#41

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 29.05.2009 13:50
von S51 | 3.733 Beiträge

An Hirschen? Wie kriegt man den in die Futtertasche?
Aber bei Waffen und Munition war der Spaß nicht so doll. Man hat schon sehr genau hingesehen, was da passiert ist. Schließlich hätte es im Extremfall sein können, dass da irgendwo ein Mensch vor sich hin ... Also mußte die Ursache für den Verlust schon sicher sein und es mußte sicher sein, dass nichts Schlimmes passiert war. Wenn es aber nur Dußlichkeit, Pech oder Schicksal war, dann hatte man als Grenzer sicher bis hinauf zum KC (Kompaniechef) kein Interesse an dem offiziellen Aufstand oder besser Sa...stand, der mit solch einem Vorfall verbunden war. Untersuchung, Vorwürfe an Führung, Vorbildwirkung, lästige Überprüfungen selbstverständlich zusäzlich zum eh schon stressigen Dienst und alles vielleicht nur, weil so ein Ding in einer Felsspalte unwiderbringlich versumpft war?
Da ging die Sache besser nur den kleinen Dienstweg und alles war zufrieden.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#42

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 29.05.2009 14:49
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Noch mal zurück zu kommen auf das Thema.Ich glaube das kennt jeder Grenzer.Wenn die einzelnen Züge aus der Grenzsicherung kamen.Und standen unter auf den Hof zu Waffenkontrolle und jemand vergaß das Magazin rauszunehmen und feuerte ab.Da ging einen der A...auf Grundeis.In meiner Dienstzeit ist dabei glücklicher Weise alles glimpflich abgegangen.Meist kam es vor wenn man aus der Nachtschicht kam.Aber was passierte dann,der Vorfall wurde zum Stab gemeldet und der Betroffene schrieb ne Stellungnahme.


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#43

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 29.05.2009 17:59
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo ,

ich denke auch,das es dem Hauptfeld(und anderen Vorgesetzten)zu gute kam das solche kleinen Verluste nicht gemeldet wurden,sondern auf "dem kleinen Dienstweg" geklärt wurden sind.
Denn ansonsten war man ja ganz pedantisch bei Patronenübergabe,z.B. bei Schießen in Potsdam,ich weiß nicht mehr wie oft wir den Munitionsempfang unterschreiben mußten in der Munitionskladde vom Waffenuffz.und immer wieder melden:Soldat...bereit zum Munitionsempfang,Soldat...Munition empfangen,Soldat...Magazin mit 5 Schuß geladen usw.Zur Ausbildung war das wirklich streng.
Mit dem Umgang in den Kompanien wurde darüber anders gedacht,da ich selbst Waffenkammerberechtigter war,weiß ich ,das die stille Reserve"in der Waffenkammer im Panzerschrank für die Pistolen lag,jedenfalls war es bei uns so.Denn die vielen Protokolle bei Munitionsverlust zu schreiben war sicher S...stand.

04/86-04/87 in Schierke


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#44

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 30.05.2009 01:44
von Grenzfuchs | 446 Beiträge

Eine tolle Sache "betrieben" wir zu meiner Zeit 73-75. Anfänglich hatten wir den ollen Holz-BT in Mödlareuth noch zu stehen. In der Kanzel saßen wir auf einer Holzbohle und mittig eine rießige ausgebrannte Delle. Anfänglich hatte ich hierzu keine Ahnung, bis mich eines Tages mein Posten einweihte.
Er empfahl mir vor Schichtbeginn in der Küche Knacker zu organsieren. Gesagt - getan. Als dann der große Hunger kam staunte ich was dann passierte. Die Knacker auf dem Reinigungsstock der Kaschi aufgespießt und mit dem Messer rundum eingeritzt. In die Delle kam dann eine von den guten alten Spiritustabletten und die Wurst wurde auf offener Flamme "gegrillt".
Man, die schmeckte echt lecker, wenn auch leicht nach Spiritus - aber egal - heiß und schmackhaft.
Das schlimme daran war nur, das man einen mörderischen Durst bekam und auf dem Turm war nix mit mal fix in der Kneipe einkehren.
Was blieb uns übrig, als nur den mitgebrachten Kaffee oder Tee zu schlürfen!

