#1

Dienst quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 16:57
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Angeregt durch das letztens diskutierte Thema zum Schußwaffengebrauch habe ich mit Abstand der Jahre nachgedacht wie ich das damals selbst gefühlt habe.
Mit der Akzeptanz des immer kontrovers diskutierten Befehls der nicht schriftlich festgehalten ist aber mündlich erteilt wurde, war ich mir meiner Aufgabe bewusst, also auch das ich täglich in die Verlegenheit kommen könnte die Waffe gegen flüchtende einzusetzen.
Im Nachhinein kann man darüber sinnieren ob man eventuell mißbraucht wurde oder nicht, damals haben die meisten wohl einfach, aus den verschiedensten Gründen, ihre Aufgaben erfüllt.
Eine Frage interessiert mich dazu.
Gibt es unter uns Kameraden/Genossen, die während ihres aktiven Dienstes an der Linie aus Gewissensgründen, oder auch weil sie sich aus anderen Gründen nicht mehr zum Grenzdienst in der Lage sahen, an einen Vorgesetzten mit der Bitte um dauerhafte Beendigung des Grenzdienstes herangetreten sind?
Ich beziehe die Frage auf Grenzsoldaten die bis dahin ihren Dienst ohne Tadel verrichteten, also keine Zwangsversetzung wegen Vorkommnissen.
Wie wurde in solch einem Fall verfahren, sofortige Herausnahme aus dem Dienst, oder erst noch Gespräche?
Wurde die Verwaltung 2000 informiert oder wurde sie tätig?
Gab es später spürbare Nachteile während der Restdienstzeit und im Zivilleben?
Gibt es Zahlenangaben wie oft so etwas geschehen ist?


zuletzt bearbeitet 14.01.2013 20:08 | nach oben springen

#2

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 17:02
von Alfred | 6.848 Beiträge

GW,

ja, diese Fälle gab es.

So konnte es u.a. passieren, dass man von den GT in den Bereich der Landstreitkräfte versetzt wurde.


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#3

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 17:14
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Alfred im Beitrag #2
GW,

ja, diese Fälle gab es.

So konnte es u.a. passieren, dass man von den GT in den Bereich der Landstreitkräfte versetzt wurde.


Hast du paar Zahlen zur Hand, oder wurde das eher unter dem Deckel gehalten?


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#4

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 17:17
von Alfred | 6.848 Beiträge

Hallo,

nein, Zahlen habe ich Moment nicht zur Hand.

Ich müsste mal suchen, ob ich in meinen Unterlagen was finde.


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#5

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 17:17
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Das wäre nett, danke.


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#6

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 17:56
von utkieker | 2.922 Beiträge

Ich kann mich noch erinnern an der Uffz.- Schule hatten wir den Schüler D. Er hatte Hemmungen überhaupt zu schießen, trotzdem tat er treu und brav seine Pflicht! Unter dem Hohngelächter der Ausbilder schoß er seine Pistolenübung mit der Makarow, mit geschlossenen Augen und traf trotz harten Abzugs. Gesträubt hatte er sich mit dem RPG zu schießen. Ständig war er den Schikanen der Ausbilder ausgesetzt und so manchen Ausbilder hätte ich am liebsten ein's auf's Maul gehauen. Aber D. war geduldig. Ich traf D. dann irgendwann mal im 24. GR in Begleitung von ein paar Sackis, ich glaube den haben sie gleich in den Stabsdienst versetzt!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#7

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 18:02
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #1
... Gibt es unter uns Kameraden/Genossen, die während ihres aktiven Dienstes an der Linie aus Gewissensgründen, oder auch weil sie sich aus anderen Gründen nicht mehr zum Grenzdienst in der Lage sahen, an einen Vorgesetzten mit der Bitte um dauerhafte Beendigung des Grenzdienstes herangetreten sind?
Ich beziehe die Frage auf Grenzsoldaten die bis dahin ihren Dienst ohne Tadel verrichteten, also keine Zwangsversetzung wegen Vorkommnissen.
Wie wurde in solch einem Fall verfahren, sofortige Herausnahme aus dem Dienst, oder erst noch Gespräche?
Wurde die Verwaltung 2000 informiert oder wurde sie tätig?
Gab es später spürbare Nachteile während der Restdienstzeit und im Zivilleben?
Gibt es Zahlenangaben wie oft so etwas geschehen ist?

