#41

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 23.05.2012 23:22
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Zitat von Thunderhorse
Peter Göhring

Schon interessant, in zwei Foren fast gleichzeitig der gleiche Thread und der gleiche Schreibfehler.
Der Hinweis aufs ND.

Nur die Themeneröffner sind lt. Nick nicht identisch.



In der tat merkwürdig...wer kupfert hier von wem ab?

Der Hinweis auf den ND Artikel war hier zeitlich eher!!!

Schreibfehler ist berichtigt.Die User sind NICHT identisch

DANKE TH FÜR DEN HINWEIS


zuletzt bearbeitet 23.05.2012 23:30 | nach oben springen

#42

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 23.05.2012 23:34
von Mumpel | 30 Beiträge

Zitat von Mholzmichel
Mal was Anderes. Hier sind ja nicht alle an der Grenze gewesen und jeder hat seine eig. Meinung.
Was weiß " ich" wie alt der "Grenzverletzer" ist, was wäre mit "mir" passiert, hätte man mir nachgewiesen, dass ich die Flucht hätte verhindern können.
Ich denke soetwas kann nur derjenige beurteilen der wirklich am Kanten war.



ich frage mal so, wer hätte genau nachprüfen können, ob eine flucht verhinderbar gewesen wäre oder nicht. dabei spielt der "erregungsfaktor" eine große rolle. die meisten waren junge grenzer, die es nicht gewohnt waren, auf menschen wie auf karnickel zu schießen. ich hatte so einen vorfall, meine schüsse sind alle danebengegangen und mir konnte auch keiner was...



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#43

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 00:00
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von turtle
Das Geschehene spiegelt die damalige Zeit wieder. Bei Göring hatte die eingeflößte Ideologie besonders nahrhaften Boden gefunden. Alle Flüchtlinge waren für die Staatsmacht Verbrecher. Anweisungen und Handhabung der Schusswaffe waren klar geregelt. Stumpfe Befehlsempfänger welche ohne große Gegenwehr diese ausüben sind leider keine Seltenheit.
Alle Toten an der Mauer oder Grenze haben ihr Leben für eine Grenze gegeben welche die DDR auch nicht retten konnte. Alle waren sinnlose Opfer. Ich frage mich oft warum dass alles so möglich war, und so viele Menschen das alles so akzeptiert haben. Im Fall Göring war klar das der Flüchtling keine Gefahr darstellte, ob er nun erkennen konnte ob es ein jugendlicher oder Erwachsener war ist hier für mich nebensächlich. Hier ging es nur noch um die Anweisung VERNICHTEN .121 gezielte Schüsse sprechen eine deutliche Sprache. Die verfluchte missbrauchte Politik!! Ein Held wie ihn die DDR darstellte war Göring nicht, eher ein genau so sinnloses Opfer wie so viele seiner Zeit und ihrer Politik des kalten Krieges.
Ich kann auch heute mein Glück kaum verstehen 1968 die Grenze überwunden zu haben. Oder gab es doch nicht nur stumpfe Befehlsempfänger wie dem Göring der trotz allem auch ein Mensch war. Es ist heute leicht zu verurteilen. Und Hand aufs Herz ihr Ex Grenzer wie viele von Euch hätten wahrscheinlich wie Göring gehandelt? Aus Angst, überfordert mit der Situation oder aus eingeimpftem falschem Pflichtbewusstsein? Es war Schlimm sein Leben riskieren zu müssen um ein Land zu verlassen in dem man nicht leben wollte. Ausreiseanträge konnte man erst später stellen. Das schreibe ich für die klugen Köpfe die eventuell das mit dem Leben riskieren anders sehen.



Ja Peter,es ist schwierig diese Fragen als ehm.Grenzer der damals das jugendliche Wissen von einen 19 Jährigen hatte und man kann auch von Glück reden.nie in solch einer Situation gekommen zu sein--heute zu beantworten.Und heute,ist es leicht-nach den Jahren der Lebenserfahrung die man hinzu gewonnen hat sich ein Urteil zu machen.Ich erlebe hier im Forum--von einigen Ex-Grenzern also Kameraden (ich rede von einigen--also nicht von allen) die hier schreiben mit dem Wissen und der Lebenserfahrung die sie heute haben und sich schwer tun damit.Wie und was sie Damals für Gedanken gehabt haben.Schaut einfach mal in der Bildergalerie und schaut Euch die Fotos an von jungen Grenzsoldaten die täglich rausgefahren sind.Und man sollte sich dabei fragen,was waren unsere Gedanken damals.


