#1

Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 28.11.2012 21:18
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Hier sind einige Werbespots mit denen die einzelnen Parteien auf Stimmenfang gegangen sind.




Leeres Wahlversprechen Nummer Eins: Umtausch 1:1 von DDR Mark zu DM.


zuletzt bearbeitet 28.11.2012 21:20 | nach oben springen

#2

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 11:20
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Abgesehen von den Wahlversprechen, für mich war dieser Tag was großes, das erste mal frei wählen und für andere war das sicherlich auch so, denn ich musste mich anstellen am Wahllokal.


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#3

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 11:29
von Pit 59 | 10.165 Beiträge

Und Ich war das erste mal 18.00 Uhr im Wahllokal beim Auszählen dabei.Die Jahre vorher hatte ich keine Zeit


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#4

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 13:14
von Fritze (gelöscht)
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Ich begleitete den Transport von Stimmzetteln und das Wetter war wie gemacht für den Tag.Die Strassen waren voller Leute und die Röcke waren so kurz. Dann hatte ich noch ne Wette um 50 Liter Bier gewonnen,weil ich vorausgesagt hatte ,daß die Sozis es nicht schaffen.machen zwar auf menschlichkeit ,sind aber seit mehr als 100 Jahren Opportunisten vor dem Herrn.
Ps Damals musste der Kumpel nur 60 mark der DDR für das Fass Pilsator zahlen.Heute wäre die Wette teurer.


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#5

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 14:34
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Und Ich war das erste mal 18.00 Uhr im Wahllokal beim Auszählen dabei.Die Jahre vorher hatte ich keine Zeit [grins1]



wurde denn in den Jahren zuvor überhaupt gezählt ?? Für 99,99% braucht man doch nicht zählen


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Pit 59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.11.2012 14:34 | nach oben springen

#6

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 15:22
von Rostocker | 7.736 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #5
Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Und Ich war das erste mal 18.00 Uhr im Wahllokal beim Auszählen dabei.Die Jahre vorher hatte ich keine Zeit [grins1]



wurde denn in den Jahren zuvor überhaupt gezählt ?? Für 99,99% braucht man doch nicht zählen




Gert das kannste doch nicht wissen---Du warst doch nicht anwesendHast doch selber mal geschrieben,das Dir die DDR nach Deinen Übertritt in die BRD,am A.vorbei ging.Wach biste erst zu Wende geworden,als Du in Deinen Sessel gesessen hast und alles am Fernseher verfolgt hast:


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#7

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 16:54
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #6
Zitat von Gert im Beitrag #5
Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Und Ich war das erste mal 18.00 Uhr im Wahllokal beim Auszählen dabei.Die Jahre vorher hatte ich keine Zeit [grins1]



wurde denn in den Jahren zuvor überhaupt gezählt ?? Für 99,99% braucht man doch nicht zählen




Gert das kannste doch nicht wissen---Du warst doch nicht anwesendHast doch selber mal geschrieben,das Dir die DDR nach Deinen Übertritt in die BRD,am A.vorbei ging.Wach biste erst zu Wende geworden,als Du in Deinen Sessel gesessen hast und alles am Fernseher verfolgt hast:



Wieso kann ich das nicht wissen, lese doch damals wie heute aufmerksam Zeitung. Stand doch in " Bild " 99,99 % für einen gewissen E.H.



P.S. Rostocker da fällt mir ein , einmal war ich Zettel falten, das war als ich bei der Armee war, ich glaube 1964. habe mich noch unbeliebt gemacht, weil ich gefragt habe, wo man was ankreuzen muss.


.
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zuletzt bearbeitet 29.11.2012 16:57 | nach oben springen

#8

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 17:26
von 94 | 10.792 Beiträge

Der Buchhalter übertreibt ja mal wieder masslos. Neunundneunzigkommaneunundneunzig Prozente, zu welcher Volkskammerwahl soll'n das gewesen sein? Zumindest 1963, also genau die Wahl an der du @Gert teilgenommen haben durftest, hat mit 0,5 ‰ Ungültig das beste Ergebniss aller Zeiten gehabt ...

