#1

Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.05.2009 14:47
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Tag zusammen

Hat schon mal einer was davon gehört ? Dort kammne die hin,die aus der DDR in die BRD übersiedelten und
wieder in die DDR zurückkammen,aus welchen Gründen auch immer ( Meistens weil die zurückgebliebenden
Angehörigen in grosse Schwierigkeiten kammen oder krank wurden)

Es wurde seitens der DDR Behörden Straffreiheit und eine direkte Rückkehr zu den Angehörigen garantiert-Von wegen,es ging sofort ins Aufnahmeheim,in die Fänge der Stasi,alles war genau geplant,endlose Verhöre und
weitere Schikanen waren angesagt.Zusammenarbeit mit dem MFS oder einige Jahre Zuchthaus-das war oft die Wahl.

Freiwillig dahin zu gehen,wo man erst vor kurzem mit Freuden ade gesagt hat-eine schwierige Entscheidung.



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#2

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.05.2009 17:11
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo zermatt,

hast wohl auch gestern Arte und den Beitrag über Röntgental gesehen?

Es ist erschütternd, wie die mit den Menschen umgegangen sind.
Erst sagt man Straffreiheit zu, die Leute fahren zurück, damit die Angehörigen teilweise aus dem Gefängnis wieder freikamen, dann wird nach Rückkehr ein Strafverfahren wegen Republikflucht eröffnet und dann begeht einer sogar suizid als er nach vielen Wochen immer noch nicht zu seiner Familie darf. Eigentlich hat die Rückkehr doch jeder bereut, oder? Ob die Terroristen der RAF auch dahin kamen?

Interessant war auch die Umschulung eines DDR-Bürgers zum Westdeutschen Bürger, damit er über die anderen berichten konnte.
Man hat ihn mit westdeutschen Papieren ausgestattet und sogar die PKE's an der Grenze mussten aus Sicherheitsgründen darauf reinfallen. Und dann war der Kerl so dumm, das er DDR-Wörter benutzte. Ein Wessi kennt nun mal keinen Broiler...

Die westdeutschen Behörden hatten Recht, als sie die Menschen davor gewarnt haben. Bisher habe ich davon auch nichts gewusst.

Den Sinn dieser Aktionen des MfS versteht kein Mensch. Die konnten nur scheitern mit dieser Menschenumerziehung.

Wer kann sich noch an den Artikel erinnern im ND, "20.000 Menschen wollen wieder zurück in die DDR"? Man hat nachgeforscht, das meiste war erlogen. Aber irgendetwas musste man ja tun, damit die Masse nicht weg will. Lügen helfen schon, sie haben nur kurze Beine...

Gruß, Augenzeuge


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#3

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.05.2009 18:44
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ja,ich habs auch bei Arte gesehen,hat sich echt gelohnt,Fussball war ja langweilig...



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#4

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.06.2013 23:02
von Petra | 81 Beiträge

Ich bin Zeitzeugin und habe von 1982 im Aufnahmeheim Röntgental gesessen. Den Film habe ich später im Internet gesehen. Der spielt zu einer späteren Zeit. Ich war noch nicht im neuen Gebäude, sondern in den alten Gebäuden. Das hatte mehr Lagercharakter. Im Film wurde über einen Selbstmord berichtet. Die Psychologie war derart, dass die Leute soweit getrieben wurden. In meiner Zeit dort waren Selbstmorde nicht möglich. Alles war ebenerdig und jedes, noch so primitive, Werkzeug, mit dem man sich hätte umbringen können, wurde weggenommen. Damals gab es eine Hemmschwelle, die vermutlich, als der Film spielte, nicht mehr da war. Der Filmautor hat viel Sendezeit mit antikommunistischer Hetze verplempert. Allerdings stimmen die Fakten. Der Autor zieht aber die falschen Schlussfolgerungen.

Zitat von Gast im Beitrag #2
Hallo zermatt,

hast wohl auch gestern Arte und den Beitrag über Röntgental gesehen?