Hallo Grenzwolf,

der einfache Teil der Antwort ist: Ja, es gab Abversetzungen auf eigenen Wunsch. Diese Abversetzung erfolgte zunächst in den Regimentsstab, in die dortige Stabskompanie. In Ausnahmefällen erfolgten auch Abversetzungen in die Bataillonsstäbe. Da ich Polit in der Stabskompanie des GR3 war, hatte ich mit diesen Leuten zu tun.

Eine Abversetzung aus Gewissensgründen, nachdem bereits Dienst in der Grenzkompanie geleistet wurde, ist mir nicht in Erinnerung. Das wurde wohl eher in der Ausbildung oder spätestens während der Erstaussprache bei der Zuversetzung in die Kompanie vor dem ersten Grenzdienst geklärt.

Auf eigenen Wunsch erfolgte die Abversetzung in der Regel aus persönlichen Problemen oder wegen, wie es heute genannt wird, Mobbings. Es gab auch Fälle, in denen Vorgesetzte ihre Unterstellten ansprachen und ihnen die Empfehlung gaben sich versetzen zu lassen. Unser Bataillonskommandeur hatte da ein "Händchen für". Er sah, wenn jemand aus der Kompanie raus musste und bot auch an, Leute zeitweilig in den Bataillonsstab zu holen, wenn ihnen damit geholfen war.

Die Kompanieführung stand solchen Wünschen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. Das sage ich auch mit aller Selbstkritik in meine Richtung in meiner Zeit als Polit einer Grenzkompanie. Die Grenzdienststärke war eh durch Ausfälle genug belastet und nun noch einen gehen lassen, in der Regel ohne die Chance, im Halbjahr irgeneinen Ersatz zu bekommen ... Da wurden dann schon Gespräche geführt. Bei persönlichen Problemen mit Familie oder Wohnung wurden dann auch schon mal Aktionen unternommen, das Problem zu beseitigen oder zumindest das Gefühl zu vermitteln, dass wir uns drum kümmern.

Es gab, um auf das Thema Gewissensgründe zurückzukommen, eher den indirekten Weg, aus der Grenzkompanie abgezogen zu werden. Das war zum einen die ständige "Negativdiskussion", die erkennen lassen sollte, dass man mit dem Staat und dem Dienst bei den GT nichts am Hut haben wollte, zum anderen war es die offene Hinwendung zur DDR-Opposition. Da die Kirche im Generalverdacht der Opposition stand, reichte für diesen Verdacht schon eine Bibel im Spind. Ob das immer bewusst erfolgte mit dem Ziel der Abversetzung oder ob das spontan aus dem Bauch heraus gemacht wurde, kann ich nicht sagen. Das führte aber in jedem Fall zu intensiven Aussprachen mit Vorgesetzten und der Verwaltung 2000.

Im Fall der Abversetzung in den Regimentsstab erfolgte dann der Einsatz im Wachzug der Stabskompanie. Wenn, aufgrund persönlicher Probleme zum Beispiel, kein Einsatz mit Waffe erfolgen durfte, gab es entsprechende Arbeitsdienste (Küche, Heizung, Hundetrupp usw.).

Soviel erstmal dazu.
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 14.01.2013 18:05 | nach oben springen

#8

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 18:11
von Lutze | 8.035 Beiträge

vor diesen ehemaligen grenzern ziehe ich den Hut
gruss Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#9

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 18:44
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Ich kann mir vorstellen, dass Grenztruppenangehörige, die eine Grenzverletzung bereinigen mussten und dies auch erfolgreich (auch ohne Tote und Verletzte) getan haben, in eine sehr schwierige persönliche Situation gekommen sind und am liebsten alles geschmissen hätten. Insbesondere Angehörige ohne grosse Begeisterung für das politische System. Ich persönlich hätte Angst vor Mobbing in der Einheit und vor Ächtung im privaten Umfeld bekommen. Welche Strategien verfolge die Armee und die Gesellschaft, um diesen Truppenangehörigen das weitere Leben zu erleichtern?
Theo


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#10

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 18:46
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Das die Kirche ein Problem für die NVA und die Grenztruppen war, habe ich auch mitbekommen. Wie hat man eigentlich dieses Problem in der Region Eichsfeld gelöst. Das war ja das Zentrum der Erzkatholen in der DDR. Brauchten die alle nicht zur Grenze und gab es da keine Berufssoldaten und Offiziere aus der Region?


