#1

Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 11:39
von Angelo | 12.391 Beiträge

Wie war das eigentlich mit den Dienstzeiten bei den Grenztruppen? Gab es dort einen Wochen oder Monatsplan? Wie waren die Stunden verteilt ? Hatte man jedes zweite Wochenende frei? Wie oft hatte man Nachtdienst ? Es wäre toll wenn das jemand erklären könnte ?


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#2

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 13:09
von sentry | 1.077 Beiträge
Üblicherweise waren Grenzdienstschichten 8 h lang. Bei der SiK Marienborn war das ein bisschen anders, deshalb aus meiner persönlichen Erfahrung (SiK Marienborn 87/88, Posten im GWD):

-Normal 3 Schichten Früh-Spät-Nacht 8-7-9 Stunden, keine Ahnung, warum die Nachtschicht am längsten war.
-Weihnachten usw. "Dritteldienst": ein Drittel der Einheit jeweils im Urlaub der Rest macht 12h-Schichten 0600-1800-0600
- alle Zeiten sind netto, also zzgl. Ablösung, Vor- und Nachbereitung usw.

Normalerweise sollte der Soldat immer einen Tag "frei" zwischen den Schichten haben, d.h.
Heute Frühschicht, morgen Spätschicht, übermorgen Nachtschicht und wieder von vorne. Meistens klappte das natürlich nicht.
Ganz schlecht war der sog. "Kurze Wechsel" (zB. Frühschicht, dann Ablösung und zur nachfolgenden Nachtschicht wieder 'raus)

Worst Case im "normalen" Grenzdienst war bei uns der sog. "Springer" (z.B. Spät-Früh-Nacht), dass heisst zwischen den Schichten ist tatsächlich immer nur die eine abgelöste Schicht frei, also 24h Grenzdienst in weniger als 2 Tagen...Erweiterungen zum "Doppelspringer" nicht ausgeschlossen, hatte ich persönlich abr nie.
Natürlich kam man damit nicht ins Guiness-Buch, durch verschiedene besondere Umstände waren viel hässlichere Sachen möglich, aber wir reden ja auch von den "normalen" Tagen.
Es gab keine jahreszeitlichen Unterschiede bei den Schichtlängen.
Wie in der Kompanieführung geplant wurde, weiss ich nicht. In der Regel erfuhr man erst bei der Heimkehr aus dem GD, wann man als nächstes wieder 'raus musste. Auf welchen Postenpunkt und mit wem erfuhr man erst unmittelbar vor der Schicht.

Freie Wochenenden gab es für Soldaten nicht. Ein bisschen Urlaub gab es; an allen anderen Tagen galt oben genannter Rhythmus. Nach einer Frühschicht hatte der Soldat die Möglichkeit, in Ausgang zu gehen, wenn er danach tatsächlich erst wieder für die Spätschicht am Folgetag eingeteilt war. In Marienborn war der Bewegungsspielraum allerdings auf den "Blauen Affen" beschränkt - eine Kneipe unmmittelbar vor dem Kasernentor im Schutzstreifen...keine Ahnung, wie die wirklich hieß.

Nachtschichten waren rein statistisch ein Drittel aller Schichten - mit den üblichen Schwankungen, mancher hatte mehr Glück, mancher weniger.
Beim Dritteldienst konnte man natürlich Pech haben und eine Woche oder auch länger jeden Tag 12 Stunden Nachtschicht schieben...ich sagte ja schon mal: Das größte Problem des Grenzers war nicht der ganze hochtrabende Kram, wie Eiserner Vorhang, antifaschistischer Schutzwall, Schnittstelle zweier Weltsysteme, Schießbefehl, Grenzverletzer usw. - das größte Problem war die permanente Müdigkeit und der schleichende physische Verschleiß. Grenzerleben war bei weitem kein Zuckerschlecken.

[EDIT]
Kleine Ergänzung:
Ich war vom 03.05.87 bis 28.04.88 an der Grenze, also knapp ein Jahr.
In dieser Zeit
- bin ich 297x auf Grenzdienst gegangen,
- hatte ich 36 Schichten, die >= 12h dauerten.

Die Anzahl der Nachtschichten kann ich nochmal nachliefern.
[/EDIT]

zuletzt bearbeitet 30.04.2009 13:23 | nach oben springen

#3

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 18:48
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Abend. Wer hat denn die Schichten eingteteilt,also wer mit wem los geht ? Zugführer ?



