#121

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 10:43
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Entchen

Also zu meiner Zeit 82/83 gab es keine Löcher am/im Zaun.....ausser die Rauten vom Streckmetall.
Die Zäune waren doch feuerverzinkt.
Eine Art "Neuererbewegung" in Bezug zu den Sperranlagen ist mir nicht bekannt.
Zumindest gilt das für Soldaten im Grundwehrdienst.
Vielleicht gab es soetwas aber auf höherer Dienstgradebene,also bei den Berufssoldaten/Offizieren.
Auf jeden Fall vorstellbar.
Eventuell gibt es ja dazu ein Feedback von den Insidern,ähm,ich meine von unseren ehemaligen Vorgesetzten?

Gruß ek40


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#122

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 12:53
von Theo85/2 | 1.200 Beiträge

So genannte Neurervorschläge konnte man einreichen und .ich habe es selbst erlebt, eine kleine Prämie bekommen.

Theo 85/2


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#123

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 12:58
von Barbara (gelöscht)
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Hi Grenzwolf,

Oh, nicht verhaspeln.
Der "Job" war klar ein Stück der Grenze bedingungslos sauber halten, so war umschrieben der Befehl und der war zu befolgen oder es war besser man trollte sich, entweder nach Richtung West oder halt in Richtung Ost, die zwei Möglichkeiten blieben.
Also rausgehen, den "Job" machen und zur Not auch das letzte Mittel einsetzen.
Klar, viele hatten sich ihr persönliches Was-ist-wenn-Modell gebastelt und kamen damit das Jahr durch, ich auch.
Was dann ist wenn es wirklich Ernst wurde ist eine ganz andere Sache, dann gab es kein Modell mehr, dann war Realität angesagt.


Ich glaube, ich habe mittlerweile durch eure ganzen Beiträge ganz gut verstanden was eure Zeit an der Grenze bedeutet hat, auch wenn das wirklich nicht leicht ist.

Du weißt ja, ich hatte ja geschrieben - für mich war die Grenze nur mit "Angst" verbunden, obwohl ich ja kaum mit ihr konfrontiert war. War zwei mal Transit Marienborn unterwegs, habe kaum konkrete Erinnerungen, aber an das Angstgefühl kann ich mich bis heute noch erinnern.

Deshalb finde ich es so toll , dass ihr hier so offen erzählt, das ich mir klar machen kann, das waren alles Menschen und keine Ungeheuer!

Herzlichen Dank dafür!
Barbara


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#124

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 13:19
von Gelöschtes Mitglied
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[quote=Jobnomade|p232004

Ach, Barbara,
lass mich mal ein paar Irrtümer zum Grenzdienst aufklären....
Wir waren ganz normale Wehrpflichtige und wollten gesund und ohne Vorkommnisse wieder nach Hause kommen...
Zu den Grenztruppen kam allerdings nicht jeder, im Vorfeld, bei der Musterung, wurde "gesiebt". Wer schon mal durch Äusserungen gegen den Staat aufgefallen war, wer durch zahlreiche "Westverwandschaft" hatte, wer den Dienst mit der Waffe verweigerte - der wurde kein Grenzer.
Somit war das Risiko, dass ein Grenzsoldat Fahnenflucht gen Westen begeht, schon mal verringert. Nun konnte es ja passieren, dass durch persönliche Krisen, zB Frau/Freundin verlässt ihn, die Gefahr eine Kurzschlusshandlung entsteht. Ein ziemlich dichtes Netz der Überwachung, Gespräche durch Vorgesetzte, Informanden des MfS usw. sorgten dafür, dass solche Dinge den militärischen Vorgesetzten schnell bekannt wurden und derjenige plötzlich nicht mehr in den Grenzdienst kam - das hat in den meisten Fällen auch recht gut funktioniert.
Wenn die "Neuen" aus der Ausbildung in die Grenzkompanie kamen, war es üblich, sie als Posten zunächst mal, für ein paar Schichten, vor dem Postenführer herlaufen zu lassen. Wenn 2 Soldaten 8 und mehr Stunden zusammen "draussen" sind, lernt man sich dann kennen, erzählt sich persönliche Dinge und ein Vertrauensverhältnis baut sich auf - und dann läuft der Posten nicht mehr vor dem Postenführer her....
Man läuft auch nicht aus Versehen auf ein Minenfeld, da sind Zäune davor, nicht zu übersehen. Und Warnschilder,,,
Am besten ist, du schaust Dir den Aufbau der damaligen Grenzanlagen mal in einem Grenzmuseum an - die haben teilweise noch gut erhaltenen Anlagen und umfangreiche Erklärungen dazu. Ich empfehle zB:
http://www.pointalpha.com/
oder
http://www.grenzmuseum.de/
rot markiert: ja, die meisten waren schon vernünftig.....
"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen"...