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#11

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 18:52
von Arnstädter | 266 Beiträge

Auch aus unseren ,glaube 6 Bett Zimmer ,haben Sie einen Kameraden,freiwillig? oder nicht? innerhalb eines Tages rausgenommen.
Ich war damals schon EK,er war junge 18 Jahre .Immer wenn es mit den Ello raus ging ,Richtung Grenzabschnitt,flippte er aus .
Ich persönlich denke mal ,er ist mit dieser Situation nicht klargekommen.
Dies war vielleicht für ihn ,und uns als seine Kameraden das beste.
Ich möchte damit auch sagen ,das die GT für uns Verantwortung getragen hat.


das System funktioniert weil du funktionierst
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#12

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 19:07
von jecki09 | 422 Beiträge

In der GK Ifta hatte ich einmal einen Soldaten der aktiv in seiner Gemeinde Kirchenvorsteher war.

Über die Versetzung vom GAR Eisenach in eine "aktive" Grenzkompanie hatten wir uns sehr gewundert. Nach wenigen Wochen war er aber in den Stab des II.GB oder in das GR-1 versetzt worden. Ob wir Ersatz bekommen haben weiß ich heute nicht mehr.

Aber dass war zwar nicht Dienst quittiert. Aber wer ihn zu den GT geschickt hatte, hat wohl nicht nachgedacht und nur seine Quote im Kopf.


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#13

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 19:25
von utkieker | 2.922 Beiträge

Hallo Lutze,

zunächst herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag http://www.youtube.com/watch?v=nOUKxZkRGTY
Sag mal hast du eigentlich gedient?


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 20:15
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #8
vor diesen ehemaligen grenzern ziehe ich den Hut
gruss Lutze


Ja, da gehörte schon was dazu, zu sagen für mich hörts hier auf.


zuletzt bearbeitet 15.01.2013 07:37 | nach oben springen

#15

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 20:40
von utkieker | 2.922 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #9
Ich kann mir vorstellen, dass Grenztruppenangehörige, die eine Grenzverletzung bereinigen mussten und dies auch erfolgreich (auch ohne Tote und Verletzte) getan haben, in eine sehr schwierige persönliche Situation gekommen sind und am liebsten alles geschmissen hätten. Insbesondere Angehörige ohne grosse Begeisterung für das politische System. Ich persönlich hätte Angst vor Mobbing in der Einheit und vor Ächtung im privaten Umfeld bekommen. Welche Strategien verfolge die Armee und die Gesellschaft, um diesen Truppenangehörigen das weitere Leben zu erleichtern?
Theo

Hallo Theo,

Ich glaub das ist der Kasus Knaxus, die Gruppendynamik im Militärdienst im Allgemeinen und bei den Grenztruppen im Besonderen. Man mag angewiedert sein von den Schikanen der Ausbilder von Brüllaffen und sadistischen Schleifern. Aber wer möchte schon als Weichei oder Warmduscher gelten. Eigenbrötler haben meist einen schlechten Stand, sie scheinen wie Fremdkörper innerhalb des Teams zu sein. Auch wenn die sogenannte EK- Bewegung bei den GT selten ausuferte bildete sich doch eine gewisse Hierarchie heraus. Und wenn man sieht die Anderen habens ja auch geschafft beugt man sich zyklisch den vermeintlichen oder tatsächlichen Alphatierchen. Deshalb war es auch selten, daß jemand aus der Reihe sprang.

Wie war das denn bei euch in der Schweiz im Kasernenalltag des Heeres?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#16

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 14.01.2013 21:55
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #15


Wie war das denn bei euch in der Schweiz im Kasernenalltag des Heeres?

Gruß Hartmut!



Bei uns in der Schweiz war natürlich alles anders. Kaserne nur am Anfang acht Wochen. Für den Rest der 17 wöchigen Grundausbildung kam man in die Dörfer (Verlegung). Dann war die Unterkunft in einem Luftschutzkeller (meist in Schulhäusern) . Nachher war man im "Auszug" und hatte man fast jedes Jahr einen dreiwöchigen Reservistendienst (acht an der Zahl) auch in Dörfern. Mit 33 wurde man zur "Landwehr" versetzt (mit drei Reservistendiensten) bis maximal ins 42. Altersjahr. Zusätzlich musste man jedes Jahr noch im Dorfschützenverein das "Obligatorische" schiessen. Unteroffiziere und Offiziere mussten mehr und längere Dienste absolvieren.
Ob diese "Stückelung" mit den vielen kurzen Reservistendiensten sinnvoll ist, muss man sich fragen. Anderseits: einmal Gelerntes kann man sofort wieder abrufen. Zu meiner Zeit (in den siebziger und achtziger Jahren) war der Kalte Krieg in vollem Gange und jeder Schweizer war und suspekt, der nicht diente, aber gesund aussah. Da kriegte man fast keine Stelle und teuer war es auch noch: Drei Prozent Militärersatzsteuer. Wer diente, kriegte neben dem vollen Lohn auch noch Sold- und Funktionszulage für den "Abenteuerurlaub".
Heute ist die Armee nicht mehr so beliebt und so muss sich die Armee selber etwas pushen. Die Bedrohungssituation gemäss Armeechef Korpskommandant André Blattmann (und er meint nicht die Kavallerie von Steinbrück!)
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/stan.../story/14410180
Theo