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#4

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 19:24
von Rainman2 | 5.753 Beiträge
Hallo sentry,

ich ergänze Deine Ausführungen mal aus Sicht der Planung seitens der Kompanieführung (gilt für die Kompaniesicherung). Der Kompaniechef plante monatlich. Nach der monatlichen Dienstbesprechung mit dem Bataillonskommandeur begann die Planung. Diese dauerte für den Kompaniechef ca. 2 Tage (neben den anderen Dienstpflichten zur gleichen Zeit). Es wurden zunächst die Dienste der Züge geplant. Dies geschah im Vierteldienst, wie es sentry schon beschrieb. Ein Zug wechselte von Früh nach Spät am nächsten Tag, dann auf Nacht am nächsten Tag und dann wieder auf Früh (theoretisch Netto: 8 Stunden Grenzdienst - 24 Stunden Garnisonsdienst etc.). Es mussten besondere Ausbildungszeiten (z.B. Schießausbildung), Feiertagsdienste oder Dienstzeiten über die Zu- und Abversetzung geplant werden. Dabei konnte auch zu besonderen Dienstzeitformen (Dritteldienst und Hälftedienst) planmäßig übergegangen werden. Das war das Gerüst, auf dem die weiteren dienstlichen Maßnahmen geplant werden mussten (Wartungstage, Parktage etc.). Den größten und für die Planung nervigsten Block in der Planung besetzte der Polit. Ich wurde nahezu jeden Monat von meinem Chef angeknurrt: "Na dann komm her mit Deinem Sch...!" Im Vordergrund standen die Termine für die politische Schulung der Züge und der Unteroffiziere. Dann kam der Termin für die Mitgliederversammlung der Grundorganisation der SED. Die Planung hatte sicherzustellen, dass alle Parteimitglieder anwesend sein konnten (führende Rolle der Partei). Wenn sie turnusmäßig anstanden, waren die Mitgliederversammlungen der FDJ und der ASV zu planen. Dann kamen die Leitungssitzungen der Partei, der FDJ und der ASV. Je nach Aktivität kamen Sendekollektiv (Zentrale Empfangseinheit für Rundfunk ELA-K) und Agitatorenkollektiv ("Wandzeitungsredaktion") dazu. Es waren Termine für die wöchentlichen Aktuell-politischen Lageinformationen (API oder WAPlI) einzuplanen. Das alles und noch viel mehr wurde in ein breites Planungsblatt eingetragen, dass später noch schön bunt gemalt wurde. Der Planungsprozess für den Monat wurde abgeschlossen mit der Entschlussmeldung des Kompaniechefs an den Bataillonskommandeur. Danach ergingen die Vorbefehle für den Monat an die Zugführer und Spezialisten, die Pläne für die Parteien und Massenorganisationen wurden bestätigt.

Auf Ebene der Züge gab es eine sogenannte Vorplanung. Der Zugführer versuchte, längerfristig Dienstfrei und Urlaub abzustimmen oder ggf. festzulegen. Es wurde auch eine Vorplanung für die Schichten lt. Monatsplanung des Kompaniechefs vorgenommen. Damit erschien der Zugführer täglich bei der Grenzdienstplanung.

Die eigentliche Grenzdienstplanung erfolgte täglich. Der Planungsprozess begann nach der morgentlichen Lagemeldung und Lagebesprechung beim Kompaniechef, also ca. ab 08:00 Uhr. Geplant wurden die am gleichen Tag beginnende Nachschicht, und für den nächsten Tag die Früh- und Spätschicht. Dabei hatte die Nachschicht die höchste Priorität, da in ihr die Schwerpunktzeit lag. Der Zugführer meldete seine Vorplanung an den Kompaniechef. Dieser präzisierte die Einsätze der vorgeplanten Posten, so dass in den Schwerpunktzeiten die höchsten Postenkonzentrationen entstanden. Der Zugführer war verantwortlich, dem Kompaniechef Hinweise zu geben, dass seine Soldaten nicht überlastet wurden. Diese Planung dauerte in der Regel bis zum frühen Nachmittag. Dann erfolgte zu einer befohlenen Zeit die Entschlussmeldung zur Grenzdienstplanung an den operativen Diensthabenden im Bataillon. Dieser konnte Präzisierungen an der Tagesplanung anordnen. Dann begannen die Befehlserteilungen an die ersten Kontrollstreifen und Posten, die eventuell schon vor der Nachtschicht rausgingen. Konnte der Kompaniechef selbst nicht diese Planung vornehmen, musste einer seiner beiden Stellvertreter (der Stellv.KC oder der Polit) die Planung durchführen.

