#741

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 27.06.2015 15:01
von selle | 51 Beiträge

Naja @Mart, nur mit dem "Teil des Systems" kann man einige Sachen nicht relativieren. Es gab auch welche, denen es Spaß gemacht hat, andere zu schickanieren. Die gab es damals, die gab es weit davor, die gibt heute und die wird es auch in Zukunft geben (Boah, was für eine Weisheit!)... Thomas müsste seine letzte Runde gedreht haben, als du Schüler warst, oder? Du hast mir mal in einer PN geschrieben, dass du Schüler in seiner Gruppe warst.

Ja, wie sehe ich die Sache mit dem "Teil der Gruppe"?

Zuerst muss ich sagen, dass ich, wie schon mehrfach angedeutet, kaum noch so RICHTIGE Erinnerungen habe. Du hast zwar schon Einiges wieder hervorgeholt, aber Vieles ist sehr nebulös. Insofern erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit :)

Was mir allerdings sehr deutlich in Erinnerung ist, das ist mein damaliger fachlicher Chef - Major Ru. Der hat dafür Sorge getragen, dass ich innerhalb meiner Gruppe das jeweils beste Verhältnis aufbauen konnte, was unter den Gegebenheiten möglich war. Da ich zu ihm mit so ziemlich jedem Problem kommen konnte, hat sich das, so denke ich, auch auf das Verhältnis zu "meinen Jungs" ausgewirkt.Ich stimme dir also in jedem Fall zu, was die jeweils eigene Gruppe betrifft - da haben sich wohl die meisten GF Mühe gegeben - die meisten Schüler auch.

Was damals in deiner ersten Gruppe schief gelaufen ist, das haben wir noch nicht besprochen, nur die Folge für den Schüler hast du mir genannt. Ich kann mich zwar total gut an Arnd erinnern - verrückt, wie deutlich sein Geischt in meiner Erinenrung ist (wow, jetzt wo ich so drüber nachdenke, sind das ziemlich viele!), aber an deine Schwierigkeiten, den Tausch der Gruppen und Gespräche, die wir laut deinen Aussagen, die ich nicht anzweifle (!), geführt haben, so gar nicht. Auch an einzelne Schüler meiner Gruppen kann ich mich nicht wirklich erinnern.

Je mehr ich über das alles nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich die Dinge von damals zu sehr mit meinem jetzigen Ich betrachte. Ich bin sehr harmoniesüchtig und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mich jemals mit jemandem überwerfen könnte. Das ich damals vielleicht noch nicht so war, ist klar, nur kann ich mich da nicht mehr reinversetzen... Verzwickt! Heute hätten es meine Schüler sehr gut bei mir, soviel ist mal sicher!


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#742

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 27.06.2015 20:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von selle im Beitrag #741
... Du hast mir mal in einer PN geschrieben, ...
Und was genau haben'mer an P wie Privat nun nicht verstanden?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#743

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 00:13
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #740


Dazu passend hat ein etwas aufgeregter Diskutant uns erklärt, dass wir als GF Teil der Gruppe seien aber das nicht gelebt haben. Hmmm, interessante Frage. Etwas komplizierter war das wohl schon: Also als erstes waren wir GF/Ausbilder und insoweit nicht Teil der Gruppe. Und an der Stelle verstanden wir uns auch nicht so. Hätten wir uns so verstanden, wäre alles aus dem Ruder gelaufen und wir wären mit ernsten psychischen Problemen abgetreten. Andererseits war das in gewisser Weise ein Geben und Nehmen: Die eigene Gruppe musste schon wissen "das ist unser GF, hinter dem stehen wir. Dem machen wir keinen Ärger und der hält uns Ärger möglichst auch vom Hals."

Sehr kritisch betrachtet ging das in meiner allerersten Gruppe auch schief: Ich wollte alles anders und besser machen. Und die Dinge fingen an aus dem Ruder zu laufen. Arnd Tö... und ich haben dann die Gruppen getauscht, natürlich musste das abgenickt werden. Da lief es besser - leider kam in der Gruppe das üble "Vorkommnis" über das ich Dir wohl berichtete. - Eigentlich war es ja so, dass Arnd als BU gleichzeitig stvZF war und der stvZF die 1. Gruppe hatte. Bis zu meinem Abgang blieb das anders: Arnd hatte die 2. Gruppe und war gleichzeitig stvZF, ich war aber GF 7/1/1.

