#61

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 12:04
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Zitat von 94
Wie in Agentenschleusen versprochen und in Anbetracht der Vakanz des Postens eines Forumspöten möchte ich hier mal ein kleine Kurzgeschichte platzieren. Sie ist dicht an der Wahrheit, also Frag wurde NICHT Frag genannt und war Ufw./UaZ/StZF und Schach spielten wir beide nicht *grins*


Und ist der Plan dann doch gelungen, wir ändern selbst die Änderungen

Dienstag, der xx.November 198x, 09.00 Uhr, Dienstzimmer des Kompaniechefs.
Die allmorgendliche Lagebesprechung war endlich bewältigt. Einziges 'Vorkommnis' war mal wieder ein Alkoholschmuggler bei den VKU-Rückkehrern. Und einer der Ausgänger, erst seit kurzem ein EK, hatte gestern abend den Spieß volltrunken sein noch recht langes Maßband gezeigt. Für diesen hatte der alte Stabsoberfähnrich strengste Maßnahmen gefordert, welche ihm auch vom KC zugesichert wurden. 'Schon gut, Hauptfeld' grinste süffisant der Alte, 'nachher ist Planung!'
Dem Unterleutnant, Zugführer des betroffenen Soldaten, war nicht wohl nach dieser Ansage. Der Alte würde jetzt bei der Planung besonders auf diesen Postenführer achten. Möglichst viele Nachtschichten an der linken Trennungslinie, ein äußerst unbeliebter Postenpunkt mit möglichst vielen als Langweiler bekannten Posten war, was dem KC vorschwebte. In der kurzen Zigarettenpause vorhin hatte sich der Ulu mit Frag, dem StZF eines anderen Zuges beraten. Frag hieß übrigens nicht wirklich Frag, sondern hatte sich den Spitznamen eingefangen, als er einen Fähnrichschüler im Praktikum öfters so nannte, es ging schon manchmal komisch zu auf einer Grenzkompanie. Aber ich schweife ab, die Beiden Unter waren sich einig. Es wird mal wieder eine 'Skat'-Planung, also Unter sticht Ober.
Außer den Zweien saßen noch zwei Leutnante am Tisch, einer eigentlich schon Oberleutnant. Doch dieses Jahr gab es aus einem ihm unbegreiflichen Grund erst zum 1. Dezember die begehrten Pickel, entsprechend war er motiviert. Der andere dagegen war frisch von der Schule penetrant stolz auf sein Diplomabzeichen, welches er sogar auf der Dienstbluse trug. Aber ich schweife schon wieder ab.
Die Planung startete wie immer, 'Vorschläge, Genossen Offiziere, Unteroffiziere und Unterleutnants' schnarrte der Alte sonor. Unterleutnants waren für ihn spätestens seit dem Tag keine Offiziere mehr, als ihm mal einer fahnenflüchtig geworden war. Dem Ulu war das 'schnurz', wie er ständig zu sagen pflegte, im war sein Ansehen bei 'seinen' Soldaten wesentlich wichtiger. Mit diesen mußte er täglich seine acht Stunden Grenzdienst überstehen. Die Machtspielchen der Buckel, wie die Berufssoldaten im Jargon genannt wurden, waren ihm auch schnurz. Aber das hatten wir ja schon.
Um eben dieses Ansehen galt es nun zu kämpfen. Er wußte, seine Soldaten erwarteten von ihm keinen Verheizung. Und eigentlich konnten sie sich bisher da auf ihn verlassen. Und das, was der Alte mit einem seiner Soldaten vorhatte, fiel deutlich in die Kategorie Verheizung! Also kam es mal wieder auf Frag an. Die Beiden konnte man, was taktische Spielerei anging, als gut aufeinander abgestimmt betrachten. Spätestens seit unzähligen Fernschachpartien übers GMN während endloser Nachtschichten waren sie aufeinander'eingespielt'.
Der Alte, selbst ja auch ein alter Fuchs, war überrascht, mit wie wenig Gegenwehr die beiden Unterdingsbumse ihm Kräfte zur Verfügung stellten. Sogar ein zusätzlicher Posten für den linken Abschnitt war zwei Nächte hintereinader kein Problem. Das gibt Pluspunkte im Battalion. Spätestens dort hätte er eigentlich stutzig werden müssen. Der Ulu verheizte 'gnadenlos' nicht nur besagten Gefreiten, sondern gleich seinen ganzen Zug? Und Frag tapfer mit dabei! Haben sie es endlich begriffen, wer hier das Sagen hat, dachte sich frohlockend der Alte. In ihm wallte dieses wohlig-warme Gefühl auf, einige nennen es Macht, er nannte es Verantwortung. Und er wußte was er seinen Untergeben schuldig war, man ist ja schließlich kein Unmensch.
