#21

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 13:27
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Verabschiede dich also von diesem Klischee, das uns nun ganz besonders...und weil wir doch auf Wacht für den Frieden standen, also das uns da ganz besonders zugesetzt wurde...das wir sensibilisiert wurden.



RMR, du hast den ständigen Politunterricht wohl völlig vergessen....ich jedenfalls nicht....aber naja, vielleicht war das ja auch anders bei euch an der Grenze....ich hab ja auch nur in die Luft gekuckt und kam wohl eher mal auf dumme Gedanken, die ein Polit dann wohl wieder auszutreiben versuchte mit Phrasendrescherei....langweilig ohne Ende jedenfalls und hat echt das Gegenteil dessen, was erreicht werden sollte, bewirkt.....

groetjes uit Palermo

Mara


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#22

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 14:37
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo Helena,

dann versuche ich auch mal mein Glück. Ich war als Polit theoretisch natürlich für "die Gehirnwäsche" verantwortlich. Aber zu glauben, dass Berieselung, Politunterricht und andere "Maßnahmen der Agitation und Propaganda" eine Gehirnwäsche bedeutet hätten, hielte ich für naiv. Rotti hat den wesentlichen Aspekt dieser Arbeit gut getroffen: Die Menge machte es - die "Dauerberieselung". Was bei diesem Effekt vielleicht auch noch eine Rolle gespielt haben dürfte, wir, die wir die Hähne zur Berieselung aufdrehten, waren durchaus überzeugt von dem, was wir sagten. Wir hielten uns für theoretisch gut geschult und mit dem Marxismus-Leninismus an unserer Seite für gestählt, jeder feindlichen ideologischen Diversion zu trotzen. Ich erspare mir die Anführungszeichen, es war der Jargon dieser Zeit.

Aber es darauf zu reduzieren würde auch nicht den Kern treffen. Der Kern war tatsächlich die eigentliche Ausbildung. Wenn Du einberufen wirst, erhälst Du zunächst mal "Schliff". Jeder Vorgesetzte beweist Dir auf Schritt und Tritt, dass Du kein Soldat bist, er aber aus Dir einen machen wird. Das hat durchaus Methode und diese ist aus Exerzier- und Innendienstvorschriften gut nachzuvollziehen. Im Kern geht es um den unbedingten Gehorsam. Der Befehl eines Vorgesetzten ist widerspruchslos auszuführen. Unzählige Kontrollpunkte erlauben es dem Vorgesetzten einzuschätzen, ob der Unterstellte an diesem Punkt ist (militärische Haltung, Kleidung, Bettenbau, Grußerweisung, Verhalten in der Ausbildung, Umgang mit Bewaffnung und Technik usw.). Alles ist so reglemntiert, dass ein defiertes Ziel herauskommt: Der gehorsame Soldat.

Dann ging es weiter mit der Grenzdienstausbildung. Je mehr die Ausbildung auf ein Ziel orientiert ohne es zu hinterfragen, desto mehr kannst Du erreichen, dass der Auszubildende sich auch nur auf die zu erfüllende Aufgabe, nicht aber auf die Hintergründe konzentriert. Auch das hat Methode. Sie setzt nahtlos die Erziehung zum Gehorsam fort und ergänzt sie um den fachlichen Teil.

Soweit betrifft das nahezu alle Armeen und bewaffneten Kräfte. Die Strukturen dahinter sind anachronistisch (stammen noch aus feudalabsolutistischer Zeit), aber die Aufgabe im Ernstfall verlangt eine unbedingte Ausführung der Befehle vom Soldaten. Sonst taugt die Armee nicht zum Krieg und dafür wird sie schließlich aufgestellt und ausgebildet.