Wie ist Deine Sicht auf die Rolle der GF/Ausbilder?




ach gottchen Mart,
diesbezüglich bin ich eher extrem wenig aufgeregt, weil es für mich schlichtweg geschichte ist. auch suche ich nicht nach irgendwelchen "verantwortlichen", für diese zeit.
interesse hab ich jedoch an zeitzeugen, wie dir und ihren jeweiligen sichtweisen.

ein gf/ ausbilder konnte seine gruppe wechseln und danke dafür.
erfüllt habt ihr doch wohl eher lediglich die vorgaben des soz. wettbewerbes und dies auch nur um nicht irgendwie ne beule zu fangen.

in der masse natürlich
und dass solltest du nicht wieder persönlich werten.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#744

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 09:38
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Mal ne Frage an die Ausbilder.
Mussten auch GF aus Perleberg im Jahr 1988 direkt an die Grenze, um dort Grenzdienst zu verrichten?
Ich weiß, dass mein damaliger GF aus Glöwen, Uffz. Her... in meine Nachbarkompanie versetzt wurde.
Oder hatte das nur etwas mit der Außenstelle der Uffz. Schule Glöwen zu tun?

Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#745

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 22:13
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von selle im Beitrag #741
Naja @Mart, nur mit dem "Teil des Systems" kann man einige Sachen nicht relativieren. Es gab auch welche, denen es Spaß gemacht hat, andere zu schickanieren.

Ich hatte nicht vor, irgend etwas zu relativieren. Ganz im Gegenteil, differenzierter Blick schadet nicht. Es war allerdings schon so, dass wir da irgendwo mitten in der Kette hingen. Und wir waren es, die den von oben aufgebauten und gewollten (!) Druck weitergeben mussten. Und wir waren es, die auch den befohlenen Schwachsinn durchsetzen mussten. Alles das sorgte dafür, dass wir nicht sonderlich beliebt waren, selbst in der eigenen Gruppe nicht. Wenn Du Dir anderes denkst, redest Du Dir was ein.

Allerdings muss ich zu Deinem Einwurf noch sagen, dass zu meiner Zeit sehr darauf geachtet wurde, dass nicht schikaniert wurde. Solche Fälle hat es gegeben, aber man kann nicht sagen, dass zu meiner Zeit das toleriert wurde. Und mit meiner tendenziell christlichen Erziehung passte das sowieso nicht zusammen.

Zitat von selle im Beitrag #741
Thomas müsste seine letzte Runde gedreht haben, als du Schüler warst, oder? Du hast mir mal in einer PN geschrieben, dass du Schüler in seiner Gruppe warst.

Der sollte zu einem Diplomatenstudium nach Moskau. Daher diente er nur 2,5 Jahre. In den letzten zwei Monaten büffelte er Russisch und wurde deutlich ruhiger, also für seine Verhältnisse.

Zitat von selle im Beitrag #741
Ja, wie sehe ich die Sache mit dem "Teil der Gruppe"?

...
Was mir allerdings sehr deutlich in Erinnerung ist, das ist mein damaliger fachlicher Chef - Major Ru. Der hat dafür Sorge getragen, dass ich innerhalb meiner Gruppe das jeweils beste Verhältnis aufbauen konnte, was unter den Gegebenheiten möglich war.[/quote]
Das war das erste was ich lernte: Eigene Gruppe, ich schrieb es schon. Du hattest allerdings die besten Voraussetzungen von allen GF/Ausbildern der 7.: Wirklich eigener Fachlehrer. Und eigenes Fachkabinett, in das sich selbst Deine Uschis zurückziehen konnten. Das hatten alle anderen GF nicht, jedenfalls nicht so exklusiv. Als nächste kamen Arnd und ich, wir hatten Hptm/Mjr "Rummel", der zu Deiner Zeit noch KC war. Lehrklasse für zwei Gruppen, aber nicht mit derart harscher Betretungsvorschrift.

Zitat von selle im Beitrag #741
Was damals in deiner ersten Gruppe schief gelaufen ist,

Gruppenwechsel sowie der eine U-Schüler (eigentlich mehrere) sind zwei getrennte Vorgänge. Da schon gehüstelt wurde - lassen wir es. Eine Anmerkung: Falls ich in diesem Leben zu viel Zeit habe, werde ich den Vorgang bei BStU suchen - und (redaktionell bearbeitet) veröffentlichen.

Zitat von selle im Beitrag #741
Je mehr ich über das alles nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich die Dinge von damals zu sehr mit meinem jetzigen Ich betrachte.

