#41

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 04.08.2011 00:30
von Lebowski | 61 Beiträge

Zitat
Wer weiß schon -wie hätte man reagiert- wenn einem an der Grenze das passiert wäre ???????????????????



es gab hier in einem Filmbeitrag die Äusserung "die letzte Instanz ist das Gewissen"

zumindest für mich persönlich, ein zutreffender Satz...


Lebow


Wer interessieren will, muss provozieren.


Salvador Dali
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#42

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 04.08.2011 13:20
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Lebowski

Zitat
Wer weiß schon -wie hätte man reagiert- wenn einem an der Grenze das passiert wäre ???????????????????


es gab hier in einem Filmbeitrag die Äusserung "die letzte Instanz ist das Gewissen"
...




Hallo Lebow,

aber sind wir darauf vorbereitet, in einer Stresssituation das Gewissen als Instanz zu befragen? Wie oft setzt bei vielen erst hinterher das Gewissen ein? Sind unsere Werte so stark, dass sie äußeren Einflussfaktoren (der Angst, dem Gehorsam, dem Wunsch das zu tun, was von einem erwartet wird usw.) standhalten? Ich bin zur Zeit bei der Lektüre des Buches "Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben". Ich finde die soziologischen Untersuchungen und Thesen der Autoren zu den Referenzrahmen sehr erhellend. Somit empfehle ich diese Lektüre jedem, der sich mit den Fragen des Tötens oder der Tötungsbereitschaft auseinandersetzen will ("Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" von SönkeNeitzel und Harald Welzer).

In der Dokumentation "Geheimsache Mauer" äußert sich ein Schütze selbst. Die begleitende Spielfilmsequenz legt nahe, er habe auf Befehl des Postenführers gehandelt, eine durchaus reale Möglichkeit. Ich hatte mich in dem Interview auch zu einem möglichen Szenarium geäußert, in dem ein Soldat vom "ich will nicht schießen" über den Warnschuss bis hin zum tödlichen Schuss kommen konnte. Das Material wurde nicht in der Filmdokumentation verwendet. Aber in der Internetdokumentation ist es enthalten.

Link: http://www.geheimsache-mauer.de/
Menü: "Alle Inhalte" --> "Videos"
Interview: "Das war Manipulation"

Diese und auch die anderen Interviews dort lege ich allen nochmal ans Herz. Tut mir leid, dass ich sie nicht direkt verlinken kann und so auf Reisen ist es gerade schlecht mit Up- und Download.

ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#43

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 04.08.2011 18:47
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Rainman2

Zitat von Lebowski
[quote]...einem Filmbeitrag die Äusserung "die letzte Instanz ist das Gewissen"
...



Hallo Lebow,

aber sind wir darauf vorbereitet, in einer Stresssituation das Gewissen als Instanz zu befragen? Wie oft setzt bei vielen erst hinterher das Gewissen ein? Sind unsere Werte so stark, dass sie äußeren Einflussfaktoren (der Angst, dem Gehorsam, dem Wunsch das zu tun, was von einem erwartet wird usw.) standhalten? ...




Denke, du hast recht. Das ginge nur im Film, wo es nach Drehbuch läuft.
In der Wirklichkeit ist die Anspannung beim ersten Mal (die Allermeisten hatten ja nur dieses eine Mal...) so stark, dass alles nur nach Schema F (wie Festnahme) abläuft. Entscheidend war dabei, was man vorher in der Ausbildung geübt hat. Bestenfalls noch und nöcher, schlimmstenfalls nur vom Hörensagen. Da fehlt noch alle Routine, weshalb man ganz automatisch das tut, was geübt wurde.
Gewissen, Nachdenken, ich nenne es mal das "große Flattern", das kommt alles erst, wenn es "vorbei" ist. So oder so. Weshalb ich über so manche moralische Entrüstung heutzutage wie früher auch nur traurig lächeln kann. Gerade denen ginge es gegebenenfalls kaum besser.
Je weniger einer geübt hatte, je weniger darüber nachgedacht wurde um so größer und schlimmer war hinterher dann das Ergebnis. Insofern hatte ich Glück. Vor meiner ersten "richtigen" Festnahme kamen dutzende von VGO, da war alles nicht mehr so schlimm. Vor dem ersten Mal "schieße ich jetzt oder nicht..." kamen bereits Festnahmen. Da war man bereits soweit, nicht nur über den Flüchtenden und die Entfernung nachzudenken sondern auch die Umstände.
Die allermeisten Genossen hatten so etwas nicht.
Das war seinerzeit ein Grund für mich, unbedingt nach den drei Jahren zu gehen. Immer "Schwein" haben geht nicht. Ich hatte es sehr oft und irgendwann wäre es sicher mal schief gelaufen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 04.08.2011 18:52 | nach oben springen

