#21

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 19:24
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Augenzeuge,

hier nur zur "Einschränkung des Rechts zur Schusswaffenanwendung" und aus meiner Sicht Geltung nur für die 80-er Jahre.

Über die Zeit wichtiger Staatsbesuche wurde der Passus des Grenzgesetzes von 1982, dass die Angehörigen der Grenztruppen das Recht haben die Schusswaffe in den im Grenzgesetz genannten Fällen und Umständen anzuwenden, per Befehl eingeschränkt. Die Anwendung der Schusswaffe war nur zur Verteidigung des eigenen Lebens erlaubt. Der Honecker-Besuch in der BRD war ein Ereignis, bei dem das auch galt. Es gab solche Situationen in den 80-er Jahren mehrfach. Die Sache wurde als Befehl weitergeleitet. Darüber war Stillschweigen zu bewahren. Es musste nicht zwingend noch eine Belehrung mit Unterschrift erfolgen. Nun kann es sein, dass aufgrund von Vorkommnissen für ein Truppenteil oder nur für eine Einheit eine spezielle Belehrung mit Unterschrift gefordert wurde. Das ist möglich. Üblich war es nicht. In den 80-er Jahren hätte über so einem Befehl, so einer Belehrung auch kaum gestanden, dass der Schießbefehl ausgesetzt wird. Wenn Grenzer aus den 80-er Jahren behaupten, sie hätten keinen Schießbefehl erhalten, dann ist das genauso richtig, wie wenn Grenzer aus den 60-er bis Anfang der 80-er Jahren behaupten, die Vergatterung (Grenzverletzer festnehmen oder vernichten) war für sie der Schießbefehl. Aus Sicht der 80-er Jahre und im Kontext zum Grenzgesetz galt dies als, wie oben bereits genannt, "Einschränkung des Rechts zur Schusswaffenanwendung".

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#22

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 19:41
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo, Rainman, danke für die detaillierte Schilderung.

Danke auch dir Pitty für die schnelle Antwort. Vielleicht haben wir nun wirklich alles zu dem Thema hier geklärt.

Gruß, Augenzeuge


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#23

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 19:46
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
Vielleicht haben wir nun wirklich alles zu dem Thema hier geklärt.




Na das wäre aber langweilig, dann hätten wir gar nix mehr zu reden. So manchmal kramen wir die Themen dann doch mal wieder aus - gibt ja auch immer wieder Neue Mitglieder im Forum...


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#24

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 20:25
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
einen richtigen echten Befehl zum Ballern gab es nie, im Gegenteil. Ich habe andere Wege der Aus- und Weiterbildung versucht, und war auch recht erfolgreich.
Der Grenzposten hatte immer Entscheidungsfreiheit, er war an der Linie, er mußte selbst entscheiden wann wie irgendetwas eingesetzt werden muß.
Um die Richtung klar abzustecken, war der Polit zuständig, er war für Meinungsbildung unter den Soldaten verantwortlich.
Ich hab in meiner Einheit mit dem freien Zug gern Geländespiele durchgeführt, da ging es wirklich um Selbstentscheidung.
Eine Gruppe bildete den bitterbösen Feind, die 2 anderen Gruppen sollten den listigen Feind festnehmen.
Bei mir gab es auch Gruppenausbildung im Grenzabschnitt,die war mir tausend mal lieber, als schlichter Frühsport.
Es wurde ausgerückt zur Grenze, erst dort wurde geübt.
Gruß nf

zuletzt bearbeitet 07.05.2009 20:28 | nach oben springen

#25

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 20:55
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von nightforce

Der Grenzposten hatte immer Entscheidungsfreiheit, er war an der Linie, er mußte selbst entscheiden wann wie irgendetwas eingesetzt werden muß.
Um die Richtung klar abzustecken, war der Polit zuständig, er war für Meinungsbildung unter den Soldaten verantwortlich.
Gruß nf



Hallo nightforce und manudave und alle-
ich diskutiere weiter, ok. Sorry, wenn der Eindruck entstand, das ich das stoppen wollte.

@nightforce: Stell dir doch mal etwas vor. Du bist mit einem Posten auf Streife. Ihr seht einen Flüchtling. Dein Posten sagt, der ist zu weit weg, schiessen bringt nichts- nein sagst du, ist er nicht- und schiesst. Letztlich hast du die Flucht verhindert. Du wirst belobigt, bekommst Urlaub- dein anderer Postenkumpel bekommt Arrest. Das ist dann Entscheidungsfreiheit?! Ok, den Befehl gab es nicht, aber die Freiheit sich dagegen zu stellen auch nicht.