Das geht uns allen mehr oder minder so.

Zitat von selle im Beitrag #741
Ich bin sehr harmoniesüchtig und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mich jemals mit jemandem überwerfen könnte.

Das ist mir als Uschi nicht so wirklich aufgefallen, das konntest Du schon gut verstecken. Und wenn Du UvD hattest, tat man gut daran, Dir nicht aufzufallen.


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#746

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 22:36
von Gelöschtes Mitglied
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@Mart, in #740 schreibst Du, ihr als GF ward nicht Bestandteil der Gruppe.
Beifall, mit dieser Meinung habt ihr euch selbst auf die Verliererseite gelenkt. Das hat eventuell an der Schule funktioniert, mit der Einstellung hättest Du
mal in die Linieneinheiten gehen sollen, Egal wo, Du wärst gegen eine, (nicht die Mauer) gelaufen.
Ich könnte jetzt weitermachen, Du wirst es aber nicht verstehen. Sogar Oberoffiziere fühlten sich als Bestandteil einzelner Gruppen, ohne das wäre
nichts gegangen.
Schluß nun.
Micha


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#747

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 22:50
von Mart | 735 Beiträge

@G.Michael: Mir scheint, eine Diskussion mir Dir hat wenig Sinn. Du hast nicht verstanden und willst nicht verstehen, dass der Mensch sich an gegebene Situationen anpassen muss - sonst geht er unter. Und Du willst nicht verstehen, dass die GF/Ausbilder Teil eines Systems waren, das stand nicht in deren freier Wahl. Sie standen unter Befehl - und der war in Form von Offizieren deutlich näher als in Deiner Grenzkompanie.

EOT.


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#748

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 28.06.2015 23:00
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Mart im Beitrag #747
@G.Michael: Mir scheint, eine Diskussion mir Dir hat wenig Sinn. Du hast nicht verstanden und willst nicht verstehen, dass der Mensch sich an gegebene Situationen anpassen muss - sonst geht er unter. Und Du willst nicht verstehen, dass die GF/Ausbilder Teil eines Systems waren, das stand nicht in deren freier Wahl. Sie standen unter Befehl - und der war in Form von Offizieren deutlich näher als in Deiner Grenzkompanie.

EOT.



@Mart, Du kennst mich nicht und hast die Sicht auf die damalige Realität vollkommen verloren.
Meine Grenzkompanie? hat es nicht gegeben.
Stabseinheiten GAR 5/ Glöwen.
Leg Dich wieder hin
Micha


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#749

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 29.06.2015 00:08
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #747
@G.Michael: Mir scheint, eine Diskussion mir Dir hat wenig Sinn. Du hast nicht verstanden und willst nicht verstehen, dass der Mensch sich an gegebene Situationen anpassen muss - sonst geht er unter. Und Du willst nicht verstehen, dass die GF/Ausbilder Teil eines Systems waren, das stand nicht in deren freier Wahl. Sie standen unter Befehl - und der war in Form von Offizieren deutlich näher als in Deiner Grenzkompanie.

EOT.



teil dieses systems waren wir doch alle, Mart.
mich würde jedoch interessieren, was mit einem ausbilder geschehen wäre, wenn er diesem druck nicht nachgegeben hätte?

aus deinen vorherigen aussagen fiel mir etwas auf, was sich durchaus mit meinen erinnerungen deckt.
die ausbilder waren, wurden sehr oft mit weisungen von vorgesetzten auf linie gebracht. doch nicht selten wurde deren umsetzung übertrieben und kritik wurde dann wohl eher intern ausgeübt,
falls überhaupt?

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#750

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 29.06.2015 00:39
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #749
teil dieses systems waren wir doch alle, Mart.

Einige scheinbar nicht. Und klare Feinbilder erleichtern den Überblick, Du liest ja selbst mit.

Zitat von vs1400 im Beitrag #749
mich würde jedoch interessieren, was mit einem ausbilder geschehen wäre, wenn er diesem druck nicht nachgegeben hätte?

Der (allgemeine) Druck, beispielsweise der zeitliche Druck am Anfang, war der derart groß, dass das Gruppe (und die Kompanie bei UvD) im Sinne von Schwarmverhalten das sofort ausgenutzt hätte. Das ist kein Vorwurf an die Gruppe, das ist psychologisch eindeutig. Als Uffz wärst Du Spießruten gelaufen: Du kannst Befehle nicht umsetzen, hast die Gruppe nicht im Griff, kannst nicht UvD. Das ist ein selbstverstärkender Kreis. Solche Uffze wurden im 2.DHJ erkennt und zum 3.DHJ abversetzt, jedenfalls zu meiner Zeit und in "meiner" Kompanie.