Es ist erschütternd, wie die mit den Menschen umgegangen sind.
Erst sagt man Straffreiheit zu, die Leute fahren zurück, damit die Angehörigen teilweise aus dem Gefängnis wieder freikamen, dann wird nach Rückkehr ein Strafverfahren wegen Republikflucht eröffnet und dann begeht einer sogar suizid als er nach vielen Wochen immer noch nicht zu seiner Familie darf. Eigentlich hat die Rückkehr doch jeder bereut, oder? Ob die Terroristen der RAF auch dahin kamen?

Interessant war auch die Umschulung eines DDR-Bürgers zum Westdeutschen Bürger, damit er über die anderen berichten konnte.
Man hat ihn mit westdeutschen Papieren ausgestattet und sogar die PKE's an der Grenze mussten aus Sicherheitsgründen darauf reinfallen. Und dann war der Kerl so dumm, das er DDR-Wörter benutzte. Ein Wessi kennt nun mal keinen Broiler...

Die westdeutschen Behörden hatten Recht, als sie die Menschen davor gewarnt haben. Bisher habe ich davon auch nichts gewusst.

Den Sinn dieser Aktionen des MfS versteht kein Mensch. Die konnten nur scheitern mit dieser Menschenumerziehung.

Wer kann sich noch an den Artikel erinnern im ND, "20.000 Menschen wollen wieder zurück in die DDR"? Man hat nachgeforscht, das meiste war erlogen. Aber irgendetwas musste man ja tun, damit die Masse nicht weg will. Lügen helfen schon, sie haben nur kurze Beine...

Gruß, Augenzeuge


Bugsy hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.06.2013 23:15
von Petra | 81 Beiträge

Ich saß 1982 im Aufnahmeheim Röntgental. Die Kriminalbeamten und MfS-Angehörigen, die die DDR vor Kriminellen, Saboteuren und Spionen schützen sollten, waren Sozialdedektive. Arbeitslose aus der BRD galten grundsätzlich als Faulenzer. Dabei stand der Asozialen§ der DDR Pate. Um das zu überprüfen, legte man neoliberale Maßstäbe an. Es wurde so getan, als gäbe es weder in der DDR, noch in der BRD Arbeitsrecht. Das steht im Widerspruch dazu, dass das Arbeitsrecht der DDR vorbildlich war. Ich wurde als Asozial angesehen. Den Rest besorgte die DKP Rheinland-Pfalz, die Mist über mich erzählte.
Bitte geduldet Euch. Ich werde noch einen Powerpoint-Vortrag erstellen,um in vollem Umfang darüber zu berichten. Bitte geduldet Euch, bis ich die Zeit dazu habe.


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#6

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.06.2013 18:19
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Petra im Beitrag #5
Ich saß 1982 im Aufnahmeheim Röntgental. Die Kriminalbeamten und MfS-Angehörigen, die die DDR vor Kriminellen, Saboteuren und Spionen schützen sollten, waren Sozialdedektive. Arbeitslose aus der BRD galten grundsätzlich als Faulenzer. Dabei stand der Asozialen§ der DDR Pate. Um das zu überprüfen, legte man neoliberale Maßstäbe an. Es wurde so getan, als gäbe es weder in der DDR, noch in der BRD Arbeitsrecht. Das steht im Widerspruch dazu, dass das Arbeitsrecht der DDR vorbildlich war. Ich wurde als Asozial angesehen. Den Rest besorgte die DKP Rheinland-Pfalz, die Mist über mich erzählte.
Bitte geduldet Euch. Ich werde noch einen Powerpoint-Vortrag erstellen,um in vollem Umfang darüber zu berichten. Bitte geduldet Euch, bis ich die Zeit dazu habe.

Bin gespannt auf deinen Bericht.



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#7

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 10:24
von Petra | 81 Beiträge

Der Bericht ist endlich fertig.