Wurde der geplante monatliche Zyklus der Dienste unterbrochen, zum Beispiel durch längere Lagen in der Grenzsicherung, versuchte die Kompanieführung immer, zum ursprünglich geplanten Rhythmus zurückzukehren, um zentral geplante Termine entsprechend sicherzustellen. Dieser "Wechsel der Gangart" führte auch zu starken Belastungen der Grenzposten, da auf die grundsätzlichen Dienstelemente (Waffen- und Technikwartung, Stuben- und Revierreinigen, Ausbildung, Innendienstaufgaben, tägliche Aktuell Politische Lageinformation) nicht verzichtet werden konnte. In einem Hälftedienst (12 Stunden Grenzdienst, 12 Stunden Garnisonsdienst im Wechsel) war es somit bereits schwierig, eine Nachtruhezeit von 6 Stunden bereitzustellen. Ich kann somit auch die Aussage von sentry zur permanenten Müdigkeit und zum schleichenden physischen Verschleiß nur vollauf bestätigen. Den Offizieren der Kompanieführung ging es da übrigens nicht besser, da neben den permanent sichzustellenden Prozessen die Lagen in der Grenzsicherung zu führen waren - rund um die Uhr.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 30.04.2009 19:30 | nach oben springen

#5

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 20:15
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wie war es wenn man krank wurde,gab es einen "Gelben Schein",wer entschied über die Dauer der Dienstunfähigkeit ?



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#6

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.04.2009 22:01
von nightforce (gelöscht)
avatar

Hallo Zermatt,
wer erkrankte, mußte im nächsten Med-Punkt vorstellig werden.
Dort entschied ein Millitärarzt über Dienstbefreiungen, Diensteinschränkungen und deren Dauer, bzw auch über einen stationären Aufenthalt.
Unterstützt wurde die medizinische Versorgung durch Sanitäter, die mit ihrem Ello (LO2002A) mit Sanitätsaufbau die Krankentransporte durchführten, im Notfall, aber auch zu Reihenuntersuchungen die Grenzkompanieen abklapperten.

Gruß nf


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#7

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 01.05.2009 12:59
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo zuasammen,
auch bei uns waren die Schichten 8Stunden lang,es überlappte sich mit dem Postenpaar was im selben Abschnitt war,also wenn man 22.00Uhr-06.00 Uhr dienst hatte,dann hatte das Postenpaar im selben Bereich 15.oo Uhr-23.00 Uhr,um Postentreffs zu vermeiden mußte dann meistens von einer anderen Richtung der Bereich bezogen werden.Bei irgendwelchen Lagen konnte sich der Dienst natürlich auch über längere Zeiten dehnen.Es wurde auch immer versucht das meistens ein gesammter Zug den Grenzdienst für einen Aufzug stellte,also auch die A-Gruppe und die Objektwache einbezogen,klappte nicht immer weil ja meistens auch Leute krank oder im Urlaub waren.Ich wurde ein paarmal nach nur 1-2 Stunden Grenzdienst wieder in GK gerufen,um den Waffenkammerdienst zu übernehmen.Es waren zu meiner Zeit nur % Uffz.und 3 Gefreite WK bestätigt.

04/86-04/87 in Schierke


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#8

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 01:14
von TOMMI | 1.984 Beiträge

Also ich kenne die Standart-Schichten 4-12, 12-20, 20-4
Bei verstärkrer Grenzsicherung war es 6-18, 18-6, dazu kamen Schichten, die außer der reihe liefen,
wie zB 6m-Kontrolle, 2m-kontrolle. Musste man sich zwar mehr bewegen, aber der Tag war dann nach etwa
4 Stunden gelaufen, hatten also diejenigen Glück, die diese Streife abpassten.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#9

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:04
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

versteht mich jetzt bitte nicht falsch!!! die dienste gingen ja eigentlich vom rhytmus und der stundenanzahl. warum hört und liest man immer soviel davon, dass vorne am kanten geschlafen wurde? doch eine art überlastung oder nur soldatengewohnheit ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#10

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:40
von Rostocker | 7.715 Beiträge

versteht mich jetzt bitte nicht falsch!!! die dienste gingen ja eigentlich vom rhytmus und der stundenanzahl. warum hört und liest man immer soviel davon, dass vorne am kanten geschlafen wurde? doch eine art überlastung oder nur soldatengewohnheit ?
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Wie soll ich das beschreiben ist schon fast 35 Jahre her.
Soldatengewohnheit war es nicht,meistens kam die Müdigkeit in den Nachtschichten.Dieses Monotone schauen in die Dunkelheit oder auf die Fläche die vom Scheinwerfer ausgeleuchtet war.Das ließ einen schon die Augen etwas schwer werden.Habe mich dann meistens bei der Führungsstelle gemeldet und um Grenzstreife gebeten um wenigstens etwas in Bewegung zu bleiben.Aber das hab ich gleich mitbenutzt um mich mit den Nachbarposten zu treffen.Klar kam es auch vor das wir mal gepennt haben,da hätten sie mit einen ganzen Möbelwagen durchfahren können.Aber am schlimmsten war es wenn Nebel war--da sieht man Nachts sonst was für Gestalten.Ich würde eher sagen,,es war schon eine Belastung.


