#1

Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 24.08.2011 19:50
von Moskwitschka (gelöscht)
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Durche einen Beitrag von utkieker bin ich auf das Thema aufmerksam geworden.

Diese Stück Geschichte der SBZ ist in diesen Tagen brand aktuell.

http://s136031516.online.de/category/bodenreform/

LG von der grenzgaengerin


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#2

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 24.08.2011 21:43
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin
Durche einen Beitrag von utkieker bin ich auf das Thema aufmerksam geworden.

Diese Stück Geschichte der SBZ ist in diesen Tagen brand aktuell.

http://s136031516.online.de/category/bodenreform/

LG von der grenzgaengerin



Nun liebe grenzgängerin - da antworte ich doch gleich prompt!

Mein Urgroßvater war Großbauer in Bad Kleinen, mit ca 40 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, Gartenland und Wald. Er fiel weder unter Kriegsverbrecher noch unter der 100 ha Grenze, welches zur Enteignung geführt hätte. Als im Dorf die LPG gegründet wurde hatte er das 60. Lebensjahr weit überschritten, so war er einer der wenigen Einzelbauern die es in der DDR noch gab. Noch im betagten Alter von 80 Jahren hatte er seine Felder mit Pferd und Pflug noch selbst bestellt. Allerdings hatte er zu diesen Zeitpunkt ein Teil seines Areals an die Gemeinde verkauft. Nach dem seine Schafzucht unrentabel wurde beschränkte sich mein Urgroßvater auf Kleinviehhaltung (Gänse und Enten) sowie Gemüseanbau. Sein Pferdefuhrwerk stellte er für Transportzwecke zu Verfügung. 1973 starb mein Urgroßvater mit 90 Jahren, sein Schwiegersohn wurde zum Universalerben.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#3

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 24.08.2011 22:44
von Moskwitschka (gelöscht)
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Es geht mir weniger um die von der Bodenreform Verschonten, sondern um die 7.000 Enteigneten, die ihre Ansprüche noch nicht angemeldet haben. Das ist über die Hälfte der damals Enteigneten. Und wenn sie Ansprüche haben, dann wurden sie zu Unrecht enteignet. Oder irre ich mich da?

LG von der grenzgaengerin


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#4

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 24.08.2011 22:49
von frb-vd (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin
Und wenn sie Ansprüche haben, dann wurden sie zu Unrecht enteignet. Oder irre ich mich da?

LG von der grenzgaengerin



Eher umgekehrt. Wenn es Unrecht war lt. Kapitulations...äähhm Einigungsvertrag, dann haben sie Ansprüche.


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#5

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 24.08.2011 23:03
von Gert | 12.362 Beiträge

Diese Leute , die es betrifft leben doch schon gar nicht mehr. Wenn ein Bauer bei der Enteignung noch jung war , dann war er 25 - 30 Jahre alt. Dann müßte er heute 90 - 95 jahre alt sein. Da ist fast keiner mehr von da. Und ob Nachkommen da noch Nachweise haben über diesen Grundbesitz, das ist höchst ungewiss, zumal es aufgrund der politischen Verhältnisse ziemlich aussichtslos war, diesen Besitz zurückzuerlangen. Daher werden sich viele gar nicht mehr melden.


Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#6

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 07:46
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von Gert

Diese Leute , die es betrifft leben doch schon gar nicht mehr. Wenn ein Bauer bei der Enteignung noch jung war , dann war er 25 - 30 Jahre alt. Dann müßte er heute 90 - 95 jahre alt sein. Da ist fast keiner mehr von da. Und ob Nachkommen da noch Nachweise haben über diesen Grundbesitz, das ist höchst ungewiss, zumal es aufgrund der politischen Verhältnisse ziemlich aussichtslos war, diesen Besitz zurückzuerlangen. Daher werden sich viele gar nicht mehr melden.


Gruß Gert


Es geht hierbei um die Erben!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#7

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 15:33
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von utkieker

Zitat von Gert

Diese Leute , die es betrifft leben doch schon gar nicht mehr. Wenn ein Bauer bei der Enteignung noch jung war , dann war er 25 - 30 Jahre alt. Dann müßte er heute 90 - 95 jahre alt sein. Da ist fast keiner mehr von da. Und ob Nachkommen da noch Nachweise haben über diesen Grundbesitz, das ist höchst ungewiss, zumal es aufgrund der politischen Verhältnisse ziemlich aussichtslos war, diesen Besitz zurückzuerlangen. Daher werden sich viele gar nicht mehr melden.


Gruß Gert


Es geht hierbei um die Erben!





Ja ja Hartmut, so weit habe ich schon gedacht. Aber ob die Erben, evtll. schon Enkel noch etwas in der Hand haben?


