#21

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 16:10
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

der sozialismus war eine erste probe ohne das jemand wuste wie er eigentlich funktioniert, die vereinigung war die nächste pionierarbeit ohne das es jemand vorher schon mal gemacht hat. beide projekte gingen schief aus heutiger sicht (zumindest hätte man heute einiges besser gemacht, nachdem wir die fehler kennen).
nachtrauern tue ich eher den verfall des sozialkapitalismus den es bis zur wende in der brd real gab und das finde ich schlimm.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#22

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 16:18
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Meiner Ansicht nach hat ebenfalls eine große Anzahl der verschiedensten Faktoren dazu beigetragen. Das Versagen unserer Staatsführung vor allem im ökonomischen Bereich war da sicherlich der offensichtlichste und wohl auch schwerwiegendste aller Ursachen. Die hätten mal die Werke von Marx und Engels über Ökonomie richtig lesen sollen. Wenn die Ökonomie nicht stimmt, ist alles Andere nur noch eine Frage der Zeit. Das ist es auch, was ich denen ganz schwer übel nehme, eine gute Idee dermaßen nachhaltig in Mißkredit zu bringen und eine für lange Zeit einmalige Chance sträflichst vertan zu haben. Mir kommt heute noch manchmal die kalte Wut hoch, wenn ich an diese Versager denke. Die vor allem West-Linken beginnen wieder, den gleichen Fehler zu machen, als ob sie nichts aus der Geschichte gelernt haben. Wohltaten verteilen geht nur, wenn die Mittel dafür vorhanden sind und nachweislich genug Nachschub für diese Mittel zu erwarten ist. In der DDR wurde immer von "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" gesprochen. Das war keine Einheit, es wurde auf Teufel komm raus Sozialpolitik gemacht. Jeder wußte es, aber wer würde wohl freiwillig mehr für Mieten, Brötchen, Nahrungsmittel, Theater, Büchereien und was alles subventioniert wurde bezahlen. Ich hatte es woanders schon mal geschrieben: 90 Mrd. Spareinlagen standen 90 Mrd. Warenproduktion gegenüber. Wir hatten immer nach der CZ geschaut, die besseren asphaltierten Straßen, Ölsardinen, Werkzeuge, ordentliches, haltbares Bier und was es da nicht alles gab, wonach wir hier suchten. Ich hatte gute Kontakte zu Hobbykollegen dort (einer war auch bei den Ereignissen 68 am Wenzelsplatz dabei und hat mir einiges erzählt, was heute nicht so in den Medien steht). Dort waren die Löhne um 20% niedriger und die Preise durchschnittlich um 20% höher. Schon sah es mit Angebot und Nachfrage ganz anders aus. Hier muß man eine Heidenangst davor gehabt haben, die Leute durch unpopuläre Maßnahmen zu verärgern. Ich hatte schon Jahre vor der Wende einmal in der Parteiversammlung geäußert, daß ein Nachfolger von Honecker wohl unpopuläre Maßnahmen ergreifen muß und daß ich daran glaube, daß es einmal eine Wiedervereinigung geben wird und offen gelassen, unter welchen politischen Vorzeichen sie geschehen wird. Da hatte ich einige verwunderte Blicke empfangen. Ich bin dabei ganz einfach von der Tatsache ausgegangen, daß eine arbeitsteilige Gesellschaft schon seit ca. 8.000 Jahren existiert und keiner voraussagen kann, wie sich Gesellschaften in 100 oder mehr Jahren entwickeln. Das es so dermaßen schnell und auf diese Weise erfolgt, war auch für mich überraschend. Wie empfindlich die Bevölkerung war, mal hier an einem winzigen Beispiel. Eine Kollegin aus unserem Labor, gern mal zu kleinen Provokationen mir gegenüber geneigt, da ich Parteileitungsmitglied war, brachte folgendes vor. Der Zucker wurde irgendwann nicht mehr in 1005,-g, sondern in 1000,-g-Tüten angeboten (oder war es umgekehrt, ist auch nicht wichtig). Entsprechend wurde der Preis geändert. Sie stritt sich mit mir herum, daß das doch eine Preiserhöhung war, weil es immer hieß, daß es in der DDR keine Preiserhöhungen gibt. Ich hatte es nicht nachgerechnet, aber es wird wohl so gewesen sein, daß das Kilogramm durch Rundung einige Zehntel DDR-Pfennige mehr kostete. Was für riesen Kröten muß sie wohl nach der Wende geschluckt haben, ohne sich aufzuregen ?
Ganz sicher spielte auch die Politik der KPdSU eine verheerende Rolle. Wir waren absolut nicht souverän. Die alte BRD allerdings auch nicht. Ein Politiker (über Ulbricht wird ja heute von Medien wesentlich positiver gesprochen als noch vor Jahren), der hier aus der großen Linie des Großen Bruders ausscheren wollte, wurde ganz schnell zurückgepfiffen. Da sind sicher hinter den Kulissen ganz böse Schweinereien gelaufen. Die Breshnew-Ära war hier bezeichnend. Ich glaube heute, daß die DDR, auch bei noch so guter Wirtschaftspolitik, zwar noch eine Weile existiert hätte, wir in eine Wiedervereinigung aber mehr Gewicht hätten einbringen können. Die Ausgangspositionen waren zu ungleich. Dort Marshall-Plan, hier Reparationen, da die Westalliiertend der SU verweigerten, die Reparationsleistungen, wie vertraglich vereinbart, aus dem ganzen deutschen Staatsgebiet zu entnehmen. In den USA ist kein einziges Haus umgefallen, in der SU war fast alles mehr oder weniger kaputt. Stalin hat sehr kluge Köpfe rollen lassen. Ich meine, Überlebenschancen, ja sogar Beispielwirkungen wären da, wenn alle soz. Staaten, vor allem die SU, eine humane Spielart der Marktwirtschaft nicht als absolutes Tabu angesehen hätte. Arbeitslose hatten wir auch in der DDR, aber sie wurden nicht als solche bezeichnet. 