#1

Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 18:19
von MK1987 | 50 Beiträge

Hab´mal ´ne Frage: Wieso wurde bei der NVA (und auch bei den GT) jeder als Genosse angesprochen, egal ob Parteimitglied oder nicht? War das so nach dem Motto "bei uns sind eigentlich alle gleich, egal ob Soldat oder General...?

Wie war das bei der VP? Insbesondere bei den Bereitschaften, wo es auch Grundwehrdienstleistende gab?



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#2

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 19:01
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Nabend @MK, Genosse Dienstgrad war die übliche Anrede in allen bewaffneten Organen der DDR.

Mann wollte sich so vom Herr Dienstgrad des Westens absetzen, denn einen Herren hatten unsere Soldaten und Soldatinnen nicht. Der Genosse sollte die Verbundenheit der Unterstellten und Vorgesetzen innerhalb unserer sozialistischen Menschengemeinschaft betonen und war deshalb nicht auf den Parteigenossen bezogen.

So habe ich es zumindest einmal gelehrt bekommen, aber ich denke einer unserer ehem. Polits hier im Forum, wie Pitti, Rainman etc., haben da sicher auch eine Lehrbuchantwirt auf deine Frage.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#3

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 19:15
von Weichmolch (gelöscht)
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Das war grundsätzlich in der DV 010/0/003 Innendienstvorschrift geregelt und fand Anwendung in allen bewaffneten Organen der DDR.

Hier ein Auszug:

43. (1) Die Armeeangehörigen haben im gegenseitigen Umgang
immer höflich und korrekt aufzutreten. Im Dienst haben sie
sich untereinander mit ,,Sie" anzusprechen.
(2) Es sind anzusprechen:
a) Vorgesetzte und Dienstgradhöhere mit ,,Genosse" und dem
Dienstgrad,
b) Unterstellte und Dienstgradniedere mit dem Dienstgrad
und dem Namen oder mit ,,Genosse" und dem Dienstgrad.
c) Stabsoffiziere der Volksmarine mit ,,Genosse" und voller Dienstgradbezeichnung, zum
Beispiel: ,,Genosse Fregattenkapitän!",
d) Generale und Admirale mit ,,Genosse" und voller Dienstgradbezeichnung, zum Beispiel:
,,Genosse Generalleutnant oder ,,Genosse Konteradmiral!".
(3) Der Minister für Nationale Verteidigung ist mit ,,Genosse Minister!" anzusprechen.
(4) Bei der persönlichen Anrede sind die Dienststellung sowie
akademische Grade bzw. andere Qualifikationsgrade oder Titel
nicht hinzuzufügen.
(5) Werden Vorgesetzte oder Dienstgradhöhere angesprochen,
sind vom Unterstellten oder Dienstgradniederen der Dienstgrad
und Name zu nennen, falls diese dem Anzusprechenden nicht bekannt sind.
44. Der Vorgesetzte oder Dienstgradhöhere ist links zu begleiten.
Mehrere Begleiter gehen links und rechts neben dem
zu Begleitenden.
45. Beim Herantraten an einen Vorgesetzten oder Dienstgradhöheren
ist die Ehrenbezeigung zu erweisen und danach das
Anliegen vorzutragen, Beispiel: ,,Genosse Leutnant! Gestatten
Sie, daß ich Sie spreche?".
46. (1) Ein vom Vorgesetzten oder vom Dienstgradhöheren aufgerufener
oder gerufener Armeeangehöriger hat die Grundstellung einzunehmen und mit ,,Hier!
Genosse . .. (Dienstgrad)!" zu antworten.

Weitere Fragen?

Weichmolch


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#4

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 20:30
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Nabend @MK, Genosse Dienstgrad war die übliche Anrede in allen bewaffneten Organen der DDR.

Mann wollte sich so vom Herr Dienstgrad des Westens absetzen, denn einen Herren hatten unsere Soldaten und Soldatinnen nicht. Der Genosse sollte die Verbundenheit der Unterstellten und Vorgesetzen innerhalb unserer sozialistischen Menschengemeinschaft betonen und war deshalb nicht auf den Parteigenossen bezogen.

