#81

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.12.2012 10:54
von 94 | 10.792 Beiträge

Definitiv falsche Antwort, die Dein Benno da dem Raupenschlepper als Ex-Kantenlatscher gegeben hat. Deutlich besser funktioniert hätte 'Wie denn, mit Blasen an den Füßen?' Und das natürlich mit einem treudoffdümmlichen Schwejk-Gesicht. Da hätteste dann mal die richtige Stabsoffiziers-Schnappatmung live erleben dürfen *breites_grins*

Aber der Ernteeinsatz der Erstsemester war doch eigentlich eine 'schöne' Erfindung. Ein Großteil der männlichen Studenten kam sowie erst im November, nach Ableistung ihres dreijährigen Ehrendienstes zum Studieren. So waren in den ersten zwei Monate die Nichtdreiender doch die Hähne im Korb.
Unentgeldlich wurde diese 'sozialistische Hilfe' mWn NICHT geleistet, auch wenn in Kartoffeln nicht ganz so die große Kohle zu machen war. Äpfel waren da deutlich lukrativer, besonders wenn man den Kontrolletti der genossenschaftlichen Obstbauern im Griff hatte.
So wurde das Füllen einer 300kg-Kiste mit der Sorte Gelber Köstlicher (Insider sprachen vom 'Grünen Gräßlichen') in der Qualitätsstufe 1A (keine Druckstellen, Stiel an der Frucht usw.) 25 Mark. Dafür brauchte ein Viererteam (3 Pflücker, 1 Läufer) so eine halbe Stunde. Bei 10 Stunden waren so pro Nase 125 Märker drin, regulär. Nicht gerade üppig, zumal es in Dresden einige Restaurationen gab ..., na egal.
Wie ließ sich nun dieses Salär fast verdreifachen? Ganz einfach: Zuerstmal eine größere Truppe als wie die von den Obstbauern aufgestellten Viererteams bilden, optimal war 8 ... 12 Leut, also 2 oder 3 Teams schloßen sich zusammen. Ein Team pflückte nach wie vor 1A+++-Qualität, am Besten noch mit einem Blättchem am Stiele, so richtige Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfel. Die beiden anderen Trupps machten Masse, auch und besonders mit Fallobst. Damit wurden 2/3 der Kiste gefüllt bevor die Deckschicht mit Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfeln abgeschlossen wurde. Nach dieser Methode kam JEDER auf bis zu 400 Märker pro Erntetag.
Natürlich blieben den Obstbauern diese Methoden nicht verborgen und so konnte die jungen, aber schon vollbusigen (wie schreib mein Vorredner so schön, ahja) Naiven Hühner dann die schon etwas älteren Offiziellen bezirzen. Im rechten Momente natürlich, als 200 Kilo Fallobst innerhalb von 3 bis 5 Minuten in die Kiste geschüttet die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges sicherten *breites_wissendes_grins*

Aber auch die Kartoffeln eigneten sich für einige interessante 'Experimente'. So bemerkte Eines dieser Naiven Hühner erst beim zwölftem (in Worten: 12) Male, daß es den selben Stein bereits schon elfmal vorher vom Band des E675 sortiert hatte.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Harzwald hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.12.2012 11:14 | nach oben springen

#82

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.12.2012 12:44
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #81
Definitiv falsche Antwort, die Dein Benno da dem Raupenschlepper als Ex-Kantenlatscher gegeben hat. Deutlich besser funktioniert hätte 'Wie denn, mit Blasen an den Füßen?' Und das natürlich mit einem treudoffdümmlichen Schwejk-Gesicht. Da hätteste dann mal die richtige Stabsoffiziers-Schnappatmung live erleben dürfen *breites_grins*

Ja, mit dieser Antwort wäre die Exmat in greifbarere Nähe gerückt, hätte aber den Mitversehrten deutlich besser gefallen.