Gruss Hartmut
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Hallo Hartmut,hier muss ich dir widersprechen. (siehe rot)
Dieses Thema hatten wir schon in etlichen Threads angesprochen.
Ich war schon im Stabüunterricht aufgefallen,habe noch eine Beurteilung darüber in meinem Schulzeugnis stehen.
Ich hatte Massenweise Westverwandschaft,war nicht in der Partei,nicht beim MfS,hatte zur der Zeit keine Frau bzw.Kinder........
Und ich wurde trotzdem an den Kanten gestellt,wie übrigens auch andere User aus diesem Forum,die genauso darüber berichteten.
Irgendwann gingen denen wohl die Leute aus und die Anforderungen wurden heruntergeschraubt......

Gruss ek40


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#125

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 13:28
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Hallo ek40,
man muß ja auch sehen wieviele so richtig ehrlich hinter der DDR standen, also mit innerlicher Überzeugung und nicht nur geheuchelten Einstellungen mit denen man einfach seine Ruhe hatte.
Ich glaube ganz so viele waren das nicht, hat man ja 89 gesehen wie die ehemals strammen Genossen ihrer bis dahin unfehlbaren Partei den Rücken kehrten nach dem Motto: "Ei, jetzt hab ich endlich aus der Zeitung erfahren das ich jahrelang im falschen Verein war" und nix wie raus.
Wenn die wirklich nur ganz überzeugte Leute zum GWD an die Grenze stellen wollten, dann wär es wohl auf der Kompanie schön ruhig gewesen, weil 10 Mann machen recht wenig Lärm
Es wurde wohl eher auf eine deutsche Tugend gesetzt, den Hang zur Pflicht- u. Befehlserfüllung.


zuletzt bearbeitet 12.02.2013 13:31 | nach oben springen

#126

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 13:29
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #123
Hi Grenzwolf,

Oh, nicht verhaspeln.
Der "Job" war klar ein Stück der Grenze bedingungslos sauber halten, so war umschrieben der Befehl und der war zu befolgen oder es war besser man trollte sich, entweder nach Richtung West oder halt in Richtung Ost, die zwei Möglichkeiten blieben.
Also rausgehen, den "Job" machen und zur Not auch das letzte Mittel einsetzen.
Klar, viele hatten sich ihr persönliches Was-ist-wenn-Modell gebastelt und kamen damit das Jahr durch, ich auch.
Was dann ist wenn es wirklich Ernst wurde ist eine ganz andere Sache, dann gab es kein Modell mehr, dann war Realität angesagt.


Ich glaube, ich habe mittlerweile durch eure ganzen Beiträge ganz gut verstanden was eure Zeit an der Grenze bedeutet hat, auch wenn das wirklich nicht leicht ist.

Du weißt ja, ich hatte ja geschrieben - für mich war die Grenze nur mit "Angst" verbunden, obwohl ich ja kaum mit ihr konfrontiert war. War zwei mal Transit Marienborn unterwegs, habe kaum konkrete Erinnerungen, aber an das Angstgefühl kann ich mich bis heute noch erinnern.

Deshalb finde ich es so toll , dass ihr hier so offen erzählt, das ich mir klar machen kann, das waren alles Menschen und keine Ungeheuer!

