#261

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 16:47
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #251
Ach hätte, könnte und eventuell doch.
Man hat nicht und dann war sie weg die DDR.
Wie die unbedarften Kinder hat man sich selber verarscht, der große Generalsekretär bekam einen Microchip überreicht, der zu dem Zeitpunkt vermutlich schon der letzte Schrott war und die Zeitung ging vor Qualm von der Selbstbeweihräucherung gar nicht mehr zu.
Die Leute haben doch nur noch mit dem Kopf geschüttelt, überall rieselte der Putz und Honecker fährt fast zerplatzend vor unerklärbarem Stolz in Japan mit dem Mega-Express.
Alles weltfremdes Kaspertheater und du hast am Tag darauf in einer maroden VEB-Klitsche wo es in jeder Ecke vor Gammel fast zum Supergau kam, versucht den Plan zu retten.
Der kleine Mann durfte nur, zum dummen August gemacht, alles beklatschen und mit bunten Winkelementen wedeln.
"Arbeite mit, regiere mit!" und an solch einen Schwachsinn sollte man allen Ernstes auch noch glauben.
Ach, was diskutieren wir nach Jahrzehnten um die eventuelle Überlebensfähigkeit dieser Armetei, sie ist weg und hatte das sich auch redlich verdient.
Achso und anstatt den kleinen Leuten hinterherzuschnüffeln hätten wohl besser mal paar Apparatschiks die richtig Mist bauten ins Loch wandern sollen, aber das waren ja alles verdienstvolle und mit Orden so groß wie Untertassen behängte Genossen.
Erfolge über Erfolge wohin man sah, jedenfalls in der Zeitung.
Wenn man richtig darüber nachdenkt kommt einem heute der Kaffee noch hoch.


Wer Schwachsinn wegen eigem Ausschalten des Gehirns beklatscht hat, ist selbst daran schuld. Ich kann für mich sagen, daß ich zwar von der Richtigkeit der Sache ansich überzeugt war, aber nicht beklatscht habe, was ich als nicht der Realität entsprechend betrachtet habe. Für mich war das Politbüro nackt auch nur ein Haufen unansehnlicher alter Männer. Zugehörig habe ich mich eher denen gefühlt, die versuchten, aus den gegebenen Umständen das Beste für die Gesellschaft zu machen und dabei natürlich auch nicht auf das eigene Stückchen Kuchen zu verzichten.

Rot: Aus den Memoieren meines Alten Herrn weiß ich, daß es da schon schmerzliche Konsequenzen gab. Da wurden schon entsprechende Organe eingeschaltet, wenn Schaden für die Gesellschfat entstanden war. Das fing bei der ABI an und endete bei der entsprechenden Abteilung des MfS, die sich mit Wirtschaft und Sabotage beschäftigten. Mein Vater hatte sich einmal mit Korruption im Kombinatsbereich auseinanderzusetzen, bei dem es um den Kauf einer westd. Maschine ging. Ich denke, es wäre sehr wünschenswert, wenn heute ein Versagen in Politik und Wirtschaft durch Mitglieder der Führungsriegen auch nur annähgernd so konsequent geahndet werden würde wie in der DDR. Heute werden die Millionen noch hinterhergeworfen. Es ist ja auch kein Volkseigentum mehr, sondern das der Aktionäre oder die Steuerzahler werden´s schon richten.



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#262

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 17:17
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #249
Zitat von Hackel39 im Beitrag #247
Zitat von Jackson im Beitrag #61
.

.....
Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, inzwischen werden einige, der so erbärmlichen Gepflogenheiten des "real existierenden Sozialismus" von irgendwelchen Politikern wieder ausgegraben und als eigene Ideen verkauf. Und Verdammt, die kommen durch damit. Muss doch für euch, die nur schlechtes kannten und erlebt haben, ein Schlag ins Gesicht sein.
So, ich habe fertig.


Die Raubgräber der sozialistischen Ideen in der Jetztzeit wissen oft nicht, was sie ausgebuddelt haben.
Als man in Nebra die legendäre Himmelsscheibe ausgegraben hatte, war man in aller Welt fasziniert davon, was die Barabaren der Bronzezeit am Himmelszelt schon vor 3500 Jahren dokumentiert haben.
Diese Scheibe lag zwei Wochen zusammen mit ein paar verrosteten Schwertern, Messern u.a. Fundstücken auf einem jedermann zugänglichen Hof in meinem Heimatort und ist heute mit 100 Mio. Euro versichert.
http://mysteria-semper.forumprofi.de/ver...nebra-t116.html
Es ist legitim, daß unsere ideen- und mutlosen Politiker sich von den Schätzen der DDR- Historie inspirieren lassen.
Garten-, Koch- und Baselbücher nach dem Motto "Was der Großvater noch wußte..." sind Bestseller und kaum jemand weiß, daß es selbst in der DDR z.B. unter der Tarnbezeichnung "Kartell" Forschungseinrichtungen mit Weltklassepersonal gab.
Warum man eine solche Geheimniskrämerei mit "Mielkes Zauberwerkstatt" betrieben hat, kann ich einfach nicht begreifen, damit hätte man offensiver umgehen müssen.
Jene Zauberwerkstätten an geheimen Orten, wie z.B. dem VEB Numerik Karl- Marx- Stadt, VEB Rationalisierung Klingenthal (Injektionsapparate für Diabetiker) u.v.a. Projekte hatten eine Wertschöpfung im Milliardenbereich hervorgebracht und sind mit dem Ende der DDR sang- und klanglos untergegangen dies sogar unbemerkt von den Bürgerrechtlern.
(Quelle: Horch und Guck 4/ 12, Seite 28 ff)
Ich vermisse, wie viele andere hier das Eingeständnis, daß die DDR überlebensfähig war.[/quote][quote]


nein, war sie nicht. Weil sie wie an anderer Stelle schon gepostet, auf zu viel Unrecht aufgebaut war, weil dieser Staat nicht für das Wohl von Bürgern geschaffen war, sondern für das Wohl einiger grauer alter Männer und ihrer Parteigänger. Weil sie, zumindest teilweise, auf Wahlbetrug aufgebaut war. Das sind nur einige Beispiele.





Ich hatte schon mal erwähnt, daß ich mangels Vertrauen in die Währung regelmäßig in Sachwerte investiere um am Ende nicht für einen Haufen Papier gearbeitet zu haben.
Einer dieser Sachwerte war eine Investruine in Halle Glaucha, die war auch auf Betrug aufgebaut - niemand wollte den Rohbau mehr mit der Kneifzange anfassen, zu viel Schlimmes ist bis dahin schon den geprellten Wohnungsbauern zugemutet worden, gepaart mit dem geballten Unvermögen des Bauträgers, Mißverständnissen zwischen Investoren und Verkäufern eben alles, was bei solchen Projekten (58 Wohneinheiten) nicht passieren darf.
Man spielte mehrmals mit dem Gedanken, alles abzureißen und in die Saale zu planieren - schlichtweg Verzweiflung ohne Ende so wie auf der Zielgeraden der DDR, wo man bei der Schuldfrage keinen Unterschied zwischen dogmatischen Parteibonzen und fähigen Basiseliten mit SED- Mitgliedsausweis mehr machen wollte.
Trotzdem gab es bei einzelnen Vertretern der jeweiligen Parteien noch Zuversicht und so begann man neu nach Investoren zu suchen, die Perspektiven (einmalige Lage am Wasser, idyllische naturnahe Nachbarschaft quasi um die Ecke usw.) waren so schlecht nicht.
Nach mühsamer Suche und dem offensiven Umgang mit dem Mißstand sowie ehrlicher Kommunikation über die Gründe des Scheiterns gelang es nach über zwei Jahren mühsamer Suche genügend neue Investoren zu finden, die an die Chancen eines solchen Investments glaubten.
Heute ist die Immobilie zu über 90% vermietet bzw. von Eigentümern bewohnt.
Immerhin waren die Ursachen für das vormalige Scheitern geklärt und beseitigt worden und genau dazu war am Ende der DDR keine Zeit mehr.
Niemand hätte am Eingang der Marktwirtschaft noch einen Pfifferling auf das verrufene Glauchaer Viertel gesetzt so wie hierzulande niemand einen Pfifferling auf einen Überbau der DDR auf neuen Fundamenten setzen wollte, aber es ist eben weiter nichts als Zufall, daß es östlich der Elbe eben nicht weiter ging.
In Glaucha haben 2,5 Mio ausgereicht, die DDR hätte das xxtausendfache und eine seriöse Treuhandgesellschaft gebraucht.