Der zweite Fall war Überforderung: Da ist so ein junger BU als GF/Ausbilder im 2.DHJ. Er hat die 10. Klasse mit etwas Hilfe (er hatte sich ja als BU verpflichtet!) irgendwie überstanden und -sagen wir mal- Landmaschinenschlosser gelernt. Und der bekommt eine Gruppe mit 7 Abiturienten und 3 BU-Uschis. Da gab es schon den einen oder anderen, der da völlig überfordert war: Auch hier wieder selbstverstärkender Kreis. Auch die wurden mit Beginn des 3.DHJ abversetzt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die BU die blieben, das waren schon (oft) taffe Jungs: Olaf An.., Arnd Tö..., Fw Schneider.

Zitat von vs1400 im Beitrag #749
aus deinen vorherigen aussagen fiel mir etwas auf, was sich durchaus mit meinen erinnerungen deckt.
die ausbilder waren, wurden sehr oft mit weisungen von vorgesetzten auf linie gebracht. doch nicht selten wurde deren umsetzung übertrieben und kritik wurde dann wohl eher intern ausgeübt,
falls überhaupt?

Vor meiner Zeit muss übertrieben worden sein. Zu meiner Zeit wurde den Uschis ganz offiziell und mehrmals sehr deutlich gesagt, dass Schikanen für eine sozialistische Armee nicht hinnehmbar sind. Und ihnen wurden die Beschwerdewege gesagt: Die offiziellen (direkter Vorgesetzter, irgendwas ganz oben) aber auch die inoffiziellen: Also Gespräch mit Zugführer, Gespräch mit Polit der Fachrichtung. Klar wurde den Uschis aber auch gesagt, dass die Ausbildung hart sei und ein zweites Mal Klimmzugstange noch keine Schikane ist.

Im Uffz-Korps selbst gab es keinen Wettbewerb "wer ist der Härteste". Die gegenseitige Kontrolle war örtlich und zeitlich aber kaum gegeben. Ich erinnere mich schwach an einen Fall, da hatte der UvD illegale Raucher, die die Kippen aus dem Fenster entsorgten, mit Eimer und Taschenlampe hinter dem Block geschickt: "Erst wieder kommen, wenn Eimer mit Kippen gefüllt!". Das berichtete er am nächsten Tag. Und dem haben die anderen Uffze ordentlich den Kopf gewaschen - ob er noch alle Tasten am Klavier habe.

Damit es nicht missverständlich wird: Mädchenkloster wird die US-VI nie: Natürlich habe auch die Leute, die mich den ganzen Tag als UvD bewußt ärgerten, nochmals zum Stiefelputz geschickt, obwohl die Stiefel im Grunde ok waren: Irgendwas findet sich ja immer.


vs1400, selle, EK87II und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.06.2015 00:40 | nach oben springen

#751

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 30.06.2015 01:05
von vs1400 | 2.397 Beiträge

ja, Mart,
ich lese ohne groll und "feindbilder", welche ich keinem user wahrhaftig unterstellen möchte, würde.
was jedoch absolut nicht gehörig zum thema ist und daher auch vollkommen ot.

du gehst, zumindest etwas, auf meine frage zum internen druck ein, erwähnst jedoch eher nur die zeit de grundausbildung, bis zur vereidigung eben.
was ja den direkten übergang, vom zivilen, zum militärischen alltag darstellt, mir vollkommen verständlich und wohl auch überall gleich ist, war.

doch irgendwie trennen sich unsere erinnerungen, kann auch an meiner damaligen fachrichtung gelegen haben, denn ich war gf und daher wohl eher ein "massenprodukt" dieser us.
an uaz, als gf, kann ich mich aus beiden kompanien nicht erinnern. gesehen hab ich sie jedoch bei den spezialisten, zb. eben nachrichten, bootskompanie etc.pp..

was die "überforderung" betrifft,
dass gab es doch draußen noch viel verschärfter, ohne tausch und wahl, musste man sich irgendwie arrangieren. nicht selten, gerade in der ersten zeit, lief man einfach auf, was aber durchaus sinn hatte.
da kommt so nen schnösel, mit kragenlitze an und der berufserfahrene familienvater hat so irgendwie keine lust und zu wenig tage (noch dazu), um ihn wirklich ernst zu nehmen.