Zitat von 94 im Beitrag #81
So waren in den ersten zwei Monate die Nichtdreiender doch die Hähne im Korb.

Naja, nicht wirklich relevant. In meiner SG kam im November gerade mal 1 Spätbegnadeter. Rechnen wir grosszüge 2 pro SG, dann sind das bei 4 SGn 8 Benachteiligte bzg. der weiblichen Präsenz. Bei 60 % männlichen Studenten von insgesamt etwa 80 des Jahrgangs, macht das wirre (wenn ich richtig rechne) gerade mal 4 % - also keine Konkurrenz!

Zitat von 94 im Beitrag #81
Wie ließ sich nun dieses Salär fast verdreifachen? Ganz einfach: Zuerstmal eine größere Truppe als wie die von den Obstbauern aufgestellten Viererteams bilden, optimal war 8 ... 12 Leut, also 2 oder 3 Teams schloßen sich zusammen. Ein Team pflückte nach wie vor 1A+++-Qualität, am Besten noch mit einem Blättchem am Stiele, so richtige Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfel. Die beiden anderen Trupps machten Masse, auch und besonders mit Fallobst. Damit wurden 2/3 der Kiste gefüllt bevor die Deckschicht mit Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfeln abgeschlossen wurde. Nach dieser Methode kam JEDER auf bis zu 400 Märker pro Erntetag.

Da müssen wir uns ja nicht wundern, weshalb aus dem sozialistischen Experiment nichts geworden ist ...


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#83

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.12.2012 13:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #82
Da müssen wir uns ja nicht wundern, weshalb aus dem sozialistischen Experiment nichts geworden ist ...
Na immer noch besser wie lesend in der Ackerfurche Hesse frierend (oder umgedreht *lach*)

Und mit dem Rest-Major hätte Einige Deiner Dienstgradgruppe noch eine Menge Spazzz gehabt, aber muß halt ein Jeder selbst wissen wie weit er sein Licht untern Scheffel stellt. Zum Beispiel so, der Raupenschlepper hatte doch KEINE Ahnung, was wirklich an der Grenze abging. Damit hätte man dann in einem Gespräch unter vier Augen (und das ist ein Gespräch unter vier Augen, also ohne Zeugen) den Chorleriker bis zur Weißglut bringen können. Bis er (endlich) die Normen des sozialistischen Anstands deutlich überschreitet.
An dieser Stelle sofort auf sachlich 'umschalten' und auf einer Weiterbearbeitung/Beschwerde bei SEINEM Vorgesetzen bestehen!
Also ALLES mußte man sich als Gefreitenreservist nun wirklich nicht bieten lassen ...
Ein Schwejk war ja nun nicht NUR dümmlichtreudoff, odär?

P.S. Natürlich wäre der Schwejk-Gefreite frischestens rasiert zu dem Stelldichein mit dem Stabsreserve-Offizier erschienen *wink*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 03.12.2012 13:18 | nach oben springen

#84

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.12.2012 14:42
von Fritze (gelöscht)
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94 lass gut sein ! Du und ich und noch n paar Andere hätten dem Raupenschlepper erst mal n richtige Grenzpistole erzählt ( so wie weiland unserm VPKA Leiter -seines Zeichens OSL und Volkspolizist der ersten Stunde ) aber Bennos naive Art , sein Verständnis von Fairness haben ihn doch daran gehindert.


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#85

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.12.2012 13:37
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo hier, was entdecke ich, ein Autor und Schreiberling (so werde ich auch genannt) Habe selbst sehr viel um die Ohren zur Zeit aber entdeckte den Paulus zum Saulus Thread heute Morgen nach einem Tip. Habe noch nicht alles durchgelesen, aber werde das tun.
Finde ich ganz toll 80er, dass Du frei von der Leber schreibst. Nicht viele haben den Mut, über sich oder über bestimmte Wege zu schreiben. Diese Geschichten von Zeitzeugen sind so wichtig. Wenn nicht erzählt sind diese schnell verloren. Diese sind viel wichtiger als sogenannte politisch hochranginge Stories, die vom tatsächlichen Leben damals ablenken. Schreib weiter 80er!
Danke, Larissa


