#21

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 02.02.2013 01:18
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von vogtlaenderjoe im Beitrag #16
Alle Sprechen doch von Wend. Wende heißt 180° Drehung, also muss doch etwas anders sein.
Eben komplett anders. Was soll das gejammere wegen dem Kollektiv oder wegen der Hausgemeinschaft, wenn 20% IM s mit feierten und die, die sich auch in der DDR schon drehten
(die gab es ja auch) bespitzelten. In solchen Gesellschaften war man nur gut aufgehoben, wenn
man zur Arbeit ging danach in den Garten, die Füße hoch legte und das Bier oder die Schnapsbulle festhielt, und maximal Trabbi fuhr. Sollte einer schon einen 15oo Lada gehabt haben, war er schon ein Fall für die Stasi.(Klassenfeind)
Alle Leute, die etwas bewegen wollten brauchten „Bekannte“, die etwas besorgen konnten: Leute von der BHG, Auto-Werkstatt-Leiter, Fleischer, Gaststättenleiter das ist unendlich fortzusetzen. Es lief ja nichts offiziell. Wenn ich z.B. etwas am Auto repariert habe, und bauchte ein Dreh-Teil. Konnte ich nicht in eine Firma gehen, nein ich ging zu einem Dreher, der irgendwo arbeitete. Der fertigte das Teil auf seiner Arbeit und brachte es mit nach Hause. Wenn er viel drehte, konnte er sich etwas mehr leisten, und setzte sich nicht mehr mit an den Tisch in Neubaublock. (Spitzel) Aber damit stieg auch sein Risiko für den hier so vehement als unschuldig dargestellten Apparat.
Heut braucht man solche „Bekannte“ nicht mehr. Ich gehe in die Firma, die sich freuen , wenn ich komme, bezahle meine Rechnung und gehe meine Wege. Die heutigen Bekannten sind Leute vom Verein, oder von Motor-Club mit gleichen Interessen.
Ich für mein Teil bin froh das die DDR zusammengebrochen ist und ich nicht immer hinter mich schauen muss, sondern frei entscheiden kann und hingehen kann wohin und wie lange ich will . Natürlich steht der Job im Vordergrund, weil sonst , find ich mich vielleicht im Neubaublock und einer wild gewordenen Hausgemeinschaft wieder.
Gruß



oder mal 'rot mark' anderst ,im heute, zusammengefasst : wenn ich durch krankheit oder unfall meine rechnungen nicht mehr bezahlen kann , gibt es da so unter umständen so ein 'neubaublock' mit einem roten 'A' drauf was nur der erste anlaufpunkt für weitere neubaublock's , wenn man dann hinter sich schauen muss. ist !! dann ist es aber auch schon vorbei mit frei entscheiden wohin und wie lange ich irgendwo sein möchte , das bestimmt dann das zuständige amt , also dieser staat !! wenn man dann noch aus geldmangel , was ja auch nachzuvollziehen ist ,sich ein paar euronen dazu verdienen will , gibt es bestimmt ein paar zeitgenossen ( Spitzel ) im jetzt, die per anruf beim zuständigen 'geldgeber', deine dir zustehenden zahlungen sofort zum 'einfrieren' bringt !! dann wird es richtig kalt in der bude , zumindest im winter !!!



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#22

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 02.02.2013 06:56
von student | 89 Beiträge

Immerhin hat mir der Vogtländerjoe die Antwort geliefert, warum ich für das MfS so interessant gewesen bin: Ich fuhr keinen Trabant, sondern einen Skoda, auch wenn es ein MB 1000 Baujahr 1969 war. Der Vorbesitzer war übrigens der Abwehrchef vom GR-6 . Aber ohne Ironie: Sollte es ihm selber vielleicht aufgefallen sein, daß er, abgesehen von den 20 % IM, die ihm das Leben schwergemacht haben, nur von irgendwelchen materiellen Dingen redet, an denen er seine Lebensqualität festmacht ? Ich will das nicht kleinreden, es war schon nervig, wenn man wegen zum Teil wirklich banaler Dinge Kopfstände machen mußte. Bei uns kam ja noch hinzu, daß von einem funktionsfähigen Fahrzeug die Einhaltung der Alarmzeiten abhängig war.

