#21

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 21:37
von Backe | 480 Beiträge

Da bin ich der gleichen Meinung wie Utkieker und Andy.

Jeder war froh, wenn im Grenzdienst kein GV ( Grenzverletzer ) kam
und das Jahr am Kanten überstanden war.

Ob sich wohl BU / BO melden und Ihre Empfindungen schreiben ???

VG


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#22

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 23:08
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Backe
Da bin ich der gleichen Meinung wie Utkieker und Andy.

Jeder war froh, wenn im Grenzdienst kein GV ( Grenzverletzer ) kam
und das Jahr am Kanten überstanden war.

Ob sich wohl BU / BO melden und Ihre Empfindungen schreiben ???

VG


ja BU oder BO wäre interesant dazu. ich kann ein lied von a-gruppe singen und muß ehrlich sagen das mir nie wohl dabei war und glaubt mir. ich hätte geschoßen je nach lage. mein leben war mir wichtiger und wer anderes behauptet war entweder ein unikum oder ist ein spinner.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#23

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 23:21
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Ich werde morgen dazu was schreiben,aber auch ich habe meine Empfindungen gehabt und war froh,wenn unsere Jungs unbeschadet zurück in der Kompanie waren.Das war für mich immer das wichtigste!


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#24

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 24.04.2012 23:27
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Pitti53
Ich werde morgen dazu was schreiben,aber auch ich habe meine Empfindungen gehabt und war froh,wenn unsere Jungs unbeschadet zurück in der Kompanie waren.Das war für mich immer das wichtigste!


so war auch meine führung drauf und genau darum ist es interessant sowas mal zu lesen das die kompanieführung nicht immer die antreiber waren sondern grenzer wie wir kleinen die froh waren wenn die kp. vollzählig wieder einrückte. das verstehen einige bis heute nicht.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 25.04.2012 23:06 | nach oben springen

#25

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 08:53
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von utkieker
Ich will mich nicht heilig sprechen oder mich selbst belügen, aber vermutlich hätte ich geschossen. Ich sage es nicht mit inbrunstigen Stolz und die Betonung liegt auf 'vermutlich', alles hätte, wenn und aber deckt es einen Interpretationsspielraum ein. Ich weiß viele haben die große Klappe aber auch sie zeigen letzten Endes Emotionen. Man kennt das Szenario oder glaubt es zu kennen, wenn der (sogenannte) Grenzverletzer und der Grenzsoldat aufeinander treffen, in Wirklichkeit war man mental überhaupt nicht auf eine solche Situation eingestellt oder man hat es verdrängt, du sollst reagieren aber es versagen die Nerven.
Nach der letzten Schicht war man doch heilfroh darüber, daß man nie vor der Entscheidung stand die Schußwaffe einzusetzen. Ich weiß nicht wie jungen Leuten zu mute war welche, emotional aufgeladen, die Schußwaffe eingesetzt haben. Das ganze Geschehen kann einem nicht Gleichgültig sein oder kalt gelassen haben.

Gruß Hartmut!



Ich bin mir nicht sicher wie allgemein mit Soldaten nach einem, ich drücke es mal lapidar aus, erfolgreichem Einsatz der Schusswaffe verfahren wurde.
Gehört hatte ich damals das man, bei seelischen Problemen, in Bad Sarow behandelt und dann in Ehren entlassen wurde.
Es gab glaube ich auch noch die Medallie für vorbildlichen Grenzdienst.
Wer ist in diese Richtung wissender?


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#26

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 09:02
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

[quote="EK 82/2"]

das die kompanieführung nicht immer die antreiber waren

Andy, bitte, nicht solche unüberlegten Postings wo du Offiziere und den Begriff in einem Satz verwendest, lese bitte meinen Beitrag gut durch, ich bezog mich auf Befehle von ganz oben und das DDR-Grenzregime allgemein.
Ich möchte nicht das mein Beitrag aus dem Ruder läuft, dann soll er lieber gelöscht werden.