So habe ich es zumindest einmal gelehrt bekommen, aber ich denke einer unserer ehem. Polits hier im Forum, wie Pitti, Rainman etc., haben da sicher auch eine Lehrbuchantwirt auf deine Frage.


war das nicht alles nur theorie bei euch felix? ich bin der meinung bei uns ging es lockerer zu. auch ohne genosse. lg glasi



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#5

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 20:54
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo MK1987,

da hat ja Feliks eine schöne Vorlage gegeben. Aber eine wiklich Politgerechte Antwort der "alten Schule" habe ich nicht.

1. Fangen wir zunächst beim Ursprung des Wortes an.
Etymologisch kommt das Wort aus dem Althochdeutschen und ist neben anderen Formen auch in "genauta" überliefert (bereits vor dem 8. Jahrhundert n.Chr.). Darin wiederum steckt das Wort "nauta", dass sich in kleineren Abwandlungen bis in den afrikanische Sprachraum findet und "Vieh" oder auch "wertvoller Besitz" bedeutet. Damit hat das Wort Genosse seinen tatsächlichen Bedeutungsursprung in: "Der das gleiche Vieh besitzt". Insofern ist übrigens die Genossenschaft der Bauern tatsächlich und im Wortsinn darauf zurückzuführen. (Bei wikipedia findet sich die Erklärung "ginoz – jemand, der mit einem anderen etwas genießt, Nutznießung hat" - ja, das ist eine der möglichen Bedeutungen, aber nur eine! Merke: Auch wikipedia hat Grenzen.)

2. Die Abgrenzung zu Kamerad
Das Wort Kamerad oder Kameradschaft lässt sich auf die französische Bedeutung "Kammergemeinschaft" zurückführen. Das bedeutet allgemein, dass Leute, egal welcher Stellung in der Gesellschaft durch die Aufnahme in die Kameradschaft "gleich gemacht" werden. Besonders in den deutschen Armeen seit der Einführung der Wehrpflicht in den Befreiungskriegen bekam dieser Aspekt eine große Bedeutung, da plötzlich in den militärischen Einheiten Bürgersöhne beben Proletariern und Bauern standen. Die Bedeutung wird vielleicht so am besten wiedergegeben: "Wir mögen zwar nicht gleich sein, aber wir betrachten uns durch unseren Dienst als gleich."
Hier faucht der Wirbel der proletarischen Revolutionen hinein. Klassenunterschiede werden nivelliert. Wer das Gleiche tut, ist gleich! Diese Gleichschaltung fand ihren verbalen Ausdruck in dem Wort Genosse.

3. Abgrenzung zu Herr
Hier verweise ich nur kurz auf die Referenz zu "Herrschaft" oder "Herr und Diener". In einer Gesellschaft, die die Aufhebung der Klassenunterschiede zum Ziel hat, passt das nicht.

4. Das sowjetische Vorbild
Im Rahmen der russischen Revolution und der Entwicklung sowjetischer Streitkräfte setzte sich dort die Entsprechung des Wortes Genosse mit товарищ (towarischtsch) durch. Hier wird es aber schwer mit der einfachen Übersetzung, denn Towarischtsch kann auch mit Freund, Kamerad, Kumpel etc. übersetzt werden. Beim Aufbau der Streitkräfte der DDR verband man die Tradition der deutschen proletarischen Revolution in Form der Anrede "Genosse" mit der Übersetzung des Wortes aus dem sowjetische Sprachgebrauch. Somit ist die Anrede zwar die Übernahme einer Tradition der sowjetischen Streitkräfte, aber etymologisch lässt sich das Wort aus dem deuschen Gebrauch herleiten (siehe 1.).