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#86

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.12.2012 13:43
von 80er | 561 Beiträge

Wie könnte es anders sein, tauchte auch erneut die Frage nach der Mitgliedschaft in der DSF auf.
Für die Genossinnen der SG waren immer 100 % Mitgliedschaft das Ziel. Andauernd war das
Thema Tagesordnungspunkt der SG-Versammlungen. Ruhe hatten erst der/die, die den Antrag unterschrieben hatten,
aber das waren ohnehin nur noch wenige.
Benno unterschrieb nicht, schon aus Prinzip nicht, nur weil jemand einen Plan zu erfüllen hatte? Nein, nein, nein, und Schluss!

Es gab noch eine weitere nervtötende Gängelei, die sich bis in die Verbalbeurteilung der Diplomurkunde auswirkte.
Die Seminargruppenleiterin schrieb dort tatsächlich:
“Benno XY war bis zuletzt nicht bereit, die Verpflichtungserklärung zum Reserveoffizier zu unterschreiben.
Wir wünschen ihm, dass er mit Hilfe seines zukünftigen sozialistischen Kollektivs seinen Klassenstandpunkt festigen kann“.

Ein Leser aus den gebrauchten Bundesländern wird sich hier zu recht sagen: „Denen ihre Probleme hätte ich auch gerne gehabt“.

Was heute bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst als Persilschein gelten könnte, war da-mals ein Kainsmal in der Urkunde,
das dessen Inhaber sein ganzes Berufsleben begleiten würde.

Was hatte es nun damit wieder auf sich? Jeder männliche Student sollte sich zum „Offizier der Reserve“ verpflichten und dafür eine Verpflichtungserklärung unterschreiben. Nach dem Studium würde es dazu eine weitere spezielle Ausbildung geben.
Weil auch hier 100% Planerfüllung gefragt war, nervte man (in der Mehrheit frau) auch unseren Ungedienten, der sich verzweifelt dagegen wehrte.
Er wollte einfach nicht begreifen, dass auch ein ausgemusterter junger Mann noch Reserveoffizier werden kann. Von ca. 80 Studenten
aus 4 Seminargruppen (davon etwa 40 % Frauen) unterschrieben 3 Studenten dieses Papier nie.

Ein Student begründete es mit seiner christlichen „Bindung“, wie das seiner Zeit genannt wurde.
Des weiteren unser Ungedienter, der noch einen nachschob:
"Das ist ja genauso, als sollte ich mich bereit erklären schwanger zu werden. Das geht zwar nicht,
aber bereit erklären könnte ich mich ja schon mal“.
Der Dritte war Benno mit der schlichten Formulierung: „Ich erkläre mich dazu nicht bereit!“
Nein, nein, nein, bis zum Ende. Zwei von drei Studenten auch noch aus einer einzigen Seminargruppe,
das war bitter, da hatte die Parteigruppe nicht gut genug agitiert. Für den Delinquenten hiess das weitere Minuspunkte!
Immer wieder war dies Thema der Seminargruppenversammlungen, 5 lange Jahre lang.

Nein, eine politische Heimat konnte Benno dort nicht finden und sich arrangieren, wie viele seiner Kommilitonen,
schon erst recht nicht. Wird so etwas nicht Opportunismus genannt?
Er wollte jedenfalls nicht so genannt werden, Anpassung hat Grenzen!


Gert, Svenni1980, CAT, harzstreuner und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#87

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.12.2012 16:06
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Das Lager zur militärischen Ertüchtigung von Studenten aus dem südlichen Raum der DDR muß wirklich sehr beliebt gewesen sein.

Ich war 1972 dort und da standen auf dem Gelände noch eingeschossige Holzbaracken.

