#401

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 30.05.2012 19:10
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von harleydavid
Auch ich weiß nur etwas von drehbaren Halbschranken. Aber gab es nicht auch ein richtiges Tor ,so mit Maschendraht
welches in der Nacht geschlossen wurde? Oder entspringt dies nur meiner Phantasie?


Also diese Bahnhalbschranken sind nach unserer Zeit gekommen. Letztens waren die Rümpfe noch zu sehen.

Es ist richtig. Vor dem Kontrollbereich war noch ein richtiges zweiflügliges Tor. Nicht Maschendraht, sondern irgendwas geschweißtes. Zu einer festgelegten Zeit (könnte 0000 gewesen sein, weiß ich nicht mehr) wurde das Tor geschlossen und der Posten wurde zu einem Standposten vor dem Tor. Der hatte da mitten auf der Straße vor dem Tore zu stehen.

Das war ja schon blöd genug. Aber ich habe das als Uschi mal bei unter -20°C durch. Zwar verkürzte Ablösezeiten und Filzstiefel und alles mögliche an. Aber das war nun wirklich das Letzte, Du frierst wie nur was. Die Sekunden werden zu Stunden. Und Du denkst über den Sozialismus nach, der als "menschenfreundliche Gesellschaft" einen jungen Bengel ohne Sinn und Verstand in die Kälte stellt.

BTW, da Du "Genosse" vs. "Herr" ansprichst: Ich mühe mich, die damals üblichen Vokabeln (insb. auch Fachvokabeln, soweit erinnerlich) zu benutzen. Mir ist klar, dass das antiquiert wirkt. Daraus sollte aber nicht auf meine Sicht auf die Dinge geschlußfolgert werden; das sind zwei Paar Schuh'.


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#402

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 30.05.2012 19:40
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von harleydavid
Was mir allerdings übelst in Erinnerung geblieben ist sind die Parktage mit abschliesenden KFZ-Appell.


Der Parktag:

Monatlich gab es den Parktag. Die Kompanie vom KC über alle Vorgesetzten und Uschis zogen sich die Schwarzkombi an - und zog auf den Park. (Falls das ein Nachgeborener liest: Kein Park mit Bänken und Blümchen, sondern der abgetrennte und umzäunte Garagenbereich für die KFZ.) Dort wurde den ganzen Tag die Technik gewartet, abschließend gab es einen "Appell", da wurde der Erfolg kontrolliert.

Für die Nachrichtenkompanien 7 und 8 (6 und 7) war das die sogenannte "Wartung Nummer 3" der Nachrichtentechnik. Es war nach meiner Erinnerung so sortiert: Die Wartung Nummer 1 war die tägliche Wartung, real die Wartung nach dem Tageseinsatz. Also was man da sinnvoll so macht. Die Wartung Nummer 2 war eine wöchentliche Wartung - die fand nie statt. Die Wartung Nummer 3 war die monatliche Wartung, bei uns immer in Verbindung mit dem Parktag. Wartung 4 und 5 sollten die quartalsweise und die jährliche Wartung gewesen sein; die wurden auch nie gemacht. Die Wartung Nummer 6 war dann eine mehrtägige Veranstaltung, für die die Funkbude in die Nachrichtenwerkstatt Magdeburg überführt wurde. Da machte man selbst nichts, da waren die Techniker der NW dran. Das habe ich einmal erlebt - und zwar gleich persönlich: Ich war da Vize oder E, vermutlich E. Stärkste Erinnerung war, dass die ernsthaft glaubten, dass ich am Frühsport teilnehmen werde. Zweitstärkste Erinnerung (remember: Uffz hatten in Perleberg eigenen Speisesaal mit durchaus guter Wahlverpflegung) war die grottenschlechte Truppenversorgung dort. - Ich schweife ab.

Die Kompanie in Schwarzkombi ist also auf dem Park angekommen. Das war die Stunde des KC - er richtete wegweisende und motivierende Worte an seine Heerscharen. Und dann durfte der Hauptfeld auch noch: Jedesmal der gleiche Text: Wofür denn der Parktag und die Wartung Nummer 3 gut wäre. Danach übernahm der Gruppenführer sein Häuflein und wanderte zur eigenen Funkbude. Auch der (ähmmm: ich) durfte bzw. mußte nun Worte an sein Volk richten: Was wir in welcher Reihenfolge machen.

Und dann ging es los: Das Fahrzeug wurde abgerüstet. Also da kam wirklich alles raus, was nicht niet- und nagelfest war - und das war einiges: Antennen, Erdstecker, Aggregat, Werkzeug, Kabel und was weiß ich noch alles. Damit nichts weg kommt, war das alles fein geplant - also wo konkret was abgelegt wird - fast wie beim großen BA-Appell. Und dann ging es los: es wurde geputzt und gewienert und ausgebessert und lackiert mit Buna-grün oder schwarz. Klingt lustig - war aber erstmal noch sinnvoll.

Weniger sinnvoll war, dass die Arbeit mit Gewalt auf die zur Verfügung stehenden 6 Stunden ausgedehnt wurde. Man war nicht fertig, wenn man fertig war. Sondern es wurde befohlen, wann man fertig war. Schon als Uschi fand ich das ausnehmend blöd und sterbenslangweilig. Später als Uffz/Ausbilder war das noch schlimmer: Die Zeit wollte und wollte nicht vergehen.
Der Abschluß war dann der Appell. Da schritt der ZF die Front sämtlicher Teile ab. Zum Glück hatte der typischerweise auch nicht so sehr viel Freude an diesem Sackstand; Nacharbeiten waren in meiner Erinnerung nur wirklich wesentliche Fehler bereinigen. Kein Vergleich zu dem "Spaß" mit dem mehrfachen Stiefelputz. - So. Alles wieder einräumen. Und nochmal Kontrolle, jetzt durch mich: Nicht das uns auf dem StÜP die Hälfte fehlt. Ok, erledigt. Und nochmal ein Appell - diemal wieder der KC vor seinen versammelten und nun reichlich genervten Truppen. Ich weiß nicht mehr, was er da erzählt hat, obwohl ich sicher so 25 Parktage mitgemacht habe. Wird nicht wesentlich gewesen sein.

Am Rande: Die Nordgrenze des Parks wurde überhaupt nicht bewacht. Die Grenze war die Rückseite der Garagen. Die Ostgrenze (und ggf auch die Südgrenze?), da waren zwei Hundelaufanlagen, also genau so wie am Kanten. Ich nehme mal an, dass das nicht nur bewachung sondern vor allem Ausbildung für die Uschis war, die Hundeführer werden sollten. ich bin mir nicht ganz sicher, meine aber, dass das ein Zug war, wohl in der Sicherstellungskompanie, wo auch die Köche waren (9.?).
Jedenfalls war man als Uffz auch bemüht, dem Unfug möglichst aus dem Wege zu gehen und hatte immer eine Idee, wohin man sich abmelden mußte; Heerscharen an Uffz wanderten da mit dringesten Begründungen auf dem Park von links nach schräg. Und auch zu der Hundelaufanlage. Und das war spannend: Diese blutrünstigen Gesellen kamen angeschossen wie - mir fehlt der Vergleich. Aber die kamen nur angeschossen, wenn man ohne Schirmmütze an den Zaun trat! Wenn man mit Schirmmütze an den zaun ging, guckte der nur müde und schlummerte dann weiter.


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#403

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 31.05.2012 16:17
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@Mart, mach ruhig weiter, Unterforum, Teilung des Threads, oder auch nicht. Unübersichtlich mag der Thread sein, aber durch selektives Blättern kann man Dir schon folgen.

Deine minutiösen detailreichen Schilderungen ließen auch bei mir nach über 20 Jahren wieder manche Bilder aus der Grundwehrdienstzeit lebendig werden. Unglaublich vieles, das sich auch im Detail gleicht, trotz Grenze dazwischen.

Insbesondere die wechselweise Sicht aus der Perspektive des Gruppenführers und aus der des Keims (BW: "Fuchs") läßt gerade mit dem Abstand der Jahre manches verständlich werden.
Das unter Dauerstreß halten, der ständige Zeitdruck, sofortiges Ersticken jeden möglichen Widerstands, Herauspicken möglicher späterer "Aufrührer", "Maßnahmen" über "Maßnahmen" zur Streßerzeugung, der Druck, unter dem auch der Ausbilder stand, daß seine Gruppe "laufen" mußte, all das als methodisch angewandtes Mittel der Führung!

Die zugrundeliegende Psychologie und die Methoden der Führung sind alles andere als DDR-spezifisch. Wahrscheinlich muß jede Armee so funktionieren.

Bitte nicht falsch verstehen!
Es liegt mir fern, eine Uffz-Schule der NVA mit einer Ausbildungskompanie der BW gleichzusetzen, die Intensität des ausgeübten Drucks war, wie mir durchaus bewußt ist, um Größenordnungen verschieden, schon allein durch die bei der BW so großzügigen Freizeit-, Ausgangs- und Urlaubsregelungen. Auch war die Ausbildung von W15ern nicht vergleichbar mit der von SaZ und BS.

Was allerdings absolut vergleichbar ist, die Eindrücke eines jungen Menschen, der aus mehr oder minder behüteter Schul- oder Lehrzeit in der Armee ankommt und quasi die Zivilisation verläßt und eine andere Welt betritt. Mein erster Gedanke war auch, was hast du verbrochen?
Wenn ich zurückblicke, habe ich geradezu Haß auf unsere GF und vor allem auf die Hilfsausbilder (besonders bewährte Mannschaftsdienstgrade, die nach einem Quartal in die AKP zurückversetzt wurden und Teilfunktionen eines GF übernahmen) empfunden, da mir ein Perspektivwechsel, wie z. B. jetzt durch @Mart, mit meinem damaligen Horizont nicht möglich war, ich sah in ihnen sadistische Schleifer. Die gab es auch, waren aber (aus heutiger Sicht) eine winzige Minderheit.