Nun kommt einer dieser speziellen Teile. Wir hatten das hier im Forum schon mehrfach in der Diskussion, aber hier passt es mal wieder. Der für mich prägnanteste Akt der Manipulation bei den Grenztruppen fand mit der Versetzung in die grenzsichernde Einheit statt. Dem neu aus der Ausbildung kommenden Zuversetzten war in einer sogenannten Erstaussprache (nur von Offizieren zu führen) die Frage zu stellen, ob er bereit ist, in Ausübung seiner Dienstpflicht die Schusswaffe einzusetzen. Theoretisch konnte man diese Frage, von der man vorher nicht wusste, dass sie so gestellt wurde, mit Nein beantworten. Dann wäre man nicht zum Grenzdienst eingesetzt worden, man wäre in eine Stabseinheit versetzt worden. Aber auch das wusste man als Soldat in so einem Gespräch nicht. Fast alle sagten: Ja. Theoretisch war es damit ihre eigene Entscheidung, im Ernstfall zu schießen. Tatsächlich handelt es sich um eine "forcierte Entscheidung", die immer dann vorliegt, wenn man bei der "falschen" Entscheidung mit Nachteilen für sich selbst bzw. Angehörige rechnen muss. Das ist tatsächlich Manipulation vom Feinsten, die sich fortsetzt, wenn man noch bedenkt, dass wir in unserem weiteren Kommunikations- und Entscheidungsbverhalten zur Dissonanzminderung neigen. Wir versuchen mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit, uns positiv zu unseren Entscheidungen zu verhalten. Diese Frage in diesem Gespräch war aus meiner Sicht der markanteste Punkt in der Ausbildung oder Manipulation zur Anwendung der Waffe im Grenzdienst. Alles andere, was danach noch über die poltisch-ideologische Arbeit kam, konnte daran anknüpfen.

Ich habe für mich diese Zusammenhänge erst 1990 im Rahmen meines Studium beleuchtet. Als ich noch im Getriebe war, versuchte ich, so es ging zu funktionieren. So war ich schließlich ausgebildet worden.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#23

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 14:40
von Roland 87 | 215 Beiträge

Bei uns in ESA versuchten die Uffze uns das Marschieren mit einen Lied zu erleichtern.Hatte nur den Haken(Vorteil)das sie nur die erste Zeile kannten von Spanienshimmel deshalb hieß es immer ganzschnell
"Lied aus"!
Im Polit hatten wir ein Ausflug zur Wartburg,die Fahrt erfolgte mit einen Reisebus,war sehenswert.Die Sache hatte nur den Haken,wir mußten früh zeitig die Wartburg besichtigen.Damit wir ja nicht mit den Besuchern aus den Westen(z.B.amerikanische Soldaten) zusammentrafen.



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#24

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 14:47
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von manudave

Zitat
Sind Sie bereit, die DDR mit der Waffe zu verteidigen?



Und wenn man gar nicht schiessen wollte, gings es dann zu den Bausoldaten?




Die "Bausoldaten" gab es wohl erst ab Ende der 70-er Jahre. Genau weiß ich es im Moment nicht. Dort hin kam derjenige, der sich zwar vorstellen konnte, der DDR als Soldat aber eben nicht mit der Waffe zu dienen.
Für jene, die gar nicht dienen wollten, also Totalverweigerer wie zum Beispiel Zeugen Jehovas ging es vor den Richter. Dort gab es meist sehr pauschal 20 Monate Kahn/Gefängnis. Das weiß ich sehr genau, weil einige meiner früheren Bekannten aus Kinderzeiten diesen Weg gegangen sind.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#25

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:02
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Helli
Ist zwar schon etwas "eingeschlafen" das Thema aber ich hätte auch mal eine Frage zu der Ausbildung der Grenzsoldaten.

Und zwar: Wie denkt ihr, wurden die angehenden Grenzsoldaten psychisch oder emotional manipuliert oder mit welchen Mittel eventuelle auch desensibilisiert? Gab es irgendwelche Lieder zum Beispiel,
die zusammen gesungen wurden, um den Zusammenhalt zu stärken (oder es zumindest zu versuchen) etc?
Oder kurz gesagt: Wie und mit welchen Mitteln wurde versucht euer Stimmungs- und Meinungsbild zu beeinflussen?