Herzlichen Dank dafür!
Barbara




Dieses "Angstgefühl" halte ich persönlich z.T. für selbsterzeugt, also sich selbst eingeredet, ohne daß konkrete Gründe dafür vorlagen. Das wären z.B. wissentlich mitgeführte Dinge, von denen man wußte, daß die Ein- oder Ausfuhr verboten war. Selbst bei einer normalen Überfahrt z.B. in die CSSR stieg doch ohne eigentlichen Grund und ohne daß man etwas zu verbergen hatte, der Blutdruck. Eigentlich hätte man das alles ganz gelassen sehen können, mehr als eine genauere Kontrolle, wenn man Pech hatte, konnte es nicht geben, aber das komische Gefühl blieb eben. Selbst der coolste Typ wird, wenn er sich ganz genau selbskritisch beobachtet, bei einem Grenzübertritt mit Kontrolle der Papiere immer eine auch nur geringfügige Veränderung des inneren Zustandes beobachten können.
Ansonsten: Grenzdienst war schnell Routine. Grenzalarm war immer echt, also nie eine Übung. Wir hatten es auch mal so, gerade von der nachtschicht bei zweistelligen Minusgraden, kaum im Bett, dann GA. In die Klamotten, Flinte geschnappt, in den Trabant Kübel und raus zum Abriegeln des Waldstückes. Ein paar Stunden bis zu Hellwerden draußen gelegen, gefroren wie die Schneider und dann beim Durchkämmen als es hell genug war zwei junge Jugendliche rausgeholt, die "ein neues Leben beginnen wollten.
Neue an der Grenze wurden anfangs immer etwas argwönisch betrachtet, aber das legte sich sehr schnell. Im Prizip hatte jeder Neue, wenn er es denn wollte, schon nach wenigen Schichten die Möglichkeit, seinen Postenführer zu entwaffnen oder schlimmeres anzurichten und zu türmen. In der Theorie des Grenzdienstes wird das immer so schön in Vorschriften geregelt, aber die Praxis sieht eben meist sehr anders aus.



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#127

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 13:36
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #124
[quote=Jobnomade|p232004

Ach, Barbara,
lass mich mal ein paar Irrtümer zum Grenzdienst aufklären....
Wir waren ganz normale Wehrpflichtige und wollten gesund und ohne Vorkommnisse wieder nach Hause kommen...
Zu den Grenztruppen kam allerdings nicht jeder, im Vorfeld, bei der Musterung, wurde "gesiebt". Wer schon mal durch Äusserungen gegen den Staat aufgefallen war, wer durch zahlreiche "Westverwandschaft" hatte, wer den Dienst mit der Waffe verweigerte - der wurde kein Grenzer.
Somit war das Risiko, dass ein Grenzsoldat Fahnenflucht gen Westen begeht, schon mal verringert. Nun konnte es ja passieren, dass durch persönliche Krisen, zB Frau/Freundin verlässt ihn, die Gefahr eine Kurzschlusshandlung entsteht. Ein ziemlich dichtes Netz der Überwachung, Gespräche durch Vorgesetzte, Informanden des MfS usw. sorgten dafür, dass solche Dinge den militärischen Vorgesetzten schnell bekannt wurden und derjenige plötzlich nicht mehr in den Grenzdienst kam - das hat in den meisten Fällen auch recht gut funktioniert.
Wenn die "Neuen" aus der Ausbildung in die Grenzkompanie kamen, war es üblich, sie als Posten zunächst mal, für ein paar Schichten, vor dem Postenführer herlaufen zu lassen. Wenn 2 Soldaten 8 und mehr Stunden zusammen "draussen" sind, lernt man sich dann kennen, erzählt sich persönliche Dinge und ein Vertrauensverhältnis baut sich auf - und dann läuft der Posten nicht mehr vor dem Postenführer her....
Man läuft auch nicht aus Versehen auf ein Minenfeld, da sind Zäune davor, nicht zu übersehen. Und Warnschilder,,,
Am besten ist, du schaust Dir den Aufbau der damaligen Grenzanlagen mal in einem Grenzmuseum an - die haben teilweise noch gut erhaltenen Anlagen und umfangreiche Erklärungen dazu. Ich empfehle zB:
http://www.pointalpha.com/
oder
http://www.grenzmuseum.de/
rot markiert: ja, die meisten waren schon vernünftig.....
"Grenzkoller" - kurz erklärt: Nach meiner Erinnerung war ich in dem Jahr an der Grenze ganze 5 oder 6 mal im Urlaub, für ein paar Stunden zu Haus bei Frau (und Kind). Ansonsten war die Welt grau in grau: Uniformen, Kasernenhof, Zaun, Grenzabschnitt (naja, der Wald war grün...).
Ab und an ein paar Stunden Ausgang, mal in der Dorfkneipe ein paar Bierchen trinken - das war die ganze Abwechslung für einen jungen Mann voller Unternehmungslust und Tatendrang.
Da konnte man schon "durchdrehen"...