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#263

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 19:14
von andy | 1.198 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #256
[quote=DoreHolm|p223776][quote=Gert|p223772][quote=Hackel39|p223769][quote=Jackson|p222957].
....Hauptgrund für das Ende die total daneben und darnieder liegende Volkswirtschaft war...



Ich weiss nicht, wie intensiv oder ob Du Dich überhaupt mit der Materie der DDR-Volkswirtschaft von 1989 beschäftigt hast und wenn ja, welche Quellen Du bevorzugt genutzt hast.
Deine Statements hier zum Thema weisen allerdings mehr darauf hin, dass Du Deine Informationen dann wohl doch mehr aus der Berichterstattung der einschlägig bekannten und beliebten Tageszeitungen gezogen hast, welche ja in der DDR-Wirtschaft eine vermeintliche Katastrophe nach der anderen "ermittelt" haben und das passte ja so prima ins Bild, dass die grosse Masse der Bervölkerung diese Aussagen kritiklos zur Kenntnis nahm.

Guckt man allerdings genauer nach, ergibt sich dann doch ein etwas anderes Bild und vielleicht solltest Du Dich dann fairerweise auch einmal mit den Fakten zur DDR-Volkswirtschaft beschäftigen. In den folgenden Links äussert sich ein ehemaliger Wirtschaftsstaatssekretär der DDR zur DDR-Wirtschaft.

http://www.heimat-ddr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=fbdzwd1PXiU

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 02.01.2013 19:19 | nach oben springen

#264

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 20:30
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #263
Zitat von Gert im Beitrag #256
[quote=DoreHolm|p223776][quote=Gert|p223772][quote=Hackel39|p223769][quote=Jackson|p222957].
....Hauptgrund für das Ende die total daneben und darnieder liegende Volkswirtschaft war...



Ich weiss nicht, wie intensiv oder ob Du Dich überhaupt mit der Materie der DDR-Volkswirtschaft von 1989 beschäftigt hast und wenn ja, welche Quellen Du bevorzugt genutzt hast.
Deine Statements hier zum Thema weisen allerdings mehr darauf hin, dass Du Deine Informationen dann wohl doch mehr aus der Berichterstattung der einschlägig bekannten und beliebten Tageszeitungen gezogen hast, welche ja in der DDR-Wirtschaft eine vermeintliche Katastrophe nach der anderen "ermittelt" haben und das passte ja so prima ins Bild, dass die grosse Masse der Bervölkerung diese Aussagen kritiklos zur Kenntnis nahm.

Guckt man allerdings genauer nach, ergibt sich dann doch ein etwas anderes Bild und vielleicht solltest Du Dich dann fairerweise auch einmal mit den Fakten zur DDR-Volkswirtschaft beschäftigen. In den folgenden Links äussert sich ein ehemaliger Wirtschaftsstaatssekretär der DDR zur DDR-Wirtschaft.

http://www.heimat-ddr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=fbdzwd1PXiU

andy


Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 02.01.2013 20:31 | nach oben springen

#265

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 20:43
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #264
Zitat von andy im Beitrag #263
Zitat von Gert im Beitrag #256
[quote=DoreHolm|p223776][quote=Gert|p223772][quote=Hackel39|p223769][quote=Jackson|p222957].
....Hauptgrund für das Ende die total daneben und darnieder liegende Volkswirtschaft war...



Ich weiss nicht, wie intensiv oder ob Du Dich überhaupt mit der Materie der DDR-Volkswirtschaft von 1989 beschäftigt hast und wenn ja, welche Quellen Du bevorzugt genutzt hast.
Deine Statements hier zum Thema weisen allerdings mehr darauf hin, dass Du Deine Informationen dann wohl doch mehr aus der Berichterstattung der einschlägig bekannten und beliebten Tageszeitungen gezogen hast, welche ja in der DDR-Wirtschaft eine vermeintliche Katastrophe nach der anderen "ermittelt" haben und das passte ja so prima ins Bild, dass die grosse Masse der Bervölkerung diese Aussagen kritiklos zur Kenntnis nahm.

Guckt man allerdings genauer nach, ergibt sich dann doch ein etwas anderes Bild und vielleicht solltest Du Dich dann fairerweise auch einmal mit den Fakten zur DDR-Volkswirtschaft beschäftigen. In den folgenden Links äussert sich ein ehemaliger Wirtschaftsstaatssekretär der DDR zur DDR-Wirtschaft.

http://www.heimat-ddr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=fbdzwd1PXiU

andy


Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!


Na gut, dann eben ohne Quellen.
Fakt ist, daß die BRD- Wirtschaft zwar alle Ossis aus dem Stand mit Stereorecordern für 100 Mark versorgen konnte aber nie im Leben den gesamtdeutschen Zugverkehr mit ihren eigenem Lok- und Wagenpark hätte abwickeln können.
Unsere Maschinen waren schneller dort drüben als manch einer sein Begrüßungsgeld abholen konnte.
Das eine sind minderwertige Ramschartikel aus der Überproduktion die mit Ach und Krach die Garantiezeit überstanden haben und das andere ist wertvolle Technik, die bis heute unverzichtbar ist.
Nein was ich damals wie heute vermisse, sind unabhängige Standortbestimmungen der jeweiligen Systeme ohne parteipolitischen und lobbyindizierten Hintergrund.
Die Wahrheit erfährt man meist erst, wenn es um nichts mehr geht, so wie damals bei der Schürer- Kommission.
Uns bleibt da nur, den eigenen Wahrnehmungsbereich zu analysieren, das ist für mich damals wie heute die Bahnlandschaft, die kommunale Infrastruktur, die offensichtlichen Demografieprobleme, eben alles was wir hier zusammentragen und mehr oder weniger glaubhaft kommunizieren.
Was ist mit dem MZ- Werk ?



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#266

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 21:02
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #265
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #264
Zitat von andy im Beitrag #263
Zitat von Gert im Beitrag #256
[quote=DoreHolm|p223776][quote=Gert|p223772][quote=Hackel39|p223769][quote=Jackson|p222957].
....Hauptgrund für das Ende die total daneben und darnieder liegende Volkswirtschaft war...



Ich weiss nicht, wie intensiv oder ob Du Dich überhaupt mit der Materie der DDR-Volkswirtschaft von 1989 beschäftigt hast und wenn ja, welche Quellen Du bevorzugt genutzt hast.
Deine Statements hier zum Thema weisen allerdings mehr darauf hin, dass Du Deine Informationen dann wohl doch mehr aus der Berichterstattung der einschlägig bekannten und beliebten Tageszeitungen gezogen hast, welche ja in der DDR-Wirtschaft eine vermeintliche Katastrophe nach der anderen "ermittelt" haben und das passte ja so prima ins Bild, dass die grosse Masse der Bervölkerung diese Aussagen kritiklos zur Kenntnis nahm.

Guckt man allerdings genauer nach, ergibt sich dann doch ein etwas anderes Bild und vielleicht solltest Du Dich dann fairerweise auch einmal mit den Fakten zur DDR-Volkswirtschaft beschäftigen. In den folgenden Links äussert sich ein ehemaliger Wirtschaftsstaatssekretär der DDR zur DDR-Wirtschaft.

http://www.heimat-ddr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=fbdzwd1PXiU

andy


Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!


