#1

Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 12:11
von Gebi (gelöscht)
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Hallo Männer,

manchmal beschleicht mich ein seltsames Gefühl und wollte es mal gleich auf den Punkt bringen.

Voranstellen möchte ich, dass es sowohl für die Soldaten als auch Unteroffiziersdienstgrade nicht gerade einfach war mit der Situation zurechtezukommen. In der Zeit von 1976 - 1979 war ja noch BAT-Sicherung und damit war auch das Leben in den Kompanien vorbestimmt, was wohl 24 Stunden Dienst bedeutete. Ausgang auch für uns nur alle 11 Wochen und wenn ein Soldat den Kragen in der Kneipe nicht zu hatte, dann wurde er sofort zurückgefahren. Gottlob, dass den Leuten nicht mehr passiert ist und dass es keine größeren Unfälle gab.

Meine Frage: Haben wir unsere Pflichten als Unteroffiziere gegenüber unseren Soldaten erfüllt, oder sind wir der Entwicklung einfach nachgelaufen. Konnten wir das eigentlich, obwohl wir kaum Erfahrungen in der Menschenführung hatten ?

Haben wir darauf geachtet, dass unsere Soldaten nicht frieren oder eine ausreichende Versorgung nach dem Grenzdienst hatten ?

Haben wir uns menschlich verhalten oder nicht ? Haben wir uns schützend vor unsere Unterstellten gestellt ?

Haben wir darauf geachtet, dass es ein Leben nach dem Grenzdienst gibt oder waren wir nur längerdienende Soldaten ? Das nur bedeutet keine Herabwürdigung.

Ich habe die Frage für mich schon beantwortet und bin gespannt ob es Reaktionen gibt.

Gruß Gebi


zuletzt bearbeitet 22.08.2012 12:12 | nach oben springen

#2

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 12:27
von Weichmolch (gelöscht)
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@Gebi,

Du stellst interessante Fragen. Ich möchte diese um einen Komplex erweitern: Gab es bei den Grenztruppen ein Unteroffizierskorps?

Weichmolch


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#3

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 12:35
von Gebi (gelöscht)
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Eigentlich ??


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#4

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 12:49
von Gebi (gelöscht)
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Hallo Weichmolch,

eigentlich hat sich nur jeder um sich gekümmert. Außer in der Kneipe oder Politunterricht hat man sich nie zusammengesetzt und mal einiges besprochen, wie was besser zu machen wäre. Dabei wäre Gelegenheit gewesen.

Ich bin manchmal ganz schön traurig darüber. Das Gefühl für andere Menschen und deren Probleme zu entwickeln, ist das schönste auf dieser Welt. Ich hab das immer versucht zu beherzigen, was aber nicht immer gelungen ist.

Gruß Gebi


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#5

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 13:38
von KAMÜ | 198 Beiträge

Hallo Weichmolch, ein sogenanntes Unteroffizierskorps gab es bei den Grenztruppen eigentlich auch. Nur das Unteroffizierskorps der NVA und der Grenztruppen der DDR kann man so nicht vergleichen. Die Unteroffiziere auf Zeit und die Berufsunteroffiziere waren bei den Grenztruppen in der Führung von Soldaten sehr unterschiedlich. Der UaZ war Gruppenführer einer Einheit und der Berufsunteroffizier war der Vorgesetzte der UaZ. Diese sollten eigentlich zusammmenarbeiten. Die UaZ und Berufsunteroffiziere der Sicherstellungseinheit einer Grenzkompanie hatten untereinander kein gutes Verhältnis ( bei der 6 .GK im Grenzregiement 04).Alleine die Unteroffiziere des Aufklärungszuges der Grenzkompanie hatten untereinander auch bloß kein gutes Verhältnis , dieses beruhte wahrscheinlich auf das Verhältnis ( trauen oder nicht trauen).



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#6

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 16:59
von 94 | 10.792 Beiträge

Es kam auch darauf an, was die UaZ aus ihren zwei'n'halb Jahren Truppendienst machten. Nur Gruppenführer blieb ein etwas blickiger Uffz. selten, dazu war der Bedarf an K-GSi (habsch's itzo richtig abgekürzelt?) viel zu groß. Alles was der deutschen Sprache in Wort und Schrift mit mindestens Note 3 mächtig war und mehr wie zwei Tasten gleichzeitig bedienen konnte, saß nach spätestens einem Jahr auf dem Bock. Und dort versagten dann Einige jämmerlich, wenn ich mich so erinnere was teilweise so für 'Partys' gefeiert wurden. In dem Moment war der 'Gurkenschalenträger' zwar hoch angesehen bei der Mannschaft, aber wehe, eine Lage entstand ...
Auch sahen sich Einige der Längerdienenden nur als länger dienende Grundwehrdiener. Die selben Filzklamotten trugen auch nicht unbedingt zur Bildung eines Korpsgefühles mit den BUs bei. Einziger Vorteil war nur der etwas häufigere Urlaub. Andererseits hatte ich (nacheinander) zwei fähige UaZ als StZF und die waren mir hundertmal lieber, wie der BU-Ufw. den ich mit dem Zug übernahm.
Auch kamen ab Mitte der 80er 3ender aus Sago als Hundeführer an den Kanten und die stellten manch BU/Fähnrich kynologisch aber so was von in den Schatten. Trug auch nicht zur Bildung eines Korpsgeistes bei.
Also ums aufs Thema 'Bindeglied' zurückzukommen, hmm, irgendwie nicht so richtig.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#7

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 17:18
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Gebi im Beitrag #1
Hallo Männer,

manchmal beschleicht mich ein seltsames Gefühl und wollte es mal gleich auf den Punkt bringen.

Voranstellen möchte ich, dass es sowohl für die Soldaten als auch Unteroffiziersdienstgrade nicht gerade einfach war mit der Situation zurechtezukommen. In der Zeit von 1976 - 1979 war ja noch BAT-Sicherung und damit war auch das Leben in den Kompanien vorbestimmt, was wohl 24 Stunden Dienst bedeutete. Ausgang auch für uns nur alle 11 Wochen und wenn ein Soldat den Kragen in der Kneipe nicht zu hatte, dann wurde er sofort zurückgefahren. Gottlob, dass den Leuten nicht mehr passiert ist und dass es keine größeren Unfälle gab.

Meine Frage: Haben wir unsere Pflichten als Unteroffiziere gegenüber unseren Soldaten erfüllt, oder sind wir der Entwicklung einfach nachgelaufen. Konnten wir das eigentlich, obwohl wir kaum Erfahrungen in der Menschenführung hatten ?

Haben wir darauf geachtet, dass unsere Soldaten nicht frieren oder eine ausreichende Versorgung nach dem Grenzdienst hatten ?

Haben wir uns menschlich verhalten oder nicht ? Haben wir uns schützend vor unsere Unterstellten gestellt ?

Haben wir darauf geachtet, dass es ein Leben nach dem Grenzdienst gibt oder waren wir nur längerdienende Soldaten ? Das nur bedeutet keine Herabwürdigung.

Ich habe die Frage für mich schon beantwortet und bin gespannt ob es Reaktionen gibt.

Gruß Gebi



Die Uffze am Kanten waren keine Mittler, da man mit den unteren Offiziersrängen (Zugführer) meist per Du war, also auch alles unkompliziert direkt an sie herantragen konnte, brauchtest du dazu keinen Uffz.
Die spielten eh eine sonderbare Rolle in der GK, kamen einen immer irgendwie verloren vor, die E's ließen die sowieso ablaufen, also zu sagen hatten die rein gar nichts, waren froh wenn die auf Bude mit Kaffee trinken und Skat dreschen durften.
Bei Kompaniesicherung hat jeder relativ selbstständig seinen Job gemacht und die Postenführer hatten das Sagen, wenn die Postenpaare klar waren bist du als Glatter hin "Wir gehen heute zusammen raus, gibts was zu machen?" und so Blabla, klar draußen die Führungsstelle, aber meist hast du nur gemeldet was du machst und das wurde abgenickt.


Jobnomade und moreau haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.08.2012 17:33 | nach oben springen

#8

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 17:37
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo Gebi,

interessante Gedanken von Dir, Fürsorgepflichten von Vorgestzten.....
Ich versuch mich mal zu erinnern:
Ich war kein UaZ bei den Grenztruppen, sondern Gefreiter. Und als solcher im 3.DHJ Gruppenführer und war mit den UaZ auf einem Zimmer.
(Jahre später wurde ich dann Uffz und kurz darauf Leutnant, aber das hat nichts mehr mit den Grenztruppen zu tun)
Ein Korpsgefühl konnte ich nicht verspüren und hab da auch irgendwie keinen Wert darauf gelegt (im Gegenzug: den EK hab ich auch nicht "rausgehängt"). Für mich war es eher unangenehm - weder richtigen Kontakt zu den Gefreiten meines DHJ (ich war zeitnah zum Wechsel des 2./3. DHJ von einer anderen GK - Kaltenwestheim in die GK Vacha versetzt worden ) noch längeren Kontakt zu den Uffz-Kameraden der GK Vacha.
Eigentlich, sage ich heute mal: in kalte Wasser geworfen.
Natürlich versuchte ich, wo immer ich es irgendwie konnte, Mensch zu bleiben.

Bindeglied zu den Offizieren.... nun, ich weiss nicht so Recht: Mein Verhältnis zu den Berufsoffizieren war doch etwas distanziert. Beruhte sicher auf Gegenseitigkeit.
Bis auf eine Ausnahme: Ein Unterleutnant, 21, Offizier auf Zeit (3 Jahre), Abiturient. Wir hatten manches, auch vertrauliche Gespräch miteinander.
(Ich war damals 26, hatte Nachrichtentechnik studiert).

Gruss Hartmut

Ergänzung: Jener Unterleutnant war derzeit in Vacha der einzige Zugführer im Offiziersrang, soweit ich mich erinnere. Die anderen ZF waren BU.
Die einzigen weiteren Offiziere der Kompanie waren der Polit und der KC.

Grenzwolf62: Wenn ich Deinen Beitrag so lese, kommen die alten Bilder wieder hoch
Du hast das so schön plastisch geschildert...


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 22.08.2012 17:49 | nach oben springen

#9

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 18:02
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Gebi im Beitrag #1
Ausgang auch für uns nur alle 11 Wochen und wenn ein Soldat den Kragen in der Kneipe nicht zu hatte, dann wurde er sofort zurückgefahren. Gottlob, dass den Leuten nicht mehr passiert ist und dass es keine größeren Unfälle gab.




Gebi,

verwechselst Du hier nicht Ausgang und Urlaub ?
Meine Erinnerung:
Urlaub alle 11 Wochen. ja, leider...
Ausgang (Batallionssicherung): alle 4 Tage mit etwas Glück (oder 8 wenn Pech: Wache, A-Gruppe).
Der offene Kragen in der Kneipe (im Grenzdorf) ?
Nein, da gab's kein Kriegsgericht deswegen. Höchsten mal einen Anpfiff,verschmerzbar, wirklich.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#10

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 18:50
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo zusammen,

ich war damals selbst Uffi(UaZ) und hatte, so glaube ich, ein recht gutes Verhältnis zu meinen "Untergebenen". Erst hatte ich einen Oberfeld, dann einen Ulei(OaZ) und zum Schluß einen BU als ZF. Der Oberfeld ein Sonderfall, für uns und den Offizieren, der Ulei selten da und der BU, naja das Verhältnis von Inteligenz, Kompetenz und einen raushängenlassen eher zu letzteren. Blieb also als StZF blieb einiges an mir hängen. Das Verhältnis zu Soldaten und Gefreiten war eher normaler als zu meinen Vorgesetzten. Man brauchte sich ja irgend wie. Und man mußte sich ja aufeinander verlassen können. Von den Offizieren (tschudigung) kam ja meistens "Sackgang". Zu den anderen Grupenfüheren (UaZ) gab es einen gewissen Zusammenhalt. Wenn es drauf ankam.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
zuletzt bearbeitet 30.08.2012 19:53 | nach oben springen

#11

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 20:13
von utkieker | 2.925 Beiträge

Zitat von Weichmolch im Beitrag #2
@Gebi,

Du stellst interessante Fragen. Ich möchte diese um einen Komplex erweitern: Gab es bei den Grenztruppen ein Unteroffizierskorps?

Weichmolch

Hallo Jürschen,

So ein Korpsgeist hat immer irgend etwas dünkelhaftes an sich. Als die Rote Armee gegründet wurde hat man ganz bewußt auf Dienstgrade verzichtet. In einer Grenzkompanie war dieser Korps- Gedanke eher unterschwellig. In gewisser Hinsicht sehe ich das Unteroffizierkorps bestenfalls in einer besonderen Dienststellung als Spieß oder Schirrmeister. Die Grenzaufklärer lasse ich hier mal aussen vor, daß waren Einzelkämpfer aber allgemein beliebt, andererseits ging ebend bei dieser Sparte von Berufssoldaten der Trend zum Fähnrich.
Die "niederen" Chargen der UaZ, die als Gruppenführer teilweise als stellvertretende Zugführer agierten waren "besserbezahlte" Soldaten. Als Gruppenführer stand ich meiner Gruppe vor und ich habe mich für jeden Einzelnen eingesetzt. Tatsächlich waren die Grundwehrdienstleistenden meistens älter als ich und sollten dann von so einem Grünschnabel wie ich es bin kommandiert werden. Nachdem ich die Uffz.- Schule absolviert habe, habe ich mir gesagt, so selbstherrlich wie diese zum Teil sadistischen Brüllaffen kann man zwar Disziplin erzwingen aber keinesfalls Respekt. Und wenn mir der "Kompanieopa" anerkennend auf die Schulter klopft, ist mir das wichtiger als jegliche militärische Ehrenbezeugung.
Und die Offiziere, die meinten, ich sollte nicht denken sondern ihre Befehle befolgen haben meinen Respekt nicht verdient. Ich habe sicherlich häufig gegenüber Vorgesetzten den Bogen überspannt, aber immer noch besser als sich beim A....kriechen eine braune Nase einzufangen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
uffz_nachrichten und KAMÜ haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 20:14
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo Gebi!

Danke für die interessanten Fragen. Über einiges musste ich als Offizier genauso nachdenken und ich muss gestehen, dass manche dieser Fragen im hektischen Leben der Kompaniesicherung untergingen, egal auf welcher Führungsebene. Aber später vielleicht mehr dazu, da muss ich erst mal in Ruhe drüber nachdenken. Ich nehme mir mal eine Facette aus der Überschrift.

Bisweilen waren die Unteroffiziere nicht nur das Bindeglied, sondern auch der Puffer zwischen Offizieren und Soldaten. Ich erinnere mich an einige Befehle, die ich nicht gern an die Truppe weitergegeben hätte. Auf Platz Eins liegt immer noch ein Befehl des Leiters der Politabteilung unseres Regiments, eine Gruppe Soldaten hätte die Müllkippe zu durchsuchen, um das verlorene Parteidokument eines Leutnants zu suchen, das vielleicht im Müll gelandet sein konnte. Ich hatte versucht, zu widersprechen, erhielt aber sofort einen Vortrag zu Befehl und Gehorsam mit gefühlt 900 Dezibel durch das Telefon. Ich rief also den Unteroffizier der entsprechenden Gruppe und gab ihm den entsprechenden Befehl. Ich gab als "Kompromiss" an, er sei verantwortlich für die Ausführung, die ich leider nicht kontrollieren könne. Er hat den Wink wohl verstanden, denn mir kamen keine Beschwerden oder Klagen zu Ohren ...

Aber manchmal gab es keinen solchen Wink. Dann bestand immer noch die Hoffnung, dass der Unteroffizier seine Reputation durch gezieltes Lästern über die Blödheit der "Buckels" erhalten konnte. Hauptsache, der befohlene Mist wurde gemacht.

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#13

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 20:19
von Gebi (gelöscht)
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Hallo Hartmut, ne Ausgang. Kriegsgericht gabs dafür nicht, aber angesichts des doch sehr harten Grenzdienstes war die Zurückholung schon schmerlich.

Gruß

Gebi,

verwechselst Du hier nicht Ausgang und Urlaub ?
Meine Erinnerung:
Urlaub alle 11 Wochen. ja, leider...
Ausgang (Batallionssicherung): alle 4 Tage mit etwas Glück (oder 8 wenn Pech: Wache, A-Gruppe).
Der offene Kragen in der Kneipe (im Grenzdorf) ?
Nein, da gab's kein Kriegsgericht deswegen. Höchsten mal einen Anpfiff,verschmerzbar, wirklich.

Gruss Hartmut

[/quote]


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#14

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.08.2012 20:21
von Gebi (gelöscht)
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Hallo Leute,

Ist aber eine wirklich sachliche Diskussion. Ich finde das gut.

Danke

Zitat von Jobnomade im Beitrag #8
Hallo Gebi,

interessante Gedanken von Dir, Fürsorgepflichten von Vorgestzten.....
Ich versuch mich mal zu erinnern:
Ich war kein UaZ bei den Grenztruppen, sondern Gefreiter. Und als solcher im 3.DHJ Gruppenführer und war mit den UaZ auf einem Zimmer.
(Jahre später wurde ich dann Uffz und kurz darauf Leutnant, aber das hat nichts mehr mit den Grenztruppen zu tun)
Ein Korpsgefühl konnte ich nicht verspüren und hab da auch irgendwie keinen Wert darauf gelegt (im Gegenzug: den EK hab ich auch nicht "rausgehängt"). Für mich war es eher unangenehm - weder richtigen Kontakt zu den Gefreiten meines DHJ (ich war zeitnah zum Wechsel des 2./3. DHJ von einer anderen GK - Kaltenwestheim in die GK Vacha versetzt worden ) noch längeren Kontakt zu den Uffz-Kameraden der GK Vacha.
Eigentlich, sage ich heute mal: in kalte Wasser geworfen.
Natürlich versuchte ich, wo immer ich es irgendwie konnte, Mensch zu bleiben.

Bindeglied zu den Offizieren.... nun, ich weiss nicht so Recht: Mein Verhältnis zu den Berufsoffizieren war doch etwas distanziert. Beruhte sicher auf Gegenseitigkeit.
Bis auf eine Ausnahme: Ein Unterleutnant, 21, Offizier auf Zeit (3 Jahre), Abiturient. Wir hatten manches, auch vertrauliche Gespräch miteinander.
(Ich war damals 26, hatte Nachrichtentechnik studiert).

Gruss Hartmut

Ergänzung: Jener Unterleutnant war derzeit in Vacha der einzige Zugführer im Offiziersrang, soweit ich mich erinnere. Die anderen ZF waren BU.
Die einzigen weiteren Offiziere der Kompanie waren der Polit und der KC.

Grenzwolf62: Wenn ich Deinen Beitrag so lese, kommen die alten Bilder wieder hoch
Du hast das so schön plastisch geschildert...



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#15

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 06:42
von furry | 3.580 Beiträge

Da will ich doch mal meinen Senf als ehemaliger BePo-Indianer hinzufügen. Hier gab es zwar keine Unteroffiziere sondern Unterführer (welch blöde Bezeichnung, denn es gab keine Führer oder Oberführer).
Was die "Qualität" (ein besserer Begriff fällt mir im Moment nicht ein) der Uffz/Uf angeht, hat sich diese im Laufe der Jahre doch merklich verbessert. Zu meiner Zeit (Nov.70 bis Apr.72) rekrutierten sich die Uffz. meistens aus Burschen, die bei der Musterung nicht nein sagen konnten und die auch sonst den Fuß nicht so richtg auf die Erde bekamen. Bei der BePo sind mir einige begegnet, die man aus der Zeit vor dem VEB Gleichschritt persönlich kannte und die nicht zu denen gehörten, mit denen man sich gern beschäftigte. Ihre Umgangsformen dem gewöhnlichen Untergebenen gegenüber waren entsprechend. Die, die diesen Schritt aus ernsthafter Überzeugung taten, möchte ich hier mal außen vor lassen.
Als man dann aber auf die Idee kam, Studierwilligen einen Studienplatz in der gewünschten Fachrichtung zuzusagen (so ähnlich war es doch?) und das verbunden mit einem aufgebessertem Stipendium, entschieden sich doch mehr von denen, die einen konkreten Plan für ihren weiteren Lebensweg hatten, für den dreijährigen Dienst. Diese hatten es sicher auch nicht nötig, ihre Ego durch Brüllerei und Schikanen aufzubessern. Sicher mussten auch sie Befehle gegenüber den unwilligen Untergebenen durchsetzen, aber manchmal ist doch das "wie" entscheidend und bestimmt das Verhältnis untereinander und miteinander.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#16

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 07:47
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

"Auf Platz Eins liegt immer noch ein Befehl des Leiters der Politabteilung unseres Regiments, eine Gruppe Soldaten hätte die Müllkippe zu durchsuchen, um das verlorene Parteidokument eines Leutnants zu suchen..............."
Ja, und das war damals etwas ungeheuer "Wertvolles" (zumindest bis zum Herbst 89)
wenn ich Rainmann2's Zeilen so lese....merke ich doch, dass es den http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_1.html damals bei uns nicht gab.

Mir geht das Thema "Fürsorge" nicht so recht aus dem Kopf..
Eine Frage in dem Zusammenhang:
Hatten wir im Grenzdienst eigentlich ein MInimum an Verbandsmaterial mit, um im Notfalle Erste Hilfe leisten zu können ?
Diesbezüglich ausgebildet waren wir ja immerhin ein wenig, soweit ich an die Grundausbildung zurückdenke.
Ich meine: wir hatten nichts dabei. Gab es diesbezügliche Vorschriften ?
Ja, ich erinnere mich: ins grosse Sturmgepäck gehörten Verbandspäckchen. Aber das lag in der Kompanie auf dem Spind.
Unverantwortlich, sage ich heute mal: Es hätte im Fall des Falles einen Kameraden treffen können, einen Grenzverletzer, egal, wen auch immer.
Die Wege, bis professionelle medizinische Hilfe vor Ort gewesen wäre, waren lang, das wissen wir.

Schreibt mal bitte Eure Erinnerungen..

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 23.08.2012 07:47 | nach oben springen

#17

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 08:05
von Gebi (gelöscht)
avatar

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #7
Zitat von Gebi im Beitrag #1
Hallo Männer,

manchmal beschleicht mich ein seltsames Gefühl und wollte es mal gleich auf den Punkt bringen.

Voranstellen möchte ich, dass es sowohl für die Soldaten als auch Unteroffiziersdienstgrade nicht gerade einfach war mit der Situation zurechtezukommen. In der Zeit von 1976 - 1979 war ja noch BAT-Sicherung und damit war auch das Leben in den Kompanien vorbestimmt, was wohl 24 Stunden Dienst bedeutete. Ausgang auch für uns nur alle 11 Wochen und wenn ein Soldat den Kragen in der Kneipe nicht zu hatte, dann wurde er sofort zurückgefahren. Gottlob, dass den Leuten nicht mehr passiert ist und dass es keine größeren Unfälle gab.

Meine Frage: Haben wir unsere Pflichten als Unteroffiziere gegenüber unseren Soldaten erfüllt, oder sind wir der Entwicklung einfach nachgelaufen. Konnten wir das eigentlich, obwohl wir kaum Erfahrungen in der Menschenführung hatten ?

Haben wir darauf geachtet, dass unsere Soldaten nicht frieren oder eine ausreichende Versorgung nach dem Grenzdienst hatten ?

Haben wir uns menschlich verhalten oder nicht ? Haben wir uns schützend vor unsere Unterstellten gestellt ?

Haben wir darauf geachtet, dass es ein Leben nach dem Grenzdienst gibt oder waren wir nur längerdienende Soldaten ? Das nur bedeutet keine Herabwürdigung.

Ich habe die Frage für mich schon beantwortet und bin gespannt ob es Reaktionen gibt.

Gruß Gebi



Die Uffze am Kanten waren keine Mittler, da man mit den unteren Offiziersrängen (Zugführer) meist per Du war, also auch alles unkompliziert direkt an sie herantragen konnte, brauchtest du dazu keinen Uffz.
Die spielten eh eine sonderbare Rolle in der GK, kamen einen immer irgendwie verloren vor, die E's ließen die sowieso ablaufen, also zu sagen hatten die rein gar nichts, waren froh wenn die auf Bude mit Kaffee trinken und Skat dreschen durften.
Bei Kompaniesicherung hat jeder relativ selbstständig seinen Job gemacht und die Postenführer hatten das Sagen, wenn die Postenpaare klar waren bist du als Glatter hin "Wir gehen heute zusammen raus, gibts was zu machen?" und so Blabla, klar draußen die Führungsstelle, aber meist hast du nur gemeldet was du machst und das wurde abgenickt.



Guten Morgen,
Du hast Recht. In der Uffz.-Schule habe ich von Menschenführung nichts gehört. Uns wurde lediglich der A. warmgemacht. Das war vermutlich auch eine der Ursachen für die Führungsqualitäten. Wir hatten ja bis dahin überhaupt keine Ahnung von Tuten und Blasen. Keiner wusste wie es eigentlich zugeht an der Grenze. Das hat man aber auch bei neuen Offizieren gemerkt. Die kamen von der Schule und wurden zum teil als ZF eingesetzt. Keine Kenntnisse vom Abschnitt und irgendwelchen anderen Sachen. Ich war bis 1979 ZF und nach meinem Heimgang wurde ein Offizier eingesetzt. Der hat dann mal gleich mit einem Abend mit Westfernsehen begonnen. Das nennt man allseitige politische Bildung.

