#21

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 20.05.2012 12:01
von KAMÜ | 198 Beiträge

Hallo Nostalgiker, Ich war 1981 als Lehrling für Maschinen und Anlagenmounteur im Tagebau Zwenkau.Wir waren für die Entwässerung des Tagebaues zuständig, mußten die Rohrleitungen kontrollieren.



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#22

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 20.05.2012 12:38
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Na das war dann aber lange nach meiner Zeit.....

Ich habe in einem Sommer auf der untersten Sohle bei einem Kohlebagger das Stromkabel "bewacht".
Mußte dem Baggerfahrer immer signalisieren wenn er ihm nahe kam und ansonsten mußte ich dieses Kabel entsprechend rücken, dazu gab es so eine Art Enterhaken mit dem das Kabel in seine neue Position gezogen wurde......
Oder ich überwachte auf einem riesigen Schaufelradbagger die Transportbänder, also an den Stellen wo die Kohle von einem Band auf das Andere durch einen Trichter fiel um dann über den Ausleger in die Waggons der Kohlezüge kam.

Die Mädels fegten jeden Tag die Laufwege auf der Abraumbrücke.......

Es war Sommer, es hatte kaum geregnet und damit war die Arbeit erträglich. Im Winter stelle ich mir das nicht so optimal vor.

Übrigens bekamen wir auch für die vier Wochen welche wir dort arbeiteten eine komplette Arbeitsschutzausrüstung. Also Arbeitskleidung, Regenkleidung, Schuhe, Stiefel, Helm, Handschuhe etc.

Deswegen kann ich es mir nicht so recht vorstellen das dies bei Strafgefangenen nicht so gewesen sein soll.....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#23

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 20.05.2012 19:44
von kwindish | 23 Beiträge

Danke für den Antworten sowie die interessantes link. (Ich habe vielleicht 40% schon gelesen; ich lese langsam Deutsch.) Ich selber nehme keine Drogen (außer Koffein und Schmerztabletten), aber bei mir siehst du das Drogenkonsum überall! Leicht übertrieben: man kann praktisch nicht mal umdrehen ohne jemand mit einem Joint zusehen. Hier in Kalifornien ist das Marijuana heute fast gesetzlich. Es dauert nur ein paar weitere Jahre bis es “auf die Bücher” liegt.

Ich habe gerade diese anhaltende Neugierigkeit über die Gesetze und Gerichtsprozessen der DDR. Wo besser zu fragen als hier im Forum? Genau wie unterrdrückend war der Regime? Was für eine Chance hatte man damals sich gegen z.B., eine Parken- oder Übergeschwindigkeitsstraffe zu verteidigen? Oder war der Urteil schon geschrieben befor der Angeklagte vor den Richter stehen kam? Wie notwendig war da eine Rechtsanwalt? Oder sogar wie erschwinglich war ein Rechtsanwalt überhaupt? Wie glaubwürdig waren die Vopos damals betrachtet? Und solche weitere Fragen.


Moss grows FAT on a rolling stone!


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#24

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 24.05.2012 14:51
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Ich habe Heute die Fortsetzung meines Berichtes über die Untersuchungshaft auf meinen Blog hochgeladen. Der nächste Beitrag kommt dann in den nächsten Tagen und beinhaltet dann den Transport und Aufenthalt im Strafvollzug.
Der Link zum Blog : http://my.opera.com/Ameisenferdinand/blog/
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#25

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 24.05.2012 18:52
von damals wars | 12.145 Beiträge

Zitat von KAMÜ
Strafgefangene mußten auch im Tagebau Zwenkau- Espenhein arbeiten. Diese Personen habe ich selber gesehen und meinen ehemaligen Lehrlingsbetreuer darüber Ausgefragt was diese Personen im Tagebau alles machten mußten. Das war keine leichte Tätigkeit (Schienen versetzen)



Als Student war ich im Tagebau Welzow Süd.
Einem der größten Tagebaue.
Dort wurden Strafgefangene eingesetzt.
Sie mussten die Stromkabel zum Bagger bewegen, eine Schwere Aufgabe. Bewacht wurden sie von einem Vorarbeiter.
Sie hatten normale Arbeitsbekleidung. Da es Winter war, hatten sie die üblichen Wattejacken an, wie wir Studenten auch.
Eine Flucht wäre aussichtslos gewesen.
Nur Kohle und Abraumhalden.

