#41

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 22:32
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Sicher war nicht alles schlecht.Aber wie will man das beurteilen.Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.Aber heute ist auch nicht alles Gut.Für mich erweckt sich der Eindruck,das es heute mehr Armut gibt wie zu DDR-Zeiten.Ich kenne Fälle--aus meiner Heimatstadt---die nicht mal die große Reisefreiheit innerhalb der Stadt wahrnehmen können.Weil sie sich nicht mal die Fahrt mit den Nahverkehrsmittel von einen Teil der Stadt in den anderen leisten können.Mal so gesagt für viele war es ein Weg vom Regen in die Traufe.Aber das wird nicht gerne gehört auch von vielen Usern hier.Aber wie schon gesagt,das muss jeder mit sich selbst ausmachen.


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#42

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 22:57
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Hallo Vorwendezeittouri, interessant Deine Sichtweise, die Du Dir sicher jetzt nach einiger Zeit kontroverser Forumdiskussionen gebildet hast. Maches PRO würde ich kritischer, manches Contra aber auch nicht als allgemeingültig betrachte. Mal meine Einschätzung dazu (Andere werden andere haben):

PRO
- niedrige Mieten: Dafür oft schlechter Zustand der Bausubstanz (war bis Ende 2007 "Hausbesitzer" eines 8-Familien-Hauses im Zentrum Erfurts)
- Keine Arbeitslosen: Faulenzer, die es auch gab, wurden durchgeschleift. Planstellen, für die ein Privatunternehmer keinen Pfifferling ausgeben
würde. Normerfüllung von weit über 100%, in Extremfällen bis 160% bei ca. 5 Stunden Arbeitszeitauslastung (ich war u.a. Arbeitsnormer).
- hoher menschlicher Zusammenhalt: stimmt auch und das nicht nur wie manchmal behauptet wird, weil es eine "Notgemeinschaft" gewesen wäre.
Und was das Mißtrauen wegen möglicher Stasiohren betrifft, kann ich das für die Gruppen, in denen ich tätig war (Arbeitskollektive, Hobbygruppen
privater Bekannten- und Verwandtenkreis) nicht bestätigen. Wenn Du wüßtest, wie da manchmal diskutiert wurde. Gut, in den 50ern u.event. noch 60er
Jahren war das vielleicht kritischer. In unserer Kakteengruppe war sogar offizell einer vom MfS drin, weil der auch Kakteenzüchter war. Aber wie das
so ist, in Hobbygruppen wird i.d.R. übers Hobby und nicht über große Weltpolitik diskutiert. Für oppositionelle gruppen kann ich mir das aber vor-
stellen, daß es da immer ein gewisses Mißtrauen gab.
- gute Mülltrennung: stimmt, wenn auch aus ökonomischen Gründen (Devisen f. Importe z.B.), aber das Ergebnis zählt. Es hat hier auch keine Privat-
wirtschaft an möglichst viel Müll verdient. Gehe mal davon aus, daß alle zusätzlichen Kosten am Lebensstandard der Bevölkerung genagt haben und
deshalb wurde hier anders gehandelt als in der Privatwirtschaft.
- billige Lebenshaltungskosten: stimmt auch, was aber auch dazu führte, daß mit den Gütern privat auch geschludert wurde.
- öffentlicher Nahverkehr: stimmt unbedingt, da nicht gezwungenermaßen gewinnorientiert. War auch notwendig, da der private PKW-Bestand nicht so
hoch war. Allerdings war die Wegstrecke von zu Hause bis zur Arbeitsstelle i.d.R. wesentlich geringer als heute.
- mehr Menschlichkeit, weniger soziale Kälte: stimmt
- hoher menschlicher Zusammenhalt: stimmt
- veraltete Autos: stimmt. Kultauto wurde der Trabi wohl erst nach der Wende. Wir hätten sehr gute Autos haben können. Im Design waren wir zeitweise
weiter als z.B. VW. dazu gibt es genug Literatur, wie oft für die Schublade entwickelt wurde, weil bestimmten Leuten im ZK was anderes vorschwebte.
Auch die Sowjetunion hat unsere techn. Entwicklungen mitunter gebremst oder verhindert, weil wir sonst bei einigen wichtigen Sparten unabhängiger
geworden wären (z.B. eigene Diamantsynthese, die war in den 70ern anwendungsreif). Manchmal lag es auch nur an nicht bezahlbaren Importen, oder
auch an der Boykottliste unserer Brüder und Schwestern im Westen
- keine Drogenproblematik: stimmt, sicher auch mit, weil mit der DDR-Währung Drogen nicht bezahlt werden konnten. Gut, die sozialen Problem die
zur Drogenabhängigkeit führen, waren nicht so vorhanden. Die Beschaffung, vor allem der Import war auch schwieriger.
- keine AIDS-problematik: stimmt nicht. War auch hier ein ernstes Thema, da Sexpraktiken nicht systemspezifisch sind.
- weniger Prüderie: stimmt voll. FKK (ich war auch ein Anhänger davon) war das Normalste bei uns. Prerow auf dem Darß, ein riesiger Strand dafür.
Heute fristet der FKK-Bereich ein bescheidenes Dasein am Rand, weil die betuchten Wohlhabenden aus Deutschland-West das anstößig fanden.
Was für eine Heuchlerei und Doppelmoral. Aber Pornoläden und Bordelle an jeder Ecke als normal finden.
Was Du vergessen hast, so wichtige Bereiche wie Bildung, Sport, Kultur, Jugendförderung u.a.
Weiterhin zur Qualität der Waren. Sie waren sehr oft, vor allem die technischen Haushaltwaren, auf Langlebigkeit ausgelegt. Es war nicht so wie heute,
daß die Entwickler darauf orientiert werden, daß das Produkt bis zum Ende der Garantiezeit durchhält und dann auseinanderfällt. Ein neues Gerät
kostete Material, also auch Devisen und band Arbeitskräfte, die immer knapp waren. Man kann es so sehen oder so, aber ich denke, daß sich so
Mancher heute auch eine längere Lebensdauer der Produkte wünscht, die er kauft.