Das Gelände existiert noch und nach Auskunft eines Anwohners dort wird es in den letzten Jahren ziemlich oft von "älteren" Männern aufgesucht welche auf den Spuren ihrer Jugend wandeln.....

Hie ein paar Impressionen vom heutigen Zustand; August 2012:







Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#88

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 16:36
von 80er | 561 Beiträge

Ende der 70er Jahre – es begann die Zeit der Nachrüstung auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, verbunden mit dem Alleinvertretungsanspruch der Regierenden in der DDR zum Thema Friedenssicherung (z.B. Einführung des Wehrkundeunterrichtes in Schulen) - bemerkte Benno auf der Strasse erstmals die Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“, die von Mädchen und Jungen der evangelischen „Jungen Gemeinde“ an der Kleidung getragen wurden. Benno war beeindruckt. Endlich traut sich mal jemand was! Eine Alternative zur allgegenwärtigen Friedensauffassung der Partei, dachte er.
Zusammen mit einigen nicht studierenden Freunden besorgte sich Benno 2 dieser Aufnäher und nähte sie auf die Ärmel seiner beiden Wetterjacken.

Einmal wartete Benno an einer Strassenbahnhaltestelle, 3 Stationen vor der Dresdner Stasizentrale, auf die Tram. Ein Mann in Zivil setzte sich aus der Masse der Wartenden in Bewegung auf Benno zu und „empfahl“ ihm unmissverständlich, den Aufnäher abzumachen, weil verboten.
Der Aufnäher blieb dran, bis zum 8. Mai des Jahres 1980, als Benno mit einem Freund per Öffentliche in die Moreau-Schenke, benannt nach dem franz. Revolutionsgeneral, fahren wollte. Dort wollten sie mit anderen den „Gedenktag“ der Kapitulation Hitlerdeutschlands begehen.

Die Haltestelle war in der Nähe einer grossen Strassenkreuzung, die keine Ampeln hatte und noch von der VP per Hand geregelt wurde. Seitlich stand eine kleine Schutzhütte für den Wechselposten. Während wir auf die Bahn warteten, erreichte ein Verkehrspolizist mit dem Motorrad die Schutzhütte, stieg ab, sprach kurz mit dem regelnden VP und wechselte anschliessend mit diesem die Position. Der zuletzt Dienst habende VP kam über die Strasse zur Haltestelle direkt auf die beiden Wartenden zu.

Er grüsste mit Hand an der Mütze und eröffnete etwa folgenden Dialog:
Ihre PAe bitte!
Ich fordere Sie auf, diese Aufnäher von Ihrer Kleidung zu entfernen!

Weshalb?
Es handelt sich hierbei um verbotene Druckerzeugnisse.
Wo steht das?
(nun schon etwas ungehalten) Im Gesetz über die Herstellung und Verbreitung von
Druckerzeugnissen vom …. aus dem Jahre 195.. ist dieser Aufnäher nicht aufgeführt und
deshalb verboten.

Also sind nur Druckerzeugnisse erlaubt, die dort im Gesetz aufgeführt sind?
Genauso ist es.
Können Sie uns das Gesetz zeigen?
(nun schon etwas ungehaltener) Sie werden jetzt unverzüglich diese Aufnäher von Ihrer Kleidung entfernen!
Wir machen die nicht ab, das müssen Sie dann schon selber machen!
(nun böse) Sie werden die Aufnäher jetzt abmachen, sonst nehme ich Sie mit in U-Haft und Sie machen Sie dort ab.
Wir müssen uns kurz beraten!
Bitte, aber beeilen Sie sich!
(Uns war klar, dass wir damit nicht durchkommen und schlimmsten Falles auch noch unseren Treff nicht wahrnehmen können. Wir entschieden uns nachzugeben und schnitten die Aufnäher provokativ ab, so dass es auch die anderen Wartenden sehen konnten)

Hier bitte, aber wir möchten eine Quittung!
Es gibt keine Quittung!