.
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#8

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 15:57
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von utkieker

Zitat von Gert

Diese Leute , die es betrifft leben doch schon gar nicht mehr. Wenn ein Bauer bei der Enteignung noch jung war , dann war er 25 - 30 Jahre alt. Dann müßte er heute 90 - 95 jahre alt sein. Da ist fast keiner mehr von da. Und ob Nachkommen da noch Nachweise haben über diesen Grundbesitz, das ist höchst ungewiss, zumal es aufgrund der politischen Verhältnisse ziemlich aussichtslos war, diesen Besitz zurückzuerlangen. Daher werden sich viele gar nicht mehr melden.


Gruß Gert


Es geht hierbei um die Erben!





Ja ja Hartmut, so weit habe ich schon gedacht. Aber ob die Erben, evtll. schon Enkel noch etwas in der Hand haben?




In der DDR gibt es Grundbücher, da wird alles genauestenst dokumentiert. Man kann Einsicht verlangen und was da drin steht, gilt mal grundsätzlich. Nachweise zum selber Aufbewahren (wie in Amerika) braucht man eigentlich nicht.
http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde...el-gehoert-mir/
Theo


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#9

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 22:04
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von eisenringtheo

Zitat von Gert

Zitat von utkieker

Zitat von Gert

Diese Leute , die es betrifft leben doch schon gar nicht mehr. Wenn ein Bauer bei der Enteignung noch jung war , dann war er 25 - 30 Jahre alt. Dann müßte er heute 90 - 95 jahre alt sein. Da ist fast keiner mehr von da. Und ob Nachkommen da noch Nachweise haben über diesen Grundbesitz, das ist höchst ungewiss, zumal es aufgrund der politischen Verhältnisse ziemlich aussichtslos war, diesen Besitz zurückzuerlangen. Daher werden sich viele gar nicht mehr melden.


Gruß Gert


Es geht hierbei um die Erben!





Ja ja Hartmut, so weit habe ich schon gedacht. Aber ob die Erben, evtll. schon Enkel noch etwas in der Hand haben?




In der DDR gibt es Grundbücher, da wird alles genauestenst dokumentiert. Man kann Einsicht verlangen und was da drin steht, gilt mal grundsätzlich. Nachweise zum selber Aufbewahren (wie in Amerika) braucht man eigentlich nicht.
http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde...el-gehoert-mir/
Theo




Also Theo ich habe mal die Geschichte mit dem Fernsehturm gelesen. Das ist ja wirklich ein ein staatlicher Betrugsfall, den die Behörden der DDR dieser Schweizer Grundstücksbesitzerin angetan haben. Einmal mehr ein Beweis, mit welcher Willkür Kommunisten Menschen um ihr Eigentum gebracht haben, wenn es ihnen nützte und es nützte fast immer diesen
. Ich habe in meinem privaten Umfeld einen ähnlichen Fall, wo man den Betroffenen mit fadenscheinigen "Beweisen" Steuerbetrug, Devisenvergehen nicht nur ihr ganzes Hab und Gut geklaut hat sondern sie obendrein noch ins Gefängnis geworfen hat. Ich kann es aber hier nicht im Detail erzählen zum Schutze der Leute.

Gruß Gert


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 25.08.2011 22:32 | nach oben springen

#10

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 22:20
von Moskwitschka (gelöscht)
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Danke Gert für den Verweis auf den Berliner Fernsehturm. Kaum zu glauben aber leider wahr.

Für alle die es nachlesen möchten hier der Link

http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde...el-gehoert-mir/

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 25.08.2011 22:26 | nach oben springen

#11

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 23:36
von Rostocker | 7.734 Beiträge

So viel ich weiß-gab es für viele die nach der Enteignung in die damalige Bundesrepublik gingen,eine Aufwandsentschädigung.Also mal so gesagt,fordern sie nach der Wiedervereinigung ,ihren Besitz zurück--sollte sie auch die Entschädigung an die Bundesrepublik zurückzahlen --die sie damals erhalten haben. Und wenn es Nazigrößen waren wurden sie sicherlich zu recht enteignet.


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#12

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 25.08.2011 23:46
von Moskwitschka (gelöscht)
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Soweit ich weiß, haben die ihren Anspruch verloren. Das letzte mir bekannte Beispiel ist der Welfenprinz aus Hannover.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 25.08.2011 23:46 | nach oben springen

#13

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 00:24
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin
Soweit ich weiß, haben die ihren Anspruch verloren. Das letzte mir bekannte Beispiel ist der Welfenprinz aus Hannover.