taffe jungs oder eben bestätigte, hab ich wirklich nur in der gk kennengelernt. da hätte sich jeder gwd'ler ne kratzerplatte + qualispange ohne prüfung verdient.

was dieses "Uffz-Korps" betrifft, gerade eben bei uaz, so empfand ich, derartiges kastendenken, nicht sehr hilfreich, hab mich sehr dagegen gewandt
und dass nicht ohne persönlichen erfolg.

ein mädchenkloster haben wohl die wenigsten erwartet, Mart,
doch eben eine vorbereitung zur praxis.
was total daneben ging, aufgrund der eigentlichen belanglosigkeiten.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#752

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 30.06.2015 01:45
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

ich lese ohne groll und "feindbilder", welche ich keinem user wahrhaftig unterstellen möchte, würde.
was jedoch absolut nicht gehörig zum thema ist und daher auch vollkommen ot.

Du warst auch nicht gemeint.

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

du gehst, zumindest etwas, auf meine frage zum internen druck ein, erwähnst jedoch eher nur die zeit de grundausbildung, bis zur vereidigung eben. (...)
doch irgendwie trennen sich unsere erinnerungen, kann auch an meiner damaligen fachrichtung gelegen haben, denn ich war gf und daher wohl eher ein "massenprodukt" dieser us.

Das kann ich nicht beurteilen. Ich kann lediglich die 7. und 8. (zu Deiner Zeit die 6. und 7.) so einigermaßen beurteilen - und das auch nur für meine Zeit. Das war so ziemlich das erste, was ich in Grenzerforen lernte: Die U-Schule war nicht statisch. Da gibt es auch über die Zeit ganz erhebliche Unterschiede.

Du könntest aber schon Recht haben: Bei meinen Jungs ging es ja ganz konkret um Funker für Funkstellen mittlerer/großer Leistung. Wenn die gingen, waren die schon recht gut ausgebildet. Geschwindigkeit und Erfahrung fehlten noch.

Ich würde übrigens einen Lehrgang zeitlich anders teilen wollen, das habe ich alles sehr umfangreich hier schon geschrieben. Ich sehr drei zeitliche Perioden: Die erste war etwa die Grundausbildung. Das ging tendenziell schon in die Richtung "brechen des Willens" - um es sehr verkürzt zu sagen. Die zweite war bis etwa Mitte des Lehrgangs, das war auch noch sehr hart. Die dritte waren die letzten beiden Monate, da wurde es für die Uschis durchaus etwas leichter.

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

an uaz, als gf, kann ich mich aus beiden kompanien nicht erinnern. gesehen hab ich sie jedoch bei den spezialisten, zb. eben nachrichten, bootskompanie etc.pp..

In der 7. waren zu meiner Zeit locker die Hälfte der GF/ Ausbilder UaZ. Und bei der 8. sah das nicht anders aus. Eigentlich waren aber alle Planstellen StFw-Planstellen. Übrigens war zu meiner Zeit sogar ein Hauptfeld UaZ.

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

was dieses "Uffz-Korps" betrifft, gerade eben bei uaz, so empfand ich, derartiges kastendenken, nicht sehr hilfreich, hab mich sehr dagegen gewandt
und dass nicht ohne persönlichen erfolg.

Ohne das hätten wir das nicht überlebt. Das denke ich bis heute. - Und natürlich war auch den Offzen klar, dass es ohne uns nicht so wirklich ging.

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

ein mädchenkloster haben wohl die wenigsten erwartet, Mart,
doch eben eine vorbereitung zur praxis.
was total daneben ging, aufgrund der eigentlichen belanglosigkeiten.

Das würde ich für die 7. nicht unterschreiben wollen. Ich hatte ja sowohl privat als auch funkermäßig (ich war Ersatz-Stabsfunker und funkte mit meinen ehemaligen Schülern) durchaus Kontakte. Die fanden die fachliche Ausbildung schon ok.