Wie kann ich das verstehen, das der Polit für die Meinungsbildung unter den Soldaten zuständig ist- durfte keiner eine eigene Meinung haben? Ich hoffe, du verstehst das jetzt nicht falsch. Ist kein Vorwurf.

Gruß, Augenzeuge

zuletzt bearbeitet 07.05.2009 20:56 | nach oben springen

#26

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 21:51
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Augenzeuge,
ist das deine Erfahrung?
Ich hab mit meinen Leuten oft genug das Spiel "stell dir vor" geübt.
Der Posten bestand in der Regel aus zwei Personen.
Warum sagt der Posten in deinem Szenario, der wär zu. weit weg?
Wo war der Anruf, der Warnschuß, bevor es zum menschlichen Körfpertreffer kam?
Erkennen ohne erkannt zu werden, daß war auch unserer Auftrag.
In deinem Szenario bekommt der Posten nur eine Bestrafung, wenn er von seinem Postenführer angeschissen wird, dann ist aber immer noch zu prüfen, wer was wann gesagt oder getan hat.
Das lässt sich also eigentlich nie richtig aufklären, weil es gab ja nur die zwei Personen, die eigenständig handelten.
Nur die Beiden könnten sich gegenseitig belasten, es war ja sonst keiner vor Ort.
Das eigenständige Handeln war immer im Ermessen der Grenzer vor Ort, der Leute, die tlw nur 18 Monate Wehrdienst leisteten, und davon nur max 1 Jahr direkt am Kanten waren.
Wer nicht dort war, hat gut Reden.

Gruß nf



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#27

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 22:16
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo nightforce,
danke für die Erklärung. Ich denke, wie die Praxis wirklich war, hing von den entscheidenden Leuten ab. Unterschiede gab es sicher.
"Gut reden" kann ich darüber schon, auch wenn ich nicht direkt dabei war. Ich habe sehr viel gelesen über diese Dinge. Aber natürlich kommt das nicht unbedingt an die Praxis genau ran, wie du sie erlebt hast. Aber ich habe mich mit den Vorgängen schon beschäftigt und kenne die Folgen. Die ich nicht immer nachvollziehen kann. Ich verstehe z.B. nicht, warum die Todesschüsse viel häufiger waren, als z.B. Schüsse in die Beine? Das habe ich an einem bestimmten Grenzabschnitt festgestellt. Und deshalb gibt es hier und dort noch Bedarf, und ich denke, auch durch diesen Beitrag profitiert hier jeder davon. Letztlich bin ich nicht der Meinung, das zu meinem Szenario ein Anschiss gehören muss(ich habe es absichtlich etwas kurz gefasst, die Warnrufe weggelassen, wenn jemand weit weg ist hört der mich nicht unbedingt, aber schiesse ich dann- oder sollte ich dann besser nicht? Das ist doch nur meine Frage.) ,übrigens, sorgte nicht die Abt 2000 danach schon für Klarheit? Aber wenn du recht hast, dann gab es bei Einigkeit der beiden Grenzer keine negativen Folgen. Und das glaube ich bisher noch nicht. Sorry.

Gruß, Augenzeuge


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#28

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 07.05.2009 22:25
von nightforce (gelöscht)
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Welch Frage, nach Anruf kam Warnschuß, wer dann noch weiter machte, der trägt auch ein gewisses Maß an Eigenschuld dafür, was in Folge seiner Handlungen geschieht.

Gruß nf


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#29

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 00:07
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Augenzeuge,

In Antwort auf:
Wie kann ich das verstehen, das der Polit für die Meinungsbildung unter den Soldaten zuständig ist- durfte keiner eine eigene Meinung haben? Ich hoffe, du verstehst das jetzt nicht falsch. Ist kein Vorwurf.