LG von der grenzgaengerin


Irgend etwas ist mir da im Ohr---Es ging wohl um das Schloss-Blankenburg Harz und um einige Kulturgüter im Schloss Wernigerode Harz::


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#14

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 07:15
von S51 | 3.733 Beiträge

Nun ja, es geht hier um frühere Besitzer von Land-, Forst- und eingeschränkt Gebäudeeigentum. Es ist nicht so, dass damit die Enteignungen rückgängig gemacht werden. Vielmehr wird dort, wo der Bund oder teilweise auch die Länder inzwischen Eigentümer sind, die Möglichkeit geboten, dieses frühere Eigentum zu einem "vergünstigten" Preis wieder zurückzukaufen.
So etwas ist zum Beispiel in den Fällen passiert, wo Nachkommen von Bodenreformland nicht in der Land- oder Forstwirschaft tätig waren und deshalb ihr Eigentum nach der Wende wieder verloren haben. Da gab es im Grundbuch eben sehr oft diese Einschränkung. Auch in den Fällen, wo durch die Länder (Brandenburg aber auch Sachsen-Anhalt haben sich da einen äußerst anrüchigen Ruf erworben) rechtmäßige Erben einfach mal nicht ermittelt wurden und der Besitz einfach dem Land zugeschlagen wurde.
Wenn der gegenwärtige Nutzer dieses Land nicht erwerben wollte oder konnte weil auch die "vergünstigten" Preise inzwischen ein Niveau erreicht haben, welches mehr spekulativ aber nicht reel zu nennen ist, dann können nun noch mal die früheren Eigentümer zum Zuge kommen. Bevor es dann meistbietend angeboten wird.
Diese Praxis der BVVG und der Länder wird in der Bauernschaft stark kritisiert und inzwischen auch schon auf dem Klageweg angegriffen. Weil dadurch viele Betriebe kaputtgemacht werden. Die können diese teilweise Mondpreise nicht zahlen. Die BVVG und die Länder bewerten selbst und nehmen ihre Bewertungen dann als Maßstab. Deren Preise sind jedoch gar nicht selten zehn bis dreißig mal so hoch wie der durch Schätzer festgestellte Bodenwert. Deshalb habe ich "vergünstigt" in Anführungszeichen gesetzt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#15

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 16:16
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von Rostocker
So viel ich weiß-gab es für viele die nach der Enteignung in die damalige Bundesrepublik gingen,eine Aufwandsentschädigung.Also mal so gesagt,fordern sie nach der Wiedervereinigung ,ihren Besitz zurück--sollte sie auch die Entschädigung an die Bundesrepublik zurückzahlen --die sie damals erhalten haben. Und wenn es Nazigrößen waren wurden sie sicherlich zu recht enteignet.



@Rostocker
Damit du mal ein bischen Aufklärung bekommst, wie es wirklich war. Ich hatte einen angeheirateten Onkel( inzwischen gestorben)der ist 1953 in den Westen geflüchtet. Der besaß aus einem Erbe ein Mietshaus mit Gaststätte unten im EG. Das gehörte zu gleichen Teilen ihm und seiner Schwester. Was hat die DDR gemacht, sie haben das Haus enteignet : Begründung Republikflucht, obwohl die Schwester , der 50 % gehörte, in der DDR geblieben war. Ist das Recht in einem zivilisierten Staat ? Das ist Raubrittertum wie im Mittelalter.
Ja, er hat aus dem Lastenausgleichsgesetz Entschädigung bekommen, aber das war nur ein Bruchteil des Wertes . Obendrein war das Verhältnis zu seiner Schwester dadurch schwer gestört, wie man sich vorstellen kann. Ich nehme an, dass seine Kinder das Haus nach der Wende zurück bekamen und den Lastenausgleich zurückzahlen mussten.

Gruß Gert


.
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Mahatma Gandhi
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#16

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 17:32
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Gert
...Ja, er hat aus dem Lastenausgleichsgesetz Entschädigung bekommen, aber das war nur ein Bruchteil des Wertes . Obendrein war das Verhältnis zu seiner Schwester dadurch schwer gestört, wie man sich vorstellen kann. Ich nehme an, dass seine Kinder das Haus nach der Wende zurück bekamen und den Lastenausgleich zurückzahlen mussten.
...



Um diese Fälle geht es hier jedoch nicht oder nur unter ganz besonderen Umständen. Nur dann nämlich, wenn das Eigentum beim Land oder der BVVG verblieben ist.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#17

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 22:49
von frb-vd (gelöscht)
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Zitat von Gert

. Ich habe in meinem privaten Umfeld einen ähnlichen Fall, wo man den Betroffenen mit fadenscheinigen "Beweisen" Steuerbetrug, Devisenvergehen nicht nur ihr ganzes Hab und Gut geklaut hat sondern sie obendrein noch ins Gefängnis geworfen hat. Ich kann es aber hier nicht im Detail erzählen zum Schutze der Leute.

