#321

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 11.01.2013 14:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker



Schade, Nostalgiker, daß Dir der Grund für die konkrete Charakteristik des "parteischädigenden Verhaltens" der beiden Studenten entfallen ist, da ist zwischen undifferfenzierter Aufwiegelung einerseits und sachlicher Kritik auf der anderen Seite des Spektrums alles möglich.
Könntest Du etwas konkretes zu den von Dir persönlich ausgetragenen Konflikten ("eigenes Fehlverhalten") mit der regionalen Parteiführung schreiben und um welches Jahr in etwa es ging, waren es die späten 1980er ?
Aus dieser Zeit ist mir eine Geschichte in Erinnerung als ein Schlosser per Fernstudium 1985-87 seinen Meister machte und dabei immer mal in der Produktion fehlte.
Dieser Kollege war weder in der Partei noch in meiner FDJ- Grundorganisation, mir aber trotzdem recht sympatisch wegen seiner fachlichen Zuarbeit (Ursachen über Lokstörungen wurden z.B. immer richtig akribisch ausgewertet, Abhilfemaßnahmen besprochen usw.) und auch wegen seiner offenen Umgangsformen.
Im Zusammenhang mit der Namensträgerbewegung (Brigaden kämpften um revolutionäre Ehrennamen verdienstvoller lokaler verstorbener Genossen) schlug er vor, der Instandhaltungsbrigade den Namen Rudolf Diesel statt den eines regionalen Gewerkschaftsfunktionärs zu geben woraufhin ich das dieser Jugendbrigade zur Diskussion vorlegen wollte, der hatte doch viel größere Verdienste um die Antriebstechnik von Loks dieser Traktionsart.
Davon riet er mir aber ab, um keinen Ärger zu bekommen, auch war alles schon recht weit vorangeschritten mit den Vorbereitungen der Namensverleihung.
Auf irgendeinem Weg bekam er wegen seines in der Öffentlichkeit geäußerten Vorschlags aber dennoch Probleme mit seinen Freistellungen für das Fernstudium, plötzlich gab es Loks und kein ausreichendes Werkstattpersonal, Dinge, die es meines Wissens noch nie gegeben hat bzw., die immer intern gelöst werden konnten, jedenfalls war er nun unabkömmlich, das war schon der Hammer.
Seine Vermutung, daß ein privater Widersacher und BPO- Mitglied hier am Rad drehte, konnte nie bewiesen werden, meine Frage an Dich ist aber:

Kann man immer ausschließen, daß bei allen möglichen Repressalien nicht doch ganz einfach nur Mobbing abseits irgendwelcher Systeme die Ursache war ?

Immerhin hat der Meisterschüler trotzdem alles geschafft, weil er "dranblieb" und genau wußte, daß im Falle des Scheiterns seines Studiums solche Episoden (künstlicher Personalmangel) den Verantwortlichen vor Ort jede Menge Ärger eingebracht hätte.
Ist es nicht damals wie heute viel relevanter, wie zäh und zielorientiert jemand seinen Weg geht, um vielleicht später aus einer besseren Position heraus seinen Idealen näher zu kommen ?



zuletzt bearbeitet 11.01.2013 16:16 | nach oben springen

#322

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 11.01.2013 20:01
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #321
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker



Schade, Nostalgiker, daß Dir der Grund für die konkrete Charakteristik des "parteischädigenden Verhaltens" der beiden Studenten entfallen ist, da ist zwischen undifferfenzierter Aufwiegelung einerseits und sachlicher Kritik auf der anderen Seite des Spektrums alles möglich.
Könntest Du etwas konkretes zu den von Dir persönlich ausgetragenen Konflikten ("eigenes Fehlverhalten") mit der regionalen Parteiführung schreiben und um welches Jahr in etwa es ging, waren es die späten 1980er ?
Aus dieser Zeit ist mir eine Geschichte in Erinnerung als ein Schlosser per Fernstudium 1985-87 seinen Meister machte und dabei immer mal in der Produktion fehlte.
Dieser Kollege war weder in der Partei noch in meiner FDJ- Grundorganisation, mir aber trotzdem recht sympatisch wegen seiner fachlichen Zuarbeit (Ursachen über Lokstörungen wurden z.B. immer richtig akribisch ausgewertet, Abhilfemaßnahmen besprochen usw.) und auch wegen seiner offenen Umgangsformen.
Im Zusammenhang mit der Namensträgerbewegung (Brigaden kämpften um revolutionäre Ehrennamen verdienstvoller lokaler verstorbener Genossen) schlug er vor, der Instandhaltungsbrigade den Namen Rudolf Diesel statt den eines regionalen Gewerkschaftsfunktionärs zu geben woraufhin ich das dieser Jugendbrigade zur Diskussion vorlegen wollte, der hatte doch viel größere Verdienste um die Antriebstechnik von Loks dieser Traktionsart.
Davon riet er mir aber ab, um keinen Ärger zu bekommen, auch war alles schon recht weit vorangeschritten mit den Vorbereitungen der Namensverleihung.
Auf irgendeinem Weg bekam er wegen seines in der Öffentlichkeit geäußerten Vorschlags aber dennoch Probleme mit seinen Freistellungen für das Fernstudium, plötzlich gab es Loks und kein ausreichendes Werkstattpersonal, Dinge, die es meines Wissens noch nie gegeben hat bzw., die immer intern gelöst werden konnten, jedenfalls war er nun unabkömmlich, das war schon der Hammer.
Seine Vermutung, daß ein privater Widersacher und BPO- Mitglied hier am Rad drehte, konnte nie bewiesen werden, meine Frage an Dich ist aber:

Kann man immer ausschließen, daß bei allen möglichen Repressalien nicht doch ganz einfach nur Mobbing abseits irgendwelcher Systeme die Ursache war ?

Immerhin hat der Meisterschüler trotzdem alles geschafft, weil er "dranblieb" und genau wußte, daß im Falle des Scheiterns seines Studiums solche Episoden (künstlicher Personalmangel) den Verantwortlichen vor Ort jede Menge Ärger eingebracht hätte.
Ist es nicht damals wie heute viel relevanter, wie zäh und zielorientiert jemand seinen Weg geht, um vielleicht später aus einer besseren Position heraus seinen Idealen näher zu kommen ?


Das hat es mit Sicherheit gegeben und nicht zu knapp. Gerade zur Wendezeit mußte ich feststellen, daß gerade die sich vorher 150%ig Gebärdenden plötzlich schon immer gegen das System gewesen sind. Mein GF war so einer. Da waren persönliche Aversionen, Neid, Geltungssucht und vorauseilender Gehorsam im Spiel. Das sind menschliche Abgründe, die es gibt seit Menschen ihr Hirn für alles Mögliche gebrauchen und wird es noch geben, bis es irgendwann den "Neuen Menschen" geben wird.



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#323

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 11.01.2013 20:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #322
Zitat von Hackel39 im Beitrag #321
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker



Schade, Nostalgiker, daß Dir der Grund für die konkrete Charakteristik des "parteischädigenden Verhaltens" der beiden Studenten entfallen ist, da ist zwischen undifferfenzierter Aufwiegelung einerseits und sachlicher Kritik auf der anderen Seite des Spektrums alles möglich.
Könntest Du etwas konkretes zu den von Dir persönlich ausgetragenen Konflikten ("eigenes Fehlverhalten") mit der regionalen Parteiführung schreiben und um welches Jahr in etwa es ging, waren es die späten 1980er ?
Aus dieser Zeit ist mir eine Geschichte in Erinnerung als ein Schlosser per Fernstudium 1985-87 seinen Meister machte und dabei immer mal in der Produktion fehlte.
Dieser Kollege war weder in der Partei noch in meiner FDJ- Grundorganisation, mir aber trotzdem recht sympatisch wegen seiner fachlichen Zuarbeit (Ursachen über Lokstörungen wurden z.B. immer richtig akribisch ausgewertet, Abhilfemaßnahmen besprochen usw.) und auch wegen seiner offenen Umgangsformen.
Im Zusammenhang mit der Namensträgerbewegung (Brigaden kämpften um revolutionäre Ehrennamen verdienstvoller lokaler verstorbener Genossen) schlug er vor, der Instandhaltungsbrigade den Namen Rudolf Diesel statt den eines regionalen Gewerkschaftsfunktionärs zu geben woraufhin ich das dieser Jugendbrigade zur Diskussion vorlegen wollte, der hatte doch viel größere Verdienste um die Antriebstechnik von Loks dieser Traktionsart.
Davon riet er mir aber ab, um keinen Ärger zu bekommen, auch war alles schon recht weit vorangeschritten mit den Vorbereitungen der Namensverleihung.
Auf irgendeinem Weg bekam er wegen seines in der Öffentlichkeit geäußerten Vorschlags aber dennoch Probleme mit seinen Freistellungen für das Fernstudium, plötzlich gab es Loks und kein ausreichendes Werkstattpersonal, Dinge, die es meines Wissens noch nie gegeben hat bzw., die immer intern gelöst werden konnten, jedenfalls war er nun unabkömmlich, das war schon der Hammer.
Seine Vermutung, daß ein privater Widersacher und BPO- Mitglied hier am Rad drehte, konnte nie bewiesen werden, meine Frage an Dich ist aber:

Kann man immer ausschließen, daß bei allen möglichen Repressalien nicht doch ganz einfach nur Mobbing abseits irgendwelcher Systeme die Ursache war ?

Immerhin hat der Meisterschüler trotzdem alles geschafft, weil er "dranblieb" und genau wußte, daß im Falle des Scheiterns seines Studiums solche Episoden (künstlicher Personalmangel) den Verantwortlichen vor Ort jede Menge Ärger eingebracht hätte.
Ist es nicht damals wie heute viel relevanter, wie zäh und zielorientiert jemand seinen Weg geht, um vielleicht später aus einer besseren Position heraus seinen Idealen näher zu kommen ?


Das hat es mit Sicherheit gegeben und nicht zu knapp. Gerade zur Wendezeit mußte ich feststellen, daß gerade die sich vorher 150%ig Gebärdenden plötzlich schon immer gegen das System gewesen sind. Mein GF war so einer. Da waren persönliche Aversionen, Neid, Geltungssucht und vorauseilender Gehorsam im Spiel. Das sind menschliche Abgründe, die es gibt seit Menschen ihr Hirn für alles Mögliche gebrauchen und wird es noch geben, bis es irgendwann den "Neuen Menschen" geben wird.



Ich denke, auf den neuen Menschen können wir lange warten- Liberté, Égalité, Fraternité- dieser Traum wird nur wahr werden, wenn man vorher mit einem Krieg oder anderen Katasstrophen bezahlt, nur können Katastrophen nicht Teil eines Planes sein, auch wenn er noch so edel ist.
Optimal wäre es, wenn der neue Mensch nach einer angemessen langen "Tragezeit" geboren würde, daran haben viele von uns ja im Sozialismus geglaubt.
Derzeit verläuft der Weg dorthin über eine ethische Reinigung unserer aktuellen Betrügerökonomie und da müssen wir uns wohl mit kleinen Schritten begnügen.
Ein solcher kleiner Schritt ist die beeindruckende Reaktion http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...e-a-876822.html des potentiellen deutschen Wahlvolkes im Zusammenhang mit Steinbrücks Gehaltsvorstellungen, das zeigt schon mal, wie sensibel man trotz aller Exzesse allgemein immer noch ist, wobei die Relationen zu den wahren Abzockern dieser Republik aus der Sicht der Bezieher von Politiker(spitzen)gehältern immer noch gigantisch ist.
Der Umgang der Justiz mit Weißkragenkriminellen war in der DDR vollkommen identisch mit dem Strafmaß, das man bei jeder anderen Sorte von Straftätern angewendet hat, das vermisse ich nach dem Untergang der DDR.
Von Kaution, Kronzeugenregelungen oder anderen Deals mit Justiz und Ermittlern war mir auch im Nachhinein nichts bekannt geworden, schlimmstenfalls hat man irgendwelche IM- Verpflichtungen unterschrieben.
Daß solche Unterschriften mal richtig teuer werden konnten, war damals noch nicht abzusehen.