Gruss Hartmut
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Hallo Hartmut,hier muss ich dir widersprechen. (siehe rot)
Dieses Thema hatten wir schon in etlichen Threads angesprochen.
Ich war schon im Stabüunterricht aufgefallen,habe noch eine Beurteilung darüber in meinem Schulzeugnis stehen.
Ich hatte Massenweise Westverwandschaft,war nicht in der Partei,nicht beim MfS,hatte zur der Zeit keine Frau bzw.Kinder........
Und ich wurde trotzdem an den Kanten gestellt
,wie übrigens auch andere User aus diesem Forum,die genauso darüber berichteten.
Irgendwann gingen denen wohl die Leute aus und die Anforderungen wurden heruntergeschraubt......

Gruss ek40




Hallo ek40,

rot markiert
da haste ja richtig Glück gehabt, dass Du trotzdem hin durftest...
Nein, entschuldige bitte, das war jetzt ganz garstiger, schwarzer Humor.
Und beim MfS war ich auch nicht......ich hab damals nur meine Klappe gehalten und brav meine Pflicht getan.
Etwas aufsässiger wurde ich erst später......
Du hast es ja schon geschrieben: typisch DDR "keine Leute, keine Leute".... und die Anforderungen wurden wieder heruntergeschraubt.
Zwischen unseren Dienstzeiten, so lese ich, liegen 2..3 Jahre - da war vielleicht schon vieles wieder anders.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 12.02.2013 13:41 | nach oben springen

#128

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 23:15
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Man läuft auch nicht aus Versehen auf ein Minenfeld, da sind Zäune davor, nicht zu übersehen. Und Warnschilder,,,



Was denn für Warnschilder? An den SM-70 standen jedenfalls keine und an den Minen auch nicht.
Man braucht es ja nun nicht völlig zu verharmlosen.


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#129

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 12.02.2013 23:31
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Bezüglich der Warnschilder -> Link

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#130

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 01:43
von Barbara (gelöscht)
avatar

Hallo DoreHolm, danke dir.

Dieses "Angstgefühl" halte ich persönlich z.T. für selbsterzeugt, also sich selbst eingeredet, ohne daß konkrete Gründe dafür vorlagen. Das wären z.B. wissentlich mitgeführte Dinge, von denen man wußte, daß die Ein- oder Ausfuhr verboten war. Selbst bei einer normalen Überfahrt z.B. in die CSSR stieg doch ohne eigentlichen Grund und ohne daß man etwas zu verbergen hatte, der Blutdruck. Eigentlich hätte man das alles ganz gelassen sehen können, mehr als eine genauere Kontrolle, wenn man Pech hatte, konnte es nicht geben, aber das komische Gefühl blieb eben. Selbst der coolste Typ wird, wenn er sich ganz genau selbskritisch beobachtet, bei einem Grenzübertritt mit Kontrolle der Papiere immer eine auch nur geringfügige Veränderung des inneren Zustandes beobachten können.
Ansonsten: Grenzdienst war schnell Routine. Grenzalarm war immer echt, also nie eine Übung. Wir hatten es auch mal so, gerade von der nachtschicht bei zweistelligen Minusgraden, kaum im Bett, dann GA. In die Klamotten, Flinte geschnappt, in den Trabant Kübel und raus zum Abriegeln des Waldstückes. Ein paar Stunden bis zu Hellwerden draußen gelegen, gefroren wie die Schneider und dann beim Durchkämmen als es hell genug war zwei junge Jugendliche rausgeholt, die "ein neues Leben beginnen wollten.
Neue an der Grenze wurden anfangs immer etwas argwönisch betrachtet, aber das legte sich sehr schnell. Im Prizip hatte jeder Neue, wenn er es denn wollte, schon nach wenigen Schichten die Möglichkeit, seinen Postenführer zu entwaffnen oder schlimmeres anzurichten und zu türmen. In der Theorie des Grenzdienstes wird das immer so schön in Vorschriften geregelt, aber die Praxis sieht eben meist sehr anders aus.