'Kurze Pause! Unterleutnant, holen sie mal fünf Kännchen! Der Unterfeld kann ihnen ja helfen!' Die beiden machten erwartungsgemäß geqäulte Gesichter, war das doch nach Buckel-Spielregeln eine Brüskierung. Eigentlich eine Aufgabe für den Koch oder den GUvD, aber nicht für einen Zugführer oder einen Stelli. Trotzdem trabten die Beiden befehlsgemäß ab, viel Zeit hatten sie nicht die weitere Taktik abzusprechen, bevor dem Alten die gute Laune verflog. 'Also wer?' fragte der Ulu. 'Ich könnte den MüllerZwo nehmen', überlegte Frag, als sie in der Küche auf den Kaffee warteten. 'Der ist TS-Fahrer und dann haut es dem Alten die A-Gruppen-Planung komplett durcheinander. 'Hmm, das könnte klappen!' freute sich der Ulu. Hatte der Alte in dem Übereifer seinem alten Hauptfeld Satisfaktion für die gestrigen Schmach zu verschaffen, doch tatsächlich den Feldarbeiter-Posten für die ersten drei Tage der Planung vergessen. 'Gleich, oder erst noch den Kaffee?' 'Gleich, einen richtigen Kaffee können wir dann in Ruhe trinken', grinste der Unterleutnant. 'Hee, Koch! Nicht den Guten Rondo!' 'Wie, nicht für den Chef?' fragte verlegen der Koch, welcher eigentlich recht froh war seinen Grund-Wehr-Ehren-Dienst in recht geregelten Verhältnissen einer recht gemütlichen Kompanieküche ableisten zu dürfen und diesen Zustand auch bis zu seiner Entlassung in sechs Monaten beizubehalten gedachte. 'Eben! Nur ein Kännchen Rondo, den Rest Truppenkaffee' zwinckerte ihm Frag zu. 'Naja, die Beiden werden schon wissen, was sie machen' dachte sich der Gefreite. Immerhin hatte dieser Frag ja noch was gut bei ihm und eigentlich war der Ulu ja auch ganz 'bestätigt', wie den er Tischgesprächen seiner Soldaten entnehmen konnte.
Zurück mit dem Muckefug, als Kaffee konnte man die braundunkle Brühe nun wirklich nicht bezeichnen, war der Radiergummi des Kompaniechefs bereits fast aufgebraucht. Er hatte inzwischen auch den Kardinalfehler in seiner Planung entdeckt. 'Stellen sie den Kaffee erstmal beiseite, Genosse Unterleutnant!' herrschte er den Ulu an. 'Nein, meinen können sie mir ruhig schon mal geben!' und er bekam das Kännchen mit dem angesprungenem Deckel. Es verbreitete sich ein wohliger Kaffeeduft in dem Raum, in welchem schon die anderen beiden Leutnantszugführer über dem Bereitstellung des vergessenen Feldarbeiterposten hirnten. 'Der Feldarbeiter fehlt!' warf der Alte vorwurfsvoll den beiden Untern entgegen. Jetzt war der Moment gekommen. Ulu spielte Trumpf an! 'Wieso? Welcher Feldarbeiterposten? Sind den überhaupt welche noch den Rest der Woche? Bis Mittwoch jedenfalls ist doch keiner geplant.'
Das Gesicht des Alten nahm eine ungesunde Färbung an. Noch versuchte er sich zu beherrschen. 'Sie halten sich wohl für besonders schlau, Genossen Unterleutnant? Eben DIESER fehlt!' Verstohlen grinste Ulu Frag an. 'Wieso, da können wir doch den Soldaten MüllerZwo mit TS nehmen? Wenn wir den zweiten Linksposten weglassen so wie immer, kann der Rest so bleiben!' bedient Frag in Hinterhand mit dem Trumpf-Ass. 'Oh, noch so ein Schlaumeier!' Die Farbe im Gesicht des Kompaniechefs wurde ein Grad hektischer. 'Und wer bitteschön soll da der Postenführer sein, hä?' presste der Alte heraus.
Nun war es endlich an der Zeit, die blanke Trumpf-Zehn mit einem Unter abzuholen. Der Unterleutnant spielt an und nennt den Namen des EKs, welcher am Abend zuvor den Hauptfeld mit einem Blick zur Sonne 'belobigt' hatte. Der Alte explodierte. 'Planungsbücher hier lassen! ICH räume den Schrott selber auf! Nach der TAPI können sie dann abschreiben. Unterfeld, bereiten Sie sich auf einen UvD-Dienst heut abend vor. Und Unterleutnant! Sie übernehmen heut abend meinen DHO und morgen früh laufen sie den K-6' triumphierte er. 'Die richtigen Offiziere dürfen mich natürlich bei der Planung unterstützen!' schaute er gönnerhaft die beiden Leutnante an, die sich schon fast auf einen freien Vormittag gefreut hatten.
Ulu und Frag trollten sich schleunigst in die Unterkunft des Unterleutnants, um bei einem Boiler richtigen RONDO-Kaffees einige Partien Schach zu spielen. Die Planung werden sie dann heut abend ihren Bedürfnissen entsprechend anpassen. 'Adaptive Planung' nannten die beiden Unter das. Am Wichtigsten dabei war, das am Abend nach der nächsten Planung der eine UvD und der andere sein DHO sein würde. 'Eine Sache werde ich wohl nie begreifen', fragte Frag den Ulu. 'Wieso läufst Du eigentlich so gerne den K-6?'
'Eines Tages nehme ich den Alten mal mit auf den Sechser' sinnierte der Unterleutnant.

