#121

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 14:30
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von josy95 im Beitrag #118
Zitat von grenzergold im Beitrag #117
Nur mal nebenbei . Der Postverkehr mit der DDR wurde nicht nur überwacht sondern es wurden auch massenhaft Sendungen aus den Verkehr gezogen , beschlagnahmt und vernichtet , von 1956 - 1972 nachweislich in mehr als in 100 Millionen Fällen . Nicht jeder Brief der verlorenging , hatte mit dem MfS zutun .

Da es einige User aus den Altbundesländer gibt , müßte ihnen ja das Gesetz zur Beschränkung des Brief , Post - und Fernmeldegeheimnisses (G-10) bekannt sein . Kürzlich gab es einen Fernsehbeitrag darüber zu sehen .

gg



Alles richtig, auch was im vorhergehenden Beitrag die nicht genehmigte Einfuhr von Arzeneimitteln anbelangt.
Es kommt aber, wie in allen Lebenslagen, immer auf die Verhältnismäßigkeit an! Und die war hier nicht mehr gegeben, weil flächendeclend und ohne konkreten Verdacht vorgegangen wurde. Ein Zustand, der auch jedem Datenschützer heute die Haare zu Berge stehen läßt. Denke da nur an die Voratsdatenspeicherung & Co.!

Und mein lieber @Grenzergold, gerade die Zahl 100 Millionen Fälle von 1956 bis 1972 spricht doch schon Bände!

Wo hast Du die Zahl eigentlich her?

Was rechtmäßig entnommen wurde ist die eine Sache. Was wiederrechtlich entnommen wurde oder (vorsätzlich) zerstört wurde die ganz andere Seite der Medallie! Da wurden besonders in der Vorweihnachtszeit Pakete mit dünnen Nadeln durchstochen, weil man vermutlich es einfach nicht schaffte, alle Pakete oder Päckchen zu öffnen. Dabei wurde vacuumverpackter Kaffee und andere Lebens- und Genußmittel, Kosmetikartikel zerstochen. Unbrauchbar, ungenießbar. Ganz zu schweigen vom übrigen Inhalt der sendung, wenn vorab genanntes auslief.

Und woher ich das weiß? Von den Paketen, Päckchen die unsere Familie damals bekommen haben. Dieser (durchstochene) Zustand war absolut kein Einzelfall! Unsere Sippschaft schickte später auch nur noch Pakete, um einen Nachweis für Schgadenersatz gegenüber der Bundespost in der Hand zu haben. Es verschwanden nämlich besonders gern Päckchen auf nimmer Wiedersehen! Und ohne, das irgendetwas Verbotenes darin war!

Möchte damit nochmals darlegen, das es rechtlich schon extrem grenzlastig ist, eine derartige flächendeckende Postkontrolle durchzuführen. Im Grunde doch nur, um den damaligen DDR Bürger unter direkter Kontrolle zu haben, jede Kritik, jede gegenteilige Auffassung im Keim zu ersticken. Jeden Zweifel am System des Alleinherschaftsanspruches der SED, propagandistisch getarnt als angeblichen Sozialismus von vornherein auszuschalten.

Wirklich echt grenzlastig...


josy95


Der von uns getrennt lebende Teil unserer Familie legte immer so eine Art Inhaltsliste bei.
Meist kam die auch mit an, wurden ja nur unverbotene Dinge geschickt.
Einmal sollte ich eine Schallplatte erhalten und die war gut umhüllt dem Paket beigelegt, da war allerdings dann die besagte Inhaltsliste verschwunden und die Platte rausgeklaut.


zuletzt bearbeitet 10.12.2012 14:35 | nach oben springen

#122

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 14:58
von grenzergold | 187 Beiträge

Habe eine komplette Anlage (Receiver,Kassettendeck,Boxen,Plattenspieler) geschickt bekommen ohne Verlust.Schallplatten sind immer angekommen. Selbst als ich in Bad Brambach ( im Karlex ) kontrolliert wurde , habe ich die Nina Hagen Platte wiederbekommen .
gg