Zitat von Zermatt im Beitrag #6
Zitat von Petra im Beitrag #5
Ich saß 1982 im Aufnahmeheim Röntgental. Die Kriminalbeamten und MfS-Angehörigen, die die DDR vor Kriminellen, Saboteuren und Spionen schützen sollten, waren Sozialdedektive. Arbeitslose aus der BRD galten grundsätzlich als Faulenzer. Dabei stand der Asozialen§ der DDR Pate. Um das zu überprüfen, legte man neoliberale Maßstäbe an. Es wurde so getan, als gäbe es weder in der DDR, noch in der BRD Arbeitsrecht. Das steht im Widerspruch dazu, dass das Arbeitsrecht der DDR vorbildlich war. Ich wurde als Asozial angesehen. Den Rest besorgte die DKP Rheinland-Pfalz, die Mist über mich erzählte.
Bitte geduldet Euch. Ich werde noch einen Powerpoint-Vortrag erstellen,um in vollem Umfang darüber zu berichten. Bitte geduldet Euch, bis ich die Zeit dazu habe.

Bin gespannt auf deinen Bericht.


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#8

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 10:27
von Petra | 81 Beiträge

Herbst 1982 saß ich im Aufnahmeheim Röntgental. Da meine "Geschichte" unendlich ist, musste ich mich auf einen Kurzbericht beschränken, der das Wichtigste beinhaltet.


Dateianlage:
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#9

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 11:08
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Petra im Beitrag #8
Herbst 1982 saß ich im Aufnahmeheim Röntgental. Da meine "Geschichte" unendlich ist, musste ich mich auf einen Kurzbericht beschränken, der das Wichtigste beinhaltet.


Hallo Petra, danke für den Bericht, den ich mir gerade ( 2x) durchgelesen habe. Also da sind so einige Dinge , die ich gar nicht verstehe.
Dein Begleiter, war der auch aus Rheinland Pfalz und ein DKP Genosse oder unpolitisch ?
Weshalb argumentierten die DDR Offiziellen in dem Heim gegen die DDR Ideologie ? Sollte das eine Provokation sein ?
Weshalb hast du diese verabreichten Psychopharmaka überhaupt eingenommen ? Du warst doch ein freier Mensch und keine Strafgefangener der DDR?
Jeder Mensch ist lernfähig, daher die Frage weshalb hast du nach der Zurückweisung und der demütigenden Behandlung durch Stasi und Co es erneut in 1983 versucht, in das " Gefängnis" einzudringen?
wie konntest du in 1987 in Dresden einen Mann kennenlernen, wenn du die DDR nicht betreten durftest ?( irgendiwe unlogisch ?)
was hatte die DKP im Westen mit deiner Übersiedlung zu tun und vor allem was hatte sie zu erlauben ? Warst du "Eigentum" der DKP ?
Mit deiner Schlussbemerkung : die DDR produzierte ihre Gegner selbst bin ich 100 % einverstanden. Du hast hoffentlich erkannt und gelernt mit was für einem Mob du es tu tun hattest.
Ich selbst bin den umgekehrten Weg gegangen, mein " Röntgental" hiess "Bundesnotaufnahmelager Giessen". Dort bin ich natürlich auch "durchleuchtet" worden, aber nett und freundlich und das ganze Prozedere hat 7 Tage gedauert.

P.S bist du nach dieser Erfahrung noch Kommunistin?


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#10

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 11:10
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Petra im Beitrag #8
Herbst 1982 saß ich im Aufnahmeheim Röntgental. Da meine "Geschichte" unendlich ist, musste ich mich auf einen Kurzbericht beschränken, der das Wichtigste beinhaltet.



Habe mir diesen Bericht durchgelesen.
Da es Dein persönliches Leben betrifft,Du es so erlebt und empfunden hast, lasse ich meine persönliche Meinung dazu völlig weg.