geändert von Pitti53


zuletzt bearbeitet 25.04.2012 23:08 | nach oben springen

#27

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 09:07
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Mit 19 wurde ich eingezogen. Da keine Verwandten 1.Grades im kap. Ausland und auch ansonsten politisch eher pro-DDR eingestellt, wurde ich ungefragt zur Grenze eingezogen. Nun, ich habe mir da weiter keinen Kopf gemacht, nur meine Mutter hat bei der Verabschiedung geheult ("der arme Junge muß zu den Soldaten"). Im Nachhinein war ich froh, an die Grenze gekommen zu sein. Nach der Grundausbildung (Granatwerfer) dann Schichtdienst im Wald (Niederneuendorf b. Hennigsdorf), länger schlafen, da kein Frühsport, bessere Verpflegung, ein relativ legerer Grenzdienst damals (1967/68 "kleiner Grenzhandel" mit den Westberlinern), viel Freizeit für Sport, Relaxen, Basteln. An den Ernst des Dienstes haben wohl die Wenigsten von uns ständig und vordergründig gedacht. Es wurde irgendwie verdrängt. Wir redeten uns ein, daß diejenigen, die das Risiko des Todes bei einer Flucht einginen, wohl ihre triftigen Gründe für ein solches Risiko hatten, obwohl wir wußten, daß es sich nur in den wenigsten Fällen um tatsächliche Gewaltverbrecher oder and. Kriminelle handelte, die uns da begegnen könnten. Es gab natürlich auch Situationen, da hielten wir insbes. in der Nacht alle Augen und Ohren offen, wenn ein bewaffneter Iwan Iwanowitsch im Fahndungsbuch auftauchte oder ein Häftling irgendwo ausgebrochen war und die Polizei im Hinterland schon verstärkt Streife lief. Einmal nachts im Wallt knallte es. Es stellte sich aber heraus, daß ein Offizier nur jagen war und diese Info nicht bis zu uns durchgedrungen war. Auf einen Gefreiten von uns, der schon ein halbes Jahr mehr weg hatte, ist von WB Seite aus mal geschossen worden. Das Projektil schlug neben ihm in den Sand ein. Es gab im Regimentsabschnitt auch Festnahmen (da viel Wald, war ca. jede Woche mal was los), da wurden Messer und Beil gefunden und bei der Vernehmung gaben die dann auch zu, im Fall des Falles diese gegen die Grenzer einzusetzen. Nach einer Nachtschicht in einer bitterkalten Winternacht lagen wir kaum im Bett, da hieß es "Grenzalarm". das war gegen 5.00 Uhr früh. Klamotten an, Flinte geschnappt und raus an den vorderen KS. Gewartet und sich fast einen abgefroren, bis es zur Walddurchsuchung hell genug war. Wer kam raus ? Zwei Halbwüchsige, 14 oder 16 Jahre alt. Am liebsten hätten wir ihnen ein paar Ohrfeigen verpasst und zu den Eltern zurückgeschickt. Ich war einmal in der Sizuation, gleich nach Antritt meines Dienstes ca. 200 m nach dem Ablösepunkt Spuren im frischen Schnee auf dem KS zu sehen. Ein Stern rot richtung grenze, das abgelöste Postenpaar kam gleich zurück und zu viert sind wir dann den Spuren nach. In einer Hütte fanden wir dann einen 32-jährigen mit Zieharmonika. "Da will man schon mal rüber und dann nehmt ihr mich fest", so ähnlich seinen Worte. Was soll man dazu noch sagen ?
Alles in Allem, unser Zug hatte die letzte Schicht, wir steckten frisches Birkengrün in den MPi-Lauf und drehten einen Ehrenrunde in Hennigsdorf mit lauten "Es geht nach Hause"-Rufen. Wir alle waren froh, nie in eine Situation gekommen zu sein, in der man vor der wahl stand, gezielt auf eine Person zu schießen oder möglicherweise wegen Versagens mit dem Militärstaatsanwalt Bekanntschaft zu machen und dann noch, was die Krönung wäre, wegen Einem, der in der DDR vorher ein tatsächliches Verbrechen begangen hatte. Weiterhin, daß wir selbst mit heiler Haut davongekommen waren (es gab eine Situation mit Russen, bei der es leicht zwei tote Grenzer hätte geben können). Ich bereue die Zeit dort nicht. Es ist für mich, im Gegensatz zu anderen Meinungen hier im Forum, keine "verlorene" Zeit gewesen. Ich kann mitreden und so manchen hahnebüchenen Unsinn, der verbreitet wird, geraderücken. Eine Freundschaft ist entstanden, die noch heute besteht. Was mir aber auch klar ist, unser Dienst damals ist, was die Gefährlichkeit und die Verantwortung betrifft, wohl weitaus weniger dramatisch zu sehen als heute für die Kammeraden z.B. in Afghanistan.