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#123

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 15:08
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #120
Zitat von Hackel39 im Beitrag #116
Zitat von DoreHolm im Beitrag #93
Was die Kontrolle von Postsendungen betrifft, hatte meine Mutter damals gesagt, daß peniebel genau aufgelistet wird, wenn die Sendung Dinge enthielt, die vom Postversand ausgenommen waren. Dazu gehörten z.B. nicht genehmigte Arznbeimittel und Zeitschriften. Ob Bargeld dazugehörte, weiß ich nicht. Jedenfalls verschwand es nicht "irgendwie einfach". Der Empfänger wurde benachrichtigt, daß etwas entnommen wurde. So hat es uns meine Mutter erzählt, die eine zeitlang beim Zoll gearbeitet hatte. Ich denke, wenn Geld einfach so ohne Benachrichtigung des Empfängers verschwunden ist, dann war es in jedem Fall auch nach DDR-Recht verboten und die/der Mitarbeiter, der sowas tat, wurde gemaßregelt oder entlassen. Also so einfach, wie es sich hier einige in ihrer Argumentation machen, war es nun doch nicht.


Daß Arzneimittel nicht genehmigt wurden, hatte mitunter auch gewichtige Gründe.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...n-a-853259.html
Der Contergan- Skandal der Grünenthal AG hat wohl auch in der DDR- Opfer gebracht (acht Fälle sind dokumentiert) ,http://www.chemie.de/lexikon/Thalidomid.html#_ref-1/ (Nachweis Nr. 6) so gesehen hatten diese Kontrollen auch eine ethische Kategorie, wenngleich das nicht unbedingt primäres Anliegen der Stasi war.


Unter diesem Gesichtspunkt ist die restriktive Haltung gegen Arzneimitteleinfuhren verständlich. Wenn man aber andererseits liest, dass DDR Bürger in Krankenhäusern als Versuchskaninchen für Arzneimittelfeldversuche herhalten mussten, halte ich diese Gründe für vorgeschoben.
Jendefalls war diese Stasipostkontrolle eine Bande von Dieben, nichts weiter. Mich haben sie auch bestohlen, ich konnte auch Pakete auf der Verlustseite abbuchen.





...und man hat ja sicherlich auch nützliche Medikamente aussortiert, die sollten in der Überzahl gewesen sein....



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#124

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 15:18
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #120
Mich haben sie auch bestohlen, ich konnte auch Pakete auf der Verlustseite abbuchen ...

... und trotzdem steuermindernd geltend machen?



Ansonsten wurde ein Inhaltsverzeichnis erwähnt. War dieses bei 'Geschenksendung, keine Handelsware' nicht sogar vorgeschrieben? Und wurden bei Unstimmigkeiten nicht gleich die ganze Sendung aus dem Verkehr gezogen. Das mit den Teillieferungen ist jetzt neu, oder brauchten die für die Ladenkombinate dann doch nicht jeden Sch... (das war jetzt ironisch *wink*)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#125

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 15:27
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Hab ja geschrieben, nicht beschlagnahmt sondern, vermutlich, geklaut.
Wer weiß auf welchem Plattenteller sich meine Led Zeppelin-Scheibe drehen durfte


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#126

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 15:42
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Frage an die Insider: Hatten DDR-Zollbeamte die Möglichkeit beschlagnahmte Westware zu kaufen?


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#127

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 16:36
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #120
Zitat von Hackel39 im Beitrag #116


Daß Arzneimittel nicht genehmigt wurden, hatte mitunter auch gewichtige Gründe.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...n-a-853259.html
Der Contergan- Skandal der Grünenthal AG hat wohl auch in der DDR- Opfer gebracht (acht Fälle sind dokumentiert) ,http://www.chemie.de/lexikon/Thalidomid.html#_ref-1/ (Nachweis Nr. 6) so gesehen hatten diese Kontrollen auch eine ethische Kategorie, wenngleich das nicht unbedingt primäres Anliegen der Stasi war.


