#1

Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 14:48
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Angeregt durch einen kürzlich von einem neuem User eingestellten Beitrag, habe ich noch einmal in Ruhe nachgedacht welche Empfindungen mich als junger Wehrpflichtiger angesichts der Grenzanlagen und des Dienstes in jenen bewegten.

Ich meine hier nicht die üblichen Willkommensrituale oder die berühmtberüchtigte erste Schicht, nein, eher das langsame Aufnehmen und die des Versuches der inneren Verarbeitung der Eindrücke an diesem doch recht gigantischen Bollwerk, der Konsequenzen des Dienstes und der Erfüllung aller Befehle.

Trotz aller anderslautenden Argumente in der politischen Schulung war sicherlich allen klar worin der Hauptzweck des Dienstes bestand, nämlich der, Republikfluchten mit aller Konsequenz zu verhindern, schlimmstenfalls mit der schlimmsten Konsequenz aller, also dem Verletzen oder töten von Menschen.

Ich möchte darauf hinweisen das ich hier meine eigenen, persönlichen Empfindungen beschreibe, Menschen empfinden unterschiedlich, einer macht sich mehr, der andere wenger Gedanken, aber dem Grenzregime unterlagen wir alle und die Situationen in die jeder hätte kommen können waren die selben.

Beeindruckt in verschiedener Weise hat mich die Anlage 501, für nicht Insider, die so genannten Selbstschussanlagen.

Auf dem ersten Blick "oha, so sehen die also aus, interessant", dann doch tieferes Nachdenkenüber den Sinn, über die Wirkungsweise und dann kommt die Frage "Wobei machst du hier mit?"

Ja, ich habe sie mir gestellt diese Frage, denn mit welchem tieferen Sinn kommt jemand auf die Idee solch eine perfide Maschinerie der Tötung oder Verstümmelung zu konstruieren und zu installieren?

Die Furcht einen Angriff auf mein Leben und meine Gesundheit zu erleben war natürlicherweise vorhanden und ich hätte mich mit der Waffe verteidigt ohne große Skrupel, aber in die Verlegenheit zu kommen einen wehrlosen Flüchtigen durch Schüsse stoppen zu müssen ist ewas anderes, das geht an die menschliche Substanz und wir waren fühlende Menschen, keine schießwütigen Killerkommandos, ganz einfache Soldaten mit einem Befehl zum Dienst kommandiert.

Ich empfinde Mitgefühl für die toten und verletzten Flüchtlinge, die getöteten und verletzten Grenzsoldaten, aber auch ein tiefes Mitgefühl mit Kameraden die des Todes oder der Verstümmelung von Menschen ansichtig werden mussten, sie sind sicherlich dauerhaft traumatisiert.

Ich habe aus dem Erlebten meine späteren Schlüsse gezogen, auch den das ein Staat der es für notwendig erachtet Tötungsautomaten zu installieren und auf Menschen, die um nichts als ihre Freiheit rennen, von jungen wehrpflichtigen schießen zu lassen, es mehr als verdient hat von der Erdoberfläche zu verschwinden, auch wenn er sonst so viel gutes getan haben mag.

Vielleicht sehen das viele anders, ich persönlich sah und sehe es so.


zuletzt bearbeitet 24.04.2012 16:29 | nach oben springen

#2

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:02
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

du hast eigentlich so alles beschrieben was ich auch dachte. man hoffte eigentlich immer nur nie in eine ernsthafte lage zu kommen und wenn dann ging es nur noch um das eigene leben im gedanken. wir waren schon froh wenn wir tagdienst hatten weil da ein vorkommniss so gut wie ausgeschlossen schien.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#3

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:07
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von EK 82/2
du hast eigentlich so alles beschrieben was ich auch dachte. man hoffte eigentlich immer nur nie in eine ernsthafte lage zu kommen und wenn dann ging es nur noch um das eigene leben im gedanken. wir waren schon froh wenn wir tagdienst hatten weil da ein vorkommniss so gut wie ausgeschlossen schien.
andy



So schien es vielleicht.
Wir hatten Glück.


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#4

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:22
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62

" und wir waren fühlende Menschen, keine schießwütigen Killerkommandos, ganz einfache Soldaten mit einem Befehl zum Dienst kommandiert."