Das ist eine recht einfache Frage für einen verdammt komplexen Sachverhalt. Zum einen muss ich mal, mit großer Trauer im Herzen und Schmerz in der Seele, nightforce ein klein wenig in den Rücken fallen. Dass der Polit für die Meinungsbildung unter den Soldaten zuständig ist, lässt ein wenig die leichte Schnodderigkeit militärischer Führungskader mit dieser Aufgabe durchblicken, ein alter Kampf zwischen Kommandeuren und Polits. Für die politisch-ideologische Arbeit mit seinen Unterstellten war jeder Vorgesetzte selbst und direkt verantwortlich. Der Polit war vor allem zunächst für die Planung, Organisation und Anleitung der verschiedenen Formen der politischen Arbeit verantwortlich. Natürlich war da noch mehr und er hatte sich natürlich auch selbst in die unmittelbare politisch-ideologische Arbeit einzubringen. Zwei klassische Arbeiten waren die politische Schulung der Soldaten (die Unteroffiziere wurden vom Kompaniechef geschult) und die Planung der täglichen Aktuell-politischen Lageinformationen (TAPlI) die mit 20 Minuten im Rahmen der Grenzdienstvorbereitung stattzufinden hatten. Durchgeführt werden konnten diese auch von Zugführern oder anderen Vorgesetzten, die in die entsprechenden Inhalte eingewiesen waren. Soviel zu einem kurzen Abriss der Organisation eines Teils der politischen Arbeit

Nun kommt der Teil mit den Inhalten. Wir gingen im Rahmen der politischen-ideologischen Arbeit davon aus, dass Klassenstandpunkt, Meinungen, Haltungen auf verschiedene Wege im Sinne des Sozialismus und der Erfüllung der Aufgaben an der Grenze beeinflusst oder herausgebildet werden konnten.

1. Im Vordergrund stand die Wissensvermittlung. Dazu wurde anhand konkreter Beispiele in Gesellschaft oder Grenzdienst versucht, die Methoden des Marxismus-Leninismus in ihrer konkreten Anwendung zu zeigen. Dazu gehörte die philosophische Seite mit dem Dialektischen und historischen Materialismus, die ökonomische Seite mit der politischen Ökonomie des Sozialismus sowie der des Kapitalismus und die konkrete gesellschaftsanalytische Seite mit dem wissenschaftlichen Kommunismus. Diese drei Bestandteile des Marxismus-Leninismus waren Bestandteil jedes Hochschulstudiums in der DDR. Da deren Methoden nicht unmittelbar in der politischen Arbeit vermittelt werden konnten, musste sich die Sache auf Beispiele beschränken. Hintergrund: Darstellung der Wissenschaftlichkeit unserer Weltanschauung.

2. Als nächstes ging es um Kenntnisvermittlung. Dazu wurden auf der Ebene der Politinformationen und der offiziellen Parteiorgane (u.a. "Neues Deutschland", "Die Einheit" etc.) Fakten oder das, was wir dafür hielten, gesammelt und in die Informationen, Schulungen und Gespräche eingefügt. Hintergrund: Darstellung der Objektivität unserer politischen Arbeit.

3. Und dann noch die vorbildhafte Darstellung wünschenswerter Meinungen und Haltungen. Das begann beim persönlichen Beispiel des Polits oder des Vorgesetzten und ging weiter über solche Dinge wie z.B. "Bestenbewegung" bis hin zur Integration von gesellschaftlich aktiven Soldaten in die Arbeit der Parteiorgansation und vor allem der Massenorganisationen. Hintergrund: Darstellung des Massencharakters unserer Politik.

Diese Elemente wurden im Wesentlichen in die verschiedensten Formen der politischen Arbeit integriert. Das war der Kern meines Jobs als Polit. Ich hatte dafür zu sorgen, dass diese Inhalte gewährleistet waren. Nach unserer Theorie hätte sich damit auch die Meinung der Soldaten im Sinne des Sozialismus entwickeln müssen. Naja, an der Theorie hätten wir noch eine Weile arbeiten müssen. Mal abgesehen von denen, die hundertprozentig zum Sozialismus standen, so wie ich, ergaben sich nach meiner heutigen Auffassung die stärksten Wirkungen dieser Arbeit nicht aus der theoretischen Kombination der hier genannten Elemente, sondern aus Dissonanzminderungseffekten. Kurz gesagt: Wir stehen an der Grenze, wir sichern sie mit aller Entschlossenheit und ich stehe mit hier - da muss etwas Richtiges dran sein. ... Aber wenn ich dazu jetzt aushole, schreibe ich meine Diplomarbeit nochmal. Deshalb mache ich hier erstmal Schluss. Und ich habe ehrlichen Herzens das Gefühl, mich kurz gefasst zu haben.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#30

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 06:16
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
wer dann noch weiter machte, der trägt auch ein gewisses Maß an Eigenschuld dafür, was in Folge seiner Handlungen geschieht


Bei diesem Satz reagiere ich immer wieder allergisch, denn das hört man sehr oft von höheren Dienstgraden (also eher noch höher als Major )

Das kehrt das Täter-Opfer Prinzip um - der Täter scheint auf einmal der Flüchtling zu sein...