Für mich war es aber wichtiger, daß man tatsächlich damals schon mit Leuten zusammenkommen konnte, die gleiche Interessen hatten, und daß dafür auch die entsprechenden Voraussetzungen vorhanden waren. Lebensqualität bemißt sich nicht nach der Menge dessen, womit man eine häufig defizitäre Persönlichkeit drapieren kann. Ich bin ganz sicher unverdächtig, die DDR glorifizieren zu wollen, aber ich finde es doch nachdenkenswert, daß man in solchen Einrichtungen wie dem Kulturbund mit Menschen aus allen Schichten zusammenkommen konnte, die sich im Hinblick auf das gemeinsame Interessengebiet als kompetent und fachkundig erwiesen. In diesem Zusammenhang spielte es keine Rolle, ob jemand Schlosser oder Professor war, es zählte das, was er an Kenntnissen hatte. Und damit war er akzeptiert, nicht deswegen, weil er einen 1500er Lada fuhr oder nicht. (Übrigens war das zu DDR-Zeiten schon so, daß diejenigen, die ständig auf etwas Herausgehobenes in ihrem Besitz verweisen mußten, selten andere Grundlagen für ihr Sozialprestige vorweisen konnten.)
Das sind auch die Gelegenheiten, an die ich mich heute viel lieber erinnere als an das Gerenne nach Ersatzteilen, die bei meinem böhmisch-mährischen Schnellroster immer bitter nötig waren.
Wir wissen, und inzwischen merkt es auch der ungläubigste Thomas, daß der Kapitalismus (ich verwende dieses Wort übrigens immer ganz wertfrei) auf lange Sicht keine andere Beziehung zwischen den Menschen duldet als die gefühllose bare Zahlung. Wenn sich der Vogtländerjoe also eher wohlfühlt zwischen I-Phone-Autisten und Eigenheim-Leibeigenen, dann ist es ihm ja unbenommen, es hat jeder seine eigenen Wertvorstellungen.
Dann sollte er aber auch so einsichtig sein, anderen ihre Wertvorstellungen zu lassen, die sich in etwas anderem ausdrücken als im Konsum. Ich bin der Meinung, man kann schon diesem Verhältnis ein wenig nachtrauern, das früher bestanden hat, und man sollte sich dabei nicht durch die Erinnerung an Phrasen wie die "sozialistischen Menschengemeinschaft" über Gebühr beeinflussen lassen.
Wichtig war dabei nicht, welches Etikett wo draufgeklebt wurde, sondern was das wirkliche Wesen ausmachte. Und da muß ich sagen, daß ich die von Spitzeln durchsetzten, gleichgeschalteten und verhärmten Hausgemeinschaften nirgends erlebt habe. Ich wage sogar die Frage zu stellen, was dem Selbstwertgefühl abträglicher ist: In einer Schlange zu stehen, um dann mit selbstverdientem Geld vielleicht nicht üppig, aber immerhin einkaufen zu können, oder in einer Schlange zu stehen, um Almosen entgegennehmen zu müssen, weil man sich nicht mehr anders über Wasser halten kann. Kleinen Geistern gibt es sicher etwas, wenn sie genießen können, nicht zu denen zu gehören, aber zu den Segnungen des Kapitalismus gehört es auch, daß er eine Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung ist - niemand hat eine Garantie dafür, daß alles immer so bleibt, wie es gerade ist. Und das leider im Guten viel seltener als im Schlechten. Selbst wenn ich mich der Ostalgie verdächtig gemacht haben sollte (was für mich schmeichelhaft wäre), man sollte auch in Hinsicht auf dieses Thema nicht zu rigoros urteilen.


DoreHolm, Damals87 und Sohnematz haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#23

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 02.02.2013 11:50
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

zum Thema noch einige Gedanken.

In der DDR war es ja so, dass alle materiell mehr oder weniger gleichgestellt waren. Diese Feststellung ist zu sehen mit dem Maßstab von heute, wo die Unterschiede im materiellen Besitz unglaublich sind, sowie mit der Anmerkung, dass es in der DDR auch Ausnahmen gab. Letzteres war aber nicht die Regel. Diese Ausnahmen betreffen aus meiner Sicht weniger Politiker und Funktionäre (wie lächerlich war es doch, dass man zur Wendezeit Honecker wegen des Besitzes eines MIELE-Gerätes Privilegien vorwarf), sondern spezielle Ärzte und, vor allem, Handwerker.

Die materielle Gleichstellung in Verbindung mit anderen Gegebenheiten, zu nennen wären beispielsweise das Nebeneinanderwohnen in den damals begehrten Plattenbau-Neubauwohnungen, die enge Bindung im Arbeitskollektiv (Brigaden), sowie die Gemeinsamkeit in „Vereinen“ (Kulturband, FDJ, Pionierorganisation, DSF, Zivilverteidigung, Kampfgruppe usw. usf.) schufen dieses WIR-Gefühl.

Dieses Gefühl hatte auch die Konsequenz, dass man sich als „Gleicher unter Gleichen“ fühlte.

Das war man aber praktisch auch. Nehmen wir die Bildung. Die heutige Forderung nach gleichen Bildungschancen war in der DDR erfüllt, ja sogar etwas „übererfüllt“ (Kinder aus „Nichtintelligenzfamilien“ wurden bevorzugt behandelt). Wenn ich heute höre, dass es echte Diskriminierungen gab, dann kann ich das nicht nachvollziehen. In meiner Abiturklasse war eine Pfarrerstochter, die wie alle anderen auch behandelt worden ist. Und nicht verhehlen möchte ich, dass heute führende Politiker, denken wir an Frau Dr. Merkel, Herrn Gauck oder Herrn Thierse, in der DDR ihr Abitur erwarben. Durch die Bildungspolitik der DDR wurden viele Kinder aus der Arbeiter- und Bauernklasse Ärzte, Ingenieure, Juristen usw.. Sie studierten unter von materiellen Sorgen freien Bedingungen. Zu dieser Gruppe gehöre ich auch und ich bin der DDR noch heute dankbar dafür. In der BRD hätte ich sicher nicht oder zumindest nicht so einfach diesen Weg nehmen können.