Ich kann mich nicht mal mehr an die gelben Streifen erinnern, aber woher hätte ich sonst wissen sollen?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#26

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 24.05.2012 18:54
von damals wars | 12.145 Beiträge

Der Bericht ist sehr informativ und deckt sich mit den Erzählungen meiner ehemaligen Arbeitskollegen, von den viele, heute würde man sagen, Resozialisierte waren.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#27

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 25.05.2012 17:31
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Ich möchte doch noch einmal darum bitten das man einen Namen hinterläßt wenn man meinen Blog kommentiert. Da ist extra ein Eigabefeld in dem man seinen Namen eintragen kann.
Es ist auch erstaunlich das gerade Besucher die mit meinem Bericht nicht einverstanden sind oder als Lüge hinstellen wollen nicht in der Lage sind einen Namen anzugeben. Oder ist das einfach Feigheit? Nicht offen zu seiner Meinung stehen?
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#28

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 25.05.2012 17:37
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Einige kann man anhand ihrer Schreibweise recht gut eingrenzen, auch wenn es keine 100%ige Sicherheit ist.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#29

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 29.05.2012 11:16
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Ich antworte den Leuten schon entsprechend, so wie sie mir entgegentreten. Aber die meisten bedienen sich doch normalen Umgangsformen.
Ein gewissen Informationsgehalt scheint es doch zu haben und einige Leute interessieren, ich habe seit dem 12. Mai als ich den ersten Beitrag hochgeladen habe bis heute Morgen 10 260 Seitenzugriffe gehabt. Den nächsten Beitrag werde ich in den nächsten Tagen hochladen, der beinhaltet dann den Transport und die Ankunft in der Strafvollzugseinrichtung.
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#30

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 30.05.2012 11:43
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Auf Grund dessen das mein Blog in den letzten Tagen selten oder gar nicht erreichbar war, habe ich eine Alternativseite erstellt. Da in den letzten Tagen mehrfach DDoS Angriffe auf den Server laufen und der Server so nicht erreichbar ist habe ich eine neue Domain mit Blog. Die Angriffe gelten nicht direkt meinem Blog sondern der ganzen Community "MyOpera". Manche Leute haben wohl zu viel Freizeit.
Jedenfalls ist mein Blog nun auch unter :
http://kaube-blog.de/
erreichbar. Bisher habe ich dort nur die Beiträge über meinen Gefängnisaufenthalt, aber das ist ja das was euch hier und die meisten interessiert. Aber ich werde die anderen Blogbeiträge in den nächsten Tagen auch mit dorthin übertragen.
Auch wenn ich nichts dafür kann möchte ich mich doch entschuldigen das der Blog seit gestern kaum erreichbar war.
Falls jemand einen Kommentar auf der Seite hinterlässt, dauert es ein wenig, da die Kommentare erst freigegeben werden müssen. Und die Mailadresse die man dort eintragen muss, wird nicht angezeigt.
Andreas


http://kaube-blog.de/


zuletzt bearbeitet 30.05.2012 12:44 | nach oben springen

#31

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 30.05.2012 12:53
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Der alte geht bei mir wunderbar, solche Angriffe muss jede Seite gelegentlich mal erdulden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#32

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 30.05.2012 16:11
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Jetzt geht er wieder, aber nur der Blog und der Mailserver. Es sind immer noch verschiedene Seiten die nicht erreichbar sind. Das Ganze fing an als die Gerüchte über einen Kauf von Opera durch Facebook aufkam. Jedenfalls hab ich den Blog nun noch woanders gehostet und ein Ausfall bei beiden Servern ist unwahrscheinlich.
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#33

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 04.07.2012 16:22
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Andreas es ist still um Dich geworden, ich hoffe jedoch es geht Dir den Umständen entsprechend gut? Gern auch per PN.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#34