Na gut, dann eben ohne Quellen.
Fakt ist, daß die BRD- Wirtschaft zwar alle Ossis aus dem Stand mit Stereorecordern für 100 Mark versorgen konnte aber nie im Leben den gesamtdeutschen Zugverkehr mit ihren eigenem Lok- und Wagenpark hätte abwickeln können.
Unsere Maschinen waren schneller dort drüben als manch einer sein Begrüßungsgeld abholen konnte.
Das eine sind minderwertige Ramschartikel aus der Überproduktion die mit Ach und Krach die Garantiezeit überstanden haben und das andere ist wertvolle Technik, die bis heute unverzichtbar ist.
Nein was ich damals wie heute vermisse, sind unabhängige Standortbestimmungen der jeweiligen Systeme ohne parteipolitischen und lobbyindizierten Hintergrund.
Die Wahrheit erfährt man meist erst, wenn es um nichts mehr geht, so wie damals bei der Schürer- Kommission.
Uns bleibt da nur, den eigenen Wahrnehmungsbereich zu analysieren, das ist für mich damals wie heute die Bahnlandschaft, die kommunale Infrastruktur, die offensichtlichen Demografieprobleme, eben alles was wir hier zusammentragen und mehr oder weniger glaubhaft kommunizieren.
Was ist mit dem MZ- Werk ?


Das ist es und da wird jeder für sich aus seinem früheren Tätigkeitsbereich sowohl positive als auch negative Beispiele anführen können, wenn man gewillt ist, das nicht durch die rosarote, aber auch nicht durch die dunkelgrau getönte Brille zu sehen. Ich weiß aus den berichten meines Alten Herrn, daß gerade die NSW-exportorientierte leichtindustrie, sofern sie einen gewieften Chef hatte, so ziemlich die neuesten Maschinen hatte, auch und vor allem aus dem NSW. Unser Partner in Pirmasens produzierte mit den gleichen Maschinentypen wir wir. Bei meinen späteren Kundenbesuchen von zumeist etwas kleineren mittelständischen Unternehmen im Westen mußte ich feststellen, daß nicht wenige noch mit Maschinen aus der Kaiserzeit produzierte. Und was die Qualität betrifft, kann ich Hackel zustimmen. Mit so mancher Maschine des DDR-Maschinenbaus machen heute noch westdeutsche Firmen Gewinne, da abgeschrieben, aber stabil laufen. Z.B. Pressen aus Erfurt. Wenn ich so manche Hausfrau höre, wird heute noch die Langlebigkeit von haushaltgeräten gelobt. Aber jetzt verzettele ich mich und das Thema hatten wir wohl schon mal. Also Schuddelkind, so wie ich es meinen westdeutschen Kunden immer sage, wenn sie mich nach der Meinung der Ostdeutschen zur Wende fragen: Sie können hundert Ostdeutsche fragen und werden hundert verschiedene Meinungen hören. Es gibt da nicht nur schwarz und weiß, wobei der Grauanteil sicher überwog.



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#267

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 21:41
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #266
Zitat von Hackel39 im Beitrag #265
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #264
Zitat von andy im Beitrag #263
Zitat von Gert im Beitrag #256
[quote=DoreHolm|p223776][quote=Gert|p223772][quote=Hackel39|p223769][quote=Jackson|p222957].
....Hauptgrund für das Ende die total daneben und darnieder liegende Volkswirtschaft war...



Ich weiss nicht, wie intensiv oder ob Du Dich überhaupt mit der Materie der DDR-Volkswirtschaft von 1989 beschäftigt hast und wenn ja, welche Quellen Du bevorzugt genutzt hast.
Deine Statements hier zum Thema weisen allerdings mehr darauf hin, dass Du Deine Informationen dann wohl doch mehr aus der Berichterstattung der einschlägig bekannten und beliebten Tageszeitungen gezogen hast, welche ja in der DDR-Wirtschaft eine vermeintliche Katastrophe nach der anderen "ermittelt" haben und das passte ja so prima ins Bild, dass die grosse Masse der Bervölkerung diese Aussagen kritiklos zur Kenntnis nahm.

Guckt man allerdings genauer nach, ergibt sich dann doch ein etwas anderes Bild und vielleicht solltest Du Dich dann fairerweise auch einmal mit den Fakten zur DDR-Volkswirtschaft beschäftigen. In den folgenden Links äussert sich ein ehemaliger Wirtschaftsstaatssekretär der DDR zur DDR-Wirtschaft.

http://www.heimat-ddr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=fbdzwd1PXiU

andy


Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!


Na gut, dann eben ohne Quellen.
Fakt ist, daß die BRD- Wirtschaft zwar alle Ossis aus dem Stand mit Stereorecordern für 100 Mark versorgen konnte aber nie im Leben den gesamtdeutschen Zugverkehr mit ihren eigenem Lok- und Wagenpark hätte abwickeln können.
Unsere Maschinen waren schneller dort drüben als manch einer sein Begrüßungsgeld abholen konnte.
Das eine sind minderwertige Ramschartikel aus der Überproduktion die mit Ach und Krach die Garantiezeit überstanden haben und das andere ist wertvolle Technik, die bis heute unverzichtbar ist.
Nein was ich damals wie heute vermisse, sind unabhängige Standortbestimmungen der jeweiligen Systeme ohne parteipolitischen und lobbyindizierten Hintergrund.
Die Wahrheit erfährt man meist erst, wenn es um nichts mehr geht, so wie damals bei der Schürer- Kommission.
Uns bleibt da nur, den eigenen Wahrnehmungsbereich zu analysieren, das ist für mich damals wie heute die Bahnlandschaft, die kommunale Infrastruktur, die offensichtlichen Demografieprobleme, eben alles was wir hier zusammentragen und mehr oder weniger glaubhaft kommunizieren.
Was ist mit dem MZ- Werk ?


Das ist es und da wird jeder für sich aus seinem früheren Tätigkeitsbereich sowohl positive als auch negative Beispiele anführen können, wenn man gewillt ist, das nicht durch die rosarote, aber auch nicht durch die dunkelgrau getönte Brille zu sehen. Ich weiß aus den berichten meines Alten Herrn, daß gerade die NSW-exportorientierte leichtindustrie, sofern sie einen gewieften Chef hatte, so ziemlich die neuesten Maschinen hatte, auch und vor allem aus dem NSW. Unser Partner in Pirmasens produzierte mit den gleichen Maschinentypen wir wir. Bei meinen späteren Kundenbesuchen von zumeist etwas kleineren mittelständischen Unternehmen im Westen mußte ich feststellen, daß nicht wenige noch mit Maschinen aus der Kaiserzeit produzierte. Und was die Qualität betrifft, kann ich Hackel zustimmen. Mit so mancher Maschine des DDR-Maschinenbaus machen heute noch westdeutsche Firmen Gewinne, da abgeschrieben, aber stabil laufen. Z.B. Pressen aus Erfurt. Wenn ich so manche Hausfrau höre, wird heute noch die Langlebigkeit von haushaltgeräten gelobt. Aber jetzt verzettele ich mich und das Thema hatten wir wohl schon mal. Also Schuddelkind, so wie ich es meinen westdeutschen Kunden immer sage, wenn sie mich nach der Meinung der Ostdeutschen zur Wende fragen: Sie können hundert Ostdeutsche fragen und werden hundert verschiedene Meinungen hören. Es gibt da nicht nur schwarz und weiß, wobei der Grauanteil sicher überwog.