1977 ging unsere Firma vom Zeitlohn zum Stücklohn über. Ich hatte die Aufgabe, die Arbeitsnormen zu erarbeiten. Vorausstellen will ich hier, was mal ein Bürger am Arbeitsamt (hatten wir auch) gesagt hat: "Ach, das ist doch die Firma, wo die vielen Pausen gemacht wurden". Das war die Zeit, wo ich zum Posten eines nebenamtlichen Parteisekretärs verdonnert wurde. Vorgabe war, bisherige Leistung = 100%. Das hieß, 8,75 h AZ, davon nur ca. 5 h wirkliche Arbeit. Der Rest waren Zusatzpausen, weil wir in großen Mengen mit brennbaren Flüssigkeiten arbeiteten (nicht Minol) und die Kollegen dadurch nicht am Arbeitsplatz rauchen durften. Durch den nun erfolgten materiellen Anreiz wurden in dieser Zeit Normerfüllungen von 120 - 150% erzielt, wobei natürlich viel getrickst wurde und auch so mancher Arbeitsgang weggelassen wurde, bis ein Qualitätseinbruch diese Arbeitsweise offenbarte. Neuerungen führten nur teilweise zu echten Einsparungen, oft wurden dadurch die Pausen länger oder die Normerfüllungen höher. Nun hatte ich glücklicherweise mehrere Jahre als Springer in der Produktion gearbeitet, die Kollegen Produktionsarbeiter konnten mich also nicht allzusehr über´s Ohr hauen, was den Arbeitsaufwand betraf. Reingedrückt bekamen wir desöfteren entlassene Knackis u.a. nicht einer ordentlichen Arbeit zugeneigte Leute. Ein SE-Europastämmiger brachte es gerade mal auf 50% Leistung. Der Rest zu 100% wurde ihm als Durchschnitt geschrieben. Unser Kaderleiter fuhr Montags Vormittag rum zu einigen Leuten nach Hause, und fragte sie, ob sie denn nicht auf Arbeit kommen würden, da sie gebraucht wurden. Für die Altbundesbürger unter uns muß sich das wie aus einer anderen Welt lesen. Einige Kollegen, Normerfüller von um die 130%, trugen eines Tages die Bitte an mich her, mir doch mal die Norm eines bestimmten Kollegen anzusehen, der ebensoviel Pausen macht, aber 160% NE hat. Ich habe den dann auf ebenfalls 130% runtergeholt, wohlgemerkt bei einer AZ-Auslastung von etwa 60%. Zur Wende, als ich der ganz Böse war (bis 1987 Parteisekretär und Normierer = bestgehasste Person in der Firma), wurde ich von einer schreienden Gruppe körperlich ganz schön bedrängt und dieser Eine hatte mich an der Binde und sagte nur "Dich kriegen wir auch noch". Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, daß ich vielleicht noch zum einstigen Gegner flüchten muß, um mein Leben zu retten, wenn es dumm gelaufen wäre. Einige, die nie durch Leistung aufgefallen waren, lagen dann auch bald auf der Straße und konnten es absolut nicht verstehen, daß ich "rote Socke" eine für Ostverhältnisse gut bezahlte Arbeit als Außendienstmitarbeiter hatte, zuerst mit dem eigenen PKW und später einem neutralen Firmen-Mittelklassewagen durch Deutschland kutschte, an Geschäftsessen teilnahm und meine Arbeitskleidung nicht mehr ein dreckiger Kittel, sondern sportlich-modern oder der Anzug war. Übrigens, mit fast allen diesen Schreiern zur Wende, die in der Firma verblieben, hatte ich später, als offensichtlich wurde, was sie sich mit der Wahl der CDU eingehandelt hatten, bis zu meinem oder deren Ausscheiden ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Um es zu Vervollständigen, was oben durch Andere schon geschrieben wurde: Auch ich hatte hin und wieder volkseigenes Lösungsmittel (Benzin, Benzol, Toluol) in meinen Motorrad- und Trabi-Tank gekippt. Meinen späteren Produktionsdirektor überraschte ich einmal, als ich nach Schichtwechsel noch mal in die Firma mußte, wie er sich einen 20 l-Privatkanister abfüllte. Einen Kollegen aus der Produktion sah ich einmal, wie er auf dem E-Karren einen ganzen Karton Klebstofftuben (100 Stück a ca. 40g) wegfuhr. Ich hinterher, wo er denn hinfährt. Er kam aus einem Schuppen, ohne Karton, wieder raus. Ich rein, den Karton rausgeholt und ihm nur gesagt, daß keiner was dagegen hat, wenn er seinen Eigenbedarf deckt, aber nicht zum Verscherbeln. Ich habe ihn übrigens nicht angezinkt. Heute wird eine langjährige unbescholtene Mitarbeiterin entlassen, wenn sie sich mal ein übriggebliebenes belegtes Brötchen vom Rest des kalten Buffetts nimmt.
Ich denke, das Thema, warum die DDR untergegangen ist, ist so gewaltig, daß es ganze Bände von Historikern füllen kann und die gibt es bestimmt schon. Ich habe inzwischen etliche, meist Biographien, gelesen. Teils von DDR-Kritikern, teils Verantwortungsträgern der DDR. Sehr aufschlußreich.