Selbsterzeugte Angst sagst du ..........
Musste ich erstmal drüber nachdenken.

Ich war knapp 20 als ich den Transit nach W-Berlin gemacht habe, 1975 - also Hochzeit des Kalten Krieges. Welches Bild ich von der DDR und der Grenze, auch dann in Berlin, hatte, habe ich ja schon in meiner „Vorstellung“ geschildert. Wieviel (angstauslösende) Erwartungshaltung ich auf dem Weg nach Marienborn hatte, das in mir vorgefertigte Bild bestätigt zu finden, kann ich echt nicht sagen.
Dass ich keinen rein pragmatischen Zugang zu dieser Grenze haben konnte (wie zu einer beliebigen anderen Staatsgrenze) liegt in der Natur der Sache - ich bin Deutsche! –und war entsprechend geprägt!

Diese Grenze hatte auch einen hoch emotionalen Aspekt, ich glaube nicht nur für mich. Dazu liest man in diesem Forum einiges. Sie hat ihn ganz offensichtlich noch heute, sonst stünde sie nicht u.a. im Mittelpunkt dieses Forums. Sie war keine Grenze wie jeder andere, „wo einem ein bisschen der Blutdruck hochgeht“. Auf beiden Seiten nicht. Ich verstehe, dass du diesen sachlichen Ansatz hast „haste nichts gemacht, passiert dir nix.“ War ja auch so. Aber ich hatte nicht diesen Blick auf diese Grenze! (Ich bin, nur nebenbei, ein Mensch der nachts um 2 noch eine Straßenbahnkarte kauft, auch wenn völlig klar ist, dass um die Uhrzeit keiner mehr kontrolliert. Also dass ich z.B. „Verbotenes“ in die DDR ein- oder ausgeführt und deshalb nervös gewesen wäre - undenkbar.)

CSSR: dort bin ich 1984 in der Ankunftshalle des Flughafens mit ca. 1.000 anderen Leuten angekommen (3 Maschinen), also eine schöne Menge und eine nettes Gedränge - umgeben von einer ganzen Anzahl Soldaten mit Gewehren - nicht im Anschlag, aber auch nicht über der Schulter. Ganz hoher Blutdruck meinerseits!

Zu deinen Ausführungen zum Grenzdienst: das deckt sich ja im Wesentlichen mit denen der anderen, die dazu schreiben - sie sind mehrschichtig.

Herzlicher Gruß!
Barbara




Noch kurz zu dem Thema „Warnschilder“:
Meine Frage war, ob bei Grenzalarm der Stressfaktor nicht so hoch war, dass Gefahr bestand die Kontrolle, die Übersicht zu verlieren, und dass so unabsichtlich irgendetwas passieren konnte. Also so, wie Menschen z.B. unter Stress eine rote Ampel überfahren.


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#131

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 08:48
von utkieker | 2.924 Beiträge

Hallo Barbara,

In der Alarmgruppe waren meistens die Jenigen, welche im Dienst negativ aufgefallen waren. Ich kann dir sagen, ich war oft genug in der A- Gruppe. Der Stress hielt sich dennoch in Grenzen und hatte schon seinen Höhepunkt, wenn man laut Dienstplan mal wieder dran war. Vor allem nach der Frühschicht war das ärgerlich, weil man nicht in Ausgang konnte.
Die A- Gruppe wurde eingesetzt, wenn der Grenzsignalzaun (Ochse) auslöste. Wenn man Pech hatte geschah das auch schon drei mal in der Nacht. Wir waren mit einer Spurenlampe ausgerüstet um die Ursache der Auslösung festzustellen. Meistens war ein kleiner Zweig die Ursache. Ich denke in der Abriegelung war der Stress wesentlich größer. Beim ersten Mal pocherte das Herz, vor allem dann, wenn die Altgedienten dir ordentlich Angst machten und sich dabei königlich amüsierten.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#132

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 09:37
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #131
Hallo Barbara,