Hallo Grenzwolf,du hast diese Thematik sehr gut beschrieben,auch ich dachte und fühlte ähnlich.
Zu deinem Zitat-(Ausschnitt) möchte ich noch anmerken,das die meisten Grenzer doch sehr jung waren.
Nicht selten wurden sie/wir mit 18/19 Jahren an diesen "Schutzwall" gestellt.
Das hatte sicherlich System und wurde ausgenutzt.
Waren viele junge Männer in diesem Alter doch noch sehr empfänglich für die damalige Ideologie und deren "Waffenspiele",hinterfragten nicht wirklich den Sinn dieser Grenze.
Ich kannte einige,die sich jetzt als "richtiger Mann" fühlten,mit der Waffe in der Hand.
Eben noch ein Jugendlicher/ FDJler,nun ein "echter Kämpfer".
Rambo war da für jene nur ein Witz.
Sie waren die Größten und mächtig Stolz.
Ja,so etwas gab es auch.
Mit dem älter werden,relaviert(e) sich dann einiges.
Habe ich auf einem Resitreffen in Eisenach bei persönlichen Gesprächen mit ehem. Kameraden erlebt.

Gruß ek40


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#5

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:29
von Pit 59 | 10.129 Beiträge

Für mich hast Du das sehr schön geschrieben Grenzwolf.Na gut las mich mal zurück denken an die Zeit.Es war ganz einfach spannend und aufregend (das 1 Jahr an der grünen).Da ich schon verheiratet war und auch einen kleinen Hosenscheisser hatte stellte sich für mich die Frage die Fliege zu machen nicht,sonst ja.
Es war auch ein Gefühl der Macht da,ständig scharfe Waffe,welche auch ein Gefühl der Sicherheit gab.Wir haben bestimmt wo es zum Beispiel bei Feldarbeiten lang geht,wir haben bestimmt ob einer den kontrollierten Bus verlassen muss u.s.w.
Über die Perversität des fast Unüberwindbaren "Schutzwalles" hat man sich später viel mehr gedanken gemacht.


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#6

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:33
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Super @GW62, das war doch mal ein guter Beitrag und es verspricht ein interessantes Thema zu werden. Gut wäre wenn auch BU und BO ihre Empfindungen in ähnlich ausführlicher Form vortragen würden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#7

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:34
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Hallo EK40, ich meine wir waren noch gar nicht reif genug für solch einen Dienst.
Halbrambos mit Kämpfermentalität habe ich eigentlich nicht kennengelernt, eher mehr recht bedrückte Jungspunde wie ich einer war.
Ich glaube viele ließen manche Gedanken auch nicht so an sich heran.
So recht über Ansichten konnte man sich ja selbst in langen BT-Schichten nicht unterhalten, war ja alles von "Gummiohren" durchsetzt und das hat man ja gewusst.


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#8

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:34
von damals wars | 12.117 Beiträge

Zitat von ek40

Rambo war da für jene nur ein Witz.
Gruß ek40



Das müssen dann Hellseher gewesen sein.
------------------------------------------------------------
Ich habe keine Rambotypen kennengelernt. Nur Leute, die in Ruhe ihren Grenzdienst machen wollten und möglichst jeden Stress vermieden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#9

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:34
von Fritze (gelöscht)
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An meine damaligen Empfindungen kann ich mich nur schwer erinnern.Als ich dort war (ab 1986) gab es im Bereich keine 501 oder Schussanlagen mehr.Ich glaube wir hatten auch nicht viel Gelegenheit zum Grübeln.Dann haben wir uns auch einige Sachen (Ruhe ,Natur oder Gelegenheiten )zu Nutze gemacht.Natürlich gabs da immer ein paar Sachen ,die störten,aber es wurde meistens das Beste draus gemacht.Obwohl ich gern auf die Zeit verzichtet hätte , habe ich für mein weiteres Leben auch Einiges gelernt.Heute kommts mir manchmal wien grosses Räuber und Gendarm -Spiel vor.Ich weiss ,daß es nicht viele so sehen und ich möchte mich schon mal für meine Gefühlslosigkeit entschuldigen .Denke die 1970er Jahre bis 1984 waren noch härtere Zeiten.