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#324

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 12.01.2013 15:59
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #323
Ich denke, auf den neuen Menschen können wir lange warten- Liberté, Égalité, Fraternité- dieser Traum ...
Mein lieber Hackel39,

so ist es. "Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift" ist ja richtig. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass man die "Massen" nicht zum "Ergreifen der Idee" zwingen kann. Entweder die "Massen" machen das selbst oder es geht ganz bombastisch schief, wie gehabt. Oberlehrer und Besserwisser sind da Fehl am Platz.

Also, schau' mer mal.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#325

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 12.01.2013 16:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #324
Zitat von Hackel39 im Beitrag #323
Ich denke, auf den neuen Menschen können wir lange warten- Liberté, Égalité, Fraternité- dieser Traum ...
Mein lieber Hackel39,

so ist es. "Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift" ist ja richtig. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass man die "Massen" nicht zum "Ergreifen der Idee" zwingen kann. Entweder die "Massen" machen das selbst oder es geht ganz bombastisch schief, wie gehabt. Oberlehrer und Besserwisser sind da Fehl am Platz.

Also, schau' mer mal.

Liebe Grüße

Ecki



Was soll's Ecki, aber an Massenbewegungen glaube ich nicht mehr, weil wir inzwischen schon alles durch haben einschließlich der Variante "einmal Sozialismus und zurück" im ostdeutschen Teil der Republik.
Das Wutbürgertum am Bahnhofsvorplatz von Stuttgart und der Ausbruch von Frühlingsgefühlen anderswo (jetzt mal nicht Prag sondern Arabien) bringen der Demokratie insgesamt keinen Fortschritt, weil über Jahrzehnte gewachsene Machtstrukturen inzwischen zu viele Abhängigkeiten produziert haben, daß sich Pro und Kontra oft die Waage halten.
Vielleicht ist der ganz große Wurf hierzulande auch gar nicht mehr nötig, weil wir im Moment ja in Frieden und relativen Wohlstand leben, das allerdings galt für mich auch schon in der DDR und somit stelle ich mal in Frage, ob die reine Bürgerbewegung von 1989 überhaupt einen soooo großen Wurf wollte.
Einige wenige öffentliche Personen der damaligen Zeitgeschichte mit heute fetten Ämtern werden das offiziell so gewollt haben, die große Masse der couragierten Widerständler von damals, die das höhere Level eines reformierten Sozialismus erreichen wollten, sind in der Versenkung verschwunden.
Aber wer ist jetzt der Oberlehrer ?



Mike59 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#326

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 19.02.2013 17:50
von StabPL | 456 Beiträge

Ich vermisse auch richtige Kindersendungen und nicht den Abklatsch aus Japan oder der USA, was zwar meine beiden Enkel gerne gesehen haben, trotzdem keinen richtigen Wert haben.
StabPl



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#327

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 19.02.2013 17:59
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von StabPL im Beitrag #326
Ich vermisse auch richtige Kindersendungen und nicht den Abklatsch aus Japan oder der USA, was zwar meine beiden Enkel gerne gesehen haben, trotzdem keinen richtigen Wert haben.
StabPl


Find ich auch jämmerlich, diese Comicfilme aus Japan, wo die Figuren nicht sprechen, sondern nur grunzen und quiken. Wie war denn das damals mit dem Tamagochi, oder wie das hieß ? Da mußten doch die Mädchen mitten in der Unterrichtsstunde unbedingt raus, weil ihr Elektronenbaby gerade die Hosen voll gemacht hatte.