Ich habe die ersten Wege im Trainingsanzug, das "paniiie rrrraustrrrretn!", die Einkleidung, das Ausrichten an den Kacheln, Bettenbau, Spinddurchsichten, Schuhputzkontrolle, zum Essen geführt werden, Marsch und Gesang, die ganzen Rituale wieder vor Augen.

Mach ruhig weiter, @Mart, auch Leute, die Perleberg nie von innen gesehen haben, lesen interessiert mit, ich freue mich auf Fortsetzungen.

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#404

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 31.05.2012 20:43
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Mart
........................

Die Wartung Nummer 6 war dann eine mehrtägige Veranstaltung, für die die Funkbude in die Nachrichtenwerkstatt Magdeburg überführt wurde. Da machte man selbst nichts, da waren die Techniker der NW dran. Das habe ich einmal erlebt - und zwar gleich persönlich: Ich war da Vize oder E, vermutlich E. Stärkste Erinnerung war, dass die ernsthaft glaubten, dass ich am Frühsport teilnehmen werde. Zweitstärkste Erinnerung (remember: Uffz hatten in Perleberg eigenen Speisesaal mit durchaus guter Wahlverpflegung) war die grottenschlechte Truppenversorgung dort. - Ich schweife ab..........................



OT:
Da hattest du "deinen" Kulturschock ja gleich weg ( Magdeburg-Rothensee).
Aber glaub mir, noch schlimmer ist, wenn du als klatschbunter Uffz. dorthin verfrachtet wirst und feststellen mußt, daß es sich bei dem Genossen Oberfeldwebel mit der roten Armbinde im Dienstzimmer "unten" mitnichten um den UvD sondern um den OvD handelt.
Wenn man bis dato als "untersten" OvD-Dienstgrad einen Maj. gekannt hat, dann bricht die "erste" Welt zusammen.
Die "zweite" spätestens nachmittags halb 5, wenn du schön brav die Treppe auf "deine" Bude hochtrabst und die Zivilangestellten den Weg ins traute Heim antreten.
Als mein Versetzungsgesuch damals nach einem knappen halben Jahr durch war wäre ich beinahe zum eifrigen Christen geworden. So viele Kreuze hab ich gemacht.

PS: Das menschliche Gedächtnis ist eine famose Einrichtung. So ist mir eigtl. nur noch die Waldbrandbekämpfung im Sommer in Erinnerung an meine Zeit 1983 in der 8.Kp in der Stadt der 3 Lügen. Zu der ( der Brandbekämpfung ) wir US, extrem sinnbefreit, die Zigaretten und Streichhölzer auf Befehl des GF auf der Kp. lassen mußten - ein freundlicher Major von den Pionieren? hat sich dann erbarmt und 2 Schachteln F6 "spendiert". Und unsrem UFw. A.R. aus Suhl einen nicht grade ermunternden Blick zugeworfen.
Das baute einen wenigstens ein bischen wieder auf.
Außerdem fest eingebrannt hat sich ein, Sonntags aus jedem offenen Fenster über den Ex-Platz schallendes, "Moonlight Shadow" von Mike Oldfield. Damals hatte DT64 noch was für sich.

PPS: Wartung 5 und 6 im GR1 war immer klasse. Jede GK, von Weidenbach bis Vitze, abgeklappert, vor Ort mit IK2 und Lötkolben diverse 105er und 126?er "gangbar" gemacht (an Stelle der IK2 nahm man lieber ein normales Radio als "Frequenzkontrolle" ), viel Kaffee und viel gute Laune. Und man lernte jede Menge Orte im Umkreis von 50km um seinen Heimatort kennen, von denen man bis dato nicht mal gehört hatte



zuletzt bearbeitet 31.05.2012 20:53 | nach oben springen

#405

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 31.05.2012 21:06
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Damals87
.................
Deine minutiösen detailreichen Schilderungen ließen auch bei mir nach über 20 Jahren wieder manche Bilder aus der Grundwehrdienstzeit lebendig werden. Unglaublich vieles, das sich auch im Detail gleicht, trotz Grenze dazwischen.
Bitte nicht falsch verstehen!
Es liegt mir fern, eine Uffz-Schule der NVA mit einer Ausbildungskompanie der BW gleichzusetzen, die Intensität des ausgeübten Drucks war, wie mir durchaus bewußt ist, um Größenordnungen verschieden, schon allein durch die bei der BW so großzügigen Freizeit-, Ausgangs- und Urlaubsregelungen. Auch war die Ausbildung von W15ern nicht vergleichbar mit der von SaZ und BS.

Was allerdings absolut vergleichbar ist, die Eindrücke eines jungen Menschen, der aus mehr oder minder behüteter Schul- oder Lehrzeit in der Armee ankommt und quasi die Zivilisation verläßt und eine andere Welt betritt. Mein erster Gedanke war auch, was hast du verbrochen?......................
Grüße aus Hessen



Dann war es also bei der BW vor 90 nicht usus, daß der Hr. Gefreite morgens gegen halb 8 mit dem Golf auf´n Parkplatz einflog und als erstes an den Automaten ging und sich´n Karlsberg zog?
Oder daß die DH im hinteren Bereich der Na.Zentrale seelenruhig Karten spielten und ich mir als Fremdfirmen-Elektriker den Schlüssel für die "neue" Zentrale selber vom Haken nehmen mußte/durfte?

So geschehen 1991 in Gießen, Neubau und Erweiterung der Nachrichtenzentrale.
Da war meinereiner grade "frisch" im goldenen Westen in einer kleinen Elektroklitsche in ROF angestellt.

Glaub mir, wenn man beides mal live gesehen hat............



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#406

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 01.06.2012 00:17
von Mart | 735 Beiträge

Hallo Damals87,
das ist ziemlich unglücklich mit nur einem Thread. Ich wollte eigentlich mal einen kompletten Lehrgang darstellen. Aus meiner Sicht geht das so leider nicht.

Bzgl. Deines Bundeswehrvergleich fehlen mir wirklich belastbare Vergleichskriterien - und Dir sicher auch. Ich nehme mal an, dass die Menschen bzgl. Intelligenz, körperlicher Fittness, Belastbarkeit nicht wirklich unterschiedlich waren.

Ich habe übrigens mal so ca. 1994 eine Dokumentation gesehen, es ging da um eine Ausbildungseinheit der Luftwaffe. Und zwar von Einberufung über die ersten Schritte usw. Ich saß völlig fasziniert vor dem Bildschirm: Die Staatsbürger in Uniform erlebten schon etwa das, was man so in Perleberg auch erleben konnte: Da wurde die Kompanie in drei Reihen aufgestellt. Der KC hielt eine Volksrede. Die Kapos mit dem Napoleon-Griff der rechten Hand in die Knopfleiste der Jacke, an der Kante des Bürgersteigs stehend und in Stiefeln dort wippend - eheh Mart, das kennste doch?

Und wirklich schön Szenen am UvD-Tisch und ein Kapo auf halber Treppe, der hautstark "schneller" und "nicht abreißen lassen" ruft - gib zu: Das habt ihr euch von uns abgeschaut! ;-)

Du beschreibst auch gut den Zwiespalt, den ein Uffz/Ausbilder hatte: Also ich (und nicht nur ich) war Uschi und habe das durchlitten. Und wurde dann in der gleichen Kompanie Uffz/Ausbilder. Und natürlich wollte ich alles anders machen. Menschlicher. Als erstes begriff ich, dass ich der Puffer zwischen Baum und Borke bin. Und als zweites, dass mein Modell nicht funktionieren kann: Der Druck auf die Uschis war derart hoch, dass da jedes Ventil gesucht wurde - also in meinem Modell ich selbst. Aber auch ich wollte die drei Jahre überleben.

Die Bewertung ist eine andere Sache. (Ich will eigentlich nur berichten.)
Ich war an der einzigen U-Schule der Grenztruppen. Da ging es nicht darum, hinter einem Panzer hinterherzurennen oder eine MiG schön sauber zu putzen. Es ging alles darum, dass man im Zweifel im Frieden schießen muss. Nicht vorhandener Schießbefehl hin und wieder her. Und das wurde selbst den Uffz/Ausbildern in einigen psychologisch angehauchten Ausbildungen nahegebracht, das war im Grunde schon etwas mehr als "Willen brechen". Also aus meiner ganz bescheidenen Sicht.
Ich selbst kann mich da rausmogeln und meine Uschis alle auch: Weder ich noch meine Uschis haben den Kanten je vom Nahen gesehen. Daher bin ich ggf. der, dem es leichter fällt, darüber zu sprechen.

Bzgl. Schleifer: Das wird so sein. Ich rief vor Jahren mal einen meiner Uschis an. Es ging darum, eine zeithistorische Sache zu klären - seine Sicht auf ein Ereignis: Da fuhr mal jemand für längere Zeit nach Schwedt ein. Interessanter Seiteneffekt des Telefonats war, dass mein Uschi mir nebenbei sagte: "Mart, sei mal nicht böse. Du wirst für mich immer das Schleiferschwein bleiben, was Du in meiner Erinnerung bist. Ich kann das nicht ändern, das ist eingebrannt."

Hallo uffz_nachrichten,
>>> Da hattest du "deinen" Kulturschock ja gleich weg ( Magdeburg-Rothensee).

Na so schlimm war es dann doch wieder nicht - also ich war ja wie nicht zu selten erwähnt Uffz/Ausbilder - und insoweit eher gewöhnt, Regeln zu übertreten. Also das Regeln übertreten war für Uffz in Perleberg der Normalfall, das wurde im Grunde auch erwartet, denn sonst wäre die Bude nicht gelaufen. Und ich hatte als Streifenführer komplette Sonderzüge mit Ersturlaubern geführt. Usw. - Wie gesagt war ich Vize oder vielleicht auch schon E - und die Fahrt erschien mir vorher eher wie eine schöne Abwechslung. Und war es ja durchaus auch: Wir sind da östlich der Colbitz-Letzlinger Heide (diesem riesigen sowjetischen TÜP Magdeburg) vorbeigejuckelt, haben ab und an gehalten. Nur Fahrer und ich - und der Dienstauftrag.