Volkskammer-Wahlen in der DDR 1950 bis 1986

Alle Angaben in %

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
 
Jahr	Beteiligung	Ja	ungültig 
1950 98,53 99,72 0,28
1954 98,51 99,46 0,54
1958 98,90 99,87 0,13
1963 99,25 99,95 0,05
1967 99,82 99,93 0,07
1971 98,48 99,85 0,15
1976 98,58 99,86 0,14
1981 99,21 99,86 0,14
1986 99,74 99,94 0,06
 

Quelle: http://www.wahlen-98.de/HTML/ARCHIV/wahlerg.htm#DDR

Ansonsten hatte ich so einen Kasperkopp auch zur Wahl '89 in meinem Zug. Fragt der doch tatsächlich nach einem Kuli und einer Wahlkabine.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 29.11.2012 17:32 | nach oben springen

#9

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 17:33
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #2
Abgesehen von den Wahlversprechen, für mich war dieser Tag was großes, das erste mal frei wählen und für andere war das sicherlich auch so, denn ich musste mich anstellen am Wahllokal.


Siehste Grenzwolf,

da war ich cleverer! In der DDR habe ich grundsätzlich meine Stimme im Sonderwahllokal abgegeben, auch bei den Volkskammerwahlen 1990. So hatte ich den Sonntag für mich und konnte mich entspannt zurücklehnen. War wohl doch nicht alles schlecht in der DDR, denn leider gibt es die Sonderwahllokale nicht mehr und Briefwahl ist mir zu doof, weil ich befürchten muß, daß meine Stimme auf den Postweg verloren geht. Notgedrungen gehe ich heute sonntags wählen!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#10

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 17:35
von damals wars | 12.219 Beiträge

Der Vorwurf hat es in sich: Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld (CDU) wirft dem Bundestag vor, er wüsste nicht, worüber er abstimmt — und vergleicht ihn mit der DDR-Volkskammer.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...olkskammer.html


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#11

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 18:42
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #8
Der Buchhalter übertreibt ja mal wieder masslos. Neunundneunzigkommaneunundneunzig Prozente, zu welcher Volkskammerwahl soll'n das gewesen sein? Zumindest 1963, also genau die Wahl an der du @Gert teilgenommen haben durftest, hat mit 0,5 ‰ Ungültig das beste Ergebniss aller Zeiten gehabt ...

Volkskammer-Wahlen in der DDR 1950 bis 1986

Alle Angaben in %

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
 
Jahr	Beteiligung	Ja	ungültig 
1950 98,53 99,72 0,28
1954 98,51 99,46 0,54
1958 98,90 99,87 0,13
1963 99,25 99,95 0,05
1967 99,82 99,93 0,07
1971 98,48 99,85 0,15
1976 98,58 99,86 0,14
1981 99,21 99,86 0,14
1986 99,74 99,94 0,06
 

Quelle: http://www.wahlen-98.de/HTML/ARCHIV/wahlerg.htm#DDR

Ansonsten hatte ich so einen Kasperkopp auch zur Wahl '89 in meinem Zug. Fragt der doch tatsächlich nach einem Kuli und einer Wahlkabine.




@94
na ja weit weg sind deine Zahlen von meiner Schätzung aber nicht. Glaubwürdiger werden sie durch die geringe Abweichung auch nicht.
Dein " Kasperkopp" und ich beherrschen in jedem Fall aber die deutsche Sprache. Denn " Wahl" bedeutet für mich immer noch die Auslese zwischen mindestens 2 Dingen. Als das konnte man die "DDR Wahl" ja nun nicht gerade bezeichnen. Ja, 1963 als Wahljahr kann auch sein, das ist so lange her, es war in jedem Fall in meiner Dienstzeit bei der Armee. 1965 habe ich an meiner ersten Bundestagswahl teilgenommen. Da brauchte ich jedenfalls einen Bleistift.


.
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#12

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 18:49
von 94 | 10.792 Beiträge

Das Problem war, bei mir war der Kasperkopp der LO-Fahrer und nach der Stimmabgabe sollte es ins Freibad gehn! Irgendein Stabsoffizier war Wahlleiter oder irgendsowas und bekam erst ein recht blasses und dann einen sehr ungesund und tiefrotes Antlitz und begann einen vermutlich mehrstündigen Agitationsvortrag über die Errungenschaften der Arbeiterklasse im Allgemeinen und der freien und willigen, also freiwilligen Stimmabgabe eines Gefreiten im Besonderen anzusetzen.
Der Rest des Zuges stinksauer ... wiegesagt, Freibad stand eigentlich auf dem Plan aber das wird jetzt zu sehr oT.