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#328

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 19.02.2013 18:19
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von StabPL im Beitrag #326
Ich vermisse auch richtige Kindersendungen und nicht den Abklatsch aus Japan oder der USA, was zwar meine beiden Enkel gerne gesehen haben, trotzdem keinen richtigen Wert haben.
StabPl
Mein lieber StabPL,

noch heute schauen wir mit Vergnügen das DDR-Sandmännchen 19:50 h auf mdr. Und, was noch viel schöner ist: unser Enkel auch! Viel lieber als die Japan- und US-Scheusslichkeiten! Das DDR-Sandmännchen ist eines der ganz wenigen Beispiele des Durchsetzens der DDR gegenüber der BRD. Ich erinnere mich noch an das BRD-Sandmännchen in der ARD, muss so Anfang der 1960-iger Jahre gewesen sein, das ist aber am DDR-Sandmännchen jämmerlichst gescheitert und nie wieder aufgetaucht.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#329

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:30
von der glatte | 1.356 Beiträge

Ich vermisse den typischen Geruch eines Bäckerladens mit frischen Brötchen, Semmeln, Schuster, Zeilen, Knüppel, oder wie man sie noch genannt hat. Man konnte es riechen wo ein Bäcker war.

Außerdem ist der Humor anders geworden. Wir konnten noch herzhaft in unseren Witzen über uns selbst lachen.




Zitat des Tages:

Früher hat man behauptet, dass uns Deutsche die Grenze trennt. Heute wissen wir, die Grenze hat uns auch voreinander geschützt.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


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#330

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 07:54
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Hier mal ne schöne Geschichte zum Thema. Aber Vorsicht, nich alles gleich auf die Goldwaage...legen.

Ich vermisse das gute Gespräch auf der Baustelle zur Frühstückszeit. Aber mit wem soll ich mich auch unterhalten? Der Mohammed zum Beispiel kommt aus so nem Moslemland, der spricht nur moslemisch und betet dreimal am Tag gen Osten, das arme Schwein sitzt immer in der Ecke und schweigt vor sich hin. Aber manchmal lächelt er auch, wenn ich seinen kleinen Läufer ordentlich in die Ecke stelle, weil die Anderen fälschlicherweise meinen, die könnten sich ihre Stiefel drauf abputzen.

Der Tomas kommt aus Polen, der mag die Deutschen nicht besonders und Serge ist Russe, der streitet immer mit Tomas...liegt wohl irgendwie an den alten Zeiten in Katyn, da wo sein Opa beim NKWD war. Jetzt war auch noch was mit so ner Präsidentenmaschine, also da will Einer dem Anderen eine überhelfen das es kracht, ich werde wohl balde als Polier mal ein richtiges Machtwort sprechen müssen, sonst gibts hier noch Mord und Totschlag.

Der Ignaz ist Jude, der spricht kaum und wenn, dann nur von Ausschwitz und den Palästinensern und das er alles entsiedeln würde da auf auf dem Gazastreifen.Nur wohin mit den ganzen Palästines weiß er auch nicht so recht aber zeichnen tut er immer fleißig, immer solche Lagerskizzen mit Tore vorne dran, also die erinnern mich doch fatalerweise irgendwie an Buchenwald.

Bogdan ist Bulgare, der wartet so drei Monate ab so erzählte er mal, dann bekommt er endlich bei uns im schönen Deutschland HartzIV und seine Frau und die zwölf Kinderchen das viele Kindergeld von der Kommune.Der telefoniert ständig mit seinen Nachbarn in Bulgarien, das die Alle hierher kommen sollen weils hier so schön ist und die Läden gefüllt mit Pferdefleisch und anderen Leckerlis.Der begreift einfach nicht und ich versuche ihm das immer beizubringen, das dies mit dem Pferdefleisch momentan nur so ne Heißmacherei des deutschen...jetzt gesamtdeutschen Verbrauchermichel ist.