Mit der Wende haben sich die Bedingungen geändert. Mein in der DDR eingeschlagener Bildungs- und Berufsweg hat es mir ermöglicht, auch unter denn neuen Bedingungen ein erfülltes Leben zu führen. Nur wird mir tagtäglich gezeigt, dass ich kein „Gleicher unter Gleichen“ bin, dass ich ein ICH bin. Glücklich macht mich das nicht. Aber ich muss mich damit abfinden.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


Mike59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2013 11:51 | nach oben springen

#24

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 14:38
von Gohrbi | 575 Beiträge

@Ecki, ja es war ein Schritt vom WIR zum ICH. Nicht überall gleich und vergleichbar aber eben für jeden anders.
Man hat nach dem Stichtag, ich lasse mal WENDE weg, neue FREUNDE unwichtige Bekannte, Bekannte denen man ab
einem Bestimmten Schriftstück aus dem Weg ging. Gute Freunde, mit denen man gesellig sein Bier im Garten trank
gab es weniger.
Ich habe auch in dem berühmten "Arbeiterwohnschließfach" gewohnt. Von 50 Familien (5 Aufgänge a 10 Familien)
Da waren min 45 Familien mit NVA Hintergrund. Der Rest Zivilangestellte der NVA
Nach der Wende 5 Familien NVA der Rest VersicherungsFACHLEUTE und Anlageberater. Wie schnell sich der Charakter
ändern kann. Früher saß man "konspirativ" beim Bierchen vor der Tür, es mußten ja Kontakte und Beziehungen der Ehefrauen gepflegt werden.
Meine Frau war Verkäuferin in der einzigsten Kaufhalle am Ort. Da gab es Bestellungen on mass.
Nach der Wende ...na ja ...."Tach" war so das gesprächigste. Es war fast Jeder nur auf sein eigenes beschränkt.

Aber auch mein Leben konnte ich so steuern, dass es meiner Familie gut geht.
Beziehungen braucht man nicht mehr, es gibt ja im Überfluß. Der "Freundeskreis" ist nicht mehr so riesig,
aber stabil und man kann sich aufeinander verlassen, zu jeder Zeit.

Mag ja mancher in der Illusion gelebt haben, dass es ihm in der freiheit besser geht.
Aber viele sind auf den Boden des realen Lebens zurück gefallen.


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#25

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 15:50
von vogtlaenderjoe | 10 Beiträge

1. An solchen Organisationen wie, (Kulturband, Zivilverteidigung, Kampfgruppe usw. ) habe ich mich nie beteiligt. Nach der Armee, im richtigen Leben habe ich recht schnell gemerkt dass die DDR zu 95% nur aus Parolen bestand, und das Leben außerhalb der Organe, die unter ständigem Rotlicht Einfluss standen recht klein und proletarisch daher kam.
Ich betrieb Motorsport unter Minimalbedingungen. Für einen Schalensessel, wie sie damals modern wurden brauchte es einen ganzen Monatslohn. Unsere erste Wohnung waren 2 Zimmer halb unter der Erde. Alles vergessen????
Hattest du mal die Gelegenheit in ein DDR Altenheim oder Pflegeheim zu kommen? Das war eine unmenschliche Vorführung. So etwas habe ich in letzter Zeit nur in Süd China gesehen. Mit heute ist nichts aber auch gar nichts Vergleichbar.
Wie du richtig schreibst die Studenten kamen aus der Arbeiter- und Bauernklasse. Die wenigen, die aus der sogenannten Intelligenz kamen, mussten auch teilweise ihre Seele Verkaufen, bez. die ihrer Eltern.
Geheim in die Kirche, Parteieintritt, IM usw.
Das mit der Miele für Honecker find ich auch lächerlich, aber das ist der Polli-Neid. Ist leider bis heute geblieben.
Meine Tochter ist jetzt 1 Jahr fertig mit dem Studium und absolviert ihre Assistenz Zeit,
und wir als Eltern sind nicht verhungert. Jedem ist etwas anderes wichtig und gibt sein Geld dafür aus.
Etwa 4-5 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR war Klassentreffen in Leipzig und meine Frau
zeigte mir ihren damals noch nicht renovierten Hörsaal an der Uni, ich dachte mich trifft der Schlag. Passte zu dem erwähnten Zustand der Altenheime. Aber manche Leute sehen solche Sachen nicht. Sonst gäbe es ja auch keine Mensis oder andere liederliche Gesellen.
Warum willst du Gleicher unter Gleichen sein?? Kannst du nicht du selbst sein????
Wo willst du dazu gehören? Die Gesellschaft geht vom gerne Harz 4 bis zum VW Chef Winterkorn.
Wo also, willst du dazu gehören?
Ich bin in einen Club der Ossis und Wessis friedlich vereint wir haben keinen Stress und freuen uns wenn wir zusammen kommen. Gleiche Interessen für unser Hobby.
Was hältst du davon? Du kannst nur zu so einer Gruppe gehören nicht nach Geldbeutel, da reicht in den wenigsten Fällen das Studium. Heut ist Power und Risiko gefragt. Am besten beides, und wenn das dann noch gut geht, dann kannst du auch mal make Money.
Gruß


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#26

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 19:41
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo vogtlaenderjoe,

Dein Feuer und Deine Leidenschaft in Ehren, aber wem antwortest Du da gerade? Und war nicht das Thema die Beziehungen der Menschen zueinander damals und heute? Na sei es. Und nein, ich werde auch nicht vergessen, dass mir zwei Wohnungen quasi unter'm Arsch weggefault sind. Dennoch habe ich mehr als nur die Farben Schwarz und Grau für die Vergangenheit.