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#44

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 07:24
von damals wars | 12.155 Beiträge

Zitat von ek40
[......
Der Grenzer könnte noch leben,ob mit oder ohne Schwedt!
Diese üble Rote Propaganda im Anschluß der Geschehnisse von damals..........entlarvt(e) sich selbst........
Jene Aktion ist für mich durch nichts zu rechtfertigen!
Übrigens egal ob der Junge14 oder 15 Jahre jung war!
Punkt und Aus!



Wie hättest Du den reagiert?
Warst Du je in einer solchen Situation?
-------------------------------------------------------------------
Egal ist Otto und Anna, hätte mein Opa gesagt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#45

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 08:48
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Rostocker

Zitat von turtle
Das Geschehene spiegelt die damalige Zeit wieder. Bei Göring hatte die eingeflößte Ideologie besonders nahrhaften Boden gefunden. Alle Flüchtlinge waren für die Staatsmacht Verbrecher. Anweisungen und Handhabung der Schusswaffe waren klar geregelt. Stumpfe Befehlsempfänger welche ohne große Gegenwehr diese ausüben sind leider keine Seltenheit.
Alle Toten an der Mauer oder Grenze haben ihr Leben für eine Grenze gegeben welche die DDR auch nicht retten konnte. Alle waren sinnlose Opfer. Ich frage mich oft warum dass alles so möglich war, und so viele Menschen das alles so akzeptiert haben. Im Fall Göring war klar das der Flüchtling keine Gefahr darstellte, ob er nun erkennen konnte ob es ein jugendlicher oder Erwachsener war ist hier für mich nebensächlich. Hier ging es nur noch um die Anweisung VERNICHTEN .121 gezielte Schüsse sprechen eine deutliche Sprache. Die verfluchte missbrauchte Politik!! Ein Held wie ihn die DDR darstellte war Göring nicht, eher ein genau so sinnloses Opfer wie so viele seiner Zeit und ihrer Politik des kalten Krieges.
Ich kann auch heute mein Glück kaum verstehen 1968 die Grenze überwunden zu haben. Oder gab es doch nicht nur stumpfe Befehlsempfänger wie dem Göring der trotz allem auch ein Mensch war. Es ist heute leicht zu verurteilen. Und Hand aufs Herz ihr Ex Grenzer wie viele von Euch hätten wahrscheinlich wie Göring gehandelt? Aus Angst, überfordert mit der Situation oder aus eingeimpftem falschem Pflichtbewusstsein? Es war Schlimm sein Leben riskieren zu müssen um ein Land zu verlassen in dem man nicht leben wollte. Ausreiseanträge konnte man erst später stellen. Das schreibe ich für die klugen Köpfe die eventuell das mit dem Leben riskieren anders sehen.



Ja Peter,es ist schwierig diese Fragen als ehm.Grenzer der damals das jugendliche Wissen von einen 19 Jährigen hatte und man kann auch von Glück reden.nie in solch einer Situation gekommen zu sein--heute zu beantworten.Und heute,ist es leicht-nach den Jahren der Lebenserfahrung die man hinzu gewonnen hat sich ein Urteil zu machen.Ich erlebe hier im Forum--von einigen Ex-Grenzern also Kameraden (ich rede von einigen--also nicht von allen) die hier schreiben mit dem Wissen und der Lebenserfahrung die sie heute haben und sich schwer tun damit.Wie und was sie Damals für Gedanken gehabt haben.Schaut einfach mal in der Bildergalerie und schaut Euch die Fotos an von jungen Grenzsoldaten die täglich rausgefahren sind.Und man sollte sich dabei fragen,was waren unsere Gedanken damals.