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#11

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:53
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Hallo GW,
auch so konnten Dienstzeiten aussehen und das nicht selten.
PS.: Mann kann gut lesen wann Anschnitt war.




Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#12

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:55
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Rostocker
Aber am schlimmsten war es wenn Nebel war--da sieht man Nachts sonst was für Gestalten.Ich würde eher sagen,,es war schon eine Belastung.


das interessiert mich... oder sollten wir dazu ein extra thema aufmachen ? etwa so: halluzinationen an der grenze und was dadurch alles passierte?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#13

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:57
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Sonnabend 16:00 Uhr rein und 00:00 wieder rauß.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#14

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 10:59
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Oss`n
Hallo GW,
auch so konnten Dienstzeiten aussehen und das nicht selten.


danke für die kopie deiner aufzeichnungen. mich irritiert der donnerstag der 31. mai etwas. hattest du da eine doppelschicht ?
auf wieviel stunden seit ihr im durchschnitt im monat gekommen ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#15

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2009 11:02
von Oss`n | 2.777 Beiträge

der 31.05. war ein Sonntag.
Doppelschicht ? - genau und das hatte ich nicht selten.
AGO garnicht mit dazu gezählt.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#16

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2009 07:46
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
versteht mich jetzt bitte nicht falsch!!! die dienste gingen ja eigentlich vom rhytmus und der stundenanzahl.


Wenn alles so gelaufen wäre, wie im Idealfalle vorgesehen stimmt das schon. Aber das klappte eben meistens nicht. Ein paar spaßige (gar nicht so seltene) Konstellationen haben ich ziemlich weit oben in diesem thread beschrieben.
Keine Ahnung ob das physiologisch korrekt ist, aber irgendwie baute sich da so ein Müdigkeitspotenzial im Körper auf, das man einfach nicht mehr "abgeschlafen" gekriegt hat. Sicher hat auch der permanente Wechsel der Schichten dazu beigetragen. Man hate ja gar keine Chance sich an die Nachtschicht oder das superfrühe Aufstehen zu gewöhnen. Da kann sich die biologische Uhr schon mal verticken und Müdigkeit sgnalisieren obwohl "wach" befohlen war.

Die in dem Tagebuchauszug zu sehende "Doppelschicht" ist der von mir beschriebene "Kurze Wechsel". Nach der Terminologie wäre der von mir beschrieben Springer eine Dreifachschicht...alles erlebt.


zuletzt bearbeitet 06.07.2009 07:48 | nach oben springen

#17

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2009 09:22
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
Zitat von Rostocker
Aber am schlimmsten war es wenn Nebel war--da sieht man Nachts sonst was für Gestalten.Ich würde eher sagen,,es war schon eine Belastung.

das interessiert mich... oder sollten wir dazu ein extra thema aufmachen ? etwa so: halluzinationen an der grenze und was dadurch alles passierte?


Hallo GilbertWolzow,

dazu wurde bereits eine Diskussion unter diesem Thema: Zeitvertreib im Grenzdienst geführt. Da kamen bereits eine Reihe von Geschichten dazu auf. Wenn Du da noch Fragen hast, poste sie am besten dort.

Zu den Dienstzeiten können die Soldaten mehr sagen. Wir als Kompanieführung waren ja immer in der Hoffnung, dass wir keine großen Planungsfehler machen und die Balastung ausgeglichen ist. Aber das war reine Dissonanzminderung. Die Müdigkeit trotz planmäßiger Dienstzeiten war vorprogrammiert. Ursachen dafür waren:

- Verzögerungen der Ablösezeiten durch Lagen
--> Eine Lage in der Grenzsicherung war immer bis zum Ende zu führen, erst dann durfte abgelöst werden, auch wenn der neue Posten schon im Abschnitt war. Der Super-GAU war eine Minendetonation kurz vor der Übergabe des Abschnitts. Das bedeutete mindestens 2 Stunden Nachspielzeit.