Einen Gedanken zu meinem Beitrag möchte ich noch nachreichen. Ich hatte das offene Wort miteinander als eines der wesentlichen Merkmale damals bezeichnet. Interessant ist für mich noch die Anmerkung, dass man damals vielleicht die Sorge haben musste, dass jemand mithört und mitschreibt. Heute kann ein offenes Wort, zum Beispiel dem Arbeitgeber gegenüber, existenziell bedrohlich sein.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#27

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 20:03
von vogtlaenderjoe | 10 Beiträge

Ich habe auf die 2 Beiträge vor mir geantwortet.
„Heute kann ein offenes Wort, zum Beispiel dem Arbeitgeber gegenüber, existenziell bedrohlich sein.“ Kommt halt drauf an was du sagst.
Ist es etwas, was die Firma vorwärts bring, oder nur rumgenöle oder Miesmache was den Ablauf stört.
Gruß


zuletzt bearbeitet 03.02.2013 20:04 | nach oben springen

#28

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 20:43
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo vogtlaenderjoe , gute Antworten , so realistisch kommen selten noch Kommentare .
Vom Wir zum Ich ,damit hatte ich zig Jahre als Meister zu tun. Wenn es um Feiern der Brigade ging,waren wir ein Wir , Wie einig waren sich doch die Kollegen ,wenn sie während der Arbeitszeit saufen konnten ,
. Wer und wie die Brigadefeiern halbjährlich finanziert wurde , darüber machten sie die Kollegen keine Gedanken , ach war das eine schöne Zeit und der Zusammenhalt damals.Von einer Selbstbeteiligung an den Feierlichkeiten durfte man nicht hoffen , denn dann wäre keiner gekommen .
Jedoch wenn es darum ging Geldprämien innerhalb des Kollektives aufzuteilen , dann kam das ware Ich , eines jeden zum vorschein ,warum bekommt der soviel ,und nicht ich ??? . Der hat doch dies und jenes gemacht ,da kamen sie mit Argumenten . Im Charakter haben sie sich heute nicht geändert , wenn ich die Kollegen mal treffe.
Die sogenannten Frauentagsfeiern dauerten in meinem Betrieb so immer drei tolle Tage für die BGL: Der erste Tag zum Vorbereiten , der zweite Tag , Teilnahme an der Feier und der dritte Tag war zum Bezahlen gedacht .mfg ratata


vogtlaenderjoe und Gohrbi haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.02.2013 20:45 | nach oben springen

#29

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 20:46
von student | 89 Beiträge

"Kommt halt drauf an, was du sagst." Genau. Die Deutungshoheit darüber, ob es "die Firma" voranbringt oder ob es nur Miesmache ist, liegt aber auch in diesem Fall bei dem, der in der sozial stärkeren Position ist. Ich denke, daß rainman auch eher den meiner Meinung nach wichtigen Aspekt meint, daß man früher auch sagen konnte was man wollte, wenn man das in Anspruch nahm konnte man auch sanktioniert werden, aber es ist nie bis an die Grenze deiner Existenz gegangen.
Man hatte einen zwar sehr niedrigen sozialen Mindeststandard ("niedrig" relativiert sich in der Gegenwart sehr stark), aber den konnte man auch sehr selbstbewußt einklagen. Das Recht auf einen Arbeitsplatz z.B. hatte Verfassungsrang. Es kam darauf an, erstens zu wissen, welche Rechte man hatte, und zweitens, diese dann auch einzufordern.
Ich war z.B. in der DDR 6 Wochen lang arbeitslos, nachdem ich von meinem "verordneten" Arbeitsplatz beim Rat des Kreises fristlos entlassen worden war. Ich konnte in der näheren Umgebung anklopfen wo ich wollte, man brauchte gerade keine Arbeitskräfte. Schließlich habe ich den Radius etwas ausgeweitet und eine Arbeitsstelle gefunden, bei der man noch nicht wußte, daß man in der Kreisleitung der SED der Meinung war, ein für mich geeigneter Arbeitsplatz sei die Karbidfabrik in Buna (schlimme Arbeitsbedingungen, je zwei Stunden An- und Abfahrt). Nachdem ich den Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, konnte ich aber auch nicht mehr entlassen werden, so lange ich nicht gerade silberne Löffel geklaut habe. Und am Ende mußte die fristlose Entlassung auch noch in eine einvernehmliche Kündigung mit voller Nachzahlung meiner Bezüge umgewandelt werden, weil sich die Genossen in ihrem Unfehlbarkeits- und Unangreifbarkeitswahn so gravierende Verfahrensfehler geleistet haben, daß die fristlose Kündigung als rechtswidrig aufgehoben wurde.
"Kommt halt drauf an, was du sagst. " Wenn das immer noch Gültigkeit hat, dann hat sich doch nichts geändert, oder ? Man muß aufpassen, was man sagt, und wenn man etwas "falsches" sagt, dann muß man mit den Konsequenzen leben. Ich glaube, vogtlaenderjoe hat erfolgreich das getan, was heute ebenso typisch für viele ist wie in der DDR: Er hat sich in den Verhältnissen eingerichtet, und daß sie sich geändert haben, da wird er bei seinem Grundsatz, man müsse aufpassen, was man sagt, sicher wenig bis garnichts beigetragen haben.