Die NW-26 (richtig?) erschien mir erstmal recht zivil: Man kam da an, dann der ganze Aktenzauber und die Funkbude da vor irgend einem Werkstattore abzustellen. Übrigens meine ich, dass die meinen gefreiten Fahrer da irgendwie zur Wartung in Anspruch genommen hätten - das ist so eine schwache Erinnerung.

Dann fangen aber die schlechten Erinnerungen an, ich habe da aber wohl vieles verdrängt. Also die Truppenverpflegung war jenseits von gut und böse. Ich mußte da in irgend einem größeren Saal auf einer versifften Matratze in versifftem Bettzeug schlafen. Und der absolute Schock war dann am nächsten Morgen; ich schlummerte süß: Irgend so ein Heiducke wagt es, mich anzufassen und faselt etwas von Frühsport.

Erinnerlich ist mir zudem, dass die Liegenschaft ungepflegt wirkte, die Gebäude fast verwahrlost. Ganz schwach eine kleine Verkaufsstelle (kann das sein, am runden Weg nach hinten, rechterhand?) die immer geschlossen war. Na jedenfalls habe ich ich vier oder fünf Tage da exakt garnichts gemacht. Für die Wartung wollte mich niemand. Und was anderes wollte ich auch nicht machen. Da weiß ich aber nicht mehr, ob es keine Angebote gab - oder ich mich abdrückte.

Ich verstehe ganz gut, dass Du da sehr schnell die Flocke machtest.

Übrigens war ich vor einigen Jahren noch mal dort, da war das Wehrersatzkommando. Und ich spielte Taxi. Daher hatte der Fahrer sicher so vier Stunden im Gelände. Das sah noch genau so verschissen aus wie in meiner Erinnerung. Ich habe das eine oder andere erkannt - vieles aber auch nicht zuordnen können. Und das war genau so langweilig wie damals .. - Sage mal bitte: War zur DDR-Zeit da nur die Nachrichtenwerkstatt? oder war da in der Liegenschaft noch eine zweite Dienststelle?

(Wieder Perleberg)
An "Moonlight Shadow" von Mike Oldfield erinnere ich mich nicht. Es mag sein, dass ich zu der Zeit schon in der Alten Villa schlief.
Aber es gab was anderes. Nicht zu jedem Lehrgang leider. Etwas sehr tröstliches. Wir waren ja der Duschhaus-Block. Und wenn in einer der Kompanien dieses Blocks ein Trompeter unter den Uschis war, dann gab es folgendes: Sonnabend 2300 zur Nachruhe brüllten nicht etwa die UvD "Aaaaacht Paniiieee - Nachtruhe - Licht auuus!". Sondern der Trompeter hub an - zum Zapfenstreich. Das klang durch das gesamte Gebäude. Und das Wecken 0700 am nächsten Morgen war auch kein Gebrüll. Sondern der Trompeter. (Hast Du das erlebt?)


zuletzt bearbeitet 01.06.2012 02:12 | nach oben springen

#407

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 02.06.2012 00:29
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Mart
............

Hallo uffz_nachrichten,
>>> Da hattest du "deinen" Kulturschock ja gleich weg ( Magdeburg-Rothensee).

Na so schlimm war es dann doch wieder nicht - also ich war ja wie nicht zu selten erwähnt Uffz/Ausbilder - und insoweit eher gewöhnt, Regeln zu übertreten. Also das Regeln übertreten war für Uffz in Perleberg der Normalfall, das wurde im Grunde auch erwartet, denn sonst wäre die Bude nicht gelaufen. Und ich hatte als Streifenführer komplette Sonderzüge mit Ersturlaubern geführt. Usw. - Wie gesagt war ich Vize oder vielleicht auch schon E - und die Fahrt erschien mir vorher eher wie eine schöne Abwechslung. Und war es ja durchaus auch: Wir sind da östlich der Colbitz-Letzlinger Heide (diesem riesigen sowjetischen TÜP Magdeburg) vorbeigejuckelt, haben ab und an gehalten. Nur Fahrer und ich - und der Dienstauftrag.

Die NW-26 (richtig?) erschien mir erstmal recht zivil: Man kam da an, dann der ganze Aktenzauber und die Funkbude da vor irgend einem Werkstattore abzustellen. Übrigens meine ich, dass die meinen gefreiten Fahrer da irgendwie zur Wartung in Anspruch genommen hätten - das ist so eine schwache Erinnerung.

Dann fangen aber die schlechten Erinnerungen an, ich habe da aber wohl vieles verdrängt. Also die Truppenverpflegung war jenseits von gut und böse. Ich mußte da in irgend einem größeren Saal auf einer versifften Matratze in versifftem Bettzeug schlafen. Und der absolute Schock war dann am nächsten Morgen; ich schlummerte süß: Irgend so ein Heiducke wagt es, mich anzufassen und faselt etwas von Frühsport.

Erinnerlich ist mir zudem, dass die Liegenschaft ungepflegt wirkte, die Gebäude fast verwahrlost. Ganz schwach eine kleine Verkaufsstelle (kann das sein, am runden Weg nach hinten, rechterhand?) die immer geschlossen war. Na jedenfalls habe ich ich vier oder fünf Tage da exakt garnichts gemacht. Für die Wartung wollte mich niemand. Und was anderes wollte ich auch nicht machen. Da weiß ich aber nicht mehr, ob es keine Angebote gab - oder ich mich abdrückte.

Ich verstehe ganz gut, dass Du da sehr schnell die Flocke machtest.

Übrigens war ich vor einigen Jahren noch mal dort, da war das Wehrersatzkommando. Und ich spielte Taxi. Daher hatte der Fahrer sicher so vier Stunden im Gelände. Das sah noch genau so verschissen aus wie in meiner Erinnerung. Ich habe das eine oder andere erkannt - vieles aber auch nicht zuordnen können. Und das war genau so langweilig wie damals .. - Sage mal bitte: War zur DDR-Zeit da nur die Nachrichtenwerkstatt? oder war da in der Liegenschaft noch eine zweite Dienststelle?

(Wieder Perleberg)
An "Moonlight Shadow" von Mike Oldfield erinnere ich mich nicht. Es mag sein, dass ich zu der Zeit schon in der Alten Villa schlief.
Aber es gab was anderes. Nicht zu jedem Lehrgang leider. Etwas sehr tröstliches. Wir waren ja der Duschhaus-Block. Und wenn in einer der Kompanien dieses Blocks ein Trompeter unter den Uschis war, dann gab es folgendes: Sonnabend 2300 zur Nachruhe brüllten nicht etwa die UvD "Aaaaacht Paniiieee - Nachtruhe - Licht auuus!". Sondern der Trompeter hub an - zum Zapfenstreich. Das klang durch das gesamte Gebäude. Und das Wecken 0700 am nächsten Morgen war auch kein Gebrüll. Sondern der Trompeter. (Hast Du das erlebt?)