jecki09 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#23

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 16:45
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Zitat von josy95

Zitat von Rostocker


(Zitat @Rostocker Auszug)

Aber um noch etwas hinzuzufügen.Was wurde denn von staatlicher Seite alles gestützt und gefördert--Miete,öffentlicher Verkehr,das Gesundheitwesen,den Ehekredit für junge Eheleute und man könnte vieles mehr aufzählen.Es ist so,der Staat hat sich selber zu grunde gewirtschaftet und somit das System.Und wenn ich sage,der Staat,dann meine ich nicht nur die Politiker,sondern auch das Volk was dazu gehört.
Gruß Rostocker




@Rostocker, natürlich waren auch diese sozialen Sachen ein imenser finanzieller Aufwand.

Aber sind solche Dinger in einer politisch wirklich gut geführten sozialen Marktwirtschaft nicht auch finanzierbar?
Finanzierbar wäre es schon--aber dann müssten einige auf etwas mehr verzichten.Bleiben wir doch nur mal bei den Krankenkassen und ihren Bossen und ihren Luxuslimosinen.Hörte letztens.das die KK einen Mill.Überschuß erwirtschaftet haben--dann müsste es doch möglich sein die10 Euro Praxisgebühr wieder abzuschaffen oder auszusetzen.Aber wie kann man auch verlangen,das ne Einnahmequelle wieder rückgängig gemacht wird zu gunsten des Patienten.
Haben daran nicht die meisten Menschen mit der Wiedervereinigung geglaubt..., darauf gebaut, gehofft?
Sicher werden viele,nicht damit gerechnet haben,das die Arbeitlosigkeit so schnell vor der Tür steht.Man muss es mal so sehen,wie es war.Die Emotionen im Wendejahr waren doch sehr hoch gewesen--das Volk hoffte auf was besseres.Von westlichen Politikern wurde doch sonst was geredet.Wie blühende Landschaften oder Lohnangleichung innerhalb von 10 Jahren an das Westniveau,mittlerweile sind schon 20 Jahre vergangen.Aber Fakt ist auch,so wie es es in der DDR war--konnte es nicht weiter gehen.Das muss hier auch mal angefügt werden,denn Politik (Politiker) und Volk wurden sich gegenseitig Fremd.
Auch wenn Vieles, was es in der DDR gab unter reinen und realen wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte auf den Prüfstand gemußt, mir fällt dazu obligatorisch das besagte Brötchen für 5 Pfennige ein...
Da stimme ich Dir voll und ganz zu.Ich kenne Fälle,wo Bauern beim Bäcker das billige Brot kauften um es an die Schweine zu verfüttern.Oder wo Kanickel und Süßkirschen an den Handel verkauft wurden-dann vorne wieder gekauft und hintenherum ein zweites Mal an den Handel verkauft.
Einige Länder u. a. in Nordeuropa machen es ja einigermaßen vor. Nur hat sich mit der Wiedevereinigung die handelnde Politik der Bundesrepublik Deutschland, querbeet durch alle Partein von derartigen Errungenschaften und zu Gunsten von Lobbyismus, dem schnell verdienten Geld und mit der Dummheit und politisch gewollten Machtlosigkeit der Massen vollständig von sowas verabschiedet...

josy95



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#24

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 17:45
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Für Thüringen hatte ich gedacht, daß es nach den ersten Wahlen nach der Wende eine Hochburg der SPD wird. Weit gefehlt. Ich sehe noch heute die Karikatur auf der Titelseite des "Eulenspiegel vor mir": Auf dem Thron, groß und gewaltig, mit finsterem Gesicht nach unten blickend und auf ein kleines Männchen zeigend. Dieses hatte eine triefende dünne lange Nase (na, wer wird wohl gemeint sein ?). Hinter dem Männchen schon der Scharfrichter. Der Untertitel:" Der Überbringer der schlechten Botschaft". Das Männchen war LaFontaine.
Ich schäme mich noch heute für uns Ostdeutschen, wenn ich mich an die Szenen erinnere, wie die Westdeutschen die Bananen unters Volk schmissen und die sich wie eine Herde Affen daraufstürzten.
Wir sind mündige Bürger, dieses Prädikat hatte jeder für sich in Anspruch genommen, aber ich meine, ein sehr großer Teil war zu diesem Zeitpunkt mündig wie eine pupertierende vierzehnjährige Göre.