Hoffnungslos, ständig ist die kurze Pause von 15 Minuten um und der begreifts einfach nicht. Also in der DDR haben wir mindestens 35 Minuten gesessen, ne gutes Bierchen dabei getrunken und Karten gespielt. Aber da konnte auch noch Jeder Deutsch...ne besser Ostdeutsch.

Francesco ist Italiener 42 und noch Junggeselle, der wohnt wirklich noch bei Muttern und ist froh, das die dort aus Neapel ...oder wars ne andere Stadt, so genau versteh ich den Kerl auch nicht immer, also das die ihren ganzen dreckigen Hausmüll nach Sachsen auf die Deponien schicken können, sonst würde bei denen kaum noch Einer auf der Strasse laufen können.Denn die wollen ihr Land rein halten von dem ganzen Krempel...hätte irgend so ein Duce mal gemeint. Der verwechselt das bestimmt mit dem Adolf, denn der wollte doch die Reinheit des...verdammt, was ...ich bekomme es nicht mehr zusammen, ich habe in Staatsbürgerkunde nie zugehört. Oder wars doch Geschichte?

Dann ist da noch Hubert, also der ist so ein typischer Westdeutscher, redet kaum und wenn dann nur von der Maloche...Arbeit soll das wohl heißen und sonst, ja was er da gerade in der Bildzeitung wieder für ne Ente gelesen hatte. Der Kerl nimmt das doch wirklich und ehrlich für bare Münze, das Wurstblatt und was da so alles drinnen steht. "So wäre er halt aufgewachsen", meinte er mal, ging immer fein wählen beim Papa an der Hand...immer CDU/CSU und sein Opa war wohl unter den Nazis Blockwart, der saß noch später im Keller unten und schiss die Leutchen an, die ihre Kohleneimer nicht randvoll gefüllt haben.

Ich sage euch Leute, es ist schon so ein Verständigungs-Brot mit den Pausen heute.Aber gute Arbeiter sind sie Alle, da kann man wirklich nicht meckern, also mein Chef ist zufrieden...spuckt schonmal ne Prämie für mich aus und ich habe meine Ruhe...zumindest beim Frühstück.

Lebensläufer


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#331

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 12:53
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo Lebensläufer,

in welchem Bundesland gehst Du denn auf Kleeche?
Seit 1994 wohne ich in Rheinland-Pfalz und da erlebe ich es so:
Alle Mitarbeiter eines Bautrupps gehören einer Nationalität an.
Als ich zur Miete wohnte, haben Engländer den Rohbau nebenan hochgezogen. Die waren sehr fleißig im Arbeiten und im Biertrinken nach Feierabend.
Meinen Rohbau haben Deutsche verbrochen und ich hätte lieber die russische Truppe meines Nachbarn genommen.
Im Haus daneben haben Portugiesen geputzt - die mir den Sockelputz gemacht haben. Eine Klasse für sich.
An meiner Außenanlage hat sich eine in Deutschland beheimatete Firma versucht. Alle waren albanische Mazedonier - so sah der Garten dann aus.

Ich kenne also solche Multikulti-Bautrupps wie beschrieben nicht - bin aber lernfähig.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#332

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 19:17
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

GeMi, jetzt wollte der Rainer antworten und erwischte den Bedankerknopf. Aber egal, dein Text sagt was Ordentliches aus und so lassen wir das stehen. Die schöne Geschichte stammt noch aus der Bauleiterzeit vom Rainer, ich habe sie etwas verändert hatte eigentlich mit Subtrupps von Polen, Türken, Rumänen, Tschechen und Deutschen zu tun.