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 05.07.2012 05:06
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Hallo Feliks,
mit mir ist alles O.K. ich bin nur im Moment beruflich so eingespannt das ich kaum noch für etwas anderes Zeit habe. Ich verlasse das Haus Morgens um 5Uhr30 und bin nicht vor 20 Uhr zurück. Die Baustelle neigt sich dem Ende zu und es sind jetzt die Fertigstellungstermine mit Abnahme, es ist ja ein öffentliches Gebäude. Und durch den Winter haben wir etwas Zeitverzug, das Dachgeschoss haben wir erst drei Wochen später anfangen können. Und so sitze ich abends noch zu Hause und schreibe den ganzen Papierkram, wie Rapporte, Bautagebuch, Bestellungen, Berichte etc. Jetzt kommen die Abnahmen der Bauabschnitte, ab nächster Woche wird es wieder ruhiger, da habe ich dann auch mal wieder Zeit für mich selbst und meine Hobbys.
Dann werde ich auch meinen Bericht weiterführen. Aber bis dahin muss ich noch etwas Gas geben und mein Überstundenkonto erhöhen......
Also bis bald
Andreas


http://kaube-blog.de/


zuletzt bearbeitet 05.07.2012 05:07 | nach oben springen

#35

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 12.02.2013 13:58
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #24
Ich habe Heute die Fortsetzung meines Berichtes über die Untersuchungshaft auf meinen Blog hochgeladen. Der nächste Beitrag kommt dann in den nächsten Tagen und beinhaltet dann den Transport und Aufenthalt im Strafvollzug.
Der Link zum Blog : http://my.opera.com/Ameisenferdinand/blog/
Andreas

hallo Andreas,das Thema liegt schon etwas zurück,nur eine Frage,
hattest du diesen Bericht weitergeschrieben?
gruss Lutze
p.s. gut geschrieben auf deinen blog


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
zuletzt bearbeitet 12.02.2013 13:59 | nach oben springen

#36

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 12.02.2013 15:23
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Bisher leider nicht. Auch als wichtiger Zeitzeuge der nicht ungehört bleiben sollte, unterliegt er gewissen privaten Zwängen die seine ganze Aufmerksamkeit erfordern. Seine sachliche und nüchterne Art qualifiziert ihn eben nicht, wie einige andere, zum "Berufsopfer" welches allein von seinen Schauergeschichten leben kann.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 12.02.2013 15:23 | nach oben springen

#37

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 12.02.2013 20:31
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Hallo Lutze und Feliks,
sorry das ich so lange nicht weitergeschrieben habe. Nachdem mir im vergangenen Jahr einige nicht so schöne Erlebnisse anheim gefallen waren, unter anderem mein gesundheitlicher Zustand und mehrere Operationen habe ich meine Vergangenheit ein wenig verdrängt. Seitdem es mir gesundheitlich wieder besser geht habe ich mich eher den schöneren Dingen meines Lebens zugewendet. Kurz und gut, ich genoss es wieder einigermaßen Gesund zu sein.
Aber das Projekt ist nicht vergessen sondern lag nur auf Eis. Ich werde definitiv weiterschreiben, ich weiss nur noch nicht genau wann. Ich muss dazu auch in Stimmung sein. Aber es wird weitergeführt, Versprochen!!!!

Andreas


http://kaube-blog.de/


Feliks D., exgakl, Lutze und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 12.02.2013 21:09
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Hallo AF, habe gerade in deinem Blog geschmökert...super geschrieben und ohne die oft übliche Effekthascherei. Ich konnte mich gar nicht. loseisen, ich freue mich auf deine Fortsetzungen.
VG


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

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#39

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 12.02.2013 23:21
von Duck | 1.741 Beiträge

Hallo AF ich habe auch gerade deine Geschichte gelesen, für einen wie mich der zum Glück diese Erfahrung nicht machen musste sehr interessant. Ich hatte zu DDR-Zeiten auch einen ehemaligen Arbeitskollegen der wegen Einbrüche in den Knast musste, davon ein halbes Jahr U-Haft in Rummelsburg und der Rest im Strafvollzug Bitterfeld.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#40

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 13.02.2013 13:36
von turtle | 6.961 Beiträge