Da hilft auch der Spruch nicht "er hat gegen bestehende Gesetzte....usw" - über allem stehen wohl noch die Menschenrechte und genau diese für uns manifestierten Grundsätze von Demokratie wurden nicht beachtet.


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#31

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 07:03
von sentry | 1.087 Beiträge

In Antwort auf:
Lediglich während des Honecker-Besuches in der BRD 1987 war der Schießbefehl ausgesetzt. Ausnahme hier war Bedrohung gegen das eigene Leben. Die Grenzer hatten hierbei eine Stillschweigungsvereinbarung zu unterschreiben.


Das war genau in meiner Zeit, ich erinnere mich daran. Die Anweisung wurde in der üblichen Form (TAPI) an uns 'rangetragen. Natürlich wurde auch die Vertraulichkeit dieser Anweisung betont...logisch!
Vermutlich wurde die Anweisung auch jeweils beim Befehl zum Grenzdienst nochmal ins Gedächtnis gerufen.
Unterschrieben haben wir nichts, besondere Stillschweigevereinbarungen wären auch sinnlos gewesen. Über den Grenzdienst und alles, was damit zusammenhing, durfte sowieso nichts ausposaunt werden.

Übrigens ist mir auch nicht bewusst, dass später 'mal irgendeiner gesagt hätte: "So, Honni is wieder da, jetzt dürft (müsst?) ihr wieder schießen!"
Möglicherweise hat das gar nicht stattgefunden.
Kann sich an so einen Vorgang jemand erinnern?


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#32

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 13:03
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
danke Rainman, daß du mir nur ein wenig in den Rücken gefallen bist.
Du hast aber Recht und ich sicher auch.
Klar war jeder Vorgesetzte für die politische Bildung seiner Untergebenen verantwortlich, das wollte ich auch nicht bestreiten.
Der Kommandeur war sogar dafür verantwortlich, wie gut sein Politstellvertreter seine Arbeit erledigte.
Mir ging es aber um das Arbeitsfeld des Polits, der auch für seinen Vorgesetzten die Informationen zusammenstellte, die zur Schulung der Einheit Verwendung fanden.
Auch wenn z.B. die Unteroffiziere vom KC geschult wurden, oder auch die Zugführer die TAPI durchführen konnten, sie taten das weitgehends mit dem Material welches der Polit zusammengestellt hatte, das war ja eigendlich sein richtiger Job.
Somit war er für die Meinungsbildung der Truppe verantwortlich.
Klar durfte jeder eine eigene Meinung haben, aber wie entsteht eine Meinung?
Sie entsteht dann, wenn man sich mit bestimmten Informationen versorgt, sich damit indentifiziert, oder auch nicht, ganz grob gesagt.
Mit welchen Informationen die Truppe gefüttert wurde, dafür war der Polit zuständig, und damit auch zur Meinungsbildung in der Truppe.
Man kann dies steuern mit der Auswahl der Informationen, die weitergegeben werden.
Die ideologische Diversion ist eigendlich nichts anderes, ein Beeinflussen der Menschen in die oder die andere Richtung.

@manudave,
du darfst gern allergisch reagieren, aber versuch mal über den Zaun vom weißen Haus zu klettern, um dem amerikanischen Präsident die Hand zu schütteln, weißt du was da passiert?
Genau das gleiche Szenario wie an der Grenze läuft da ab.
Der Täter ist immer der, der über Zäune klettert, weil er für die Tür keinen Schlüssel hat.
Mit den Menschenrechten brauchst also nicht zu kommen, 99,9% aller Grenzverletzer wußten, daß sie sich in Sperrgebiet begeben, sie wußten auch, daß dort nicht mit Wattebällchen geworfen wurde.
Wenn sie dann doch da rein gingen, nach Aufklärung und Anruf ihre Handlungen nicht abgebrochen haben....., siehe oben oder auch weißes Haus.