Würde mich sehr interessieren.. :)

MfG Helena



Hallo, nein so etwas in dieser Weise, wie man es zum Beispiel in Werbefilmen der US-Army oft sehen kann oder wie ich es aus Berichten von französischen Soldaten kenne, gab es in der Grenztruppe und noch weniger der übrigen NVA nicht.
Kein regelmäßiges Singen oder Spielen der Natinalhymne, kein Morgen- oder Abendappell mit Signal vor der Fahne. Auch das, was man woanders als Patriotismus bezeichnen würde, war bei uns eher stark unterentwickelt. Zwar gab es überall Plakate über den Sieg des Sozialismus, die sozialistische Waffenbrüderschaft und ähnliche Sachen aber der Durchschnittsbürger auch in Uniform hat so etwas kaum bewußt als Leitbild zur Kenntnis genommen.
Wir haben das politische Leben in der DDR und der NVA im Speziellen mehr in einer Abwandlung eines Bibeltextes (ich weiß jetzt, ist ja schon fast 30 jahre her, die genaue Quelle nicht mehr) gehandhabt: "Gib dir, was du brauchst, so du es irgendwie kriegen kannst und dem Staat, was des Staates ist, sonst wirst du angezählt..."
Die Varianten dazwischen hat Raimann besser geschildert, als ich es könnte.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#26

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:11
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von S51

Zitat von manudave

Zitat
Sind Sie bereit, die DDR mit der Waffe zu verteidigen?



Und wenn man gar nicht schiessen wollte, gings es dann zu den Bausoldaten?




Die "Bausoldaten" gab es wohl erst ab Ende der 70-er Jahre. Genau weiß ich es im Moment nicht. Dort hin kam derjenige, der sich zwar vorstellen konnte, der DDR als Soldat aber eben nicht mit der Waffe zu dienen.
Für jene, die gar nicht dienen wollten, also Totalverweigerer wie zum Beispiel Zeugen Jehovas ging es vor den Richter. Dort gab es meist sehr pauschal 20 Monate Kahn/Gefängnis. Das weiß ich sehr genau, weil einige meiner früheren Bekannten aus Kinderzeiten diesen Weg gegangen sind.




Ich weiss genau,dass es Spaten/Bausoldaten wohl schon Anfang der 60er Jahre gab.

seaman


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#27

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:28
von dein1945 (gelöscht)
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7.September 1964

http://de.wikipedia.org/wiki/Bausoldat

Gruß aus Berlin


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#28

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:30
von Mongibella (gelöscht)
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Musterung bei mir war auch sowas....ich im vollen Ornat, will sagen, extra noch mal die Haare gefärbt, geschminkt, die westlichsten Klamotten angezogen, natürlich in schwarz und ab zur Fleischbeschau....auf die berühmte Frage zu ner Verpflichtung mit *natürlich nich* geantwortet und nach einer weiteren Frage meine pazifistische Grundhaltung deutlich gemacht, war es dann auch gut gewesen....

....sicher hat man mich so früh(2Monate nach dem Facharbeiterbrief) gezogen, um mich wieder gerade zu biegen und aus subversiven Kreisen zu halten, halt wegen meiner Outfits....und kurz vor der Einberufung(so 2-3 Wochen) lief gegen mich zB nen Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls indem der Kripobeamte beim Verhör wissen liess, das ich im Mai einberufen werden sollte und mit diesem Wissen probiert hatte Druck auf mich auszuüben....so in etwa, wir können auch dafür sorgen, das du erst spät gezogen wirst und das Verfahren wird dann bis zum bitteren Ende durchgezogen....

....naja, ich wusste, das se mir nichts beweisen konnten und ich blieb bei meinen Aussagen und kam dann im Mai '89 zur Luftwaffe Abteilung Luftkucker....