SEG15D hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.02.2013 20:49 | nach oben springen

#30

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 20:48
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #28
Hallo vogtlaenderjoe , gute Antworten , so realistisch kommen selten noch Kommentare .
Vom Wir zum Ich ,damit hatte ich zig Jahre als Meister zu tun. Wenn es um Feiern der Brigade ging,waren wir ein Wir , Wie einig waren sich doch die Kollegen ,wenn sie während der Arbeitszeit saufen konnten ,
. Wer und wie die Brigadefeiern halbjährlich finanziert wurde , darüber machten sie die Kollegen keine Gedanken , ach war das eine schöne Zeit und der Zusammenhalt damals.Von einer Selbstbeteiligung an den Feierlichkeiten durfte man nicht hoffen , denn dann wäre keiner gekommen .
Jedoch wenn es darum ging Geldprämien innerhalb des Kollektives aufzuteilen , dann kam das ware Ich , eines jeden zum vorschein ,warum bekommt der soviel ,und nicht ich ??? . Der hat doch dies und jenes gemacht ,da kamen sie mit Argumenten . Im Charakter haben sie sich heute nicht geändert , wenn ich die Kollegen mal treffe.
Die sogenannten Frauentagsfeiern dauerten in meinem Betrieb so immer drei tolle Tage für die BGL: Der erste Tag zum Vorbereiten , der zweite Tag , Teilnahme an der Feier und der dritte Tag war zum Bezahlen gedacht .mfg ratata


Das wär doch mal was gewesen, was sie nach der Wende hier übernehmen hätten können............!


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 03.02.2013 20:49 | nach oben springen

#31

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 22:11
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Gabs doch schon im Westen jahrzehntelang, die "Sauferei" mit Produktion Schudelkind. In einem andren Forum schonmal getextet. Ich erinnere mich Brauereien nach der Wende im Westen. Wir hatten da zu tun und da standen im Pausenraum die Kästen zum Trinken stapelweise und ich dachte immer:"Geht denn sowas, bei straffen Produktionsbedingungen, wo klares Denken gefragt ist und jederFehler (unter Alkoholeinfluss)schlimme Folgen haben könnte?"

Wahrscheinlich ging das...doch ganz gut? Und na klar, im Osten wurde nicht minder gesoffen, nur eben nicht Offiziell. Wie bitte ging das denn..im Westen?

Lebensläufer


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#32

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 03.02.2013 22:22
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Im Westen waren clevere Leute am Werk und keine dummen Kommunisten
Harra 318


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#33

Diktatur des irren Artisten

in DDR Zeiten 04.02.2013 01:51
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Dieser Staat kommt mir vor, wie eine Diktatur aus einem schlechten Lustspielfilm, in welchem ein verrückt gewordener Seiltänzer sich zum diktator aufgeschwungen hat und nun von allen Bürgern das balancieren auf Seilen ohne Netz und Longe verlangt.
Da war mir die DDR mit bescheidenen, aber sicheren Lebensbedingungen lieber.



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#34

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 04.02.2013 07:35
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Naja, StabsfeldKoenig,

das Argument der Gegner der These der sicheren Lebensbedingungen ist aber auch irgendwie zwingend: Wie sicher können Lebensbedingungen sein, wenn der, der sie garantiert, selbst nicht sicher ist? Dieser Spruch wirkt übrigens auch gegen die fluffig klingende These mit den cleveren Leuten von @Harra, aber das sage ich ihm jetzt noch nicht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#35

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 04.02.2013 08:47
von vogtlaenderjoe | 10 Beiträge

„Kommt halt drauf an, was du sagst. " Wenn das immer noch Gültigkeit hat, dann hat sich doch nichts geändert, oder ? Man muß aufpassen, was man sagt, und wenn man etwas "falsches" sagt, dann muß man mit den Konsequenzen leben. Ich glaube, vogtlaenderjoe hat erfolgreich das getan, was heute ebenso typisch für viele ist wie in der DDR: Er hat sich in den Verhältnissen eingerichtet, und daß sie sich geändert haben, da wird er bei seinem Grundsatz, man müsse aufpassen, was man sagt, sicher wenig bis garnichts beigetragen haben.“


Also mein l. Student stell dich mal nicht so an. Du weißt genau dass ich etwas anderes gemeint habe. Wenn du zu deinem Chef sagst du Blödmann oder ähnliches oder du hast genug Geld gib mir auch was ab, das du dann rausfliegst ist doch Fakt. Da habe ich schon zu DDR Zeiten einen Mitarbeiter nee Kollektivmitglied fristlos entlassen. (Handgreiflichkeiten angedroht, gegen den Vorgesetzten. Du weißt doch worum es in einer Firma geht. Da kann keiner einen Nöler oder Nörgler gebrauchen, geschweig den durchfüttern.
Stabsfeldkönig du solltest dich mal mit dem Begriff Diktatur auseinandersetzen. Es gibt noch einige Diktaturen auf der Welt, aber da willst du sicher nicht hin.
Gruß