Schön, wie Du uns wieder aus den Kreisverkehr rausführen willst.
Es sind wohl die verschiedensten Dinge, die jeder von uns vermißt, sofern es da überhaupt welche gibt, die heute noch erwähnenswert sind.
Es ist aber eben keine Häufung festzustellen, das hätte ich am Anfang der Runde eigentlich erwartet und die Nennungen sind wohl oft auch anlaßbezogen.
Wenn ich morgen also wieder neun Stunden lang zur Arbeit fahre, unterwegs einen Anschlußzug verpasse, dadurch zu spät komme und meine eigentlichen Aufgaben delegieren muß so werde ich daran denken, wie schön es wäre, nach drei Minuten Fahrradfahrt am Arbeitsplatz anzukommen.
Das hat nichts mit schönen Jugenderinnerungen zu tun und auch nichts mit rosaroten Brillen, das sind einfach nur unwiederbringliche Umfelddaten, wie sie nur das sozial strukturierte sozialistische Arbeitsleben mit sich brachte, wo der Mensch noch keine Maschine war.
Geknilcht, gemobbt und gepöbelt wurde in der Jugendbrigade auch aber die Mischkalkulation mit der unvergleichbar höheren Freizeit in der vertrauten Umgebung hat alles viel erträglicher gemacht.
Für mich persönlich hat's auch was Gutes, ich schimpfe nur sehr sehr selten über die Pannen der Bahn oder unsere chaotischen Dienstplanung, vielmehr gehe ich an den Anfang der Kausalkette zurück und denke an die komischen Leute mit ihren komischen Parolen auf den Straßen des Jahres 1989, die zu großen Teilen auch heute wieder gern demonstrieren würden, nur daß heute wohl keiner mehr mitkommen würde.
Alle Alternativen sind schließlich ausgereizt, oder nicht ?



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#268

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 02.01.2013 23:48
von andy | 1.198 Beiträge

Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging! [/quote]


Nein und das habe ich auch nie behauptet.

Die von mir benannten Quellen weisen aber Fakten nach, die bislang nicht widerlegt wurden.

Nein, das MZ-Werk habe ich in den letzten 14 Tagen nicht besucht. Dafür war ich 1977 im Zwicker Werk und habe gesehen, was die Jungs dort alles in ihren Schubladen hatten.
Damit hätte sich der Automobilbau der DDR international nicht verstecken müssen.

Wenn es um die Beurteilung der DDR-Wirtschaft geht, sollte man sich nur auf Fakten verlassen und diese findet man eben nicht in den Unterlagen der Treuhand - dessen Aufgabe war es, die DDR-Wirtschaft abzuwickeln, nicht sie zu sanieren.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#269

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 07:42
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Zitat von andy im Beitrag #268
Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!



Nein und das habe ich auch nie behauptet.

Die von mir benannten Quellen weisen aber Fakten nach, die bislang nicht widerlegt wurden.

Nein, das MZ-Werk habe ich in den letzten 14 Tagen nicht besucht. Dafür war ich 1977 im Zwicker Werk und habe gesehen, was die Jungs dort alles in ihren Schubladen hatten.
Damit hätte sich der Automobilbau der DDR international nicht verstecken müssen.

Wenn es um die Beurteilung der DDR-Wirtschaft geht, sollte man sich nur auf Fakten verlassen und diese findet man eben nicht in den Unterlagen der Treuhand - dessen Aufgabe war es, die DDR-Wirtschaft abzuwickeln, nicht sie zu sanieren.

andy[/quote]


Wenn es um die Beurteilung der DDR - Wirtschaft geht, dann sollte man am besten in dieser gearbeitet haben und wenn man dann noch ehrlich zu sich selbst ist, dann erinnert man sich an fehlende Ersatzteile, an fehlende Investitionen, an Schrott an jeder Ecke, aus dem man dann etwas zusammengezimmert hat um die Produktion am Laufen zu halten, dann erinnert man sich daran, dass die Schlangen vor den Läden für Autoersatzteile am Tag wo es dann Ersatzteile gab, endlos waren, dann erinnert man sich daran, dass für den gebrauchten Trabbi mehr gezahlt wurde, als für den Neuen, den es dann nach 10? Jahren Anmeldung gab.
Dann braucht man keine Quellen, dann kann man selber für sich ganz gut beurteilen, wie es denn um die DDR Wirtschaft bestellt war.
Und wenn dies nicht ausreicht, dann sehe ich den Lada des Fernsehgerätewerkes Stassfurt auf dem Betriebsgelände des Leiterplattenwerkes Neuruppin stehen, dessen Fahrer nun händeringend wartete, dass endlich die Leiterplatten fertig wurden, die in Stassfurt die Produktionslinie wieder anfahren ließen. Just in time Produktion ala DDR - Wirtschaft... dies war doch die Realität und nicht die geschönten und getürkten Berichte der Planerfüllung...


GKUS64 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.01.2013 07:43 | nach oben springen

#270

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 08:31
von Pit 59 | 10.127 Beiträge

Wenn es um die Beurteilung der DDR-Wirtschaft geht, sollte man sich nur auf Fakten verlassen @andy

Ich hatte es schon mal geschrieben,meine Frau war Sekretärin in einem Kombinat beim Produktionsdirektor. Sie kann mit Sicherheit ein Lied davon Singen wie die Pläne Monat für Monat zusammen geschwindelt wurden.
Da wurde Zeug abgerechnet,da war noch nicht mal das Material im Haus.Sie sagt das wurde vor allem bei Ersatzteilen gemacht,welche aber einen nicht geringen Anteil an der Planerfüllung hatten. Tja @andy das ist nun mal Fakt.

Beim NSW Export wurde das nicht gemacht,aber unsere Brüder im RGW konnten (mussten ) das schon Verschmerzen.


zuletzt bearbeitet 03.01.2013 08:34 | nach oben springen

#271

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 08:50
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Einfach mal das Schürer-Papier genau nachlesen und schon sieht man klarer.
Sonderbarerweise hatte auf einmal Gerhard Schürer die Analyse und Änderungsvorschläge 1989 zur Hand und das u.a. mit Zahlen von 1970, die Jahre vorher muss er wohl einfach gepennt, oder vor Angst vor seinem unfehlbaren König schlotterige Knie gehabt haben.
Wer solls verstehen, Polittechnokraten halt.


zuletzt bearbeitet 03.01.2013 09:00 | nach oben springen

#272

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 08:50
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

Ich lese noch immer hier. Im Moment habe ich das gefühl es dreht sich "im Kreis". Wenn von den wirtschaftlichen Schwächen hier geredet wird, ja die gab es eindeutig und die heute noch zu "schönen" ist doch sinnlos.
Nur so marode wie oft dargestellt war es auch nicht. Die Wahrheit liegt da in der Mitte und eigentlich wäre es wichtig die Fehler zu begreifen, nur was nutzt es wenn es keine Korrekturmöglichkeit gibt....
Ja ich vermisse vieles immer noch und im Moment bleibt halt nur Erinnerung, die wird auch im Gedächtnis etwas geschönt und die Gegenwart mit ihren krassen Ungerechtigkeiten verstärkt es.
Ich halte mich deswegen etwas hier zurück. meinen Teil kann ich für mich tun in der gegenwart aktiv und bewußt zu wählen, auch um eine starke Opposition zu schaffen. Möglicherweise kann das die "Desozialisierung" bremsen und etwas mildern. Leider haben wir das System "vergeigt" und eine neue Chance wird so schnell nicht geben. Wenn nicht so viele Fehler gemacht wurden wären, dann wären hier nicht so viele EX-DDRbürger die sehr allergisch auf die DDR reagieren.

Ich vermisse nicht die Fehler und Schwächen, ich vermisse das Lebensgefühl und die Unabhängigkeit. heute ist eine größere Abhängigkeit durch finanzielle Zwänge.
Jetzt kommt die gleiche Diskussion wie mit "Freiheit", für jeden bedeutet Abhängigkeit etwas anderes.
Oft erfahre ich mehr Toleranz bei Altbundesbürgern, als bei ehemal. DDR Bürgern gegenüber der Vergangenheit.