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#28

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 09:46
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62
[quote="EK 82/2"]

das die kompanieführung nicht immer die antreiber zum morden waren

Andy, bitte, nicht solche unüberlegten Postings wo du Offiziere und den Begriff "morden" in einem Satz verwendest, lese bitte meinen Beitrag gut durch, ich bezog mich auf Befehle von ganz oben und das DDR-Grenzregime allgemein.
Ich möchte nicht das mein Beitrag aus dem Ruder läuft, dann soll er lieber gelöscht werden.


grenzwolf so hart wie es steht meinte ich es nicht und du kennst mich, ich drückte mich vielleicht unsachlich aus. ich wollte damit nur sagen das grenzer nie eine absicht hatten die waffe anzuwenden weder der kleine soldat noch die kompanieführung. eine schicht ohne vorkommnisse war allen am liebsten.
für alle die mich falsch verstanden haben bitte ich es zu entschuldigen.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#29

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 12:12
von Dogbert | 143 Beiträge

Ich bin berührt und beeindruckt von euren Beiträgen.

Ich beschreibe es mal aus meiner "westlichen" Perspektive, auch wenn ich wegen DDR-Verwandschaft nicht an der Grenze zur DDR eingesetzt wurde.

Aber zur Sache. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand, der sich freiwillig zum Wehrdienst meldet oder seinen Wehrdienst ableisten muß, sich mit dem Gedanken beschäftigt, daß das hier kein Abenteuerurlaub ist, sondern es wirklich mal ernst werden kann. Speziell für die Grenztruppeneinheiten der NVA kam noch diese gewisse Besonderheit hinzu, die man einfach nicht aussprechen mag.

Die meisten machten bei uns (BRD) den Wehrdienst halt mit, weil er im späteren Berufsleben (in manchen Bewerbungsfragebögen stand als letzte Frage drin, ob man bei der BW war und welchem Dienstgrad man erreicht hat) für die Studiumzulassung für begehrte Fachrichtungen Pluspunkte brachte. An den militärischen Ernstfall dachte niemand und die Wahrscheinlichkeit war auch ziemlich gering. Sie eigentlichen Probleme, die nicht wenige Bundeswehrpflichtige hatten, spielten sich in Bereichen ab, die menschlich absolut nachvollbar sind, weil eine Kasernierung halt nicht so einfach mit dem Alltagsleben zu vereinbaren war, wenn der Standort fernab von der Heimat ist.

Im Prinzip ist es so:
Man weiß eigentlich, worauf man sich einläßt, aber will nicht in Ausnahmesituationen kommen. Das gilt auch für Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz etc.), Man muß halt irgendwie darauf vorbereitet sein und wenigstens psychisch für sowas geeiget sein.

Der Kontrast zur DDR war schon auf eine gewisse Weise merkwürdig. Unsere machten an der Grenze so eine Art lockere Wanderungen (um nicht zu sagen Betriebsausflüge), besonders gern bei guten Wetter, während die andere Seite darauf bedacht war, die Staatsgrenze gegen Leute zu verteidigen, denen die Möglichkeit verwehrt wurde, die DDR auf legalem Wege zu verlassen, oder diese sich die Rechtfertigungen, die mit Ausreiseanträgen verbunden waren, nicht antun wollten.

Wenn ich an meine Dienstzeit bei den Gebirgsjägern denke, wo wir mal aushilfsweise , um nur mal eine "Konfliktsituation" kennenzulernen, an die Grenze zur CSSR gezogen wurden und, wie jemand schrieb, den "kleinen Tauschhandel" betrieben oder schwejkmäßig mit der Gegenseite quatschten, war das eine vergleichweise erholsame Abwechslung. Eher stritten sich die US-Truppenteile und wir uns um diese Einsätze.


Nachtrag:
Unsere Kollegen, die in der DDR ihren Wehrdienst an der Grenze verrichteten, waren einfach nur froh, daß sie nie in solche Konfliktsituationen gerieten. Interessanterweise hatten sie Vorgesetzte, die ihnen kein "westliches" Feindbild eintrichterten. Ihre einzige Aufgabe schien tatsächlich nur darin zu bestehen, Grenzdurchbrüche möglichst ohne Schußwaffengebrauch zu verhindern.

