#1

Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 15:16
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

hiermit möchte ich einen Kurzausschnitt meines Romanwerks, Kapitel "Meine NVA-Grundausbildung", wiedergeben. Ich darf noch anmerken, dass ich mich in einer anderthalbjährigen Dienstzeit bei der NVA bis zum Gefreiten hochqualifiziert habe.

Nun geht es aber los:

Ein Soldat namens Schulz war Schmied von Beruf und kam aus Cottbus. Er war groß, muskulös und schlagfertig. Sein Vorsatz war: „So dumm stellen, dass kein Vorgesetzter etwas mit mir zu tun haben will und ich immer in Ruhe gelassen werde“. Diesen Vorsatz setzte er konsequent um und schaffte sein Ziel tatsächlich. Hierzu einige Beispiele.
Entsprechend Kleiderordnung war der oberste Uniformknopf im Winter zu schließen. Diese Vorschrift befolgte Schulz nie. Wenn er darauf aufmerksam gemacht wurde, sagte er „Ach so, das habe ich vergessen“, schloss den Knopf und nach 5 Minuten war er wieder auf. Als Strafe musste er deshalb öfter zur „Dienstverrichtung außer der Reihe“, im speziellen Fall Kartoffeln in der Freizeit schälen. Trotzdem machte er weiter, Tag für Tag.
Beim Marschieren wurde der Befehl „Links (oder rechts) schwenkt Marsch“ gegeben. Dem folgten alle, außer Schulz, der penetrant in die andere Richtung marschierte und so förmlich aus der Gruppe ausbrach. Auf die Reaktion des Vorgesetzten „Genosse Schulz, haben sie nicht gehört?“ äußerte Besagter: „Entschuldigung, ich habe verstanden, dass wir rechts (oder links) schwenken sollen“.
Man brachte uns bei, eine Karte einzunorden, indem man die nach Norden zeigende Nadel des Kompasses mit dem Nordpfeil auf der Karte parallelisiert. Eigentlich eine leichte Übung. Schulz schaffte das nie. Es ist unglaublich, wie man mit dem Kompass wackeln und mit der Karte herumfuchteln kann, nur um zu zeigen, dass es nicht geht.


Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 15:19
von Pit 59 | 10.142 Beiträge

PR für Deinen Roman Ecki ?

Da war doch was................


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#3

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 15:21
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #2
PR für Deinen Roman Ecki ?

Da war doch was................
Mein lieber Pit 59,

das ist mein ganz persönlicher Roman, den kann man nicht kaufen.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#4

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 15:34
von Pit 59 | 10.142 Beiträge

Na Gott sei Dank,da bin ich Beruhigt


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#5

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 12:24
von Uffz.JoMu (gelöscht)
avatar

Ein Soldat namens Schulz war Schmied von Beruf und kam aus Cottbus. Er war groß, muskulös und schlagfertig. Sein Vorsatz war: „So dumm stellen, dass kein Vorgesetzter etwas mit mir zu tun haben will und ich immer in Ruhe gelassen werde“. Diesen Vorsatz setzte er konsequent um und schaffte sein Ziel tatsächlich. Hierzu einige Beispiele.
Entsprechend Kleiderordnung war der oberste Uniformknopf im Winter zu schließen. Diese Vorschrift befolgte Schulz nie. Wenn er darauf aufmerksam gemacht wurde, sagte er „Ach so, das habe ich vergessen“, schloss den Knopf und nach 5 Minuten war er wieder auf. Als Strafe musste er deshalb öfter zur „Dienstverrichtung außer der Reihe“, im speziellen Fall Kartoffeln in der Freizeit schälen. Trotzdem machte er weiter, Tag für Tag.
Beim Marschieren wurde der Befehl „Links (oder rechts) schwenkt Marsch“ gegeben. Dem folgten alle, außer Schulz, der penetrant in die andere Richtung marschierte und so förmlich aus der Gruppe ausbrach. Auf die Reaktion des Vorgesetzten „Genosse Schulz, haben sie nicht gehört?“ äußerte Besagter: „Entschuldigung, ich habe verstanden, dass wir rechts (oder links) schwenken sollen“.
Man brachte uns bei, eine Karte einzunorden, indem man die nach Norden zeigende Nadel des Kompasses mit dem Nordpfeil auf der Karte parallelisiert. Eigentlich eine leichte Übung. Schulz schaffte das nie. Es ist unglaublich, wie man mit dem Kompass wackeln und mit der Karte herumfuchteln kann, nur um zu zeigen, dass es nicht geht.


Liebe Grüße

Ecki

Was hatten wir doch für Freiheitskämpfer!