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#10

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:44
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.
Super @GW62, das war doch mal ein guter Beitrag und es verspricht ein interessantes Thema zu werden. Gut wäre wenn auch BU und BO ihre Empfindungen in ähnlich ausführlicher Form vortragen würden.



Ja, deren Sichtweise wäre auch interessant, meine ist ja eher die des unfreiwillig dagewesenen.
Nicht falsch interpretieren, eine Verweigerung wäre möglich gewesen, aber wer nahm das schon auf sich, zumal ich ja schon (wie viele) Familie hatte.
Ich negiere auch nicht die Grenzsicherung an sich, ich empfinde (und empfand) aber den Vernichtungspassus im Vergatterungstext und die Minen und späteren Anlagen als Menschenverachtend, Grenzsicherung ja, aber nicht um jeden Preis.
Ein höherer Grenzzaun, Stacheldrahtverhaue o.ä. aber nicht Verletzung von Leib und Leben.


zuletzt bearbeitet 24.04.2012 15:55 | nach oben springen

#11

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 15:59
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Ein kurzer Nachtrag, als ich letztens bei einem Berlinbesuch vor den Kreuzen am Pariser Platz stand, ich weiß nicht, das ging mir innerlich sehr nahe.
Alle spazierten entspannt vorbei und ich habe vielleicht 5 Minuten einfach dort gestanden.


zuletzt bearbeitet 24.04.2012 16:11 | nach oben springen

#12

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 16:14
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62
Hallo EK40, ich meine wir waren noch gar nicht reif genug für solch einen Dienst.

Richtig,hab mich ja nur mit anderen Worten ausgedrückt.

Halbrambos mit Kämpfermentalität habe ich eigentlich nicht kennengelernt, eher mehr recht bedrückte Jungspunde wie ich einer war.

Ich lernte einige "Halbrambos" kennen,aber natürlich auch die in sich gekehrten.

Ich glaube viele ließen manche Gedanken auch nicht so an sich heran.
So recht über Ansichten konnte man sich ja selbst in langen BT-Schichten nicht unterhalten, war ja alles von "Gummiohren" durchsetzt und das hat man ja gewusst.



Mit 3-4 Leuten konnte ich mich frei unterhalten,jedenfalls dachte ich das bis dato.
Während der Armeezeit bekam ich jedenfalls aus dieser Richtung keine Nachteile zu spüren.


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#13

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 16:29
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von damals wars

Zitat von ek40

Rambo war da für jene nur ein Witz.
Gruß ek40



Das müssen dann Hellseher gewesen sein.
------------------------------------------------------------
Ich habe keine Rambotypen kennengelernt. Nur Leute, die in Ruhe ihren Grenzdienst machen wollten und möglichst jeden Stress vermieden.



Warum Hellseher?

Filmdaten
Deutscher Titel Rambo
Originaltitel First Blood
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1982
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 16

Für die Rosinenpicker setze ich für das Wort war dann eben wäre ein.


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#14

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 17:05
von Pit 59 | 10.129 Beiträge

Alle spazierten entspannt vorbei und ich habe vielleicht 5 Minuten einfach dort gestanden.@Grenzwolf

Kann ich voll und ganz Nachvollziehen.
Einige würden nicht Stehenbleiben.Sogar das Kreuz von Chris Gueffroy wurde geschändet.


zuletzt bearbeitet 24.04.2012 17:31 | nach oben springen

#15

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 17:30
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

an unsere einführung durch den kc kann ich mich noch genau erinnern. wir kamen an den südlichsten bereich und da waren noch minen. häßliche dinger dachte ich. und ohne es jemals vorgehabt zu haben dachte ich auch oft daran das es ja nur wenige schritte sind bis ein anderes land begint. darüber das wir viel zu jung für diese hohe verantwortung waren, machte ich mir keine gedanken. heute sehe ich es genauso. damals fühlte ich mich als einer der eine besondere aufgabe hat und die treue des deutschen soldaten war schon immer vorhanden. es gab befehle und man befolgte sie weil der nebenmann das selbe tat.
wenn ich heute über diese zeit nachdenke, machte ich soviel mist was mir das leben kosten könnte. wir waren noch zu verspielt.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#16

