#101

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 22:42
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #100
Wurde der "Schwarze Kanal" geschaut im Fernsehen? Oder eher die BRD-Sendung "Kennzeichen D"? "Kennzeichen D" habe ich damals oft geschaut, deutsches aus ost und west, wie es hieß, da konnte ich mir damals schon vor 1987 ein Bild von Ostdeutschland machen, dank der Sendung! "Schwarzer Kanal" mit dem "Sudel-Ede" (wie er bei uns umgangssprachlich hieß), konnte ich nicht schauen, da nicht direkt an der innerdeutschen Grenze gewohnt, denn nur dort war auch in der BRD das Fernsehen der DDR empfangbar!


Ich denke, daß nur Abonnenten des "Neuen Deutschlands", mithin die sog. Hauptamtlichen regelmäßig den "Schwarzen Kanal" Montagabend kurz nach 21 Uhr gesehen haben, ich selbst kam nur gelegentlich dazu, da ich durchweg unregelmäßige Arbeitszeiten hatte und als ehrenamtlicher FDJ- Sekretär die "Junge Generation" im Abo bezog und somit bei jedem FDJ- Studienjahr im Bilde war.
Westsendungen habe ich zu jeder Zeit wie selbstverständlich auch gesehen, auch politische Sendungen wie Kennzeichen "D", "Tagesschau" oder "Monitor".
Ob man sich im Westen den "Schwarzen Kanal" angesehen hat, würde ich eher bezweifeln, zumindest nicht der politisch nur am Wahltag interessierte Normalbundesbürger.
Übrigens nannte unsere Westverwanschaft die DDR auch ganz selbstverständlich "Zone", selbst der kleine Cousin mit seinen acht Jahren, das fand ich ehrlich gesagt damals schon ganz schön frech und er wurde auch vom Opa immer wieder ermahnt, wenigstens hier DDR zu sagen, wenn wir draußen spielten, die Ermahnung wirkte aber nicht lange.
Bei einem solchen Besuch sah sich meine Verwandtschaft auch einmal einen "Schwarzen Kanal" an, weil danach immer ein alter Film kam, der ideologisch weitgehend unverfänglich war.
Diskutiert wurde damals kaum darüber, zumindest nicht in meiner Anwesenheit, da ich gerade erst im Jugendweihealter war.



zuletzt bearbeitet 28.10.2012 23:05 | nach oben springen

#102

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 22:52
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

In der BRD konnte man nur satirisch-aufgemöbelte Teilstücke vom "Schwarzen Kanal" eben in besagten Polit-Sendungen, wie Monitor, oder Bericht aus Bonn sehen, aber eben nur in satirischer Form aufbereitet, um sich darüber lustig zu machen.
Bei uns in der Familie hieß es immer DDR oder Ostdeutschland, Zone sagte keiner von uns, lag aber auch daran, dass meine Eltern am Ende des zweiten Weltkriegs gerade mal geboren waren, und die Zonen der Siegermächte damals selbst kaum mitgekriegt haben dürften, als die jugendlich waren, gabs nämlich beide deutsche Staaten bereits!


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
zuletzt bearbeitet 28.10.2012 22:58 | nach oben springen

#103

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 23:10
von DoreHolm | 7.708 Beiträge

Habe, da auch als junger Mensch allseitig interessiert auch alles gesehen, was ich bekommen konnte, also ARD, ZDF und Drittes mit allen politischen Sendungen und natürlich auch den Schwarzen Kanal. Meine Ansicht war damals schon so, daß man mehrere seiten hören muß, um sich ein Bild zu machen. Vorteilhaft war die Lage im mittleren Thüringen.



nach oben springen

#104

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 23:49
von Schmiernippel | 244 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #101
Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #100
Wurde der "Schwarze Kanal" geschaut im Fernsehen? Oder eher die BRD-Sendung "Kennzeichen D"? "Kennzeichen D" habe ich damals oft geschaut, deutsches aus ost und west, wie es hieß, da konnte ich mir damals schon vor 1987 ein Bild von Ostdeutschland machen, dank der Sendung! "Schwarzer Kanal" mit dem "Sudel-Ede" (wie er bei uns umgangssprachlich hieß), konnte ich nicht schauen, da nicht direkt an der innerdeutschen Grenze gewohnt, denn nur dort war auch in der BRD das Fernsehen der DDR empfangbar!


