#21

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 10:35
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #12
Aber im Ernst, die Frage ob jemand über längere Zeit keine Post erhielt, wurde bei uns im Rahmen des Befehls 44 abgehandelt. Da hatten die unmittelbaren Vorgesetzten entsprechend die Verantwortung, solche Beobachtungen zu machen, zu notieren und zu melden.
Gab es dabei auch Wehrpflichtige, die äußerst selten oder nie Post bekamen? Wenn ja, wie wurde dann hinsichtlich des o. g. Befehls verfahren? Wurden über das 'wieso-weshalb-warum' Nachforschungen angestellt?
Aus meiner Sicht ein ziemlich tiefer Eingriff in die Privatsphäre jedes Einzelnen.



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#22

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 11:08
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Anton im Beitrag #21
Zitat von Rainman2 im Beitrag #12
Aber im Ernst, die Frage ob jemand über längere Zeit keine Post erhielt, wurde bei uns im Rahmen des Befehls 44 abgehandelt. Da hatten die unmittelbaren Vorgesetzten entsprechend die Verantwortung, solche Beobachtungen zu machen, zu notieren und zu melden.
Gab es dabei auch Wehrpflichtige, die äußerst selten oder nie Post bekamen? Wenn ja, wie wurde dann hinsichtlich des o. g. Befehls verfahren? Wurden über das 'wieso-weshalb-warum' Nachforschungen angestellt?
Aus meiner Sicht ein ziemlich tiefer Eingriff in die Privatsphäre jedes Einzelnen.



Dort war glaube ich nichts privat, die DDR mußte Wehrpflichtige an die Grenze stellen und das Mißtrauen war verständlicherweise mehr als hoch.


zuletzt bearbeitet 18.01.2013 11:09 | nach oben springen

#23

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 11:26
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von Anton im Beitrag #21
... Gab es dabei auch Wehrpflichtige, die äußerst selten oder nie Post bekamen? Wenn ja, wie wurde dann hinsichtlich des o. g. Befehls verfahren? Wurden über das 'wieso-weshalb-warum' Nachforschungen angestellt?
Aus meiner Sicht ein ziemlich tiefer Eingriff in die Privatsphäre jedes Einzelnen.


Hallo Anton,

welche Privatsphäre? In Abwandlung eines damals geläufigen Spruches hätten wir durchaus sagen können: Im Dienst haben wir keine Privatsphäre und wir sind immer im Dienst!

Ich denke, das hier ist so eine der interessanten Fragen in der Grauzone zwischen Führungsverantwortung und Bespitzelung. Für uns Vorgesetzte war es notwendig zu wissen, ob jemand Probleme hatte oder nicht. Egal wie man das hinterher nennen will, wenn ich Leute mit Waffen losschicke, zum Teil gegen ihren eigenen Willen, muss ich mir halbwegs sicher sein, dass sie "nichts Dummes" damit anstellen. Wie will ich das aber entscheiden, wenn ich nicht ein paar grundlegende Dinge über den Menschen weiß, der mir auf Gedeih und Verderb unterstellt ist? Die Post und die Reaktion darauf war ein wichtiger Indikator, ob es Probleme geben könnte oder nicht. Sollten wir das mit Rücksicht auf "mehr Privatspäre" ignorieren? Wie weit man damit ging, wurde sicher unterschiedlich gesehen. Bis zum hier von @Pitti beschriebenen Führen von Listen sind wir nicht gegangen. Aber die Frage, ob jemand Post von zuhause bekommt, egal welchen Familienstand er hatte, wurde in den Berichten zum Befehl 44 (Personalanalye) immer wieder von den unterstellten Vorgesetzten (also Zugführern) abverlangt. Damit blieb das in ständiger Berücksichtigung. Im Übrigen gab es auch Soldaten auf den Stuben, die ohne Auftrag oder Hintergedanken zu uns kamen und uns über Probleme bei Leuten ihres Zimmers berichteten. Bei allem Vorgesetzten-Unterstellten-Gedöns gab es durchaus auch ein Vertrauensverhältnis. Und wenn sich einer um den anderen Sorgen machte und der Meinung war, er könne da selbst nicht helfen, bekamen wir auch mal aus dieser Richtung einen Hinweis. Wie gesagt, das sehe ich auch heute nicht als Bespitzelung an, sondern als Verantwortung gegenüber einem anderen Menschen.