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 18:40
von utkieker | 2.915 Beiträge

Ich will mich nicht heilig sprechen oder mich selbst belügen, aber vermutlich hätte ich geschossen. Ich sage es nicht mit inbrunstigen Stolz und die Betonung liegt auf 'vermutlich', alles hätte, wenn und aber deckt es einen Interpretationsspielraum ein. Ich weiß viele haben die große Klappe aber auch sie zeigen letzten Endes Emotionen. Man kennt das Szenario oder glaubt es zu kennen, wenn der (sogenannte) Grenzverletzer und der Grenzsoldat aufeinander treffen, in Wirklichkeit war man mental überhaupt nicht auf eine solche Situation eingestellt oder man hat es verdrängt, du sollst reagieren aber es versagen die Nerven.
Nach der letzten Schicht war man doch heilfroh darüber, daß man nie vor der Entscheidung stand die Schußwaffe einzusetzen. Ich weiß nicht wie jungen Leuten zu mute war welche, emotional aufgeladen, die Schußwaffe eingesetzt haben. Das ganze Geschehen kann einem nicht Gleichgültig sein oder kalt gelassen haben.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#17

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 20:15
von Zaunkletterer (gelöscht)
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Zitat von Grenzwolf62
Angeregt durch einen kürzlich von einem neuem User eingestellten Beitrag, habe ich noch einmal in Ruhe nachgedacht welche Empfindungen mich als junger Wehrpflichtiger angesichts der Grenzanlagen und des Dienstes in jenen bewegten.

Ich meine hier nicht die üblichen Willkommensrituale oder die berühmtberüchtigte erste Schicht, nein, eher das langsame Aufnehmen und die des Versuches der inneren Verarbeitung der Eindrücke an diesem doch recht gigantischen Bollwerk, der Konsequenzen des Dienstes und der Erfüllung aller Befehle.

Trotz aller anderslautenden Argumente in der politischen Schulung war sicherlich allen klar worin der Hauptzweck des Dienstes bestand, nämlich der, Republikfluchten mit aller Konsequenz zu verhindern, schlimmstenfalls mit der schlimmsten Konsequenz aller, also dem Verletzen oder töten von Menschen.

Ich möchte darauf hinweisen das ich hier meine eigenen, persönlichen Empfindungen beschreibe, Menschen empfinden unterschiedlich, einer macht sich mehr, der andere wenger Gedanken, aber dem Grenzregime unterlagen wir alle und die Situationen in die jeder hätte kommen können waren die selben.

Beeindruckt in verschiedener Weise hat mich die Anlage 501, für nicht Insider, die so genannten Selbstschussanlagen.

Auf dem ersten Blick "oha, so sehen die also aus, interessant", dann doch tieferes Nachdenkenüber den Sinn, über die Wirkungsweise und dann kommt die Frage "Wobei machst du hier mit?"

Ja, ich habe sie mir gestellt diese Frage, denn mit welchem tieferen Sinn kommt jemand auf die Idee solch eine perfide Maschinerie der Tötung oder Verstümmelung zu konstruieren und zu installieren?

Die Furcht einen Angriff auf mein Leben und meine Gesundheit zu erleben war natürlicherweise vorhanden und ich hätte mich mit der Waffe verteidigt ohne große Skrupel, aber in die Verlegenheit zu kommen einen wehrlosen Flüchtigen durch Schüsse stoppen zu müssen ist ewas anderes, das geht an die menschliche Substanz und wir waren fühlende Menschen, keine schießwütigen Killerkommandos, ganz einfache Soldaten mit einem Befehl zum Dienst kommandiert.

Ich empfinde Mitgefühl für die toten und verletzten Flüchtlinge, die getöteten und verletzten Grenzsoldaten, aber auch ein tiefes Mitgefühl mit Kameraden die des Todes oder der Verstümmelung von Menschen ansichtig werden mussten, sie sind sicherlich dauerhaft traumatisiert.

Ich habe aus dem Erlebten meine späteren Schlüsse gezogen, auch den das ein Staat der es für notwendig erachtet Tötungsautomaten zu installieren und auf Menschen, die um nichts als ihre Freiheit rennen, von jungen wehrpflichtigen schießen zu lassen, es mehr als verdient hat von der Erdoberfläche zu verschwinden, auch wenn er sonst so viel gutes getan haben mag.