Gruß Gert



Selbstverständlich hast Du in Deinem Umfeld solch einen „Fall“ und selbstverständlich kannst Du natürlich (wer sollte das auch nicht verstehen...) irgendwelche Details erzählen.

Heute sind sie alle Opfer!


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#18

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 26.08.2011 23:11
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich finde den letzten Beitrag ist eine Verhöhnung der Betroffenen.

LG von der grenzgaengerin


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#19

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 27.08.2011 12:12
von Techniker | 25 Beiträge

Ich finde jedenfalls, dass die Enteignungsgrenze von 100 ha relativ hoch war. Viele Flüchtlinge konnten so als Neubauern durchstarten und viele von denen haben es in der DDR auch zu etwas gebracht.
Dort, wo ich wohne, hat eine Flüchtlingsfamilie neues Land aus dem enteigneten Rittergut erhalten, alle haben gut gewirtschaftet, einer war sogar längere Zeit LPG-Vorsitzender. So wurden aus Habenichtsen Eigentümer. Demgegenüber ist die nach der Wende durchgeführte Rückgabe von Grundstücken an Altbesitzer in vielen Fällen blankes Unrecht gewesen.


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#20

RE: Bodenreform in der SBZ

in DDR Zeiten 27.08.2011 13:28
von S51 | 3.733 Beiträge

Das war sehr relativ.
So manchem "Umsiedler" läuft heute noch die Galle über, bezeichnet man ihn als Habenichts. Selbst wenn das in diesem Moment durchaus stimmt, mussten sie doch oft im jetzigen Polen oder der CSSR gutlaufende Höfe zurücklassen.
Während der Bodenreform bekam man meist so zwischen 1 und 10 Hektar Boden. Je nach Wert und Lage und dem Gusto der Verteilenden. Davon eine selbstlaufende Wirtschaft mit Gewinn aufzubauen war wohl selten möglich. Es war einfach zu wenig Land. Selbst 100 Hektar sind hierfür etwas wenig. Das klingt nur viel.
Es reichte also meist nur für die Selbstversorgung und wenig mehr. Jedenfalls kaum, um etwas für Investitionen zurückzulegen. Das war ja später einer Gründe, weshalb die Kollektivierung Erfolg hatte. Nicht bloß die Propaganda, Bauern können durchaus gut rechnen.
Wer enteignet wurde, der verlor nicht nur sein Land sondern in aller Regel auch alles sonstiges Eigentum inklusive des Wohnrechtes. Er musste die Gegend verlassen und wurde dadurch andernorts zum Habenichts. Wieder einmal wurde der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben.
Grundlage für Rückforderungen war nach der Wende, dass diese Regelungen der SBZ-Zeit nicht eingehalten wurden. Der Enteignete also nicht mehr als 100 ha besaß, kein Kriegsverbrecher war. Und das kam auch oft genug vor, war damals schon (praktiziertes) Unrecht. Und das später keine Entschädigungen (Lastenausgleich) gezahlt wurden. Andernfalls gab es keine Ansprüche auf Rückübereignung und so ist es bis heute.
Worüber wir hier schreiben ist keine Rückübereignung sondern lediglich die Möglichkeit, seinen ehemaligen Besitz zurückzukaufen!
Jedoch hatte Eigentum aus der Bodenreform mitunter einen Schönheitsfehler. Es war zwar vererbbares Land aber der Erbe musste es bewirtschaften (auch als Mitglied in der LPG) oder ggf. bewohnen. Er musste Landwirt oder/und Forstwirt und ortsansässig sein. Das stand dann als Einschränkung im Grundbuch. Jedoch nicht überall.
Das haben sich manche Bundesländer nach der Wende zu Nutze gemacht und jenen Betroffenen mit solchen Einschränkungen ihr Land einfach weggenommen. Oder es nach dem Tode der Eigentümer als ohne Erbe eingezogen und jede Suche nach den Erben unterlassen. Viel Land wurde anläßlich der Bodenreform auch zwar enteignet aber dem Volkseigentum zugeschlagen. In Form von Staatsgütern oder Staatswald. So kamen die Länder und der Bund in Gestalt der BVVG (Bundesvermögensverwaltungsgesellschaft) zu dem Land, welches sie jetzt den ehemaligen Besitzern wieder anbieten.
Für nicht eben wenig Geld. Denn wie sagte schon ein römischer Kaiser...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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