Hackel39, DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.01.2013 08:51 | nach oben springen

#273

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 09:24
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #272
Ich lese noch immer hier. Im Moment habe ich das gefühl es dreht sich "im Kreis". Wenn von den wirtschaftlichen Schwächen hier geredet wird, ja die gab es eindeutig und die heute noch zu "schönen" ist doch sinnlos.
Nur so marode wie oft dargestellt war es auch nicht. Die Wahrheit liegt da in der Mitte und eigentlich wäre es wichtig die Fehler zu begreifen, nur was nutzt es wenn es keine Korrekturmöglichkeit gibt....
Ja ich vermisse vieles immer noch und im Moment bleibt halt nur Erinnerung, die wird auch im Gedächtnis etwas geschönt und die Gegenwart mit ihren krassen Ungerechtigkeiten verstärkt es.
Ich halte mich deswegen etwas hier zurück. meinen Teil kann ich für mich tun in der gegenwart aktiv und bewußt zu wählen, auch um eine starke Opposition zu schaffen. Möglicherweise kann das die "Desozialisierung" bremsen und etwas mildern. Leider haben wir das System "vergeigt" und eine neue Chance wird so schnell nicht geben. Wenn nicht so viele Fehler gemacht wurden wären, dann wären hier nicht so viele EX-DDRbürger die sehr allergisch auf die DDR reagieren.

Ich vermisse nicht die Fehler und Schwächen, ich vermisse das Lebensgefühl und die Unabhängigkeit. heute ist eine größere Abhängigkeit durch finanzielle Zwänge.
Jetzt kommt die gleiche Diskussion wie mit "Freiheit", für jeden bedeutet Abhängigkeit etwas anderes.
Oft erfahre ich mehr Toleranz bei Altbundesbürgern, als bei ehemal. DDR Bürgern gegenüber der Vergangenheit.



Lieber DDR-Bürger,

das Lebensgefühl war ein ganz anderes, da stimme ich mit dir überein. Die Unabhängigkeit, da beginnt aber schon der Stoff für Diskussionen, Unabhängigkeit wovon? Finanzielle Unabhängigkeit? Unabhängigkeit vom Staat? Wovon unabhängig?
So marode soll es nicht gewesen sein?
Ich persönlich, und da kann ich nur für mich sprechen, stelle fest, wenn von ca. 15 Stück 10.000 Liter Tanks eines Säureaußenlagers schon 8 Stück durchgefault sind, und es gibt einfach keine neue, dann ist dies nicht ein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn ein Saugzuggebläse nur gegen Bereitstellung eines Ferienplatzes auf der Insel Rügen seinen Weg hierher auf die Insel findet, ist es ebenfalls kein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn Fischer nur mit einer Wanne voll Räucheraal Ersatzteile für ihre Bootsdiesel beschaffen können, wenn hunderte und aber hunderte solcher kleinen Beispiele der Normalfall waren, dann mag es ja auch funktionierende Betriebe gegeben haben, aber dies waren dann doch die Ausnahmen. Dies müsstest selbst Du zugeben.
Wer hat denn in der DDR diese Fehler gemacht? Doch nicht der, der an der Werkbank stand, der auf dem Traktor gesessen hat, der am Reißbrett gestanden hat. Die Fehler sind doch eindeutig von den führenden Genossen begangen worden, die sich selbst beklatschten, die große Reden schwangen und sich anschließend beim Totschießen der Hirsche entspannten. Fern ab von den Realitäten, die ihnen möglicherweise verschwiegen wurden.
Die Fehler haben die Menschen in Leipzig und auf den Straßen mit ihren Kerzen dann schnell korrigiert, was draus geworden ist, ist dann eine ganz andere Sache.


GKUS64 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#274

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 09:40
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@ddr-bürger,

jeder sucht sich aus seiner eigenen Erfahrung, eigenem Erleben und Haltung einen Erklärungsversuch heraus warum "wir" das System vergeigt haben.

Letztens las ich einen wie ich finde guten Erklärungsversuch zum Thema. Er war zwar nicht explizit auf die DDR gemünzt, sondern auf die SU aber im Übertragenen Sinn gilt es ja für das "System".
Das Herrschaftssystem war dem eines Imperium nicht unähnlich. Durch vielerlei Mechanismen ist es einem Imperium nur möglich seine Macht, seine Stärke, seinen Herrschaftsanspruch überhaupt, durch ständige Expansion zu sichern. Das kann territoriale Ausdehnung bedeuten, das kann ein Überstülpen der Ideologie auf zu beherrschende Territorien sein.
Was dem Imperium hingegen nicht gelingt, ist das es sich Innovativ auf wirtschaftlich/technischer Basis neu erfindet und sich den gewandelten globalen Bedingungen anpasst um weiterhin eine Art Vorreiterrolle; falls es die je hatte; zu übernehmen.
Sind die Bedingungen so das sich das Imperium nicht mehr ausdehnen kann implodiert es über kurz oder lang.

Die Implosion des Imperiums begann Mitte der achtziger Jahre mit dem Versuch "offen" über bisherige Fehler zu reden, halbherzige Korrekturversuche ohne Antastung der Machtgrundlage, Einparteienherrschaft.
Im weiteren Verlauf des Prozesses zog sich das Imperium zumindest Ideologisch aus den von ihm besetzten Gebieten zurück und überlies sie sich selbst.
Am deutlichsten wurde das mit dem territorialem Rückzug oder der Gebietsaufgabe Afghanistan zwischen Mai 1988 und Februar 1989.
Die vom "Mutterland" abhängigen Gebiete waren allein nicht Lebens- und/oder Überlebensfähig, so brach innerhalb kurzer Zeit in allen Ländern das System zusammen.
Es dauerte dann nur noch vom März 1989 bis Dezember 1991 und das Imperium selbst war Geschichte .........
Die Satelliten des Imperiums waren bereits innerhalb der Zeitspanne Sommer 1989 bis Sommer 1990 untergegangen, hatten sich "Systemseitig" aufgelöst und neu orientiert.

Dieses System konnte nicht "vergeigt" werden, es war insgesamt nicht Lebensfähig.
Es war ein Gesellschaftsentwurf welcher theoretisch die Schaffung einer neuen, sozial gerechten Welt durch die "Schaffung" eines neuen, kollektiven Menschentyps realisieren wollte.
Da aber der Mensch nicht unbedingt geneigt war ein "Neuer Mensch" zu werden wurde die Durchsetzung und Realisierung des Gesellschaftsentwurfes mit Hilfe der "bewährten" Mittel, Terror und Gewalt, versucht.
Nur kann ich mit Hilfe von Terror und Gewalt keine Masse von der Notwendigkeit des Aufbaus einer neuen Gesellschaft überzeugen, auch deswegen scheiterte die Idee grandios.

Was ich an der untergegangenen DDR vermisse? Im Prinzip nichts.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#275

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 11:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #268
Aber die von dir genannten Quellen sind selbstverständlich die Richtigen.......................Schon mal das MZ-Werk besucht? Da kannst du von Ehemaligen erfahren, wie toll es der DDR-Volkswitschaft ging!



Nein und das habe ich auch nie behauptet.

Die von mir benannten Quellen weisen aber Fakten nach, die bislang nicht widerlegt wurden.

Nein, das MZ-Werk habe ich in den letzten 14 Tagen nicht besucht. Dafür war ich 1977 im Zwicker Werk und habe gesehen, was die Jungs dort alles in ihren Schubladen hatten.
Damit hätte sich der Automobilbau der DDR international nicht verstecken müssen.