Moin erstmal.
IMHO war´s die NW16. Ist halt in dunkler Erinnerung. Ob da noch eine andere Dienststelle war, sorry, keine Ahnung. Oder vergessen / verdrängt. An den Konsum kann ich mich noch schwach erinnern. Dein "Großraumbüro" mit "Schlafgelegenheit" könnte das größere Zimmer gewesen sein, in dem normalerweise die vom Halberstädter Wachzug gepennt haben.
Die Objektwache wurde nämlich, wenn ich mich recht entsinne, vom GAR Halberstadt gestellt. Waren immer wieder wechselnde Soldaten in der Grundausbildung incl. GF als Aufführendem.
Wenn man am UvD-Tisch saß und auf die Treppe runter guckte, dann war´s wohl die Bude schräg rechts hinterm UvD. Genau gegenüber / hinterm UvD war meine Bude. 3 Mann im 4-Bett Zimmer, Zimmer aber auch eher saalähnlich. Trotzdem Welten zu den 10Mann in Doppelstockbetten auf 6x4m in Perleberg. Daß es noch besser ging erfuhr ich erst im weiteren Verlauf meiner Dienstzeit.
Daß du zum Frühsport mit raus solltest war bestimmt ein Versehen. Die einzigen Uffze, welche da mitwirkten, waren nämlich IMHO der "neue" UvD und der Aufführende von den Halberstädtern :-). Übrigens dürfte Mdbg. eine der wenigen Nicht-Ausbildungs-Einrichtungen der GT gewesen sein, in denen GEFREITE Punkt 6 in Gelb-Rot zum Dauerlauf antraten. Im Nachhinein ein netter Gedanke.
Verpflegung? Kann ich mich nicht mehr wirklich dran erinnern, ich weiß aber noch, daß ich in dem halben Jahr dort von den 10 in P. verlorengegangenen Kilo´s 5kg wieder "drauf" bekam. :-D
Richtig in Erinnerung geblieben von dem halben Jahr ist eigtl. nicht viel. Ein Kollege Uffz, welcher sich prima Koaxialkabel als Zuleitung für seinen Lötkolben genommen hatte ( Gruß an "Koax" aus Olvenstedt ).
Oder an den ewigen Hauptmann ( damals EK ) mit dem, mit Trauerflor drapierten, Breshnew-Foto an der Wand seines Dienstzimmers.
Doch, an eine Begebenheit erinner ich mich noch:
Und zwar daß ich, damals stolz wie Bolle, ganz allein und nur mit DA bewaffnet in Perleberg "Lithium-Hydroxid" holen durfte/sollte.
In 2Stk. Teil1-Taschen! Heutzutage wohl undenkbar, da käme IMHO ne ganze Hundertschaft incl. weißer Ganzkörperkondome und Castorbehälter.
Das Lithium war für die Akku´s der 105 / 109er Funken für Angola ( oder, besser, für die Kubaner dort vor Ort ) vorgesehen.
Die Kisten wurden von uns in der NW grade wieder in ziemlicher Stückzahl auf "Besser-als-Neu"-Zustand gebracht. Ich hab 109er gesehen, die waren Bj. 1954, also 9 Jahre nach´m Krieg. Meine Fresse, was hab ich für Röhren aus-und eingelötet und Zerhacker gewechselt. Oder frisch lackierte Kulikowantennen in noch frischer lackierte Holzkisten verpackt....
Aber zurück zur "Dienstreise":
Als "auswärtiger, erfahrener" Uffz. nochmal zurück in der Höhle des Löwen. Und keiner der ehem. GF hat es gewagt, einen anzubrüllen. Im Gegenteil, ein Treffen quasi auf Augenhöhe. Das hatte schon was. Nur mein besonderer Freund André war leider nicht mehr da. Vllt. wars auch gut so.
Noch besser war die Rückreise. Hatte mich ziemlich beeilt und einen Zug früher erwischt. Und was macht man mit der gewonnenen freien Zeit? Früher ins Objekt? Ich war/bin zwar´n bischen blöd, aber so blöde denn doch nicht. Also kurz entschlossen in den Studentenkeller in Magdeburg. Zuerst wollte mich der Typ an der Garderobe nicht reinlassen. Nach Fürsprache durch meine damalige Magdeburger Freundin ( danke Beatrix :-* ) dann, widerwillig, doch. Nun wollte er aber partout nicht meinen Uniformmantel verstauen. Erst als ich dem Typen hinter der Garderobe mit der Bemerkung "Vorsicht, giftig" meine beiden Teil 1 zur Aufbewahrung in die Hand gedrückt habe gings ratzfatz. Ob aus meinen beiden Tüten nachher etwas von dem weißen Pulver gefehlt hat weiß ich nicht, der Typ sah jedenfalls als ich gegangen bin nicht bekiffter aus als bei meinem Eintreffen.
Auf jeden Fall hat mein verspätetes Eintreffen in der NW keinen wirklich gejuckt. "Zug verpaßt?", Kopfnicken, fertig.
Was das "Flocke machen" betrifft, da hab ich wohl mein Glück für 10 Jahre bei aufgebraucht. So´n Versetzungsgesuch ist ja nicht mal eben vom Spieß unterschrieben erledigt. Das ging, glaub ich, ab Uffz. sogar nur über Berlin.
Aber ich war ja dort ( in Mdb ) eigtl. eh falsch von der Ausbildung her. Und von der Lust her sowieso. Meistens kamen m.M.n. nämlich nur, nachträglich auf Grenzergrün umgerubelte, "gelbe" Uffze mit nem Jahr Ausbildung in Prora in die NW´s.
Daß ich als "echter" Grenzer zuerst dort landete lag wohl auch an meiner vormilitärischen Laufbahn als Betriebselektriker. Nachrichter, denen man nicht erst in P. den Unterschied zwischen Strom und Spannung erklären hätte müssen gab´s nämlich, wenn ich so an meinen Zug in der 8. zurückdenke, eher wenige.
Vielleicht war das auch der Grund, warum mein Verhältnis zu meinem damaligen GF in P. wohl als sehr zerrüttet betrachtet werden kann.
Aber welcher Elektriker läßt sich schon ohne Grinsen im Gesicht von einem däml..... umgeschulten Suhler Holzwurm zum x-ten Mal das Idiotendreieck erklären?
An´s Duschhaus, oder besser an die Stiefelputzorgien auf den Stufen davor, erinner ich mich auch noch. Um´s Eck war IMHO eines der Schulungsgebäude.
Trompeter gab´s aber 83/1 keinen. Musiker im übertragenen Sinne aber jede Menge.
Ist jetzt nicht persönlich:
Gibt´s eigentlich irgendwo ne Liste, auf denen die Wettergebnisse der Ausbilderuffze stehen? Also eine Liste, auf denen die Ausbilder / GF in P. festgehalten haben, wieviele der, beim Marsch in die Kantine zwangsweise/befehlsgemäß in der rechten Hand zu tragenden/mitzuschlenkernden, braunen Erstausrüstungs-Porzellantassen, noch vorm ersten Essenfassen zu Bruch gingen?
Für das fette Grinsen hätte ich am liebsten jedem Vorgesetzten damals eine reingehauen. Als Ersatz gab´s braune Plastebecher, igitt.
Überhaupt, Essenfassen in P. war´n Ding für sich, nee?
30min Mittagspause.
Davon entfielen 5min auf "Marschordnung herstellen", 2min auf den Anmarsch, 3min auf´s Warten an der Ausgabe, 10min auf´s Runterschlingen der Verköstigung incl. Tasse und Besteck abspülen im "Futtertrog" ( natürlich nicht ohne ein 85-95db - lautes "Fertigwerden, alles auf..." zwischendurch ), dann noch mal 5min für "Marschordnung herstellen" ( nun allerdings incl. "aus dem Weg rücken" wegen Neuankömmlingen ), 2min. retour und, wenn nicht grade ein militanter Nichtraucher-Uffz. den Troß anführte, 3min. Rauchpause.
Ich hab das und noch einiges andere damals als pure Schikane empfunden. War´s wohl auch. Was den Erfinder dieses Kommißverhaltens je geritten haben mag, keine Ahnung. Aber wer, wie ich, vorher schon mal die Möglichkeit hatte, 0815 zu sehen oder zu lesen, der konnte gut vergleichen. Da hatte sich nicht nur die Uniform kaum geändert zu früher.
Ich glaube nicht, daß es an der "guten" Ausbildung in P. lag, wenn man nachher am Kanten mit den Vorgesetzten respektvoll umging und in gutem Einvernehmen stand. Und auch nicht daran, daß man dort auf Streife 60 Schuß scharfe Mumpeln dabei hatte. Das hatte ich ja im Regiment in Mhl. oder in Mdb. auch nicht. Für die meisten meiner Nach-Perleberg-Vorgesetzten hatte ich Achtung und Respekt, für die meisten Ausbilder in P. in der Nachbetrachtung eher Verachtung und Spott übrig.
Ging mir übrigens nicht alleine so, einige meiner späteren "Mitstreiter", ob "normale" GF-Grenzuffze, mein Stubengenießender Waffenuffz oder auch die Gakse, die meisten, die ich kenne, waren durchaus auch der Ansicht, daß die früheren Ausbilder schlicht "frontuntauglich" waren.
Kurz zusammengefaßt: Es heißt bei vielen Grenz-Uffzen nicht umsonst "Grab meiner Jugend", wenn von der Stadt der 3 Lügen die Rede ist. Und ich kann auch das "nie wieder Wartenberg..." der Grenzsoldaten, welche hier in ESA waren, verstehen.
80% Zeitvernichtung und Schuriegelei, 20% Wissensvermittlung, so dürfte IMHO das Verhältnis an den Ausbildungseinrichtungen gewesen sein. Wie´s in Suhl aussah kann ich nicht beurteilen, so gut war mein Verhältnis zu den Fähnrichen und Offz. denn doch nicht ;-)

Edit: Moonlight Shadow wird auch heute noch auf volle Pulle gedreht. Wenn´s denn im Radio mal wieder zwischen 2 Werbeblöcken für Mediablöd und O2-Vodahastenichgesehen-Handywerbungen läuft



zuletzt bearbeitet 02.06.2012 00:32 | nach oben springen

#408

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 02.06.2012 02:10
von Mart | 735 Beiträge

Hallo uffz_nachrichten,
verpuste Dich mal bitte - im Moment kommt der ganze angesammelte Frust bei Dir wieder hoch. Das schadet nicht nur dem Magen - sondern ist auch in Teilen ungerecht. In der Folge versuche ich, Teile Deines sehr langen Beitrags zu kommentieren, zu beantworten, ggf. richtig zu stellen. So Du magst.
Und nebenbei noch eine Frage: Warst Du UaZ oder BU?

Zitat von uffz_nachrichten

Aber zurück zur "Dienstreise":
Als "auswärtiger, erfahrener" Uffz. nochmal zurück in der Höhle des Löwen. Und keiner der ehem. GF hat es gewagt, einen anzubrüllen. Im Gegenteil, ein Treffen quasi auf Augenhöhe. Das hatte schon was.


Halt-halt-halt. So schnell bin ich nicht: Du warst kommandiert zur US VI?
Deine Beschreibung stimmt. Es war so: Die Uffz/Ausbilder hingen zwischen Baum und Borke, daher war dort ein Korpsgeist, der offenbar (wenn man Schilderungen anderer Dienststellen glauben darf) eher selten war. Der Kern war der Uffz-Speisesaal, das war eigentlich eher für BU, die UaZ waren da eigentlich geduldete Gäste. Eigentlich. Denn dort hatten auch die UaZ die Möglichkeit, das BU-Buffet abzuräumen, es gab da keine Unterschiede.

Und wer nun als auswärtiger Uffz kam, mußte ja auch mal was essen - genau dort. Und damit war er automatisch Angehöriger des Perleberger Uffz-Korps. Egal woher, egal welche Waffenfarbe - nur Uffz-Dienstgrad mußte es sein. An der Stelle wurde es dann ab und an wacklig: War das ein gestandener Uffz - oder ein [schreib_ich_nicht]? Gestandene Grenzer mußten da überhaupt nichts beweisen oder so: Dem Korps war klar, dass wir Salonsoldaten waren, ggf. mit besserer Nahkampfausbildung - aber immer ohne Kenntnis der realen Gegebenheiten am Kanten. (Du erwähnst das ähnlich in Deinem Beitrag).

Um mal kurz abzuschweifen: Genau das wurde übrigens den Uffz auch gelehrt!
Also das man an der U-Schule gar keine echten Grenzer als Ausbilder brauche - weil die ja nach realen Gegebenheiten und nicht nach Dienstvorschrift ausbilden. (!)