[MultiEdit]Noch en bissel Stiehl gepfeilt und Dippfählers erschlachen
So, Vorm und Stiehl itzo rund, den Rest der Dippfählers spende ich wohltätighen Zwecken[/MultiEdit]



Klasse Beirag, wenigstens wieder mal eine echte Grenzergeschichte. In welcher GK war hat sich denn die Kurzgeschichte ereignet ?


MfG
Jawa350
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#62

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 19:12
von dremi (gelöscht)
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In "World of Warcraft"
Der Kampf zwischen Allianz und Horde.

Grußdremi


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#63

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 21:25
von Greso | 2.377 Beiträge

!966 an der Grenze.Frühschicht,Spätschicht und zwei Nachtschichten.In der ersten Nachtschicht kamen immer die Urlauber.
Jede Schicht dauerte 8Stunden.Die zwei Nachtschichten waren nur Zeitversetzt um 2-3Stunden und die erste Schicht waren
oft nur 3Postenpaare,die gingen Grenzstreife und Kontrolle.
Greso


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#64

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 22:29
von dremi (gelöscht)
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Hallo "Greso"
Interessante Sache
Wir als Grenzer hatten diesen Dienst unumstritten. Wenn diese lästigen Waffenwartungen, Appelle,
Revierreinigungen, Stubendurchgänge usw. nicht gehabt hätten( Ich war KC und habe das angeordnet bzw. es war in der
DV vorgeschrieben) und dieses Schichtsystem hätten übertragen können, 24 std. zwischen Schicht zu Schicht, nur mit
vielleicht häuslichen Problemen belastet?
Eine Alternative? Wo gibt es das heutzutage? Welche Erholungszeiten gibt es noch?
Gruß dremi


zuletzt bearbeitet 29.01.2011 22:31 | nach oben springen

#65

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 15:02
von Gelöschtes Mitglied
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Sieh an sieh an...der 94er.
Führt das Erbe von RMR weiter.

Nur,du wirst uns doch keine Märchen schreiben,odääär?

Nee nee,voll aus dem (alten) Leben,keine Fiktion.

Wann könne mer das Buch kaufe????

Liest sich unbestritten gut.


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#66

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 15:27
von LO-Fahrer | 606 Beiträge

Schöne Geschichte @94, gibt's noch 'ne Fortsetzung?

