#1

grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 21:37
von ahlbecker (gelöscht)
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was wäre eigentlich passiert wenn es diesen schussbefehl (den es ja offiziell nie gab) im wirklichkeit auch nie gegeben hätte. ich meine damit gegen die grenzverletzer die unser land aus welchen gründen auch immer verlassen wollten.
feinde von außen muss man auch mit der waffe bekämpfen können.
hätte es uns nicht mehr gestärkt als geschadet?????????
klar hätte es ein paar mehr gegeben die unser land verlassen hätten, na und !!!!!
man kann ja hier einfach mal fragen. auf antworten wartet
der ahlbecker


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#2

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 22:00
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Man könnte vermuten, der Ausbau zur "Grenze 2000" würde damit begründet, man könnte den Schusswaffeneinsatz reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Das ist aber nicht der Fall.
http://www.bundesarchiv.de/fb_daofind/Zdaofind_DVW1_NVR/
(funktioniert nur mit Internet Explorer)
67. Sitzung des NVR am 01. Juli 1983, ab S.301
Theo


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#3

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 22:44
von S51 | 3.733 Beiträge

Die DDR hatte das Problem, dass sie wirtschaftlich gegen die BRD nicht konkurenzfähig war. Eine auch nur halbwegs marktwirtschaftliche Ausrichtung a´la China heute nicht in den politischen Gusto passte. Und dass die Bundesrepublik jeden Flüchtling selbst dann mit offenen Armen empfangen hätte, wenn es dabei geknirscht hätte. Schon, um dem abtrünnigen Staat da zu schaden. Aus Prinzip eben.
Die DDR hatte das Problem, dass der Mensch ein grundsätzlich egoistisches Wesen ist. Immer sein wird. Es so etwas wie einen "besseren Menschen" (sozialistische Persönlichkeit) eben nicht gibt oder je geben wird. Selbst der überzeugteste DDR-Bürger war also nicht davor gefeit eben doch dahin zu gehen, wo er sich ein besseres Leben versprach. Diesem ganz natürlichen Drang setzte man die Grenze und die unausgeprochene aber immer präsente Drohung mit einer Gefahr für Leib und Leben als Gegengewicht entgegen.
Es gab aber auch immer das Problem, dass man dies so nicht zugeben konnte und kann. Deshalb hat es nie einen Schießbefehl gegeben. Wohl aber wurden die Gesetze und Verordnungen so formuliert, dass eben doch geschossen werden konnte. Und über den Umstand, dass jeder Flüchtling schon durch diese Tat zum Verbrecher erklärt wurde, auch musste. Theoretisch denn paraktisch, das Thema hatten wir schon zig Mal, war es die absolute Ausnahme, dass wirklich geschossen wurde und die Anzahl der Opfer liegt im Verhältnis zu den Festgenommenen oder erfolgreichen Flüchtlingen tatsächlich im Promillebereich. Die Drohung aber stand immer. Passierte es dann doch, wurde dies geheimgehalten denn einmal wollte ja keiner flüchten und da konnte auch keiner gestorben sein. Offiziell.
Weil das offiziell so war, konnte man Verbesserungen in der Grenzsicherung auch nicht mit der Vermeidung von Opfern begründen. Denn die gab es ja nicht.
Nein, ich denke, die DDR hatte so nie eine Chance.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#4

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 23:03
von damals wars | 12.113 Beiträge

Der "Schießbefehl" wurde ja zeitweilig aufgehoben.
Ich weiß noch, wie geschockt wir beim ersten Mal waren.
Und nun?

Schwein gehabt, in diese Zeiträumen hat uns niemand mit seinem Besuch beehrt.
Ansonsten wäre er durchmarschiert.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#5

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 23:18
von S51 | 3.733 Beiträge

Wieso "geschockt"? Immer mal zur Zeit der Leipziger Messe hieß es (ich war von 1982 bis 85 am Kanten), dass unabhängig von den gesetzlichen Bestimmungen die Waffe nur im Falle der Notwehr und Nothilfe anzuwenden sei. Na gut, bei der Pistole war dies anders eh etwas unwahrscheinlich. Doch im Prinzip war es egal. Wäre deshalb einer durch hätte man dies bequem damit erklären können. Besser gings doch gar nicht als dass man gegebenenfalls die Formulierung schon serviert bekommt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#6

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 23:21
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von S51
Wieso "geschockt"? Immer mal zur Zeit der Leipziger Messe hieß es (ich war von 1982 bis 85 am Kanten), dass unabhängig von den gesetzlichen Bestimmungen die Waffe nur im Falle der Notwehr und Nothilfe anzuwenden sei. Na gut, bei der Pistole war dies anders eh etwas unwahrscheinlich. Doch im Prinzip war es egal. Wäre deshalb einer durch hätte man dies bequem damit erklären können. Besser gings doch gar nicht als dass man gegebenenfalls die Formulierung schon serviert bekommt.