Eines Tages kam was kommen musste - infolge der häufigen Nutzung der Feuerstelle krachte diese bei einem Postenpaar durch und die beiden fielen mörderisch auf die Nase!

Euer Grenzfuchs


Wer mit dem Strom schwimmt, wird nie die Quelle sehen!

GT der DDR, 1972-1975, GKS Süd -> GR-10 "Ernst Grube", II. Bat. Göttengrün / 8.GK Juchhöh - Uffz. - FW. d. Res.
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#45

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 02.06.2009 15:19
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo zusammen,
das "Brutzeln"war bei uns auch Gang und Gebe.Da wurden aus der MHO Büchsen mit Schweine- und Rindfleisch besorgt.Den Hartspirituskocher nicht vergessen.Vorallem auf dem B-Turm war das am Schönsten.Die Büchse aufgemacht(aber den Deckel nicht ganz ab!),mit dem Messer das Fleisch über Kreuz geschnitten und dann auf den Kocher.Wenns Fett flüssig war,abgiessen.Aber vorher nachschauen, ob keiner unterm Turm steht. Und dann guten Appetit.Da warste dann satt.
Mit der Knacker haben wirs auch so gemacht.Wir haben aber nur eine Seite vom "Zentralorgan" mit genommen. Das mußte reichen.Problem war nur, ne Knacker aufzutreiben.Da wurden welche mit beauftragt,die ins Batallion nach Geisa/Rhön gefahren sind. War immer eine Abwechslung von der "Flugwurscht".
Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#46

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 02.06.2009 16:59
von S51 | 3.733 Beiträge

Also "vorne" ging das natürlich nicht aber im Hinterland hat man auf Streife Abwurfstangen von Hirschen gesucht. Manchmal auch fotografiert. Die Practika passte in die Kartentasche neben das Funkgerät. Durfte natürlich keiner mitkriegen.
Im Winter machte es jedenfalls meinem Hund Spaß, mich mit den Skiern hinter sich herzuziehen. Das ging natürlich auch ab und an schief (vor allem in Kurven).


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#47

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 01:31
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von S51
Im Winter machte es jedenfalls meinem Hund Spaß, mich mit den Skiern hinter sich herzuziehen. Das ging natürlich auch ab und an schief (vor allem in Kurven).


zum Thema "Schnee und Grenzer" stelle ich Euch einen kleinen Clip rein, wieder aus der DVD DDR Grenztruppen erhaeltlich hier.

Berliner


zuletzt bearbeitet 03.06.2009 01:33 | nach oben springen

#48

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 01.07.2009 11:43
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Zitat von suentaler
Hallo Grenzgänger86,

das kann ich bestätigen.
Bei uns in Ilsenburg war es ganz genauso.
GMN in 2 Schleifen, so daß der KGSi gleich sehen konnte, ob es ein Posten links oder rechts der FÜST war, der sich meldete.
Und wir hatten auch alle zusätzlich zum GMN-Hörer ein Funkgerät mit.
Wenn ich mich recht erinnere, war es das hier im Bild (UFT-771)
Die Antenne ging schnell mal verloren, wenn man nicht aufpasste und die Akkus hielten auch nicht lange, jedenfalls keine 8 Stunden.

Wir hatten einen Soldaten in der Kompanie, der nur für das Akkuladen verantwortlich war.