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#25

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 17:56
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

danke, @DoreHolm für Deine ausführliche und aufschlußreiche Stellungnahme!

Die sozialen Versorgungssysteme, die es in Westeuropa gab und in Ansätzen noch gibt, sind weder vom Himmel gefallen, noch dem guten Willen der Kapitaleigner geschuldet, noch wirklich von den Gewerkschaften erkämpft worden.
Sie sind einzig und allein Resultat des Kalten Krieges. Ohne diesen hätten die USA in Europa keine Landebahnen gebraucht, somit hätte es keinen Marshallplan gegeben. Für Deutschland wäre der Morgenthau-Plan umgesetzt worden. Heißt Demontage, Deindustrialisierung, Entwaffnung, ein Agrarland frühkapitalistischer Prägung.

In der Konsequenz heißt das, nur weil es UdSSR und später DDR gab, mit den Fünfpfennigsbrötchen, mit der umfassenden Sozialfürsorge, mit den subventionierten Waren, gab es etwas wie "Soziale Marktwirtschaft" im Westen. Man war gezwungen, etwas für die Menschen zu tun.
Ohne DDR kein rheinischer, sondern englischer Kapitalismus.

Nach der Wende kam konsequenterweise, was kommen mußte. Die Kapitaleigner sammeln alle die schönen Geschenke wieder ein. Übrigens werden auch in Nordeuropa und BeNeLux die Uhren zurückgedreht. Die Sozialsysteme sind plötzlich nicht mehr finanzierbar. Die Staaten werden "verschlankt" und verkommen zu reinen Service-Agenturen für die Aktiengesellschaften. Die soziale Schere klafft immer schneller auseinander.

Soviel zum Traum von einer sozialen Marktwirtschaft mit Wohlstand für alle. Ohne Zwang von außen reine Utopie, genauso wie Sozialismus.

Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, daß der Kapitalismus nicht stabil ist. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht haben wir in der Hand, das zu gestalten, was danach kommt...

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#26

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 19:07
von Gelöschtes Mitglied
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Ich finde die DDR war ein Versuch es anders zu machen. Kaputt gegangen ist dieses durch die Menschen selbst. Es wäre leicht den einen oder anderen zu nennen, nein alle haben dazu beigetragen, ob bewusst oder auch nicht. So lange nicht in den Köpfen der Menschen ein Umdenken stattfindet, weg von Gier, Neid und Machtbesessenheit wird jedes System egal welches früher oder später kippen. So einfach ist es und so wird es immer wieder sein.


Grüße


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#27

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 19:59
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zu DDR-Zeiten hatte ich die populärwissenschaftliche Zeitschrift "Wissenschaft und Fortschritt" aboniert. Den Artikel eines Neurobiologen über die Ursachen der Wende fand ich sehr zutreffend. Unsere Oberen hatten gedacht, innerhalb von ein oder zwei Generationen den "neuen sozialistischen Menschen" geschaffen zu haben, der ganz uneigennützig für das Wohl aller wirkt. Das Sein bestimmt das Bewußtsein, hatten viele gedacht. Sicher gab es in der DDR auch damals schon Evolutionsbiologen, die ob solchem Unsinn den Kopf schüttelten, aber die lagen politisch eben nicht auf der politischen Linie, also, daß nicht sein kann was nicht sein darf. Wirken für die eigene Anerkennung, gute, erfolgreiche Arbeit für das eigene Selbstverständnis waren sicher weiter verbreitet als in dieser heutigen Gesellschaft. Auch ein Bewustsein bei Vielen, etwas für das Wohlergehen aller zu tun und wenn sie die Wirtschaft schädigten, sich damit selbst schädigten, war ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Aber wehe, wenn sie losgelassen, die archaischen Instinkte, die vor zehntausenden und hunderttausenden von Jahren Voraussetzung dafür waren, daß es uns heute überhaupt gibt und wir nicht ein "Planet der Affen" geworden sind. Gemeinschaftssinn war natürlich ebenfalls eine Voraussetzung dafür, aber immer nur innerhalb der Sippe. Individualisten hätten damals keine zwei Generationen überlebt. Diese Urinstinkte, ich nenne sie mal so, wie Egoismus, Machtstreben, Raffgier, Völlerei, Hass und auch die Eigenschaft, erstrebenswerte Dinge sich auch mit Gewalt anzueignen, das Bestreben, mit möglichst wenig Aufwand etwas zu erreichen, sprich Faulheit, u.a. kamen wieder raus. Nicht bei allen, aber bei vielen. Mit den Jubelfeiern hatten sich unsere Führenden selbst unter Drogen gesetzt und den Bezug zur Realität verloren und niemand war da, der ihnen rechtzeitig mal eine Entziehungskur verpassen konnte. Wenn man weiß, wie viel Prozent genetisches Material wir mit der Eintagsfliege gemein haben und daß der Unterschied zu Schimpansen verschwindend gering ist, kann man sich etwa denken, wie lange es dauert, bis der Mensch genetisch tatsächlich die von Honecker & Co. angedichteten Eigenschaften aufweist. Noch heute fühlen sich viele Menschen nicht recht wohl, wenn sie in einer Gaststätte, wo überhaupt keine Gefahr droht, mit dem Rücken zur Tür sitzen und daß sie sich am Lagerfeuer geborgen fühlen. Dieser Artikel des Neurobiologen meine Überlegungen, warum es so gekommen ist wie es gekommen ist, in eine neue Richtung gelenkt.