Wenn es um die Beurteilung der DDR-Wirtschaft geht, sollte man sich nur auf Fakten verlassen und diese findet man eben nicht in den Unterlagen der Treuhand - dessen Aufgabe war es, die DDR-Wirtschaft abzuwickeln, nicht sie zu sanieren.

andy[/quote]

Zitat




rot mark.
@andy , du sagts es, allein die Fakten zählen und die zeichnen selten ein gutes Bild der DDR. Was wäre wenn, was hat in den Schubladen gelegen, was hätte man noch machen können ?? Fragen über Fragen, aber allen gemeinsam ist ihr rethorischer Charakter, also ohne Substanz. Das Ist sah eben anders aus und nur das zählt.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
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#276

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 11:00
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #273
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #272
Ich lese noch immer hier. Im Moment habe ich das gefühl es dreht sich "im Kreis". Wenn von den wirtschaftlichen Schwächen hier geredet wird, ja die gab es eindeutig und die heute noch zu "schönen" ist doch sinnlos.
Nur so marode wie oft dargestellt war es auch nicht. Die Wahrheit liegt da in der Mitte und eigentlich wäre es wichtig die Fehler zu begreifen, nur was nutzt es wenn es keine Korrekturmöglichkeit gibt....
Ja ich vermisse vieles immer noch und im Moment bleibt halt nur Erinnerung, die wird auch im Gedächtnis etwas geschönt und die Gegenwart mit ihren krassen Ungerechtigkeiten verstärkt es.
Ich halte mich deswegen etwas hier zurück. meinen Teil kann ich für mich tun in der gegenwart aktiv und bewußt zu wählen, auch um eine starke Opposition zu schaffen. Möglicherweise kann das die "Desozialisierung" bremsen und etwas mildern. Leider haben wir das System "vergeigt" und eine neue Chance wird so schnell nicht geben. Wenn nicht so viele Fehler gemacht wurden wären, dann wären hier nicht so viele EX-DDRbürger die sehr allergisch auf die DDR reagieren.

Ich vermisse nicht die Fehler und Schwächen, ich vermisse das Lebensgefühl und die Unabhängigkeit. heute ist eine größere Abhängigkeit durch finanzielle Zwänge.
Jetzt kommt die gleiche Diskussion wie mit "Freiheit", für jeden bedeutet Abhängigkeit etwas anderes.
Oft erfahre ich mehr Toleranz bei Altbundesbürgern, als bei ehemal. DDR Bürgern gegenüber der Vergangenheit.



Lieber DDR-Bürger,

das Lebensgefühl war ein ganz anderes, da stimme ich mit dir überein. Die Unabhängigkeit, da beginnt aber schon der Stoff für Diskussionen, Unabhängigkeit wovon? Finanzielle Unabhängigkeit? Unabhängigkeit vom Staat? Wovon unabhängig?
So marode soll es nicht gewesen sein?
Ich persönlich, und da kann ich nur für mich sprechen, stelle fest, wenn von ca. 15 Stück 10.000 Liter Tanks eines Säureaußenlagers schon 8 Stück durchgefault sind, und es gibt einfach keine neue, dann ist dies nicht ein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn ein Saugzuggebläse nur gegen Bereitstellung eines Ferienplatzes auf der Insel Rügen seinen Weg hierher auf die Insel findet, ist es ebenfalls kein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn Fischer nur mit einer Wanne voll Räucheraal Ersatzteile für ihre Bootsdiesel beschaffen können, wenn hunderte und aber hunderte solcher kleinen Beispiele der Normalfall waren, dann mag es ja auch funktionierende Betriebe gegeben haben, aber dies waren dann doch die Ausnahmen. Dies müsstest selbst Du zugeben.
Wer hat denn in der DDR diese Fehler gemacht? Doch nicht der, der an der Werkbank stand, der auf dem Traktor gesessen hat, der am Reißbrett gestanden hat. Die Fehler sind doch eindeutig von den führenden Genossen begangen worden, die sich selbst beklatschten, die große Reden schwangen und sich anschließend beim Totschießen der Hirsche entspannten. Fern ab von den Realitäten, die ihnen möglicherweise verschwiegen wurden.
Die Fehler haben die Menschen in Leipzig und auf den Straßen mit ihren Kerzen dann schnell korrigiert, was draus geworden ist, ist dann eine ganz andere Sache.





Nun lass mal bitte die Arbeiter an der Werkbank und die Traktorenfahrer der LPG´s nicht ganz aus der Verantwortung. "Wie der Herre, so´s Geschärre", dieses alte Sprichwort kennst Du doch auch, oder ? Das war früher so und ist heute nicht anders. Ein Tritt in den Arsch war bei nicht wenigen nötig, damit die Leistung erbracht wurde, für die auch Geld bezahlt wurde. Auch bei dieser Einschätzung wird es so viel unterschiedliche Erfahrungen geben wie hier User mitlesen und mitschreiben, also bitte, ziehe sich die Jacke nur an, wem sie past ! Klar, in einem Betrieb der Großchemie, wo ich gelernt und gearbeitet habe, gab es keine Pausenüberziehung. Da war rund um die Schicht die Beobachtung der Armaturen angesagt. Auch am Band wurde geschaut, daß Pausen, auch die individuellen Raucherpausen, nicht übertrieben wurden. Ich hatte es schon mal geschrieben: Test in einer großen Schuhfirma. Gleiche Maschinen, gleiche Materialien, gleiche Modelle, aber trotzdem ca. 15% geringere Produktivität. Warum waren denn die Vietnamesen in den Nähereinen der Leichtindustrie Normübererfüller ? Nicht weil ihnen bessere Arbeitsbedingungen gewährt worde, sondern weil sie ihre AZ besser ausnutzten. Rüganer, ich war lange Zeit Arbeitsnormer und hatte vorher mehrere Jahre als Springer in allen Produktionsbereichen gearbeitet. Hatte es schon mal geschrieben. Bei Einführung der Normen (vorher Zeitlohn) wurde bisherige Leistung als 100% gerechnet und damit ja keine Stimmungen aufkamen, noch als Sicherheit ein paar % rauf. AZ-Auslastung ca.5 - 6 Stunden der bezahlten 8 3/4 h. NE durchschnittl. 120 - 130%.
Auf dem Arbeitsamt lies sich ein zu Vermittelnder zu der Bemerkung hinreißen: "Ach, der Betrieb, wo die vielen Pausen gemacht werden!". Gut, wir zählten mit Minol zu den brandgefährdetsten Firmen in Erfurt, wobei bei uns viel überirdisch lagerte (Fertigware) und im gesamten Betrieb Rauchverbot war. Da konnte nicht nebenbei am Arbeitsplatz geraucht werden und so wurden Pausen eingelegt. In der Summe, mit Umkleidezeit, Pausenüberziehung und was sonst noch so war eben diese 3 - 4 h zusätzlich. Da ich Nichtraucher war, hatte ich anfangs die nächsten Arbeiten vorbereitet während mein Kollege eine dampfte. Irgendwann habe ich das nicht mehr eingesehen und habe mich dazugesetzt. Meiner Frau erging es am Band ebenso. Sie wurde leichtsinnigerweise zur Raucherin, weil ihre Meisterin ihr n ur dann die Zusatzpausen gewährte. Rüganer, und nun erzähle mir noch was von der Alleinschuld der führenden Genossen. Lies mal das Buch des amerikanischen Historikers Portüber die Arbeitsmoral der normalen Arbeiter. Der stellt das zwar als Art des Widerstandes gegen das System dar, aber die Fakten bleiben. Der Schlendrian hatte gleich nach DDR-Gründung Einzug gehalten und wurde nicht gebremst aus Angst, die Massen könnten rebellieren. 1953 wurde es mal mit der Holzhackermethode versucht, mit bekanntem Ausgang. Seitdem wurden die Finger davon gelassen. Also die Schuldfrage bitte auf breitere Schultern verteilen



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#277

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 11:06
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #274
@ddr-bürger,

jeder sucht sich aus seiner eigenen Erfahrung, eigenem Erleben und Haltung einen Erklärungsversuch heraus warum "wir" das System vergeigt haben.

