#361

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:11
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Die "guten Seiten" des privaten Alltags werden dem Staat DDR gutgeschrieben. Wo die persönlichen Lebensumstände nicht als unmittelbar bedrohlich empfunden wurden (oder in der Rückschau gar zur Idylle verklärt werden), wie dies für die Mehrheit der DDR-Bürger der Fall war, ist auch das Meinungsbild über den Gesamtcharakter der damaligen staatlichen Wirklichkeit gespalten: Einer Umfrage von März 2009 zufolge lehnen 41 Prozent der Ostdeutschen den Begriff Unrechtsstaat ab. 28 Prozent halten ihn als Bezeichnung der DDR für zutreffend. 25 Prozent ("teils teils") sind schwankend (Institut für Marktforschung Leipzig, März 2009). Das bedeutet andererseits nicht, dass man im gleichen Atemzug auch das politische System der DDR im Nachhinein gutheißt: 85 Prozent der Ostdeutschen von heute sind "stolz auf die friedliche Überwindung der SED-Herrschaft" (Emnid-Umfrage 4/2009). In Leserforen der ostdeutschen Presse kommt diese zwischen Identifikation und Abwendung schwankende Grundeinstellung zum Ausdruck: Von erinnerten subjektiven Erfahrungen auf den objektiven Charakter des Systems der DDR zu schließen, verzerrt den Blick auf die historische Wirklichkeit. Wohl bot der Alltag in der DDR viele private Nischen, die für ihre Bewohner durchaus Positives zu bieten hatten.
http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-ei...chtsstaat?p=all


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zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:13 | nach oben springen

#362

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:13
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #338
Zitat von 94 im Beitrag #326
Zitat von Feliks D. im Beitrag #323
Warum nicht, aber ich trink jetzt lieber in Gesellschaft 1-2 leckere Salvator bei schöner Blasmusik.

Sachma FED, mal direkt gefragt, mit wem?! Ich meine soweit ist ja Vienna nicht weg und am Ende hockste jetzt mit dem Nasenborer in irgendeiner Boiz und lachst Dich scheckig. Oder mal noch direkter gefragt, an Beide: Ihr scheint ja nun nicht unbewandert in Belangen der Jurisdiction, wieso geht ihr Euch in diesem Forum so offensichtlich aus dem Weg?


MA janz offensichtlich und mein erster Beitrag mit mindestens 1,8 Promille war ich mit paar studierten Informatikern und einem Computerlinguisten die mir unterstellt sind am Nockerberg ordentlich einen Heben. 2 Maß Salvator Starkbiet und 5 Helle. Zum Glück bessert T9 die gröbsten Sxhnitzer aus, Ziel soll es mir sein morgen ab 6.30 Uhr wieder meine Abteilubng zu führen.

Wie sagt Bruder Tak ähhh Reinmann immer, man liest sich.


P.S. Wer Fehler findet darf sie behalten oder Apple melden..


Menno Feliks, jetzt fang bloß nicht an zu menscheln...sonst muss ich mir ein neues Feinbild suchen !


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:23 | nach oben springen

#363

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:14
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Kann mich noch an Bestrebungen erinnern, wo Seitens der obersten Politiker sogar schon von einer eigenen DDR-Nationalität geschwafelt wurde. Das war für mich auch damals schon ein Zeichen für die Weltfremdheit einiger Leutchen da oben. Mit der Nationalität "deutsch" hatte ich zu keiner Zeit ein Problem, auch nicht als DDR-Bürger. Hingegen habe ich sowas vor ca. 2 Jahren mal bei einer Lesung eines "Anti-Sarrazin" in Erfurt gehört. Ein Prof. Alt... o.s.ä. stellte da seine Anti-Thesen vor. Da sagte doch eine entschiedene Sarrazin-Gegnerin, daß sie Probleme damit hätte, beim Ausfüllen eines Fragebogens unter der Frage nach "Nationalität" dann "deutsch" einzutragen.



zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:18 | nach oben springen

#364

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:17
von ddr-bürger (gelöscht)
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@schuddelkind

stimmt viele wollten die damalige "SED Herrschaft" nicht mehr, aber wie viele wollten die BRD?

