#41

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 18.03.2012 15:12
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm
Hackel39, Du schreibst, daß sich die DDR nur auf Grundlage einer Gewaltherrschaft halten konnte. Über das Wahlverhalten vor der Wende hatte ich schon mal was geschrieben, weil ich da involviert war. Aber ließ mal das Buch des US-amerikanischen Historikers Andrew I.Port "Die rätselhafte Stabilität der DDR", der kommt da zu ganz anderen Schlußfolgerungen. Außer, daß er Faulheit und den Drang, mit möglichst wenig und schlechter Arbeit möglichste viel Geld zu verdienen, als eine Form des Widerstandes gegen das System ansah, kann ich dem größten Teil seiner Erkenntnisse etwas abgewinnen, auch da ich mich zeitweise mit zu der im Buch viel zitierten Gruppe der unteren Funktionsträger zähle. Leider beleuchte er vor allem die Zeit nach 1945 bis in die 70er. In den 80ern hatte begann sich ja dann einiges zu verändern.
Wenn Du Interesse hast, ich habe das Buch versehentlich zwei mal gekauft, weil ich des erste verlegt hatte und erst dann wiederfand, als ich mir noch mal eins gekauft hatte, weil ich es unbedingt lesen wollte. Ist neu, kannst es für 10,-€ + Porto haben. Es ist die 2.Auflage mit 392 Seiten.



Danke DoreHolm, Dein Tipp ist vorgemerkt.
Im Moment habe ich das Buch "In Zeiten des abnehmenden Lichtes" von Eugen Ruge fast durch und dahinter schieben bereits "Honeckers letzte Aufzeichnungen", somit werde ich es selber kaufen und lasse anderen möglichen Interessenten den Vortritt, da es mir egal ist, wenn ich es zum dreifachen Preis irgendwo anders kaufen muß.
Übrigens ist jene Familiensaga mit etlichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, völlig zu Recht nach meinen Enttäuschungen über so manche Nachbereitung der DDR durch verschiedener anderer Autoren.
Die Suche geht also weiter, die Suche nach anderen Sichtweisen der DDR- Geschichte durch andere Gestalter der (mehr oder weniger)entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der gekenterten Republik.
Wracktauchen mal anders aber nicht weniger spannend.



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#42

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 02.10.2012 11:38
von Gelöschtes Mitglied
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MIt dem Tag der deutschen Einheit , können wir doch wieder in Einigkeit und Recht und Freiheit in einer Nation leben.
Wer die DDR auf dem Gewissen hat , kann aus dem Beitrag ersehen werden . Mfg ratata

1945 – 1949 Teilung der Welt –Teilung Deutschlands
Nach dem Sieg der Alliierten (USA, GB, SU, F) über Hitlerdeutschland 1945 brechen sehr bald ideologische, politische und wirtschaftspolitische Gegensätze zwischen den Siegern auf: der Kalte Krieg beginnt 1947. Die Teilung Deutschlands ist Folge des Kalten Krieges. Weder die Westmächte (USA, GB, F) noch die Sowjetunion (SU) sind bereit, ihre Besatzungszonen aufzugeben. Die Westmächte gründen 1949 die Bundesrepublik Deutschland (BRD), die SU gründet die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

1949 bis 1969 Westintegration und „Ostintegration"

In den Jahren nach 1949 betreibt Adenauer die Politik der Westintegration (Westbindung) und die DDR eine Politik der „Ostintegration". Beide Staaten haben keine Wahl, wobei die Zustimmung der Bevölkerung im Westen zur eingeschlagenen Richtung deutlich größer war. Deutschland wird 1955 weitgehend souverän (Deutschlandvertrag), allerdings bleiben Truppen der Siegermächte auf deutschem Boden und alle Fragen bezüglich Berlin und der deutschen Einheit bleiben Angelegenheit der 4 Siegermächte des Zweiten Weltkrieges (-> 2 + 4 Vertrag 1990). Die BRD wird Mitglied der NATO (1955). Die wirtschaftliche Westintegration erfolgt durch die Gründung der EWG 1957. Die Ostbindung der DDR wird durch die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt (milit. Bündnis 1955) und im Comecon oder RGW ab 1950 zementiert (wirtschaftl. Kooperation). Die Politik ist durchaus erfolgreich (Souveränität, Aufrüstung, Sicherheit, Stärke), scheitert aber im Hinblick auf das Ziel der Widervereinigung („aus einer Position der Stärke", Adenauer) vollständig: 1961 wird die Berliner Mauer gebaut. Die Wiedervereinigung rückt in weite Ferne. Adenauer tritt 1963 trotz seiner Verdienste folgerichtig ab.