Daraus ließe sich die hypotethische Frage ableiten, was passiert wäre, wenn die DDR-Führung den Generalbefehl herausgegeben hätte, den "Aufstand" im Herbst 1989 niederzuschlagen?



zuletzt bearbeitet 25.04.2012 12:25 | nach oben springen

#30

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 12:22
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Dogbert
Ich bin berührt und beeindruckt von euren Beiträgen.

Ich beschreibe es mal aus meiner "westlichen" Perspektive, auch wenn ich wegen DDR-Verwandschaft nicht an der Grenze zur DDR eingesetzt wurde.

Aber zur Sache. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand, der sich freiwillig zum Wehrdienst meldet oder seinen Wehrdienst ableisten muß, sich mit dem Gedanken beschäftigt, daß das hier kein Abenteuerurlaub ist, sondern es wirklich mal ernst werden kann. Speziell für die Grenztruppeneinheiten der NVA kam noch diese gewisse Besonderheit hinzu, die man einfach nicht aussprechen mag.

Die meisten machten bei uns (BRD) den Wehrdienst halt mit, weil er im späteren Berufsleben (in manchen Bewerbungsfragebögen stand als letzte Frage drin, ob man bei der BW war und welchem Dienstgrad man erreicht hat) für die Studiumzulassung für begehrte Fachrichtungen Pluspunkte brachte. An den militärischen Ernstfall dachte niemand und die Wahrscheinlichkeit war auch ziemlich gering. Sie eigentlichen Probleme, die nicht wenige Bundeswehrpflichtige hatten, spielten sich in Bereichen ab, die menschlich absolut nachvollbar sind, weil eine Kasernierung halt nicht so einfach mit dem Alltagsleben zu vereinbaren war, wenn der Standort fernab von der Heimat ist.

Im Prinzip ist es so:
Man weiß eigentlich, worauf man sich einläßt, aber will nicht in Ausnahmesituationen kommen. Das gilt auch für Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz etc.), Man muß halt irgendwie darauf vorbereitet sein und wenigstens psychisch für sowas geeiget sein.

Der Kontrast zur DDR war schon auf eine gewisse Weise merkwürdig. Unsere machten an der Grenze so eine Art lockere Wanderungen (um nicht zu sagen Betriebsausflüge), besonders gern bei guten Wetter, während die andere Seite darauf bedacht war, die Staatsgrenze gegen Leute zu verteidigen, denen die Möglichkeit verwehrt wurde, die DDR auf legalem Wege zu verlassen, oder diese sich die Rechtfertigungen, die mit Ausreiseanträgen verbunden waren, nicht antun wollten.

Wenn ich an meine Dienstzeit bei den Gebirgsjägern denke, wo wir mal aushilfsweise , um nur mal eine "Konfliktsituation" kennenzulernen, an die Grenze zur CSSR gezogen wurden und, wie jemand schrieb, den "kleinen Tauschhandel" betrieben oder schwejkmäßig mit der Gegenseite quatschten, war das eine vergleichweise erholsame Abwechslung. Eher stritten sich die US-Truppenteile und wir uns um diese Einsätze.


der war gut, und dann beginnt man einfach mal so eine straftat weil man den papierkram nicht mag. ist so ein grenzübertritt heute in der BRD legitim weil man den papierkram nicht mag?
zu deinem nachtrag der ist voll ok und ich kann nur gutes vom westlichen zoll berichten, bgs sah man ja seltener. leider durften wir nicht zurück grüßen, aber das verhältnis hätte durchaus freundschaftlich sein können wenn da die befehle für GT angehöriger der ddr nicht wären.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 25.04.2012 12:32 | nach oben springen