Dein Beitrag verleugnet sich doch selber, auf der einen Seite 85 % die das böööse Regime nicht mehr wollten, auf der anderen seite sehen die "Ehemaligen" den Staat nicht als Unrechtsstaat weil es Ihnen in ihren subjektiven guten Erinnerungen so gut ging und sie darüber den objektiven Unrechtsstaat nicht sehen wollen.....


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#365

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:19
von schnatterinchen (gelöscht)
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@grenzgaengerin

welches sind denn nun die besonderen schützenswerten Attribute der ostdeutschen Identität?


zuletzt bearbeitet 15.03.2013 11:21 | nach oben springen

#366

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:21
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #365
@grenzgaengerin

welches sind denn nun die besonderen schützenswerten Atribute der ostdeutschen Identität?



Ich denke, das muß jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn da schützenswert ist. Da wird die Spanne von Null - Komma - Nichts bis 99, xxx reichen. 100% wird es nicht geben, vermute ich. Das Maximum wird sich wohl bei 40 - 60% bewegen.



zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:22 | nach oben springen

#367

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:29
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #364
@schuddelkind

stimmt viele wollten die damalige "SED Herrschaft" nicht mehr, aber wie viele wollten die BRD?

Dein Beitrag verleugnet sich doch selber, auf der einen Seite 85 % die das böööse Regime nicht mehr wollten, auf der anderen seite sehen die "Ehemaligen" den Staat nicht als Unrechtsstaat weil es Ihnen in ihren subjektiven guten Erinnerungen so gut ging und sie darüber den objektiven Unrechtsstaat nicht sehen wollen.....


Lieber DDR-Bürger, interessant wären Vergleiche derartiger Statistiken, kurz nach der Wende und aus heutiger Sicht. Da spielt Enttäuschung, Nichtwissen und Verklärung eine nicht unbedeutende Rolle.