Nun ist sie schon fast 50 Jahre her meine Haftzeit in der DDR 1964/1965 .Auch wenn einiges an Erinnerungen etwas verblasst ist auslöschbar wird so eine Zeit nie sein. Es ist die Erinnerung an Unrecht, Demütigung aber auch Ohnmacht nichts dagegen machen zu können.
Erzählungen aus der Haftzeit in der DDR können immer nur die jeweilige Zeit widerspiegeln. so war die Haftzeit in der DDR in den 50er und 60er Jahren bestimmt härter als später. So wurde ich noch wegen meiner versuchten Republikflucht 1964 zu einer Zuchthaustrafe verurteilt. Aber auch in der DDR gab es Reformen Im1968 eingeführten Strafgesetzbuch der DDR, gab es die Zuchthausstrafe nicht mehr. Alles fing damit an das ich dachte hier musst du raus, die Welt kann nicht an der Grenze zur BRD und an der Mauer in Berlin zu Ende sein. Nicht das ich den Sozialismus verdammt habe der Versuch war richtig .Doch wie er praktiziert wurde? Nein fand ich so ist das nicht gut. Zur Leipziger Messe schaute ich schon als Kind immer neidisch auf die Westautos, später kam die Frage hinzu ihr Staat lässt sie fahren wohin sie wollen und in unserer demokratischen Republik ist die Welt viel kleiner.
Zumindest wenn man nicht zum Reisekader gehörte. Nicht einmal meine spätere sozialistische Erziehung im Kinderheim überzeugte mich. Mit Unerfahrenheit und Dummheit kam ich nur in das Sperrgebiet. Einem gewissenhaften Helfer der Grenztruppen muss ich aufgefallen sein. War auch blöd von mir im Sperrgebiet offen zu bewegen. Da kannte jeder jeden. Ein Anruf genügte, und schon hörte ich hinter mir stehen bleiben, Ausweis, und vorbei war es mit dem Westen. Angeklagt in Leipzig war tatsächlich unter anderem als Beweismaterial für meinen miesen Charakter „Schundliteratur“ welche man bei mir Zuhause gefunden hatte. Jerry Cotton und Billy Jenkins waren mit daran Schuld das ich vom rechtem Weg abgekommen war. Aber nun soll ich dankbar sein das mich die Sicherheitsorgane der DDR vor diesem verhängnisvollen Schritt bewahrt haben.. 18 Monate Zuchthaus fanden sie angebracht. Da hätte ich Zeit darüber nachzudenken weder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu werden. Allerdings tagelanger Schlafentzug . und die Verhöre in dem man mir klar machte wer ich bin ließen mich doch stark zweifeln ob ich das überhaupt möchte mit dem vollwertigem Mitglied in der Gesellschaft.. So sagte ich fast wörtlich. durch diese Haftzeit wird meine Liebe zur DDR bestimmt nicht besser. Ich nehme das Urteil nicht an. Meinem Anwalt verschlug es fast die Sprache als er das hörte, hatte er doch immer gesagt Reue zeigen.. Der Oberrichter und die beisitzenden Richter guckten mich etwas ungläubig an.
Ein 18 jähriger ging in Revision.. Meine Einzelzelle durfte ich aber behalten. Mich hat das nicht einmall gestört, ich war da lieber allein, mit dem anpassen hatte ich schon immer Probleme. Die Zelle pardon richtig war Verwahrraum war nicht besonders groß, ist ja auch klar. Ich war nicht im Hotel „Astoria „ Sondern im „Hotel ohne Klinken“ in der Alfred Kästnerstrasse in Leipzig. Im Jargon „Kästnerpiepe“ genannt . Zwischenzeitlich bezog ich auch Quartier in der Beethovenstrasse auch“ Beethovendiele“ genannt… Der Ablauf war eintönig. Das Bett wurde am Tag hochgeschlossen.. Ein Klappbrett an der Wand war zum sitzen da davor ein Klappbrett als Tisch. ,In der Ecke eine Toilette . Ein kleines vergittertes Fenster ziemlich hoch angebracht ließ mich ein Stück Himmel erkennen.. Ich bekam sogar durch diese Fenster Besuch, über jede verirrte Fliege freute ich mich ,ja manchmal kam mich eine Hummel besuchen und einmal sogar ein Maikäfer. Das mag für Euch erstaunen auslösen über so etwas Belangloses zu schreiben, aber mir brachte es Abwechslung. Neidig schaute ich Ihnen hinterher wenn sie sich wieder durch das Gitter davon machten. Auch noch heute erschlage ich keine Fliege, Hummel oder Käfer. Ich fange sie ein und setze sie an die Luft.