Es waren hassgeprägte Zeiten und ideologisch wurden Emotionen geschürt.
Wir waren sehr junge Männer die gezwungen waren damit umzugehen, ob das jeder konnte, ich glaube eher nicht und daraus resultieren solche Vorgänge wie der über den wir hier schreiben.
Ein Beispiel was ich nicht vergesse:
API in der Grenzkompanie mit unserem 200%igem Polit zum Schusswaffengebrauch, etwas provozierende Frage: "Muss ich auch auf meinen Vater schiessen?" - Antwort: "Natürlich, wenn er ein Verräter ist."
Was soll man ob solcher Aussagen noch hinzufügen.


zuletzt bearbeitet 24.05.2012 08:54 | nach oben springen

#46

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 09:13
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Rostocker


Ja Peter,es ist schwierig diese Fragen als ehm.Grenzer der damals das jugendliche Wissen von einen 19 Jährigen hatte und man kann auch von Glück reden.nie in solch einer Situation gekommen zu sein--heute zu beantworten.Und heute,ist es leicht-nach den Jahren der Lebenserfahrung die man hinzu gewonnen hat sich ein Urteil zu machen.Ich erlebe hier im Forum--von einigen Ex-Grenzern also Kameraden (ich rede von einigen--also nicht von allen) die hier schreiben mit dem Wissen und der Lebenserfahrung die sie heute haben und sich schwer tun damit.Wie und was sie Damals für Gedanken gehabt haben.Schaut einfach mal in der Bildergalerie und schaut Euch die Fotos an von jungen Grenzsoldaten die täglich rausgefahren sind.Und man sollte sich dabei fragen,was waren unsere Gedanken damals.




Hallo Jürgen das hast Du gut beantwortet mit dem jugendlichen Wissen und der fehlenden Lebenserfahrung.Denn gerade ohne Lebenserfahrung sind Menschen noch leichter beeinflussbar und zu imponieren. Besonders schlimm war im 2.Weltkrieg als verblendete ,unerfahrene der Hitlerjugend an die Front mussten.Sie wurden sinnlos geopfert.Logisch auch ich habe im Leben dazugelernt und manches von damals sehe ich heute anders. Wo war nur die Weisheit und Lebenserfahrung der Richter welche mich damals mit 18 als Verbrecher behandelten nach meiner versuchten Flucht? Auch noch nach verbüßter Haft blieb ich gebrandmarkt. War es überhaupt möglich in der DDR nach den damaligen Gesetzen immer Recht zu sprechen? Ich kannte einen Richter welcher daran zerbrochen war. Erst wurde er Alkoholiker ,später erschoss er sich. Keine Ahnung ob er manches Strafverfahren ablehnen konnte wo von vornherein klar war das Urteil nicht gerecht sein konnte? Seine Witwe sagte mir jedenfalls das er es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren konnte Unrecht zu sprechen. Für mich war er damit auch ein Opfer manches Unrechtsgesetzes.

Grenzwolf Deine Antwort ist auch gut.


zuletzt bearbeitet 24.05.2012 09:17 | nach oben springen

#47

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 09:51
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Ja es ist heute leicht über was zu urteilen,was vor Jahrzehnten noch Realität war.Und Warum? Weil uns die Geschichte eines Besseren belehrt hat.Aber wir sollten nie vergessen,aus der Geschichte zu lernen.Man kann auch vieles von Damals nicht mit dem Heute vergleichen.Es sind und waren unterschiedliche Zeiten.Damals entstand vieles aus der Nachkriegszeit herraus aus den Wirren des Krieges und den beiden Machtblöcken.Und wie schaut es heute aus? Wir schöpfen aus dem vollen,wer es sich leisten kann.Und so manches gerät in Vergessenheit.Nur mal als Beispiel: Von der heutigen Generation aus gesehen. Wem und wie viele interessiert es noch das es mal 2 deutsche Staaten gab mit einer schwer bewachten Grenze,wo Menschen ihr Leben ließen? Wem und wie viele interessiert es heute,das sich Deutschland wieder in einen Krieg befindet--weit ab der Heimat,wo wieder deutsche Soldaten sterben?
Zum Schluß möchte ich nur sagen,wie sollten nie vergessen.Aus der Geschichte zu lernen und dazu ist dieses Forum zeitgemäß. Gruß Rostocker


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#48

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 12:12
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von utkieker

Zitat von linamax

Zitat von Mholzmichel
Mal was Anderes. Hier sind ja nicht alle an der Grenze gewesen und jeder hat seine eig. Meinung.
Was weiß " ich" wie alt der "Grenzverletzer" ist, was wäre mit "mir" passiert, hätte man mir nachgewiesen, dass ich die Flucht hätte verhindern können.
Ich denke soetwas kann nur derjenige beurteilen der wirklich am Kanten war.