...falls der Kripobeamte der mich damals vergebens verhört hat hier mitliesst, dann kann ich ihm ja heute ruhig erzählen, das ich es war....allerdings nur in zwei Fällen....und überhaupt, das war kein Diebstahl....das war Selbsthilfe....was kann ich denn dafür, das es das, was ich brauchte, nicht zu kaufen gab....

Mara


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#29

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:40
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Ein Nein auf die Frage, ob man bereit ist, im Grenzdienst die Waffe einzusetzen, führte nicht zu den Bausoldaten. Bausoldat wurde (in der Regel), wer den Dienst an der Waffe aus Glaubensgründen ablehnte. Nach einem halben Jahr Ausbildungsregiment hatte aber jeder, der an die Grneze kam, schonmal geschossen. Somit konnte er zum Wach- und Garnisonsdienst eingesetzt werden. In der Regel erfolgte die Versetzung in die Stabslkompanie des Regiments.

Die Lieder ... ja, die Frage hatte ich glatt im Eifer vergessen. Nein - gesungen wurde nach Möglichkeit nicht oder nur sehr wenig. Herrje, ich erinnere mich noch an die Versuche, an der Offiziershochschule Marschliederwettbewerbe stattfinden zu lassen. Wenn es blöd kam, gab es sechsmal hintereinander "Spaniens Himmel". Natürlich nur die erste Strophe. War das peinlich ... Nein, diese Armee und diese Grenztruppen waren dem Gesang, zumindest dem offiziell dienstlichen, akut abhold. Das war genau wie das "Hurra" in der Taktikausbildung beim Sturmangriff. Es war eher ein unterdrückt geknurrtes Muhen, was da leise über den Taktikacker wehte.

Allerdings gab es ein Lied, das von fast allen Offiziersschülern gesungen wurde: "Der Fährmann" - Ein Heimatliedchen aus dem Elstertal (wo unter anderem auch Plauen liegt). Nur wurde das Elstertal in Stammlokal umgedichtet. Dieses Lied wurde fast ausnahmslos bei der Parade gesungen (natürlich nicht während des Vorbeimarsches) und galt als Markenzeichen der Grenztruppen - zumindest zu meiner Paradezeit (79-82).

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 10.02.2010 15:40 | nach oben springen

#30

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 15:53
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Ein Nein auf die Frage, ob man bereit ist, im Grenzdienst die Waffe einzusetzen, führte nicht zu den Bausoldaten.



Das stimmt allerdings Rainman....ich hab ja auch nich gerade begeistert geantwortet auf die Frage....aber ich wär garantiert nie an die Grenze gekommen, zu viel Westverwandschaft, schon ein Fluchtfall in der Familie, allgemeine ablehnende Haltung gegenüber dem Staat und seinen Massenorganisationen....usw....

....und glaub mir, ich war soooo froh da wo ich hingekommen bin....echt nur knapp 20 Tage Grundausbildung und dann nur noch in die Luft kucken....ich hatte wohl echt einer der besten Plätze, die man in der NVA erwischen konnte....kann wohl kaum ein echter Soldat nachvollziehen, warum ich überhaupt getürmt bin....

Der Politunterricht war ja nur in den ersten 3-4 der sechs Monaten etwas einseitig.....danach gab es offene Gesprächsrunden zu den wirklichen und aktuellen Problemen...noch etwas steif aber doch ganz anders wie es die meisten wohl in der DDR gewohnt waren....und wie du es wahrscheinlich jahrelang vermitteln musstest....

groetjes

Mara


zuletzt bearbeitet 10.02.2010 15:54 | nach oben springen

#31

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 16:18
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Mongibella
[quote="Rainman2"]... Der Politunterricht war ja nur in den ersten 3-4 der sechs Monaten etwas einseitig.....danach gab es offene Gesprächsrunden zu den wirklichen und aktuellen Problemen...noch etwas steif aber doch ganz anders wie es die meisten wohl in der DDR gewohnt waren....und wie du es wahrscheinlich jahrelang vermitteln musstest....
...