Ich denke, daß nur Abonnenten des "Neuen Deutschlands", mithin die sog. Hauptamtlichen regelmäßig den "Schwarzen Kanal" Montagabend kurz nach 21 Uhr gesehen haben, ich selbst kam nur gelegentlich dazu, da ich durchweg unregelmäßige Arbeitszeiten hatte und als ehrenamtlicher FDJ- Sekretär die "Junge Generation" im Abo bezog und somit bei jedem FDJ- Studienjahr im Bilde war.
Westsendungen habe ich zu jeder Zeit wie selbstverständlich auch gesehen, auch politische Sendungen wie Kennzeichen "D", "Tagesschau" oder "Monitor".
Ob man sich im Westen den "Schwarzen Kanal" angesehen hat, würde ich eher bezweifeln, zumindest nicht der politisch nur am Wahltag interessierte Normalbundesbürger.
Übrigens nannte unsere Westverwanschaft die DDR auch ganz selbstverständlich "Zone", selbst der kleine Cousin mit seinen acht Jahren, das fand ich ehrlich gesagt damals schon ganz schön frech und er wurde auch vom Opa immer wieder ermahnt, wenigstens hier DDR zu sagen, wenn wir draußen spielten, die Ermahnung wirkte aber nicht lange.
Bei einem solchen Besuch sah sich meine Verwandtschaft auch einmal einen "Schwarzen Kanal" an, weil danach immer ein alter Film kam, der ideologisch weitgehend unverfänglich war.
Diskutiert wurde damals kaum darüber, zumindest nicht in meiner Anwesenheit, da ich gerade erst im Jugendweihealter war.



Ich glaube nicht, dass man den "Schwarzen Kanal" auf die Abonnenten des "ND" beschränken kann. Das haben auch andere gesehen. Andererseits gab es viele "ND"-Leser, die den Kanal sich nicht anschauten. Meine Oma schlief dabei immer sehr gut. Manche Sachen von Karl-Eduard waren ja in seiner Argumentation nicht von der Hand zu weisen, wenn die bösen Ultras mal wieder Sachen aus dem Ärmel zauberten, die sie nicht mal selbst glaubten. Dann konnte man den Kanal nutzen, um in der Presse zwischen den Zeilen zu lesen.
Übrigens Hacke39, der alte Film kam vor dem Kanal am Montag im Rahmen der Rumpelkammer, zu meiner Zeit noch mit Willi Schwabe und der Erkennungsmelodie aus dem "Nussknacker".
Da gab es dann in unserer Kompanie (Sik Marienborn) jeden Montag dasselbe Ritual: Der Film war zu Ende und alles strömte aus dem Fernsehraum. Da aber gab es vor der Tür ein donnerndes "Halt!" Der Polit oder der diensthabende Offizier standen da und gaben die Weisung: "Keiner verlässt den Fernsehraum. Jetzt kommt Karl-Eduard von Schnitzler!" Somit wurde der Abend politisch beendet.

Gruß Schmiernippel



nach oben springen

#105

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 00:01
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Schmiernippel im Beitrag #104

Übrigens Hacke39, der alte Film kam vor dem Kanal am Montag im Rahmen der Rumpelkammer, zu meiner Zeit noch mit Willi Schwabe und der Erkennungsmelodie aus dem "Nussknacker".
Da gab es dann in unserer Kompanie (Sik Marienborn) jeden Montag dasselbe Ritual: Der Film war zu Ende und alles strömte aus dem Fernsehraum. Da aber gab es vor der Tür ein donnerndes "Halt!" Der Polit oder der diensthabende Offizier standen da und gaben die Weisung: "Keiner verlässt den Fernsehraum. Jetzt kommt Karl-Eduard von Schnitzler!" Somit wurde der Abend politisch beendet.