Dann geben wir die Aufnäher nicht her, sie sind schliesslich unser Eigentum.
(nun wieder etwas mehr ungehalten) Sie geben mir jetzt sofort diese Druckerzeugnisse, sonst nehme ich Sie beide mit.

Sie übergaben dem VP die runden Aufnäher, denn einen hatte Benno ja noch!
Männchen, auf Wiedersehen!

Er verschwand im Anschluss wieder auf seinen Dompteurschemel in die Mitte der Strassenkreuzung und der andere Streifenpolizist fuhr mit seinem Motorrad ab in´s nirgendwo.


Gert, Svenni1980, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#89

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 17:24
von Vogtländer (gelöscht)
avatar

Erinnert mich irgendwie an meine Schulzeit,als eine Mitschülerin ihre Sportsachen aus dem C&A-Beutel nehmen mußte und diesen entsorgen sollte.Das Mädel meinte kurzentschlossen zum Lehrer:
Ok,mach ich,aber Sie bringen,da Sie ja motorisiert sind,meine Sportsachen zu mir in die elterliche Wohnung.Adresse steht im Klassenbuch.Versenkte die Tüte im Mülleimer,die Klasse tobte vor Lachen und der Lehrer hat eine Färbung im Gesicht,wie ich sie nie wieder gesehen hab.
Wir haben ihr dann ne neue Tüte "organisiert" für den Abtransport ihrer Sportsachen.


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#90

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:08
von 94 | 10.792 Beiträge


Quelle: hdg.de

So sah das Teil aus? Auf irgendeinem MfS-Fasching trug man das sogar am Hut.

Von den FDJ-Kreisleitungen wurde ja ähnliche Aufnäher ausgegeben, der Text 'Frieden schaffen ohne NATO-Waffen'. Ein paar Streber pflasterten sich das Teil gleich auf die FDJ-Bluse. Mit einem Kumpel dagegen kam uns die Idee, nachdem wir einige solche Aktionen der Schutz- und Sicherheitsorgane beobachtet hatten, ein bissel Spazzz zu haben. So hefteten wir (nähen will ich mal nicht sagen, Nadelarbeit war nun wirklich nicht so unser Ding) uns diese Teile auf die Kutte und stolzierten damit rum, die Straba-Halte vorm Hauptbahnhof war da gut geeignet. Na langer Rede kurzer (Un-)Sinn, der Schnittlauch konnte uns Halbstarken auch nicht erklären, wieso man nicht gegen die bösen NATO-Waffen sein sollte.

Mensch 80er, dein Benno war wirklich zu brav für diese DDR, aber erzähl mal weiter. Ist wirklich interessant an dieser (Deiner ?) Entwicklung teilhaben zu dürfen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 05.12.2012 18:15 | nach oben springen

#91

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:31
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Woran erkannte man auf offener Strasse Mitglieder der 'Jungen Gemeinde'? Am Aufnäher?

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#92

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:32
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #90

So sah das Teil aus?

Genau so.
Zitat von 94 im Beitrag #90

Mensch 80er, dein Benno war wirklich zu brav für diese DDR ...

Na ja, solange aufmüpfig sein einen Preis hatte (hier: Studium, Exmatrikulation), schon.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#93

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:43
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #90

Quelle: hdg.de

So sah das Teil aus? Auf irgendeinem MfS-Fasching trug man das sogar am Hut.

Von den FDJ-Kreisleitungen wurde ja ähnliche Aufnäher ausgegeben, der Text 'Frieden schaffen ohne NATO-Waffen'. Ein paar Streber pflasterten sich das Teil gleich auf die FDJ-Bluse. Mit einem Kumpel dagegen kam uns die Idee, nachdem wir einige solche Aktionen der Schutz- und Sicherheitsorgane beobachtet hatten, ein bissel Spazzz zu haben. So hefteten wir (nähen will ich mal nicht sagen, Nadelarbeit war nun wirklich nicht so unser Ding) uns diese Teile auf die Kutte und stolzierten damit rum, die Straba-Halte vorm Hauptbahnhof war da gut geeignet. Na langer Rede kurzer (Un-)Sinn, der Schnittlauch konnte uns Halbstarken auch nicht erklären, wieso man nicht gegen die bösen NATO-Waffen sein sollte.

