte dort das schwere russische Funkgerät mit schleppen. Blick praktisch freundwärts, aber offensichtlich sonst, weit weg vom GZ1, "seehr" anspruchsvoll!

An diesen 3 Einsatzorten war ich nie. Dabei waren die ausgesprochenen "C" Abschnitte mit 2-3 km Handlungsraum entlang und 1 km in der Tiefe des Zaunes bestens geeignet, das Arbeiter- und Bauernparadies über den "nackten" GZ1 mit reichlich Handlungszeit, zu verlassen. Dies widersprach - zumindest bei uns - der Logik: einfache Fluchtmöglichkeit erfordert zuverlässige Posten, schwierigere Flucht weniger Verlässlichkeit.

Ergänzung: Die Gruppenführer kamen auf die Zimmer verteilten die P-Tabellen und nannten die Postengruppierungen und PoPe während unserer Dienstvorbereitung.


Schlutup hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.04.2016 23:50 | nach oben springen

#88

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 28.04.2016 22:08
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Ausgehend von meinen Erkenntnissen als Berufssoldat in einer Grenzkompanie des Grenzregiments 24 "Fritz Heckert" und den damit verbundenen Tätigkeiten als Diensthabender der Kompanie, kann ich folgendes feststellen (Zeitraum 1982-1988):

- im Grenzdienstbuch (Verschlusssache - VS-V) gab es die Einstufungen der Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere tabellarisch nach Namen/Dienststellung geordnet mit den Einstufungen A,B,C,D

- jeden Tag erfolgte der Vorschlag zur Postenstellung durch die Zugführer bzw. durch die stellvertretenden Zugführer für die folgenden 24 Stunden. In der Regel wurde der "Vorschlag" durch den KC (Kompaniechef) bzw. durch den StKC (Stellvertreter des Kompaniechef) in Ausnahmefällen durch den StKCPA (Polit) bestätigt.

- Änderungen erfolgten nur bei motorisierten Streifen

- die Postenbereiche waren nicht vorgeben. Entscheidend war nur die WRG (wahrscheinliche Richtung der Grenzverletzter) nach Raum und Zeit auf Entschluss des KC zur Grenzsicherung

- AGT (Angehörige der Grenztruppen) der Einstufung A - waren auch gleichfalls bestätigt nach der Anordnung 13 (feindwärts bestätigt), AGT der Einstufung B waren Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere zum Grenzdienst, AGT der Einstufung C waren wie zuvor - jedoch mit der Einschränkung nur mit Einstufung A oder B zum Grenzdienst zu planen, Einstufung D waren in der Regel Soldaten der Sicherstellung - jedoch auch Soldaten, welche im Rahmen von Erkenntnissen (von wem lasse ich hier offen) von B auf D gestuft wurden.

- es gab auch im laufe des Monats, dass es AGT gab, welche von D auf B gestuft wurden. Genau aber auch umgedreht z.B. von A auf B.

- die Postenplanung war in der Regel schon "Zimmergespräch" - wurde jedoch erst zur Vergatterung zum Grenzdienst präzisiert. Hier ist zu beachten, dass die A-Gruppe, der Ü-Po (Überprüfungsposten) sowie die A-Gruppe Objekt bereits auf Grund der Dienstplan Gestaltung feststand.

- Grundregel war: Einstufung A durfte mit A auf vHGB (Vorgelagertes Hoheitsgebiet der DDR), A + B ggf. mit C in den Schutzstreifen, B+B in den Schutzstreifen, B+C in den Schutzstreifen, C+C oder gar D+D kein Grenzdienst, A-B + C oder D im Sperrgebiet (Hinterlandssicherung),

- die Postendichte war - zumindest in unserer Kompanie - auf die Sicherung der RTL (rechte Trennungslinie), der LTR (linke Trennungslinie), der A-Gruppe FüSt, dem KGSi+Posten beschränkt. Dies auf 17,8 Kilometer. Schwerpunkt der Hauptanstrengung war der Wirl Knick bis zum Bereich Ziemendorfer Weg, die WRG war von Prezeller Weg bis Ziemendorfer Weg

- Kräfte des III GB - hier Gollensdorf wurden auf Entschluss des BC zur Hinterlandssicherung eingesetzt. Dies ab 1986/87 in verstärkten Einsätzen. Diese Einsätze waren gleichfalls im Grenztagebuch verzeichnet. Nicht verzeichnet waren die Einsätze der US VI (Unteroffiziersschule Perleberg). Jedoch erfolgte dieser Einsatz - wenn auch außerhalb der WRG - im Bereich Schramper Straße bis Tor 26.