Gruß Schmiernippel


@Schmiernippel:

Dass der alte Film vor dem Schwarzen Kanal am Montag kam, ist richtig - allerdings hatte der Film als solcher nichts mit Willi Schwabes Rumpelkammer zu tun - das war eine eigenständige Sendung, die ich auch ganz gerne gesehen habe, auch und gerade wegen der intelligenten Moderation von Willi Schwabe.

Gruss

icke



Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#106

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 08:32
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #102
In der BRD konnte man nur satirisch-aufgemöbelte Teilstücke vom "Schwarzen Kanal" eben in besagten Polit-Sendungen, wie Monitor, oder Bericht aus Bonn sehen, aber eben nur in satirischer Form aufbereitet, um sich darüber lustig zu machen.
Bei uns in der Familie hieß es immer DDR oder Ostdeutschland, Zone sagte keiner von uns, lag aber auch daran, dass meine Eltern am Ende des zweiten Weltkriegs gerade mal geboren waren, und die Zonen der Siegermächte damals selbst kaum mitgekriegt haben dürften, als die jugendlich waren, gabs nämlich beide deutsche Staaten bereits!


Alles ins Lächerliche zu ziehen war eineseits den Zwängen der Quote geschuldet und andererseits eine Bankrotterklärung der Gegenseite im Westfernsehen.
V.Schnitzler hat trotz einiger Aussetzer, die in einer solch hysterischen Atmosphäre verständlich sind nie den Faden verloren und hatte einfach nur Recht mit seiner Beschreibung des Wesens der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die nur dann einigermaßen gerecht erscheint, solange jemand die Zügel in der Hand hält.
Aber je austauschbarer Parteien und politische Akteure sind desto leichter wird es der immer konzentrierter aufgestellten Abzockerkaste dieser Republik gelingen die aktiven Kerne, also Arbeiter, Angestellte, Bauern- eben die einzelnen Glieder der Wertschöpfungskette gegeneinander auszukaspern.
Diese Betrügerökonomie Tag für Tag zu hinterfragen war das Ressort des Chefideologen der DDR, heute tut das bestenfalls noch die Attac oder die Linkspartei und irgendwann werden wir alle erfahren müssen, daß Kartellwirtschaft noch schlimmer als Planwirtschaft sein wird.
Die Notverstaatlichung der Banken oder Eigeninitiativen klammer Kommunen zur Eigenproduktion von Wärme und Strom sowie weiter Wirtschaftsaktivitäten sind erste Gegenreaktionen und Abstoßungserscheinungen seitens der Bürger an die Adresse rücksichtsloser Konzernbosse der entsprechenden Ressorts und das wird weiter gehen.
Man wird z.B. beim Schienennetz der Bahn schon mal nicht die Fehler wiederholen, die man mit den Stromtrassen gemacht hat, indem man sie ohne jegliche Auflagen aus dem Staatsbesitz bzw. DDR- Volkseigentum heraus an die vier Mitwirkenden des deutschen Stromkartells mit den jetzt sich abzeichneneden Konsequenzen verscherbelt hat.
Das könnte ich noch weiter fortführen, es paßt aber nicht hier her aber ich wollte erklären, was eben diese Grundsatzfragen sind, die im Prinzip nichts mit reinen Sozialismusfantasien haben, da die Alternative zum bestehenden Model nicht die Schenkung der Infrastruktur ans Volk sind so wie es das Konzept der DDR vorsah.
Aber zurück zum Thema, so aberwitzig es auch erscheint, man kann trotz der ideologisch aufgeladenen Argumentierungsweise der Kommunisten von gestern etwas aufbauen, das wirklich Perspektive hat und man sollte sie daher niemals vollständig ignorieren.