#31

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 13:59
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich hatte bei meinem 1.Fluchtversuch und bei meiner 2.geklückten Flucht nie daran gedacht Gewalt anzuwenden. Aber ich sah in den Grenzern meinen persönlichen Feind, welcher mich mit allen Mitteln daran hintern wird die DDR zu verlassen. Ich war davon überzeugt das gerade die welche an der Grenze zur BRD und WB standen überzeugte und auserwählte Soldaten überzeugt von dem System in der DDR, die keinen Skrupel kennen sind. Heute sehe ich das völlig anders, ich sehe den ins kalte Wasser geschmissenen, oft mit der Situation bei der Begegnung mit einem GV überforderten. Nein einen Willen zum Töten sehe ich nicht, aber die Angst ließ manchen abdrücken. Kein Wunder wurden doch die Flüchtlinge als skrupellos, bewaffnet und als Verbrecher bezeichnet. Schuld war nicht der Soldat, Schuld war das System. Wer fragte sich damals wie so ein junger Mensch das alles seelisch verkraftet wenn er einen GV erschossen hat? Ich bin froh darüber dass es diese Grenze nicht mehr gibt, bin froh darüber dass wir uns heute offen über die Grenze unterhalten können, bin froh darüber dass so mancher mehr Unrecht von damals einsieht. Militärisch war diese Grenze und Mauer nichts wert. Hauptsächlich sollte sie Bürger daran hintern die DDR zu verlassen.
Die Opfer dieser Grenzer ob nun Flüchtlinge oder Grenzer sollen uns mahnen und daraus lernen lassen .Aber genauso muss ich dabei an das Unrecht denken welche wegen der Grenze Zwangsausgesiedelt wurden. Heute zählen zu meinen Freundeskreis ehemalige Grenzer, ja sogar überzeugte Genossen sind dabei. Wichtig ist sich sachlich, und fair auseinander zu setzen. So kann manches konstruktiv sein. Für seine politische oder religiöse Weltanschauung darf niemand Nachteile haben. Terrorismus und Gewalt lehne ich aber ab.
Gruß Peter(turtle)


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#32

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 15:14
von Kimble | 397 Beiträge

Also, EK 82/2 das nehme ich Dir nicht ab, wenn Du verharmlosend nur von Papierkram redest, der nur mal so und ohne Nebenwirkungen,einfach zu erledigen gewesen wäre.
Und den man daher hätte in Kauf nehmen sollen/ müssen. Der Vergleich zu heute paßt nicht.
Was aber auch nicht heißen soll, es gab solche Fälle nicht.
Ich las heute ja Dein Beispiel einer Ausreise ganz ohne Schikane.

Immer lese ich das Grenzer froh waren, wenn Sie niemals die Waffe auf einen GV richten mußten.
Das glaube ich gerne. Wart ihr aber auch froh, nie einen GV gestellt zu haben ? Na mal ehrlich ?
Wäre es nicht die Kröhnung der Laufbahn als Grenzer gewesen, mal einen echten GV zu stellen ?

Hat man sich als Grenzer, der ja im Dienst viel Zeit zum Nachdenken hatte, auch ab und zu mal
selber ausgemalt, vorgestellt oder wie auch immer, "was wäre das toll so mit Prämie, Beförderung, Anerkennung".


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 25.04.2012 15:15 | nach oben springen

#33

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 15:25
von Dieterp | 18 Beiträge

Die Krönung einer jeder Schicht war ein o.V. melden zu können.
So ging es zu mindest mir als ZF/StKC und Offizier eines Stabes eines GR.
Dieterp



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#34

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 15:46
von Kimble | 397 Beiträge

Ja Krönung natürlich.
Aus tiefster Überzeugung oder weil der Papierkram lästig gewesen wäre ?

Achso, hatte ganz vergessen, der Eröffnungsbeitrag ist wirklich gut geschrieben. Danke !


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 25.04.2012 15:46 | nach oben springen

#35

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 16:01
von Dieterp | 18 Beiträge

Natürlich aus tiefster Überzeugung und aus der Intension heraus, der Verantwortung denen gegenüber gerecht zu werden, von denen
wir ihre Söhne " geliehen " haben und natürlich auch der Verantwortung den AGT gegenüber.

Ach so, der Papierkram war das absolut kleinere Übel.



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#36

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 16:28
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Kimble
...Wart ihr aber auch froh, nie einen GV gestellt zu haben ? Na mal ehrlich ?
Wäre es nicht die Kröhnung der Laufbahn als Grenzer gewesen, mal einen echten GV zu stellen ?

Hat man sich als Grenzer, der ja im Dienst viel Zeit zum Nachdenken hatte, auch ab und zu mal
selber ausgemalt, vorgestellt oder wie auch immer, "was wäre das toll so mit Prämie, Beförderung, Anerkennung".