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#368

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:30
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Hier mal eine Einschätzung, wie ein Jurist die Sache sieht. Zugegeben, harter Stoff, aber es lohnt sich mal den gesamten Link durchzulesen. Hier nur mal ein "kleiner" Auschnitt:
Die DDR – ein Unrechtsstaat?
Die Merkmale 1 bis 3 der Unrechtsstaatlichkeit erfüllte die DDR ohne Frage. Sie hat zumindest durch ihr Grenzregime zeitgebundene Grunderwartungen und die rechtlichen Standards vieler Beobachter stark enttäuscht. „Mauer und Stacheldraht“ quer durch ein kulturell und wirtschaftlich renommiertes mitteleuropäisches Land haben in der ganzen Welt Beachtung gefunden und ganz überwiegend Empörung ausgelöst. Insbesondere dürfte die Erwartungshaltung an einen „sozialistischen“, angeblich dem moralischen Fortschritt und einer leuchtenden Zukunft zugewandten Staat bei vielen Beobachtern anders ausgesehen haben. Gleichzeitig enttäuschte das Grenzregime der DDR nicht nur die westlichen rechtlichen Standards extrem: Das Verlassen des eigenen Staatsterritoriums für die gesamte Bevölkerung eines Landes militärisch zu sanktionieren, war und ist außerhalb der kommunistischen Welt ohne Beispiel. (Allerdings liegen derzeit restriktive Grenzregime sehr im Trend, die Menschen am Betreten bestimmter Staatsterritorien hindern. Aber das wird wahrscheinlich inzwischen niemandes Grunderwartungen mehr enttäuschen.) Hingegen vermochte die übrige Staatspraxis der DDR – trotz Stasiterrors und politischer Justiz – kaum jemals einen solchen Grad der Enttäuschung auszulösen wie das Grenzregime. Das Spitzelwesen und eine obrigkeitshörige Justiz entsprechen – neben einer in vielen Ländern der Welt bis heute üblichen Praxis – auch der westlichen politischen Tradition und wurden erst durch allmählich zunehmende Rechts- und Verfassungsstaatlichkeit schrittweise zurückgedrängt. Daher nahm sie vermutlich kaum jemand als extreme Verletzung der eigenen Standards wahr.
Kurz fassen kann ich mich bei der Frage der Nichtrechtsstaatlichkeit der DDR. Selbstverständlich fehlten ihr wesentliche Merkmale der Rechtsstaatlichkeit. Sie stellte eine Rechtsordnung auf, garantierte diese aber nicht der gesamten Bevölkerung, sondern setzte sich gegenüber Andersdenkenden und Ausreisewilligen über sie hinweg. Es gab keine Trennung der Staatsgewalten, Voraussetzung der Staatsordnung war gem. Art. 1 S.2 DDR-Verfassung der Vorrang der Partei. Die Gewährung persönlicher Grundrechte war zwar verfassungsrechtlich garantiert, in der Praxis aber oft nicht erreicht. Die meisten Grundrechte standen unter dem Vorbehalt der gesellschaftlichen Erfordernisse, womit sie vom Staat leicht unterlaufbar waren. Das selbst gesetzte Recht und sogar fundamentale eigene Verfassungsprinzipien beugte der Staat durch seine Rechtsprechung und die Praxis der Staatssicherheit regelmäßig.
Auch hat die DDR systematisch unerträgliches Unrecht produziert, wenn auch nicht unbedingt von einer universellen räumlich-kulturellen Ebene aus betrachtet. Mit dem in der DDR begangenen Unrecht wurde weder die Rechtspersonalität von Menschen bestritten (im Gegensatz etwa zum „Dritten Reich“) noch erfolgte es willkürlich (im Gegensatz etwa zur Sowjetunion unter Stalin oder zu China unter Mao, wo „Säuberungen“ nach dem Zufallsprinzip allein zur Abschreckung stattgefunden haben.) Jedoch ist unerträgliches Unrecht nach den Maßstäben ihres rechtskulturellen Umfelds aufgrund zahlreicher Verstöße gegen die Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention anzunehmen, die von der DDR sogar ausdrücklich anerkannt wurden. Z.B. verletzte die Verurteilung und Inhaftierung politischer Häftlinge wegen Äußerung ihrer abweichenden politischen Meinung nach den einschlägigen DDR-Strafgesetzen in maßgeblicher Weise deren Recht auf Freiheit und Sicherheit (Art. 5 EMRK), die regelmäßig praktizierte Folter in DDR-Gefängnissen verletzte das Folterverbot in Art. 3 EMRK und die politisch-ideologisch motivierten Rechtsbeugungen widersprachen dem Anspruch der Verurteilten auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht gem. Art. 6 Abs. 1 S.1 EMRK. Die Zugangsverweigerung für Andersdenkende und Ausreisewillige (bzw. deren Angehörige) zu höheren Bildungseinrichtungen aus politischen Gründen verletzte deren Recht auf Bildung gem. Art. 2 des Zusatzprotokolls I der EMRK sowie das Diskriminierungsverbot des Art. 14 EMRK, das auch Benachteiligungen wegen der politischen Anschauungen verbietet. Schließlich wurde durch die Praktiken der Staatssicherheit in unzähligen Fällen der Schutz des Privatlebens, der Wohnung und des Briefverkehrs (Art. 8 EMRK) missachtet, durch Entführungen und Inhaftierungen politischer Gegner ohne gerichtliche Legitimation deren Recht auf körperliche Bewegungsfreiheit (Art. 5 EMRK) und durch die berüchtigten Stasi-Vernehmungsmethoden das Verbot der Folter und unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) verletzt. In etlichen Fällen kamen die Opfer der Staatssicherheit ums Leben (Verletzung von Art. 2 EMRK).
http://www.justament.de/archives/1420