Fritze, selle und EK87II haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#753

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 01.07.2015 00:41
von vs1400 | 2.397 Beiträge

hi Mart,
ich habs auch nicht auf mich bezogen. es lohnt sich halt nicht auf bestimmte aussagen einzugehen, was natürlich jeder für sich entscheidet.

auf deine zeitlichen perioden etwas eingehend, wir uschis lernten ja auch täglich dazu.
so putzte man, in der kurzen raucherpause, mal eben noch die stiefel.
umgedreht nutzte man ein befohlenes stiefel- putzen natürlich und dafür gab es ja keine zeitvorgabe. schlussendlich putzte man die die stiefel nicht mehr während des rauchens.

uaz, mit "korps- sinn" hatten in diensteinheiten wohl eher geringe chancen, was meine zeit betrifft.
das dies nicht immer so war konnte ich selber, im anfang, noch erfahren und da hab ich mich dann schon teilweise geschämt, für diese litze.
denn nicht wenige sorgten dafür, durch ihr verhalten, dass der mythos uffz ... nen schwein, dass vor die wand läuft ..., aufrecht erhalten wurde.

auf menschenführung, bei uaz, ging man schlichtweg nicht ein. dieses thema hätte nicht derartige massen auswerfen können, in einer derartig kurzen zeit.

egal, Mart,
militär funktioniert im grunde recht einfach und dass ist geschichtlich durchaus nachweisbar.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#754

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 01.07.2015 10:21
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #752
Zitat von vs1400 im Beitrag #751

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Zitat von vs1400 im Beitrag #751

...
...



Ich würde übrigens einen Lehrgang zeitlich anders teilen wollen, das habe ich alles sehr umfangreich hier schon geschrieben. Ich sehr drei zeitliche Perioden: Die erste war etwa die Grundausbildung. Das ging tendenziell schon in die Richtung "brechen des Willens" - um es sehr verkürzt zu sagen. Die zweite war bis etwa Mitte des Lehrgangs, das war auch noch sehr hart. Die dritte waren die letzten beiden Monate, da wurde es für die Uschis durchaus etwas leichter.

Zitat von vs1400 im Beitrag #751

...
....



Zitat von vs1400 im Beitrag #751

.....
.....

Zitat von vs1400 im Beitrag #751
....
.....

...
...




Der von dir erwähnte 3. Zeitabschnitt (die letzten beiden Monate) würde ich präzise auf die Rückkehr aus dem Praktikum in den Linieneinheiten festlegen.
Danach war der Repekt oder besser gesagt die latente Angst vor den Ausbildern dem s.g. Aha-Effekt gewichen.


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#755

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 04.07.2015 23:41
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #754



Der von dir erwähnte 3. Zeitabschnitt (die letzten beiden Monate) würde ich präzise auf die Rückkehr aus dem Praktikum in den Linieneinheiten festlegen.
Danach war der Repekt oder besser gesagt die latente Angst vor den Ausbildern dem s.g. Aha-Effekt gewichen.


hm, Mike59,
bekamen auch uaz, zu deiner zeit, ein praktikum in einer gk
oder waren es, wie bei mir, nur eben mal zwei kurze, verstärkende einsätze im hinterland einer gk?

ein praktikum, für junge, neue bu, begann direkt nach der us und lief exakt nen halbes jahr. das mussten sie ableisten und dann erst konnten sie sich, zu was auch immer, qualifizieren.
die wenigsten, so meine erfahrung, blieben beim gf oder stellv.zf. . diesen teil überließ man wohl zu gern den uaz und man lies sich zum dhf, gak qualifizieren.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#756

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 05.07.2015 14:43
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #755
Zitat von Mike59 im Beitrag #754



Der von dir erwähnte 3. Zeitabschnitt (die letzten beiden Monate) würde ich präzise auf die Rückkehr aus dem Praktikum in den Linieneinheiten festlegen.
Danach war der Repekt oder besser gesagt die latente Angst vor den Ausbildern dem s.g. Aha-Effekt gewichen.


hm, Mike59,
bekamen auch uaz, zu deiner zeit, ein praktikum in einer gk
oder waren es, wie bei mir, nur eben mal zwei kurze, verstärkende einsätze im hinterland einer gk?

ein praktikum, für junge, neue bu, begann direkt nach der us und lief exakt nen halbes jahr. das mussten sie ableisten und dann erst konnten sie sich, zu was auch immer, qualifizieren.
die wenigsten, so meine erfahrung, blieben beim gf oder stellv.zf. . diesen teil überließ man wohl zu gern den uaz und man lies sich zum dhf, gak qualifizieren.

gruß vs



Da unsere gesamte UABK im Praktikum war ( der Unterschied zwischen einem Praktikum und einer Hinterlandverstärkung sind mir bekannt) gehe ich davon aus das auch die zukünftigen UaZ dabei waren, mir ist jedenfalls nicht bekannt das wir jemanden, außer Spieß und Schreiber, zurückgelassen hatten. Der seltsame Meister Lehrgang oder was es auch immer gewesen ist wurde erst später durchgeführt. Und seltsamer Weise waren bei uns auf der GK wohl doch sehr viele BU in der Dienststellung StZF und ZF zu finden. GF eher weniger dafür hat es ja die UaZ gegeben.
Achso, Perleberg von 5/79 bis 10/79 und danach zum Glück nicht noch einmal.