Gruß
Suentaler


Als Ex-Nachrichten-Uffz bzw "Funki", wie man mich nannte, hier ein paar Erläuterungen zu den Problem mit en Akkus.
Es gab Varianten mit 2 Akkus, die senkrecht in das FG eingeführt wurden und Varianten mit einem doppelt so langen
Akku, der quer eingeführt wurde. Letztere Variante taugte aber wenig, die hielten nur halb so lange.
Ich habe im großen und ganzen die Erfahrung gemacht, dass erstere besser waren und in der Regel auch die Schicht
durchhielten. Es kam natürlich auf die Betriebsdauer an, wie lange gesendet, empfangen wurde. Am wenigsten Saft
verbrauchte das Gerät, wenn es nur in Bereitschaft war.
Da die Akkus aus NiCd waren, trat hier der sogenannte Memory-Effekt ein, dh. wurden sie geladen, wenn sie nicht ganz leer
waren oder wurde die Ladung vorzeitig unterbrochen, verringerte es die Kapazität und die Lebensdauer. Wir kennen
das von älteren Handys. Zu jeden FG gehörten 3 Sätze Akkus, so dass jeder posten noch ein Paar Ersatzakkus mit bei hatte.
Übrigens, ein weiteres Problem war das Verlieren der Akkus, wenn sich die Klappe öffnete. man versuchte das durch einige
Erfindungen zu verhindern, wie zB. Kunststofflaschen am Verschluss und später Taschen, in die die Funkgeräte hinein kamen.
Nur eigentlich hätte das Verlieren derselben bemerkt werden müssen, da, genau wie beim Aussschalten ein paar Sekunden
ein fortwährendes Kancken zu hören war.
Das Problem mit abgebrochenen oder verlorenen Antennen ist mir auch bekannt. Es gab zwei Varianten: Stabantenne und
Kabelantenne, beide hatten so ihre Vor- und Nachteile.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#49

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 01.07.2009 12:14
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von TOMMI
Übrigens, ein weiteres Problem war das Verlieren der Akkus, wenn sich die Klappe öffnete. man versuchte das durch einige Erfindungen zu verhindern, wie zB. Kunststofflaschen am Verschluss und später Taschen, in die die Funkgeräte hinein kamen...


Ach ja, die guten alten Einweck-Gummis
Wir hatten zwar auch Taschen dafür (wahrscheinlich ein Rüstungsartikel aus dem VEB Obertrikotagen Apolda ), aber einige fanden es cooler, das UFT in die Beintasche der Felddienstuniform zu stecken und das Sprechteil an's Koppel zu klemmen. Dann war die Gefahr der Aufhängens im Grenzdienst (Tragegestell, Waffe, Fernglas) zumindest um einen Riemen verringert.
Ich konnte es überhaupt nicht ab, so viel Gebammsel an mir 'rumhängen zu haben, also wurden Riemen und Tasche des UFT beim UvD gelassen.


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#50

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 21.09.2009 19:01
von EK 81/2 | 46 Beiträge

Zum Thema Zeitvertreib im Grenzdienst fallen mir so einige Sachen ein.
z.B. Hatten einige PF immer ein langes Verlängerungskabel(dieses wurde immer vererbt) für das GMN bei sich gehabt.
Das hat dann der PF schön aus gerollt, mit entlichen Schleifen verlegt. Wenn dann die KS kam um den Posten zu kontrollieren ist der meißt dann immer dem Kabel nach gelaufen. Bis er dann feststellen mußte das der Posten doch ganz nah dem angewiesenen Posten beim GMN-Anschluss besetzt hatte.Vorwiegend zur Nachtzeit wurde das gemacht.Der Posten hat sich dann immer köstlich amüsiert darüber wie die KS seinem Verlängerungskabel gefolgt ist.

Oder die LO-Fahrer hatten immer Blechbrotdosen gehabt. Wenn der LO-Fahrer zur Kontrolle der 501-Anlage los mußte wurde vorher das Brot vorbereitet. Die verhandenen Postenbrote wurden entwas verfeinert mit Käse oder Pilzen u. a. leckere Sachen. Dann wurde beim LO die Motorhaube hoch gemacht, die Blechbrotdosen auf den Motorblock gestellt und ab ging es zur Kontrolle. Wenn die Kontrolle beendet war dann waren auch die Brote auch fertig, also schön knusprig überbacken gewesen.