Unter diesem Gesichtspunkt ist die restriktive Haltung gegen Arzneimitteleinfuhren verständlich. Wenn man aber andererseits liest, dass DDR Bürger in Krankenhäusern als Versuchskaninchen für Arzneimittelfeldversuche herhalten mussten, halte ich diese Gründe für vorgeschoben.
Jendefalls war diese Stasipostkontrolle eine Bande von Dieben, nichts weiter. Mich haben sie auch bestohlen, ich konnte auch Pakete auf der Verlustseite abbuchen.






Trotzdem nicht verstaendlich. Wie im Fall von Contergan hat die Regierung die Pflicht, wenn so ein Skandal auffliegt, die Buerger darueber zu warnen und aufzuklaeren. Was man aber am Ende aber zu sich nimmt muss jeder Buerger selbst entscheiden.
Massenhaft Postkontrollen durchzufuehren weil das eine oder andere Paket solche Medikamente enthalten koennte lassen sich nicht mit Rechtsstaatlichkeit vereinbaren.


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#128

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 16:57
von passport | 2.626 Beiträge

Absender: Eisenacher

Frage an die Insider: Hatten DDR-Zollbeamte die Möglichkeit beschlagnahmte Westware zu kaufen?


kurz und knapp : Nein



passport


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#129

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 16:58
von Grenzverletzerin (gelöscht)
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Meine Briefe in und aus dem Westen wurden ausnahmslos alle von den entsprechenden Organen gelesen und dokumentiert. Ich habe mich immer gefragt, warum. So ein kleines Rädchen im Getriebe DDR...

Mit Paketen und deren Inhalt hatte ich bis auf einmal immer Glück. Das Inhaltsverzeichnis war m.E. Pflicht und so war meist auch alles vollständig bei mir eingegangen. Einmal bekam ich von der Post eine Karte, ich möge bitte mit großen Taschen kommen, da mein Paket beschädigt wäre. Nun gut, beschädigt war in diesem Zusammenhang leicht untertrieben. Der Karton war als das nicht mehr erkenntlich, alles war in Kisten verteilt worden und das Inhaltsverzeichnis fehlte. Ich sollte dann mit meiner Unterschrift bestätigen, dass ich alles vollständig erhalten habe. Ich weigerte mich natürlich, da ich ja nicht wusste, ob mir alles vollständig übergeben wurde. Letztendlich musste alles detailliert aufgeführt werden- die Postfrau hat mich bestimmt verflucht. Im Nachhinein stellte sich raus, das Einiges fehlte.

Was ich als sehr schlimmes Erlebnis in Erinnerung habe, war ein Treffen mit Freunden aus der Bundesrepublik, an der Autobahnraststätte Michendorf (Transit nach Westberlin). Ich war 16 und die Mutter meines damaligen Freundes war bereit uns zu fahren. Meine West-Freunde bat ich, mir bloß nichts mitzubringen, da mir schon bewusst war, ich werde dort überwacht...wir hatten uns brieflich verabredet, s.o.. Ich hatte meine Freunde lange nicht gesehen und so habe ich mich sehr auf dieses Treffen gefreut. Sie hatten die DDR über Ausreiseantrag verlassen. Meine Freundin zog mich gleich ins Auto und sagte, zieh die Stiefel an und lass deine Schuhe bei uns im Auto, ich schmeiße sie dann weg. Nach dem Treffen hatte wir beschlossen uns noch einen netten Tag in Potsdam zu machen...immerhin waren wir für dieses Treffen fast 300 km gefahren. Als wir die Raststätte verließen, war uns sehr schnell klar...hier kommt noch was nach. Vor uns der PKW und hinter uns...merkwürdig...fast wie im Krimi. Als wir die Abfahrt Potsdam nahmen, überholte uns der hintere und die Kelle kam. Ich dufte mich dann in das Fahrzeug der Genossen setzen und das Verhör begann. Drei Personen waren es. Einer bewegte sich in unser Fahrzeug, einer verhörte mich und eine Frau holte ihre Schreibmaschine raus und tippte fleißig mit. Das Verhör ging eine Stunde und es kamen die üblichen Fragen. Die Stiefel wurden mir weggenommen...man hatte es beobachtet. Fragen über Fragen...aber keine Antworten. Letztendlich durften wir weiterfahren...es gab schlimmeres als barfuß zu sein. Später habe ich mich schriftlich in Berlin darüber beschwert. Mir wurde mitgeteilt, die Stiefel wurden nicht beschlagnahmt sondern entzogen.