P.S. Na egal, im Freibad war'n wir doch noch irgendwie gegen etwas später und der 'Kasperkopp' hatte als E einige Boiler auch an die Glatten zu spendieren.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 29.11.2012 18:52 | nach oben springen

#13

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 19:18
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #12
Das Problem war, bei mir war der Kasperkopp der LO-Fahrer und nach der Stimmabgabe sollte es ins Freibad gehn! Irgendein Stabsoffizier war Wahlleiter oder irgendsowas und bekam erst ein recht blasses und dann einen sehr ungesund und tiefrotes Antlitz und begann einen vermutlich mehrstündigen Agitationsvortrag über die Errungenschaften der Arbeiterklasse im Allgemeinen und der freien und willigen, also freiwilligen Stimmabgabe eines Gefreiten im Besonderen anzusetzen.
Der Rest des Zuges stinksauer ... wiegesagt, Freibad stand eigentlich auf dem Plan aber das wird jetzt zu sehr oT.

P.S. Na egal, im Freibad war'n wir doch noch irgendwie gegen etwas später und der 'Kasperkopp' hatte als E einige Boiler auch an die Glatten zu spendieren.

Eigentlich habe ich immer die Wahlkabine aufgesucht, nur einmal nicht, während meiner Dienstzeit bei den GT, ich weiß noch nicht mal ob das eine Volkskammerwahl war...
Kugelschreiber hatte ich stets zur Hand!

Gruß Hartmut!


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#14

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 20:33
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Das einzige Mal keine Wahlkabine aufgesucht habe ich damals im April 68 zur Abstimmung über die DDR-Verfassung im letzten Monat meiner Grenzerzeit. Eins Wahlkabine stand vorschrifftsmäßig da. Unser Politnik (Spitzname "Fury", wie das Pferd aus der TV-Serie) stand komisch grinsend hinter einem und schien zuzugucken, wo jeder sein Kreuz hinmachte. Ich habe mich im nachhinein schwarz geärgert, daß ich nicht in die Kabine gegangen bin. Mein Kreuz hätte ich schon richtig gemacht, aber die Art und Weise ging mir total gegen den Strich.
Was bei den übrigen Wahlen die Beteiligung betrifft, wurde mit einem einfachen trick gearbeitet. Ich war bei den letzten beiden Wahlen Ende der 80er Mitarbeiter des Wahlbüros in unserem Patenwohnbezirk. Einmal auch Wahllokalleiter. Wir erhielten beim Empfang der Wahlunterlagen früh vor 6.00 Uhr die Richtlinie, daß Bürger, die vorher schon klar geäußert hatten, nicht an der Wahl teilzunehmen, gar nicht erst als Wahlberechtigte geführt wurden. Sollte wider Erwarten doch einer von ihnen kommen und wählen wollen, sollte er dann nachträglich als Wahlberechtigter aufgenommen werden. Ich habe damals zu meinen anderen Wahlbüromitarbeitern auch gesagt, daß ich das für Manipulation halte. Man kann mir natürlich jetzt vorwerfen, warum ich dann das nicht öffentlich gemacht habe, dagegen bei den Verantwortlichen protestiert oder die Sache hingeschmissen habe. Es wird wohl so sein, daß sich heute so mancher, auch von uns Forumianern fragt, warum er dies oder jenes so unwidersprochen hingenommen hat. Ausgezählt wurden die Stimmen durch uns korrekt. Als Wahlbüromitarbeiter waren nicht nur SED-Mitglieder eingesetzt, sondern auch Parteilose, Blockparteien und diverse gesellschaftliche Organisationen (Kulturbund, Frauenbund u.s.w.). Eine Manipulation hat meines Wissens nicht in den Wahlbüros stattgefunden (außer der schon erwähnten Wertung ob Wahlberechtigter oder nicht, wo wir praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt waren). Auf den weiteren Umgang mit den Ergebnissen hatten wir keinen Einfluss mehr. Es gab natürlich auch uns zu denken, wenn wir bei unserer Auszählung auf Ergebisse kamen, die doch mehr oder weniger deutlich von den am Folgetag veröffentlichten Ergebnissen abwich. Man traf ja auch danach den Einen oder Anderen Bekannten, Kollegen u.a., von denen man wußte, daß sie auch Mitarbeiter in einem Wahlbüro waren und hat sich da so über die ausgezählten Ergebnisse ausgetauscht.
Aber was ich mir die ganzen Jahre überlegt habe, wenn immmer von den "ersten freien Wahlen" und und den "unfreien Wahlen in der DDR" die Rede ist: Was sind die Kennzeichen einer "Freien Wahl" ? Habe da mal bei Wikipedia reingeschaut. Oder ist die dortige Definition nicht zutreffend ?
Mal abgesehen, daß die Ergebnisse danach im Sinne der "führenden Partei" "geschönt" wurden, hat das aber m.E. nichts mit der Freiheit der eigentlichen Wahl selbst zu tun. Ich weiß, daß ich jetzt in ein Wespennest steche und möglicherwiese wütende Proteste ernte, aber ich will´s mal wissen, wie die Gegenargumente lauten. Also erst mal festgehalten: 1. Es standen Kandidaten mehrerer Parteien zur Wahl. 2. Die Wahl war jedem Bürger möglich. 3. Die Wahl war geheim. Es soll mir hierzu keiner weiszumachen versuchen, er wäre aufgeschrieben worden, weil er die Kabine benutzt und sein Wahlverhalten irgendwo oben gemeldet worden. Ich will nicht ausschließen, daß es in einigen wenigen Wahllokalen versucht wurde, aber das wären dann auch offiziell untersagte Handlungen gewesen, mit denen sich ein Bürger Liebkind irgendwo machen wollte. Selbst hatte ich, wie oben erwähnt, stets die Wahlkabine benutzt. Mal eine hypothetische Frage: Warum haben die Wähler nicht so gewählt wie bei der ersten Wahl nach der Wende ? War es die satte Bequemlichkeit im System ? Sie hätten ihre Stimme auch an die "Blockparteien" geben können. So viel Prozent hätte nicht so weit manipuliuert werden können.



