#21

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 22.09.2011 23:06
von Gelöschtes Mitglied
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Hi Rainman2,du hast uns als "Fußvolk" in deinen Beiträgen einen Blick "hinter die Kulissen" werfen lassen,danke dafür.

@Grenzfuchs,auch dir ein Dank für deine interessanten Schilderungen.

Vieles kannte ich so nicht,bzw.hörte/las es heute zum ersten mal.

Gruß ek40


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#22

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.09.2011 09:11
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Bin immer wieder erstaunt, mit welchen Problemen sich die nachfolgen Generationen Grenzer herumschlagen mussten, ob nun Soldat, Uffz. oder Offz..
Wenn bei uns ein Posten oder PF ausfiel, wurde einfach einer aus der Freischicht eingeteilt.
Das konnte der KC oder OvD einfach selbst entscheiden, ohne sich dafür eine Genehmigung einzuholen.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#23

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.09.2011 10:09
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Harsberg
Bin immer wieder erstaunt, mit welchen Problemen sich die nachfolgen Generationen Grenzer herumschlagen mussten, ob nun Soldat, Uffz. oder Offz..
Wenn bei uns ein Posten oder PF ausfiel, wurde einfach einer aus der Freischicht eingeteilt.
Das konnte der KC oder OvD einfach selbst entscheiden, ohne sich dafür eine Genehmigung einzuholen.


Hallo Harsberg,

wenn eine Sache operativ entschieden werden musste, dann wurde sie auch bei uns operativ entschieden: Erst handeln, dann melden! Das Problem waren vor allem die Befehle der vorgesetzten Stäbe, die eine volle Grenzdienststärke der Kompanie voraussetzten. Der Einsatz von Kräften aus Freischichten war "das letzte Mittel der Gewaltanwendung". Im Jahre 1985 gab es in Stedtlingen die Fahnenflucht eines Soldaten von der Führungsstelle aus. Als Ursache der Fahnenflucht ermittelte man "herzloses Verhalten des Kompaniechefs". Er hatte den Soldaten mehrfach operativ in den Dienst "eingeschossen". Die Folgen waren Überlastung, Frust durch gestrichene Ausgänge und sogar Urlaube. Nun, ich habe unter diesem Kompaniechef gedient und seine Art der Menschenführung verdiente durchaus Kritik. Er hatte durchaus keine schlaflosen Nächte, wenn etwas schief ging. Man kann sich über das Urteil im besonderen Fall der Fahnenflucht vielleicht streiten, aber Fakt ist, dass sein Abzug als KC durchaus eine Quittung für seinen Führungsstil war. Seine Unterstellten ließen wenig gute Haare an ihm. Als es 1984 Parteiverfahren der Grundorganisation gegen ihn und mich gab, dauerte die Aussprache mit mir 10 Minuten mit ihm 90 Minuten. Da zogen alle vom Leder. In den 80-er Jahren standen die Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen wesentlich stärker im Fokus als davor.

ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.09.2011 10:21
von damals wars | 12.205 Beiträge

Zitat von Rainman2


In den 80-er Jahren standen die Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen wesentlich stärker im Fokus als davor.

ciao Rainman2



Das galt aber nur für Euch "Junges Gemüse".

Mein Polit dachte damals genauso.

Bei den älteren Semester wurden solche Fragen unter "mangelnden Klassenbewußtsein" abgehakt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#25

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.09.2011 10:23
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Ja, das hing auch mit den immer größer werdenden theoretischen Forderungen und den mangelnden praktischen Ausführungsmöglichkeiten zusammen. Auch dadurch habe ich fachlich und menschlich gute AGT "ausbrennen" oder resignieren sehen!

Politisch gewollt war eine 100%-tige Grenzsicherung "ohne Lärm", nur wurden die Vorausetzungen dafür kaum geschaffen,
und der Druck auf die Grenze nahm ab Mitte der 80 wieder zu, weil die politischen Probleme nicht angegangen wurden.


zuletzt bearbeitet 23.09.2011 10:25 | nach oben springen

#26

RE: Kurzfristiger Ausfall eines Postens

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.09.2011 10:34
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von damals wars
... Das galt aber nur für Euch "Junges Gemüse". ...
Bei den älteren Semester wurden solche Fragen unter "mangelnden Klassenbewußtsein" abgehakt.


Ja, ich habe die damaligen Versuche in dieser Richtung für mich durchaus ernst gemeint. Es gab auch entsprechende Konferenzen, Tagungen und Beratungen zu den "DALB" (Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen) und den "SozBez" (sozialistischen Beziehungen). Durchsetzbar war es nur auf Kosten des eigenen Nervenkostüms. Und wie gingen die "Alten" ran?

"Sagen Sie mal, Soldat XYZ, sind Sie für den Frieden?"

Nach der Frage ging alles.

ciao Rainman2

PS: Zitat eine Bataillonskommandeurs in der Dienstbesprechung mit den Kompaniechefs: "Und wenn das nicht langsam besser wird mit den SozBez, dann binde ich Euch die Pfeife nach hinten!" (Quelle ist mir bekannt, wird aber geschützt)


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 23.09.2011 10:36 | nach oben springen


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