- selbst bei den GAKl (Grenzaufklärer) gab es - trotz Bestätigung - hier insbesondere im Grenzgebiet bestimmte Abstufungen. So u.a. im Rahmen dem Zusammenwirken mit den FHG (freiwillige Helfer der Grenztruppen) bzw. deren Anleitung und Ausbildung.

Dies war es zu diesem Thema. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung

-


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#89

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 29.04.2016 06:49
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Stelle mal ein Dokument zur Einteilung der AGT für den Grenzdienst ein, hatten wir glaube ich noch nicht hier.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
vs1400, 02_24, Pitti53, Zange und Niederlausitzer haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2016 06:50 | nach oben springen

#90

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 29.04.2016 20:12
von Lutze | 8.039 Beiträge

Irgendwie ist die A/B/C/D-Einstufung schon herabwürdigend,
was Soldat A darf,trifft für Soldat D nicht zu,aber sicherlich umgekehrt,
verrückte Einteilung
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#91

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 29.04.2016 21:49
von der 39. | 522 Beiträge

Ich muss gestehen, dass ich beeindruckt bin, im Besonderen nach dem Beitrag mit den Einstufungskriterien. Habe das bislang nicht glauben wollen. Ich dachte immer, da hat man auf unterschiedlicher Ebene etwas zusammengebastelt, um ja keine Fahnenfluchten zuzulassen.. Aber wenn ich das so lese und ich fürchte, das stimmt auch so, kein Ruhmesblatt für die ehemalige DDR und die Grenztruppen. Ehrlich, ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen. Den Genossen XY darf ich nicht an der Bahnlinie Gunsleben einsetzen. obwohl er freiwillig an die Grenze gekommen ist, um sie zu sichern und die DDR zu schützen. Durch die Wehrpflicht ist wohl das Vertrauen und das Gefühl der Treue und der Zuverlässigkeit an der Grenze verloren gegangen. Genosse XY muss Hausposten übernehmen bis zum Erbrechen?. Ich bin richtig froh, dass ich 1963 gegangen wurde und mir Einstufungen und auch Fahnenfluchten erspart geblieben sind. Aber beschäftigen tut mich das sehr. Nirgends sonst ist Vertrauen und Kameradschaft so wichtig als unter Waffen stehend. Ich kriege auch keinen richtigen Abstand dazu, das ist ja richtig gruselig und knabbert an meiner Einstellung zur ehemaligen DDR.
Ist sehr persönlich, aber schweigen dazu möchte ich eben auch nicht.
Der 39.


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#92

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 29.04.2016 22:24
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #90
Irgendwie ist die A/B/C/D-Einstufung schon herabwürdigend,
was Soldat A darf,trifft für Soldat D nicht zu,aber sicherlich umgekehrt,
verrückte Einteilung
Lutze


Also Lutze--zu meiner Zeit, war von Einstufung noch nichts zu spüren gewesen--jeder ging mal auf alle Postenplätze. Aber ich frage mich,welcher Grundwehrdienstleistende hatte sich damals darüber wirklich den Kopf zerbrochen. Ich würde sagen eher die Wenigsten


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#93

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 29.04.2016 23:27
von Hanum83 | 4.789 Beiträge

Ich frag mich gerade welche Einstufung wohl mein alter Battallioner so hatte


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 29.04.2016 23:28 | nach oben springen