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#51

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 21.09.2009 20:13
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Grete85
Hallo zusammen,
das "Brutzeln"war bei uns auch Gang und Gebe.Da wurden aus der MHO Büchsen mit Schweine- und Rindfleisch besorgt.Den Hartspirituskocher nicht vergessen.Vorallem auf dem B-Turm war das am Schönsten.Die Büchse aufgemacht(aber den Deckel nicht ganz ab!),mit dem Messer das Fleisch über Kreuz geschnitten und dann auf den Kocher.Wenns Fett flüssig war,abgiessen.Aber vorher nachschauen, ob keiner unterm Turm steht. Und dann guten Appetit.Da warste dann satt.
Mit der Knacker haben wirs auch so gemacht.Wir haben aber nur eine Seite vom "Zentralorgan" mit genommen. Das mußte reichen.Problem war nur, ne Knacker aufzutreiben.Da wurden welche mit beauftragt,die ins Batallion nach Geisa/Rhön gefahren sind. War immer eine Abwechslung von der "Flugwurscht".Gruß Grete




Hallo Grete,
das ist ein Begriff, der mir vollkommen abhanden gekommen ist.
Jetzt wo ich das gelesen habe, habe ich erst einmal herzhaft lachen müssen.
Die gute alte "Flugwurst" - wie konnte ich so eine Bezeichnung nur vergessen.
"Flugwurst" gehört doch zur Grenze wie der Trabbi zur DDR.

Tschüß und danke für die Erinnerung

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#52

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 21.09.2009 21:09
von DHF_GT (gelöscht)
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Nun ja, als Diensthundeführer hatte man in einer Schicht so bis an die 20 km am Kanten zu laufen. 20 km Kanten-Latschen am K2 war schon nicht ohne. Ich denke s51 kann da auch ein Lied von singen. Im Sommer war´s ja noch ganz angenehm (abgesehen davon, meinen DH nach der Schicht von den Zecken zu erlösen)in einer lauen Nacht ohne Regen zu laufen. Aber im Winter musste man ganz schön ranklotzen, weil man ja im Schnee zwei Schritte machen musste, wo man im Sommer ein saloppes Sprüngchen machte... Lustig war immer das Postenführer foppen (ich hatte als Uffz. immer einen Uffz. oder Ufw. als Postenführer an meiner Seite...;o). Es gab ja viele Kuh-Koppeln mit Weidezaun in der Altmark. Wenn der Postenführer angestrengt mit dem Fernglas feindwärts geschaut hat was Zoll und BGS so treiben, habe ich den Weidezaun fest (dann merkt man selber nix) in die Hand genommen, und meinen Zeigefinger ganz sachte Richtung Hand des Postenführers bewegt. Der Spaß war ganz auf meiner Seite als der Lichtbogen übersprang. Da hat er dann ganz schön gezuckt, das zwiebelte richtig Übel genommen hat mir das keiner meiner Postenführer, im Gegenteil, da kam dann öfter: "Das muss ich mir merken....". Ansonsten, nun ja, die Kollegen des Zolls und des BGS mit der roten Code-Tabelle belobigen (oder war die grün, jut dann war es was anderes rotes). Man hatte auf der Strecke schon viel Kurzweil. "Weiße Frau" auf dem K6 kieken (was nach 7 Stunden Fußmarsch, in den Morgenstunden angekommen, keine Seltenheit war). Man hatte auch richtig Bewegung. Der DH sollte ja immer (!!!) angeleint sein, da gab´s eine DV für. Gut das konnte man dem Tier (und dem DHF) aber nicht zumuten. Also, Leine los. Nun gut, Bello war dann auch los als er den ersten Hasen gesehen hat. Was machte der DHF, natürlich, hinterher. Wen ich den DH wieder an der Leine hatte hing mein Waschlappen mehr raus als seiner. Und dieses Spiel wiederholte sich fast jede Nacht. Einige wenige Male hatte ich Dienst zwischen beiden Zäunen. Da habe ich mir das Ableinen allerdings nur einmal erlaubt, weil mein DH eine wahre Disko mang den Signaldräten losgetreten hatte, als er wieder einmal einem Meister-Lampe auf der Spur war. Das war schon ein geiles Feuerwerk. Oberste Prämisse war immer pünktlich am Zielort anzukommen weil da schon der LO wartete...;o) Und die Kraftfahrer wollte man nicht verärgern, weil, die brachten uns ja immer 10 vor 3 mit.... ;o)
Beste Grüße,
DHF_GT