Contra:
- keine Reisefreiheit: stimmt. Ist mir aber erst richtig bewußt geworden etwa 1987, als ich von meinem Hobbytauschpartner den "Lapis", eine
Mineralienzeitschrift als Geschenkabonnement erhielt. Da waren Fundorte in aller Welt beschrieben. Allerdings war ich bis heute kaum dort.
- keine Meinungs- und Demonstrationsfreiheit: Für Demos zutreffend, aber Meinung ? Wie wollte man eine Meinung überprüfen ? Wie ich oben schon
schrieb, die Diskussionen in den Arbeitsbrigaden waren schon ganz schön heftig, auch wenn es um Kritik an "denen da oben" ging. Unter die
Gürtellinie oder gar bis zum Mordaufruf durfte es natürlich nicht gehen, aber wenn man äußerte, daß die da oben gar nicht mehr wissen wie es unten
aussieht, war das kein Problem. Ich schließe aber nicht aus, daß es Emporkömmlinge gab wie zu jeder Zeit, die meinten durch Anschwärzen sich
persönliche Vorteile beschaffen zu können. Hatte aber so wie ich das erlebte keinerlei erkennbare Auswirkungen. Kam eben immer auf den
konkreten Fall an und wie wichtig daß der jeweilige Mitarbeiter gesehen hat, vermute ich.
- ständiges Misstrauensgefühl: spielte im Alltagsleben m.E. keine dominierende Rolle
- Warengütermangel: stimmt . Es wurde da viel improvisiert und aus Nichts etwas gemacht. Beziehungen waren nicht wie heute mitunter existenzent-
scheidend, es ging um die Beschaffung (Beziehungen schaden nur dem, der keine hat). Die Baumaterialien für meine Datsche (massiv, unterkellert,
Toilette, gefliest, Klärgrube, Wasser und Elt u.was dazugehört) habe ich auch ohne Beziehungen zusammenbekommen. Allerdings hatte ich in meiner
Trabbi-Werkstatt "Beziehungen", weil wir Produkte herstellten, die der Werkstattinhaber benötigte (Dichtstoffe f.Scheiben und Karosserie), die ich ihm
dann in unserer Verkaufsabteilung ganz legal für ihn gekauft habe.
- Schießbefehl: Über diesen Begriff wurde schon viel geschrieben. Einen "Befehl" zum schießen gab es so nicht, wie es heute dargestellt wird. Wenn Du
Dir die Schusswaffengebrauchsbestimmungen der heutigen bewaffneten Einheiten und diesen der DDR-Grenzer vergleichst, wirst Du kaum wesent-
liche Unterschiede erkennen.
- hoher Grad der Umweltverschmutzung: stimmt, war aber keine Frage der Gleichgültigkeit sondern der schmalen ökonomischen Basis für eine wirk-
same Verbesserung.
- staatliche Einmischung und Bevormundung: ja, aber weniger in der Privatsphäre, sondern mehr in den Leitungen der Betriebe und Kombinate (ver-
gleichbar mit den heutigen Konzernen).
- starker Verfall der Bausubstanz: stimmt. Auch geschuldet der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
- unrentable Wirtschaft: stimmt zumeist. Ursache weniger Leistungsmotivation, niedrigere Arbeitsproduktivität, Vorhandensein von Arbeitsplätzen, die
nicht notwendig waren, weichere Normen und mehr Ausfallstunden, höherer Krankenstand (oft nicht wegen tatsächlicher Krankeit sondern wegen
privater Arbeiten) und, und, und....
Was aber nicht stimmt, daß alle Betriebe marode waren. Die Leichtindustrie z.B. vor allem NSW-exportorientierte Betriebe waren oft mit der
neuesten Technik, die es auf dem Weltmarkt gab, ausgestattet. Erlebte das selbst bei Kundenbesuchen in Westdeutschland, wo z.T. noch mit
Technik aus der Kaiserzeit gearbeitet wurde.