#44

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 05.08.2011 07:38
von Lebowski | 61 Beiträge

Hallo Rainman2,

ich schrieb:

"zumindest für mich persönlich, ein zutreffender Satz..."


ich meine damit das ich persönlich nicht in der Lage gewesen wäre gezielt auf wehrlose Menschen zu schießen. Die Frage ob ich von der Schusswaffe gebrauch machen würde hätte ich verneint. Meine damalige Einstellung zum System, welche mir auch das ein oder andere Problem einbrachte, untermauert dies. Gezwungen konnte ja keiner werden oder?

Zitat
Ich finde die soziologischen Untersuchungen und Thesen der Autoren zu den Referenzrahmen sehr erhellend. Somit empfehle ich diese Lektüre jedem, der sich mit den Fragen des Tötens oder der Tötungsbereitschaft auseinandersetzen will ("Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" von SönkeNeitzel und Harald Welzer).



Nur war der Kampf an der Grenze, mit wenigen Ausnahmen, ein sehr ungleicher, der Grenzverletzer eher wehrloses Opfer, kein Gegner.

nur kenne ich dieses Buch nicht, werde mir aber bei Gelegenheit diese Lektüre besorgen und lesen. Du hast mich da ein wenig neugierig gemacht.
Momentan sehe ich nur den Titel, ...vom Kämpfen, Töten und Sterben. Ich bin gespannt ob es etwas zu erfahren gibt, was die Tötungsbereitschaft von Soldaten an der Grenze erklärt.

Bitte diesen Satz nicht falsch verstehen...


Lebow


Wer interessieren will, muss provozieren.


Salvador Dali
zuletzt bearbeitet 05.08.2011 08:22 | nach oben springen

#45

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 05.08.2011 14:08
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo Lebow!

Danke für die Ergänzung. Ich habe meine damaligen Konflikte immer mir selbst oder konkreten Leuten in subalternen Strukturen zugeschrieben, war somit ein "gelernter" DDR-Bürger. Damit war ich bereit, der Linie "von oben" zu folgen und habe auch Argumente leicht aufgenommen, die Grenzverletzer eben nicht als wehrlose Zivilisten darstellten. Mit grundsätzlichen Zweifeln und fundamentaler Kritik am System, hätte ich das dann auch nicht mehr so leichten Herzens akzeptiert. Aber so weit war ich damals noch nicht. Aus heutiger Sicht kann ich Dich gut verstehen.

Eine Ergänzung noch zu der Buchempfehlung: Es geht in diesem Buch um die Analyse von Abhörprotokollen die in englischen und amerikanischen Kriegsgefangenenlagern entstanden. Dort wurden deutsche Kriegsgefangene in den Jahren 1940-1945 abgehört. Es geht also nicht um die Grenztruppen in dem Buch. Für mich ist interessant, dass die Analyse der Rahmenbedingungen (Referenzrahmen) erstaunlich universell ist und mit meinen Erfahrungen bei den Grenztruppen in Übereinstimmung zu bringen ist. Im Klappentext heißt es, dass diese Arbeit "... das Wissen um die Mentalität der Soldaten auf eine völlig neue Grundlage stellt." Dem kann ich nach dem ersten Teil der Lektüre nur zustimmen. Also: Es geht nicht um Geschichte, sondern um grundlegende soziologische Fragen. Das wollte ich noch ergänzt haben, um keine falschen Erwartungen zu wecken.

Ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 05.08.2011 14:11 | nach oben springen

#46

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 05.08.2011 16:37
von Gelöschtes Mitglied
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Also Betreffs der genannten Doku kann ich sie als für mich gelungen einstufen.
Sehr informativ,aus vielen Betrachtungsweisen/Sichtwinkeln,erklärt und beleuchtet.
Viele unterschiedliche Zeitzeugen erläutern ihre damalige und heutige Sichtweise,warum sie etwas so taten wie sie es taten,so handelten und dachten etc.