Die "normalen" Schichten waren bei uns 05-13, 13-21 und 21-05 Uhr plus der entsprechenden Vor- und Nachbereitung (jeweils ca. 1h). Daneben gab es noch K2 laufen 8-16 oder Kontrollstreife zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten. Polit oder Parktag wurde nicht selten mit einer Nachtschicht gekrönt. 1 mal pro Woche gab es theoretisch 24 h dienstfrei, die Praxis sah manchmal anders aus. Vor dem Urlaub gab es grundsätzlich eine Nachtschicht und wenn man sich beeilt hat und dei Ablösung pünktlich war (war sie eigentlich fast immer, dafür wurde gesorgt), hat man sogar noch den Bus um 5.30 Uhr erwischt. Nach dem "normalen" Grenzdienst war nicht selten noch eine A-Gruppe fällig und wenn man Pech hatte flog man da auch noch mal raus. Als Fahrer hatte ich ab und zu 24h A-Gruppe Gelände, d.h Füst. Da hatte man dann mal Zeit etwas Schlaf nachzuholen, in Ruhe Briefe zu schreiben oder mit dem KGSI eine Partie Schach zu spielen, vorausgesetzt es kam keine Lage dazwischen. Dazu kamen dann noch diverse Fahrten, von Hundeführer mit Hund zum Tierarzt bringen über Soldaten zum Frisör und wieder zurück, Dienstfahrten zum Bat. oder Reg.-Stab bis zu Weihnachtsbaum für den Dorfkindergarten besorgen oder Urlauber vom Bahnnof abholen.


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#67

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 15:44
von GZB1 | 3.287 Beiträge

94, der Schriftsteller,

wer weiß, wie sich die Personaleinschätzungen gelesen haben?


zuletzt bearbeitet 30.01.2011 15:45 | nach oben springen

#68

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 15:49
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

............Respekt Respekt @94, sehr gut geschrieben. Weiter so.............bin schon sehr gespannt auf weitere Folgen


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#69

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 16:02
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@94

welcher "reißerische" Titel für das Werk schwebt dir denn so vor? *grins*

Wenn du Teile meines Titel-Vorschlag´s verwendest verlange ich "Honorarbeteiligung".


zuletzt bearbeitet 30.01.2011 18:19 | nach oben springen

#70

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 17:05
von bendix | 2.642 Beiträge

@94

Wenn ich das lese fühle ich mich irgendwie in diese Zeit zurückversetzt.

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#71

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 31.01.2011 10:55
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@94

ja ja, der Koeter.

94, weil du gut zu Hunden bist, erlasse ich dir meine Honorarbeteiligung wegen des Titels!


zuletzt bearbeitet 31.01.2011 11:27 | nach oben springen

#72

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 29.06.2014 22:38
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Hinweis, die Beiträge von 94 wurden in einen anderes Thema verschoben : "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"


zuletzt bearbeitet 29.06.2014 22:41 | nach oben springen

#73

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 01.07.2014 23:12
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Angelo im Beitrag #1
Wie war das eigentlich mit den Dienstzeiten bei den Grenztruppen? Gab es dort einen Wochen oder Monatsplan? Wie waren die Stunden verteilt ? Hatte man jedes zweite Wochenende frei? Wie oft hatte man Nachtdienst ? Es wäre toll wenn das jemand erklären könnte ?

Hallo!
Also soweit ich mich errinnen kann,gab es nur Wochenpläne,diese wurden vom Staffelführer (Diensthunde) erstellt.
In diesen Plänen waren alle Personen erfasst,welche zur Mauer aus rückten,Wachhunde füttern,Absicherung Malerarbeiten,Grenzdienst.
Der normale Grenzdienst betrug 8 Std.,.Bei uns war es noch so,wenn man keinen Dienst hatte,konnte man in den Ausgang gehen.
Die Dienstplanung ging dann zur Bestätigung zum V0(Stasi),nach Bestätigung ging dann alles o.k.
Gruß Rei


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#74

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 02.07.2014 00:21
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Zitat von PF75 im Beitrag #20
bei uns lief es genau so ab(hatten auch batt.-sicherung),nach dem offiziellen dienst kam oft noch A-gruppe dazu ...
Jooo, Alarmgruppe/Alarmzug kam in regelmäßigen Abständen dazu. Und nicht zu vergessen die Objektwache, die mehr als 30 Stunden dauerte, Ich glaube alle 11 oder 12 Tage fiel man da rein. Wenn man Pech hatte, war die Ablösung zum Politunterricht befohlen. Da dauerte das Wacheschieben noch mal 4 Stunden länger.
Die 3 Wachposten (bei uns Fuchs 1, Fuchs 2 und Fuchs 3) wurden so eingeteilt, dass Fuchs 1 das erste Drittel der Wachdauer Nachtruhe hatte und die restlichen zwei Drittel im 2-stündigen Wechsel aktiv wachte und Bereitschaft schob. Fuchs 2 hatte im mittleren Drittel Nachtruhe und Fuchs 3 im letzten Drittel.
Anstelle von Wachpostendienst konnte man ja auch den GUvD-Job aufgebrummt bekommen, der zeitlich nicht besser gestellt war.