Zitat von uffz_nachrichten

An´s Duschhaus, oder besser an die Stiefelputzorgien auf den Stufen davor, erinner ich mich auch noch. Um´s Eck war IMHO eines der Schulungsgebäude.


Blättere Dich mal bitte durch den kompletten irre langen Thread. Da beschreibe ich die Probleme bei der wöchentlichen Duscherei und auch den Stiefelputz ausführlich. Das Schulungsgebäude "über Eck" - richtig. Das steht da heute noch - oder stand jedenfalls bei meinem letzten Besuch. Da war dann mal ein Gymnasium drin IMHO. Beim letzten besuch war ein Zaun drum. Hinweg damit.
Nachtrag: Dusche ist auf Seite 5.

Zitat von uffz_nachrichten

beim Marsch in die Kantine zwangsweise/befehlsgemäß in der rechten Hand zu tragenden/mitzuschlenkernden, braunen Erstausrüstungs-Porzellantassen, noch vorm ersten Essenfassen zu Bruch gingen?


Jetzt fehlt mir ein Stück Film. Wo hast Du denn Deine Porzellantasse her?

Also die Erstausstattung war die Plastetasse, ich meine sogar, dass man die sich bei einem geordneten Zugausflug bei der MHO kaufen mußte. Zunächst waren die durchgängig braun, später kam da auch noch hellblau und orange dazu.
Die Kompanieformation hatte Bestecktasche und Tasse immer "innen" zu tragen. Also man sollte das in der linken und rechten Reihe nicht von außen sehen. Wenn ich also den UvD gab und da was zu sehen war, war mein Schlachtruf "Besteck nach innen!" und alle Trantüten wechselten das auf die andere Hand.

Ich habe weder erlebt, dass da jemand (also 7. Kp) mit Porzellan antrat - noch, dass da ein Uffz was zerschlug ... war ja garnichts da. Wenn ich so nachträglich nachdenke, möchte ich meinen, dass ich so einen Genossen noch auf dem Flur in das Zimmer zurückgeschickt hätte - korrekte Tasse holen.

Zitat von uffz_nachrichten

30min Mittagspause.
Davon entfielen 5min auf ... [usw]


Blättere Dich mal bitte wirklich durch den Thread - ich habe recht ausführlich beschrieben, warum das so abartig finster war. Und unter welchen Zwängen Dein UvD da stand. Es mag nun den einen oder anderen Vollpfosten gegeben haben, der mal was schikanieren wollte - aber die Regel war das nun wirklich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass die reale Essenszeit zu kurz und die Truppenverpflegung schon etwas einseitig war. Um das mal vorsichtig zu sagen.

Zitat von uffz_nachrichten

Für die meisten meiner Nach-Perleberg-Vorgesetzten hatte ich Achtung und Respekt, für die meisten Ausbilder in P. in der Nachbetrachtung eher Verachtung und Spott übrig.


Das verstehe ich. Und so ziemlich jedem, der DAS erlebte, dürfte es in der Erinnerung ähnlich gehen.
Trotzdem gehst Du fehl. Die Uffz/Ausbilder waren das erste Glied in einer Kette - und damit das Glied, was eure Wut abfing. Abbekam. - Ich habe dort ziemlich viele Ausbilder gesehen - glaub' mir: Die meisten haben es geschafft, unter schwierigsten Bedingungen so einigermaßen die Balance hinzukriegen.

Unbestritten ist aber folgendes:
Nicht alle Ausbilder im 2.DHJ waren wirklich gut - wie denn auch?
Die wurden dann sehr schnell aussortiert und in die Truppe versetzt. Das traf sehr viel mehr BU als UaZ.

Mache Dir mal bitte folgendes klar:
Ganz theoretisch waren sämtliche GF-Planstellen Berufsunteroffiziersplanstellen. Konkret Planstelle StFw.

Bissele blöd waren die Kaderoffiziere ja - aber so ganz blöd dann doch nicht: Daher waren zu unserer Zeit etwa zwei Drittel dieser Planstellen mit UaZ besetzt, das waren fast alles Abiturienten; das wird ja wohl seine Gründe gehabt haben.

An dieser Stelle darf ich mich ausdrücklich bei meinen [Perleberg]Kameraden Berufsunteroffizieren entschuldigen. Euch meine ich nicht: Ich meine die eurer Berufsgruppe, die da sehr schnell wieder abversetzt wurden - das mal bitte nicht verdrängen: Da waren schon echte Vollpfosten dabei, so einige. (Ja, gab's auch bei den UaZ, ohne Frage.) Jedenfalls scheint mein Vorredner da einen aufgesammelt zu haben.

Um das aber nochmal zu sagen: Ich hab' nichts zu verteidigen. Und diesen Staat und die US VI gleich gar nicht. Ich kann nur erklären - das versuchen. Weil ich unfreiwillig dabei war. Genau dort.

Zitat von uffz_nachrichten

Edit: Moonlight Shadow wird auch heute noch auf volle Pulle gedreht. Wenn´s denn im Radio mal wieder zwischen 2 Werbeblöcken für Mediablöd und O2-Vodahastenichgesehen-Handywerbungen läuft


Yeah. ;-)
Und dann - bissele entspannter bitte, Meister.


zuletzt bearbeitet 02.06.2012 02:24 | nach oben springen

#409

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 02.06.2012 10:33
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Mart
............


Und dann - bissele entspannter bitte, Meister.



Moin moin.

Zuerst mal ne Entschuldigung. Für das, für uneingeweihte, ziemlich wild umherspringenden Posting.
Aber wenn ich die bruchstückhaften Erinnerungen nicht gleich zu "Papier" gebracht hätte....
Hab zum Sortieren fast ne Stunde gebraucht.

Punkt 1: Ja, kommandiert. Nur zum Abholen des Lithiums. Direkte Meldung in der 8.
Der Spieß hat´s holen lassen durch den GUvd. Ich glaub UvD war Uffz. Uhma.... ( oder Uhrma... ) aus Ndh den Tag.
Waren ja nicht viele auf der Kp., war ja vormittags.
Also nix mit " in der Kantine usw. "
Rein, raus. Unaufgeforderter Laufschritt quasi.

Punkt 2: Daß man als Vorgesetzter zwischen Baum und Borke hängt ist immer so.
Da muß man zwangsläufig zusammenhalten unter Gleichgestellten. Nur Korpsgeist würde ich das nicht nennen.
War unter anderem einer der Gründe, warum ich eigtl. froh war Nachrichten gewählt zu haben.
Daß dem "Korps" der Ausbilder klar war, daß sie Salonsoldaten waren kam eigtl. im gesamten halben Jahr nicht so rüber!
Die hielten sich, wohl auch weil es ihnen in Schulungen usw. usf. immer wieder gepredigt wurde, für die einzig wahren Uffze.
Zu dieser Einschätzung bin ich erst später für mich selber gekommen.
Ausnahmen bestätigen da die Regel, wie überall. Vllt. bist du ja eine der Ausnahmen :-)

Zitat von Mart

Um mal kurz abzuschweifen: Genau das wurde übrigens den Uffz auch gelehrt!
Also das man an der U-Schule gar keine echten Grenzer als Ausbilder brauche - weil die ja nach realen Gegebenheiten und nicht nach Dienstvorschrift ausbilden. (!)



Genau. U-Schule war DV, GD war Realität. Wobei, wer ausbilden will sollte m.M.n. auch Ahnung haben von dem, was er ausbildet.
Daß euch gelehrt wurde, man bräuche für die Ausbildung von Fachleuten ( Nachrichten-Uffze, Waffen-Uffze, Hundeführer, Pioniere usw. usf. ) keine Fachleute sagt IMHO doch schon einiges, nee?
Aber das ist in vielen Bereichen so, auch heute noch. Leider.
Die DV, mal ausgenommen evtl. die für Ausgang-und Urlaub und die für´s korrekte Grüßen, machte IMHO niemanden "fit" für den Dienst.
Ich hab auf´m Böller einen ausgebildeten Panzerbüchsenschützen ( ziemlich "frischer" Soldat aus´m GAR Eisenach ) gesehen, der mit der "Trompete" vom RPG den Papp-Panzer "anvisierte", dafür aber prima marschieren und Männchen machen konnte. Ausbildungssache?
OK, zurück.

Punkt 3: Wir bekamen im Mai 83 eine Porzellan- o.Steingut-Tasse. Definitiv .Braun, ungefähr so hoch wie´n heutiger Kaffepott.
Und die wurde, zusammen mit dem Eßbesteck, beim Marsch zum Essenfassen in der, dem Exer zugewandten, Hand getragen. Links oder Rechts. Und nach dem "Iiiiiim Glei..schriiiitt, masch......" machte es reihenweise klack-klirr. Weil eben der Hintermann seine Pfote grade nach vorn schlackerte, während die eigene nach hinten sauste.
Vllt. hat man auf Grund der verschwendeten Ressourcen ja später gleich die Plastebecher ausgegeben?
Tasse in der Tasche der FD zuverstauen wäre wohl gegen die DV gewesen. Nur halt sinnvoller.

Punkt 4: An einseitige Verpflegung kann ich mich IMHO nicht wirklich erinnern. Wenn man vom Frühstück mal absieht.
Ich war von Haus aus nicht verwöhnt. Das einzige, was mir wirklich fehlte war´n guter Kaffee. Aber bei 8,75 für´n Viertelpfund und über 1000 Mann?......, nachvollziehbar.