Hallo Mholsmichel
Du bist mir total unverständlich ,erst schreibst Du von Mord an einen Soldaten und eine Minute später schreibst Du hier etwas wo man lachen soll .
linamax



Hallo linamax,

Von Mord war bei Mholzmichel überhaupt nicht die Rede. Peter Göring wurde erschossen und das ist eine Tatsache! Der Westberliner Todesschütze hat in Nothilfe zu Gunsten des Flüchtenden geschossen und dabei Göring tödlich verletzt. In wie fern die Nothilfe gerechtfertigt war entzieht sich meiner Kenntnis, sie macht letztlich Peter Göring auch nicht mehr lebendig.
Peter Göring hat in einen angespannten Situation vollkommen überreagiert und hat seine Tat durch den Tod gesühnt. Es ist keine Heldentat einen Jugendlichen zum Krüppel zu schießen. Aber ich selber stelle mir sehr wohl die Frage, wie hätte ich in dieser Situation als Grenzsoldat gehandelt. Erwarte bitte nicht, daß ich mir einen Heiligenschein aufsetze, möglicherweise hätte ich geschossen. Ich bedaure den Tod Görings, der seinen Arsch für's Vaterland hingehalten hat.

Gruß Hartmut!




rot mark.
Hartmut das sehe ich aber anders das war nicht im Sinne der Mehrheit der DDR-Bürger also fürs Vaterland, sondern er hat sein Leben für die SED Clique gegeben, damit deren Macht gesichert wurde.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#49

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 12:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Rostocker
Ja es ist heute leicht über was zu urteilen,was vor Jahrzehnten noch Realität war.



Nachdem was ich hier so lese trifft das folgende Zitat wohl auch in diesem Thread zu:
Johann Wolfgang von Goethe : „Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand mehr Gewissen (Moral) als der Betrachtende.“


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 24.05.2012 17:11 | nach oben springen

#50

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 16:59
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@Feliks D., Dein Goethe-Zitat trifft es am besten! Sowohl Peter Göring als auch Wilfried Tews sehe ich als Opfer ihrer Zeit bzw. des Kalten Krieges.

Auch die propagandistische Ausschlachtung ist imho einfach nur ein Spiegel der damaligen Zeit. Ich möchte nicht wissen, wie BZ und BILD damals das Ereignis „aufgearbeitet“ haben. Wahrscheinlich haben sie den Westberliner Polizeibeamten, den das ND als Mörder bezeichnet hat, als strahlenden Freiheitshelden verklärt, der ein Kind gegen die Schergen des Höllenregimes schützen mußte.
Im Nachhinein, mit einem halben Jh. Abstand, steht es imho niemandem zu, den Stab über einem der Beteiligten zu brechen. Sie alle waren Kinder ihrer Zeit und einer extremen Belastungssituation ausgesetzt. Das macht die Klärung der Frage, wie hätte ich mich, wie hättest du dich verhalten, unmöglich.

Ich selbst habe in meiner Wehrdienstzeit (West) nicht wenige Dienste Wache Kaserne und „Bereitschaft“ geschoben. (Wimre bei Euch „Objektwache“ genannt und als Pillepalle angesehen, die „Bereitschaft“ war die Bewachung eines Mob-Stützpunktes nahe unserer Kaserne, das war ein unbemanntes Materiallager). Da ich nicht gerade ein „guter“ Soldat war, wurde ich so dann und wann belohnt.
Darüber, mit einer scharfen Waffe nachts am Zaun entlangzulaufen, hat bei uns niemand groß nachgedacht, wir waren jung und dumm.
Wenn ich im Nachhinein die allgemeine Lage an unserem Standort als etwas angespannt beschreibe, so ist das wohl nicht übertrieben.
Unsere Kaserne lag Luftlinie weniger als 2 km von dem US-Stützpunkt entfernt, an dem die aufgrund des NATO-Doppelbeschlusses in die BRD verlegten 96 Marschflugkörper, sowie weitere auch ältere Trägersysteme und die zugehörigen nuklearen Sprengköpfe stationiert waren.
Dieser Stützpunkt war häufig in den Medien präsent, die Friedensbewegung, die damals ohnehin, in unserer Region aber überproportional stark war, unterhielt direkt neben unserem Standortübungsplatz ein ständiges Lager und kleinere Provokationen waren üblich. Eher lustige Aktionen, zu Gewalt kam es gottseidank zu keiner Zeit.