Dieses zusätzliche Theater zum täglichen Früh-Spät-Nacht-Rhythmus am Kanten zerrte schon gewaltig am Nervenkostüm. Hinzu kam, dass die Aufzüge sich kaum auf die mathematisch anzunehmenden 8 Stunden beliefen. Wenn man das Pech hatte gleich hinter der eigenen Kompanie eingesetzt zu sein, dann waren durchaus 2 Stunden mehr drinn, denn die ablösende Kompanie lag drei Dutzend Kilometer entfernt und entsprechend lange dauerte es, bis alle Posten abgelöst waren.
Außerdem gab es dann auch noch den verlängerten Grenzaufzug, wenn z.B. eine der Bataillonskompanien zum Schießen war und somit ausfiel.

Ja, die Dienstzeiten eines DDR-Grenzers waren ein verdammt hartes Brot. Wer nicht am Kanten gedient hat, kann sich das schwer vorstellen.

Mich hat das angekotzt wie die Pest. Mann, war ich heilfroh als das vorbei war!


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#75

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 02.07.2014 13:41
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Wenn ich dies alles so lese ,kann ich nur im Nachhinein drei Kreuze machen. Diesen bescheidenen Wachdienst hatte ich nur dreimal an der U-Schule .
Draussen dann ,gab es so etwas für uns nicht ! Keine Vorbelehrung ,keine Vergatterung oder sonstiges Gedön . In der Höhle des Löwen (GB) ist man doch am sichersten..Es kam bei Lagen schon vor ,daß wir ne Doppelschicht machen mussten . Auch Alarmeinsätze gingen schon mal bis zu 15 Stunden.
Unsern Plan konnten wir beizeiten einsehen und auch im Sinne von Urlaub oder Dienstfrei war es immer möglich Wünsche zu äußern.
Freitag früh konnte man zum VKU wegtreten ,zwar meist nachm Nachtdienst ,aber das war kein Problem.
Das Wetter (Nov-Mä.) war besonders bei längeren Einsätzen schon zehrend .Wenn es bei 5° fast acht Stunden regnete ,war die best-imprägnierte Regenpelle durch .Auch bei - 15° ne 10 Stunden Schicht am Gassentor kam nicht so prickenld rüber .
Beaufsichtigung von Arbeiten (LPG oder Forst ) war bei Hitze auch nicht beliebt . Da gab es kein Abducken oder Verpissen ! Hielt sich von der Häufigkeit her aber in Grenzen .
FRITZE


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#76

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2014 21:54
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Normaler Schichtrythmus bei de Bat. Sicherung war Früh ( 04 -12), Spät (12 -20) und Nacht (20 -04) Uhr. Bei verstärkter Sicherung 12 h Schichten von 06 -18 und 18 -06 Uhr nur im Abschnitt unserer GK Weidenbach. Alarmgruppe und Alarmzug von der Kompanie aus auch nur in unserem Abschnitt maximal noch bis Kella oder Straße Schwebda.. Kam bei uns aber selten vor. Die anderen GK des Bat. hatten durch die Anlage 501 und die kürzeren Anfahrtswege viel mehr Alarmeinsätze. Habe mal bei Verstärkter Sicherung mindestens fünf Nachtschichten von 18 -06 Uhr auf der Hessel zugebracht. Plus vor und Nachbereitung 15 h Dienst/Nacht. Bei der Bat. Sicherung haben wir Kraftfahrer ja vollen Grenzdienst mitgemacht und in der Nachbereitung bei Bedarf das Fahrzeug gereinigt, getankt und nötige Wartung durchgeführt. Wenn ich in Treffurt an der Werra war und noch den KC im Batti absetzen und abholen musste, dann waren über 100 km auf dem Tacho. Mit dem KC konnte man nur die erlaubte Geschwindigkeit fahren und war dann als letzter zurück in der GK. Für die zwei P 3 Fahrer und den einen Trabantfahrer kamen noch allerlei Sonderfahrten vor bzw nach den Schichten oder auch während der Nachtruhe dazu. Insbesondere Offiziere nach Mühlhausen, den KC ins Kino, Urlauber zum Bahnhof und zurück, im Winter auch mal die Küchenfrauen abholen. Ich weis gar nicht mehr wie oft ich A-Gruppe gestanden habe. Mein Sturmgepäck, Helm und Schutzmaske habe ich ständig im Fahrzeug gelassen. Zum Glück bin ich nicht mehr als 10 x mit der A -Gruppe rausgeflogen.
Ich kann ich erinnern, dass im Winter 76/77 ein oder zwei Tage wegen starker Kälte auf 4 h Schichten umgestellt wurde. Da ging es für jeden zweimal am Tag für 4 h raus an den Kanten. Gehe aber davon aus, dass es nur auf den eigenen Kompanieabschnitt ging wegen der kürzeren Anfahrt. Im Postengebiet Straße Frieda sollen an einem Tag minus 28 ° gemessen worden sein. In der Frühschicht mußte ich 6 Meter Kontrolle fahren. Da haben wir festgestellt, dass der Bereich von Straße Wanfried in Richtung Karnberg nicht zu befahren war. Bei den Serpentinen des Kolonnenweges hatte es an den Kehren mehrere alte Holzmasten des alten GMN abgeknickt. So sehr hatte sich der Draht zusammengezogen wegen der Kälte.Wir mussten erst mal jede Menge Draht zerschneiden und die Masten zur Seite ziehen. Im Sommer 76 war es einige Tage so warm, dass der Befehl gegeben wurde die Ärmel der Felddienstuniform aufzukrempeln. Da die Entscheidungen für solche Befehle immer sehr lange dauerten, war es zu dem Zeitpunkt schon wieder kühler - also witzlos.