Punkt 5: Was die "in die Truppe" versetzten Ex-Ausbilder-Uffze, ob BU oder UaZ, anbelangt weiß ich nicht. Ich kann mich nicht erinnern, je einem begegnet zu sein. Nur was sollten "die" denn "draußen"? Wer für die Ausbildungsrolle nicht geeignet ist ist immer noch gut genug für den Kanten? Na Holla, andersrum wird IMHO eher ein Schuh draus. Ich hab da so meine Zweifel.
Daß der gelernte Bäcker, welcher in P. Nachrichten-Uffze ausbilden sollte, nach seiner Versetzung in eine GK in der Lage gewesen wäre einen ausgestiegenen R126-Akku wieder flott zu machen oder eine Rolle LfL zu flicken.
Und ein "Naachtruuuuuhe beeeenden..." als UvD hätte beim grade pennenden Aufzug der Nachtschicht sicher für viel Erheiterung gesorgt.
Aber das ist es, was ich meine. Und du bestätigst es ja mit deiner Aussage. Wenn auch ungewollt. Euch wurde bestimmt eingetrichtert, daß nur ihr, als die "Besten" eures Jahrgangs, weiter Uschi´s ausbilden könnt. Und die meisten dürften das auch geglaubt haben. Und bei einigen mag das sogar gestimmt haben. Sogar fachlich fundiert und nicht nur in Bezug auf DV-Kenntnisse.
Aber die Wahrheit liegt wohl eher "auf´m Platz".

Punkt 6: Ich weiß, daß die Uffz-Planstellen an der US alles BU-Plätze waren.
Daß man seinen Studienplatz zu DDR-Zeiten "besser" bekam, wenn man sich wenigstens für 3 Jahre verpflichtete ist auch kein Geheimnis. Und das ein Abitur für´n Studium Voraussetzung ist auch nicht. Eigene Erfahrung!
Aber was sollten das für "Gründe" gewesen sein, die meisten der Ausbilderplätze mit UaZ zu besetzen?
Warum wohl hing in P. in der Offz.-Kantine der Speiseplan so öffentlich aus, wenn die Uschi-Abordnung zum Revierreinigen desselbigen antrat? Die Liste ging vom "Nußschinken" bis zum "Kännchen Kaffee" für 0,80M
M.M.n. hatte das schlicht und ergreifend den Grund, Uschi´s oder UaZ zum "Weitermachen" zu bewegen.
Ob als BU oder gleich als 25ender.
Kaderwerbung der besonderen Art. Mehr nicht. Sind ja auch genug drauf reingefallen.

Zitat von Mart

Um das aber nochmal zu sagen: Ich hab' nichts zu verteidigen. Und diesen Staat und die US VI gleich gar nicht. Ich kann nur erklären - das versuchen. Weil ich unfreiwillig dabei war. Genau dort.



Im Gegensatz zu mir. Ich war freiwillig dort. Vllt. ist das der eigentliche Grund meiner Enttäuschung. Aber die Zeit vom 3. - 6.DH-Jahr und die dort gemachten besseren Erfahrungen haben einiges wieder rausgerissen.



zuletzt bearbeitet 02.06.2012 10:37 | nach oben springen

#410

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 02.06.2012 21:36
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@uffz_nachrichten, Du warst 91 in Gießen und hast noch ein neues FmZ gebaut? In der Stadt können wir uns über den Weg gelaufen sein, damals habe ich da gewohnt. Sicher war es die Bergkaserne (Innenstadtbereich). Die wurde erst 2006 dichtgemacht. Die Steuben"ranch" außerhalb mußte schon 93 dran glauben. Aber der Dienstbetrieb muß da wirklich gemütlich gewesen sein, so kannte ich das überhaupt nicht.

Ihr habt damals offene Li-Akkus für die Geräte gehabt und diese regeneriert? Alle Achtung! Das gab gewiß manches Löchlein im Einstrich-Keinstrich.

@Mart, Du hast eine hervorragende Schriftsprache und kannst ungemein plastisch schildern. Wäre wirklich sehr schade, wenn die Schilderung eines kompletten Lehrganges den Widrigkeiten des Forums zum Opfer fiele. Vielleicht wäre ein Blog, wie ihn z.B. @Ameisenferdinand über seine Haftzeit erstellt, auch für Dich eine Option? Auf diese Weise könntest Du in Ruhe einen kohärenten Text erstellen ohne daß er zerrissen wird.

08/15 von Kirst habe ich erst nach meiner aktiven Zeit gelesen, im ersten Teil fühlte ich mich auch geradezu in die Kaserne zurückversetzt. Anscheinend ist ein solches System der Ausbildung allen Armeen gemeinsam und auch notwendig, um aus Menschen funktionierende Tötungsapparate zu machen, völlig unabhängig von Ideologie, da geben sich der Soldat in eigener Sache und der Staatsbürger in Uniform nicht viel.
Der Begriff der "Inneren Führung" http://www.bundestag.de/blickpunkt/103_P...02/0602004b.htm, auf den die BW sehr stolz ist, hatte im inoffiziellen Sprachgebrauch eine deutlich abweichende Bedeutung: Er bezeichnete das Verhalten der Gruppe gegenüber einem Kameraden, der "querschoß" und dadurch die Gruppe insgesamt der Gefahr von Repressalien und Schikanen aussetzte. Dieser Quertreiber wurde, notfalls mit körperlichen Mitteln, auf Linie gebracht mit wohlwollender Duldung der Ausbilder. Davon kann sicher mancher "Perleberger" ein Lied singen. Die Darstellung der offiziellen "Inneren Führung" in Unterrichten sorgte eher für Erheiterung.

@Mart, ich freue mich auf Fortsetzungen.

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#411

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 02:57
von Mart | 735 Beiträge

Hallo uffz_nachrichten,
nimm es mir direkt mal persönlich - ich war damals nicht Dein Feind. Und heute bin ich das erst recht nicht. Leider habe ich den Eindruck, dass Du recht undifferenziert auf mich sowie das Uffz-Korps eindrischst.

Und wie Du die Sache mit dem Uffz-Korps in Perleberg siehst (ob es das gab oder nicht) - das ist mir offen gesagt egal.

Natürlich wurden Uffz/Ausbilder abversetzt, alle naselang. Teilweise waren das die, die als Ausbilder eher nicht so gut waren. Und teilweise waren das Leute, die aus verschiedensten Gründen andernorts gebraucht wurden. Das waren teilweise Nachrichtenspezialisten, teilweise ging das auch in die Richtung MfS. An Zuversetzungen von Ausbildern erinnere ich mich nicht. Nein, gab keine.

Du erwähnst Aufkohlungen (Längerverpflichtungen) und einen Speiseplan, der angeblich dazu motivieren sollte.
In der nun wirklich nicht zu kleinen U-Schule kenne ich exakt zwei Aufkohlungen. Das eine war mein Hauptfeld Blacky, der war erst BU und wurde dann Fähnrich. Und der rothaarige Herr der 11. wohl hat genau das durchgezogen. Andere Aufkohlungen kenne ich nicht. Das war doch genau anders herum: Ich kenne sackweise Abkohlungen. Die ersten haben sich schon (mit großem Mut aus heutiger Sicht) vor der Vereidigung vom Acker gemacht. Und ich kenne BU, die abgekohlt haben.

Ein Speiseplan soll das mobile Wischkommando zum Aufkohlen motivieren, hihi. Also das klingt ja jetzt schon etwas nach gefakter Mondlandung der Amis. Also ich kenne alle Speisesäle, alle. Ich habe darüber auch schon ausführlich geschrieben. Ich weiß nicht, was Du da gesehen hast, also einen Speiseplan im Offz-Speiseraum erinnere ich mich wirklich nicht. Die Batzen bekamen genau das, was es im Uffz-Speiseraum auch gab. lediglich mit einer süßen Plastetischdecke drunter und einem lustigen Plasteblümchen auf dem Tisch.

Deine "Porzellan- o.Steingut-Tasse":
Hatte die DDR grad mal zu wenig Plaste?
Also nach meiner höchst bescheidenen Erinnerung gab es ganz grundsätzlich Plastetassen. Und die hatten braun zu sein - erst später verluderten da die Produktionssitten in Richtung blau und orange. Ihr seit da als Zug zur MHO geführt worden, das war direkt die erste Konfrontation mit der MHO. Und da habt ihr völlig freiwilligst und ohne jeden Befehl (jaja) die Plastetasse gekauft. Und 10 Kragenbinden. Und Schuhcreme, Kamm und all diesen Schnickschnack.
Es mag ja sein, dass in der 8. die Uhren anders gingen oder grad mal wieder Plaste aus war. Für die 7. erinnere ich mich allerdings nicht an Porzellan oder Steingut. Nein.


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#412

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 03:24
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Damals87
Dieser Quertreiber wurde, notfalls mit körperlichen Mitteln, auf Linie gebracht mit wohlwollender Duldung der Ausbilder. Davon kann sicher mancher "Perleberger" ein Lied singen.



Das ist noch die Frage.

Nun habe ich nicht in allen Gruppenzimmern der riesengroßen Schule geweilt und gleich gar nicht 24h am Stück. Schon von daher wird mein folgender Bericht höchst subjektiv sein. Trotzdem möchte ich Dir gern widersprechen.

Die U-Schüler (und das betrifft insbesondere die erste zeitliche Hälfte des Lehrgangs) waren zeitlich extrem unter Druck. Es gab faktisch keine Freizeit. Die stand zwar auf dem TDAP (Tagesdienstablaufplan) - war aber trotzdem nicht da. Selbst das Schreiben eines kurzen Briefs an die Angehörigen war teilweise kaum möglich - sei es wegen der Zeit, sei es wegen der Erschöpfung.

Und dann kommt ein Fakt hinzu, in den Du Dich erst eindenken mußt: Es war jedem Einberufenen klar, dass ein Spitzel (wie wir heute wissen: IM des MfS) auf der Stube sein dürfte, könnte. Das war das Klima der Verunsicherung. Niemandem kann man trauen. Denen da oben nicht, diesen Schindern. Den Polits nicht, die sich anbiedern. Und den Stubenkollegen auch nicht. - Erst zaghaft entstanden Freundschaften - aus der Not.