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#757

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 05.07.2015 23:11
von vs1400 | 2.397 Beiträge

hallo Mike59,
bezüglich des praktikums hab ich dich dann wohl eher falsch verstanden und dachte es ginge, bei euch damals, länger.

mich würde es jedoch interessieren, wie der ablauf dieses "praktikums" zb. bei dir verlief?

in erinnerung ist mir noch ne recht lange anfahrt zu irgend einer gk, im elbe- abschnitt und das 2. dann im bereich oebisfelde.
alles natürlich hinterland, verstärkend eben und keinen wirklichen kontakt zur jeweiligen füst. 1. ansprechpartner war der jeweilige ausbilder und dass auch nur über gmn.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#758

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 06.07.2015 03:42
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #754
Zitat von Mart im Beitrag #752

Ich würde übrigens einen Lehrgang zeitlich anders teilen wollen, das habe ich alles sehr umfangreich hier schon geschrieben. Ich sehr drei zeitliche Perioden: Die erste war etwa die Grundausbildung. Das ging tendenziell schon in die Richtung "brechen des Willens" - um es sehr verkürzt zu sagen. Die zweite war bis etwa Mitte des Lehrgangs, das war auch noch sehr hart. Die dritte waren die letzten beiden Monate, da wurde es für die Uschis durchaus etwas leichter.

Der von dir erwähnte 3. Zeitabschnitt (die letzten beiden Monate) würde ich präzise auf die Rückkehr aus dem Praktikum in den Linieneinheiten festlegen.
Danach war der Repekt oder besser gesagt die latente Angst vor den Ausbildern dem s.g. Aha-Effekt gewichen.

Ich kann ja immer nur über Nachrichtens berichten, also die 7. und teilweise 8. Kompanie (später 6. und 7.). Und da gab es kein Truppenpraktikum.

Es wandelte sich anders: In der Grundausbildung und im Grunde bis zum 2. Urlaub wurden die Uschis zu körperlicher Fitness gebracht und zu Grundfertigkeiten des militärischen Lebens, begleitet durch Unmengen an Rotlicht-Bestrahlung. Das wandelte sich etwa in der Mitte des Lehrgangs, spätestens nach dem zweiten VKU: Da trat dann (bei Nachrichtens) die fachliche Ausbildung in den Vordergrund.

Und eins kam hinzu: Die Uschis begannen, sich als Uffze in Lauerstellung zu fühlen. Sie wurden ausgebuffter und souveräner. Und das alles führte zu einem anderen, neuen Verhältnis zu den GF, zumindest zu dem GF des eigenen Zuges.

Kannst Du bitte genauer zu dem Truppenpraktikum berichten? Wie lange ging das? Was machte man da so? Musste man einen Praktikumsbericht schreiben? Wie wurde das Praktikum ausgewertet? Welche Rolle spielte GWA (Polit) bei der Auswertung?


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#759

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 06.07.2015 04:15
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #753
hi Mart,
auf deine zeitlichen perioden etwas eingehend, wir uschis lernten ja auch täglich dazu.
so putzte man, in der kurzen raucherpause, mal eben noch die stiefel.
umgedreht nutzte man ein befohlenes stiefel- putzen natürlich und dafür gab es ja keine zeitvorgabe. schlussendlich putzte man die die stiefel nicht mehr während des rauchens.

Das erzählst Du jemandem, der auch mal Uschi war. Ja, natürlich: Das war so. Und man lernte, wie man sich bei Regen vor dem Frühsportlauf drückt. Alles solche Sachen.

Und ich als UvD hätte den Frühsport in Sportzeug leiten müssen. Von Selle lernte ich, wie man ganz souverän eine derartige Befehlslage ignoriert. Und das nächste Problem war schon da: Wenn von einer Kompanie mit 80 Mann nur noch 10 die Frühsportrunde dreht, dann bekommt der UvD ein Problem ...