zuletzt bearbeitet 06.07.2014 06:44 | nach oben springen

#77

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 04.07.2014 22:25
von Lippi57 | 58 Beiträge

Zitat von Zermatt im Beitrag #3
Guten Abend. Wer hat denn die Schichten eingteteilt,also wer mit wem los geht ? Zugführer ?



Hallo in der Regel der KC bzw der diensthabende Offz. zusammen mit den Abschnittführenden. immer ein tag im voraus.
da ich 1.1/2 Jahre selbst Zugführer im GD war denke ich das das so richtig ist ,es wurde dann 2Stunde vor Schichtbeginn
im Diensthabenen Zimmer die Postenbesetzung eingeteilt Fahrzeuge (Trabbi,Krad,)die Besatzungen festgelegt und dann hieß es fertigmachen zum GD.

EK 79/I GR38 Henningsdorf


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.07.2014 22:26 | nach oben springen

#78

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 05.07.2014 23:19
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wer kann Angaben machen in welchen Umfang die GK Übungen mit "Freiwilligen Grenzhelfern" abgehalten haben. Ich kann mich an eine einzige Übung erinnern. Dabei ging es um die Durchführung einer Festnahme und anschließende Taschenkontrolle bei dem Festgenommenen. Die ganze Übung war ein Fiasko. Die Grenzhelfer kamen geradewegs aus der Kneipe und hatten eine ordentliche Fahne. Danach erfolgte keine Auswertung und auch keine weitere Übung.


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#79

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2014 13:42
von LO-Fahrer | 606 Beiträge

Ich erinnere mich an eine FHG-Übung, an der ich als Fahrer (materielle Sicherstellung) teilgenommen habe. Wimre war das ein ausgedehnter, aber recht entspannter Marsch, unterbrochen von verschiedenen Stationen wie Spuren lesen, KK-Schiessen, durchsuchen eines Waldstücks u.ä.. Gekrönt wurde das Ganze durch den Verzehr eines Hammels am Spieß (durch unseren Küchenchef fachkundig zubereitet) und das obligatorisch kollektive Besäufnis, bei dem auch der LO-Fahrer nicht zu kurz kam.


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#80

RE: Dienst und Schichtzeiten eines Grenztruppen-Soldaten

in Grenztruppen der DDR 06.07.2014 14:24
von Lippi57 | 58 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #78
Wer kann Angaben machen in welchen Umfang die GK Übungen mit "Freiwilligen Grenzhelfern" abgehalten haben. Ich kann mich an eine einzige Übung erinnern. Dabei ging es um die Durchführung einer Festnahme und anschließende Taschenkontrolle bei dem Festgenommenen. Die ganze Übung war ein Fiasko. Die Grenzhelfer kamen geradewegs aus der Kneipe und hatten eine ordentliche Fahne. Danach erfolgte keine Auswertung und auch keine weitere Übung.


Hallo an eine direkte Übung kann ich mich nicht erinnern bei ein Grenzalarm wo unsere GK das Hinterland absicherte habe ich mal ein paar Grenzhelfer gesehen in der Auswertung des Einsatzes wurde es auch erwähnt das Helfer im Hinterland zum Einsatz kamen,aber von wem sie eingeteilt wurden und welche Aufgaben sie hatten weiß ich nicht.


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