Und das führte eher zur Verbrüderung - nicht aber zu der von Dir beschriebenen Abstrafung des Schwächsten. Das war die Regel: Die Verbrüderung. Das "das schaffen wir gemeinsam, die kriegen uns nicht klein!". - Ein Beispiel: Als Uschi stand ich spätabends im Waschraum. Weit nach der Nachtruhe, in ESKS. Mit mehreren. Da sagt dann einer leise: Die Gedanken sind frei.

Ich habe allerdings einen Fall erlebt, bei dem das völlig anders war.
Die Zusammensetzung der Gruppe war - ungewöhnlich. Das wußte ich damals ansatzweise, erst heute weiß ich das genauer. Und es knallte dann so heftig, wie es nur knallen konnte. Ich werde darüber nichts schreiben - es geht um lebende Personen.

Vor Jahren überlegte ich mal, ob es angemessen ist, den damaligen Vorgang zu erforschen (Akten BArch, BStU) und öffentlich zu dokumentieren. Ich habe davon abgesehen, da es noch etwas mehr gibt in diesem wunderschönen Leben, nicht nur der Griff in eine teilweise fürchterliche Vergangenheit.

Andererseits bin ich davon auch nicht weg.
Tja.


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#413

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 03:38
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Damals87
Anscheinend ist ein solches System der Ausbildung allen Armeen gemeinsam und auch notwendig, um aus Menschen funktionierende Tötungsapparate zu machen, völlig unabhängig von Ideologie, da geben sich der Soldat in eigener Sache und der Staatsbürger in Uniform nicht viel.



Hallo,

also das möchte ich nicht so stehen lassen. Ich war ja auch selbst Ausbilder, aber Menschen zu Tötungsmaschinen zu machen war nie meine Aufgabe und auch nicht meine Absicht. Es gab wie in allen bewaffneten Einheiten der zivilisierten Welt auch Schusswaffengebrauchsbestimmungen.

Sicher hatten wir alle Mittel um zu töten, aber auch deine Frau hat alle Mittel für eine Nutte und ich würde mich im Traum nicht erdreisten sie als solche zu bezeichnen. Meine Vorgesetzten und Untergebenen waren Menschen wie du und ich, mit eine Familie und Angehörigen (wie bei mir sogar auch jenseits der Grenze). Wir alle sind heute froh und glücklich das wir nie in die Lage gekommen sind heraus zu bekommen was passiert wäre wenn wir wirklich gegeneinander hätten kämpfen müssen. Zumal wir nicht wie zur Zeit der Varusschlacht für ein Volk gekämpft hätten sonder so wie es heute üblich ist für die wirtschaftliche Interessen der Reichen. Obwohl damals war es dann doch mehr in Richtung Hermann.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#414

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 09:06
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Damals87
Hallo,

@uffz_nachrichten, Du warst 91 in Gießen und hast noch ein neues FmZ gebaut? In der Stadt können wir uns über den Weg gelaufen sein, damals habe ich da gewohnt. Sicher war es die Bergkaserne (Innenstadtbereich). Die wurde erst 2006 dichtgemacht. Die Steuben"ranch" außerhalb mußte schon 93 dran glauben. Aber der Dienstbetrieb muß da wirklich gemütlich gewesen sein, so kannte ich das überhaupt nicht.



Moin erstmal.
Ich hab dort nur noch bei den "Restarbeiten" mitgemacht.
Dicke fette Kuperschienen zwecks Abschirmung? angeschraubt und geerdet.
Und wir sind jeden Tag hinkutschiert, von RoF bis Gießen! Von Gießen hab ich also nur den Blick aus´m VW-Bus heraus in Erinnerung. Für mich war eh alles neu. Und die Ansicht des Dienstbetriebes dort, so hätte ich gerne mal meinen Urlaub verbracht.....

Zitat von Damals87

Ihr habt damals offene Li-Akkus für die Geräte gehabt und diese regeneriert? Alle Achtung! Das gab gewiß manches Löchlein im Einstrich-Keinstrich.



Ich erinner mich nur an die Nickel-Cadmium Dinger für die 105/109er. Oder in den FF. Die wurden später durch R6-Zellen abgelöst. Oder die Silberirgendwas für die 126 ( echte Schei....dinger, nicht nur die untauglichen Akkus, auch die 126 ganz allgemein ).
Wofür das Lithium an der NW 16 genau gebraucht wurde weiß ich nicht, ich hab´s nur transportiert.
Ich hab an der NW nix mit der Akkuregeneration zu tun gehabt, ich "durfte" Röhren löten.
Ich weiß nicht einmal, ob das Zeug überhaupt in irgendwelche Akkus kam oder für was andres war?
Als Laufzeitverlängerung oder zum haltbarermachen? K.A.

Zitat von Damals87

@Mart, Du hast eine hervorragende Schriftsprache und kannst ungemein plastisch schildern. Wäre wirklich sehr schade, wenn die Schilderung eines kompletten Lehrganges den Widrigkeiten des Forums zum Opfer fiele. Vielleicht wäre ein Blog, wie ihn z.B. @Ameisenferdinand über seine Haftzeit erstellt, auch für Dich eine Option? Auf diese Weise könntest Du in Ruhe einen kohärenten Text erstellen ohne daß er zerrissen wird.



Jupp, dem schließe ich mich an. Wobei ein Unterforum "P..." hier...........

Grüße aus Hessen[/quote]



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#415

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 10:01
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Mart
Hallo uffz_nachrichten,
nimm es mir direkt mal persönlich - ich war damals nicht Dein Feind. ................





Moin Mart,

glaub ich dir unbesehen. Du warst ja auch bei den Funkern in der 7.
Und genauso kannst du mir glauben, daß es z.B. diesen Speiseplan im Offz.-Bereich sowie die Steinguttassen gab.
Jedenfalls im Mai 83. Und die Tasse mußte IMHO auch nicht gekauft werden, die gab´s, wenn ich mich recht entsinne, quasi als Erstausstattung dazu. Der Begriff "Nußschinken" prägte sich bei mir um so mehr ein, als daß ich damals damit nicht wirklich etwas anfangen konnte und ihn mit Haselnüssen o.Ä. in Verbindung brachte. Heute weiß ich, was das ist.
Aber egal.
Ich "dresche" auch auf niemanden ein, zumindest ist es nicht meine Absicht. Sollte das so rübergekommen sein, sorry.
Ich hab nur meine Sicht der Dinge wiedergegeben und außerdem versucht der Auffassung zu widersprechen, daß untaugliche Ausbilder immer noch gut genug für den Dienst "draußen" gewesen sein sollen. Wenn es sich bei den Abversetzungen in der Mehrzahl um fachlich versierte Leute gehandelt haben sollte, was in höchstem Maße dem Zweck einer "Schule" widersprechen würde, nehme ich alles zurück.
M.M.n. wurden bei Abversetzungen wohl eher "mißliebige" Kameraden geschaßt. Oder ganz "blinde".
Und alles ohne Versetzungsgesuch. Nicht nur in P.
Oder, für den eigentlichen Zweck, untaugliche btw. unbrauchbare Genossen. Wobei dann wieder die Frage zu beantworten wäre, was war/ist der "eigentliche Zweck"? Ob diese "Unbrauchbarkeit" bei jedem einzelnen tatsächlich bestand oder vorgetäuscht war, durch ihn selber oder durch Vorgesetzte, wer weiß?

Ich hab schon mal auf das grandiose menschliche Gedächtnis hingewiesen. Meines zumindest ist so konstruiert, daß sich nur sehr schöne, sehr lustige und absolut beschi..... Erlebnisse fest einpräg(t)en. Vllt. ist´s ja ein Konstruktionsfehler, aber in Erinnerung an P. sind überwiegend besch.... geblieben.

PS: Wir, d.h. die DDR, hatten Immer zu wenig Plaste.

m.f.G. und einen schönen Sonntag noch



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#416

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 10:16
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Mart
................
Und dann kommt ein Fakt hinzu, in den Du Dich erst eindenken mußt: Es war jedem Einberufenen klar, dass ein Spitzel (wie wir heute wissen: IM des MfS) auf der Stube sein dürfte, könnte. Das war das Klima der Verunsicherung. Niemandem kann man trauen. Denen da oben nicht, diesen Schindern. Den Polits nicht, die sich anbiedern. Und den Stubenkollegen auch nicht. - Erst zaghaft entstanden Freundschaften - aus der Not..........



Das ist so nicht ganz richtig. Mir zumindest war das MfS zwar vom Namen her damals bekannt, allerdings war mir z.B. als Einberufenem NICHT klar, daß auf jeder Bude ein IM gewesen sein soll/gewesen ist.
Und es war mir eigentlich als 19jährigem auch Schei...egal. Aber wie schon mal geschrieben, ich bin bestimmt konstruktionsgemäß anders. M.M.n. vermischt du hierbei zu sehr dein Wissen von heute mit dem von den meisten anderen damals.

Wenn ich so die bruchstückhaften Erinnerungen zu meinem Werdegang und meiner Dienstzeit Revue passieren lasse, sorry, aber dann müßte ich in gerader Linie von Minister M. abstammen. Oder der Liebe G. hat ständig seinen dicken Daumen zwischen mich und das Schicksal gehalten. Nach allem, was mir von den IM so heutzutage erzählt wird und wie schnell man im Gefängnis landete wegen irgendwelcher Vergehen.....



zuletzt bearbeitet 03.06.2012 10:17 | nach oben springen

#417

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 19:28
von mjahr (gelöscht)
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Zum Thema IM auf der Bude.Ich bin im Nov.76 nach Prora einberufen worden. 6 Mann Zimmer, Tür auf, ein Bett schon belegt.
Ein U Schüler Wag*** .Die erste Ansage von dem: Ich bin seit einem Monat hier und vom Wachregiment F.D.,das gab es auch!
Ich möchte hier nichts verniedlichen, aber wir hatten ein Superverhältniss zueinander. So richtig war der garnicht von der Firma,
wurde zum Optikmeister ausgebildet.
Ich hatte auch andere Kontakte zur V 2000, 48 Stunden Verhöhr, Berichte schreiben etc., es ging um einen Sprengmittel-
verbrauchsbericht, welcher abhanden gekommen war. Ich war auf dem Schießplatz Berge zur Sicherstellung HG-werfen um
Blindgänger zu sprengen. Die 4 DIN A 4 Seiten waren verschwunden. 800 g TNT weg. Da fragt mich so eine Pappnase von
der Firma "Wissen sie was man mit 800 g TNT anstellen kann?". Diese Frage ist schon in der Hinsicht hirnrissig,da der Hptm.
Schw******** wusste das ich ausgebildeter Feuerwerker bin.