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#28

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 20:01
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von linamax

Zitat von josy95

Zitat von Rostocker


(Zitat @Rostocker Auszug)

Aber um noch etwas hinzuzufügen.Was wurde denn von staatlicher Seite alles gestützt und gefördert--Miete,öffentlicher Verkehr,das Gesundheitwesen,den Ehekredit für junge Eheleute und man könnte vieles mehr aufzählen.Es ist so,der Staat hat sich selber zu grunde gewirtschaftet und somit das System.Und wenn ich sage,der Staat,dann meine ich nicht nur die Politiker,sondern auch das Volk was dazu gehört.
Gruß Rostocker




@Rostocker, natürlich waren auch diese sozialen Sachen ein imenser finanzieller Aufwand.

Aber sind solche Dinger in einer politisch wirklich gut geführten sozialen Marktwirtschaft nicht auch finanzierbar?

Haben daran nicht die meisten Menschen mit der Wiedervereinigung geglaubt..., darauf gebaut, gehofft?

Auch wenn Vieles, was es in der DDR gab unter reinen und realen wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte auf den Prüfstand gemußt, mir fällt dazu obligatorisch das besagte Brötchen für 5 Pfennige ein...

Einige Länder u. a. in Nordeuropa machen es ja einigermaßen vor. Nur hat sich mit der Wiedevereinigung die handelnde Politik der Bundesrepublik Deutschland, querbeet durch alle Partein von derartigen Errungenschaften und zu Gunsten von Lobbyismus, dem schnell verdienten Geld und mit der Dummheit und politisch gewollten Machtlosigkeit der Massen vollständig von sowas verabschiedet...

josy95



Hallo Leute
Ich glaube es waren die bösen Kapitalisten



Also ich.....
Aber mal im Ernst..wenn mal wieder irgenwas nicht passte..wer war Schuld ? Z.b.beim Aufstand 1953 natürlich westliche Provukateure und Rowdys ..)



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#29

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 20:08
von GZB1 | 3.286 Beiträge

@DoreHolm

Ohne das Streben nach Vorteil, insbesondere dem persönlichen, hätte sich ein Teil der Affen nicht zur sogenannten Menschheit entwickelt, welche sich dadurch ebenfalls weiter entwickeln wird. Die Richtung dieser Entwicklung ist offen..... Sie kann zur Weiterentwicklung oder aber auch zu deren Untergang führen; wie auch bei anderen Spezies.


zuletzt bearbeitet 13.03.2012 20:11 | nach oben springen

#30

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 20:28
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

GZB1, sagte ich doch. In der Evolutionsgeschichte waren diese heute negativ besetzten Eigenschaften notwendig, um die Art zu erhalten und eben weiterzuentwickeln. Not macht erfinderisch, daß galt auch schon zur Zeit der Saurier. Aber die genetische Entwicklung konnte nicht mit der gesellschaftlichen Entwicklung der Menschheit mithalten und so verhalten wir uns eben im Fall des Falles so, wie wir uns vor einer halben Millionen Jahre verhalten hätten.



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#31

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 21:39
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Rostocker

Zitat von josy95

Zitat von Rostocker


(Zitat @Rostocker Auszug)

Aber um noch etwas hinzuzufügen.Was wurde denn von staatlicher Seite alles gestützt und gefördert--Miete,öffentlicher Verkehr,das Gesundheitwesen,den Ehekredit für junge Eheleute und man könnte vieles mehr aufzählen.Es ist so,der Staat hat sich selber zu grunde gewirtschaftet und somit das System.Und wenn ich sage,der Staat,dann meine ich nicht nur die Politiker,sondern auch das Volk was dazu gehört.
Gruß Rostocker




@Rostocker, natürlich waren auch diese sozialen Sachen ein imenser finanzieller Aufwand.