Mensch 80er, dein Benno war wirklich zu brav für diese DDR, aber erzähl mal weiter. Ist wirklich interessant an dieser (Deiner ?) Entwicklung teilhaben zu dürfen.


@94
war dieser Aufnäher tatsächlich verboten ? Schließlich ist das ein Zeichen für den Frieden und den hat der Staat ja immer propagiert.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#94

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:47
von Vogtländer (gelöscht)
avatar

Richtig legal war er jedenfalls nicht,soweit ich mich erinnern kann!


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#95

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 18:57
von 94 | 10.792 Beiträge

Zumal @Gert, da die dargestellte Skulptur ein Geschenk der UdSSR an die Vereinten Nationen war.



Ich hätte es damals zumindest als 'elegant' empfunden, wenn man der EKD (dem Urheber des Patches) fehlendes Copyright an diesem Bildsymbol lästig gemacht worden wäre und auf dieser Grundlage ..., na bei Texte hatte'se wohl das (c) *grins*

Zumal der komplete Micha 4,3 nun wirklich NICHT nur pazifistisch klingt ...
Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden strafen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und werden nicht mehr kriegen lernen.
Auf dem Orginal war übrigens nur Micha 4 als Quelle angegeben und Micha 4,14 war vielleicht dann doch die 'Ansage' (Aber nun, du Kriegerin, rüste dich! denn man wird uns belagern und den Richter Israels mit der Rute auf den Backen schlagen.), welche die Schutz- und Sicherheitsorgane auf den Plan rief. Nur mit soviel Text war der durchschnittene Spargel auf der Straße sicher deutlich überfordert.
Bibelzitate: http://bibel-online.net/buch/luther_1912/micha/4/


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zuletzt bearbeitet 05.12.2012 18:57 | nach oben springen

#96

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 19:03
von kassberg | 91 Beiträge

Diejenigen , die den Aufnäher trugen, hatten immer mit Schwierigkeiten zu rechnen.
Ich empfand den Umgang der DDR-Führung mit dem Aufnäher als erstaunlich unsouverän. Komischerweise fallen diese Ereignisse in eine Zeit, in der Gemeinschafts - Antennenanlagen für Westfernseh-Empfang geduldet oder sogar gefördert wurden.

Die Moreau-Schänke kenne ich leider nur noch geschlossen. Sie hatte aber in Dresden immer noch einen legendären Ruf.



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#97

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 19:19
von 94 | 10.792 Beiträge

@Gert, die DDR der 80er Jahre ist ja nun nach eigener Aussage nicht sooo Dein Metier. Also hier mal ein FAQ sozusagend:
Verbote im Sinne 86a gabs in der Ehemaligen nicht, war ja ein Unrechtssystem. Aber sagen wir's mal so, er war nicht erlaubt, dieser Aufnäher. Und 'unsouverän', so wie's Kassberg geschrieben hatte, also besser kann man's wohl nicht beschreiben *wink*

Und auch darf man aus heutiger Sicht NICHT diese Atombombenstimmung vergessen, welche damals zum Alltag gehörte. Hier zur erinnernden Einstimmung vielleicht mal ein Titel einer DDR-Band aus dieser Zeit. Nein, nicht Blaue Planet von KARAT, die Truppe kannte auch nach dem Plagiat mit den sieben Krücken der andere Teutsche. Sondern BERLUC - No Bomb (war so einer der ersten Titel in dem englisch gesungen wurde ?) ... http://www.myvideo.de/watch/7786206/No_Bomb_Berluc_1983