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#53

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 22.09.2009 00:38
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Oberste Prämisse war immer pünktlich am Zielort anzukommen weil da schon der LO wartete...;o) Und die Kraftfahrer wollte man nicht verärgern, weil, die brachten uns ja immer 10 vor 3 mit.... ;o)
Beste Grüße,


kleine Übersetzung: zehn vor Drei war Weinbrand zum EVP von 14,50.

Aber zum Thema "Was wurde so im Grenzdienst getrieben?". Als Berufssoldat war man von den Spielchen der Soldaten weniger begeistert und bekam diese auch relativ selten mit. Es kam überraschender Weise dazu, dass man zu den s.g. "aufklatschen" befohlen wurde. Teilweise wurden von schlafenden, brutzelnden etc. Soldaten sogar per Befehl mittels Kamera Bilder gefertigt. Eine der beliebtesten Beschäftigungen der Soldaten war neben dem brutzeln von Pilzen und anderen Köstlichkeiten, der so bei uns genannte "Butzenbau". Wirkliche Meisterleistungen welche teilweise auf dem Brandschutzstreifen entstanden. Erdhütten mit Überdachung, Sitzgelegenheiten und teilweise sogar Fensterverglasung (z.B. Schletauer Weg). Mit gelegter Spickschnur vom GMN aus. So ca. 2 mal im Jahr wurden die Butzen eingerissen. Es dauerte jedoch nicht lange bis Neue entstanden. Beliebt war auch der s.g. Postentreff. Der rechte Posten traf sich mit dem linken Posten des nachfolgenden GA - hier erste GK Aulosen. Auf der FüSt war beliebt - die Bratwurst. Dazu wurden zwei Metallstricknadeln je links und rechts durch eine Bockwurst gesteckt. Nachdem mittels Schalter die Kraftstromsteckdose außer Betrieb genommen war, wurden die Metallnadeln in die Steckdose eingeführt und der Strom wieder zu geschaltet. Sobald die Wurst anfing kleine Blasen zu schlagen - Strom aus und fertig war die Bratwurst. Nicht zu vergessen dass die 35 Ampere Sicherung noch mit einem Pfennig überbrückt wurde.
Wenn der Schlaf auf die Augen drückte, waren alle Soldaten gleich. Besonders auf der FüSt. In der ersten zeit das eintönige ticken des KSB später dann das Summen der technischen Geräte zur Zeit der GZA 80. Bei Einsätzen im Hinterland, war schlafen relativ einfach zumal man "Einzelkämpfer" war. Stallungen etc. waren tolle Schlafplätze. Selbst Kontrollen welche der Meinung waren, man müßte zu der Zeit an diesem PoP sein, konnte man mit der Ausrede hinhalten, dass man verdächtige Beobachtungen gemacht hat, welche auf zu klären waren. Meist war das Thema damit erledigt. ich selber habe den Offizier Aufklärung des GB in seinem Trabant Kübel schlafend festgestellt zur Nachtzeit im Bereich Schramper Strasse.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
zuletzt bearbeitet 22.09.2009 01:04 | nach oben springen

#54

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 22.09.2009 02:49
von Nomex | 254 Beiträge

Ja wenn man 8 Stunden im Abschitt gehandelt hat war das schon Anstrengend.

Aber wenn man 10 Stunden in einer Kuhle gelegen hat und dann auch noch nachts, das war dann schon belastend. 4 Liter Kaffe sind dann auch schon mal schnell alle gewesen.