Ja, soviel erstmal dazu ...
Ich hoffe, es war noch verständlich.
ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 01.10.2011 20:56 | nach oben springen

#6

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 21:43
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Man kann es auch ganz kurz fassen.Das Wort - Genosse-- als Anrede bei den bewaffnete Organen der DDR--kann man auch so sehen,es sollte ein Verbundenheitsgefühl gezeigt werden--womit man sagt --wir ziehen alle am gleichen Strang.So ist es aber auch heute mit der Anrede bei der Bundeswehr mit --Herr--.Im Prinzip sollte es und soll es nur der Diziplin dienen. Also mal so gesagt man sollte, das Wort Genosse nicht so ernst nehmen, selbst in der Demekratischen Partei die SPD --kommt das Wort Genosse vor. Und in Bundestag redet man sich mit Kollegen an,um zu bekunden--das man sich respektiert.


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#7

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 22:46
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#8

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2011 23:40
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Zitat von EK 82/2
ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


Mal Echt gesagt--haben wir das Wort --Genosse-in unseren 18 monatige Dienstzeit--ernsthaft genommen. Ich glaube,die überwiegende Zahl-war es egal--wie man angesprochen wurde.Man sagte sich einfach-- die wenigen Monate bekomme ich rum


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#9

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 00:21
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Rostocker

Zitat von EK 82/2
ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


Mal Echt gesagt--haben wir das Wort --Genosse-in unseren 18 monatige Dienstzeit--ernsthaft genommen. Ich glaube,die überwiegende Zahl-war es egal--wie man angesprochen wurde.Man sagte sich einfach-- die wenigen Monate bekomme ich rum




hi rostocker, aber die waren hart für fast alle waffengattungen.
den satz sage heute mal einem BW-soldaten und das er in der zeit nur die hälfte unserer ausbidung machen braucht. ob er dann auch sagt: die wenigen monate....?

ansonsten ging mir genosse durch die kehle. ich nahm es schon gar nicht mehr wahr das ich es sagte obwohl ich heute stolz auf meine zeit bin. damals haßte ich sie. mag an der zeit liegen und das grenzer heute als verbrecher hingestellt werden, da lehnt man sich auf.

gruß ek 82-2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#10

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 00:23
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

habe den beitrag gelöscht, weil er doppelt einging.
gruß ek 82-2


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 02.10.2011 15:54 | nach oben springen

#11

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 10:34
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

Interessant: "Herr/Frau" , "Genosse/Genossin", usw. In der Schweiz haben wir seit den siebziger Jahren weder noch. Sind eben mundfaul hier.
http://www.nttc.ch/tecbt/GS_07.pdf
Theo


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#12

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 10:57
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Interessant: "Herr/Frau" , "Genosse/Genossin", usw. In der Schweiz haben wir seit den siebziger Jahren weder noch. Sind eben mundfaul hier.
http://www.nttc.ch/tecbt/GS_07.pdf
Theo



Theo bei mir geht der Link nicht, er ist leer - oder sind die Schweizer auch schreibfaul ?


MfG
Jawa350
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#13

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 11:06
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Also bei mir öffnet sich eine DV 51.019

Eventuell mal dein PDF Reader updaten


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#14

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 11:19
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Also bei mir öffnet sich eine DV 51.019

Eventuell mal dein PDF Reader updaten



Ja das ist das Reglement Grundschulung der Schweizer Armee. Formelle Ausbildung beginnt auf S.147.
Theo


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#15

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 13:15
von TOMMI | 1.984 Beiträge

An und für sich ist aber die Anrede "Genosse" und "Sie" ein Widerspruch, da sich Genossen untereinander bekanntlich duzen.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#16

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 15:28
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von TOMMI
An und für sich ist aber die Anrede "Genosse" und "Sie" ein Widerspruch, da sich Genossen untereinander bekanntlich duzen.


Hallo Tommi,

nee, nicht unbedingt. Die Regelung mit dem DU galt innerhalb der Organisationsebenen der SED oder wurde dort gepflegt in Anlehnung an die Kommunistische Partei. Es stand, soweit ich mich erinnere, in keinem Statut, dass es so ist, aber es war auch kein Problem wenn man von einem Genossen der Partei als Genosse der Partei mit Du angesprochen wurde. Das Genosse innerhalb der Streitkräfte war insofern dem Genossen der Partei nicht gleichgesetzt. Immerhin siezten sich ja sogar die Parteimitglieder untereinander im Wissen darum, dass sie beim Verlassen der Parteiversammlung wieder in ihre angestammten Hierarchierollen schlüpften. Also: Das Du war auch unter "richtigen Genossen" keine Pflicht.