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#36

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 05.02.2013 15:22
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Zitat von vogtlaenderjoe im Beitrag #35
„Kommt halt drauf an, was du sagst. " Wenn das immer noch Gültigkeit hat, dann hat sich doch nichts geändert, oder ? Man muß aufpassen, was man sagt, und wenn man etwas "falsches" sagt, dann muß man mit den Konsequenzen leben. Ich glaube, vogtlaenderjoe hat erfolgreich das getan, was heute ebenso typisch für viele ist wie in der DDR: Er hat sich in den Verhältnissen eingerichtet, und daß sie sich geändert haben, da wird er bei seinem Grundsatz, man müsse aufpassen, was man sagt, sicher wenig bis garnichts beigetragen haben.“


Also mein l. Student stell dich mal nicht so an. Du weißt genau dass ich etwas anderes gemeint habe. Wenn du zu deinem Chef sagst du Blödmann oder ähnliches oder du hast genug Geld gib mir auch was ab, das du dann rausfliegst ist doch Fakt. Da habe ich schon zu DDR Zeiten einen Mitarbeiter nee Kollektivmitglied fristlos entlassen. (Handgreiflichkeiten angedroht, gegen den Vorgesetzten. Du weißt doch worum es in einer Firma geht. Da kann keiner einen Nöler oder Nörgler gebrauchen, geschweig den durchfüttern.
Stabsfeldkönig du solltest dich mal mit dem Begriff Diktatur auseinandersetzen. Es gibt noch einige Diktaturen auf der Welt, aber da willst du sicher nicht hin.
Gruß





Im Bezug auf Wirtschaft und Arbeit war der Sozialismus demokratischer, als der Kapitalismus. Und die große Politik ist im Alltag uninteressant, wenn die Dinge des täglichen Lebens einigermaßen funktionieren. Frage doch mal H.IV-Empfänger nach ihrer Reisefreiheit, die endet an der Stadtgrenze (mit Fahrrad evtl. 10-20 km weiter). Von der DDR aus bin ich mit Jugendtourist bis nach Moskau und Baku gekommen.



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#37

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 05.02.2013 16:32
von Sohnematz | 7 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #18
Okay, eigentlich muss ich als feindwärts Geborender( ....zu geiles Wort) zu dem Thema eigentlich die Klappe halten. Trotzdem möchte ich zu dem Thema etwas beisteuern, da ich durch eigenes Erleben/Empfinden, via Geschichten der Ostverwandschaft und durch die Erzählungen meiner Frau meine eigene Sicht auf die Dinge bilden konnte.
Zunächst ist es einmal richtig, dass der Zusammenhalt untereinander enger war als bei uns im Westen. Zumindest schien es so. Ich konnte das an dem Freundeskreis meiner Frau gut feststellen. Anfangs war das eine große Clique. Und ich als dazugekommender Wessi voll integriert. In der Nachwendezeit gab es diverse Spaltungen, z.T., weil die Leute wegzogen, wegen des Jobs oder weil sie sich ihre Träume verwirklichen wollten. Die Zurückgebliebenen machten ihr Ding, bauten Häuser, kauften sich fette Motorräder usw., suchten sich Hobbys.. Dann kam die "Rückflutungsphase", in der Diejenigen, welche im Westen keinen Fuß gefasst hatten oder sonstwie nicht klarkamen, nach Hause zurückkehrten. Da wurde erstmal wieder auf dicke Gemeinschaft gemacht, denn plötzlich war ein neues "Feindbild" geboren, der gemeine Wessi. Ich kann mich noch sehr gut an eine Party erinnern, wo ich akkurat geschnitten wurde. Und meine Frau wurde gefragt:" Na, wann kommst du denn zurück?" Auf die Antwort: " Wieso sollte ich zurückkommen, ich fühle mich da wohl und habe inzwischen Freunde da" folgte nach ungläubigen Blicken die Bermerkung " dass man dort keine Freunde finden könnte". Nun ja...... Heute geht jeder seiner Wege, die ursprüngliche Gemeinschaft existiert in der Form nicht mehr. Wenn es so gewesen wäre, dass der Osten eine besondere "Form" Mensch hervorgebracht hätte, die anders war, so müsste es ja heute noch so sein, oder?
Da dem nicht so ist, komme ich zu folgenem Schluß:
1: Mangelnde Freizeitgestaltung bzw., nicht alles was man wollte konnte man sich leisten, existierte schlicht und einfach nicht oder war in der ein oder anderen Form verboten oder nicht umsetztbar.
2: Die schon angesprochenen "Beziehungen". Man war aufeinander angewiesen und oft wurde jemand innerhalb der Gemeinschaft nur akzeptiert, weil er eine gute Quelle" war. Mangelwitschaft lässt die Leute näher zusammenrücken.
3: "Nischenbildung" als Überlebensstrategie in einem Staat, in dem alles reglementiert wurde. Stellvertretend nenn ich hier mal die Bluser-Szene, mit der ihr eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Ein Gedanke zum Schluß: Wenn der Professor im gleichen Haus wohnte wie der normale Straßenfeger und das eine so tolle Gemeinschaft war und der Klassenunterschied im real existierenden Sozialismus kaum noch wahrnehmbar war, warum galt das eigentlich nicht für die höhergestellten Parteikarder? Warum gab es ein Wandlitz? Oder auf kleiner Ebene: Wohnte der Kreispartei-oder Bezirksparteisekretär im selben Wohnblock wie der gemeine Arbeiter? War es nicht so, das die alle ein schickes Haus bewohnten? Solidarität in der Arbeiterklasse sieht für mich anders aus..........