1970 bis 1975/1989 Entspannungspolitik und friedliche Koexistenz

Die Eiszeit zwischen den beiden deutschen Staaten wird vor dem Hintergrund einer globalen Entspannung durch die Ostpolitik gebrochen. Die sozial-liberale Koalition versucht ab 1969 unter dem Schlagwort „Wandel durch Annäherung" mehr Vertrauen zwischen Ost und West herzustellen. Dazu dient der Moskauer und der Warschauer Vertrag (1970) und der Grundlagenvertrag (Anerkennung der DDR als Staat trotz gewisser Einschränkungen). Die Anerkennung der Unverletzlichkeit der europäischen Nachkriegsgrenzen schafft ein Vertrauenskapital gegenüber dem Osten, von dem man 1989/1990 zehren konnten, ohne 1970 schon zu wissen, dass die deutsche Einheit je erreichbar wäre. Einer vertrauenswürdigen BRD würde die SU später eher eine Wiedervereinigung genehmigen als einer aggressiven Nation.

1989/1990 Friedliche Revolution und deutsche Einheit

Voraussetzung der deutschen Wiedervereinigung war der Zusammenbruch der kommunistischen SU, die den Rüstungswettlauf verliert. Gorbatschow (Generalsekretär der KPdSU) erkennt die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Kooperation mit dem Westen und erklärt das Ende des Kalten Krieges (1987/89). Seine Maßnahmen zur Liberalisierung der Verhältnisse in der SU (Glasnost und Perestroika) führen aber nicht zur erhofften Erneuerung des Kommunismus, sondern beschleunigten den Zerfall des Ostblocks. Die Warschauer Paktstaaten – allen voran Polen und Ungarn – reformieren ihre System im Sinne des westlichen Kommunismus und öffnen ihre Grenzen (1989). Die Berliner Mauer verliert Ihre Funktion. Die 1889 einsetzende Protestbewegung in der DDR (Montagsdemonstrationen, Besetzung westdeutscher Botschaften, Flucht über Ungarn) erzwingen den Fall der Mauer am 9.11.1989. Die Volkskammerwahlen – mit erstmals in der DDR zugelassenen neuen Parteien – vom März 1990 führen zu einer großen Koalition aus CDU, SPD, und den Liberalen und zu einer Mehrheit, die den schnellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ermöglichte. Der Regierung Kohle gelang es, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Zustimmung der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges zu deutschen Einheit zu nutzen. Im 2 + 4 Vertrag wurde die deutsche Einheit besiegelt.

Neben den genannten Faktoren gehörten zu den günstigen Umständen die Ergebnisse der Westintegration (Verpflichtung und Vertrauen der Westmächte gegenüber der BRD) und der Ostpolitik (Vertrauen gegenüber einer friedfertigen Bundesrepublik).


Arnstädter hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.10.2012 11:38 | nach oben springen

#43

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 02.10.2012 12:11
von Duck | 1.741 Beiträge

Günther Schabowski


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#44

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 02.10.2012 13:57
von furry | 3.568 Beiträge

Die Frage könnte man auch mit einem kleinen Späßchen beantworten.
Es waren die, die Fäden in der Hand hielten, Erich und Reiner.
Erich Honecker und Reiner Zufall.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#45

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 02.10.2012 13:58
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #41

inclusiv Zitat 'DoreHolm':
Aber ließ mal das Buch des US-amerikanischen Historikers Andrew I.Port "Die rätselhafte Stabilität der DDR",

Im Moment habe ich das Buch "In Zeiten des abnehmenden Lichtes" von Eugen Ruge fast durch .


Na endlich mal welche die nicht nur Bücher aus der 'Betroffenheitsecke' lesen.
Aller guten Dinge sind Drei @Hackel, darum lege ich Dir noch von Wolfgang Ruge, Vater von Eugen, das Buch "Gelobtes Land" ans Herz. In diesem Buch geht es nicht so sehr um die DDR aber nicht weniger interessant, um die Zeit die Wolfgang in der SU verbrachte.....

Wobei das Buch von A. Port auch gut ist, betrachtet er doch die "Stabilität" nicht auf die gesamte DDR bezogen, sondern Beispielhaft an einem Kreis bzw. Kreisstadt im Süden der DDR.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#46

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 19.11.2012 19:35
von ONTA | 26 Beiträge

Ich bin dann nach der Wende von der MAK Leningrad zurückgekommen. Meldete mich im neuen Grenzschutzkommando ordnungsgemäß zurück. Dort erhielt ich dann das Angebot als Fähnrich nach Frankfurt/Oder oder in das Abrisskommando zu gehen. Habe dem Wessi nur gesagt, dass ich nur einmal den Fehler gemacht habe, eine Uninform anzuziehen - und den werde ich nicht wiederholen. Habe es nie bereut. Ich habe habe auch nie verstanden, wie so viele so schnell ihren Matel in den Wind geschwenkt haben - geht eigentlich nur, wenn man beim ersten Schwur schon gelogen hat.



Pitti53 und jecki09 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 19.11.2012 20:16
von jecki09 | 422 Beiträge

Zitat von ONTA im Beitrag #46
Habe es nie bereut. Ich habe habe auch nie verstanden, wie so viele so schnell ihren Matel in den Wind geschwenkt haben - geht eigentlich nur, wenn man beim ersten Schwur schon gelogen hat.


bei mir war es ähnlich. Ich habe mir gesagt "Ein Schwur/Gelöbnis für eine Sache reicht". Diese Entscheidung habe ich auch nicht bereut.


zuletzt bearbeitet 28.11.2012 20:58 | nach oben springen


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