Auf mein Konto kommen ja einige.
Nein, es war(-en) keine Krönung (-en), es war eher jeweils ein Störfall.
Da ist am Anfang eher so ein Gefühl, dass sich nur mit einem Fäkalwort beschreiben ließe. Der übliche eher gelangweilte Dienstablauf gerät jetzt gleich durcheinander. Feierabend ade´! Der ruhige Feierabend aber war für uns Grenzer so ziehmlich das Allerwichtigste überhaupt! Und die Sorge kommt, was nun gleich passieren wird. Als GAK war man meist ja nahe drann. Greifen sie an? Rennen sie weg? Was dann? Wird man sich behaupten oder geht gleich alles schief?
Nichts genaues weiß man am Anfang, nur dieses Gefühl ist da. Wird zur Sicherheit, wenn die Papiere nicht in Ordnung sind oder man anders bemerkt einen Treffer zu haben. Dann spult man ab, was man trainiert hat und versucht gleichzeitig möglichst die Schärfe aus der Situation zu nehmen. Denn anders als der Gegenüber weiß man, dass man voraussichtlich keine Verbindung zur FüSt bekommen wird, einem so schnell keiner helfen kann, vor einer Stunde kaum Unterstützung da sein wird.
Man versucht ruhig zu erscheinen und die Leute zu beruhigen. Damit sie nichts "falsches" tun und man selber nicht eskalieren muss. Denn´man weiß, dass im Falle des Falles die Waffe entscheiden wird und muss. Sehr schnell. Man macht möglichst deutlich klar, dass dies auch geschehen würde aber, bleibt alles ruhig, auch nichts geschehen muss.
An Auszeichnungen oder so denkt man vorher und in der Situation nicht. Weiß man doch gar nicht, was kommen wird. Vielleicht wird nur eine Strafe gelöscht, vielleicht kommt man gar nicht zurück? Oder die da...?
Man stellt sich solche Fälle als eine Abfolge möglichst flüssiger Handlungen vorher vor. Anhalten, kontrollieren, Sachverhalt feststellen, festnehmen, die Leute ruhig halten bis man sie abliefern kann oder Unterstützung da ist. Dann Durchsuchung und festhalten bis die Polizei kommt. Je friedlicher um so besser.
Diese Vorstellung versucht man dann abzuspulen. Irgendwas wird bestimmt nicht wie geplant funktionieren aber je kleiner dieser Fehlfaktor wird, um so sicher wird es.
Wenn alles vorbei ist. Man wieder in der Kompanie ist, der Kaffee getrunken ist und die Stellungnahme geschrieben ist, dann erst löst sich diese Anspannung. "Schwein gehabt", so läßt sich dieses Gefühl im Nachhinein vielleicht am besten umschreiben.
Ob man ausgezeichnet wird oder nicht, das weiß man sowieso nicht. Gerade ich hatte mir ja auch öfter mal "was geleistet". Darüber macht man sich auch keine Gedanken. Es dauerte immer etwa einen Monat, dann gab es entweder bei einem Appell oder in einer Dienstversammlung dann eine Auszeichnung. Dann war man stolz, ja. erst dann. Manchmal gab es auch nichts, nur eine Strafe weniger.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 25.04.2012 16:32 | nach oben springen

#37

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 16:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Kimble
Also, EK 82/2 das nehme ich Dir nicht ab, wenn Du verharmlosend nur von Papierkram redest, der nur mal so und ohne Nebenwirkungen,einfach zu erledigen gewesen wäre.
Und den man daher hätte in Kauf nehmen sollen/ müssen. Der Vergleich zu heute paßt nicht.
Was aber auch nicht heißen soll, es gab solche Fälle nicht.
Ich las heute ja Dein Beispiel einer Ausreise ganz ohne Schikane.

Immer lese ich das Grenzer froh waren, wenn Sie niemals die Waffe auf einen GV richten mußten.
Das glaube ich gerne. Wart ihr aber auch froh, nie einen GV gestellt zu haben ? Na mal ehrlich ?
Wäre es nicht die Kröhnung der Laufbahn als Grenzer gewesen, mal einen echten GV zu stellen ?

Hat man sich als Grenzer, der ja im Dienst viel Zeit zum Nachdenken hatte, auch ab und zu mal
selber ausgemalt, vorgestellt oder wie auch immer, "was wäre das toll so mit Prämie, Beförderung, Anerkennung"
.

Ich bezeichne deine Fragen mal als sehr provokant.
Eines möchte ich dir jedoch sagen,der größte Teil ehem.Grenzer waren nur heilfroh,wenn alles o.V. ablief!
Solche Fragen hat man sich wirklich nicht gestellt.
Auf so eine Idee wäre ich nicht einmal gekommen.
Die "Krönung der Laufbahn" eines GWD-leistenden war einfach nur Gesund und ohne Vorkommnisse nach Hause zu kommen.
Aber vielleicht meldet sich ja hier mal einer,der auf solchen Sch..ß scharf war.
Ich lernte in meiner Kompanie keinen mit solchen Neigungen kennen.
Bei einigen Berufssoldaten sah das schon anders aus.
Da gab es durchaus welche mit einem ausgeprägten "Jagdtrieb" auf "Gnus" und Orden.
2 x selbst mitbekommen,da hat man sich echt geschämt und konnte nur Mitleid mit den Flüchtlingen haben.
Doch zu diesen Themen habe ich in anderen Threads geschrieben.

Siehe hier: Versuchte "Fahnenflucht" während der A-Gruppe (2)

und dort: Eine wahre Geschichte,über eine gescheiterte Flucht


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#38

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 16:51
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Kimble
Also, EK 82/2 das nehme ich Dir nicht ab, wenn Du verharmlosend nur von Papierkram redest, der nur mal so und ohne Nebenwirkungen,einfach zu erledigen gewesen wäre.
Und den man daher hätte in Kauf nehmen sollen/ müssen. Der Vergleich zu heute paßt nicht.
Was aber auch nicht heißen soll, es gab solche Fälle nicht.
Ich las heute ja Dein Beispiel einer Ausreise ganz ohne Schikane.

Immer lese ich das Grenzer froh waren, wenn Sie niemals die Waffe auf einen GV richten mußten.
Das glaube ich gerne. Wart ihr aber auch froh, nie einen GV gestellt zu haben ? Na mal ehrlich ?
Wäre es nicht die Kröhnung der Laufbahn als Grenzer gewesen, mal einen echten GV zu stellen ?

Hat man sich als Grenzer, der ja im Dienst viel Zeit zum Nachdenken hatte, auch ab und zu mal
selber ausgemalt, vorgestellt oder wie auch immer, "was wäre das toll so mit Prämie, Beförderung, Anerkennung".


kimble auch heute sieht aus meiner sicht vieles anders aus und es wünschte sich wirklich keiner eine festnahme obwohl soetwas geschah. auch ich muste mal so eine arme sau bewachen, ein unglücklicher umstand ließ ihn sich verfahren mit einem lkw voll munition ein angehöriger der russischen streitkräfte. am gsz war ende und er hatte freien auslauf in unserem kompaniegelände, ich hatte die geladene mpi um in reichweite auf ihn aufzupassen. als die russen kamen um ihn abzuholen war es wie ein schweinetransporter, er flog einfach hinten auf die pritsche.
auch sehe ich aus heutiger sicht alle die eine flucht damals begingen ohne vorhaten andere menschen zu verletzen als mutig an, aber das ist meine meinung die sicher nicht jeder teilen wird.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#39

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 17:07
von 94 | 10.792 Beiträge

Was Grenzer nach einer, wie es @Kimble nennt, 'Krönung' empfanden, kann man gut beschrieben im erstinstanzlichen Urteils des LG Berlin vom 20. Jänner 1992, Aktenzeichen (523) 2 Js 48/90, auffindbar zum Beispiel in 3-11-017400-6 Seite 25f, nachlesen ...
http://books.google.de/books?id=Sc1U7c0Ut4IC&pg=PA25

@Turtle Frage: Feind oder Gegner? Oder macht das (für Dich) keinen Unterschied?

P.S. Anfrage an die Administration: ist es gewollt, das dieses Thema öffentlich diskutiert wird?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 25.04.2012 17:14 | nach oben springen

#40

RE: Empfindungen

in Grenztruppen der DDR 25.04.2012 17:14
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von 94
Was Grenzer nach einer, wie es @Kimble nennt, 'Krönung' empfanden, kann man gut beschrieben im erstinstanzlichen Urteils des LG Berlin vom 20. Jänner 1992, Aktenzeichen (523) 2 Js 48/90, auffindbar zum Beispiel in 3-11-017400-6 Seite 25f, nachlesen ...
http://books.google.de/books?id=Sc1U7c0Ut4IC&pg=PA25

Anfrage an die Administration: ist es gewollt, das dieses Thema öffentlich diskutiert wird?


@94 seite kann ich nicht aufrufen. aber wird auch nicht so wild sein. wenn kimble den vielen aussagen hier von grenzern nicht glaubt das niemand eine krönung darin sah einen GV festzunehmen kann man ihn auch nicht mehr dazu bringen aus 2 seiten zu betrachten.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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