Das hängt sicher auch mit vom Charakter derjenigen ab. Es gab solche und solche und Du wirst in jeder Richtung die Beispiele finden. Ich muß Dir sagen, auch wenn ich unverschuldet H4er wäre, weil ich zu alt bin oder den falschen Job habe oder meine Firma den Bach runtergegangen ist oder wie auch immer, aber ich würde mich unter denen, die außer ihrer Röhre abends mit den Seifenopern nichts kennen und man sich demzufolge auch nicht über was Anderes sinnvoll unterhalten könnte, auch nicht wohlfühlen und zusehen, woanders zu wohnen. Ich weiß, daß die EFH am allerwenigsten von Partei- und Wirtschaftsfunktionären bewohnt waren, zumind. hier war das so. Mein Vater hat als Betriebsdirektor ganz normal in der Platte gewohnt und im Gartenverein zusammen mit anderen Gartenfreunden, die aus allen Schichten stammten, seinen Skat gedroschen und seine Soll-Aufbaustunden abgeleistet. Alle in einen Topf werfen finde ich eine unzulässige, weil nicht zutreffende Verallgemeinerung. Suche auch mal im Künstler- Selbständigen und Handwerkerkreis, da findest Du bestimmt genug Leute, die diese ach so privilegierten Partei- und Wirtschaftsleute finanziell ausgelacht haben.



In den Grundzügen deiner Aussage hast du sicherlich Recht. Ich gebe mal ein Beispiel kurz nach der Wendezeit. Ich bin Lokführer und wir waren es gewohnt,wenn wir dann in der Kantine sitzen das auch erzählt wurde und nicht totes Schweigen den Raum füllte. Anders bei unseren verbeamteten Westkollegen, denen ich übrigens keinen Vorwurf mache. Heute nach etlichen Jahren der Wende verstehe ich das. Die Menschen in den alten Bundesländern haben immer so gut es ging ihr Leben gelebt und eigentlich keine Zeit für kollegiales Geplänkel verschwendet, was meiner Meinung nach auch richtig ist, weil sie es ja auch nicht nötig hatten. Es gab für alles bei Euch wenn ich es nicht selber kann eine Telefonnummer. Anders bei uns,wenn ich etwas nicht wusste oder nicht hatte habe ich meinen Nachbarn oder Kollegen gefragt und bin deshalb der Meinung das es schon so wie du es geschrieben hast ein damaliges Zusammengehörigkeitsgefühl, welches heute nicht mehr oder nur sehr wenig gibt gab. Alles in einem Satz könnte man sagen: Not hat uns zusammengeschweißt in materieller Sicht und daraus sind nicht wenige Freundschaften entstanden. Nun noch ein Wort zu den ich sag mal Heimkehrern: Sicherlich ist es in jedem Einzelfall anders zu bewerten,welche Beweggründe es gab in den Osten, wo ja heute auch noch nicht viel mehr Arbeit ist als vor 20 Jahren gibt zurückzukehren. Ich kenne ein paar Leute die am meissten gebrüllt haben ich haue ab und waren ganz schnell wieder hier, was ich damit sagen will ist, es sind still und heimlich Bekannte,die nie in Erscheinung getreten sind auch in den Westen und die sind heute noch da und das ist gut so. Zum Schluss hoffe ich das nun endlich alles mal zusammenwächst,auch das Lohngefüge und vieleicht haben wir ja mal irgendwann wieder das ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Ost und West, denn jetzt wachsen ja Generationen heran denen es schon schwerfällt zu erklären was da so eigentlich los war in den Jahren 1961- 1989.........


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#38

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 05.02.2013 17:13
von vogtlaenderjoe | 10 Beiträge

Hallo StabsfeldKoenig
Du meinst aus der Sicht der Werktätigen war das Wirtschaftsleben gemütlicher und friedlicher. Warum denkst du dann konnten die DDR -Produkte auf dem Weltmarkt nicht bestehen.
Kein Power in der Entwicklung kein Power in der Produktion. „Kollesche kommt gleich“
Der Alltag lebt nur von der großen Politik und Umgekehrt. Frag mal deinen Chef, wie ihn die Politik
im täglichen Geschäftsleben beeinflusst.
Der Dicke, der im Fernsehen in Leningrad ein Frau sucht, ist auch Hart IV ,musst mal schauen. RTL
An sonsten kenne ich keinen. Aber wo soll einer der den ganzen Tag zuhause sitzt auch hin. Wenn er wohin will oder kann, kann er auch arbeiten. Es sind so viele Stellen frei.
Ich kenne auch junge Leute, die nach dem Studium um die halbe Welt reisen mit wenig Geld.
Gruß


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#39

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 05.02.2013 17:21
von ddr-bürger (gelöscht)
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Muss mal vorsichtig fragen, war da der "Ironiemodus" an?