Zitat von uffz_nachrichten

Zitat von Mart
................
Und dann kommt ein Fakt hinzu, in den Du Dich erst eindenken mußt: Es war jedem Einberufenen klar, dass ein Spitzel (wie wir heute wissen: IM des MfS) auf der Stube sein dürfte, könnte. Das war das Klima der Verunsicherung. Niemandem kann man trauen. Denen da oben nicht, diesen Schindern. Den Polits nicht, die sich anbiedern. Und den Stubenkollegen auch nicht. - Erst zaghaft entstanden Freundschaften - aus der Not..........



Das ist so nicht ganz richtig. Mir zumindest war das MfS zwar vom Namen her damals bekannt, allerdings war mir z.B. als Einberufenem NICHT klar, daß auf jeder Bude ein IM gewesen sein soll/gewesen ist.
Und es war mir eigentlich als 19jährigem auch Schei...egal. Aber wie schon mal geschrieben, ich bin bestimmt konstruktionsgemäß anders. M.M.n. vermischt du hierbei zu sehr dein Wissen von heute mit dem von den meisten anderen damals.

Wenn ich so die bruchstückhaften Erinnerungen zu meinem Werdegang und meiner Dienstzeit Revue passieren lasse, sorry, aber dann müßte ich in gerader Linie von Minister M. abstammen. Oder der Liebe G. hat ständig seinen dicken Daumen zwischen mich und das Schicksal gehalten. Nach allem, was mir von den IM so heutzutage erzählt wird und wie schnell man im Gefängnis landete wegen irgendwelcher Vergehen.....



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#418

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 19:44
von Sorge78 (gelöscht)
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Zitat von uffz_nachrichten

Zitat von Mart
................
Und dann kommt ein Fakt hinzu, in den Du Dich erst eindenken mußt: Es war jedem Einberufenen klar, dass ein Spitzel (wie wir heute wissen: IM des MfS) auf der Stube sein dürfte, könnte. Das war das Klima der Verunsicherung. Niemandem kann man trauen. Denen da oben nicht, diesen Schindern. Den Polits nicht, die sich anbiedern. Und den Stubenkollegen auch nicht. - Erst zaghaft entstanden Freundschaften - aus der Not..........



Das ist so nicht ganz richtig. Mir zumindest war das MfS zwar vom Namen her damals bekannt, allerdings war mir z.B. als Einberufenem NICHT klar, daß auf jeder Bude ein IM gewesen sein soll/gewesen ist.
Und es war mir eigentlich als 19jährigem auch Schei...egal. Aber wie schon mal geschrieben, ich bin bestimmt konstruktionsgemäß anders. M.M.n. vermischt du hierbei zu sehr dein Wissen von heute mit dem von den meisten anderen damals.

Wenn ich so die bruchstückhaften Erinnerungen zu meinem Werdegang und meiner Dienstzeit Revue passieren lasse, sorry, aber dann müßte ich in gerader Linie von Minister M. abstammen. Oder der Liebe G. hat ständig seinen dicken Daumen zwischen mich und das Schicksal gehalten. Nach allem, was mir von den IM so heutzutage erzählt wird und wie schnell man im Gefängnis landete wegen irgendwelcher Vergehen.....



Also mir war damals mit 19 auch nicht unbedingt klar, das wir auf der Bude einen IM hatten, mir war ja nicht mal der Begriff bekannt.
Aber irgendwann im Laufe des halben Jahres hat sich unser "Spitzel" enttarnt, hat sich uns anvertraut.


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#419

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 03.06.2012 20:30
von mjahr (gelöscht)
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Hallo harley, ich möchte mich zu Deiner Frage auch mal einklinken. Es gab auch andere Betroffene.
In der Polenkrise wurden aus dem GAR 5 Glöwen 4 Kompanien nach Frankfurt/Oder verlegt. Im Battalion Potsdam war über
Wochen VG, heißt die hatten die Krawallnikof am Bett hängen.
In Glöwen selbst (war ja offiziell Ministerreserve) wurden 16 W50/LA-A mit 2 kompletten Kampfsätzen Munition beladen für
o.G. Einheiten in FF. Dann wurden die LKW angelassen und liefen wegen der altersschwachen Batterien rund um die Uhr.
Ausgemacht wurden die nur zur Ölkontrolle und Nachtanken. Der Kfz.-I Zug war im 3 Schicht System in ständiger Bereitschaft,
im Werkstattbereich! Zivilangestellte eingeschlossen. Die SPW PSH; 60 PB waren sowieso aufmunitioniert, d.h. 11 Gefechtsfahrzeuge pro Kompanie, für die 5 Lehrgefechtsfahrzeuge befand sich die Munition fertig gegurtet auf den genannten
LKW. Aufmunitionieren wäre Minutensache gewesen. Die SPW wurden aber nicht aus Glöwen gen Osten verlegt!
Ich weis nicht ob Du Dich auskennst,daher ein paar Zahlen. ein SPW egal ob PSH oder 60 PB hatte an Bord:
2000 Schuß 7,62mm Gewehrpatronen ( Stahlkern, Leuchtspur und Panzerbrand) für PKT
800 Schuß 14,5mm ( Brand, Panzerbrand und Panzerbrand Leuchtspur ) für KPWT
20 Splitterhandgranaten F1 mit Zünder UZRGM




Zitat von harleydavid
Also dann Ich wieder !
Hallo !
Danke Mart für die recht "erfrischende" Schilderung.
Gut zu wissen,das dieser doch so gravierende Vorfall in Polen ,der ja den Beginn des Zerfalls,Grundsätzlich, ausgelöst hatt,nicht nur
mich zum Nachdenken bewegt hatt,sondern auch bei anderen Spuren hinterlies.
Was ich dich fragen wollte Mart: hast Du eigentlich die Schulchronik gestohlen,oder schreibst Du Tagebuch?Anders kann ich mir nicht erklären das du noch alles so genau weisst,vor allem bei solchen konkreten Sachen wie "Datum,Namen etc.".OK,kann natürlich auch sein, das du erst alles stundenlang "abgoogelst".
Haben eigentlich schon andere über ihre Erinnerungen aus der Polenkriesensituation berichtet.Ich habe zwar nicht direkt danach gesucht,
bin aber noch über keinen Beitrag diesbezüglich gestolpert.Müssen doch andere auch betroffen gewesen sein und nicht nur die USVI. Zumindestens diejenigen die mit Ihren Fhzg,auf dem Ex.-Platz gestanden sind.Oder sollte von denen keiner im Forum sein?
Kann ich mir fast nicht vorstellen.
Ich kam warscheinlich aus dem VKU, denn wenn ich im Urlaub war,dann meist VKU ,KU hatt sich bei der Entfernung zum Heimatort
nicht gelohnt.Heute ist es anders ,da sind ca.200 km ein Lacher.
Was mich damals überraschte war,daß sogar die Panzer (ich glaube wir hatten 2Stück)und die SPW ,Transportbereit gemacht wurden,
ob sie auch aufmunitioniert wurden weiss ich nicht, aber unsere beiden Panzerfahrer Uffz. Tüxxe und Ufw.Pexx (ein paar Namen weiß ich trotz Alzheimer-light doch noch)hatten alle Hände voll zu tun und waren kaum ansprechbar,so"angefressen"waren die.Der GenMaj. Rothe Fahrer war überhaupt gänzlich verschwunden.Der hat auch später keine Auskunft darüber gegeben wo er sich mit seinem Bonzen rumgetrieben hat.Er hat allgemein nicht viel über seinen Job gesprochen,aber ein paar "Brocken"konnte man ihm jedoch meistens entlocken.
Wäre interessant,wenn auch andere mal über ihre Erfahrungen diesbeüglich schreiben würden
Gruss HD
Ach so Grenzwolf ,Du hast Recht "eine krude und einfach unvorstellbare Vorstellung"aber nichtsdestotrotz absolut REAL
Und genau das ist es was mir damals wie heute Angst gemacht hatt,und Angst macht.



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#420

RE: Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

in Grenztruppen der DDR 04.06.2012 06:58
von Alien1964 | 47 Beiträge

Zitat von Mart
Hallo feldwebel88,

ich weiß nicht genau, was Du meinst. Möglicherweise die Alarmmelder.

Die Offiziere und BU waren ja Außenschläfer. Viele wohnten in einem Wohnblock in der Friedensstraße - aber nicht alle. Die Friedensstraße hatte in den Fluren schöne Alarmtröten, also da werden sicher auch die Offizierskinder wach geworden sein.
Jedenfalls gab es Melderouten. Diese waren auf Karteikarten verzeichnet und lagen beim UvD. Bei Alarm mußten die Melder sich sputen: Anziehen, Tragegestell, vermutlich auch TSM (Schutzmaske), dann die Karteikarte holen. Ich weiß nicht mehr, ob auch mit Waffe: Möglich wäre es: Die Waffenkammern gingen extrem früh auf. Dann rannten die Melder los: Alle Adressen abklappern, Alarm ansagen.

Ich glaube, einer hier war als US Melder: Der wird genaueres wissen.



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