Die von Dir angefragten Nachforschungen gab es. Sei es, dass der Schreiber merkte, dass jemand gehäuft nach Post fragte, sei es, dass das Ausbleiben von Briefen und damit einhergehende Gemütsschwankungen bemerkt wurden. Die Nachforschungen unsererseits liefen eigentlich immer auf Gespräche hinaus. Wer die dann führte, ob der Zugführer, der Polit oder der Hauptfeldwebel, das hing von den konkreten Umständen ab. Es gab auch Leute, die gar keine Post bekamen. Wenn die keine Freundin oder Frau hatten und uns sagten, in ihrer Familie schreiben die Leute nicht so gern Briefe, dann hatte sich der Film für uns, wenn das soweit glaubwürdig wirkte. Der wichtigste Fakt aber war, und da komme ich nochmal auf die Privatsphäre zurück, bei der Enge des Zusammenlebens auf einer Kompanie und bei der ständigen Nähe durch den Dienst fielen Stimmungsänderungen sofort auf. Das war der eigentliche Indikator, bei dem man dann auch fragte: "Hat der in letzter Zeit eigentlich Post bekommen?".

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


jecki09, 94 und Anton haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#24

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 11:45
von Gohrbi | 574 Beiträge

...als US gab es die Post Mittags vom diensthaben Zgf oder vom Spieß, je nach Wetterlage auch mal vom Gruppenführer.
Wir hatten nen kalten Winter also meist vom Gruppenführer. Pakete gab es beim Spieß.
Später in der Truppe lagen die Briefe auf dem Bett oder Zimmertisch und Pakete beim UvD. Waren die
problematisch, zu groß und mit gluckern, dann beim Spieß mit Blick ins innere.
Zu meinen Spießzeiten verteilte ich die Post bei der Dienstausgabe, es war mal Briefpost verschwunden.....
Liebesbriefe. Auch die Pakete......2x die Woche wurde tiefer kontrolliert, was Unmut erzeugte, da es immer die falschen
erwischte.........also kontrollierte ich 4 Wochen ALLE Päckchen und dann war keiner mehr gegen Stchproben.


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#25

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 12:03
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Anton im Beitrag #21
Zitat von Rainman2 im Beitrag #12
Aber im Ernst, die Frage ob jemand über längere Zeit keine Post erhielt, wurde bei uns im Rahmen des Befehls 44 abgehandelt. Da hatten die unmittelbaren Vorgesetzten entsprechend die Verantwortung, solche Beobachtungen zu machen, zu notieren und zu melden.
Gab es dabei auch Wehrpflichtige, die äußerst selten oder nie Post bekamen? Wenn ja, wie wurde dann hinsichtlich des o. g. Befehls verfahren? Wurden über das 'wieso-weshalb-warum' Nachforschungen angestellt?
Aus meiner Sicht ein ziemlich tiefer Eingriff in die Privatsphäre jedes Einzelnen.


@Anton, ich denke, man kann die Masstäbe der heutigen Zeit, die Grundsätze eines bürgerlich-demokratischen Staates, nicht 1:1 an die Verhältnisse in der DDR von damals anlegen.

Klar war das ein Eingriff in die Privatsphäre.

Grenzdienst war keine Privatangelegenheit sondern "Klassenauftrag". Und dem ordnet sich eben alles unter. basta.
Ich hab mir damals auch keine tieferen Gedanken gemacht, ob diese totale Überwachung nach Masstäben einer bürgerlichen Gesellschaft nicht etwas überzogen war - ich kannte es gar nicht anders.

Ausserdem, wie @Rainman2 sinngemäss schreibt:
Da steht so ein junger Kerl mit 60 Schuss und einer Waffe nahe der Grenze zwischen 2 Weltmächten, die sich gegenseitig misstrauen und hat private Sorgen im Kopf...Was kann alles passieren, wenn er durchdreht ?
Dabei ist es übrigens egal, ob er "nur" seine Wehrpflicht ableistet oder er sich ursprünglich mehr oder weniger freiwillig zum Längerdienen verpflichtet hat.
Das Risiko, dass da irgendwas schief geht, ist enorm hoch. Und da sind dann meist ein paar mehr Leute betroffen...die eigentlich blos gesund wieder nach Hause kommen wollten.

Um's klarzustellen: Das war jetzt kein "Ja zum Überwachungsstaat" meinerseits. Den boykottiere ich wo ich kann, denn heute haben wir andere Rahmenbedingungen als damals.



Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Anton und Winch haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.01.2013 13:19 | nach oben springen

#26

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 14:06
von schulzi | 1.757 Beiträge

von mir aus hätten sie lesen können (was sie bestimmt auch getan haben) stand sowieso nichts weltbewegendes drin


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#27

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 16:13
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #25
Was kann alles passieren, wenn er durchdreht ?

Naja nicht nur das, eher war (zumindest für mich) die Frage wichtig, ist der bei 'ner Lage voll dabei, wenn ich eine solch 'arme Suppe' mit zum Grenzdienst nehme? Beim Wachestehen hat er ja auch Zugriff auf 60 'gute Gegenargumente', und verhindern kannste sowas sowieso nicht. Doch mal einen andern Aspekt, also auch ich meine mich zu erinnern, dass Post vorm Grenzdienst absolut tabu war. Ansonsten wußte ich als ZF schon recht genau Bescheid, wer eine Freundin hatte und wer wie oft Post bekam oder auch nicht. Kammen doch die Grundwehrdiener oft sogar mit dem Regelkalender (die DDR-typischen spielkartengroßen Jahreskalender) derselben zwecks (V)KU-Planung zu mir.
Achso, wurde selbst mal vom Spieß z'sammgeschissen, weil auf einem Brief an mich kein Dienstgrad angegeben war. Daraufhin hatte ich die Lacher wieder auf meiner Seite, als ich ihn fragte ob er Ultn. neuerdings als Dienstgrad anerkennt.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


jecki09 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 19:18
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Jackson im Beitrag #20
Die Erleichterungen bestanden oft darin , das ein Grenzer , wenn es in der Ehe eine Krise gab versetzt wurde und nicht mehr an die Grenze kam. Da war wohl eher das vermeintliche Risiko einer R-Flucht das Kriterium.



Bei einem Kameraden auf meiner Stube ist dessen Frau auch so einsam gewesen und hatte sich zu Hause was neues gesucht. Der Polit ist dann sogar mit nach Hause gefahren und hat im Gespräch versucht, sie wieder umzustimmen. Geholfen hat es aber nicht.
Er wurde dann für eine Weile für den Grenzdienst gesperrt und wurde als Wache im Objekt eingeteilt. Ob das nun die beste Lösung war, wage ich zu bezweifeln. Er war dann ja doch, gerade Nachts, mit seinen Gedanken beschäftigt, voll aufgemumpelt und auch Stundenweise ohne Aufsicht.
Der Trost der Kameraden, etwas Alkohol und wohl eine der Dorfschönsten hat dann aber doch darüber hinweg geholfen. Wir haben auch versucht ihn so gut wie möglich abzulenken. Wenn ich z.B. mit der Tesi Kurierpost zum Stab nach Ilsenburg bringen musste, hab ich ihn während dieser Phase auf Anfrage mitnehmen dürfen. War immer ein schöner Ausflug. Viele Wege führten nach Ilsenburg und Zeitlimit hatte ich nicht.[/quote]



@Jackson, ich habe mich zwar für Deinen Bericht bedankt, aber die Posse mit den "...eine der Dorfschönsten..."..., willst Du das so stehen lassen? Harzer sind in der Beziehung empfindlich...!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 18.01.2013 19:19 | nach oben springen

#29

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 20:58
von Jackson | 102 Beiträge

@josy95. Oh Sorry. Sollte doch jetzt nicht heißen, das sie hässlich oder dumm waren. Aber es gab in den Dörfer doch schon einige Mädels, die einen leichteren Draht zu den Grenzern hatten und lockerer im Umgang mit ihnen waren und auch öfters ausgewechselt haben. Vielleicht lag es an der Abgeschiedenheit des Grenzgebietes oder an der Uniform (was waren wir aber auch für schmucke Kerle). Das bei dehnen etwas einfacher zu landen war, hat sich natürlich auch rumgesprochen und mit jedem Bier wurden die ja sowieso hübscher.
Aber wie gesagt, sollte für niemand oder irgend einen Region beleidigend sein.



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#30

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 21:39
von Gelöschtes Mitglied
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Aus dem Harz stammen doch die


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#31

RE: Sie haben Post ...

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2013 21:39
von Gelöschtes Mitglied
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Gelöscht das doppelt.


zuletzt bearbeitet 18.01.2013 21:40 | nach oben springen



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