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#15

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 20:53
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Hier noch mehr Eindruecke von der damaligen Volkskammerwahl.

http://www.spiegel.de/video/volkskammerw...eo-1056145.html


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#16

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 22:31
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #13
Zitat von 94 im Beitrag #12
Das Problem war, bei mir war der Kasperkopp der LO-Fahrer und nach der Stimmabgabe sollte es ins Freibad gehn! Irgendein Stabsoffizier war Wahlleiter oder irgendsowas und bekam erst ein recht blasses und dann einen sehr ungesund und tiefrotes Antlitz und begann einen vermutlich mehrstündigen Agitationsvortrag über die Errungenschaften der Arbeiterklasse im Allgemeinen und der freien und willigen, also freiwilligen Stimmabgabe eines Gefreiten im Besonderen anzusetzen.
Der Rest des Zuges stinksauer ... wiegesagt, Freibad stand eigentlich auf dem Plan aber das wird jetzt zu sehr oT.

P.S. Na egal, im Freibad war'n wir doch noch irgendwie gegen etwas später und der 'Kasperkopp' hatte als E einige Boiler auch an die Glatten zu spendieren.

Eigentlich habe ich immer die Wahlkabine aufgesucht, nur einmal nicht, während meiner Dienstzeit bei den GT, ich weiß noch nicht mal ob das eine Volkskammerwahl war...
Kugelschreiber hatte ich stets zur Hand!

Gruß Hartmut!




Hartmut, warst du vielleicht derjenige, der die Ergebnis-Quote von 100 % Wahlzustimmung verhindert hat ?