- Einsätze als Alarmgruppe oder Alarmzug
--> Die Alarmgruppeneinsätze waren zwar geplant, aber bei größeren Lagen (z.B. Auslösungen Grenzsignalzaun und Minen ohne geklärte Auslöseursache) musste die Abriegelung im Abschnitt schrittweise verstärkt werden. War die A-Gruppe bereits draußen und es zeichnete sich ab, dass die Lage länger dauern würde, wurde der Zug, der als A-Zug fungieren schonmal geweckt, ohne dass es dann tatsächlich zum Einsatz kommen musste.

- Dienstvor- und -nachbereitung
--> Die reinen Dienstzeiten an der Grenze sagen nichts über die Gesamtdienstzeit für einen Aufzug aus. Nehmen wir eine normale 8-Stunden-Schicht: 2 Stunden Dienstvorbereitung - 0,5 Stunden Ablösung - 8 Stunden Grenzdienst - 0,5 Stunden Ablösung - 1 Stunde Dienstnachbereitung. Damit hatte ein Grenzaufzug im absoluten Idealfall bereits 12 Stunden Dienstzeit. Dazu kamen die üblichen Innendienst- und Ausbildungsaufgaben.

- Rhythmuswechsel:
--> Dazu hatte sentry schon etwas gesagt. Es gab keine "festen" Nachtruhezeiten. Oft wurde noch Kaffee getrunken, der zusätzlich kontraproduktiv zum Schlafbedürfnis wirkte. Für die Frühschicht hieß es, früh aufstehen, für die Nachtschicht hieß es, am Tage schlafen. Irgendeine Bewegung gab es immer in der Kompanie, vor allem in der Kompaniesicherung. Das ging selten ohne Krach ab. Rufe des UvD, das Brüllen von Vorgesetzten, Leute, die sich im Zimmer "irrten", Arbeitsgeräusche in der und um die Kompanie - das alles sind keine guten Voraussetzungen, um zu schlafen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#18

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2009 17:17
von Zermatt | 5.293 Beiträge

War bei Personalmangel oder hohem Krankenstand auch eine reguläre 12 oder 24 Stunden Schicht über einen
kurzfristigen Zeitraum möglich ?(also 12 St. Dienst-12 St frei usw oder 24 St Dienst-24 St frei usw)



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#19

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2009 18:03
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Soweit ich mich noch erinnern kann,hatten wir damals Bat.Sicherung.Also es fuhr die ganze GK in den Grenzdienst,jeder Zug übernahm ein Kompanieabschnitt.Da kam es schon mal vor,das die Anmarschstrecke schon mal 0,45 std dauerte.Schichten haben wir gemacht,Früh,Spät und Nachtdienst,also jeden Tag ein anderer Dienst.Eigentlich hatte wir nach den Dienst unsere Ruhe gehabt.
Nach den Frühdienst lag nichts großes an,nur das übliche wie kurz Waffenreinigen und Vorbereitung zum Ausgang.Dann kam nächsten Tag Spätdienst--da war vor den Dienst noch Ausnüchterung angesagt,naja so ein Ausgang hatte es in sich.3 Tag vor Dienstbeginn zu Nachtschicht lief meistens so ab.Vormittags,Grenzarbeiten,Parktag,Politunterricht und etwas Ausbildung.Die Ausbildung ging bis ausser Reichweite der Kompanie dann war allgemeines abruhen angesagt.Natürlich hat nicht jeder Zug das gleiche getan war jeden 3 Tag mal ein Wechsel.Ab Mittag war dann so ungefähr Nachtruhe angesagt bis kurz vor beginn der Nachtschicht.


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#20

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2009 18:25
von PF75 | 3.291 Beiträge

bei uns lief es genau so ab(hatten auch batt.-sicherung),nach dem offiziellen dienst kam oft noch A-gruppe dazuauch nochmal meistens 12 stunden,hatte man glück konnte man sich mal richtig ausschlafen,hatte man pech trieb man sich die meiste zeit noch bei irgendwelchen lagen im gelände herum und kam man wieder ins eigene objekt zurück mußte man nach kurzer zeit wieder raus zum normalen grenzdienst.Der blödeste wechsel war immer von nacht- auf frühschicht,schlafen von 7-13 uhr,mittag paar dienste 17 uhr abendbrot 19 uhr naqchtruhe und um 01 uhr war wieder wecken.im sommer kam man vor 10 uhr garnicht zum schlafen und dann ist man morgens zwischen5 und 6 uhr rumgelaufen wie falschgeld.


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