Als ehemaliger Bauleiter im schönen Gesamtdeutschland(es war ein überschaubarer Zeitraum, schreib ich später mal ein Buch) wähle ich immer den Vergleich mit den KZ-Aufsehern der Nazizeit. Ich meinte mal zu Einer meiner Töchter."Also deinen Vater hätten sie in Nürnberg nicht verurteilt. Ist auch ganz einfach zu begründen...er war immer Mensch und kein Mistschwein."

Ist alles Geschichte GeMi, schönste Geschichte. Heute bin ich Zeitungsausträger. Ein ehrbarer Nachtjob, mach ich mindestens bis 75...freiwillig.

Lebensläufer


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#333

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 19:43
von schnatterinchen (gelöscht)
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....der Duft im Intershop. Der fehlt mir.


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#334

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 19:44
von glasi | 2.815 Beiträge

Hallo Rainer. Das waren noch Zeiten. 35 Minuten Pause. Ein bierchen und Karten spielen. Bei mir im Betrieb ein Traum. Hier wird genau auf die Uhr geschaut. Wehe mann ist nich nach 15 nicht am Arbeitsplatz. Selbst beim Feierabend wird auf die Uhr geschaut. Es ist bei uns ein schweres Verbrechen ,eine Minute vor Feierabend vor der Stempeluhr zu stehen.



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#335

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:05
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #334
Hallo Rainer. Das waren noch Zeiten. 35 Minuten Pause. Ein bierchen und Karten spielen. Bei mir im Betrieb ein Traum. Hier wird genau auf die Uhr geschaut. Wehe mann ist nich nach 15 nicht am Arbeitsplatz. Selbst beim Feierabend wird auf die Uhr geschaut. Es ist bei uns ein schweres Verbrechen ,eine Minute vor Feierabend vor der Stempeluhr zu stehen.



War schon mal anderswo ein Thema, die AZ-Auslastung. Auf dem Arbeitsamt, zum Ende der DDR, hat mal ein zu vermittelnder bezüglich unserer Firma gesagt "Ach, dort wo die vielen Pausen gemacht werden". Höchst feuergefährlicher Betrieb, dreckige, klebrige und schwere körperliche Arbeit. Von den 8 3/4 bezahlte AZ wurden nur ca. 5 - 5,5 h tatsächlich gearbeitet. Trotzdem 120 - 130% Normerfüllung und ich war auch noch der Arbeitsnormer, aber mir waren weitestgehend die Hände gebunden. Konnte nur Schadensbegrenzung machen, daß es nicht noch weiter ausufert.
Einer hatte mal bezüglich der Mittagspause geäußert, daß sie zu Beginn derselben schon gegessen haben müssen, damit sie dann in der eigentlichen Pause ihren Skat dreschen können und einer verstieg sich zu der Behauptung, daß es schlimmer wäre als beim Kapitalisten. Woher er das wußte, hat er nicht gesagt. Von einem amerikanischen Historiker wurde eine derartige Arbeitsmoral als Ausdruck eines bewusten Widerstandes gegen das SED-Regime gewertet. Hahaha ! Faulheit war´s und Urinstinkte, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel erreichen.



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zuletzt bearbeitet 20.02.2013 20:07 | nach oben springen

#336

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:07
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #333

....der Duft im Intershop. Der fehlt mir.



Der Duft im Intershop war schon faszinierend, bis auf die Kleinigkeiten die man sich leisten konnte war es doch im Grunde genommen auch nur ein Museum für den (Großteil) der DDR-Bürger.


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#337

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:21
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #336
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #333

....der Duft im Intershop. Der fehlt mir.



Der Duft im Intershop war schon faszinierend, bis auf die Kleinigkeiten die man sich leisten konnte war es doch im Grunde genommen auch nur ein Museum für den (Großteil) der DDR-Bürger.