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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#17

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 22:46
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #14
Das einzige Mal keine Wahlkabine aufgesucht habe ich damals im April 68 zur Abstimmung über die DDR-Verfassung im letzten Monat meiner Grenzerzeit. Eins Wahlkabine stand vorschrifftsmäßig da. Unser Politnik (Spitzname "Fury", wie das Pferd aus der TV-Serie) stand komisch grinsend hinter einem und schien zuzugucken, wo jeder sein Kreuz hinmachte. Ich habe mich im nachhinein schwarz geärgert, daß ich nicht in die Kabine gegangen bin. Mein Kreuz hätte ich schon richtig gemacht, aber die Art und Weise ging mir total gegen den Strich.
Was bei den übrigen Wahlen die Beteiligung betrifft, wurde mit einem einfachen trick gearbeitet. Ich war bei den letzten beiden Wahlen Ende der 80er Mitarbeiter des Wahlbüros in unserem Patenwohnbezirk. Einmal auch Wahllokalleiter. Wir erhielten beim Empfang der Wahlunterlagen früh vor 6.00 Uhr die Richtlinie, daß Bürger, die vorher schon klar geäußert hatten, nicht an der Wahl teilzunehmen, gar nicht erst als Wahlberechtigte geführt wurden. Sollte wider Erwarten doch einer von ihnen kommen und wählen wollen, sollte er dann nachträglich als Wahlberechtigter aufgenommen werden. Ich habe damals zu meinen anderen Wahlbüromitarbeitern auch gesagt, daß ich das für Manipulation halte. Man kann mir natürlich jetzt vorwerfen, warum ich dann das nicht öffentlich gemacht habe, dagegen bei den Verantwortlichen protestiert oder die Sache hingeschmissen habe. Es wird wohl so sein, daß sich heute so mancher, auch von uns Forumianern fragt, warum er dies oder jenes so unwidersprochen hingenommen hat. Ausgezählt wurden die Stimmen durch uns korrekt. Als Wahlbüromitarbeiter waren nicht nur SED-Mitglieder eingesetzt, sondern auch Parteilose, Blockparteien und diverse gesellschaftliche Organisationen (Kulturbund, Frauenbund u.s.w.). Eine Manipulation hat meines Wissens nicht in den Wahlbüros stattgefunden (außer der schon erwähnten Wertung ob Wahlberechtigter oder nicht, wo wir praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt waren). Auf den weiteren Umgang mit den Ergebnissen hatten wir keinen Einfluss mehr. Es gab natürlich auch uns zu denken, wenn wir bei unserer Auszählung auf Ergebisse kamen, die doch mehr oder weniger deutlich von den am Folgetag veröffentlichten Ergebnissen abwich. Man traf ja auch danach den Einen oder Anderen Bekannten, Kollegen u.a., von denen man wußte, daß sie auch Mitarbeiter in einem Wahlbüro waren und hat sich da so über die ausgezählten Ergebnisse ausgetauscht.
Aber was ich mir die ganzen Jahre überlegt habe, wenn immmer von den "ersten freien Wahlen" und und den "unfreien Wahlen in der DDR" die Rede ist: Was sind die Kennzeichen einer "Freien Wahl" ? Habe da mal bei Wikipedia reingeschaut. Oder ist die dortige Definition nicht zutreffend ?
Mal abgesehen, daß die Ergebnisse danach im Sinne der "führenden Partei" "geschönt" wurden, hat das aber m.E. nichts mit der Freiheit der eigentlichen Wahl selbst zu tun. Ich weiß, daß ich jetzt in ein Wespennest steche und möglicherwiese wütende Proteste ernte, aber ich will´s mal wissen, wie die Gegenargumente lauten. Also erst mal festgehalten: 1. Es standen Kandidaten mehrerer Parteien zur Wahl. 2. Die Wahl war jedem Bürger möglich. 3. Die Wahl war geheim. Es soll mir hierzu keiner weiszumachen versuchen, er wäre aufgeschrieben worden, weil er die Kabine benutzt und sein Wahlverhalten irgendwo oben gemeldet worden. Ich will nicht ausschließen, daß es in einigen wenigen Wahllokalen versucht wurde, aber das wären dann auch offiziell untersagte Handlungen gewesen, mit denen sich ein Bürger Liebkind irgendwo machen wollte. Selbst hatte ich, wie oben erwähnt, stets die Wahlkabine benutzt. Mal eine hypothetische Frage: Warum haben die Wähler nicht so gewählt wie bei der ersten Wahl nach der Wende ? War es die satte Bequemlichkeit im System ? Sie hätten ihre Stimme auch an die "Blockparteien" geben können. So viel Prozent hätte nicht so weit manipuliuert werden können.