Manche unserer Ausbilder versuchten, uns bei der Wachausbildung heißzumachen, der Vorfall von Lebach 1969, http://de.wikipedia.org/wiki/Soldatenmord_von_Lebach war dazu gut geeignet, auch Stories wie „Die Kuh von Gerolstein“ oder „Der Oberfeld von Calw“, in denen Wachsoldaten trotz unverhältnismäßigen Schußwaffengebrauchs nicht belangt wurden.
Der allgemeine Tenor selbst bei „gemäßigteren“ Ausbildern war, lieber einmal eher schießen, im schlimmsten Fall stelle die BW gute Strafverteidiger.

Ich war trotz jugendlicher Unbedarftheit immer mit einem leicht mulmigen Gefühl unterwegs und war überzeugt, die Waffe nur bei unmittelbarer und direkter Gefahr für ein Menschenleben einzusetzen, aber im Nachhinein bin ich froh und dankbar, daß es niemals zu einem Vorkommnis kam und ich meine Überzeugung an der Realität messen mußte.
Bei der Vorstellung, wir schlecht ausgebildeten Jungspunde wären auf einen Eindringling gestoßen, evtl. in Panik geraten, überläuft es mich heute noch kalt.

Allein daher fehlt mir jedes Verständnis für die Behandlung von Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR, speziell Grenzsoldaten, nach der „Wende“, und nur jemand, der niemals in einer auch nur annähernd vergleichbaren Situation war, könnte heute den Stab über Peter Göring brechen.


Angesichts der Diskussion etwas befremdete Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#51

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 18:15
von damals wars | 12.155 Beiträge

Zitat von Damals87


Ich war trotz jugendlicher Unbedarftheit immer mit einem leicht mulmigen Gefühl unterwegs und war überzeugt, die Waffe nur bei unmittelbarer und direkter Gefahr für ein Menschenleben einzusetzen, aber im Nachhinein bin ich froh und dankbar, daß es niemals zu einem Vorkommnis kam und ich meine Überzeugung an der Realität messen mußte.
Bei der Vorstellung, wir schlecht ausgebildeten Jungspunde wären auf einen Eindringling gestoßen, evtl. in Panik geraten, überläuft es mich heute noch kalt.




Ich denke, den meisten Grenzern ging es ähnlich.

Das mulmige Gefühl kam mit den Wort "Vergatterung". Da wurde mir jedes Mal Bewußt, das es jetzt ernst wird.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#52

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 19:02
von Mholzmichel | 381 Beiträge

Zitat von damals wars

Zitat von Damals87


Ich war trotz jugendlicher Unbedarftheit immer mit einem leicht mulmigen Gefühl unterwegs und war überzeugt, die Waffe nur bei unmittelbarer und direkter Gefahr für ein Menschenleben einzusetzen, aber im Nachhinein bin ich froh und dankbar, daß es niemals zu einem Vorkommnis kam und ich meine Überzeugung an der Realität messen mußte.
Bei der Vorstellung, wir schlecht ausgebildeten Jungspunde wären auf einen Eindringling gestoßen, evtl. in Panik geraten, überläuft es mich heute noch kalt.




Ich denke, den meisten Grenzern ging es ähnlich.

Das mulmige Gefühl kam mit den Wort "Vergatterung". Da wurde mir jedes Mal Bewußt, das es jetzt ernst wird.




Und deshalb ist meine Meinung, dass die, die den Kanten nicht von innen gesehen haben