Der Aufwand welcher da betrieben wurde und diese Akribie...welche Gelder verschwendet wurden...für ein 16jähriges Mädchen...ich kann es bis heute nicht nachvollziehen!! Hatte die DDR keinen anderen Probleme? Aber eins haben sie geschafft, Angst zu schüren und einen wissen zu lassen...wir sind immer da!!


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#130

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:03
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #127
Zitat von Gert im Beitrag #120
Zitat von Hackel39 im Beitrag #116


Daß Arzneimittel nicht genehmigt wurden, hatte mitunter auch gewichtige Gründe.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...n-a-853259.html
Der Contergan- Skandal der Grünenthal AG hat wohl auch in der DDR- Opfer gebracht (acht Fälle sind dokumentiert) ,http://www.chemie.de/lexikon/Thalidomid.html#_ref-1/ (Nachweis Nr. 6) so gesehen hatten diese Kontrollen auch eine ethische Kategorie, wenngleich das nicht unbedingt primäres Anliegen der Stasi war.


Unter diesem Gesichtspunkt ist die restriktive Haltung gegen Arzneimitteleinfuhren verständlich. Wenn man aber andererseits liest, dass DDR Bürger in Krankenhäusern als Versuchskaninchen für Arzneimittelfeldversuche herhalten mussten, halte ich diese Gründe für vorgeschoben.
Jendefalls war diese Stasipostkontrolle eine Bande von Dieben, nichts weiter. Mich haben sie auch bestohlen, ich konnte auch Pakete auf der Verlustseite abbuchen.






Trotzdem nicht verstaendlich. Wie im Fall von Contergan hat die Regierung die Pflicht, wenn so ein Skandal auffliegt, die Buerger darueber zu warnen und aufzuklaeren. Was man aber am Ende aber zu sich nimmt muss jeder Buerger selbst entscheiden.
Massenhaft Postkontrollen durchzufuehren weil das eine oder andere Paket solche Medikamente enthalten koennte lassen sich nicht mit Rechtsstaatlichkeit vereinbaren.


Ja Wanderer ist ja richtig, darum ging es den Posträubern ja auch nicht in der Hauptsache und zum Zeitpunkt der Medikamentenentnahme wußte ja wohl auch noch niemand, was das für ein Gefahrgut war.
Es ging hier ausschließlich um DDR- Bürger, die sich das hatten schicken lassen,was an sich ja ganz schön riskant ist, ohne den Rat des eigenen Arztes irgendwas einzunehmen, nur weil es aus dem Westen ist.
Es ist ja nicht mal auszuschließen, daß es die "Nachverwerter" ihrerseits wieder in den Umlauf gebracht haben, dann wirds ganz verrückt, es geht aber eigentlich am Thema vorbei.



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#131

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:04
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #124
Zitat von Gert im Beitrag #120
Mich haben sie auch bestohlen, ich konnte auch Pakete auf der Verlustseite abbuchen ...

... und trotzdem steuermindernd geltend machen?