Vielleicht sehen das viele anders, ich persönlich sah und sehe es so.

Selten in diesem Forum so einen guten Beitrag gelesen!!!! Vielen Dank dafür von einem der dieses Bollwerk als junger Mann unverletzt überwinden konnte. Gruß vom Zaunkletterer





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#18

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 20:15
von Delikt | 4 Beiträge

Wie hab ich das damals empfunden und wie sehe ich es heute.
Ich glaube ich hatte das Glück, dass ich damals 79/II - 80 I in Ifta sehr viele interessante Jungs kennenlernen durfte.
So gab es einen supertollen Uffz. Peter Uwe Br., Michael, K. ( meinen Paten) und und und. Wenn man mit einem der Besseren auf Schicht durfte, fand sich meist irgendein spannendes Thema und man hatte eine abwechslungsreiche Schicht. Dann gabs die Schweiger, da konnte eine 10 h Schicht im Winter direkt an der Werra endlos werden. Gab auch ein paar tolle Momente. Ich erinnere mich da, wie wir uns während so einer Schicht auf Streife abmelden konnten und heimlich zur Ruine der Brandenburg gelaufen sind. Die lag ja im absoluetn Sperrgebiet und da kam sonst niemand hin. Ich war Jahre später, nach dem Mauerfall wieder mal dort und hab mir die dann frei zugängliche Ruine nochmal angesehen. Da kamen schon Erinnerungen auf. Ich glaube die meisten jungen Kerle wollten nur irgendwie ihre Zeit heil und ohne Grenzdurchbruch überstehen. Der Gedanke was würde passieren wenn, war aber immer im Kopf (Schwedt)


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#19

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 21:09
von Hans55 | 762 Beiträge

Ich hatte1978/79 auch herrliche Empfindungen!Die nicht gerade zimperliche Ausbildung bei denGT,war die eine Sache(19jährige Bengels haben nach einem besonders" guten Ausbildungstag" geflennt!Aber das ging ja noch!
Dann kommst du raus zum Grenzdienst an die Berliner Mauer! Von vorne wirst du beschimpft(rote Schweine usw),dann kommste mal in den Ausgang und wirst wieder beschimpft( na, hab ihr wieder ein paar umgelegt)!
Da hab ich mich manchmal gefragt,die vor dir können dich nicht leiden,die hinter dir auch nicht,was machst du eigentlich hier!
Aber man war gebunden,den letzten Schritt wollte man nicht tun! Hans55!


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#20

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 21:14
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von utkieker
Ich will mich nicht heilig sprechen oder mich selbst belügen, aber vermutlich hätte ich geschossen. Ich sage es nicht mit inbrunstigen Stolz und die Betonung liegt auf 'vermutlich', alles hätte, wenn und aber deckt es einen Interpretationsspielraum ein. Ich weiß viele haben die große Klappe aber auch sie zeigen letzten Endes Emotionen. Man kennt das Szenario oder glaubt es zu kennen, wenn der (sogenannte) Grenzverletzer und der Grenzsoldat aufeinander treffen, in Wirklichkeit war man mental überhaupt nicht auf eine solche Situation eingestellt oder man hat es verdrängt, du sollst reagieren aber es versagen die Nerven.
Nach der letzten Schicht war man doch heilfroh darüber, daß man nie vor der Entscheidung stand die Schußwaffe einzusetzen. Ich weiß nicht wie jungen Leuten zu mute war welche, emotional aufgeladen, die Schußwaffe eingesetzt haben. Das ganze Geschehen kann einem nicht Gleichgültig sein oder kalt gelassen haben.

Gruß Hartmut!


genau das trifft sicher auf die meisten zu. ich habe die gefahr verdrängt für meine person und wäre eine gekommen, wäre ich darauf nicht vorbereitet gewesen und hätte sicher überreagiert. so sehe ich es aus heutiger sicht. schuld daran aus heutiger sicht gebe ich dem falschen schulungen vom feindbild denn den feind sahen wir und er war friedlich.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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