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#43

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 23:03
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #41
Sicher war nicht alles schlecht.Aber wie will man das beurteilen.Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.Aber heute ist auch nicht alles Gut.Für mich erweckt sich der Eindruck,das es heute mehr Armut gibt wie zu DDR-Zeiten.Ich kenne Fälle--aus meiner Heimatstadt---die nicht mal die große Reisefreiheit innerhalb der Stadt wahrnehmen können.Weil sie sich nicht mal die Fahrt mit den Nahverkehrsmittel von einen Teil der Stadt in den anderen leisten können.Mal so gesagt für viele war es ein Weg vom Regen in die Traufe.Aber das wird nicht gerne gehört auch von vielen Usern hier.Aber wie schon gesagt,das muss jeder mit sich selbst ausmachen.


Wie arm ein Volk tatsächlich ist, erkennt man am Etat der Kommunen und spätestens hier sieht man, was wirklich da ist und alle Bilanzakrobatik und Buchungskreativität der politischen Führer wird ohne Wert sein, wenn wieder mal eine Schule geschlossen oder ein Bahnanschluß gekappt wird.
Ein neuer Spielplatz ist physisch vorhanden oder eben nicht, einen Milliardenüberschuß der Krankenkasse jedoch hat für den einfachen Bürger keinerlei Wert, da die Verteilung dieser Überschüsse eben nicht dem Volk überlassen ist.
Der private Wohlstand hängt erschreckend oft von glücklichen Umständen ab, wie z.B. dem zufällig angesiedelten Unternehmen in Wohnortnähe oder dem Dienstalter im Beamtenjob ab, das hat nichts aber auch gar nichts mit einer Leistungsgesellschaft zu tun.
Und daß Glück nur bedingt mit Einkommen zu tun hat steht wohl auch außer Frage, viel wichtiger sind die allgemeinen Lebensumstände, z.B. wie oft habe ich Grund zum Lachen, welchen Aufwand muß ich betreiben, um einen Beruf auszuüben, wie riskant ist es krank zu werden bezogen auf die wirtschaftlichen Konsequenzen, werde ich mit privaten Geld an öffentlichen Infrastrukturprojekten beteiligt, kann ich das einmal verdiente Geld auch behalten oder muß ich es nachträglich noch beim Finanzamt oder der ARGE verteidigen u.v.a.m.
Es entscheidet weder der Hubraum des Privat- Pkw noch die Entfernung zum letzten Urlaubsort allein über den tatsächlichen Wohlstand, da kommen mindestens 100 gleich hoch zu wichtende Umstände hinzu, die in der DDR schon überwiegend selbstverständlich waren, hier aber Tag für Tag neu erkämpft werden müssen.



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#44

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 23:16
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

@Rostocker: Stimmt wohl, dass Verarmung heutzutage ein Hauptproblem ist, und es mit Sicherheit Leute gibt, die sich noch nicht mal einen Fahrschein für den innerstädtischen ÖPNV leisten können, um sich in der eigenen Stadt fortbewegen zu können. Schlimm genug! Das wird es in der DDR wohl kaum gegeben haben!