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 05.12.2012 19:27 | nach oben springen

#98

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 19:50
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

In den 80er waren die Ossis schon ein wenig aufmüpfig. Nachdem Gorbatschow die Führung übernommen hatte, waren die Schlagwörter Perestroika und Glasnost sehr populär und auch die Solidarnoscbewegung wurde in der DDR mit Sympathie verfolgt. Endlich macht mal jemand das Maul auf und sagt seine Meinung. Das hat Mut zu eigener Zivilcourage gemacht und immer mehr Menschen haben mit ihrer Meinung, nicht mehr hinter dem Berg gehalten.
Ich habe es auf einem Flohmarkt in der Umgebung von Berlin erlebt. Zu meinem Handelssortiment gehörten als schmückendes Beiwerk auch Sticker mit der Aufschrift: Glasnost und Perestroika und auch Solidarnoscanstecker. 5M pro Stück . Made in Poland. Da kamen zwei Herren in Zivil an meinen Stand und forderten mich auf, den Verkauf unverzüglich einzustellen. Ich fragte auch nach der gesetzlichen Grundlage , aber die Menschenmenge an meinem Verkaufsstand hat meine Verteidigung übernommen und die Herren mit unflätigen Worten zum Teufel gejagt. Meine Ware war ich in einer halben Stunde los. Eine bessere Werbeaktion habe ich nie wieder erlebt.
Also die Achtziger Jahre kann man nicht mit den Sechziger Jahren in der DDR vergleichen. Irgendwie hatte der Staat schon die Totalkontrolle verloren und auch Zugeständnisse gemacht. Aus welchen Gründen auch immer.


LO-Wahnsinn, CAT und 80er haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.12.2012 19:52 | nach oben springen

#99

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 20:22
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #97
@Gert, die DDR der 80er Jahre ist ja nun nach eigener Aussage nicht sooo Dein Metier. Also hier mal ein FAQ sozusagend:
Verbote im Sinne 86a gabs in der Ehemaligen nicht, war ja ein Unrechtssystem. Aber sagen wir's mal so, er war nicht erlaubt, dieser Aufnäher. Und 'unsouverän', so wie's Kassberg geschrieben hatte, also besser kann man's wohl nicht beschreiben *wink*

Und auch darf man aus heutiger Sicht NICHT diese Atombombenstimmung vergessen, welche damals zum Alltag gehörte. Hier zur erinnernden Einstimmung vielleicht mal ein Titel einer DDR-Band aus dieser Zeit. Nein, nicht Blaue Planet von KARAT, die Truppe kannte auch nach dem Plagiat mit den sieben Krücken der andere Teutsche. Sondern BERLUC - No Bomb (war so einer der ersten Titel in dem englisch gesungen wurde ?) ... http://www.myvideo.de/watch/7786206/No_Bomb_Berluc_1983


Da stimme ich dir zu, in der Zeit interessierten mich andere Dinge, erst ab 9.Novemeber 89 wa rich wieder in dem Film. Was ich aber ungewöhnlich finde ist die Rechtsauffassung von Stasi, VP und anderen Sicherheitsfuzzis, dass alles verboten ist, was nicht ausrücklich erlaubt ist. Ein solche Rechtsauffassung, praktisch eine Umkehrung der üblichen Deliktfähigkeit oder wie sollte man das nennen, ne, ich bin kein Jurist.
tss tsss tsss


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#100

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.12.2012 20:50
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Im VP-Gesetz, ich glaube es war der §8 stand: Die Deutsche Volkspolizei hat die Aufgabe, Ordnungswidrigkeiten ,Verfehlungen und Strafttaten vorbeugend entgegenzuwirken.
Das war so ein, für alles anwendbarer Gummiparagraph und die beliebteste Rechtsgrundlage, um jegliche Zwangsmaßnahmen zu begründen.


zuletzt bearbeitet 05.12.2012 20:51 | nach oben springen


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