Allgemein zum Thema:
Tatsache ist,das auch schon Jahrzehnte vorher Übersiedler West von DDR-Institutionen abgewiesen wurden.Mal mit Begründung,mal ohne.
Nach 1961 wurde abgewiesenen Übersiedlungswilligen meist eine erneute Einreise in die DDR verweigert.
Grund dafür waren oft neu geschaffene Situationen die eine Übersiedlung erzwingen sollten.So z.b. Scheinpartnerschaften in der DDR oder vorgegebene politische Repressalien in der Bundesrepublik(Berufsverbote,Betätigung im linken Spektrum).
Auch wenn man heute dieses Übersiedlungsprocedere in der DDR nur daran festmacht,sich vor westlichen Agenten,Saboteuren u.ä. zu schützen,darf man einen anderen Aspekt dabei nicht aus den Augen verlieren.
Es waren unter den vielen Wanderern von West nach Ost,die aus familiären Gründen kamen oder sich berechtigt eine neue Lebensperspektive erhofften,auch noch eine andere Klientel darunter.Zwar verschwindend gering,aber es gab sie.
Meine damit Menschen,die weder im Westteil noch im Ostteil Deutschlands zurechtkamen.Tagträumer und Überlebenskünstler,die sich durch die Realitäten des Lebens hangelten.
Solche Menschen waren im vorgeblichen Arbeiterparadies nicht willkommen.Warum sollte man sich Probleme ins Land holen,so mancher der durchsickerte,war später ein kleines Politikum vor Ort für sich.
Andersherum war es doch ähnlich:
Manch DDR-Bürger,der mit der DDR nicht klar kam und motzend alkoholisiert schon früh am Kiosk in Leipzig z.b. hing,hatte nach dem Beitritt nur den Ort nach Hamburg gen West verlagert um seinen alten Gewohnheiten weiter zu frönen.Nur motzt man jetzt gegen Gesamtdeutschland.

seaman


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2013 11:11 | nach oben springen

#11

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 11:31
von Boelleronkel (gelöscht)
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Hallo Petra,

also "mein folgender Beitrag"ist keine Wertung deiner Person.
Nur ein Gedankengang.
Wenn ich das so lese,eine Partei "erlaubt"mir nicht ins "Paradies"ueberzusiedeln...hm,da faengt es schon mal an.
Was haetten "wir"inne DDR mit Dir anfangen solln.
Eine Person aus dem alten Land,die gemaess Ihrer Rechte haette die Bundesrepublik verklagen koennen,Reisefreiheit kannte,kein Blatt vor den Mund nehmen musste.
Passt irgendwie nicht inne DDR,weswegen "moegliche Unruhestifter"auch nicht willkommen waren.
Ideen und Methoden zur Schaffung sozialistischer Persoenlichkeiten,nimms mir nicht uebel,aber die wuchsen inne DDR nicht auf den Gedanken oder Phantasien von "Einwanderern "aus der Bundesrepublik.

Gruss BO

Und nehms nicht persoenlich,aber die Verantwortlichen der DDR brauchten keine Nachhilfe,die Sicht war eng genug,bis zum bitteren Ende.


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#12

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 11:39
von Petra | 81 Beiträge