#94

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 01:16
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #91
Ich muss gestehen, dass ich beeindruckt bin, im Besonderen nach dem Beitrag mit den Einstufungskriterien. Habe das bislang nicht glauben wollen. Ich dachte immer, da hat man auf unterschiedlicher Ebene etwas zusammengebastelt, um ja keine Fahnenfluchten zuzulassen.. Aber wenn ich das so lese und ich fürchte, das stimmt auch so, kein Ruhmesblatt für die ehemalige DDR und die Grenztruppen. Ehrlich, ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen. Den Genossen XY darf ich nicht an der Bahnlinie Gunsleben einsetzen. obwohl er freiwillig an die Grenze gekommen ist, um sie zu sichern und die DDR zu schützen. Durch die Wehrpflicht ist wohl das Vertrauen und das Gefühl der Treue und der Zuverlässigkeit an der Grenze verloren gegangen. Genosse XY muss Hausposten übernehmen bis zum Erbrechen?. Ich bin richtig froh, dass ich 1963 gegangen wurde und mir Einstufungen und auch Fahnenfluchten erspart geblieben sind. Aber beschäftigen tut mich das sehr. Nirgends sonst ist Vertrauen und Kameradschaft so wichtig als unter Waffen stehend. Ich kriege auch keinen richtigen Abstand dazu, das ist ja richtig gruselig und knabbert an meiner Einstellung zur ehemaligen DDR.
Ist sehr persönlich, aber schweigen dazu möchte ich eben auch nicht.
Der 39.




es war halt eine gefordertes verhalten,
mit optionen,


der 39.
eure freiwilligkeit, war, ist nachvollziehbarer.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#95

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 17:16
von Ratze | 403 Beiträge

Zitat von Harsberg im Beitrag #89
Stelle mal ein Dokument zur Einteilung der AGT für den Grenzdienst ein, hatten wir glaube ich noch nicht hier.




Moin
Aus welcher Quelle stammt dieses Papier, Vorschrift, Dienstanweisung etc.?
Ratze


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#96

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 08:46
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Von einem Kameraden eines anderen Forums, der mir die Quelle aber nicht mitgeteilt hat und seit 2 Jahren abgetreten ist.

Hatte ich übrigens doch schon voriges Jahr eingestellt: #33, RE: Einstufung von Grenzsoldaten


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.05.2016 08:48 | nach oben springen

#97

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 09:11
von Ratze | 403 Beiträge

Moin
Ich bin zwar dieses Thema durchgegangen, habe ich dann aber überlesen, danke für den Hinweis, da mus ich noch aufmerksamer lesen.
Ratze


zuletzt bearbeitet 02.06.2016 12:00 | nach oben springen

#98

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 20.05.2016 21:59
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #90
Irgendwie ist die A/B/C/D-Einstufung schon herabwürdigend,
was Soldat A darf,trifft für Soldat D nicht zu,aber sicherlich umgekehrt,
verrückte Einteilung
Lutze


Lutze, ich empfinde das eigentlich gar nicht so.
Einstufungen gibt es doch überall.
In jedem Job der Welt .
Auch heute gibt es Einstufungen in der BW, Bundespolizei oder im normalen Polizeidienst .
Die Kriterien sind vielleicht andere, aber der Grund ist der selbe.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#99

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 21.05.2016 08:53
von Hansteiner | 1.420 Beiträge

Also ich kann die Aussage vom Rostocker nur bestätigen.
In meiner DZ war davon nichts bekannt, es sei denn innerhalb der Komp-Ltg. mit der Abteilung 2000. Aber davon wurden wir als Zgfh. nicht in Kenntnis gesetzt.

VG H.



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#100

RE: Einteilung/Bestätigung/Kategorisierung der Grenzer für die Zusammenstellung der Postenpaare

in Grenztruppen der DDR 21.05.2016 19:05
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

...und die Mannschaft erst:
Jeden Tag ein "Überraschungsei"

Diskriminierung? "Was ich nicht weiß, macht(e) mich nicht heiß".

Von Tabus bei der Zusammenstellung habe ich nichts bemerkt.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.05.2016 19:06 | nach oben springen


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Fahnenflucht eines Postenpaares GR 42 ; 2.GK Berlin/Waßmannsdorf
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Feliks D.
38 23.05.2010 00:14goto
von Feliks D. • Zugriffe: 8123
Ein Postenpaar in Dömitz auf 12km?
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze von Freedom
51 24.12.2009 10:58goto
von S51 • Zugriffe: 2742

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