@DoreHolm: Meine Meinung PRO / CONTRA DDR hatte ich in den Ansichten durch eigene Eindrücke (mein pers. Touristikprogramm in der DDR) schon vor Anmeldung hier im Forum gebildet. War immer am östlichen deutschen Staat interessiert, man hatte damals in Klasse 12 in der Schule die Wahl zwischen Klassenfahrten nach Budapest, Frankreich oder DDR. Ich habe mich selbstverständlich für die DDR entschieden, mein Zwillingsbruder wollte ins langweilige Frankreich (öde, da mein Französisch immer Note 5 war, und als Westler kannte man das Nachbarland Frankreich sowieso schon). Also DDR, was ich bis heute nie bereut habe, im Gegenteil, gehöre mit heute 43 noch der Generation Westler an, die Zumindest die DDR auf Stippvisite noch bewusst miterlebt hat (war '88 19J.).


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
zuletzt bearbeitet 28.10.2012 23:17 | nach oben springen

#45

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 23:27
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Da hast Du vielen Deiner Landsleute was voraus. Es soll ja noch welche geben, die stolz darauf sind, noch nie hier gewesen zu sein und wenn sie hirherfahren, sich zumindest beim ersten Mal ihr Fresspaket mitbringen, damit sie nicht verhungern.
Was meinst Du, was ich von meinen westdeutschen Kunden schon für verschrobene Ansichten zur DDR gehört habe (z.B. ganz erstaunt "Ihr durftet im Osten doch kein Englisch lernen". Das in Saarbrücken).



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#46

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 28.10.2012 23:39
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

Wer als Westler noch nie bis heute in Ostdeutschland gewesen ist, lebt hinter'm Mond! Denke aber, gerade im konservativen, ländlichen Bayern gibt es bestimmt einige, dieser Spezies!
In NRW, da, wo ich herkomme, ist man allgemein vielem offen aufgeschlossen. Der Süden ist da konservativ-festgefahrener!
Allerdings sollten aber auch umgekehrt, nach der Wende, (vorher war das ja nur für die Rentner ab 65 möglich) möglichst viele Ostler auch mal die Alt-BRD besucht haben.
Allgemein kann man sagen, dass man sich ein Bild umso besser machen kann, je näher man dran ist, sprich: man sollte mal vor Ort gewesen sein!


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 07:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Harra318 im Beitrag #38
Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #37
Natürlich, da gebe ich dir recht, hat die abgeschirmte Staatsgrenze einiges wirklich "abgeschirmt", man denke an Drogenmärkte, an das AIDS-Virus...

Bei uns gab es eine käufliche Droge, sie nannte sich Alkohol !
Harra 318


Nicht nur Alkohol allein, der wurde auch in Kombination mit diversen Arzneien genossen als Ersatzdroge.
Haben manche nicht gut vertragen.


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#48

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 07:54
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #46
Wer als Westler noch nie bis heute in Ostdeutschland gewesen ist, lebt hinter'm Mond! Denke aber, gerade im konservativen, ländlichen Bayern gibt es bestimmt einige, dieser Spezies!
In NRW, da, wo ich herkomme, ist man allgemein vielem offen aufgeschlossen. Der Süden ist da konservativ-festgefahrener!
Allerdings sollten aber auch umgekehrt, nach der Wende, (vorher war das ja nur für die Rentner ab 65 möglich) möglichst viele Ostler auch mal die Alt-BRD besucht haben.
Allgemein kann man sagen, dass man sich ein Bild umso besser machen kann, je näher man dran ist, sprich: man sollte mal vor Ort gewesen sein!


Passend zu Deinem Zitat "Geschichte wird gemacht, es geht voran" hier mal eine etwas andere Art der Aufarbeitung der DDR- Geschichte.
Bei 1:15 geht's los.
http://www.youtube.com/watch?v=8sOWJs2DXJs&feature=relmfu
Ich denke mal bei gewissen Partys sind solche Dialoge durchaus vorstellbar gewesen.
Genial auch der Schlichtungsversuch des türkischen Gemüsehändlers beim Streitgespräch zwischen Stasimajor und Mitläuferin, es war als Parodie gedacht, so war W. Menges Werk "Motzki" angelegt aber ganz sicher waren solche Filme auch ein Härtetest für den Fortschritt auf dem Weg zur Einheit und je länger der wird, desto positiver erscheint die DDR im Rückblick.