EK 81/2
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#53

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 20:47
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Glücklicherweise kam ich nie in die Situation, gezielt scharf auf eine Person schießen zu müssen. Etwas befremdlich finde aber immer die Anzahl der Schüsse, Dauerfeuer, ganze Magazine leer. War das wirklich nur als Beweis, alles getan zu haben, um einen Durchbruch zu verhindern oder war das mehr Stressauswirkung ? Dauerfeuer war nie mein Ding, wenn es um ein konkretes Punktziel ging. Das hat mir immer Rüffel vom B-Turm aus bei Scharfschießübungen eingebracht, wenn Dauerfeuer befohlen war, obwohl nur einzelne Scheiben auftauchten. Entscheidend war da stets der erste Schuss einer Salve, alles Nachfolgende ist sinnlos. Ohne anzugeben kann ich sagen, daß ich ein guter Schütze war und mir hätte bei Versagen niemand geglaubt, daß ich auf 50 m eine Person nicht getroffen hätte. Auch mit dem heutigen zeitlichen Abstand schließe ich nicht aus, daß ich auch geschossen hätte, wenn ich die Person nicht als Kind identifiziert hätte. Ganz sicher aber nicht, wenn sie sich schon auf fremden Territorium befand und ganz sicher hätte ich versucht, keine lebensrelevanten Körperteile zu treffen. Aber wie gesagt, ich war am Kanten, aber nie in einer solchen vergleichbaren Situation und habe nur selbstkritisch versucht, mein mögliches Handeln mit damaliger Lebenserfahrung zu ergründen.



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#54

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 21:10
von Rostocker | 7.719 Beiträge

[quote="DoreHolm"]Glücklicherweise kam ich nie in die Situation, gezielt scharf auf eine Person schießen zu müssen. Etwas befremdlich finde aber immer die Anzahl der Schüsse, Dauerfeuer, ganze Magazine leer. War das wirklich nur als Beweis, alles getan zu haben, um einen Durchbruch zu verhindern oder war das mehr Stressauswirkung ?

Also ich würde eher auf Stresssituation tippen.Ich glaube wenn jemand in solch einer Situation kommt,da achtet man wohl nicht drauf wenn man die Kaschi entsichert ob sie auf Einzelfeuer oder Dauerfeuer steht. Aber wie gesagt,man kann sowas schwer beurteilen.


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#55

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 21:12
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von DoreHolm
Glücklicherweise kam ich nie in die Situation, gezielt scharf auf eine Person schießen zu müssen. Etwas befremdlich finde aber immer die Anzahl der Schüsse, Dauerfeuer, ganze Magazine leer. War das wirklich nur als Beweis, alles getan zu haben, um einen Durchbruch zu verhindern oder war das mehr Stressauswirkung ? Dauerfeuer war nie mein Ding, wenn es um ein konkretes Punktziel ging. Das hat mir immer Rüffel vom B-Turm aus bei Scharfschießübungen eingebracht, wenn Dauerfeuer befohlen war, obwohl nur einzelne Scheiben auftauchten. Entscheidend war da stets der erste Schuss einer Salve, alles Nachfolgende ist sinnlos. Ohne anzugeben kann ich sagen, daß ich ein guter Schütze war und mir hätte bei Versagen niemand geglaubt, daß ich auf 50 m eine Person nicht getroffen hätte. Auch mit dem heutigen zeitlichen Abstand schließe ich nicht aus, daß ich auch geschossen hätte, wenn ich die Person nicht als Kind identifiziert hätte. Ganz sicher aber nicht, wenn sie sich schon auf fremden Territorium befand und ganz sicher hätte ich versucht, keine lebensrelevanten Körperteile zu treffen. Aber wie gesagt, ich war am Kanten, aber nie in einer solchen vergleichbaren Situation und habe nur selbstkritisch versucht, mein mögliches Handeln mit damaliger Lebenserfahrung zu ergründen.



Ist doch eine klare Aussage und OK


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#56

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 22:47
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm
Glücklicherweise kam ich nie in die Situation, gezielt scharf auf eine Person schießen zu müssen. Etwas befremdlich finde aber immer die Anzahl der Schüsse, Dauerfeuer, ganze Magazine leer. War das wirklich nur als Beweis, alles getan zu haben, um einen Durchbruch zu verhindern oder war das mehr Stressauswirkung ? Dauerfeuer war nie mein Ding, wenn es um ein konkretes Punktziel ging. Das hat mir immer Rüffel vom B-Turm aus bei Scharfschießübungen eingebracht, wenn Dauerfeuer befohlen war, obwohl nur einzelne Scheiben auftauchten. Entscheidend war da stets der erste Schuss einer Salve, alles Nachfolgende ist sinnlos. Ohne anzugeben kann ich sagen, daß ich ein guter Schütze war und mir hätte bei Versagen niemand geglaubt, daß ich auf 50 m eine Person nicht getroffen hätte. Auch mit dem heutigen zeitlichen Abstand schließe ich nicht aus, daß ich auch geschossen hätte, wenn ich die Person nicht als Kind identifiziert hätte. Ganz sicher aber nicht, wenn sie sich schon auf fremden Territorium befand und ganz sicher hätte ich versucht, keine lebensrelevanten Körperteile zu treffen. Aber wie gesagt, ich war am Kanten, aber nie in einer solchen vergleichbaren Situation und habe nur selbstkritisch versucht, mein mögliches Handeln mit damaliger Lebenserfahrung zu ergründen.