Den Duft hast Du heute auch noch. Nur hast Du Dich inzwischen daran gewöhnt und merkst es nicht mehr. Das ist so. Mir ging es so mit den Lösungsmitteln. In unserem Labor war der Umgang damit bis zu Wende normal. Danach wurde schrittweise zu Dispersionsklebstoffen übergegengen und die LM-Klebstoffe wurden anderswo (im Betrieb im Westen) produziert. Wenn ich dann mal ein paar Tests machen wollte mit herkömmlichen LM. war das ein Gemeckere, was ich da für einen Gestank verbreite. Da habe ich noch lange nichts gerochen, da sind die anderen schon reihenweise aus den Latschen gekippt. Ein Kunde von mir (Schaftfertigung, meist Frauen) wollte mal weg von den Lösungsmittelklebstoffen, da vorwiegend Frauenarbeitsplätze. Alternative dazu sind Naturlatex-Klebstoffe. Ich kam an, die Frauen hielten ihren Riechkolben in den Kanister und sofort ein großes Geschrei. Nein, den niemals, da werden wir ja ohnmächtig und kippen um und bekommen Kopfschmerzen u.s.w. Da bleiben wir lieber bei unserem Lösungsmittelklebstoff. Da half auch das Argument nicht, daß in der Schuhindustrie diese Klebstoffe schon seit vielen Jahren auch in den Frauenabteilungen problemlos eingesetzt werden. Der Grund: Naturlatex ist bei der Lagerung und dem Transport nur im basischen Zustand stabil. Das wird durch eine Zugabe von Ammoniakwasser erreicht. Wenn dann der bis dahin verschlossene behälter geöffnet wird, hat man erst mal eine Prise davon in der Nase, aber niemand rennt mit einem Becher vor der Nase damit herum.
Wer hat denn vor der Wende die Trabis und Wartburgs gerochen ?. Jetzt riecht man das meilenweit gegen den Wind. Will damit sagen, daß das mit dem Intershop-Geruch nur eine Sache der Gewöhnung ist.



zuletzt bearbeitet 20.02.2013 20:23 | nach oben springen

#338

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:33
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #327
Zitat von StabPL im Beitrag #326
Ich vermisse auch richtige Kindersendungen und nicht den Abklatsch aus Japan oder der USA, was zwar meine beiden Enkel gerne gesehen haben, trotzdem keinen richtigen Wert haben.
StabPl


Find ich auch jämmerlich, diese Comicfilme aus Japan, wo die Figuren nicht sprechen, sondern nur grunzen und quiken. Wie war denn das damals mit dem Tamagochi, oder wie das hieß ? Da mußten doch die Mädchen mitten in der Unterrichtsstunde unbedingt raus, weil ihr Elektronenbaby gerade die Hosen voll gemacht hatte.



Meinst du vielleicht diese Truppe
Tinky Winky, Dipsy, Laa Laa und Po... sagen "Hallo!!!"


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#339

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:40
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Wie hieß dieses DDR-Allzweck-Bodenreinigungsmittel? Danach haben die Reichsbahnwaggonabteile innen immer gerochen. Das habe ich lange nicht mehr gerochen. Fehlt irgendwie. Und diese Mischung aus Zweitakt und Braunkohle, unvergessen. Das wehte oft zu uns nach West-Berlin rüber, an feuchten Herbstabenden oder so, es roch dann "ostig" fanden wir damals.

Unvergessen ist auch der Geruch von dem LKW-Russensprit "Katalyt".


zuletzt bearbeitet 20.02.2013 20:41 | nach oben springen

#340

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 20.02.2013 20:54
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #339
Wie hieß dieses DDR-Allzweck-Bodenreinigungsmittel? Danach haben die Reichsbahnwaggonabteile innen immer gerochen. Das habe ich lange nicht mehr gerochen. Fehlt irgendwie. Und diese Mischung aus Zweitakt und Braunkohle, unvergessen. Das wehte oft zu uns nach West-Berlin rüber, an feuchten Herbstabenden oder so, es roch dann "ostig" fanden wir damals.

Unvergessen ist auch der Geruch von dem LKW-Russensprit "Katalyt".


Katalyt war aber kein Russensprit, sondern ein Leichtbezin u.a. für Katalytöfen !


MfG
Jawa350
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