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#40

RE: Vom WIR zum ICH

in DDR Zeiten 05.02.2013 17:23
von Sohnematz | 7 Beiträge

Zitat von student im Beitrag #22
Immerhin hat mir der Vogtländerjoe die Antwort geliefert, warum ich für das MfS so interessant gewesen bin: Ich fuhr keinen Trabant, sondern einen Skoda, auch wenn es ein MB 1000 Baujahr 1969 war. Der Vorbesitzer war übrigens der Abwehrchef vom GR-6 . Aber ohne Ironie: Sollte es ihm selber vielleicht aufgefallen sein, daß er, abgesehen von den 20 % IM, die ihm das Leben schwergemacht haben, nur von irgendwelchen materiellen Dingen redet, an denen er seine Lebensqualität festmacht ? Ich will das nicht kleinreden, es war schon nervig, wenn man wegen zum Teil wirklich banaler Dinge Kopfstände machen mußte. Bei uns kam ja noch hinzu, daß von einem funktionsfähigen Fahrzeug die Einhaltung der Alarmzeiten abhängig war.

Für mich war es aber wichtiger, daß man tatsächlich damals schon mit Leuten zusammenkommen konnte, die gleiche Interessen hatten, und daß dafür auch die entsprechenden Voraussetzungen vorhanden waren. Lebensqualität bemißt sich nicht nach der Menge dessen, womit man eine häufig defizitäre Persönlichkeit drapieren kann. Ich bin ganz sicher unverdächtig, die DDR glorifizieren zu wollen, aber ich finde es doch nachdenkenswert, daß man in solchen Einrichtungen wie dem Kulturbund mit Menschen aus allen Schichten zusammenkommen konnte, die sich im Hinblick auf das gemeinsame Interessengebiet als kompetent und fachkundig erwiesen. In diesem Zusammenhang spielte es keine Rolle, ob jemand Schlosser oder Professor war, es zählte das, was er an Kenntnissen hatte. Und damit war er akzeptiert, nicht deswegen, weil er einen 1500er Lada fuhr oder nicht. (Übrigens war das zu DDR-Zeiten schon so, daß diejenigen, die ständig auf etwas Herausgehobenes in ihrem Besitz verweisen mußten, selten andere Grundlagen für ihr Sozialprestige vorweisen konnten.)
Das sind auch die Gelegenheiten, an die ich mich heute viel lieber erinnere als an das Gerenne nach Ersatzteilen, die bei meinem böhmisch-mährischen Schnellroster immer bitter nötig waren.
Wir wissen, und inzwischen merkt es auch der ungläubigste Thomas, daß der Kapitalismus (ich verwende dieses Wort übrigens immer ganz wertfrei) auf lange Sicht keine andere Beziehung zwischen den Menschen duldet als die gefühllose bare Zahlung. Wenn sich der Vogtländerjoe also eher wohlfühlt zwischen I-Phone-Autisten und Eigenheim-Leibeigenen, dann ist es ihm ja unbenommen, es hat jeder seine eigenen Wertvorstellungen.
Dann sollte er aber auch so einsichtig sein, anderen ihre Wertvorstellungen zu lassen, die sich in etwas anderem ausdrücken als im Konsum. Ich bin der Meinung, man kann schon diesem Verhältnis ein wenig nachtrauern, das früher bestanden hat, und man sollte sich dabei nicht durch die Erinnerung an Phrasen wie die "sozialistischen Menschengemeinschaft" über Gebühr beeinflussen lassen.
Wichtig war dabei nicht, welches Etikett wo draufgeklebt wurde, sondern was das wirkliche Wesen ausmachte. Und da muß ich sagen, daß ich die von Spitzeln durchsetzten, gleichgeschalteten und verhärmten Hausgemeinschaften nirgends erlebt habe. Ich wage sogar die Frage zu stellen, was dem Selbstwertgefühl abträglicher ist: In einer Schlange zu stehen, um dann mit selbstverdientem Geld vielleicht nicht üppig, aber immerhin einkaufen zu können, oder in einer Schlange zu stehen, um Almosen entgegennehmen zu müssen, weil man sich nicht mehr anders über Wasser halten kann. Kleinen Geistern gibt es sicher etwas, wenn sie genießen können, nicht zu denen zu gehören, aber zu den Segnungen des Kapitalismus gehört es auch, daß er eine Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung ist - niemand hat eine Garantie dafür, daß alles immer so bleibt, wie es gerade ist. Und das leider im Guten viel seltener als im Schlechten. Selbst wenn ich mich der Ostalgie verdächtig gemacht haben sollte (was für mich schmeichelhaft wäre), man sollte auch in Hinsicht auf dieses Thema nicht zu rigoros urteilen.


Dem kann man nichts hinzufügen!!!!! So sehe ich das auch.....


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