Also ich war auch Grenzer, darf also hoffentlich meine Meinung vertreten.
Ich bin ehrlich, ich hätte geschossen nach einem Anruf, ich hätte dann versucht in Einzelfeuer (und nur in Einzelfeuer!!!) in die Beine zu schiessen wenns zu weit gewesen wäre hätte ich es dann sein gelassen, ob da Schwedt gedroht hätte wär dann für mich nicht relevant gewesen, weil ich war ein Mensch und keine Maschine.
Wer hätte denn ehrlich von euch den Hebel auf Dauerfeuer gestellt?


zuletzt bearbeitet 24.05.2012 22:50 | nach oben springen

#57

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 22:55
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62

Wer hätte denn ehrlich von euch den Hebel auf Dauerfeuer gestellt?



Die meisten Einlassungen die ich bisher erlebte waren dahingehend, das eben genau dieses Dauerfeuer gar nicht bewusst gewählt wurde. Einfach in dem Stress und der Hektik dieser, trotz aller innerer Vorbereitung, außergewöhnlichen Belastungssituation ein "Klick" zuviel und dann war es auch schon zu spät, da schaltet niemand mehr zurück der die Schusswaffe bereits zur Anwendung bringt.

Vom Grundgedanken war man da also durchaus bei Dir, allein die praktische Ausführung war das Manko.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#58

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 23:19
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Grenzwolf62, genau so ist es, wie ich vermutlich auch gehandelt hätte. An Schwedt hätte ich dabei wohl als Allerletztes gedacht.
Und, Felix, unterschätze die Menschen nicht. Es gibt durchaus auch Menschen, die auch in Stresssituationen wie einer solchen nicht einfach den Hebel ganz nach unten drücken, sondern noch die wenigen Sekunden Zeit haben, bewust auf Einzelfeuer zu stellen. Ich hätte mir das jedenfalls zugetraut, auch in solcher Situation noch das Gehirn eingeschaltet zu lassen. In anderen Situationen, z.B. im Straßenverkehr, gibt es ja auch Situationen, in denen man sogar in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung treffen muß und es reflexartig zumeist auch kann. Verglichen damit laufen die Ereignisse bei einer Flucht geradezu in Zeitlupe ab.



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#59

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 24.05.2012 23:22
von Weichmolch (gelöscht)
avatar

Ein Einwurf, nicht OT aber auch nicht mit erhobenem Zeigefinger:

Die erste Raste bei der Kalaschnikow ist die Stellung Dauerfeuer - die zweite Raste Einzelfeuer.

Weichmolch


zuletzt bearbeitet 24.05.2012 23:24 | nach oben springen

#60

RE: Peter Göhring

in Grenztruppen der DDR 25.05.2012 07:26
von damals wars | 12.155 Beiträge

Zitat von Weichmolch
Ein Einwurf, nicht OT aber auch nicht mit erhobenem Zeigefinger:

Die erste Raste bei der Kalaschnikow ist die Stellung Dauerfeuer - die zweite Raste Einzelfeuer.

Weichmolch



Guter Hinweis.

Und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, das war eine dermaßenen Stresssituation, da kommt man überhaupt nicht zu nachdenken. Mann ist innnerlich total verkrampft, bloß nichts falsch machen,
und dann noch das Feuer der Polizisten, kein Wunder, das der Vorfall so verlaufen ist.
Wenn man überhaupt gedacht hätte, wäre der erste Gedanken gewesen, das mit den Polizisten kann doch kein Zufall sein!

Und so ein Magazinwechsel war doch nur Sekundensachse, zich mal gemacht.

Mir tut der arme Kerl nur leid.
Wundere mich aber nicht, das die üblichen über ihn herziehen.
Wenn es einen Orden für Verdrängung und Unverfrorenheit geben würde, sie hätten ihn sich ehrlich verdient.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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