In der Alarmgruppe waren meistens die Jenigen, welche im Dienst negativ aufgefallen waren. Ich kann dir sagen, ich war oft genug in der A- Gruppe. Der Stress hielt sich dennoch in Grenzen und hatte schon seinen Höhepunkt, wenn man laut Dienstplan mal wieder dran war. Vor allem nach der Frühschicht war das ärgerlich, weil man nicht in Ausgang konnte.
Die A- Gruppe wurde eingesetzt, wenn der Grenzsignalzaun (Ochse) auslöste. Wenn man Pech hatte geschah das auch schon drei mal in der Nacht. Wir waren mit einer Spurenlampe ausgerüstet um die Ursache der Auslösung festzustellen. Meistens war ein kleiner Zweig die Ursache. Ich denke in der Abriegelung war der Stress wesentlich größer. Beim ersten Mal pocherte das Herz, vor allem dann, wenn die Altgedienten dir ordentlich Angst machten und sich dabei königlich amüsierten.

Gruß Hartmut!


A-Gruppe als Bestrafung? Ich fand A-Gruppe eigentlich nicht schlecht, man war 24 h raus aus der Kompanie und somit aus dem Fokus vom Hauptfeld,man hatte eigentlich seine Ruhe, wenn nicht gerade der KC selber auf der Führungstelle war und manchmal wenn überhaupt nix los war, sind wir auch schonmal von uns aus durch den Abschnitt gefahren.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#133

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 09:58
von utkieker | 2.924 Beiträge

Hallo Duck,

Ich weiß, viele verblieben als A- Gruppe im Abschnitt. Bei uns wurde die A- Gruppe von der Kompanie aus eingesetzt. Wenn der Sackstand in der Kompanie groß war hat man sich gefreut wenn der Ochse brüllte.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#134

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 10:04
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #133
Hallo Duck,

Ich weiß, viele verblieben als A- Gruppe im Abschnitt. Bei uns wurde die A- Gruppe von der Kompanie aus eingesetzt. Wenn der Sackstand in der Kompanie groß war hat man sich gefreut wenn der Ochse brüllte.

Gruß Hartmut!


Das glaube ich gerne, da bin ich froh das unsere Führungsstelle noch im Abschnitt war.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#135

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 10:14
von utkieker | 2.924 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #134
Zitat von utkieker im Beitrag #133
Hallo Duck,

Ich weiß, viele verblieben als A- Gruppe im Abschnitt. Bei uns wurde die A- Gruppe von der Kompanie aus eingesetzt. Wenn der Sackstand in der Kompanie groß war hat man sich gefreut wenn der Ochse brüllte.

Gruß Hartmut!


Das glaube ich gerne, da bin ich froh das unsere Führungsstelle noch im Abschnitt war.


Unsere FüSt war auch im Abschnitt, war auch einmal mit der A- Gruppe im Abschnitt verblieben. Irgend wie ist man aber schnell wieder davon abgekommen. Die Unterbringungsräume für die A- Gruppe waren in einen beklagenswerten Zustand!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#136

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 10:18
von Gelöschtes Mitglied
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Da habsch mal ne Frage,waren die Führungsstellen nicht immer im Grenzabschnitt?
In unseren 3 Abschnitten war das jedenfalls so.
Auch die A-Gruppen waren draussen in den FS untergebracht.

Wurde irgendwann echt aus den Kompanien heraus der Grenzdienst in den dazugehörigen Abschnitten "geführt"?
KGSI nicht mehr im Abschnitt?
So kenn ich das nicht.

Gruß ek40


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#137

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 16:35
von Barbara (gelöscht)
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Utkieker und Duck

Hallo Hartmut und Duck, danke euch

Zitat von Duck im Beitrag #132
Zitat von utkieker im Beitrag #131
Hallo Barbara,

In der Alarmgruppe waren meistens die Jenigen, welche im Dienst negativ aufgefallen waren. Ich kann dir sagen, ich war oft genug in der A- Gruppe. Der Stress hielt sich dennoch in Grenzen und hatte schon seinen Höhepunkt, wenn man laut Dienstplan mal wieder dran war. Vor allem nach der Frühschicht war das ärgerlich, weil man nicht in Ausgang konnte.
Die A- Gruppe wurde eingesetzt, wenn der Grenzsignalzaun (Ochse) auslöste. Wenn man Pech hatte geschah das auch schon drei mal in der Nacht. Wir waren mit einer Spurenlampe ausgerüstet um die Ursache der Auslösung festzustellen. Meistens war ein kleiner Zweig die Ursache. Ich denke in der Abriegelung war der Stress wesentlich größer. Beim ersten Mal pocherte das Herz, vor allem dann, wenn die Altgedienten dir ordentlich Angst machten und sich dabei königlich amüsierten.