Ansonsten kann man ja zu einer weiteren Form des Wortes "Genossen" auch noch Eisenringtheo befragen. Immerhin scheint er ja "Eidgenosse" zu sein!


ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#17

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 15:55
von Alfred | 6.841 Beiträge

Hallo,

ich kenne es so, dass es im Bereich Partei und im Dienst bis auf Ausnahmen das "DU" gab.

Aber das dürfte wohl daran gelegen haben, dass die Dienstgrade nicht bekannt - ersichtlich - waren.


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#18

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 02.10.2011 21:50
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Also etwas ungewohnt war diese Anrede - aber es gehörte eben dazu.

Um in unserer jugendlicher Übermut unsere Vorgesetzten zu ärgern, haben wir unseren Angehörigen und Bekannten mitgeteilt: Sie sollen doch bei Post an uns statt Dienstgrad Kollege oder Herr draufschreiben! Ein entlassener (1965) schrieb dann auch die diese Karte!

Der Gipfel war aber dann folgendes Vorkommnis.
Die 4 Kraftfahrer hatte in der alten (Baracke) GK Untersuhl ein eigenes Zimmer. Es gab eine Anweisung vom KC das die Kraftfahrer nicht geweckt werden durften - wir mußten ja auch zu den unterschiedlichsten Zeiten und Gründen fahren!
Da dieses Privileg nicht allen gefiel wurde auch mal schnell an unsere Tür geklopft! Einer von uns Fahrern hat dann an unsere Tür dieses geschrieben:

"Die Herrn Kraftfahrer nicht wecken"
Unter großer Schadenfreude der Kompanie mußte dieser Genosse Fahrer eine Dose Farbe kaufen und die Tür auf seine Kosten neu lackieren:

Angefügte Bilder:
Fritz ohne Adresse.jpg

MfG
Jawa350
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#19

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 03.10.2011 00:18
von icke-ek71 (gelöscht)
avatar

hallo,na das mit dem genossen war schon gewöhnungsbedürftig..aber man hat es mit der zeit nicht mehr wahrgenommen..das einzige wo ich mich gegen gewehrt habe wenn mich jemand mit genosse glaß angesprochen hat...egal wer und auch wenn es ein offizier war habe ich mich dagegen verwehrt..ich hatte im gab damit probleme..ausgangsperre war die folge..aber ich habe das durchgezogen und da ich auch nicht in der fdj war mußte ich revierreinigen ..aber das war mir total egal...dann am kanten war alles ganz anders..da wurde der ko chef mit hauptmann angesprochen..das wort genosse kam nur dann wenn irgendwelche überprüfungen in der gk stattfanden vor!!alle redeten sich mit den vornamen an..die offiziere wurden halt mit ihrem dienstgrad angesprochen..einige sogar mir ihem vornamen!!!nach meiner entlassung aus der nva....habe ich das wort genosse aus meinem wortschatz gestrichen!!gruß aus berlin


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#20

RE: Warum war bei der NVA jeder Genosse?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 05.10.2011 14:12
von Harsberg | 3.245 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Nabend @MK, Genosse Dienstgrad war die übliche Anrede in allen bewaffneten Organen der DDR.

Mann wollte sich so vom Herr Dienstgrad des Westens absetzen, denn einen Herren hatten unsere Soldaten und Soldatinnen nicht. Der Genosse sollte die Verbundenheit der Unterstellten und Vorgesetzen innerhalb unserer sozialistischen Menschengemeinschaft betonen und war deshalb nicht auf den Parteigenossen bezogen.

So habe ich es zumindest einmal gelehrt bekommen, aber ich denke einer unserer ehem. Polits hier im Forum, wie Pitti, Rainman etc., haben da sicher auch eine Lehrbuchantwirt auf deine Frage.




Warum denn die Polit´s Feliks, allen Vorgesetzten ab Uffz. wurde doch die Innendienstvorschrift gelehrt


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
zuletzt bearbeitet 05.10.2011 14:12 | nach oben springen


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