Hallo Mara,

ich glaube, ich hatte auch gelegentlich lichte Momente bei den Politschulungen. Schließlich wollte ich nicht nur den Leuten das Zeug in den Brägen trichtern sondern hin und wieder auch mal wissen, wie sie ticken. Klar hörte man viele Antworten die so klangen, wie die Soldaten glaubten, dass sie klingen sollten, wenn sie mit einem wie mir reden. Aber hin und wieder ...

Aber da musst Du maja fragen, sofern der sich noch erinnern kann. Der saß ja vor mir. Immerhin musste er mir bei unserem Besuch in Stedtlingen letzes Jahr im Oktober erstmal wieder zeigen, wo eigentlich der Politschulungsraum war (Fotos vom aktiven Wiedererinnern) ...


ciao Rainman

Angefügte Bilder:

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 10.02.2010 16:22 | nach oben springen

#32

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 16:21
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Rainman2
Ein Nein auf die Frage, ob man bereit ist, im Grenzdienst die Waffe einzusetzen, führte nicht zu den Bausoldaten. Bausoldat wurde (in der Regel), wer den Dienst an der Waffe aus Glaubensgründen ablehnte. Nach einem halben Jahr Ausbildungsregiment hatte aber jeder, der an die Grneze kam, schonmal geschossen. Somit konnte er zum Wach- und Garnisonsdienst eingesetzt werden. In der Regel erfolgte die Versetzung in die Stabslkompanie des Regiments.

Die Lieder ... ja, die Frage hatte ich glatt im Eifer vergessen. Nein - gesungen wurde nach Möglichkeit nicht oder nur sehr wenig. Herrje, ich erinnere mich noch an die Versuche, an der Offiziershochschule Marschliederwettbewerbe stattfinden zu lassen. Wenn es blöd kam, gab es sechsmal hintereinander "Spaniens Himmel". Natürlich nur die erste Strophe. War das peinlich ... Nein, diese Armee und diese Grenztruppen waren dem Gesang, zumindest dem offiziell dienstlichen, akut abhold. Das war genau wie das "Hurra" in der Taktikausbildung beim Sturmangriff. Es war eher ein unterdrückt geknurrtes Muhen, was da leise über den Taktikacker wehte.

Allerdings gab es ein Lied, das von fast allen Offiziersschülern gesungen wurde: "Der Fährmann" - Ein Heimatliedchen aus dem Elstertal (wo unter anderem auch Plauen liegt). Nur wurde das Elstertal in Stammlokal umgedichtet. Dieses Lied wurde fast ausnahmslos bei der Parade gesungen (natürlich nicht während des Vorbeimarsches) und galt als Markenzeichen der Grenztruppen - zumindest zu meiner Paradezeit (79-82).

ciao Rainman



...........hoffentlich nur auf Scheiben.
Ansonsten gibt es dem Beitrag nichts zu zufügen. Bis auf die Lieder. In Perleberg gab es 83 an sich nur zwei Bewegungen. Das eine war Gleichschritt mit Marschgesang, dass andere Laufschritt. Die 6. ABK hatte das wunderschöne Lied "auf auf zum Kampf". Andere ABK`s "Grün ist meine Waffenfarbe". Eingeleitet wurde der Gesang mit dem Befehl "Rühert Euch, ein Lied". Darauf stimmten das erste zweite und dritte Marschglied an "auf auf zum Kampf", dies wurde dann durch die jeweils ersten Marschglieder der anderen jeweiligen Züge wiederholt, bis dann das letzte Marschglied brüllte "Lied durch". Mit dem auftreten des linken Beines, erfolgte der Beginn des Absingens des Liedes. Der Befehl "lied aus" beendete dann die Vorstellung. Beim Laufschritt wurde nicht gesungen.
Verwundert hat mich, dass an der OHS in Suhl relativ wenig gesungen wurde. In dem einen Jahr Fähnrichlehrgang hat unsere Kp. einmal am Vorbeimarsch mit Marschgesang teil genommen.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#33