Das auch noch mitten in einem Feld von PSG, weil am GSSZ pion.Ausbau war. Beim Robben zu einer Stelle wo man den überschüsssigen Kaffee entsorgen konnte bin ich dann auch mit dem Haken des Tragegestell (alter Art, Schlaufen am Koppel) promt an der Strippe hängengeblieben. Ja dann war wenigstens für Abwechslungs gesorgt.

Eh, ich will damit nicht den normalen Grenzdienst runter machen. War nur ein paar Wochen draußen und kann mir so niemals ein Urteil erlauben.

Gruß aus der Lausitz


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
zuletzt bearbeitet 22.09.2009 04:58 | nach oben springen

#55

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 24.09.2009 22:32
von DHF_GT (gelöscht)
avatar

Jau, der Stabsfähnrich hat Recht, 10 vor 3 = 14,50.- EVP. Soviel kostete ein Flasche Goldbrand.... ;o)

@Stabsfähnrich:
LoL, Die richtige Bezeichnung für die Bockwurst mit den beiden Stricknadeln hieß glaube ich "elektrische Bockwurst" Physik 6.Klasse in der DDR... Und da man das nicht vergessen hat, hat man am Kanten immer was Warmes gehabt... ;o) Man musste nur rechtzeitig den Stecker aus der Dose ziehen damit einem die Wurst nicht um die Ohren geflogen ist. Strom war schon eine wichtige Sache bei den GT...
Beste Grüße an Alle,
DHF_GT


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#56

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 30.09.2009 11:30
von Grete85 | 840 Beiträge

Zitat von Oss`n

Zitat von Grete85
Hallo zusammen,
das "Brutzeln"war bei uns auch Gang und Gebe.Da wurden aus der MHO Büchsen mit Schweine- und Rindfleisch besorgt.Den Hartspirituskocher nicht vergessen.Vorallem auf dem B-Turm war das am Schönsten.Die Büchse aufgemacht(aber den Deckel nicht ganz ab!),mit dem Messer das Fleisch über Kreuz geschnitten und dann auf den Kocher.Wenns Fett flüssig war,abgiessen.Aber vorher nachschauen, ob keiner unterm Turm steht. Und dann guten Appetit.Da warste dann satt.
Mit der Knacker haben wirs auch so gemacht.Wir haben aber nur eine Seite vom "Zentralorgan" mit genommen. Das mußte reichen.Problem war nur, ne Knacker aufzutreiben.Da wurden welche mit beauftragt,die ins Batallion nach Geisa/Rhön gefahren sind. War immer eine Abwechslung von der "Flugwurscht".Gruß Grete




Hallo Grete,
das ist ein Begriff, der mir vollkommen abhanden gekommen ist.
Jetzt wo ich das gelesen habe, habe ich erst einmal herzhaft lachen müssen.
Die gute alte "Flugwurst" - wie konnte ich so eine Bezeichnung nur vergessen.
"Flugwurst" gehört doch zur Grenze wie der Trabbi zur DDR.

Tschüß und danke für die Erinnerung

Oss`n




Hallo Oss´n,

ja die "Flugwurscht".Die hieß ja deshalb so, weil sie sehr oft in den Wald geflogen ist.Die Trassenhunde haben sich aber auch darüber gefreut.
Zum Knacker brutzeln muß ich noch ergänzen, das die über Kreuz eingeschnitten und nachdem sie längst auf den Reinigungsstab der"Krawallnikow" geschoben wurde.Das raustropfende Fett hat dann das"Zentralorgan" am Brennen gehalten.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#57

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 07.10.2009 15:51
von rustenfelde | 676 Beiträge