Gruß nf

zuletzt bearbeitet 08.05.2009 13:04 | nach oben springen

#33

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 13:41
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von nightforce

Der Täter ist immer der, der über Zäune klettert, weil er für die Tür keinen Schlüssel hat.



Danke nightforce für diesen Satz! Ich hoffe und gehe davon aus, das er die Leute hier wieder zum kommentieren bringt.

Mein Kommentar dazu: Nein, das ist nicht der Täter. Wenn einem Volk, die von seiner Regierung vereinbarten (Helsinki) aber nicht praktizierten Menschenrechte (...kann in jedem Land seinen Wohnsitz beziehen...)aus egoistischen Machtinteresse vorenthalten wird, dann wird er zum Opfer. Er wird zum Opfer, der ihm verweigerten Rechte. Daran ändert die willkürliche Gesetzgebung nichts. Wenn jemand aus nicht gerechtfertigten Gründen im "Gefängnis" sitzt, wird er zum Opfer, wenn er versucht seine ihm zustehenden Rechte auf Freizügigkeit umzusetzen.
Sollte dein Satz richtig sein, dann müssten alle Listen der TodesOPFER an der Grenze in Vernichtete Täter umgeschrieben werden.
Und das wollen wir doch alle nicht, auch du nicht nightforce, oder?


Eins noch, der Vergleich mit dem Weißen Haus hinkt. U.a. kann dort niemand seinen Wohnsitz begründen. Aber hierzu können sich nun auch andere Teilnehmer noch äußern. Danke!

Gruß, Augenzeuge

zuletzt bearbeitet 08.05.2009 13:42 | nach oben springen

#34

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 14:09
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Augenzeuge,
warum hinkt der Vergleich mit dem weißen Haus?

Gruß nf


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#35

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 14:28
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Augenzeuge,
Danke für Deine Antwort, sie entspricht genau meiner Meinung! Den Vergleich der Grenze mit dem weißen Haus kann ich absolut nicht verstehen! Da kann man die Hintergründe nicht einmal annähernd in Erwägung ziehen. Für alle die keinen anderen Ausweg mehr wussten als so ein Risiko einzugehen die DDR auf diesem Weg zu verlassen ist dieser Vergleich wie Hohn! Langsam muss ich darüber nachdenken ob ich in diesem Forum noch richtig bin. Habe hier schon öfters gelesen das der Schuldige immer der Täter war. Natürlich hat der Flüchtling gewusst was ihm passieren kann . Gründe wird die Mehrheit derer die es dennoch versucht haben genug gehabt haben. Mensch Leute warum trennen uns auch heute noch Barrieren?


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#36

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 14:38
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zunächst: Danke, turtle!

Hallo nightforce,

nun, ich habe es doch schon geschrieben, das weisse Haus ist Wohnsitz des Präsidenten. Kein Land, wo jemand wohnen kann.
Wenn jemand dort rein will, hat das nichts mit einem verankerten Menschenrecht zu tun. Außerdem geht es hier um Eindringen (in private Grundstücke) und nicht um Flüchten aus Menschenrechtsmotiven.

Ich versuche es mal mit diesem Satz. Wenn jemand ohne (auch in der Vergangenheit liegende) Gewalteinwirkung gegen einen anderen versucht, wegzurennen, dann darf in unserem Staat die Polizei nicht einfach schiessen. Warum wohl nicht? Und das ist eben der Unterschied.

Aber weil wir nun mal in den USA sind mit dem Vergleich, wird ein US-Bürger, der versucht nach Kanada zu flüchten, erschossen? Ich weiß es nicht. Klar, für den Grenzer dort ist er der Täter. Aber kann man das vergleichen? Die US-Amerikaner haben die größte Freiheit, die man sich vorstellen kann. Und das auch im Negativen (Schusswaffen), klar. Aber frei sind sie. Hast du Zahlen von erschossenen Flüchtlingen anderer Staaten?