Ansonsten wurde ein Inhaltsverzeichnis erwähnt. War dieses bei 'Geschenksendung, keine Handelsware' nicht sogar vorgeschrieben? Und wurden bei Unstimmigkeiten nicht gleich die ganze Sendung aus dem Verkehr gezogen. Das mit den Teillieferungen ist jetzt neu, oder brauchten die für die Ladenkombinate dann doch nicht jeden Sch... (das war jetzt ironisch *wink*)



natürlich, mit dem doppelten Pauschbetrag


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#132

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:18
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #129
Meine Briefe in und aus dem Westen wurden ausnahmslos alle von den entsprechenden Organen gelesen und dokumentiert. Ich habe mich immer gefragt, warum. So ein kleines Rädchen im Getriebe DDR...

Mit Paketen und deren Inhalt hatte ich bis auf einmal immer Glück. Das Inhaltsverzeichnis war m.E. Pflicht und so war meist auch alles vollständig bei mir eingegangen. Einmal bekam ich von der Post eine Karte, ich möge bitte mit großen Taschen kommen, da mein Paket beschädigt wäre. Nun gut, beschädigt war in diesem Zusammenhang leicht untertrieben. Der Karton war als das nicht mehr erkenntlich, alles war in Kisten verteilt worden und das Inhaltsverzeichnis fehlte. Ich sollte dann mit meiner Unterschrift bestätigen, dass ich alles vollständig erhalten habe. Ich weigerte mich natürlich, da ich ja nicht wusste, ob mir alles vollständig übergeben wurde. Letztendlich musste alles detailliert aufgeführt werden- die Postfrau hat mich bestimmt verflucht. Im Nachhinein stellte sich raus, das Einiges fehlte.

Was ich als sehr schlimmes Erlebnis in Erinnerung habe, war ein Treffen mit Freunden aus der Bundesrepublik, an der Autobahnraststätte Michendorf (Transit nach Westberlin). Ich war 16 und die Mutter meines damaligen Freundes war bereit uns zu fahren. Meine West-Freunde bat ich, mir bloß nichts mitzubringen, da mir schon bewusst war, ich werde dort überwacht...wir hatten uns brieflich verabredet, s.o.. Ich hatte meine Freunde lange nicht gesehen und so habe ich mich sehr auf dieses Treffen gefreut. Sie hatten die DDR über Ausreiseantrag verlassen. Meine Freundin zog mich gleich ins Auto und sagte, zieh die Stiefel an und lass deine Schuhe bei uns im Auto, ich schmeiße sie dann weg. Nach dem Treffen hatte wir beschlossen uns noch einen netten Tag in Potsdam zu machen...immerhin waren wir für dieses Treffen fast 300 km gefahren. Als wir die Raststätte verließen, war uns sehr schnell klar...hier kommt noch was nach. Vor uns der PKW und hinter uns...merkwürdig...fast wie im Krimi. Als wir die Abfahrt Potsdam nahmen, überholte uns der hintere und die Kelle kam. Ich dufte mich dann in das Fahrzeug der Genossen setzen und das Verhör begann. Drei Personen waren es. Einer bewegte sich in unser Fahrzeug, einer verhörte mich und eine Frau holte ihre Schreibmaschine raus und tippte fleißig mit. Das Verhör ging eine Stunde und es kamen die üblichen Fragen. Die Stiefel wurden mir weggenommen...man hatte es beobachtet. Fragen über Fragen...aber keine Antworten. Letztendlich durften wir weiterfahren...es gab schlimmeres als barfuß zu sein. Später habe ich mich schriftlich in Berlin darüber beschwert. Mir wurde mitgeteilt, die Stiefel wurden nicht beschlagnahmt sondern entzogen.

Der Aufwand welcher da betrieben wurde und diese Akribie...welche Gelder verschwendet wurden...für ein 16jähriges Mädchen...ich kann es bis heute nicht nachvollziehen!! Hatte die DDR keinen anderen Probleme? Aber eins haben sie geschafft, Angst zu schüren und einen wissen zu lassen...wir sind immer da!!


Neben meinen "regulären" Briefwechseln mit der Cousine und der übrigen Verwandtschaft hatte ich irgendwann Mitte der 1980er Jahre auch mal Post von einem Kameraden aus dem Kinderkurheim Kraushübel (Mörgenröthe- Rautenkranz) bekommen, mit dem ich mich nach der Kur regelmäßig geschrieben hatte, der dann aber den Briefkontakt abgebrochen hatte.
In seinem ersten Brief nach dieser Pause berichtete er davon, nun "außer Landes" zu sein und inzwischen in Westberlin zu wohnen.
Das war eigentlich nichts für den Genossen Hackel, er hielt den Briefkontakt aus purer Neugier aber aufrecht...bloß nichts falsches schreiben....und so kam es, daß er sich in Prag mit mir treffen wollte und da zeigte sich, was ich doch für ein Schißling war.
Ich fuhr natürlich nicht nach Prag, um mich mit einem offensichtlichen Ausreiser/ Republikflüchtigen zu treffen, da mich anderes auch mißtrauisch machte.
Er berichtete, im Bw Sangerhausen gearbeitet zu haben vor seinem Fortgang, aber niemand kannte ihn dort, ich war vollkommen ratlos, wie das zu bewerten war.
Nach dem, was Du schreibst, könnte ich mir sehr gut vorstellen,daß ich in Prag auch eine Kelle bekommen hätte, wenngleich die Geschichte aber nicht 100%ig vergleichbar ist.
Aufklären konnte ich das nicht mehr, da ich von diesem Zeitgenossen nie mehr etwas zu hören bekam.



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#133

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:25
von eisenringtheo | 9.157 Beiträge

Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #129
(...)Mir wurde mitgeteilt, die Stiefel wurden nicht beschlagnahmt sondern entzogen.

Der Aufwand welcher da betrieben wurde und diese Akribie...welche Gelder verschwendet wurden...für ein 16jähriges Mädchen...ich kann es bis heute nicht nachvollziehen!! Hatte die DDR keinen anderen Probleme? Aber eins haben sie geschafft, Angst zu schüren und einen wissen zu lassen...wir sind immer da!!


Eingezogen
http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafgesetzbuch74.htm
§ 56. Einziehung von Gegenständen.
(1) Gegenstände, die zu einer vorsätzlichen Straftat benutzt werden oder zur Benutzung bestimmt sind oder die durch eine solche Tat erlangt oder hervorgebracht werden, können eingezogen werden. Sind solche Gegenstände veräußert worden, kann auch ihr Erlös eingezogen werden. Die eingezogenen Gegenstände werden mit Rechtskraft des Urteils Volkseigentum.
(2) Gegenstände, die in sozialistischem Eigentum stehen, sowie Gegenstände, deren Einziehung vom Gesetz durch andere Organe vorgesehen ist, unterliegen nicht der gerichtlichen Einziehung.


Wer die wohl bekommen hat? Der Nachwuchs von Politbüromitgliedern?
Theo


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#134

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:32
von passport | 2.626 Beiträge

Absender: eisenringtheo

Wer die wohl bekommen hat? Der Nachwuchs von Politbüromitgliedern?
Theo


kurz und knapp : Nein


passport


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#135

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:43
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #109

"Die Arbeitsweise der Abteilung M war wie folgt: Grundsätzlich war die Übergabe der gesamten Post an die Stasi der Bearbeitung durch die Deutsche Post vorgeschaltet. Die Abteilung M sortierte die aufgrund der Adresse oder äußeren Merkmale verdächtigen Briefe aus, öffnete diese, kopierte und untersuchte sie gegebenenfalls und verschloss sie anschließend wieder - möglichst, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Konkrete Fahndungsaufträge wurden von den operativen Abteilungen (z.b. Linie XX) erteilt. Erst nach der Kontrolle durch das MfS, das innerhalb der Post unter der Tarnbezeichnung „Stelle 12“ firmierte, gingen die Sendungen ihren vorgesehenen Weg - sofern sie nicht einbehalten wurden. "


Ist die Quellenangabe versehentlich unterlassen worden, oder... ?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#136

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:47
von eisenringtheo | 9.157 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #133

Wer die wohl bekommen hat? Der Nachwuchs von Politbüromitgliedern?
Theo


War natürlich nur ein Witz. Aber nun ernsthaft: Wie wurden haltbare Gegenstände verwertet? Welche Firma, welche Organisation hat sie der Volkswirtschaft, dem Handel usw. zugeführt?
http://www.zoll-auktion.de/auktion/
Theo


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#137

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:47
von passport | 2.626 Beiträge

- Eingezogene oder beschlagnahmte Artikel wurden ca. 6 Wochen
- Eingezogene oder beschlagnahmte Zeitungen oder Bücher wurden ca. 8 Wochen
in den Asservatenkammern des Zolls eingelagert.
ausgenommen waren leicht verderbliche Waren, die wurden sofort zur Vernichtung freigegeben.
Waffen, Munition, Sprengstoffe und pyrotechnische Erzeugnisse wurden an die PKE übergeben.

Nach Ablauf der Frist in der Asservatenkammer wurden die Gegenstände oder Artikel der Volkswirtschaft zugeführt. Das Ziel der Verwertung war,
einen hohen materiellen Nutzeffekt zu erreichen.

passport


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#138

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 17:48
von 94 | 10.792 Beiträge

Ach FED, bitterschön ... http://www.runde-ecke-leipzig.de/sammlun...tz.php?w=w00054


Zitat von eisenringtheo im Beitrag #133
Wer die wohl bekommen hat? Der Nachwuchs von Politbüromitgliedern?
Zitat von passport im Beitrag #134
kurz und knapp : Nein

Stimmt, da wurde dann wohl der zweite Absatz des erwähnten Paragrafen in Anwendung gebracht?

(2) Gegenstände [...] deren Einziehung vom Gesetz durch andere Organe vorgesehen ist, unterliegen nicht der gerichtlichen Einziehung.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#139

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 18:02
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #129
Meine Briefe in und aus dem Westen wurden ausnahmslos alle von den entsprechenden Organen gelesen und dokumentiert. Ich habe mich immer gefragt, warum. So ein kleines Rädchen im Getriebe DDR...

... ein Treffen mit Freunden aus der Bundesrepublik, an der Autobahnraststätte Michendorf (Transit nach Westberlin). Ich war 16 und die Mutter meines damaligen Freundes war bereit uns zu fahren. Meine West-Freunde bat ich, mir bloß nichts mitzubringen, da mir schon bewusst war, ich werde dort überwacht...wir hatten uns brieflich verabredet, s.o.. Ich hatte meine Freunde lange nicht gesehen und so habe ich mich sehr auf dieses Treffen gefreut. Sie hatten die DDR über Ausreiseantrag verlassen. Meine Freundin zog mich gleich ins Auto und sagte, zieh die Stiefel an und lass deine Schuhe bei uns im Auto, ich schmeiße sie dann weg. Nach dem Treffen hatte wir beschlossen uns noch einen netten Tag in Potsdam zu machen...immerhin waren wir für dieses Treffen fast 300 km gefahren. Als wir die Raststätte verließen, war uns sehr schnell klar...hier kommt noch was nach. Vor uns der PKW und hinter uns...merkwürdig...fast wie im Krimi. Als wir die Abfahrt Potsdam nahmen, überholte uns der hintere und die Kelle kam. Ich dufte mich dann in das Fahrzeug der Genossen setzen und das Verhör begann. Drei Personen waren es. Einer bewegte sich in unser Fahrzeug, einer verhörte mich und eine Frau holte ihre Schreibmaschine raus und tippte fleißig mit. Das Verhör ging eine Stunde und es kamen die üblichen Fragen. Die Stiefel wurden mir weggenommen...man hatte es beobachtet. Fragen über Fragen...aber keine Antworten. Letztendlich durften wir weiterfahren...es gab schlimmeres als barfuß zu sein. Später habe ich mich schriftlich in Berlin darüber beschwert. Mir wurde mitgeteilt, die Stiefel wurden nicht beschlagnahmt sondern entzogen.