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#369

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:44
von schnatterinchen (gelöscht)
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Hier mal eine kleine Episode aus meinem Leben:

den Genossen vom VPKA der dafür sorgte, daß meinem Bruder nach einem Jahr nach seiner Haftentlassung keinen PA bekam und ebenso Jahre später mir derselbige entzogen wurde, traf ich 1991 an einer Gulaschkanone der NVA auf einem Mark bei uns im Kreis beim Verkauf von Erbsensuppe für 1,50DM pro Teller.
Das der die DDR super findet und die neuen Verhältnisse Scheiße ist mir klar. Ich fand es schön. Ganz ohne Hass.


zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:49 | nach oben springen

#370

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:46
von Gelöschtes Mitglied
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Ich finde an diesem Forum toll, dass es mich - auch, wenn ich von Vielem nicht unmittelbar betroffen bin - immer wieder zum Nachdenken anregt. Doch jetzt: Genug geschleimt, Aussage auf den Tisch.

In der Vergangenheit habe ich mich mehrfach gefragt, als wer oder was ich mich eigentlich fühle. Eine Zeitlang dachte ich, ich sei Europäer mir deutschen Wurzeln: Zu eng(stirnig?) erschien mir nationales Denken, zu kurzsichtig der Blick durch die nationale Brille. Hinzu kam, dass mir Nationalstolz fremd war und immer noch ist: Stolz kann ich auf meine eigenen Leistungen sein, wie aber auf die anderer, mir völlig fremder Menschen? Die Tatsache, dass wir die gleiche nationale Zugehörigkeit, den gleichen kulturellen Hintergrund haben, reicht mir als verbindendes Glied einfach nicht aus. Das gilt übrigens auch im Umkehrschluss: Ein Schuldgefühl für das, was zwischen 33 und 45 passiert ist, ist mir ebenfalls fremd.

Im Laufe der Jahre bröckelte diese Einstellung aber. Bei sportlichen Ereignissen drücke ich natürlich deutschen Sportler/Innen oder Mannschaften die Daumen und freue mich, wenn in den Medien z.B. positive Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland vermeldet wurden. Und wenn ich bestimmten ausländischen Medien die von uns gewählte Kanzlerin (die ich ansonsten nicht sehr schätze, aber in solchen Momenten spielt das keine Rolle) in NS-Uniform gezeigt wird, wenn von uns erwartet wird, dass wir mit beiden Händen ins Portemonnaie greifen (und damit Verzicht üben), um die Fehler anderer Regierungen auszubügeln und den dortigen Menschen ein ungestörtes "weiter so wie bisher" zu ermöglichen, dann, ja dann bin ich doch durch und durch Deutscher.

Und so bleibt für mich die Frage offen: Wer oder was bin ich eigentlich?


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zuletzt bearbeitet 15.03.2013 10:48 | nach oben springen

#371

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:52
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #365
@grenzgaengerin

welches sind denn nun die besonderen schützenswerten Atribute der ostdeutschen Identität?



Hallo Schnatterinchen,

Du stellst hier die falsche Frage. Es geht hier nicht um schützenswerte Attribute, sondern um den Erhalt eines Selbstwertgefühls eines großen Teils der ostdeutschen Bevölkerung. Und das hat sehr viel mit Anerkennung und Respekt zu tun.

LG von der grenzgaengerin


Mike59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#372

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:55
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Dass für die Ostdeutschen aus dem Begriff Unrechtsstaat Fragen wachsen, die ihr Selbstverständnis antasten, spielte in dieser Debatte kaum eine Rolle. Diejenigen, die nicht in offener Opposition zur DDR-Regierung standen, gehen heute unterschiedlich mit ihren Erinnerungen um: Die einen fühlen sich in der Bundesrepublik angekommen und vermeiden politische Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit, die anderen versuchen, die „gute“ von der „schlechten“ DDR zu trennen. Für beide impliziert das Wort Unrechtsstaat, mindestens Mitläufer gewesen zu sein, Unrecht wissentlich in Kauf genommen zu haben. Zum Unrechtsstaat muss es schließlich auch ein Unrechtsvolk gegeben haben: Aber trägt jemand also per se eine Schuld, der in der DDR zur Schule ging, der FDJ angehörte, einen Beruf ausübte? Konnte man überhaupt rechtschaffen im Unrechtsstaat leben?