Aber sind solche Dinger in einer politisch wirklich gut geführten sozialen Marktwirtschaft nicht auch finanzierbar?
Finanzierbar wäre es schon--aber dann müssten einige auf etwas mehr verzichten.Bleiben wir doch nur mal bei den Krankenkassen und ihren Bossen und ihren Luxuslimosinen.Hörte letztens.das die KK einen Mill.Überschuß erwirtschaftet haben--dann müsste es doch möglich sein die10 Euro Praxisgebühr wieder abzuschaffen oder auszusetzen.Aber wie kann man auch verlangen,das ne Einnahmequelle wieder rückgängig gemacht wird zu gunsten des Patienten.
Haben daran nicht die meisten Menschen mit der Wiedervereinigung geglaubt..., darauf gebaut, gehofft?
Sicher werden viele,nicht damit gerechnet haben,das die Arbeitlosigkeit so schnell vor der Tür steht.Man muss es mal so sehen,wie es war.Die Emotionen im Wendejahr waren doch sehr hoch gewesen--das Volk hoffte auf was besseres.Von westlichen Politikern wurde doch sonst was geredet.Wie blühende Landschaften oder Lohnangleichung innerhalb von 10 Jahren an das Westniveau,mittlerweile sind schon 20 Jahre vergangen.Aber Fakt ist auch,so wie es es in der DDR war--konnte es nicht weiter gehen.Das muss hier auch mal angefügt werden,denn Politik (Politiker) und Volk wurden sich gegenseitig Fremd.
Auch wenn Vieles, was es in der DDR gab unter reinen und realen wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte auf den Prüfstand gemußt, mir fällt dazu obligatorisch das besagte Brötchen für 5 Pfennige ein...
Da stimme ich Dir voll und ganz zu.Ich kenne Fälle,wo Bauern beim Bäcker das billige Brot kauften um es an die Schweine zu verfüttern.Oder wo Kanickel und Süßkirschen an den Handel verkauft wurden-dann vorne wieder gekauft und hintenherum ein zweites Mal an den Handel verkauft.
Einige Länder u. a. in Nordeuropa machen es ja einigermaßen vor. Nur hat sich mit der Wiedevereinigung die handelnde Politik der Bundesrepublik Deutschland, querbeet durch alle Partein von derartigen Errungenschaften und zu Gunsten von Lobbyismus, dem schnell verdienten Geld und mit der Dummheit und politisch gewollten Machtlosigkeit der Massen vollständig von sowas verabschiedet...

josy95







@Rostocker, danke für die Ergänzungen, die mir mehr oder weniger aus der Seele sprechen. Die man bei den eigenen Darstellungen der Sicht der Dinge manchmal nicht ganz so gut hinbekommt, rüberbringen kann...

VG josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 13.03.2012 21:41 | nach oben springen

#32

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 21:47
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Honecker und die anderen Politbonzen und Betonkoepfe der SED haben die DDR selbst abgewuergt durch Politik die persoenliche Freiheiten der einzelnen Buerger brutal mit den Fuessen getreten hat. Aber auch die Sowjetischen Besatzungsmaechte haben hier einiges zu verantworten.


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#33

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 22:47
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten
Honecker und die anderen Politbonzen und Betonkoepfe der SED haben die DDR selbst abgewuergt durch Politik die persoenliche Freiheiten der einzelnen Buerger brutal mit den Fuessen getreten hat. Aber auch die Sowjetischen Besatzungsmaechte haben hier einiges zu verantworten.



der erste teil in rot : meiner meinung nach schwachsinn .! glaubst du wirklich das die 'Politbonzen' der ddr jemals irgendetwas in sachen
deutsch deutscher politik selber entscheiden konnten.!???



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#34

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 23:03
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Zitat von frank

der erste teil in rot : meiner meinung nach schwachsinn .! glaubst du wirklich das die 'Politbonzen' der ddr jemals irgendetwas in sachen
deutsch deutscher politik selber entscheiden konnten.!???


Erst etwa ab 1987 konnten die RGW Staaten unabhängig von der SU Politik betreiben: Die Frank Sinatra Doktrin
http://de.wikipedia.org/wiki/Sinatra-Doktrin
Theo


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#35

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 13.03.2012 23:54
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten
Honecker und die anderen Politbonzen und Betonkoepfe der SED haben die DDR selbst abgewuergt durch Politik die persoenliche Freiheiten der einzelnen Buerger brutal mit den Fuessen getreten hat. Aber auch die Sowjetischen Besatzungsmaechte haben hier einiges zu verantworten.


wanderer nun stoße ich auf den 2. artikel der mich verwundert. was nimmst du? das zeug muß gut sein.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#36

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 14.03.2012 05:29
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von DoreHolm
GZB1, sagte ich doch. In der Evolutionsgeschichte waren diese heute negativ besetzten Eigenschaften notwendig, um die Art zu erhalten und eben weiterzuentwickeln. Not macht erfinderisch, daß galt auch schon zur Zeit der Saurier. Aber die genetische Entwicklung konnte nicht mit der gesellschaftlichen Entwicklung der Menschheit mithalten und so verhalten wir uns eben im Fall des Falles so, wie wir uns vor einer halben Millionen Jahre verhalten hätten.