Der Aufwand welcher da betrieben wurde und diese Akribie...welche Gelder verschwendet wurden...für ein 16jähriges Mädchen...ich kann es bis heute nicht nachvollziehen!! Hatte die DDR keinen anderen Probleme? Aber eins haben sie geschafft, Angst zu schüren und einen wissen zu lassen...wir sind immer da!!


Auch ein kleines Sandkorn kann ein Getriebe ins stottern bringen, hier hatten jedoch die Ingenieure selbst den größten Anteil am Versagen. Weiterhin kann ich Dir versichern dass man die Transitstrecken nun nicht ausgerechnet wegen Dir überwacht hat, sondern allgemein. Wenn man sich dann noch so dämli... und auffällig anstellt, dann muss man sich nicht wundern wenn man anfällt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#140

RE: Stasi - Ein Volk unter Kontrolle

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.12.2012 18:07
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote=Hackel39|

(Zitat @Hackel Auszug)


Eines war aber noch viel schlimmer im Zusammenhang mit einbehaltenen Sendungen, insbesondere den Geldgeschenken und das hatte nicht mal in jedem Fall mit der Stasi zu tun.
In meiner Gemeinde gab es hintereinander drei Zustellerinnen, die der widerrechtlichen Entnahme von Paketsendungen und Bargeld überführt worden sind, die erste hatte gar 4,5 Jahre Haft bekommen und zahlreiche Familienkontakte schwer gestört.
Man muß sich mal vorstellen, wenn der Beschenkte andauernd behauptet, es sei nichts angekommen, da ja die geschulte Posträuberin am Ende systematisch vorgehen konnte und genau wußte, wo etwas zu holen ist, einfach nur pervers.
Ältere Mitstreiter aus meiner Schule erzählten später immer mal davon, daß sie sich wunderten, daß der Sohn dieser Frau dauernd neue Westklamotten am Leibe hatte und pausenlos mit Kugelgaugummis um sich werfen konnte.
Wo sollten sich die Opfer nun aber beschweren, wo sollten sie die z.T. widerrechtlich zugesandten und abgefangenen Waren zurück verlangen ?
Es ist auch nicht auszuschließen, daß jene Gefängnisstrafe (für die man heute schon jemanden totschlagen müßte) auch eine Ansage der "zuständigen Organe" war, denen nicht das Geschäft zu versauen.[/quote]


@Hackel39, genau so einen ähnlichen Fall gab es Ende der 70-er hier in Ilsenburg auch. Die gute Dame war Chefin der Paketkammer des hiesigen Postamtes. Bei ihr waren es hauptsächlich Päckchen (wegen der damals kaum möglichen Nachweisführung, kein Einlieferungsbeleg..., nix was der Absender in der Hand hatte), die sie verschwinden ließ. Wie die Sache aufflog, sie soll ein besseres Warenlager als mancher Intershop gehabt haben. Ist auch einige Jahre dafür brummen gegangen - mit Recht! Für den Rest ihrer Familie war es megapeinlich, obwohl einige Angehöhrige ja zweifelsohne von ihrer Kleptomanie profitiert haben. Sie ist ja noch existent und hat seit dem den Spitznamen "Claudia" weg... Obwohl dies wiederum nichts mit dem eigentlich sehr schönen weiblichen Vornamen zu tun hat, aber Spitznamensgeber sind nun mal auch einfallsreich!

Zu verschwundenem Geld aus Briefen ein andermal mehr!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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