In der Tat ist das unlogisch. Hier meine Antworten:
Mein Begleiter ist aus Hessen. Ihn lernte ich in einem Ferienlager der SDAJ/FDJ am Scharmützelsee kennen. Er zog dann zu mir. Er nutzte mein Vorhaben dafür aus, damit ich ihm seine Schulden bezahle. Während des Aufenthalts in Röntgental stellte sich heraus, dass es ihm nur darum ging und er kein Interesse an der Übersiedlung hatte. Er war nach einigen Parteiwechseln in der DKP. Er wollte sich nur profilieren und hatte kein echtes Interesse.
Warum die im Heim Offiziellen gegen die DDR-Ideologie argumentierten, darüber grübele ich seit Jahrzehnten. Bisher habe ich keine Antwort drauf gefunden. Es haben sich noch keine ehrlichen Historiker/innen und Journalisten und Journalistinnen gefunden, die dies erforschen.
Herr Knabe, der für seine "Scharfmacherei" sogar seine Phantasie einsetzt, schweigt hier zu wahren Missständen. Ich habe von der Stasiunterlagenbehörde meine Papiere bekommen, doch ansonsten verhält sie sich still, wo sie sonst bei jeder Kampagne gegen die DDR dabei ist. Außer im Internet, dem "Spiegel"-Artikel von 1981, der sachlich nicht richtig ist, dem Film und Buch von Ulrich Stoll, das nicht sachdienlich ist, dessen Fakten zwar stimmen, aber er nur seine antikommunistische Sichtweise präsentiert, gibt es in den Main-Stream-Medien keine Kampagne.
Ich war ein freier Mensch? Im juristischen Sinne ja. Die Heiminsassen waren im juristischen Sinne keine Gefangenen. Man konnte jederzeit in die BRD zurückreisen. Doch wer wollte das? Warum habe ich die Psychopharmaka genommen? Ich konnte damals nicht vernünftig denken. Ich ließ mir vormachen, dass man mir helfen wollte. Ich glaubte die Pillen würden mir helfen, da ich unter Panik-Atacken litt. Dass sie die Situation verschlimmerten und dass das Manipulation war und die Tatsache, dass die Gabe durch die Kulturfrauen erfolgte(nach den ersten Tagen verweigerte die Schwester die Ausgabe) und es keine ärztliche Kontrolle gab (Es gab zwar einen Arzt im Heim. Dieser war jedoch abhängig und kontrollierte die Gabe der Psychopharmaka nicht.), darüber war ich mir damals nicht im Klaren. Diese Situation erfasse ich erst im Nachgang. Übrigens war in der DDR die Manipulation bei Gefangenen verboten. Gefangene in der DDR durften Psychopharmaka nur von medizinischem Personal unter (Fach-)ärztlicher Kontrolle erhalten .
Erst nach dem Lesen der Papiere ist mir das Ausmaß dieser Situation bewusst geworden.
Als Tourist und Privat durfte ich die DDR jederzeit und ohne Einschränkung betreten. Das Verbot des Heims bezieht sich ausschließlich auf politische Reisen.(Delegationsreisen mit der DKP)
Damals sah ich schon den Unterschied zwischen dem Heim und der DDR. Von Anfang an bin ich über den Unterschied der, wie man es heute nennt, neoliberalen Praxis des Heims und des vorbildlichen Arbeitsrechts der DDR gestolpert.
Die DKP spricht nicht mit mir. Sie lehnt ab mich zu rehabilitieren. Was es damit auf sich hat, ich weiß es nicht. Die Rolle der DKP wurde mir erst in einem Gespräch mit Armin Neumann vom "RotFuchs"(Armin ist zwischenzeitlich verstorben) , der MfS-Angehörgiger war, bekannt. Vor kurzem habe ich mich mit Ingo Imm ausgetauscht, den ich auf Facebook kennengelernt habe. Er bestätigt die Feststellung von Armin Neumann bezüglich der Rolle der DKP.
Zu der Schlussbemerkung und mit was für einem Mob ich es zu tun hatte, bin ich nach nochmaligem durchgehen meiner "Geschichte" gekommen. Ja, ich bin noch Kommunistin, aber nicht mehr organisiert.

Zitat von Gert im Beitrag #9
Zitat von Petra im Beitrag #8
Herbst 1982 saß ich im Aufnahmeheim Röntgental. Da meine "Geschichte" unendlich ist, musste ich mich auf einen Kurzbericht beschränken, der das Wichtigste beinhaltet.


Hallo Petra, danke für den Bericht, den ich mir gerade ( 2x) durchgelesen habe. Also da sind so einige Dinge , die ich gar nicht verstehe.
Dein Begleiter, war der auch aus Rheinland Pfalz und ein DKP Genosse oder unpolitisch ?
Weshalb argumentierten die DDR Offiziellen in dem Heim gegen die DDR Ideologie ? Sollte das eine Provokation sein ?
Weshalb hast du diese verabreichten Psychopharmaka überhaupt eingenommen ? Du warst doch ein freier Mensch und keine Strafgefangener der DDR?
Jeder Mensch ist lernfähig, daher die Frage weshalb hast du nach der Zurückweisung und der demütigenden Behandlung durch Stasi und Co es erneut in 1983 versucht, in das " Gefängnis" einzudringen?
wie konntest du in 1987 in Dresden einen Mann kennenlernen, wenn du die DDR nicht betreten durftest ?( irgendiwe unlogisch ?)
was hatte die DKP im Westen mit deiner Übersiedlung zu tun und vor allem was hatte sie zu erlauben ? Warst du "Eigentum" der DKP ?
Mit deiner Schlussbemerkung : die DDR produzierte ihre Gegner selbst bin ich 100 % einverstanden. Du hast hoffentlich erkannt und gelernt mit was für einem Mob du es tu tun hattest.
Ich selbst bin den umgekehrten Weg gegangen, mein " Röntgental" hiess "Bundesnotaufnahmelager Giessen". Dort bin ich natürlich auch "durchleuchtet" worden, aber nett und freundlich und das ganze Prozedere hat 7 Tage gedauert.