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.10.2012 10:52 | nach oben springen

#107

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 11:44
von TOMMI | 1.992 Beiträge

Mal eine kleine Randbemerkung, irgendwo an anderer Stelle hatte ich das schon erwähnt:
Im Westfernsehen gab es für Herrn v.Schnitzler einen Gegenspieler: Löwenthal mit
seinem ZDF-Magazin. Die beiden standen sich gegenseitig um nichts nach.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


nach oben springen

#108

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 12:16
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #107
Mal eine kleine Randbemerkung, irgendwo an anderer Stelle hatte ich das schon erwähnt:
Im Westfernsehen gab es für Herrn v.Schnitzler einen Gegenspieler: Löwenthal mit
seinem ZDF-Magazin. Die beiden standen sich gegenseitig um nichts nach.


Na der Löwenthal konnte den v.Schnitzler nicht mal das Wasser reichen.Wer spricht schon von den---bei Schnitzler sieht das anders aus.Der füllt hier im Forum ganze Bände.


nach oben springen

#109

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 12:45
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #107
Mal eine kleine Randbemerkung, irgendwo an anderer Stelle hatte ich das schon erwähnt:
Im Westfernsehen gab es für Herrn v.Schnitzler einen Gegenspieler: Löwenthal mit
seinem ZDF-Magazin. Die beiden standen sich gegenseitig um nichts nach.


Wir werden leider nicht erfahren, warum man nicht Löwenthal, der ja auch noch am Leben war zur Zeit dieser Sendung sondern Herrn Lummer, jener Berliner Innensenator mit einem chronisch defizitären Haushalt und hohem Spaltungspotenzial ins Rennen geschickt hat.
Berüchtigt seinerzeit waren brutale Polizeieinsätze gegen Autonome und Hausbesetzer, darauf spielte auch v. Schnitzler hin und wieder an, vermied aber den direkten Brückenschlag zum Naziregime in diesem Rededuell, wenngleich das in der Luft lag.
Die Datenlage zu früheren Sendungen von Löwenthal ist sehr dünn und aus der Erinnerung heraus vermag ich nicht allzu viel zu sagen, außer daß es wohl häufig parodiert wurde und sich sehr wichtig nahm.
Je radikaler sich beide Ideologen gegenüber standen, desto weniger Grautöne gab es was den Wert solcher Experimente sehr reduzierte, leider.



nach oben springen

#110

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 12:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #107
Mal eine kleine Randbemerkung, irgendwo an anderer Stelle hatte ich das schon erwähnt:
Im Westfernsehen gab es für Herrn v.Schnitzler einen Gegenspieler: Löwenthal mit
seinem ZDF-Magazin. Die beiden standen sich gegenseitig um nichts nach.


Leider vermag ich nicht mehr zu sagen, wer jene kleine Reportage über den Alltag der DDR- Jugend einst im Westfernsehen dokumentierte, was mir aber in Erinnerung geblieben war, das waren ernst gemeinte Vorwürfe an die Protagonisten im Blauhemd, die über ihre Lieblingsbeschäftigungen redeten, woraufhin der Kommentator West geiferte, daß zum Aufbau des Sozialismus angestrengte Arbeit und Disziplin gehörte und nicht immer nur "Disco-Disco-Disco".
Solche kleinen Episoden haben doch auch mit dazu geführt, denen im Westfernsehen nicht alles zu glauben, die haben bei ihrer Feindbildvermittlung meistens keinen Unterschied zwischen Parteifunktionären und DDR- Normalbürgern gemacht.



nach oben springen

#111

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 29.10.2012 12:54
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

Heinrich Lummer, ja, der damalige Innensenator aus Berlin (West), mit seiner harten Vorgehensweise gegenüber den damaligen Hausbesetzern. Ein Hausbesetzer kam ja auch zu Tode, Klaus-Jürgen Rattay, aber das ist eine andere Geschichte.
Kann mir gut vorstellen, dass das auch Thema im "Schwarzen Kanal" war, da ja dann somit bewiesen werden konnte, dass in der BRD alles aus'm Ruder lief, mit Hausbesetzungen und so....


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
zuletzt bearbeitet 29.10.2012 15:57 | nach oben springen



Besucher
24 Mitglieder und 64 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 2013 Gäste und 132 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14374 Themen und 558646 Beiträge.

Heute waren 132 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen