#1

"Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 16:37
von turtle | 6.961 Beiträge

Oft höre ich ,aber es war doch nicht alles schlecht bei uns in der DDR

Das ist doch ein interessantes Thema so mit pro und Kontra. Dazu wird doch einiges zusammenkommen. Lasst uns das doch mal sachlich diskutieren was war besser, warum war es besser , weshalb,weswegen, oder ob das so nicht haltbar ist.
Ich fange gleich mal an mit in der DDR gab es kein Drogenproblem!( Nicht dazu zählt Abhängigkeit vom Alkohol,und Medikamente).
Versuche gleich mal zu antworten. Die Drogenbarone wollten keine DDR Mark, die Grenzen waren dichter,
Mit fällt dazu noch so vieles ein was in der DDR besser gewesen sein soll.Keine Arbeitslosen,Sozialwesen, Friedens Armee,Zusammenhalt,Die Emanzipation der Frau, billige Mieten und Grundnahrungsmittel, Kindergartenplätze, Sportliche Erfolge, Billiger Urlaub im FDGB Heim, weniger Kriminalität.So nun habe ich einige Vorlagen gegeben. Mal sehen was bestehen bleibt ?


zuletzt bearbeitet 17.08.2012 17:22 | nach oben springen

#2

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 16:58
von 94 | 10.792 Beiträge

Eine Sache schonema haste vergessen @turtle, einfach zu bedienende Technik ... http://youtu.be/a7BrZZNo1MA?t=16s

P.S. ... und jetzt wünsche ich Dir neben einem schönem Wochenende besonders die Erfüllung Deines Wunsches Lasst uns das noch mal sachlich diskutieren. Es sollte doch (mal wieder ?) gelingen, odär?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.08.2012 17:07 | nach oben springen

#3

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 17:34
von Gelöschtes Mitglied
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Da habe ich doch einen schönen Vorschlag zu machen, vielleicht ist jetzt bei der neuen Steuer CD endlich mal der Hinweis auf das verschwundene Vermögen der DDR zu finden. Dann irgentwo auf der Welt eine neue DDR gründen, aber so wie sie am letzten Tag bestand .
Alle die sich danach wieder sehnen ,können sich dort neu einbürgern. Was singen doch noch die Prinzen ""Denn es war nicht alles sch...

Turtl . ich habe es in der Schule so gelernt. Was ist der Unterschied zwischen dem Sozialismus und dem Kapitalismus . mfG ratata


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#4

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 18:36
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #3
Da habe ich doch einen schönen Vorschlag zu machen, vielleicht ist jetzt bei der neuen Steuer CD endlich mal der Hinweis auf das verschwundene Vermögen der DDR zu finden. Dann irgentwo auf der Welt eine neue DDR gründen, aber so wie sie am letzten Tag bestand .
Alle die sich danach wieder sehnen ,können sich dort neu einbürgern. Was singen doch noch die Prinzen ""Denn es war nicht alles sch...

Turtl . ich habe es in der Schule so gelernt. Was ist der Unterschied zwischen dem Sozialismus und dem Kapitalismus . mfG ratata


Antwort:
Der Kapitalismus macht soziale Fehler, der Sozialismus kapitale.


Aber nun mal ernsthaft. Nu mal los zum Thema,oder gab es doch nicht so viel Positives? Es soll sogar welche geben die wollen am liebsten die DDR zurück.Warum,warum?? Ohne Positives ??


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#5

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 18:37
von S51 | 3.733 Beiträge

Gestern war ich bei meiner Zahnärztin.
Sie hat mir gesagt, dass nach ihrer Meinung zwei Zähne durch "Dritte" ersetzt werden müssten. Auch den Preis... Da musste ich doch arg schlucken, die hätte ich in der DDR kostenlos bekommen. Es war eben nicht alles schlecht.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#6

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 19:14
von Arnstädter | 266 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #4
Zitat von ratata im Beitrag #3
Da habe ich doch einen schönen Vorschlag zu machen, vielleicht ist jetzt bei der neuen Steuer CD endlich mal der Hinweis auf das verschwundene Vermögen der DDR zu finden. Dann irgentwo auf der Welt eine neue DDR gründen, aber so wie sie am letzten Tag bestand .
Alle die sich danach wieder sehnen ,können sich dort neu einbürgern. Was singen doch noch die Prinzen ""Denn es war nicht alles sch...

Turtl . ich habe es in der Schule so gelernt. Was ist der Unterschied zwischen dem Sozialismus und dem Kapitalismus . mfG ratata


Antwort:
Der Kapitalismus macht soziale Fehler, der Sozialismus kapitale.


Aber nun mal ernsthaft. Nu mal los zum Thema,oder gab es doch nicht so viel Positives? Es soll sogar welche geben die wollen am liebsten die DDR zurück.Warum,warum?? Ohne Positives ??


das System funktioniert weil du funktionierst
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#7

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 17.08.2012 19:26
von Arnstädter | 266 Beiträge

Die DDR war doch ein Versuch ,eine Gesellschaft mit menschlichen Antlitz zu schaffen.
Mein Opa sagte mal zu mir,da war ich 13 oder 14.Jahre ,das er für diesen Sozialismus nicht gekämpft hat.
Heute verstehe ich es,jedenfalls zu einen gewissen Teil seines Lebens.
Ich muß aber auch dazu sagen das er über 1Jahr zur Ns-zeit im Gefängnis war,und danach bei den Spaniern gegen dei faschismus gekämpft hat.
Zur DDR zeit hatte er aber auch privilegien die er eigentlich gar nicht haben wollte.
Er war ein sehr ehrlicher und korrekter Mensch.
Und solche Menschen braucht auch dieses Land.


das System funktioniert weil du funktionierst
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#8

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 00:30
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Ach Peter, alte Schildkröte,

was ist das denn für eine Hausaufgabe. So eine Frage hier zu stellen. Das ist fast so, als würde eine Frau zu ihrem aus welchen Gründen auch immer unsicheren Liebhaber sagen: "Und nun, leg los!" Das läuft dann schon unter den fünfzig sicheren Tipps, eine Liebesnacht zu versauen, recht weit vorn. Na, wie auch immer, Du lockst mit dem reißerischen Thema und ich versuch mich mal dran. Das Schöne ist, dass es nicht DDR-typisch sein muss. Hauptsache, es war etwas, was nicht schlecht war. Also:

Mir fallen als erstes die Wiesen ein, auf denen man nahezu ungehindert Fußball spielen konnte. Nach der Schule fand sich immer eine Gummipille oder sonst etwas, was man mit dem Fuß kicken konnte. Vier Ranzen oder Schultaschen, oder was auch immer gerade von uns als Behältnis für Unterrichtsmaterial akzeptiert wurde, auf die Wiese gelegt und los ging es. In diesem Zusammenhang fällt mir auch eine Geschichte ein, die ich gern unter dieser Rubrik erzählen möchte. Es muss die 9. Klasse gewesen sein, also irgendwie 1975 oder 1976. Wir hatten am Nachmittag einen Ausfall und beschlossen, in den nahen Johannapark zu gehen und Fußball zu spielen. Der Entschluss war schnell gefasst, aber von denen, die in der Nähe wohnten und einen Ball hätten zur Verfügung stellen können, wollte keiner mit. Mist - und wir waren bereits so auf Fußball fixiert. Plötzlich sagte einer: "Gehen wir doch zu U., der gibt uns bestimmt einen Ball." Herr. U. war unser Sportlehrer. Er wohnte hinter der Schule. Fast jeder von uns hatte ihn schonmal nach Hause gehen oder von dort kommen sehen. Wir zweifelten, ob wir da einfach so klingeln sollten. Immerhin hatte man uns Respekt vor Lehrern gelehrt. Aber zum Glück hatte der mit dem Vorschlag genug Mumm in den Knochen, uns mitzuziehen. Wir gingen zu dem Haus, suchten auf dem Klingelschild den Namen und der Mumm-Träger klingelte. Es öffnete sich rasch ein Fenster im Hochparterre und durch dieses kam die Frage: "Iss'n los?" "Äh, wir ham Ausfall und wollten gern Fußball spielen, aber wir haben keinen Ball." "Hmm, schon klar, Moment." Und schon kam ein Ball durch das Fenster geflogen. "Aber, wenn ihr fertig seid, gleich wiederbringen!" Wir murmelten zustimmend und das Fenster schloss sich wieder. Ich wollte schon los, aber meine Klassenkameraden starrten noch fasziniert auf den Ball. "Eh, sogar 'n Adidas-Ball!" Die Augen leuchteten. Ich war ahnungslos, da wir zu Hause kein Westfernsehen hatten. Aber, wenn die so begeistert waren, dann musste es etwas aus dem Westen sein. Ich murmelte irgendwas wie "Toll", oder so. Dann ging es in den Park, wir suchten uns eine passende Wiese aus, die Ranzen wurden platziert, die Mannschaften gewählt und dann spielten die Jungs zum ersten Mal richtig andächtig.

Nun könnte man den Ball zum Kernpunkt der Geschichte machen. Mir gefällt es aber mehr, dass wir einen so entspannten Sportlehrer hatten, der auch gutes Sportgerät einfach an Schüler auslieh, und es gefällt mir, wie schon eingangs gesagt, die Erinnerung, dass wir uns einfach Wiesen aussuchten. Keine Hundescheiße, keine Grillorgien ... einfach nur frei spielen. Ja, das war wirklich nicht schlecht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#9

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 08:13
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Positives sind schöne Jugenderinnerungen, es spielten in vielen alten Sälen gute Bands und für 20 Mark konntest du einen lustigen Abend erleben.
Wir hatten auch ein Naherholungsgebiet, einen großen Badeteich mit Sprungturm, nachts war natürlich geschlossen, aber was kratzt das unruhige 16jährige?
Mit den Mädels an lauen Sommerabenden schön den billgen Lockwitzgrund-Mehrfruchttischwein (1,30 Mark?) schlürfen und dann nackig ins Wasser
Wenn der Bullen-Shiguli mal ne Runde drehte unterm Sprungturm verstecken und dann zu Musik vom "Annett" weiterfeiern.
War schon schön.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.08.2012 08:17 | nach oben springen

#10

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 08:37
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Oft höre ich ,aber es war doch nicht alles schlecht bei uns in der DDR @turtle

Das ist eine schwierige Frage Peter,und auch gar nicht so leicht zu Beantworten,ich denke das ist auch der Grund das es im Moment wenig Resonanz in dem Tread gibt.
Man wurde Reingeboren und kannte ja nichts anderes,bis man merkte oh was schickt mir denn die Tante da im Paket.Ja da war auch Kaugummi drin.
Aber eben auch Klamotten,und die Levis sah nun mal besser aus als dem Kumpel seine Boxer.
Das könnte man nun Unendlich so Fortführen.Ich will damit sagen das es mit Westverwandtschaft also Paketen,Devisen,Genexkatalogen u.s.w. viel leichter war in der DDR zu leben.
Das soll aber nicht heissen das die ohne Verwandtschaft schlechter gelebt haben.Fakt ist gehungert hat Niemand in der DDR,obwohl das einige Bundesbürger auch nach der Wende mir gegenüber geäussert haben. Auch Geld für ein neues Auto hatte jeder,ein gebrauchtes konnte man sich aber nicht leisten.
Was gut war,das Gemeinschaftliche,das gesellige Beisammensein,das vermisst man heute.Liegt aber auch teilweise an jedem selbst.
Jeder hat eben das beste aus der Situation DDR gemacht,mit legalen oder auch Illegalen Mitteln.


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#11

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 09:23
von küche69 | 428 Beiträge

Anbringen möchte ich hier, dass wir nach der Schule jeder einen Ausbildungsplatz hatten (ob er nun gefiehl oder gewollt war oder auch nicht), die Jugend heute hat Probleme (Alk , Lesen und Schreiben ect.), dadurch lungern viele rum haben keine Perspektiven und überfallen alte Menschen wegen 5 Euro (als Beispiel). Wir waren früher nach der Arbeit fertig, gingen zwar auch in die Dorfdisko, aber konnten uns benehmen.
Auch war das Medizinische besser, da stimme ich meine Vorschreibern zu.
Einheitliches Schulsystem war auch in Ordnung. Mit der Technik das stimmt auch, meine TESLA-Tonbandgeräte laufen heute noch vorzüglich.

______________________

"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"



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#12

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 09:40
von erkoe | 301 Beiträge

Hallo zusammen,

da stelle ich mich doch gleich mal als "Systemkonformer" an den Pranger. Ich durfte schon als Kind alle Vorzüge der DDR, wie Ferienlager, Sportverein, Urlaube mit meinen Eltern (hier bedingt durch einen Vater bei der Wismut), Schulspeisung, kostenlose Milch usw., kennenlernen. Vielleicht auch aus diesen Gründen verpflichtete ich mich bereits in der 8. Klasse zur BO-Laufbahn. Militärflieger sollte es sein. Sogleich konnte ich für 1 Mark (!!) GST-Beitrag im Monat Motorflugzeug fliegen. Später bekam ich für das Fröhnen meiner Leidenschaft sogar noch Geld.

Ich sags mal ganz salopp: Warst du für das System, konntest du die wenigen Vorzüge bestens genießen. Und ich habs getan.

Nachtrag: In meinem Fliegerverein in Coburg zahlte ich neben einem horrenden Jahresbeitrag pro Flugstunde noch 100 €...


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#13

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 09:58
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Ich sags mal ganz salopp: Warst du für das System, konntest du die wenigen Vorzüge bestens genießen. Und ich habs getan.@erkoe

Und wenn Du nicht für das System warst,wie sah es denn dann aus?
Schreibe aber auch noch Fairerweise was Du in Coburg Verdient hast,ob die 100.- Euro wirklich Horror waren

P.S. @Küche was war denn in der DDR Medizinisch besser?


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#14

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 10:02
von erkoe | 301 Beiträge

@pit: Das war mir als Kind und Jugendlicher egal, soweit hab ich damals nicht gedacht. Mein Umdenken setzte erst Jahre später ein. (siehe auch Resümee einer Jugend).

Und natürlich hast du Recht. Die 100 € pro Stunde waren mehr als relativ.

VG
Erik


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#15

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 10:45
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Mir fällt als "es war doch nicht alles schlecht" die regelmäßige medizinische Vorsorgeuntersuchung in der Schule ein. Jedenfalls gab es das in den 50er und 60er Jahren das alle Schüler Allgemeinmedizinisch untersucht wurden. Ebenso war glaube ich 1x im Jahr eine Zahnuntersuchung, ebenfalls in der Schule.

Das generelle Impfen gegen bestimmte Krankheiten. Wie kürzlich gelesen habe ist ja TBC wieder auf dem Vormarsch in Mitteleuropa um nur eine Krankheit zu nennen für die es in der DDR die "Zwangsimpfung" gab.

Das "Vergleichen" des Standes eines Gesundheitssystems von vor 25, 35 oder 40 Jahren bezüglich seiner medizinisch/technischen Ausrüstung und damaliger medizinischer Erkenntnisse mit dem gegenwärtigen Hightech Medizinwesen empfinde ich als müßig, denn es bringt nicht wirklich was.
Ich vergleiche auch keinen heutigen Mercedes mit einem Modell aus den 50ern um mich über die antiquierte Technik von damals zu mokieren.

Trägst Du die richtigen Markenklamotten dann bist Du auch was und wenn diese Klamotten auch noch aus dem Westen waren um so besser.....
Dieses denken setzte wohl erst Ende der 60er verstärkt ein.
Westsachen waren schick, keine Frage. Sie waren rar und alles was in der DDR rar war wurde fast automatisch schick und begehrenswert.
Nur den 'Staat' daran zu messen ob er mir Nietenhosen wie sie damals hießen und Bubble Gum; richtigen; bereitstellte...., ne ich glaube so dermaßen materiell waren wir damals doch nicht eingestellt, jedenfalls die Mehrheit.

Sonntags am Vormittag die Kinderfilmvorstellung im Kino für 20 Pfennige war ein muß und später kam dann noch die Pioniervorstellung dazu was bedeutete zwei Filme nacheinander......

Kindertheater, jedenfalls in Leipzig gab es Eines und da gingen wir als Klasse geschlossen mindestens 2x im Jahr hin. Ab 9. Klasse wechselten wir in ein spezielles Jugendanrecht an die Theater und Oper.
Konzerte vom Gewandhausorchester für Kinder und Jugendliche ebenso wie spezielle Matineeveranstaltungen in der Oper nur für Kinder.

Ferienlager, Hortbetreuung, Milch in der Schule wurde bereits benannt.

Das jeder Schulabgänger einen, wenn auch nicht immer in seinen Traumberuf, Ausbildungsplatz bekam.

Der Grundbedarf, wenn auch bescheiden, an den Dingen welche zum täglichen Leben notwendig waren war weitgehendst abgesichert und bezahlbar.
Alle anderen Konsumgüter wurden fürs Leben angeschafft wie so schön hieß und waren demzufolge auch für die Ewigkeit gefertigt. Einige Gerätschaften aus dem Bereich der Phonoindustrie laufen heute noch als zweit und Drittgerät tadellos, während die Teile aus der bunten, glitzernden Warenwelt Anfang der 90er gekauft längst ihren technischen Geist aufgegeben haben.

Für den Einen war die Überschaubarkeit und das vermittelte Sicherheitsgefühl für sein Leben etwas Positives und Wertvolles, für den Anderen bestand genau darin die Zumutung und der äußere Zwang gegen den er meinte aufbegehren zu müssen......
Aber dies ist ein anderes Thema.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#16

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 11:48
von turtle | 6.961 Beiträge

Als ich neulich zur Einschulung meiner jüngsten Enkeltochter war, unterhielt ich mich mit meiner Ex –Schwiegermutter über alte Zeiten. Da sie immer noch in Leipzig wohnt, hauptsächlich was sich so alles verändert hat. Weißt Du Peter sprach: sie, unsere Häuser haben mehr Farbe bekommen, die Wohnungen wurden renoviert, das Warenangebot ist riesig, und ich darf überall hin reisen. Aber was nützt mir das. Von der Summe habe ich zwar mehr Rente aber davon kann ich mir weniger wie zu DDR Zeiten leisten. Altersarmut war in der DDR nie ein Thema, genauso wie Arbeitslosigkeit. Wir hatten eine funktionierende Hausgemeinschaft, und halfen uns gegenseitig. Heute hat jeder mit sich und seinen Problemen zu tun, ein flüchtiger Gruß das war es. Aus unserer Brigade kamen wir auch mal privat zum Feiern zusammen. Selbst unseren Frauentag wie er damals begangen wurde ist nicht mehr so. Die Menschen sind kälter geworden, da er sich selbst der Nächste ist. Nein es war nicht alles schlecht in der DDR. Mein Geld war genug. Heute muss ich mit meinen 700 Euro Rente versuchen hinzukommen.

Ich denke so wie sie eine Frau aus dem Volke, unauffällig und angepasst, im Prinzip war ihr Politik egal wusste sie doch was sie sagen konnte und was nicht. Sie hatte sich mit der DDR engagiert! Sie hatte ihren Kleingarten, und mal hier und da eine Feier. So war sie doch in einem bescheidenen Maß zufrieden. Wie es die DDR vorgab, akzeptierte sie.
Nur eben zur Wendezeit marschierte sie in Leipzig mit da auch sie sich mehr erhoffte.

Sicherlich trug vieles was heute vermisst wird auch mit zum Untergang der DDR bei. Subventioniertes , kostenlose medizinische Versorgung, unrentable Arbeitsplätze usw. .
Nachdenklich machte es mich trotzdem was sie sagte.

Einen Idealstaat wird es nie geben und was von der DDR so vermisst wird gemischt mit dem „Guten“ in unserer Republik ist Wunschdenken! Es ist aber für viele nicht einfach gewesen sich aus einer anderen Gesellschaftsordnung plötzlich im Kapitalismus zurechtzufinden. Es gab zu viele Verlierer durch die Einheit. Ich wollte einfach nur mal Eure Antworten lesen, liegt meine Ex-Schwiegermutter so daneben? Deswegen begann ich diesen Thread.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.08.2012 11:52 | nach oben springen

#17

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 13:17
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #5
Gestern war ich bei meiner Zahnärztin.
Sie hat mir gesagt, dass nach ihrer Meinung zwei Zähne durch "Dritte" ersetzt werden müssten. Auch den Preis... Da musste ich doch arg schlucken, die hätte ich in der DDR kostenlos bekommen. Es war eben nicht alles schlecht.


Kostenlos klingt erst mal gut...aber irgendwer musste das ja löhnen. Der Staat,sowie vieles andere...nur war der nachher pleite und die
DDR brach zusammen...also auch nicht gut.

Übrigens...bei uns war der Zahnersatz früher auch mal kostenlos..ich schreibe ausdrücklich früher.



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#18

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 13:42
von Gert | 12.356 Beiträge

ich kann nicht so viel dazu beitragen, was hier abgefragt wird, weil ich schon kaum Erwachsener geworden, in einem anderen System ankam.

Die Grundschule die ich besuchte, war gut aber das war eine Selbstverständlichkeit, für die jeder Staat sorgen muss und dafür zahlen die Eltern Steuern. Das ist also kein Almosen einer Staatsführung. Die weitere Entwicklung in meiner persönlichen Fortbildung ( weiterführende Schule und evtll. Studium ) wurde mit Totalblockade des Staates beantwortet. Eine Wohnung wurde mir mit 21 als ledigem jungen Mann in dem zwangsbewirtschafteten Wohnungsmarkt der DDR glatt abgelehnt. Mein Verdienst in meinem erlernten Beruf ( war nicht Wunschberuf sondern von den Behörden gesteuert) war auch nicht hoch, sodass über die Grundbedürfnisse, Essen, Kleidung, Wohnen(bei den Eltern mit 21) nicht viel übrig blieb bzw. auch Dinge die man gern hätte nicht zu kaufen waren, weil einfach nicht vorhanden(Mangelwirtschaft) . Aber die Knarre durfte ich gleich in die Hand nehmen um deren Errungenschaften zu verteidigen ( gehörte zu den ersten Wehrpflichtigen nach dem Mauerbau ) Dies spielte sich alles im Zeitraum Ende 50er bis Mitte 60 er ab.
Also ihr werdet verstehen, dass meine Erfahrungen so liefen, dass ich den Threadtitel nicht unterschreiben kann, weil nicht zutreffend.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#19

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 16:23
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Es lässt sich alles schön lesen, was ihr so alles berichtet. Aber eins verstehe ich nicht, warum habt ihr denn nach der Wende den Osten
verlassen, wenn nicht alles so schlecht war.?

Habt euch in den alten Bundesländern nieder gelassen, habt dort ein fertiges Nest kennen gelernt.

Wir, die hier geblieben sind aus welchen Gründen auch immer, haben die ersten schweren Schritte gespührt.
mG ratata


zuletzt bearbeitet 18.08.2012 18:02 | nach oben springen

#20

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 18.08.2012 17:55
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Zermatt, eine der hartnäckisten Mythem über die DDR wieder hervorgekramt?

Wenn der Endzustand der DDR 88/89 das Feststellungsmerkmal dafür ist das ein Staat in bälde Pleite sei, ja dann müßten Griechenland, Italien, Spanien und Portugal längst pulverisiert sein........

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
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außen und unter`m Haar
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aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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