@Rainman2, Hut ab vor deiner Courage ("Das Schwein ist durch").Das hätte nicht jeder gebracht.
Auch wenn ich das damals schon ganz anders als GWDLer sah,als ein Polit der GT.
Für mich waren es keine Feinde und ich gönnte jedem Flüchtling seinen Erfolg.
Aber du hast deine damalige Sicht der Dinge glaubhaft dargestellt,auch in der Gefahr,nun in der Öffentlichkeit als totaler,gnadenloser "Menschenjäger" des Ex-DDR-Grenzregimes dazustehen.
Diese Doku wird für meine Kinder "Pflichtlektüre"!

Gruß ek40


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#47

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 05.08.2011 23:06
von frb-vd (gelöscht)
avatar

Zitat von ek40

@Rainman2, Hut ab vor deiner Courage ("Das Schwein ist durch").Das hätte nicht jeder gebracht.
Auch wenn ich das damals schon ganz anders als GWDLer sah,als ein Polit der GT.

[snip]

Aber du hast deine damalige Sicht der Dinge glaubhaft dargestellt,auch in der Gefahr,nun in der Öffentlichkeit als totaler,gnadenloser "Menschenjäger" des Ex-DDR-Grenzregimes dazustehen.



Das ist das heutige Wahrnehmungsproblem.

Wirklich ging es doch in seinen Sätzen darum, die totale Indoktrination aufzuzeigen, die auf jeden einwirkte, der für den Kanten vorgesehen war, damit er im Sinne des Systems dann dort vorn auch „funktioniert“. Und ohne nachzufragen akzeptiert, daß die Verantwortung für den Schußwaffeneinsatz und damit über Leben und Tod einfach so auf ihn da vorn alleine abgewälzt wird (mit allen Konsequenzen, die der Soldat eigentlich gar nicht vorher abschätzen konnte).

Im Gegensatz zum AGT wird nämlich z.B. ein Kanonier die Leine erst nach Feuerbefehl vom Geschützführer ziehen.


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#48

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 06.08.2011 10:03
von Lebowski | 61 Beiträge

Hallo Rainman2,

Erwartet hatte ich nach meinem Post eher wieder ein Knäul an Pseudo-Gegenargumenten, die Missinterpretation meiner Äusserungen. Oft wurde mein Standpunkt, welchen ich mit klaren Argumenten zum Ausdruck brachte, (absichtlich) falsch verstanden.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich Anhänger des damaligen Regimes hier als Opfer präsentieren, dass Vorgehen von einst verteidigen bzw. die Schuld bei jenen suchen, die dieser Diktatur ablehnend genüber standen.

Vermutlich habe ich deshalb für mich noch keine ausreichenden Antworten gefunden.

Und jetzt kommst du daher und schreibst:

Zitat
Danke für die Ergänzung. Ich habe meine damaligen Konflikte immer mir selbst oder konkreten Leuten in subalternen Strukturen zugeschrieben, war somit ein "gelernter" DDR-Bürger. Damit war ich bereit, der Linie "von oben" zu folgen und habe auch Argumente leicht aufgenommen, die Grenzverletzer eben nicht als wehrlose Zivilisten darstellten. Mit grundsätzlichen Zweifeln und fundamentaler Kritik am System, hätte ich das dann auch nicht mehr so leichten Herzens akzeptiert. Aber so weit war ich damals noch nicht. Aus heutiger Sicht kann ich Dich gut verstehen.



In diesen wenigen Sätzen sehe ich etwas, was dich zu einen interessanten Diskussionspartner macht. Ohne meine Argumente zu zerreden, kommst du mir mit Ehrlichkeit und Einsicht entgegen.

Zitat
Aber so weit war ich damals noch nicht. Aus heutiger Sicht kann ich Dich gut verstehen.




Respekt.

Lebo


Wer interessieren will, muss provozieren.


Salvador Dali
zuletzt bearbeitet 06.08.2011 10:34 | nach oben springen

#49

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 06.08.2011 10:11
von gmei | 44 Beiträge

Diesem Respekt schließe ich mich aufrichtig und gerne an.

Gruß
gmei


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#50

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 06.08.2011 18:33
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Rainman2


Zu dem Interview selbst: Letztes Jahr war ich unmittelbar nach unserem Treffen im Harz (Juni) in Leipzig für die Aufzeichnung des Interviews. Ich fand eine alte, fast verfallene Fabrikhalle vor, in der man auf mich wartete. Da ich farblich für die Kamera nicht richtig gekleidet war, zog man mir eine Strickjacke über. So etwas hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr getragen. Das Interview selbst zog sich insgesamt über drei Stunden, wobei die reine Aufnahmezeit über zwei Stunden lag. Die Atmosphäre war sehr konstruktiv. Die Fragen waren darauf angelegt, dass ich erzählen konnte. Lediglich in der Frage der Anwendung der Schusswaffe wurde intensiver nachgebohrt. Wie gesagt, was aus diesem Material ausgewählt wurde, weiß ich im Moment selbst noch nicht. [...]