Gruß, Augenzeuge

zuletzt bearbeitet 08.05.2009 14:39 | nach oben springen

#37

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 14:52
von S51 | 3.733 Beiträge

Wohl, weil bei den meisten Menschen diese inneren Barierren notwendig sind, um im Falle des Falles Entscheidungen vor sich selbst rechtfertigen zu können. Wenn ich etwas tu, was jemandem schadet, dann muss der gefälligst auch ein bischen daran schuld sein, weil ich das sonst natürlich nie getan hätte oder gegebenenfalls tun würde...
Andernfalls wäre ich ja (auf beiden Seiten wohlgemerkt) nur ein funktionierendes Rädchen gewesen, der handelt, wie es seine Rolle vorsieht. Eben weil sie es so vorsieht und an den (unter anderen Umständen) unangenehmen Rest denkt man eben nicht. Militär funktioniert so, Polizei auch, Justiz erst recht und Beamte sowieso. Das soll keine Herabsetzung sein. Es läuft einfach nur so. Heute wie damals, nur die Feindbilder wechseln natürlich. Ansonsten wäre man ein Söldner.
Ich kann das schreiben, ich bin die böse Variante.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#38

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 14:58
von sentry | 1.087 Beiträge

Bleib 'mal ruhig hier turtle. Von diesen hundertmal gehörten Worthülsen wirst Du Dich doch nicht vertreiben lassen!?!
Die Top Ten Wortgruppen zu diesem Thema (ungeordnet und unbewertet):
- Die Grenze USA/Mexico ist genauso schlimm.
- An den westdeutschen Grenzen sind auch viele zu Tode gekommen.
- Der Grenzverletzer hat seinen Tod wissentlich in Kauf genommen.
- Die Grenzverletzer wussten, dass sie sich in ein militärisches Sperrgebiet begeben.
- Der Grenzverletzer war selber Schuld.
- Es gab auch ganz offizielle Ausreisemöglichkeiten in der DDR.
- Niemand war gezwungen, über die grenze zu gehen.
- Wir standen an der Nahtstelle zwischen zwei Weltsystemen.
- Dem Fluchtwilligen war das Leben der Grenzer auch egal.
- Was nützt die ganze Freiheit, wenn man sie sich nicht leisten kann.

...muss man abkönnen, das immer wieder zu hören, ansonsten ist es wirklich hart in einem Forum mit so einem Thema.


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#39

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 15:11
von S51 | 3.733 Beiträge

Entschuldigung, ich habe einen Satz vergessen. Wegen dem Rädchen und der Begründung und so.
Auch jeder, der Gesetze verletzt funktioniert nach diesem Schema. Immer ist der Andere oder das Andere schuld. Zumindest ein bischen, mindestens aber komplett. Weil es nicht so war, wie es sollte, nicht machte was es sollte oder einfach nur gerade dort war...
So ist das Leben. Aber ich denke, man kommt trotz dieser kleinen Unzulänglichkeiten miteinander klar.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#40

RE: Der Schießbefehl und seine Bedeutung.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.05.2009 17:14
von nightforce (gelöscht)
avatar
Hallo Peter (turtle),
nein, brauchst nicht wegrennen hier, das will ich auch nicht, bist doch ein netter Zeitgenosse.
Es geht um Hoheitsgebiete, wie es Staaten nun mal sind.
Betrachte dir doch zum Vergleich den G 8- Gipfel an der Küste.
Wurde da nicht auch eine Grenze aufgebaut, eine Grenze um dem gemeinen Volk zu sagen, bis hierher und nicht weiter, was wir da drin machen geht euch nichts an, andersrum, was die da draußen machen....
Ehrlich gesagt, für mich macht es keinen großen Unterschied, ob nun das Volk ein-, oder ausgesperrt wird, denk selbst mal darüber nach.
Ja, was mache ich heute, bisher hab ich dazu nichts geschrieben, weil dieses Thema auch recht umstritten ist.
Man kann sagen, ich lerne Menschen an, andere Menschen in ihrem Vorgehen aufzuhalten und gegebenenfalls auch zu töten.
Entscheiden, was geschieht, macht immer der Mensch, der einen Abzug in der Hand hat, oder der, der Keinen hat und auf die Anrufe dessen, der einen hat, nicht Folge leistet.
Da geht es um Leben und Tod.
Du bist ja selbst über diese Grenze geflüchtet, und hattest Glück nicht aufgegriffen zu werden, wer aber nach seiner Aufklärung immer noch weiter machte, auf den wurde dann auch geschossen, macht die Polizei heute übrigens nicht anders.
Denk mal drüber nach.
Gruß nf

zuletzt bearbeitet 08.05.2009 17:15 | nach oben springen



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