Letztens las ich einen wie ich finde guten Erklärungsversuch zum Thema. Er war zwar nicht explizit auf die DDR gemünzt, sondern auf die SU aber im Übertragenen Sinn gilt es ja für das "System".
Das Herrschaftssystem war dem eines Imperium nicht unähnlich. Durch vielerlei Mechanismen ist es einem Imperium nur möglich seine Macht, seine Stärke, seinen Herrschaftsanspruch überhaupt, durch ständige Expansion zu sichern. Das kann territoriale Ausdehnung bedeuten, das kann ein Überstülpen der Ideologie auf zu beherrschende Territorien sein.
Was dem Imperium hingegen nicht gelingt, ist das es sich Innovativ auf wirtschaftlich/technischer Basis neu erfindet und sich den gewandelten globalen Bedingungen anpasst um weiterhin eine Art Vorreiterrolle; falls es die je hatte; zu übernehmen.
Sind die Bedingungen so das sich das Imperium nicht mehr ausdehnen kann implodiert es über kurz oder lang.

Die Implosion des Imperiums begann Mitte der achtziger Jahre mit dem Versuch "offen" über bisherige Fehler zu reden, halbherzige Korrekturversuche ohne Antastung der Machtgrundlage, Einparteienherrschaft.
Im weiteren Verlauf des Prozesses zog sich das Imperium zumindest Ideologisch aus den von ihm besetzten Gebieten zurück und überlies sie sich selbst.
Am deutlichsten wurde das mit dem territorialem Rückzug oder der Gebietsaufgabe Afghanistan zwischen Mai 1988 und Februar 1989.
Die vom "Mutterland" abhängigen Gebiete waren allein nicht Lebens- und/oder Überlebensfähig, so brach innerhalb kurzer Zeit in allen Ländern das System zusammen.
Es dauerte dann nur noch vom März 1989 bis Dezember 1991 und das Imperium selbst war Geschichte .........
Die Satelliten des Imperiums waren bereits innerhalb der Zeitspanne Sommer 1989 bis Sommer 1990 untergegangen, hatten sich "Systemseitig" aufgelöst und neu orientiert.

Dieses System konnte nicht "vergeigt" werden, es war insgesamt nicht Lebensfähig.
Es war ein Gesellschaftsentwurf welcher theoretisch die Schaffung einer neuen, sozial gerechten Welt durch die "Schaffung" eines neuen, kollektiven Menschentyps realisieren wollte.
Da aber der Mensch nicht unbedingt geneigt war ein "Neuer Mensch" zu werden wurde die Durchsetzung und Realisierung des Gesellschaftsentwurfes mit Hilfe der "bewährten" Mittel, Terror und Gewalt, versucht.
Nur kann ich mit Hilfe von Terror und Gewalt keine Masse von der Notwendigkeit des Aufbaus einer neuen Gesellschaft überzeugen, auch deswegen scheiterte die Idee grandios.

Was ich an der untergegangenen DDR vermisse? Im Prinzip nichts.

Gruß
Nostalgiker


Und warum bist Du dann der "Nostalgiker" ?



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#278

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 11:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #276
Zitat von Rüganer im Beitrag #273
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #272
Ich lese noch immer hier. Im Moment habe ich das gefühl es dreht sich "im Kreis". Wenn von den wirtschaftlichen Schwächen hier geredet wird, ja die gab es eindeutig und die heute noch zu "schönen" ist doch sinnlos.
Nur so marode wie oft dargestellt war es auch nicht. Die Wahrheit liegt da in der Mitte und eigentlich wäre es wichtig die Fehler zu begreifen, nur was nutzt es wenn es keine Korrekturmöglichkeit gibt....
Ja ich vermisse vieles immer noch und im Moment bleibt halt nur Erinnerung, die wird auch im Gedächtnis etwas geschönt und die Gegenwart mit ihren krassen Ungerechtigkeiten verstärkt es.
Ich halte mich deswegen etwas hier zurück. meinen Teil kann ich für mich tun in der gegenwart aktiv und bewußt zu wählen, auch um eine starke Opposition zu schaffen. Möglicherweise kann das die "Desozialisierung" bremsen und etwas mildern. Leider haben wir das System "vergeigt" und eine neue Chance wird so schnell nicht geben. Wenn nicht so viele Fehler gemacht wurden wären, dann wären hier nicht so viele EX-DDRbürger die sehr allergisch auf die DDR reagieren.

Ich vermisse nicht die Fehler und Schwächen, ich vermisse das Lebensgefühl und die Unabhängigkeit. heute ist eine größere Abhängigkeit durch finanzielle Zwänge.
Jetzt kommt die gleiche Diskussion wie mit "Freiheit", für jeden bedeutet Abhängigkeit etwas anderes.
Oft erfahre ich mehr Toleranz bei Altbundesbürgern, als bei ehemal. DDR Bürgern gegenüber der Vergangenheit.



Lieber DDR-Bürger,

das Lebensgefühl war ein ganz anderes, da stimme ich mit dir überein. Die Unabhängigkeit, da beginnt aber schon der Stoff für Diskussionen, Unabhängigkeit wovon? Finanzielle Unabhängigkeit? Unabhängigkeit vom Staat? Wovon unabhängig?
So marode soll es nicht gewesen sein?
Ich persönlich, und da kann ich nur für mich sprechen, stelle fest, wenn von ca. 15 Stück 10.000 Liter Tanks eines Säureaußenlagers schon 8 Stück durchgefault sind, und es gibt einfach keine neue, dann ist dies nicht ein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn ein Saugzuggebläse nur gegen Bereitstellung eines Ferienplatzes auf der Insel Rügen seinen Weg hierher auf die Insel findet, ist es ebenfalls kein Zeichen einer florierenden Wirtschaft.
Wenn Fischer nur mit einer Wanne voll Räucheraal Ersatzteile für ihre Bootsdiesel beschaffen können, wenn hunderte und aber hunderte solcher kleinen Beispiele der Normalfall waren, dann mag es ja auch funktionierende Betriebe gegeben haben, aber dies waren dann doch die Ausnahmen. Dies müsstest selbst Du zugeben.
Wer hat denn in der DDR diese Fehler gemacht? Doch nicht der, der an der Werkbank stand, der auf dem Traktor gesessen hat, der am Reißbrett gestanden hat. Die Fehler sind doch eindeutig von den führenden Genossen begangen worden, die sich selbst beklatschten, die große Reden schwangen und sich anschließend beim Totschießen der Hirsche entspannten. Fern ab von den Realitäten, die ihnen möglicherweise verschwiegen wurden.
Die Fehler haben die Menschen in Leipzig und auf den Straßen mit ihren Kerzen dann schnell korrigiert, was draus geworden ist, ist dann eine ganz andere Sache.