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#6

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 14:46
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Uffz.JoMu im Beitrag #5
Was hatten wir doch für Freiheitskämpfer!
Lieber Genosse Uffz.JoMulp,

nun, ich gestehe, dass ich während des 5-km-Eilmarsches unter Vollschutz mit dem ganzen Gebammel drumrum auch den Filter von der Gasmaske abgeschraubt habe, damit ich besser atmen kann. Das war sicher letztlich auch ein Anschlag auf die sozialistische Deutsche Demokratische Republik und insofern bekenne ich mich schuldig, deren Untergang mit herbeigeführt zu haben.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


furry hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 15:48
von seaman | 3.487 Beiträge

Endlich mal echte Helden hier....


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 17:01
von Zaunkönig | 624 Beiträge

@Ecki des 5-km-Eilmarsches unter Vollschutz mit dem ganzen Gebammel drumrum auch den Filter von der Gasmaske abgeschraubt habe, damit ich besser atmen kann.

Das haben in der Grundausbildung bei uns auch einige in der Kompanie gemacht. Aber die Unterführer kannten den Trick und haben uns während des Marsches noch 2mal mit Nebelkerzen (Tränengas für Polizeieinsatz) traktiert. Da hat sich schnell gezeigt, wer die Maske richtig benutzte und wer nicht.
Peter, der Zaunkönig Dienst von1959 bis 62 an der Grenze in Berlin


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
zuletzt bearbeitet 03.11.2012 17:03 | nach oben springen

#9

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 17:21
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #7

Endlich mal echte Helden hier....
Mein lieber seaman,

es darf doch wohl gestattet sein, die Befindlichkeit eines gewesenen normalen Durchschnittsunterstgrades dieses fremden Heeres Ost wiederzugeben.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 03.11.2012 17:22 | nach oben springen

#10

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 03.11.2012 19:08
von seaman | 3.487 Beiträge

Klar doch,
denke aber es gab sicher bei anderen Truppenteilen fremde Heere Ost andere Befindlichkeiten als 5 km mit getuerkter TSM.....
Gruss


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#11

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 22.05.2013 17:48
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Zaunkönig im Beitrag #8
@Ecki des 5-km-Eilmarsches unter Vollschutz mit dem ganzen Gebammel drumrum auch den Filter von der Gasmaske abgeschraubt habe, damit ich besser atmen kann.

Das haben in der Grundausbildung bei uns auch einige in der Kompanie gemacht. Aber die Unterführer kannten den Trick und haben uns während des Marsches noch 2mal mit Nebelkerzen (Tränengas für Polizeieinsatz) traktiert. Da hat sich schnell gezeigt, wer die Maske richtig benutzte und wer nicht.
Peter, der Zaunkönig Dienst von1959 bis 62 an der Grenze in Berlin

Ja Peter,so wurde es auch bei uns gemacht.
Greso


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#12

RE: Meine NVA - Grundausbildung

in DDR Staat und Regime 22.05.2013 18:13
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine Lieben,

hiermit möchte ich einen Kurzausschnitt meines Romanwerks, Kapitel "Meine NVA-Grundausbildung", wiedergeben. Ich darf noch anmerken, dass ich mich in einer anderthalbjährigen Dienstzeit bei der NVA bis zum Gefreiten hochqualifiziert habe.

Nun geht es aber los:

Ein Soldat namens Schulz war Schmied von Beruf und kam aus Cottbus. Er war groß, muskulös und schlagfertig. Sein Vorsatz war: „So dumm stellen, dass kein Vorgesetzter etwas mit mir zu tun haben will und ich immer in Ruhe gelassen werde“. Diesen Vorsatz setzte er konsequent um und schaffte sein Ziel tatsächlich. Hierzu einige Beispiele.
Entsprechend Kleiderordnung war der oberste Uniformknopf im Winter zu schließen. Diese Vorschrift befolgte Schulz nie. Wenn er darauf aufmerksam gemacht wurde, sagte er „Ach so, das habe ich vergessen“, schloss den Knopf und nach 5 Minuten war er wieder auf. Als Strafe musste er deshalb öfter zur „Dienstverrichtung außer der Reihe“, im speziellen Fall Kartoffeln in der Freizeit schälen. Trotzdem machte er weiter, Tag für Tag.
Beim Marschieren wurde der Befehl „Links (oder rechts) schwenkt Marsch“ gegeben. Dem folgten alle, außer Schulz, der penetrant in die andere Richtung marschierte und so förmlich aus der Gruppe ausbrach. Auf die Reaktion des Vorgesetzten „Genosse Schulz, haben sie nicht gehört?“ äußerte Besagter: „Entschuldigung, ich habe verstanden, dass wir rechts (oder links) schwenken sollen“.
Man brachte uns bei, eine Karte einzunorden, indem man die nach Norden zeigende Nadel des Kompasses mit dem Nordpfeil auf der Karte parallelisiert. Eigentlich eine leichte Übung. Schulz schaffte das nie. Es ist unglaublich, wie man mit dem Kompass wackeln und mit der Karte herumfuchteln kann, nur um zu zeigen, dass es nicht geht.


Liebe Grüße

Ecki



Hallo Ecki,

ich glaube jede Kompanie hatte "seinen" Schwejk manchmal auch wider Willen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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