Vorwendezeittouri hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#49

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 08:35
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Natürlich, da gebe ich dir recht, hat die abgeschirmte Staatsgrenze einiges wirklich "abgeschirmt", man denke an Drogenmärkte, an das AIDS-Virus... @Vorwendezeittouri

Du meinst das Virus konnte das Schild " Halt Grenze " Lesen


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#50

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 08:55
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #49
Natürlich, da gebe ich dir recht, hat die abgeschirmte Staatsgrenze einiges wirklich "abgeschirmt", man denke an Drogenmärkte, an das AIDS-Virus... @Vorwendezeittouri

Du meinst das Virus konnte das Schild " Halt Grenze " Lesen


Nicht nur das Virus konnte lesen!
Auch der Smog in Berlin (West) konnte lesen, denn wenn er die Berliner Gegend besuchte, vor 1989, hielt er sich nur im Westteil auf. Im Ostteil war es höchsten ein wenig nebelig laut Wettermeldung.......
Berlin (West) hatte in den 1980er-Jahren mehrere Smogalarme, so am 17. und 18. Januar 1980 (Stufe I), erneut am 24. Januar 1980, am 19. Dezember 1981 und vom 1. bis 3. Februar 1987 (Stufe I und Fahrverbot).
Besonders das mit dem Fahrverbot fand/finde ich äußerst witzig, denn in Ostteil knatterten Trabbis und Wartburgs weiter über die Strassen und es wurde auch an diesen Tagen mit Braunkohlebriketts geheizt. Ofenheizung war nun mal die vorherrschende Heizart.

Aber so ist das in einer vorbildlichen, ökologisch ausgerichteten Demokratie.
Allein der Gedanke etwas gegen die Luftverschmutzung zu tun zählte. Da konnte das gute Gewissen es einfach ignorieren das auf der anderen Seite der Mauer die Luftverschmutzer weiterhin aktiv waren.
Vielleicht glaubten die Westberliner wirklich daran das sie unter einer Käseglocke lebten......

In der Gegenwart hat sich dieses Gutmenschen-Inseldenken auf ganz Deutschland gelegt. Wir schalten die AKWs ab, pflastern die Landschaft mit Windmühlen zu, halten traditionelle Energieerzeugerbetriebe in der Hinterhand, denn merke: es ist nicht immer windig, und bei Bedarf kaufen wir Strom von jenseits der Grenze hinzu. Denn dort werden zum Glück in Grenznähe einige AKW gebaut oder sind schon in Betrieb.

Schöne neue Ökowelt..........

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#51

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 09:05
von eisenringtheo | 9.184 Beiträge

Ich denke Drogen hätten die DDR aus den sozialistischen Bruderländern erreicht, wenn die Wende nicht gekommen wäre. Die USA hatte im afghanisch-sowjetischen Konflikt (1980-1988) den Opiumbau in Afghanistan stark gefördert. Man erhofffte sich ähnlich negative Auswirkungen auf die SU Streitkräfte wie es die amerikanischen in Vietnam erlebt hatten. Das Heroin wäre früher oder später auch in der DDR angekommen.
Theo


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#52

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 12:34
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #49
Natürlich, da gebe ich dir recht, hat die abgeschirmte Staatsgrenze einiges wirklich "abgeschirmt", man denke an Drogenmärkte, an das AIDS-Virus... @Vorwendezeittouri

Du meinst das Virus konnte das Schild " Halt Grenze " Lesen


"War die Mauer nicht das größte Kondom der Welt?" Ich meine, ich hätte den Spruch mal irgendwo gelesen....


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
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#53

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 12:42
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #48
Zitat von Vorwendezeittouri im Beitrag #46
Wer als Westler noch nie bis heute in Ostdeutschland gewesen ist, lebt hinter'm Mond! Denke aber, gerade im konservativen, ländlichen Bayern gibt es bestimmt einige, dieser Spezies!
In NRW, da, wo ich herkomme, ist man allgemein vielem offen aufgeschlossen. Der Süden ist da konservativ-festgefahrener!
Allerdings sollten aber auch umgekehrt, nach der Wende, (vorher war das ja nur für die Rentner ab 65 möglich) möglichst viele Ostler auch mal die Alt-BRD besucht haben.
Allgemein kann man sagen, dass man sich ein Bild umso besser machen kann, je näher man dran ist, sprich: man sollte mal vor Ort gewesen sein!


Passend zu Deinem Zitat "Geschichte wird gemacht, es geht voran" hier mal eine etwas andere Art der Aufarbeitung der DDR- Geschichte.
Bei 1:15 geht's los.
http://www.youtube.com/watch?v=8sOWJs2DXJs&feature=relmfu
Ich denke mal bei gewissen Partys sind solche Dialoge durchaus vorstellbar gewesen.
Genial auch der Schlichtungsversuch des türkischen Gemüsehändlers beim Streitgespräch zwischen Stasimajor und Mitläuferin, es war als Parodie gedacht, so war W. Menges Werk "Motzki" angelegt aber ganz sicher waren solche Filme auch ein Härtetest für den Fortschritt auf dem Weg zur Einheit und je länger der wird, desto positiver erscheint die DDR im Rückblick.