Zitat von vs1400 im Beitrag #753
uaz, mit "korps- sinn" hatten in diensteinheiten wohl eher geringe chancen, was meine zeit betrifft.

Ohne jede Frage. Das war uns GF/Ausbildern (den meisten jedenfalls) schon damals völlig klar. Zudem hatten wir ja oft Kontakt zu GAKl, die zu uns zu Lehrgängen kamen, das war auf Augenhöhe.

Nur waren die Bedingungen an der U-Schule anders. Es ist wie immer im Leben: Hättest Du Dich nicht darauf eingestellt, wärst Du verloren gewesen. Das bedeutete zumindest für die GF/Ausbilder, die UaZ waren, dass sie sich als Uffz-Korps begriffen. Und sich gegenseitig halfen, sich gegenseitig deckten uswusf.

Mal ein Beispiel: Ich hatte (wie die meisten UaZ) eine illegale Ausgangskarte "KDP-2". Vom falschen Hauptfeld unterschrieben, auch irgendwie etwas veraltet. Der Nachtposten KDP-2 hätte mich höchstens an den Leiter KdL(-1) melden können, das war aber auch ein Uffz. (einer anderen Kompanie). Der hätte im Falle des Falles einen Teufel getan, der hatte vermutlich selbst eine illegale Ausgangskarte.

Zitat von vs1400 im Beitrag #753
auf menschenführung, bei uaz, ging man schlichtweg nicht ein. dieses thema hätte nicht derartige massen auswerfen können, in einer derartig kurzen zeit.

Doch, sowas gab es in Ansätzen. Das lief innerhalb von "GWA", gesellschaftswissenschaftliche Ausbildung hieß das und war im Grunde Polit. Immerhin ein Drittel der Ausbildungsstunden. Das war aber Formalausbildung, die sich an sowjetischen Idealbildern aus dem 2. Weltkrieg orientierte. Das war absolut praxisfern. Daher wirst Du es vergessen haben.

Das Einzige, was vielleicht etwas brauchbar war, das war die Übung "wir schreiben eine Beurteilung". Aber selbst diese hat einen recht faden Beigeschmack, diese Übung kaperte das MfS: Aus jeder Gruppe wurde einer vom Fachlehrer ausgewählt, der eine Beurteilung über ein anderes Gruppenmitglied schreiben musste. Er durfte seine Aufzeichnungen im persönlichen Fach aufbewahren, die Gruppe durfte sie nicht sehen. Eine ideale Tarnung für einen IM ... und wer als GF helle war, hatte das auch sehr schnell begriffen: Aha, das ist der IM in meiner Gruppe.

Vor einigen Jahren hat mir übrigens ein ehemaliger Offizier der Fachrichtung Nachrichten diese Beobachtung bestätigt.

Zitat von vs1400 im Beitrag #753
egal, Mart,
militär funktioniert im grunde recht einfach und dass ist geschichtlich durchaus nachweisbar.

Ohne Frage.

Die Frage ist eher, warum 18-jährige ohne vernünftige Polizeiausbildung, aber mit halbautomatischer Kriegswaffe zu Polizeiaufgaben geschickt wurden. Denn nichts anderes war die Grenzsicherung.


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#760

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 06.07.2015 04:24
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #756

Da unsere gesamte UABK im Praktikum war
...
Achso, Perleberg von 5/79 bis 10/79 und danach zum Glück nicht noch einmal.

Ich muss darauf zurück kommen.

Du warst also gut zwei Jahre vor mir in Perleberg. Und da gab es Truppenpraktikum - wie auch immer das aussah: Ich bitte nochmals darum, das zu präzisieren, siehe meinen Beitrag zuvor.

Es ist so: Die 1. - 6. UAZ waren die Kantenlatscher. Die hätten ein Truppenpraktikum machen müssen, mindestens die. Und mir als GF/Ausbilder hätte auffallen müssen, dass die Hälfte der U-Schule weg ist. Oder "nur" zwei Kompanien, sowas hatte ja sofort Auswirkung auf Wachplan, Küche usw. Aber mir ist da nie was aufgefallen. Auch die Vokabel "Truppenpraktikum" ist mir neu: Ich hätte sie doch in der Uffz-Kantine hören müssen.

Nun mag sein, dass mich das einfach nicht interessierte. Ja, könnte so gewesen sein.

Die andere Version wäre: Das Truppenpraktikum wurde um 1980 herum - einfach abgeschafft.


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