Gruß Hartmut!


A-Gruppe als Bestrafung? Ich fand A-Gruppe eigentlich nicht schlecht, man war 24 h raus aus der Kompanie und somit aus dem Fokus vom Hauptfeld,man hatte eigentlich seine Ruhe, wenn nicht gerade der KC selber auf der Führungstelle war und manchmal wenn überhaupt nix los war, sind wir auch schonmal von uns aus durch den Abschnitt gefahren.




Man kann euren Grenzdienst von vielen Seiten betrachten. Ich habe inzwischen verstanden, ihr habt so gut es geht versucht euch damit zurecht zu finden, was blieb euch auch anderes übrig. Mal mit, mal ohne Adrenalin. Wenn der Ochse brüllte....

Bitte sagt mir doch nochmal ganz kurz was "in der Abriegelung" bedeutete, das kann ich im Internet nicht finden.

Danke euch!
Herzlicher Gruß
Barbara


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#138

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 16:50
von 94 | 10.792 Beiträge

Die Abrieglung ist eine taktische Handlung, die einen Gegner hindert (hindern soll) durch Feuer, Sperren oder Truppen einen bestimmten Geländeabschnitt zu durchschreiten. Eins, setzten!

Ansonsten A-Gruppe als 'Bestrafung', hmm, solche Trotteligkeiten soll's gegeben haben. Na und Urlauber gleich mit fliegen zu lassen, konnte aber auch 'in die Hose' gehen. Ohne Aussprache KEINEN Grenzdienst!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#139

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 17:02
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #132
Zitat von utkieker im Beitrag #131
Hallo Barbara,

In der Alarmgruppe waren meistens die Jenigen, welche im Dienst negativ aufgefallen waren. Ich kann dir sagen, ich war oft genug in der A- Gruppe. Der Stress hielt sich dennoch in Grenzen und hatte schon seinen Höhepunkt, wenn man laut Dienstplan mal wieder dran war. Vor allem nach der Frühschicht war das ärgerlich, weil man nicht in Ausgang konnte.
Die A- Gruppe wurde eingesetzt, wenn der Grenzsignalzaun (Ochse) auslöste. Wenn man Pech hatte geschah das auch schon drei mal in der Nacht. Wir waren mit einer Spurenlampe ausgerüstet um die Ursache der Auslösung festzustellen. Meistens war ein kleiner Zweig die Ursache. Ich denke in der Abriegelung war der Stress wesentlich größer. Beim ersten Mal pocherte das Herz, vor allem dann, wenn die Altgedienten dir ordentlich Angst machten und sich dabei königlich amüsierten.

Gruß Hartmut!


A-Gruppe als Bestrafung? Ich fand A-Gruppe eigentlich nicht schlecht, man war 24 h raus aus der Kompanie und somit aus dem Fokus vom Hauptfeld,man hatte eigentlich seine Ruhe, wenn nicht gerade der KC selber auf der Führungstelle war und manchmal wenn überhaupt nix los war, sind wir auch schonmal von uns aus durch den Abschnitt gefahren.


Aber dann doch mit dem Wissen,des Führenden auf der Führungsstelle.Oder?


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#140

RE: Mein erster Tag an der Grenze.

in Mein Grenzer Tagebuch 13.02.2013 17:12
von Barbara (gelöscht)
avatar

danke 94
Die Abrieglung ist eine taktische Handlung, die einen Gegner hindert (hindern soll) durch Feuer, Sperren oder Truppen einen bestimmten Geländeabschnitt zu durchschreiten. Eins, setzten!

für die ganz Doofen (hier ich!)
"in die Abriegelung" bedeutete "zwischen zwei Zäunen"? oder " eine Wachmannschaft "riegelt einen Bereich ab?


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