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 16:35
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
ich glaube, ich hatte auch gelegentlich lichte Momente bei den Politschulungen. Schließlich wollte ich nicht nur den Leuten das Zeug in den Brägen trichtern sondern hin und wieder auch mal wissen, wie sie ticken. Klar hörte man viele Antworten die so klangen, wie die Soldaten glaubten, dass sie klingen sollten, wenn sie mit einem wie mir reden. Aber hin und wieder ...



Die lichten Momente wurden wohl erst im Spätsommer 1989 immer mehr....jedenfalls gab es ab September keine in dem Sinne klassische Rotlichtstunde mehr bei uns....davor war es aber schon ziemlich indogtrinatorisch....

....bei uns halt Rainman....ich wurde ja schliesslich nich von dir berieselt...

Hmmm, euer Politraum sieht schon etwas runtergekommen aus....dem gehts wohl ähnlich der Politik....hättst ja wenigstens beim Posen deine alte Uniform anziehen können um der triesten Umgebung was Fleur zu verleihen....

groetjes

Mara


zuletzt bearbeitet 10.02.2010 16:36 | nach oben springen

#34

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 17:19
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich
Verwundert hat mich, dass an der OHS in Suhl relativ wenig gesungen wurde. In dem einen Jahr Fähnrichlehrgang hat unsere Kp. einmal am Vorbeimarsch mit Marschgesang teil genommen.


Hallo Stabsfähnrich,

ich war noch in Plauen. Aber es ist schon ein wenig tief gestapelt. Es wurde auch von uns etwas mehr Gesang verlangt als nur bei Marschliederwettbewerben. Aber die Wettbewerbe waren oft recht peinlich. Wahrscheinlich weil sie nicht wirklich gewollt waren, sondern als kulturelle Maßnahme einfach abgehakt werden mussten.

Übrigens - die Kommandogebungen und Meldungen beim Marschgesang aus dem Gleichschritt heraus:
Befehl: "Ein Lied - stimmt an"
Meldung (erstes Merschglied) z.B.: "Spaniens Himmel"
Anstimmer (ein paar "Vorsänger"): (gesungen) "Spaniens Himmel breitet seine Sterne"
Meldung aus dem letzten Marschglied: "Lied durch!"
Befehl: "Drei! Vier!"
... und dann ging es los ...
Zum Aufhören - Befehl: "Lied aus"

Zitat von Mongibella
... Hmmm, euer Politraum sieht schon etwas runtergekommen aus....dem gehts wohl ähnlich der Politik....hättst ja wenigstens beim Posen deine alte Uniform anziehen können um der triesten Umgebung was Fleur zu verleihen....
...


Hallo Mara,

ich bin zwar extrem unordentlich, aber ich schwöre Dir, ich habe den Raum damals so nicht hinterlassen! Aber meine Uniformen kann ich nicht zum Posen anziehen. Erstens: Wenn ich sie noch hätte, wäre das eine Konfektionsgröße m48 - dazu müsste ich heutzutage mindestens 20 Kilo jünger sein. Zweitens: Mir wurde einmal der Keller ausgeräumt. Dabei verschwanden auch alle Uniformen und Uniformteile, die ich noch hatte - inkl. Dolch an der Paradeuniform. Naja - waren sowieso zu klein geworden (bis auf den Stahlhelm - der Knitterfreie passt immer!).

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#35

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 17:46
von Mongibella (gelöscht)
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Hmmm Rainman, wieso soll es dir auch besser gehen wie mir....italienische Pasta in meinem Fall hat auch seine Spuren hinterlassen....übrigens, meine Uniform wurde schon viel früher *geklaut*....als meine Mutter zu meiner Flucht befragt wurde, namen zwei Leute in Zivil sie mit....