utkieker, 94 und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 16.01.2013 11:49
von ddr-bürger (gelöscht)
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In unserer Kompanie hat ein Soldat die Versetzung zur "Spatentruppe" beantragt, wegen Religiösen- und Gewissensgründen. das ging dann auch irgendwie sehr schnell. An Druck gegen den Soldaten kann ich mich nicht erinnern (wurde auch bestimmt nicht darüber geredet).

Ich kann mich nur erinnern, daß er aus den eigenen Reihen nicht wohlwollend behandelt wurde. Begriffe wie Weichei und Warmduscher gab es damals. Einige sagten auch offen das sie lieber ihre 1,5 jahre im Grenzdienst abreissen wollten, als sich in der Spatentruppe zu schindern.

Vor einem solchen Entschluß muss man schon Achtung haben, denn das Leben war dann auf keinen Fall für die 1,5 Jahre leichter und persönliche Vorteile konnte man sich damit nicht verschaffen!


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#18

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 16.01.2013 12:09
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #17
In unserer Kompanie hat ein Soldat die Versetzung zur "Spatentruppe" beantragt, wegen Religiösen- und Gewissensgründen. das ging dann auch irgendwie sehr schnell. An Druck gegen den Soldaten kann ich mich nicht erinnern (wurde auch bestimmt nicht darüber geredet). ...

Hallo ddr-bürger,

war das noch in der Ausbildung oder schon in der Grenzkompanie?

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#19

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 16.01.2013 12:18
von ddr-bürger (gelöscht)
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Ich habe bei den Pionieren an der Grenze gedient. Da war die Ausbildung nur 6 Wochen (Grundausbildung), danach ging es in den entsprechenden Bauabschnitt.
Die Aktion war nach den 6 Wochen Grundausbildung und für uns nicht so richtig fassbar, denn mit der Waffe hatten wir nur als Objektposten und beim Schießen zu tun. Ansonsten Dienst in Schwarzkombi und ohne Waffen.


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Dienst Quittiert

in Grenztruppen der DDR 17.01.2013 15:19
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #9
Ich kann mir vorstellen, dass Grenztruppenangehörige, die eine Grenzverletzung bereinigen mussten und dies auch erfolgreich (auch ohne Tote und Verletzte) getan haben, in eine sehr schwierige persönliche Situation gekommen sind und am liebsten alles geschmissen hätten. Insbesondere Angehörige ohne grosse Begeisterung für das politische System. Ich persönlich hätte Angst vor Mobbing in der Einheit und vor Ächtung im privaten Umfeld bekommen. Welche Strategien verfolge die Armee und die Gesellschaft, um diesen Truppenangehörigen das weitere Leben zu erleichtern?
Theo


Mir sind keinerlei Probleme dieser Art in Erinnerung. Wenn, mal abgesehen von der Festnahme an sich, nichts "passiert" ist, dann war das schlichte Diensterfüllung. Ich habe ja die Auszeichnungen (Interimsspange) an der normalen Dienstuniform aber auch Ausgangsuniform getragen und kann mich nicht mal nach gründlichen Absackern im Dachsbau an irgendwelchen Streß erinnern. Wobei das (mit dem Erinnern) freilich andere Ursachen haben kann. Warum auch? war ja gut gelaufen.
Anders auch wieder nein. Ich wurde nicht versetzt, Sonderurlaub gab es auch nicht. Die einzige Art von Bevorzugung war vielleicht, das ich auch nie bestraft wurde, wenn ich es vom Ausgang oder Urlaub mal nicht so punktgenau in die Kompanie geschafft habe. Und das´ich im letzten Dienstjahr mit eigenem Motorrad vom und zum Urlaub sowie Dienstfrei fahren durfte. Jedoch ohne Zivilerlaubnis.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 17.01.2013 15:23 | nach oben springen


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