Ach, das hatte ich ja ganz vergessen, der olle, stets meckernde West-Rentner Motzki aus den 90er Jahren....., ja und der Soundtrack ist tatsächlich von der Düsseldorfer New-Wave-Band Fehlfarben....mit dem Slogan meiner ständigen Signatur...


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
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#54

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 14:09
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,,

also zunächst einmal erinnert mich das Thema an den nicht selten angestellten Vergleich zwischen der DDR und dem NS-Regime. Und zwar deshalb, weil man ja auch darauf kommen könnte, dass im NS-Regime nicht alles schlecht war.
Um es vorwegzunehmen: Einen solchen Vergleich halte ich für völlig unzulässig. In der DDR war das Ziel der Sozialismus resp. der Kommunismus, also eine durchweg humane Gesellschaft, theoretisch jedenfalls. Dagegen war das Ziel des NS-Regimes ein durch und durch inhumanes, worauf ich nicht näher einzugehen brauche.
Die DDR ist aber letztlich, wie die anderen Länder des "realen Sozialismus" auch, daran gescheitert, dass man die Menschen nicht zwingen kann, so zu werden, wie das eine Ideologie vorsieht.

Nun aber zum Thema: Natürlich war, unter Beachtung meines Eingangsstatements, nicht alles schlecht. Nur wird das von offizieller Seite natürlich nicht zugeben. Ich spitze das mal so zu: Der Sieger wird dem Besiegten doch nicht in irgendeiner Form huldigen.

Aber im Alltag setzt sich das Positive der DDR schon durch. Denken wir nur an die Bürgerpolizisten (=ABV) oder an die Ärztecenter (=Poliklinik) oder auch an die Mülltrennung (=SERO). In Sachsen diskutiert man schon über die Einführung einer allgemeinbildenden zehnklassigen Oberschule.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 29.10.2012 18:45 | nach oben springen

#55

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 14:58
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Ecki, stimmt, so nach und nach werden sinnvolle Regelungen der DDR übernommen. Aber das ist dann natürlich gaaaanz was Anderes und gaaaanz was Neues und hat mit der DDR überhaupt nichts zu tun. Wer´s nicht schon von früher kennt, wie die Jüngeren unter uns, glaubt´s auch noch.



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#56

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 18:24
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #54
Miene Lieben,,

also zunächst einmal erinnert mich das Thema an den nicht selten angestellten Vergleich zwischen der DDR und dem NS-Regime. Und zwar deshalb, weil man ja auch darauf kommen könnte, dass im NS-Regime nicht alles schlecht war.
Um es vorwegzunehmen: Einen solchen Vergleich halte ich für völlig unzulässig. In der DDR war das Ziel der Sozialismus resp. der Kommunismus, also eine durchweg humane Gesellschaft, theoretisch jedenfalls. Dagegen war das Ziel des NS-Regimes ein durch und durch inhumanes, worauf ich nicht näher einzugehen brauche.
Die DDR ist aber letztlich, wie die anderen Länder des "realen Sozialismus" auch, daran gescheitert, dass man die Menschen nicht zwingen kann, so zu werden, wie das eine Ideologie vorsieht.

Nun aber zum Thema: Natürlich war, unter Beachtung meines Eingangsstatements, nicht alles schlecht. Nur wird das von offizieller Seite natürlich nicht zugeben. Ich spitze das mal so zu: Der Sieger wird dem Besiegten doch nicht in irgendeiner Form huldigen.

Aber im Alltag setzt sich das Positive der DDR schon durch. Denken wir nur an die Bürgerpolizisten (=ABV) oder an die Ärztecenter (=Poliklinik) oder auch an die Mülltrennung (=SERO). In Sachsen diskutiert man schon über die Einführung einer allgemeinbildenden zehnklassigen Oberschule.

Liebe Grüße

Ecki






Ecki kannste alles machen bzw. haben, nur die IM's lass aussen vor


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#57

RE: "Es war doch nicht alles schlecht"

in DDR Zeiten 29.10.2012 18:44
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #56

Ecki kannste alles machen bzw. haben, nur die IM's lass aussen vor

Mein lieber Gert,

das geht nicht. Die IM's waren ein nicht unwesentlicher Teil des Zwangs. Aber, gesamtsozialistisch gesehen, nicht der schlimmste.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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