Zitat von Rainman2
Hallo zusammen,

so, nun habe ich das Filmchen auch in Gänze betachten können. Ich kann im Moment noch nichts schlussendliches darüber sagen. Da muss ich erst mal in Ruhe drüber nachdenken und noch ein paar Gespräche führen. Der Film spannt einen weiten Bogen über eine lange Zeit und das bei diesem komplexen Thema. Ich habe insofern ein wenig gestaunt, wieso man soviel Zeit in Spielfilmsequenzen investiert. Die Rolle der Kinderweihnachtsfeier ist mir da zum Beispiel nicht so recht aufgegangen, aber wie gesagt, ich muss da nochmal in Ruhe gedanklich drüber.

Ich selbst erscheine eher als der "Hardliner des Regimes". Während bei anderen Zeitzeugen der Genzerseite noch Distanziertheit zu spüren ist oder offen rüberkommt, Lege ich die Sicht der Zeit direkt dar. Die ersten Kritiken dazu lauteten: "Mitleidlos", "ohne Reue", "wie der Depp, der noch der alten Zeit hinterher hängt". Ich werde mich über diese Kritiken nicht streiten, dazu sind mir offen geäußerte Meinungen viel zu wichtig. Ich möchte aber einen Gedanken dazu offen loswerden. Ich war dort als Zeitzeuge geladen. Ich habe mich im Vorfeld und während des Gesprächs entschieden, als Zeitzeuge zu sprechen. Es ging mir dabei um meine Sicht zur Zeit, da ich in Uniform war. Diese Rolle wurde im Beitag sichtbar. Insofern bin ich dort richtig wiedergegeben worden. Ich bin auf weitere Reaktionen und Kritiken gespannt. [...]


Hi Rainman,

bei über drei Stunden Gesamtinterview und über zwei Stunden Aufnahmezeit wurde doch auch sicher Deine heutige Sicht der Dinge ab und an angerissen. Das jetzt in dem Fernsehbeitrag nur die "harten" Äußerungen zu hören/sehen waren, hatte ich genau so erwartet und das ist bezeichnend. Im Laufe der Zeit bekommt man dafür ein Gespür und man schaut diese Beiträge aus ganz verschiedenen Blickwinkeln an.

Zitat von Rainman2
Hallo Lebow!

Danke für die Ergänzung. Ich habe meine damaligen Konflikte immer mir selbst oder konkreten Leuten in subalternen Strukturen zugeschrieben, war somit ein "gelernter" DDR-Bürger. Damit war ich bereit, der Linie "von oben" zu folgen und habe auch Argumente leicht aufgenommen, die Grenzverletzer eben nicht als wehrlose Zivilisten darstellten. Mit grundsätzlichen Zweifeln und fundamentaler Kritik am System, hätte ich das dann auch nicht mehr so leichten Herzens akzeptiert. Aber so weit war ich damals noch nicht. Aus heutiger Sicht kann ich Dich gut verstehen.[...]


Bei mir sieht der Entwicklungsprozess als gelernter Alt-Bundesbürger entgegengesetzt aus. Das "Wir sind die Guten" wurde hier damals und auch noch heute genauso propagiert wie damals in der DDR. Zieht man bei beiden Seiten die übertriebenen 50% ab, rührt den Rest gut um und schaut sich das Ergebnis an, dann kommt man der Wahrheit sicher näher als das was heute durch Politik und Medien mainstream-meinungsbildend rübergebracht wird.

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#51

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 06.08.2011 22:54
von GZB1 | 3.286 Beiträge

@Ari@D187

insbesondere deinem letzten Absatz kann ich nur aus tiefsten Herzen beipflichten!


zuletzt bearbeitet 06.08.2011 22:54 | nach oben springen

#52

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 06.08.2011 23:09
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo zusammen!

Da sind ja doch ein paar Antworten zusammenkommen denen ich wiederum eine Antwort schulde. Ich verzichte auf die Zitatfunktion, das würde zuseht ausufern.