Wenn ich mich noch an den ersten Abend an der Uffz-Schule in Nordhausen erinnere, dann kommt mir heute noch das kalte. Haare runter, Zivil weg und Radio nicht zulässig, eben wie auf dem Mond. Das war schon ein kalter Schuss. Ich kann mich noch genau an den ersten Urlaub nach 11 Wochen erinnern. Ich hatte so die Nase voll, wie ich es im Leben nie wieder gespürt habe. Am liebsten wäre ich auf dem Leipziger Bahnhof wieder umgekehrt.

Naja, Schluss damit und ran an ans Tagwerk.

Gruß

Gebi


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#18

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 08:05
von moreau | 384 Beiträge

Hallo @jobnomade !
Wir hatten 1984/85 befehlsgemäß jeder ein Verbandspäckchen am Mann. Auch das Verfallsdatum wurde in dieser Zeit einmal überprüft.

Gruß
Moreau


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#19

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 08:16
von Gebi (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #16
"Auf Platz Eins liegt immer noch ein Befehl des Leiters der Politabteilung unseres Regiments, eine Gruppe Soldaten hätte die Müllkippe zu durchsuchen, um das verlorene Parteidokument eines Leutnants zu suchen..............."
Ja, und das war damals etwas ungeheuer "Wertvolles" (zumindest bis zum Herbst 89)
wenn ich Rainmann2's Zeilen so lese....merke ich doch, dass es den http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_1.html damals bei uns nicht gab.

Mir geht das Thema "Fürsorge" nicht so recht aus dem Kopf..
Eine Frage in dem Zusammenhang:
Hatten wir im Grenzdienst eigentlich ein MInimum an Verbandsmaterial mit, um im Notfalle Erste Hilfe leisten zu können ?
Diesbezüglich ausgebildet waren wir ja immerhin ein wenig, soweit ich an die Grundausbildung zurückdenke.
Ich meine: wir hatten nichts dabei. Gab es diesbezügliche Vorschriften ?
Ja, ich erinnere mich: ins grosse Sturmgepäck gehörten Verbandspäckchen. Aber das lag in der Kompanie auf dem Spind.
Unverantwortlich, sage ich heute mal: Es hätte im Fall des Falles einen Kameraden treffen können, einen Grenzverletzer, egal, wen auch immer.
Die Wege, bis professionelle medizinische Hilfe vor Ort gewesen wäre, waren lang, das wissen wir.

Schreibt mal bitte Eure Erinnerungen..

Gruss Hartmut




Hallo Hartmut,

ich kann mich nicht daran erinnern. Du hast recht. Es hätte ja auch mal was passieren können und dann ???

Anzugsordnung: Regenrolle, Magazintasche und mehr eigentlich nicht. GMN-Hörer war in der Magazintasche. Wo war eigentlich die Verpflegung, Feldflasche war glaube auch noch. Ein Verbandpäckchen war glaube nur bei der TSM. Die hatten wir aber nicht mit. Irgendwie hatte der Posten noch eine Tasche. Ich bin 1978 mit einem LKW in die Großgeschwendaer Schlucht gestürzt. Fahrer war nach der Nachtschicht eingeschlafen und ich konnte als ZF die Sache auch nicht umbiegen. Es war gottlob niemand verletzt. Gut im LKW hatten wir was dabei. Der lag im schwierigen Gelände auf der Seite und der Ausstieg zuerst nicht möglich. Das Gelände in Probstzella war ja nicht einfach. Ich war immer froh, wenn ich an der oberen Aussicht mit deem LKW wieder im Wald war. Hatten wir ein Verbandspäckchen in der rechten Beintasche ?

Gruß Gebi


zuletzt bearbeitet 23.08.2012 08:20 | nach oben springen

#20

RE: Unteroffizier als Bindeglied zwischen Soldat und Offizier

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 23.08.2012 08:45
von Gebi (gelöscht)
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Hallo Moreau,

ich war mal in Mengersgereuth. Rückerswind gehörte mit zu unserem Bat. Das war eine Gegend !!
In das Gebäude sind Firmen eingezogen. ich sehe noch den Zaun entlang der Straße. Der ort hatte schöne Kneipen und Ausgehmöglichkeiten.

Kann mir mal jemand helfen. Wollte mal ein neues Thema schreiben, komme aber zur Verfahrensweise einfach nicht weiter. In dem Reiter neue Themen ??? Wie geht man vor ?

Gruß

Gebi


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