Der britische Historiker Timothy Garton Ash plädiert hier für eine Differenzierung, die er gegenüber Carta so formulierte: „Unrechtsregime: ja – Unrechtsstaat: ja! Unrechtsland: nein – Unrechtsvolk: nein!“

Die Geschichte der DDR und ihres Endes ist so umfassend aufgearbeitet worden wie kaum ein anderes historisches Ereignis, dennoch spielt sie in der Gesamterzählung der jüngsten deutschen Geschichte eine untergeordnete Rolle. Persönlich betroffen ist ein kleiner Teil der Deutschen. Auch daher besteht die Gefahr einer asymetrischen Diskussion, die die ehemaligen DDR-Bürger lebenslänglich als „befleckte“ Deutsche zurücklässt.

Um die Fragen nach einer Verantwortung für die DDR, nach einer kollektiven oder persönlichen Schuld miteinander zu besprechen, braucht es Kommunikation frei von Vorurteilen und Holzhammer-Begriffen wie “Unrechtsstaat”. Selbst Angela Merkel vermied das U-Wort, als sie kürzlich in der ARD – mit eng gerahmter Offenheit – über ihr persönliches Leben im Osten plauderte.

Sind Erkenntnisgewinn und ein gemeinsames Aufarbeiten der DDR-Vergangenheit das Ziel der Unrechtsstaat-Debatte, darf der Dialog nicht mit dem Nennen des Codeworts enden.
http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-ge...-unrechtsstaat/


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#373

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 10:59
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #371
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #365
@grenzgaengerin

welches sind denn nun die besonderen schützenswerten Atribute der ostdeutschen Identität?



Hallo Schnatterinchen,

Du stellst hier die falsche Frage. Es geht hier nicht um schützenswerte Attribute, sondern um den Erhalt eines Selbstwertgefühls eines großen Teils der ostdeutschen Bevölkerung. Und das hat sehr viel mit Anerkennung und Respekt zu tun.

LG von der grenzgaengerin


Ach so!
Aber jetz mal andersrum.Wie hat sich die ddr denn nach außen dargestellt?Ständig protestiert um Anerkennung heischend .Reisende vollschnauzend .
Frag mal Westberliner was die von der ddr halten.Mit sowas hab ich mich nicht identifiziert.
Als ddr Bürger geboren zu werden war eben Pech oder Glück auf jeden Fall Zufall.Die ex ddr ler sind und waren und bleiben deutsche mit einer bestimmten Prägung durch ihre 40 Jahre Sonderstatus.
Ich denke viele von den ehemaligen politischen Eliten der ddr machen sich diese Diskussion zu Nutze um von ihrem eigenen Versagen abzulenken.Nach dem Motto : seht ihr das haben wir euch doch schon immer gesagt!


zuletzt bearbeitet 15.03.2013 11:03 | nach oben springen

#374

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:09
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #373
... Als ddr Bürger geboren zu werden war eben Pech oder Glück auf jeden Fall Zufall.Die ex ddr ler sind und waren und bleiben deutsche mit einer bestimmten Prägung durch ihre 40 Jahre Sonderstatus. ...

Sonderstatus - so kann man es nennen, aber auch das klingt wieder nach Pauschalisierung. Jeder von uns hat seine ureigene Erziehung gehabt und dadurch versucht, sein Umfeld zu verstehen.

Irgendwie geht mir die ganze Zeit immer ein Text von Theodor Kramer durch den Kopf:
"Andre, die das Land so sehr nicht liebten,
warn von Anfang an gewillt zu gehn;
ihnen - manche sind schon fort - ist besser,
ich doch müßte mit dem eignen Messer
meine Wurzeln aus der Erde drehn ..."

Der Text stammt aus einem anderen Land und einer anderen Zeit, aber dieses Bild, dass es an meine Wurzeln geht - nicht gesellschaftlich allgemein, sondern an die Wurzeln aus meiner ganz konkreten Erziehung durch ganz konkrete Menschen - das lässt mich da nicht los. Wenn ich selbst mein Messer nehme und sie aus der Erde drehe, dann ist das meine Entscheidung. Wenn aber jemand hinter mir steht und sich immer wieder bemüßigt fühlt, mich zu schubsen, dann werde ich ihn zunächst einmal zurückstoßen. Denn ich brauche für meine eigene Geschichte meine eigene Zeit und meinen eigenen Platz. Und, an die eigenen Wurzeln zu gehen, kann schmerzhaft sein. Dazu sollte man nicht gedrängt werden.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#375

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:23
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #373
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #371
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #365
@grenzgaengerin

welches sind denn nun die besonderen schützenswerten Atribute der ostdeutschen Identität?



Hallo Schnatterinchen,

Du stellst hier die falsche Frage. Es geht hier nicht um schützenswerte Attribute, sondern um den Erhalt eines Selbstwertgefühls eines großen Teils der ostdeutschen Bevölkerung. Und das hat sehr viel mit Anerkennung und Respekt zu tun.

LG von der grenzgaengerin


Ach so!
Aber jetz mal andersrum.Wie hat sich die ddr denn nach außen dargestellt?Ständig protestiert um Anerkennung heischend .Reisende vollschnauzend .
Frag mal Westberliner was die von der ddr halten.Mit sowas hab ich mich nicht identifiziert.
Als ddr Bürger geboren zu werden war eben Pech oder Glück auf jeden Fall Zufall.Die ex ddr ler sind und waren und bleiben deutsche mit einer bestimmten Prägung durch ihre 40 Jahre Sonderstatus.
Ich denke viele von den ehemaligen politischen Eliten der ddr machen sich diese Diskussion zu Nutze um von ihrem eigenen Versagen abzulenken.Nach dem Motto : seht ihr das haben wir euch doch schon immer gesagt!




Hallo schnatterinchen,

es geht hier nicht nur um Dich. Es gab viele Lebensgeschichten wie Deine in der DDR und das wird auch respektiert. Aber ich denke, dass die anderen auch genau diesen Respekt verdienen. Zwischen "gut" und "böse" ,"schwarz" und "weiß" gab es unendlich viele Schattierungen und um die geht es in erster Linie. Die Geschichtsaufarbeitung der DDR ist in der öffentlichen Wahrnehmung nur auf Stasi und IM reduziert und das kann ich so nicht stehen lassen und viele andere auch nicht. Ob in West oder Ost.

Und nicht die ehemaligen Eliten der DDR machen sich die Diskussion zu nutze, sondern die heutigen, die zufällig auch aus dem Osten kommen.. Denn über Meinungsforschung und Medien brauchen wir uns an dieser Stelle nicht unterhalten. Es gibt aber genug Menschen, die dem geschriebenen Wort in den Zeitungen glauben schenken.

Und ich kenne genug Westberliner und Westdeutsche vor dem Fall der Mauer und nach dem Fall der Mauer, die das genau so sehen wie ich.

Und ganz nebenbei. Reise mal heute in die USA. Wenn Du da nicht mit dem angekündigten Flug eintriffst, stehst Du die ganze Zeit unter besonderer Beobachtung.

LG von der grenzgaengerin


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#376

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:23
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Rainman

Ich möchte den von Dir genannten Begriff der Wurzeln noch erweitern - um das Wort "Heimat".