....sag mal, bist du schuld an diesem altdeutschen Grafitti....

Mara...


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#36

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 17:52
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Mongibella
....sag mal, bist du schuld an diesem altdeutschen Grafitti....
...


Dass ich es nicht veranlasst habe, musst Du mir einfach glauben. Dass ich es nicht selber an die Wand gebracht habe, kann ich ganz schnell beweisen: Das ist nämlich mit normalen Händen verdammt schwer ...
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#37

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 18:02
von Mongibella (gelöscht)
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Macht ja nichts.....aber altdeutsch hat schon was.....ich hab früher öfters mal abendfüllend in der Schrift meine Videobänder und Cover beschriftet mit Fineliner....


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#38

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.02.2010 20:11
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Rainman2

Zitat von Stabsfähnrich
Verwundert hat mich, dass an der OHS in Suhl relativ wenig gesungen wurde. In dem einen Jahr Fähnrichlehrgang hat unsere Kp. einmal am Vorbeimarsch mit Marschgesang teil genommen.


Hallo Stabsfähnrich,

ich war noch in Plauen. Aber es ist schon ein wenig tief gestapelt. Es wurde auch von uns etwas mehr Gesang verlangt als nur bei Marschliederwettbewerben. Aber die Wettbewerbe waren oft recht peinlich. Wahrscheinlich weil sie nicht wirklich gewollt waren, sondern als kulturelle Maßnahme einfach abgehakt werden mussten.


.............siehst und wir mußten dazu auch noch marschieren. Meist auf dem Weg zum Speisesaaal.

Übrigens - die Kommandogebungen und Meldungen beim Marschgesang aus dem Gleichschritt heraus:
Befehl: "Ein Lied - stimmt an"
Meldung (erstes Merschglied) z.B.: "Spaniens Himmel"
Anstimmer (ein paar "Vorsänger"): (gesungen) "Spaniens Himmel breitet seine Sterne"
Meldung aus dem letzten Marschglied: "Lied durch!"
Befehl: "Drei! Vier!"
... und dann ging es los ...
Zum Aufhören - Befehl: "Lied aus"

ciao Rainman

...........kann es sein, dass sich im Laufe der Geschichte, die Befehle und Ritualien etwas geändert haben. Selbst wenn jetzt ein Kamerad aus der US VI schreibt, nee nee bei uns hat der rechte Flügelmann geschrieen .......auf auf zum Kampf. Würde Dem sogar recht geben - und dies ohne Zweifel. Es gab keine Ex- Vorschrift zum Marschgesang.
Genosse Hauptmann, gestatten Sie dass ich wegtrete.



Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#39

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.02.2010 14:18
von Helli (gelöscht)
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Erstmal Danke für die ganzen Antworten zu meiner Frage :)

Was vielleicht etwas falsch rüberkam, ist, dass ich eigentlich nicht meinte, dass ja jedem Soldaten eine "Gehirnwäsche" (wie teilweise geschrieben wurde) verpasst wurde. Ich wollte nur wissen, OB denn die Grenzsoldaten (ob nun bei Ausbildung oder auch während der Dienstzeit) beeinflusst wurden und FALLS JA, WIE. :)

Zitat von Rotti
Politunterricht, AK-ansehen, und nicht zu vergessen - legales Westfernsehen - Der Schwarze Kanal.
Und während der gesamten Ausbildung und Dienstzeit wurden wir alle auffällig und unauffällig ständig beinflußt.
Ich erinnere mich da noch ganz deutlich an einen Vortrag -> was der GV so alles für seinen Durchbruch mitnimmt: Schlagringe, Messer und KK-Kalaschnikows - Stichwort alles Mörder und Verbrecher und Klassenfeinde.