Zitat von Grete85

Zitat von Oss`n

Zitat von Grete85
Hallo zusammen,
das "Brutzeln"war bei uns auch Gang und Gebe.Da wurden aus der MHO Büchsen mit Schweine- und Rindfleisch besorgt.Den Hartspirituskocher nicht vergessen.Vorallem auf dem B-Turm war das am Schönsten.Die Büchse aufgemacht(aber den Deckel nicht ganz ab!),mit dem Messer das Fleisch über Kreuz geschnitten und dann auf den Kocher.Wenns Fett flüssig war,abgiessen.Aber vorher nachschauen, ob keiner unterm Turm steht. Und dann guten Appetit.Da warste dann satt.
Mit der Knacker haben wirs auch so gemacht.Wir haben aber nur eine Seite vom "Zentralorgan" mit genommen. Das mußte reichen.Problem war nur, ne Knacker aufzutreiben.Da wurden welche mit beauftragt,die ins Batallion nach Geisa/Rhön gefahren sind. War immer eine Abwechslung von der "Flugwurscht".Gruß Grete




Hallo Grete,
das ist ein Begriff, der mir vollkommen abhanden gekommen ist.
Jetzt wo ich das gelesen habe, habe ich erst einmal herzhaft lachen müssen.
Die gute alte "Flugwurst" - wie konnte ich so eine Bezeichnung nur vergessen.
"Flugwurst" gehört doch zur Grenze wie der Trabbi zur DDR.

Tschüß und danke für die Erinnerung

Oss`n




Hallo Oss´n,

ja die "Flugwurscht".Die hieß ja deshalb so, weil sie sehr oft in den Wald geflogen ist.Die Trassenhunde haben sich aber auch darüber gefreut.
Zum Knacker brutzeln muß ich noch ergänzen, das die über Kreuz eingeschnitten und nachdem sie längst auf den Reinigungsstab der"Krawallnikow" geschoben wurde.Das raustropfende Fett hat dann das"Zentralorgan" am Brennen gehalten.

Gruß Grete




Noch eine kleine Verbesserung: Der angebliche Reinigungsstab der AK hieß: BRATSPIEß!

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


zuletzt bearbeitet 07.10.2009 15:51 | nach oben springen

#58

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 07.10.2009 17:09
von Grete85 | 840 Beiträge


Oss`n[/quote]

Hallo Oss´n,

ja die "Flugwurscht".Die hieß ja deshalb so, weil sie sehr oft in den Wald geflogen ist.Die Trassenhunde haben sich aber auch darüber gefreut.
Zum Knacker brutzeln muß ich noch ergänzen, das die über Kreuz eingeschnitten und nachdem sie längst auf den Reinigungsstab der"Krawallnikow" geschoben wurde.Das raustropfende Fett hat dann das"Zentralorgan" am Brennen gehalten.

Gruß Grete[/quote]

Noch eine kleine Verbesserung: Der angebliche Reinigungsstab der AK hieß: BRATSPIEß!

Gruß RF[/quote]
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Hallo rüstfelde,
da war ja der "Hauptfeld" immer dabei!

Gruß Gtrete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
zuletzt bearbeitet 07.10.2009 17:09 | nach oben springen

#59

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 07.10.2009 17:37
von Ludwig | 252 Beiträge

Hallo, maja64,

Rezeptur stimmt mit unserem bis auf ein Detail überein:

Zur Vermeidung der Rauchentwicklung haben wir anstatt Papier Spiritustabletten genommen,
garantiert rauchfrei !!

Ansonsten: Schaschlik war lecker !



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#60

RE: Zeitvertreib im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 07.10.2009 17:43
von karl143 (gelöscht)
avatar

Nachdem es hier zuletzt um Nahrungsaufnahme ging, will ich auch mal was beisteuern. Im Braunschweiger Abschnitt des BGS gabs westl. vom Kleinen Fallstein das Probsteiholz, eine ca. 250 m lange "Allee" mit Kirschbäumen. Wenn man da immer meterweise durchfuhr konnte man wunderbar duch das Schiebedach Kirschen ernten. Da wurden dann saisonal soviel geerntet, das der Vorrat über die gesamte Streifenzeit hielt...
Mann, waren das noch Zeiten...


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