Würde mich interessieren, ob es während dieser Zeiten jeweils eine Zunahme der GV gegeben hat.
Theo


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#7

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.09.2011 23:26
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
...Würde mich interessieren, ob es während dieser Zeiten jeweils eine Zunahme der GV gegeben hat.
...



Statistiken kenne ich leider nicht. Im praktischen Dienst eher nicht. Den Fall Gueffroy mal ausgenommen. Denn offiziell hat es doch keiner gewußt. Das wurde nirgendwo öffentlich gemacht. Nicht dass ich wüßte jedenfalls und nicht mal in Westmedien.


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#8

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.09.2011 02:02
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von S51
Die DDR hatte das Problem, dass sie wirtschaftlich gegen die BRD nicht konkurenzfähig war. Eine auch nur halbwegs marktwirtschaftliche Ausrichtung a´la China heute nicht in den politischen Gusto passte. Und dass die Bundesrepublik jeden Flüchtling selbst dann mit offenen Armen empfangen hätte, wenn es dabei geknirscht hätte. Schon, um dem abtrünnigen Staat da zu schaden. Aus Prinzip eben.
Die DDR hatte das Problem, dass der Mensch ein grundsätzlich egoistisches Wesen ist. Immer sein wird. Es so etwas wie einen "besseren Menschen" (sozialistische Persönlichkeit) eben nicht gibt oder je geben wird. Selbst der überzeugteste DDR-Bürger war also nicht davor gefeit eben doch dahin zu gehen, wo er sich ein besseres Leben versprach. Diesem ganz natürlichen Drang setzte man die Grenze und die unausgeprochene aber immer präsente Drohung mit einer Gefahr für Leib und Leben als Gegengewicht entgegen.
Es gab aber auch immer das Problem, dass man dies so nicht zugeben konnte und kann. Deshalb hat es nie einen Schießbefehl gegeben. Wohl aber wurden die Gesetze und Verordnungen so formuliert, dass eben doch geschossen werden konnte. Und über den Umstand, dass jeder Flüchtling schon durch diese Tat zum Verbrecher erklärt wurde, auch musste. Theoretisch denn paraktisch, das Thema hatten wir schon zig Mal, war es die absolute Ausnahme, dass wirklich geschossen wurde und die Anzahl der Opfer liegt im Verhältnis zu den Festgenommenen oder erfolgreichen Flüchtlingen tatsächlich im Promillebereich. Die Drohung aber stand immer. Passierte es dann doch, wurde dies geheimgehalten denn einmal wollte ja keiner flüchten und da konnte auch keiner gestorben sein. Offiziell.
Weil das offiziell so war, konnte man Verbesserungen in der Grenzsicherung auch nicht mit der Vermeidung von Opfern begründen. Denn die gab es ja nicht.
Nein, ich denke, die DDR hatte so nie eine Chance.




@s51, ich hoffe das ein Mensch auch für dich "Leben" bedeutet, egal was dieser getan hat.


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#9

RE: grenze ohne schussbefehl

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.09.2011 02:16
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Manfred B.
... ich hoffe das ein Mensch auch für dich "Leben" bedeutet, egal was dieser getan hat.



Rums, die Frage hat es in sich.
Doch, natürlich. Ich maße mir sogar das Recht an, dieses Wörtchen "egal" sehr wörtlich zu meinen. Aber es gab und gibt immer eine Einschränkung. Was jemand getan hat, war und ist immer nur insoweit wichtig, als es den Rahmen festlegte. Wie ich ihm gegenüber auftrat, was zu geschehen hatte. Ob jeder grüßend seiner Wege ging oder ich ihm den seinen verlegte.
Was er zu tun vorhatte oder hat, das konnte und kann daran aber schon etwas ändern. Gegebenenfalls mit allen Konsequenzen jedoch immer angemessen oder bundesdeutsch verhältnismäßig.
Nein, ich schmiede keine Pflugscharen und habe dies nie getan.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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