Ich kenne nur eine Wahl in der DDR das war die an der ich teilnahm 1963, da war ein Zettel und da standen Namen drauf. Wie ich schon schrieb ohne Optionen, die mit Kreuzen gesetzt werden könnten etc. , nur ein gedruckter Zettel. Ist das eine Wahl ? Für mich ist das eine Farce oder man kann es auch Betrug nennen.
Eine 2. Betrugsvariante der SED sind bzw. waren die sogenannten Blockparteien, die in ein Zwangskorsett gesteckt wurden, das die Kommunisten nationale Front nannten. Die Parteien, die dort eingewiesen wurden, waren total entmündigt, sie hatten keine Möglichkeit zu opponieren, anders Politik zu gestalten als die SED usw.usw. Es war ungefähr so, als würde man einer attraktiven Frau einen Eunuchen als Partner anbieten, einfach lächerlich.
die 3. Betrugsvariante hast du hier schon beschrieben mit der nachträglichen Anpassung der Wählerlisten. Das ist eindeutig Betrug. Es gibt sicher noch weitere Manipulationsmöglichkeiten, die auf höherer Ebene stattfanden, DoreHolm, als auf der, wo du beteiligt warst.


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#18

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 23:08
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Gert, dann hast Du Dir den Wahlzelltel wahrscheinlich aus Desinteresse gar nicht durchgelesen, so wie es die meisten Bürger wohl getan haben. An die im Vorfeld durchgeführten öffentlichen Vorstellungen der Kandidaten, denen man auch kritische Fragen stellen konnte (meist ging es um Versorgungsfragen, Wohnungen, Jugendklubs und was so die täglichen Probleme waren). Da konnte man sich auch sachkundig machen und es hat meines Wissens auch auf dem wahlzettel gestanden, für wen der zu Kandidat denn kandidiert. Daß die Blockparteien nicht viel zu melden hatten, lag u.a. auch daran, daß sie ihre Stimmenzahl bei Wahlen nicht sehr hoch war. Was wäre denn, wenn eine Mehrheit der Wähler die Blockparteien in einer Größenordnung gewählt hätte, die nicht mehr als Wahlergebnis manipulierbar gewesen wäre ? Ich bin sicher, daß die CDU, die LDPD u.a. ein ganz anderes selbstbewußteres Auftreten an den Tag gelegt hätte ? Was wäre denn gewesen, wenn eine größere Anzahl der Bürger einer dieser Parteien beigetreten wäre, die sie dann 1990 gewählt haben ? Ich glaube Dir schlichtweg nicht, daß auf Deinem Wahlzettel keine Optionen möglich waren. Was hast Du denn damit gemacht ?. Brav zusammengefaltet und reingesteckt ? Oder hast Du ihn ungültig gemacht ? Ich tippe eher auf Ersteres und wenn das so war, dann beschwere Dich bitte nicht über die Wahl als Farce.



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#19

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 23:20
von utkieker | 2.929 Beiträge

Weißt du Gert,

Ich wollte immer die sozial liberale Koalition, ich ging dann schnurstracks nach Feierabend in's Sonderwahllokal. Ausgerüstet mit Lineal und Kugelschreiber, beschloß ich alle Kandidaten von NDPD und CDU zu streichen. Außerdem gab es einen Kandidaten der SED den ich persönlich nicht mochte (der war aber nicht auf meiner Liste). Dummerweise waren aber die Mandatsträger nicht ersichtlich! Hab dann doch den Zettel gefaltet und in die Urne geworfen. Scheißwahl kann ich da nur sagen!

Gruß Hartmut!
P. S. bei den Wahlen als Armeeangehöriger, wurden wir im LO zum Sonderwahllokal nach Arendsee verfrachtet, jeder mußte sich beeilen, danach gabs Ausgang in Arendsee - irre!


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#20

RE: Die Volkskammerwahl 1990

in DDR Zeiten 29.11.2012 23:41
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Hier mal ein Beispiel der Wahlpropaganda der SED aus den 50iger Jahren.


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