DoreHolm, wie es scheint liegen wir beide in unserer Sicht der Dinge im Heute und Gestern nicht weit auseinander.
Wenn ich mich recht erinnere, hat nach der Wende jemand an den Sockel des Marx-Engels-Denkmals in Berlin sinngemäß geschrieben: Jungs, eure Idee war nicht schlecht, aber ihr habt den Charakter der Menschen verkannt!
Wie Du das evolutionsbiologisch richtig beschreibst, sind wir Menschen auch nur etwas höher entwickelte (?) Tiere.
Was passiert, wenn 10 Schweine vor einem leeren Trog stehen und der wird mit Futter gefüllt?... Und genauso verhalten wir Menschen uns und das noch viele, viele Generationen. Unsere Gene stellen nur eine Reiznorm auf die bestehenden Umwelteinflüsse dar.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
zuletzt bearbeitet 14.03.2012 07:23 | nach oben springen

#37

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 16.03.2012 09:08
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm
...... Einige Kollegen, Normerfüller von um die 130%, trugen eines Tages die Bitte an mich her, mir doch mal die Norm eines bestimmten Kollegen anzusehen, der ebensoviel Pausen macht, aber 160% NE hat. Ich habe den dann auf ebenfalls 130% runtergeholt, wohlgemerkt bei einer AZ-Auslastung von etwa 60%. Zur Wende, als ich der ganz Böse war (bis 1987 Parteisekretär und Normierer = bestgehasste Person in der Firma), wurde ich von einer schreienden Gruppe körperlich ganz schön bedrängt und dieser Eine hatte mich an der Binde und sagte nur "Dich kriegen wir auch noch". Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, daß ich vielleicht noch zum einstigen Gegner flüchten muß, um mein Leben zu retten, wenn es dumm gelaufen wäre. Einige, die nie durch Leistung aufgefallen waren, lagen dann auch bald auf der Straße und konnten es absolut nicht verstehen, daß ich "rote Socke" eine für Ostverhältnisse gut bezahlte Arbeit als Außendienstmitarbeiter hatte, zuerst mit dem eigenen PKW und später einem neutralen Firmen-Mittelklassewagen durch Deutschland kutschte, an Geschäftsessen teilnahm und meine Arbeitskleidung nicht mehr ein dreckiger Kittel, sondern sportlich-modern oder der Anzug war. Übrigens, mit fast allen diesen Schreiern zur Wende, die in der Firma verblieben, hatte ich später, als offensichtlich wurde, was sie sich mit der Wahl der CDU eingehandelt hatten, bis zu meinem oder deren Ausscheiden ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Um es zu Vervollständigen, was oben durch Andere schon geschrieben wurde: Auch ich hatte hin und wieder volkseigenes Lösungsmittel (Benzin, Benzol, Toluol) in meinen Motorrad- und Trabi-Tank gekippt. Meinen späteren Produktionsdirektor überraschte ich einmal, als ich nach Schichtwechsel noch mal in die Firma mußte, wie er sich einen 20 l-Privatkanister abfüllte. Einen Kollegen aus der Produktion sah ich einmal, wie er auf dem E-Karren einen ganzen Karton Klebstofftuben (100 Stück a ca. 40g) wegfuhr. Ich hinterher, wo er denn hinfährt. Er kam aus einem Schuppen, ohne Karton, wieder raus. Ich rein, den Karton rausgeholt und ihm nur gesagt, daß keiner was dagegen hat, wenn er seinen Eigenbedarf deckt, aber nicht zum Verscherbeln. Ich habe ihn übrigens nicht angezinkt. Heute wird eine langjährige unbescholtene Mitarbeiterin entlassen, wenn sie sich mal ein übriggebliebenes belegtes Brötchen vom Rest des kalten Buffetts nimmt.
Ich denke, das Thema, warum die DDR untergegangen ist, ist so gewaltig, daß es ganze Bände von Historikern füllen kann und die gibt es bestimmt schon. Ich habe inzwischen etliche, meist Biographien, gelesen. Teils von DDR-Kritikern, teils Verantwortungsträgern der DDR. Sehr aufschlußreich.



Hat denn nun China die DDR nur deshalb überlebt, weil die den Klebstoffdieb in irgendeinem Stadion erschossen hätten ?
Ich denke, die DDR hätte sich auf der Basis der Gewaltherrschaft halten können, sie wäre auch unter den Bedingungen der Globalisierung nicht untergegangen.
Die Frage ist nur, ob das Volk insgesamt dann glücklicher gewesen wäre.
Möglicherweise ist das momentan empfundene Vereinigungsglück nur eine temporäre Erscheinung.
Solange der Wettstreit der Systeme nicht abgeschlossen ist, wissen wir auch nicht, wer langfristig überleben wird oder ob wir gar nicht irgendwann wieder im Feudalismus enden.
Die Geschichte mit der Behandlung durch Deine Kollegen ("rote Socke") die Geschichte mit dem Brötchen, das vom Buffet geklaut wird in der Relation der Einkommen hierzulande, der Gleichgültigkeit darüber, dass Deutschland im Ausland Krieg führt, die Leichtigkeit mit der Ressourcen durch spritfressende Autos und 10.000 km- Tripps in den Urlaub geplündert werden und tausend andere Dinge zeigen, dass der Bürger zu dieser Reise bereit ist.