Nun lass mal bitte die Arbeiter an der Werkbank und die Traktorenfahrer der LPG´s nicht ganz aus der Verantwortung. "Wie der Herre, so´s Geschärre", dieses alte Sprichwort kennst Du doch auch, oder ? Das war früher so und ist heute nicht anders. Ein Tritt in den Arsch war bei nicht wenigen nötig, damit die Leistung erbracht wurde, für die auch Geld bezahlt wurde. Auch bei dieser Einschätzung wird es so viel unterschiedliche Erfahrungen geben wie hier User mitlesen und mitschreiben, also bitte, ziehe sich die Jacke nur an, wem sie past ! Klar, in einem Betrieb der Großchemie, wo ich gelernt und gearbeitet habe, gab es keine Pausenüberziehung. Da war rund um die Schicht die Beobachtung der Armaturen angesagt. Auch am Band wurde geschaut, daß Pausen, auch die individuellen Raucherpausen, nicht übertrieben wurden. Ich hatte es schon mal geschrieben: Test in einer großen Schuhfirma. Gleiche Maschinen, gleiche Materialien, gleiche Modelle, aber trotzdem ca. 15% geringere Produktivität. Warum waren denn die Vietnamesen in den Nähereinen der Leichtindustrie Normübererfüller ? Nicht weil ihnen bessere Arbeitsbedingungen gewährt worde, sondern weil sie ihre AZ besser ausnutzten. Rüganer, ich war lange Zeit Arbeitsnormer und hatte vorher mehrere Jahre als Springer in allen Produktionsbereichen gearbeitet. Hatte es schon mal geschrieben. Bei Einführung der Normen (vorher Zeitlohn) wurde bisherige Leistung als 100% gerechnet und damit ja keine Stimmungen aufkamen, noch als Sicherheit ein paar % rauf. AZ-Auslastung ca.5 - 6 Stunden der bezahlten 8 3/4 h. NE durchschnittl. 120 - 130%.
Auf dem Arbeitsamt lies sich ein zu Vermittelnder zu der Bemerkung hinreißen: "Ach, der Betrieb, wo die vielen Pausen gemacht werden!". Gut, wir zählten mit Minol zu den brandgefährdetsten Firmen in Erfurt, wobei bei uns viel überirdisch lagerte (Fertigware) und im gesamten Betrieb Rauchverbot war. Da konnte nicht nebenbei am Arbeitsplatz geraucht werden und so wurden Pausen eingelegt. In der Summe, mit Umkleidezeit, Pausenüberziehung und was sonst noch so war eben diese 3 - 4 h zusätzlich. Da ich Nichtraucher war, hatte ich anfangs die nächsten Arbeiten vorbereitet während mein Kollege eine dampfte. Irgendwann habe ich das nicht mehr eingesehen und habe mich dazugesetzt. Meiner Frau erging es am Band ebenso. Sie wurde leichtsinnigerweise zur Raucherin, weil ihre Meisterin ihr n ur dann die Zusatzpausen gewährte. Rüganer, und nun erzähle mir noch was von der Alleinschuld der führenden Genossen. Lies mal das Buch des amerikanischen Historikers Portüber die Arbeitsmoral der normalen Arbeiter. Der stellt das zwar als Art des Widerstandes gegen das System dar, aber die Fakten bleiben. Der Schlendrian hatte gleich nach DDR-Gründung Einzug gehalten und wurde nicht gebremst aus Angst, die Massen könnten rebellieren. 1953 wurde es mal mit der Holzhackermethode versucht, mit bekanntem Ausgang. Seitdem wurden die Finger davon gelassen. Also die Schuldfrage bitte auf breitere Schultern verteilen


Mit genau solchen Erfahrungen konnte ich über 15 Jahre nach der Wende in meiner neu aufgebauten Firma Arbeitsverträge mit entwerfen, die alle Unwägbarkeiten hinsichtlich der Gefahr von Gleichmacherei berücksichtigt hatten.
Am Ende kann ich sagen, daß in dieser Firma jeder das mehr verdient, das er besser ist als andere.
Gegen eine Mehrheit wurde u.a. durchgesetzt, daß keine Gehälter, sondern auf Basis von Kilometern und Arbeitsstunden berechnete Leistungslöhne gezahlt wurden.
Zwar hat jeder auf Basis der geplanten Monatsstunden über Ausgleichsregelungen eine Art sicheres festes Gehalt, das konnte aber durchaus um mehrere 100 Euro unter den Kollegen liegen, die "anspielbar" waren, wenn Bedarf bestand, es wäre im Detail etwas kompliziert zu erklären, hat auch wegen des überdurchschnittlichen Einkommens wenig mit "Preise verderben" zu tun aber wenn ich eine Erinnerung an den sozialistischen Produktionsalltag aus meinem aktuellen Arbeitsleben verbannen konnte, dann sind das Kollegen mit parasitärer Arbeitsweise auf dem gleichen Einkommensniveau.
Solche neuen Werte geben ein klein wenig Hoffnung, die den Untergang der DDR Nostalgikern wie mir ein wenig erträglicher machen.
Mit Blick auf die Gesamtkonstruktion (Langzeitarbeitslose, leistungslose Gehaltsbezieher auf hochdotierten Posten, die es in der DDR nie gegeben hätte usw.) bin ich aber eben trotzdem nicht von der Überlegenheit des alten Systems überzeugt, da die Kollegen mit der "parasitären Arbeitsweise" auch bloß keine Arbeit im ostdeutschen Agrarstaat gefunden haben, die mehr ihren Neigungen entsprochen hätte und so macht man eben widerwillig einen Job, welchen der vielen Opfer wegen so kein anderer mehr nachgehen will.
Das Brutto- Nationalglück war wohl doch deutlich größer in der DDR.

http://www.gluecksforschung.org/?p=811



zuletzt bearbeitet 03.01.2013 14:32 | nach oben springen

#279

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 12:15
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #277
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #274
@ddr-bürger,

Was ich an der untergegangenen DDR vermisse? Im Prinzip nichts.

Gruß
Nostalgiker


Und warum bist Du dann der "Nostalgiker" ?


Gute Frage, bitte die nächste Frage.......

Es gibt bestimmte Erinnerungen, bestimmte Ereignisse die vielleicht so hätten nicht stattfinden können wenn das System ein anderes gewesen wäre.
An positives und negatives erinnere ich mich gerne, ohne da etwas zu verklären.

Natürlich kann ich mich Heute hinstellen um mich lauthals über mir widerfahrenes Unrecht zu beschweren, das alles Sche*** war in der DDR. Wenn ich das mache werte ich einen großen Teil meines gelebten Lebens ab, so mein Standpunkt.
Also erinnere ich mich doch lieber aus dem Abstand der Jahre, mit dazugewonnenem heutigen Wissen, an Situationen und Dinge wo ich mich manchmal fragen kann, waren wir wirklich so bekloppt? Wieso habe ich da mitgemacht.
Ich will auch nicht verhehlen das das Eine oder Andere damals auch Spass gemacht hat und die in ihrer Gesamtheit gemachten Erfahrungen damals auch heute nicht völlig unnütz sind.

So wie mich damals diese undiffernzierte, kritiklose Bejubelung des besten aller Sozialismen in den Farben der DDR angewidert hat, so stößt mich heutzutage die gleiche vorbehaltlose Bejubelung der sogenannten freiheitlich-demokratischen Grundordnung, welche genau wie damals die führende Rolle, in die Verfassung/GG auf "ewig" einzementiert ist.

Ob ich die DDR mochte oder nicht sei dahingestellt aber sie war ein souveräner Staat mit eigenen Gesetzen und eigener Rechtsauffassung. Wenn diese einem aus einem bestimmten Blickwinkel nicht gefallen ist das eine Sache aber deshalb den Staat DDR gleich als rechtsfreien Raum darzustellen welcher von einer "kriminellen Mörderbande" in mafiösen Strukturen beherrscht wurde, ist mir manchmal ein Tick zu viel.

Persönlich belustigend finde ich immer wieder solche Aussagen, wie letztens als ich bestimmte Gesetze benannte die zur Regelung offener Eigentumsverhältnisse in der DDR dienten, das nur allein durch die Nennung eines DDR Gesetzes zu erkennen sei das ich die DDR verherrliche......
Wie armselig muß doch jemand sein der zu solch platten und nur auf Diffamierung zielenden Äußerungen greifen muß um seine eigene Unkenntnis und Ahnungslosigkeit zum Thema zu kaschieren.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#280

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 13:47
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zum Thema DDR-Witschaft gibt es heute was im Fernsehen : http://programm.ard.de/TV/tagesschau24/p...376929?list=now. Selbstverständlich "Propaganda" vom Klassenfeind...........


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