@Ari: Hallo Stefan, ja, ich habe während des Interviews auch meine Distanz zum Ausdruck gebracht. Im Film selbst Weise ich an einer Stelle explizit auf den Vorgang der Manipulation hin (bei der Frage er Bereitschaft zum Schusswaffeneinsatz). Im Bonusmaterial kommt nach dem harten Satz mit dem Schwein noch mein Nachsatz, dass ich im Jahr 2002 von dem Grenzdurchbruch las und tagelang nicht schlafen konnte. Das sind zwei sehr kleine Stellen an denen meine Haltung durchkommt. Dass meine Äußerungen zum Schießbefehl und dem "alltäglichen" Denken über die Möglichkeit des Schusswaffeneinsatzes nicht drin waren, könnte ein Hinweis darauf sein, dass ich da nicht ganz in das Filmbild gepasst habe. Meine eigene Kritik an der Grenze hat nicht die Ursprünge in der heutigen bürgerlichen Beertung des Staates DDR und seine Grenzsicherung. Sie ist eher eine Kritik von Links. Dabei stimme ich an einigen Stellen mit bürgerlichen Positionen überein. Da der Inhalt des Films nunmal nicht lautete "KPR und wie er die Grenze heute bewertet" Sonden weil es um Zeitzeugen ging, habe ich meine Kritik an der Grenze mit der schonungslosen Aufdeckung meiner / unserer Gedankenwelt zum Ausdruck gebracht. Das macht mich selbst zwar auch angreifbar, aber es schafft auch Raum für eine konkretere Auseinandersetzung.

@frb: Ich glaube, die Rolle der Indoktrination wurde damals und wird heute auch im Bezug auf Grenze und Schusswaffeneinsatz überschätzt. Natürlich wurde in Propaganda und Agitation immer wieder auf die Leute eingehämmert. Ich denke aber, dass bereits vorhandene Haltungen (z.B. Ich tue das, was man von mir erwartet - nur keinen Stress, ich will pünktlich und ohne Probleme nach Hause), das jahrelange Training von Kindesbeinen an das Handeln in einer Gemeinschaft, egal ob nun kritisch beäugt, akzeptiert oder begrüßt und nicht zuletzt die miliärische Ausbildung, die einen nahezu alternativlosen Ablauf bei der Verhinderung eines Grenzdurchbruches vorgab, stärker wirkten als eine politische Arbeit. Kotrollfrage: Wen hat die "Rotlichtbestrahlung" eigentlich hinter dem Ofen hervorgelockt? Was die politische Arbeit konnte, war die Lieferung von Argumenten, die zur Rechtfertigung dienen konnten. So zumindest in extremer Kurzform meine heutige Ansicht dazu.

@Lebo: Vielleicht liegt es nur daran, dass ich eine Weile nicht im Forum war. Jedenfalls bin ich im Momentt noh recht friedlich gestimmt. Um ehrlichh zu sein, ich trauere durchaus noch meinen Anfangszeiten im Forum hinterher, vor allem den Geschreibseln mit "turtle". Da könne man durchaus auch gleichzeitig streiten und zuhören. Moment mal, hat mich Dein Lob gerade dazu verleitet, von lten Zeiten zu schwärmen? Eieieiei ... Werd bloß nie alt!

@gmei & EK40: Danke für den Zuspruch - tut jut!

ciao Rainman2


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zuletzt bearbeitet 06.08.2011 23:35 | nach oben springen

#53

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 07.08.2011 14:56
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Interessanter Film. Wie immer habe ich nachher mehr Fragen als vorher. Bei Min.41 redet OSL a.D. Günter Ganßauge von Scheinminen und scharfen Minen (..zwei Reihen scharfe, eine Reihe Scheinminen in der Hauptrichtung; eine Reihe scharfe, zwei Reihen Scheinminen in der Nebenrichtung...). Was ist der Sinn von Scheinminen? Russisches Roulette im Grenzstreifen?
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/758597/page/1
Theo


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#54

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 07.08.2011 15:11
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Berechtigte Frage @eisenringtheo,stimmt,hatte bis dato auch noch nie was von Scheinminen gehört,dachte immer die waren alle scharf.


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#55

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 07.08.2011 15:15
von Pit 59 | 10.127 Beiträge

Das würde auch Überhaupt keinen Sinn ergeben.Ich glaube das Nicht.