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#38

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 16.03.2012 10:39
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Hackel39, Du schreibst, daß sich die DDR nur auf Grundlage einer Gewaltherrschaft halten konnte. Über das Wahlverhalten vor der Wende hatte ich schon mal was geschrieben, weil ich da involviert war. Aber ließ mal das Buch des US-amerikanischen Historikers Andrew I.Port "Die rätselhafte Stabilität der DDR", der kommt da zu ganz anderen Schlußfolgerungen. Außer, daß er Faulheit und den Drang, mit möglichst wenig und schlechter Arbeit möglichste viel Geld zu verdienen, als eine Form des Widerstandes gegen das System ansah, kann ich dem größten Teil seiner Erkenntnisse etwas abgewinnen, auch da ich mich zeitweise mit zu der im Buch viel zitierten Gruppe der unteren Funktionsträger zähle. Leider beleuchte er vor allem die Zeit nach 1945 bis in die 70er. In den 80ern hatte begann sich ja dann einiges zu verändern.
Wenn Du Interesse hast, ich habe das Buch versehentlich zwei mal gekauft, weil ich des erste verlegt hatte und erst dann wiederfand, als ich mir noch mal eins gekauft hatte, weil ich es unbedingt lesen wollte. Ist neu, kannst es für 10,-€ + Porto haben. Es ist die 2.Auflage mit 392 Seiten.



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#39

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 16.03.2012 10:43
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm
Hackel39, Du schreibst, daß sich die DDR nur auf Grundlage einer Gewaltherrschaft halten konnte. Über das Wahlverhalten vor der Wende hatte ich schon mal was geschrieben, weil ich da involviert war. Aber ließ mal das Buch des US-amerikanischen Historikers Andrew I.Port "Die rätselhafte Stabilität der DDR", der kommt da zu ganz anderen Schlußfolgerungen. Außer, daß er Faulheit und den Drang, mit möglichst wenig und schlechter Arbeit möglichste viel Geld zu verdienen, als eine Form des Widerstandes gegen das System ansah, kann ich dem größten Teil seiner Erkenntnisse etwas abgewinnen, auch da ich mich zeitweise mit zu der im Buch viel zitierten Gruppe der unteren Funktionsträger zähle. Leider beleuchte er vor allem die Zeit nach 1945 bis in die 70er. In den 80ern hatte begann sich ja dann einiges zu verändern.
Wenn Du Interesse hast, ich habe das Buch versehentlich zwei mal gekauft, weil ich des erste verlegt hatte und erst dann wiederfand, als ich mir noch mal eins gekauft hatte, weil ich es unbedingt lesen wollte. Ist neu, kannst es für 10,-€ + Porto haben. Es ist die 2.Auflage mit 392 Seiten.



Falls nicht, ich würde es wollen.


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#40

RE: Wer hat die DDR auf dem Gewissen?

in Das Ende der DDR 16.03.2012 10:50
von 94 | 10.792 Beiträge

Ansonsten ist das Buch (noch) lieferbar ...

Die Frage, was zum Zusammenbruch der DDR führte, ist noch immer ein brisantes Thema. Dabei scheint man mitunter zu vergessen, dass der sozialistische deutsche Teilstaat immerhin vier Jahrzehnte lang existierte - länger als die Weimarer Republik und das Dritte Reich zusammen. So gesehen war die DDR ein rätselhaft stabiler Staat, dessen Bestand dringend einer Erklärung bedarf.
In seiner Studie präsentiert der amerikanische Historiker Andrew Port eine originelle Lösung für dieses Rätsel: Weder Repressionen und die berühmt-berüchtigte Stasi noch der Rückzug ins Private oder die Loyalität gegenüber dem angeblich fürsorglichen Regime können die Stabilität der DDR hinreichend erklären. Port verweist vielmehr auf die ostdeutschen Funktionäre an der Basis, die immer wieder Kompromisse mit den Massen eingingen. Außerdem war das vermeintliche Miteinander der Ostdeutschen oftmals ein Gegeneinander: Soziale Spannungen verhinderten kollektive Aktionen gegen den Staat.
Das Buch, das sich vor allem auf Material aus dem thüringischen Kreis Saalfeld gründet, besticht durch klare Thesen sowie eine überwältigende Fülle an Primärquellen und Zeitzeugeninterviews. Port verklärt nicht, noch dämonisiert er. Vielmehr zeichnet er ein realitätsgetreues Bild des Alltags im sozialistischen Deutschland.

Quelle: http://www.christoph-links-verlag.de/ind...il&titel_id=577


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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