Ja mag bekloppt klingen aber damals waren sie meine Besucher und bereiteten mir Freude. So ein Tagesablauf war immer das Gleiche. Ständig wurde durch das Guckloch geklotzt .Ging die Tür auf sofort stramm stehen und Meldung machen. Immer die gleiche Meldung „ Verwahrraum X belegt mit einem Untersuchungsgefangenem, es meldet Untersuchungsgefangener X. Mal kam mir das zu blöde vor immer die Gleichen Vopos ,so sagte ich nach einem Anschiss ,sie wissen doch wer ich bin. Das machte 21 Tage Arrest. Da gab es nur alle 3 Tage warmes essen und alle Vergünstigungen waren futsch. Das Essen war nie toll ,da vermisste ich den Steckrüben Eintopf nicht einmal. Die Kommunikation mit anderen schon. Die erfolgte in der Regel durch das Fallrohr der Toilette, selbstverständlich wurde das Wasser vorher entfernt. Klopfzeichen gab es auch, und pendeln von Fenster zu Fenster. Freigang gab es mit folgendem Ablauf. Aufschließen der Zellen, Kommando raus treten. Dabei peinlich auf den Abstand zum Vordermann achten. In einem Kreis im Hof waren Striche gezogen ,an diesem hatte man stehen zu bleiben und zwar in der Reihenfolge das Ablaufs aus der Zelle .Der Abstand war so berechnet das ein Flüstern oder etwas zustecken nicht möglich war. Nach 30 Minuten ging es im umgekehrten Ablauf zurück in die Zellen. Wir durften am Tag 5 Zigaretten haben, vorausgesetzt man hatte Geld zur Verfügung. 5 mal am Tag gab es Feuer. Auf einem Tafelwagen den ein Gefangener schob war eine Kerze da konnte man sich die Zigarette anzünden. Eigenes Feuer war verboten. Besuch konnte man einmal pro Monat empfangen. Schreiben 20 Zeilen waren erlaubt, wurde natürlich kontrolliert und beim Besuch gab es einen Aufpasser. Umarmen oder über die Haft und Straftat reden war verboten. Literatur, Radio etc hatte ich nicht. So verging meine Zeit in der U Haft immer nach dem gleichen Muster. In meiner Revisionsverhandlung wurde das Urteil bestätigt. Das lehnte ich erneut ab und ging in Kassation. Die wurde aber gleich verworfen. Später als Strafgefangener war ich sehr oft auf Transport mit dem sogenannten „Grotewohl“ Express. Morgens hieß es Effekten fassen und los ging es. Der Grotewohl Express war ein spezieller Waggon der Reichsbahn der abgesondert außerhalb des Bahnhofes stand. Er war sehr eng und jedes Abteil glaube ich mich zu erinnern war nur mit zwei Gefangenen belegt. Diesen Waggon erreichten wir immer über Umwege durch den Untergrund des Bahnhofes oder Nebeneingänge. Präsentieren wollte man uns nicht. Es war in der Regel so dass wir irgendwo abgekoppelt wurden und stundenlang auf einem Abstellgleis standen bevor es weiterging. Vor Antritt unserer Reise erfuhren wir nicht unser Ziel. Nach der Ankunft schon. Gearbeitet habe ich immer nur in der Haftanstalt nie außerhalb. Den Lohn dafür brauchte man für den Einkauf und Rücklage .Es gab Marken wo der Wert durch geknipst wurde. Einmal pro Woche gab es Einkauf, die „Damen „ vom Verkauf waren die Einzigen weiblichen Wesen die ich in meiner Haftzeit sah. Ich kaufte immer dasselbe, das Angebot ließ zu wünschen übrig. Speck, Tabak „schwarzen Krauser “und Papier dazu .Bis auf wenige Ausnahmen verhielten sich die „Wärter“ korrekt! Körperlich wurde ich nicht misshandelt, physisch ja. Nach meiner Haftzeit merkte ich schnell dass man auf meine wieder Eingliederung in die sozialistische Gesellschaft keinen großen Wert legt. Ich musste mich einmal pro Woche beim ABV melden. Bekam Arbeit im Rahmen der sozialistischen Erziehung im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk zugewiesen.( hatte Bäcker gelernt) Einen Sonderausweis nur gültig innerhalb des Bezirkes Leipzig kam dazu. Das alles machte mir klar das ich in der DDR keine Zukunft habe. Jeder normale entlassende kriminelle Strafgefangene wurde besser behandelt. 1968 glückte mir die Flucht in die BRD. Ich fühlte und fühle mich auch heute nicht als krimineller, und es war Unrecht was mir geschah.


Kimble, Lutze, exgakl, linamax, Pit 59, Eisenacher, Anja-Andrea und Schuddelkind haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.02.2013 19:49 | nach oben springen



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