Dazu hätte ich nochmal eine Frage. Und zwar wie genau meinst du das mit dem Politunterricht, Ak-Ansehen und dem Westfernsehn? Also inwiefern wurdest du/man dadurch beeinflusst? Und: Weißt du noch was genau das für ein Vortrag war, wo dieses Bild vom GV geschaffen wurde? Während der Ausbildung?


Zitat von Rotti

Ich bin übrigens der Meinung das die Angehörigen von GT schon besonders bearbeitet wurden:
Angst -> vor dem Kanten, vor dem GV, vor dem nicht verhinderten Grenzdurchbruch, vor deinen eigenen Mitsoldaten, vor den 2000-ern. Wenn Du etwas falsch machst, dann die Konsequenzen. Du musst lernen wie die Grenze funktioniert sonst... und der GV muss geschnappt werden sonst... . Ich habe erlebt wie Leute degradiert wurden, weil sie eine Spur übersehen hatten.



Wurde denn eigentlich oft zB mit Schwedt, einer Degradierung oder sonstigen Konsequenzen gedroht? Oder wurde darüber kaum gesprochen?


zuletzt bearbeitet 12.02.2010 14:29 | nach oben springen

#40

RE: Ausbildung zum DDR Grenztruppen Soldaten

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.02.2010 14:27
von Helli (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
Nun kommt einer dieser speziellen Teile. Wir hatten das hier im Forum schon mehrfach in der Diskussion, aber hier passt es mal wieder. Der für mich prägnanteste Akt der Manipulation bei den Grenztruppen fand mit der Versetzung in die grenzsichernde Einheit statt. Dem neu aus der Ausbildung kommenden Zuversetzten war in einer sogenannten Erstaussprache (nur von Offizieren zu führen) die Frage zu stellen, ob er bereit ist, in Ausübung seiner Dienstpflicht die Schusswaffe einzusetzen. Theoretisch konnte man diese Frage, von der man vorher nicht wusste, dass sie so gestellt wurde, mit Nein beantworten. Dann wäre man nicht zum Grenzdienst eingesetzt worden, man wäre in eine Stabseinheit versetzt worden. Aber auch das wusste man als Soldat in so einem Gespräch nicht. Fast alle sagten: Ja. Theoretisch war es damit ihre eigene Entscheidung, im Ernstfall zu schießen. Tatsächlich handelt es sich um eine "forcierte Entscheidung", die immer dann vorliegt, wenn man bei der "falschen" Entscheidung mit Nachteilen für sich selbst bzw. Angehörige rechnen muss. Das ist tatsächlich Manipulation vom Feinsten, die sich fortsetzt, wenn man noch bedenkt, dass wir in unserem weiteren Kommunikations- und Entscheidungsbverhalten zur Dissonanzminderung neigen. Wir versuchen mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit, uns positiv zu unseren Entscheidungen zu verhalten. Diese Frage in diesem Gespräch war aus meiner Sicht der markanteste Punkt in der Ausbildung oder Manipulation zur Anwendung der Waffe im Grenzdienst. Alles andere, was danach noch über die poltisch-ideologische Arbeit kam, konnte daran anknüpfen.



Und gleich noch eine Frage und ein Dankeschön für deinen Beitrag, Rainman2. :)
Diese "forcierte Entscheidung" die du mit der Beantwortung der Frage nach dem Gebrauch der Schusswaffe verbindest. Welche Nachteilen für einen selber oder seiner Familie wäre denn zu rechnen gewesen? Und woher wusste das der Grenzsoldat?

Und der Satz, den ich in fett gemacht habe, den verstehe ich nicht so richtig. Redest du da von den Grenzsoldaten oder von den Menschen allgemein, die mit über 50%iger Wahrscheinlichkeit sich positiv ihren Entscheidungen gegenüber verhalten? hm..


zuletzt bearbeitet 12.02.2010 14:28 | nach oben springen



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