P.S bist du nach dieser Erfahrung noch Kommunistin?



















Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.06.2013 13:17 | nach oben springen

#13

RE: Aufnahmeheim Röntgental

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.06.2013 13:31
von Petra | 81 Beiträge

In meinem Bericht habe ich erwähnt, dass zum damaligen Zeipunkt eine Übersiedlung für mich unrealistisch war. Man hätte mir raten müssen freiwillig zurückzukehren und mit der DKP zu sprechen. Der Übersiedlungsantrag, der von einem freundlichen Beamten aufgenommen wurde, hätte am die SED-Bezirksleitung Potsdam Abt. Westarbeit geschickt werden müssen. Vermutlich war das "ein Stich ins Wespennest ". Es gab einen nutzlosen, von der DDR finanzierten Wasserkopf von hauptamtlichen Funktioären. Das ist eine Erklärung für das schäbige Verhalten der DKP mir gegenüber. Über den Übersiedlungsantrag ist beim weiteren Prozedere nicht gesprochen worden. Stattdessen der böse Brief an die SED-Bezirksleitung Potsdam Abt. Westarbeit. Die Ausstellung der Papiere des Heims war auf Ewig gültig.

Zitat von seaman im Beitrag #10
Zitat von Petra im Beitrag #8
Herbst 1982 saß ich im Aufnahmeheim Röntgental. Da meine "Geschichte" unendlich ist, musste ich mich auf einen Kurzbericht beschränken, der das Wichtigste beinhaltet.



Habe mir diesen Bericht durchgelesen.
Da es Dein persönliches Leben betrifft,Du es so erlebt und empfunden hast, lasse ich meine persönliche Meinung dazu völlig weg.

Allgemein zum Thema:
Tatsache ist,das auch schon Jahrzehnte vorher Übersiedler West von DDR-Institutionen abgewiesen wurden.Mal mit Begründung,mal ohne.
Nach 1961 wurde abgewiesenen Übersiedlungswilligen meist eine erneute Einreise in die DDR verweigert.
Grund dafür waren oft neu geschaffene Situationen die eine Übersiedlung erzwingen sollten.So z.b. Scheinpartnerschaften in der DDR oder vorgegebene politische Repressalien in der Bundesrepublik(Berufsverbote,Betätigung im linken Spektrum).
Auch wenn man heute dieses Übersiedlungsprocedere in der DDR nur daran festmacht,sich vor westlichen Agenten,Saboteuren u.ä. zu schützen,darf man einen anderen Aspekt dabei nicht aus den Augen verlieren.
Es waren unter den vielen Wanderern von West nach Ost,die aus familiären Gründen kamen oder sich berechtigt eine neue Lebensperspektive erhofften,auch noch eine andere Klientel darunter.Zwar verschwindend gering,aber es gab sie.
Meine damit Menschen,die weder im Westteil noch im Ostteil Deutschlands zurechtkamen.Tagträumer und Überlebenskünstler,die sich durch die Realitäten des Lebens hangelten.
Solche Menschen waren im vorgeblichen Arbeiterparadies nicht willkommen.Warum sollte man sich Probleme ins Land holen,so mancher der durchsickerte,war später ein kleines Politikum vor Ort für sich.
Andersherum war es doch ähnlich:
Manch DDR-Bürger,der mit der DDR nicht klar kam und motzend alkoholisiert schon früh am Kiosk in Leipzig z.b. hing,hatte nach dem Beitritt nur den Ort nach Hamburg gen West verlagert um seinen alten Gewohnheiten weiter zu frönen.Nur motzt man jetzt gegen Gesamtdeutschland.

seaman


zuletzt bearbeitet 23.06.2013 13:34 | nach oben springen


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