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#56

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 07.08.2011 15:54
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Das war der sowjetische Vorschlag. Frage ist, ob man den umgesetzt hat. Im genannten Dokument steht auch drin, dass die 30m breite Minensperre bis ein km vor der Staatsgrenze wäre, also etwa am Beginn des 500m Schutzstreifens mit Durchgängen für die Einwohner. Ganz so schlecht wäre diese Lösung nicht gewesen. Die Minen hätten psychologisch eine grössere Abschreckwirkung gehabt, wenn auf der westlichen Seite mit Grenzsoldaten und baulichen Sperren zu rechnen gewesen wäre. Dieser Vorschlag der SU wurde ganz offensichtlich nicht umgesetzt.
Theo


zuletzt bearbeitet 07.08.2011 15:56 | nach oben springen

#57

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 07.08.2011 23:11
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo zusammen!

Ich habe die erdverlegten Minensperren in der Ausbildung 1979-1982 kennengelernt. 3 Minenlinien mit je einem Meter Abstand. Vom Scheinminen war da keine Minen. Von der Minenräumung haben wir auch keine diesbezüglichen Informationen erhalten.

Taktisch waren die Minen schon während unserer Ausbildung umstritten. Die erdverlegten sowieso, aber auch die SM70 in den Anlagen 501 und 701. Für die Grenzsicherung der 80-er Jahre sollten die Grundsätze gelten: Beweglicher, in der Tiefe gestaffelter Einsatz der Posten und Konzentration der Kräfte und Mittel in den wichtigen Richtungen zur entscheidenden Zeit. Die Minenanlagen zwangen uns zu einem Einsatz am Kolonnenweg rund um die Uhr. Die Ankündigung des Abbaus bzw. der Räumung der Minen entsprach also durchaus auch den taktischen Überlegungen.

Nach dieser Ankündigung stieg für wenige Wochen die Anzahl der versuchten Grenzdurchbrüche. Danach ging die Zahl wieder zurück. Das wurde von uns damals als Beleg angesehen, dass die Minen keine wirklich abschreckende Wirkung hatten für Leute, die fest entschlossen waren, das Land auf diesem Weg zu verlassen. Soviel noch als Ergänzung.

Ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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#58

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 08.08.2011 12:14
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat von Rainman2

...@frb: Ich glaube, die Rolle der Indoktrination wurde damals und wird heute auch im Bezug auf Grenze und Schusswaffeneinsatz überschätzt. Natürlich wurde in Propaganda und Agitation immer wieder auf die Leute eingehämmert. Ich denke aber, dass bereits vorhandene Haltungen (z.B. Ich tue das, was man von mir erwartet - nur keinen Stress, ich will pünktlich und ohne Probleme nach Hause), das jahrelange Training von Kindesbeinen an das Handeln in einer Gemeinschaft, egal ob nun kritisch beäugt, akzeptiert oder begrüßt und nicht zuletzt die miliärische Ausbildung, die einen nahezu alternativlosen Ablauf bei der Verhinderung eines Grenzdurchbruches vorgab, stärker wirkten als eine politische Arbeit. Kotrollfrage: Wen hat die "Rotlichtbestrahlung" eigentlich hinter dem Ofen hervorgelockt? Was die politische Arbeit konnte, war die Lieferung von Argumenten, die zur Rechtfertigung dienen konnten. So zumindest in extremer Kurzform meine heutige Ansicht dazu...



@Rainman2

Man sollte die politische Arbeit/Vorgaben allerdings auch nicht kleinreden, denn sie bestimmten über Befehle und Anweisungen das Handeln der militärischen Vorgesetzten und Untergebenen, neben der Androhung von disziplinarischen Konsequenzen bei Nichtausführung der politischen Forderungen. Nicht umsonst gab es die Politorgane bis in die GK der GT.


zuletzt bearbeitet 08.08.2011 12:31 | nach oben springen

#59

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 08.08.2011 14:07
von Lebowski | 61 Beiträge

Zu den Scheinminden kann ich nur vermuten das man diese "sichtbar" verlegt hat, so war die Wahrscheinlichkeit höher das ein Flüchtling bei "Umgehen" der Scheinminen auf eine scharfe Mine trat. Oder?


Wer interessieren will, muss provozieren.


Salvador Dali
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#60

RE: Geheimsache Mauer vorab gestern auf Arte

in Grenztruppen der DDR 08.08.2011 14:11
von Pit 59 | 10.127 Beiträge

Zu den Scheinminen kann ich nur vermuten das man diese "sichtbar" verlegt hat, so war die Wahrscheinlichkeit höher das ein Flüchtling bei "Umgehen" der Scheinminen auf eine scharfe Mine trat. Oder?@lebo

Wenn das so gewesen wäre Lebo,Perverser würde es dann auch nicht mehr gehen.


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