Es gibt viele Menschen, die ihr Umfeld, ihre Freunde und Bekannten, ihre gewohnte Umgebung so sehr schätzen, dass sie sie nicht verlassen wollen. Oder sich, wenn sie dazu gezwungen werden, unwohl bis unglücklich fühlen.


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#377

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:41
von schnatterinchen (gelöscht)
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Hallo schnatterinchen,

es geht hier nicht nur um Dich. Es gab viele Lebensgeschichten wie Deine in der DDR und das wird auch respektiert. Aber ich denke, dass die anderen auch genau diesen Respekt verdienen. Zwischen "gut" und "böse" ,"schwarz" und "weiß" gab es unendlich viele Schattierungen und um die geht es in erster Linie. Die Geschichtsaufarbeitung der DDR ist in der öffentlichen Wahrnehmung nur auf Stasi und IM reduziert und das kann ich so nicht stehen lassen und viele andere auch nicht. Ob in West oder Ost.

Und nicht die ehemaligen Eliten der DDR machen sich die Diskussion zu nutze, sondern die heutigen, die zufällig auch aus dem Osten kommen.. Denn über Meinungsforschung und Medien brauchen wir uns an dieser Stelle nicht unterhalten. Es gibt aber genug Menschen, die dem geschriebenen Wort in den Zeitungen glauben schenken.

Und ich kenne genug Westberliner und Westdeutsche vor dem Fall der Mauer und nach dem Fall der Mauer, die das genau so sehen wie ich.

Und ganz nebenbei. Reise mal heute in die USA. Wenn Du da nicht mit dem angekündigten Flug eintriffst, stehst Du die ganze Zeit unter besonderer Beobachtung.

LG von der grenzgaengerin



Das stimmt doch gar nicht.Wo nimmst Du diese Gewissheit her? Und für Desinteresse einer breiten Bevölkerungsschicht im Westen kann ich auch nichts.
Vielleicht mal etwas tiefer ins Thema gehen da finden sich auch andere Meinungen und Publikationen.
Wenn Menschen beleidigt werden und verunglimpft bin ich immer gegen. Bei Dir liest sich das aber wie Verschwöhrung.

Und was die Einreise in die Staaten anbetrifft mußt du mir nichts erzälhlen. Ich bin mit ner Air India 747 voll mit Emigranten mal in LA gelandet und durch die Einreisekontrolle. Ich hab da auch Erfahrung.


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#378

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:49
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat
.Und was die Einreise in die Staaten anbetrifft mußt du mir nichts erzälhlen. Ich bin mit ner Air India 747 voll mit Emigranten mal in LA gelandet und durch die Einreisekontrolle. Ich hab da auch Erfahrung



Da hast du wohl am falschen Counter angestanden. Entweder waren es Emigranten oder eben US Bürger. Das sagen mir meine Erfahrungen. Zu erzählen gibt es eben immer was.


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#379

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 11:58
von Monte | 13 Beiträge

Der Begriff Unrechtsstaat ist weder ein wissenschaftlicher noch ein juristischer Begriff,taugt allerdings hervorragend zu niedrigstem Populismus.Im übrigen ist bemerkenswert daß dieser Begriff vom Unrechtsstaat, dem Vernehmen nach, nur auf die DDR bezogen angewandt wird;bei allen anderen ehemals dem Ostblock angehörenden Ländern ist dieser Terminus - warum wohl? - umgangssprachlich nicht gängig.


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#380

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.03.2013 12:01
von schnatterinchen (gelöscht)
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"
Da hast du wohl am falschen Counter angestanden. Entweder waren es Emigranten oder eben US Bürger. Das sagen mir meine Erfahrungen. Zu erzählen gibt es eben immer was. "

Möglicherweise. Jedenfalls hat der Beamte die Leute vor mir vollgeschnauzt und nach jedem Satz in den Papierkorb gerotzt.Ich dachte na super.
Als er meinen Pass sah ist der ein bisschen zusamengezuckt und hat sich kurz aufrichtet.


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