#941

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 09:43
von DoreHolm | 7.702 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #936
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #935

.




Was nützen uns sog. "Freiheitsrechte", wenn die materielle Grundlage dafür fehlt?


Interessant, die Freiheit braucht eine materielle Grundlage, worin soll die bestehen?
Ich dachte immer die Freiheit ist das weitestgehende nicht Vorhandensein von Einengung, wo setzt da nun die Materialität an?
[/quote]


Freiheit ist wie so viele andere Begriffe einer von der Konsistenz eines Flummi. Jeder kann diesen Begriff nach Belieben für sich selbst definieren.
Du mußt nicht mal in die Zeiten der Weberaufstände zurückgehen, kannst aber auch nicht das sozial immer noch ziemlich weit vorn liegende Deutschland als Maßstab nehmen. Klar, wer nichts mehr hat, dessen Verlust ihn treffen würde, der ist vollkommen frei. Keine Mietzahlungen, keine Sozialversicherung, keine Steuern, kein Heranziehen zu gesellschaftlichen Arbeiten, keine Kinder, für die Verantwortung zu tragen ist, kurz nichts, was ihn zu irgendwas verpflichtet, was er nicht freiwillig tun würde. Ob er sich nicht doch viel lieber darüber Gedanken machen würde, wie er ein paar erworbene Tausender zusammenhält und sie vor dem legalen oder illegalen Zugriff Anderer bewahrt ? Genauer nachgebohrt, wollen m.E. die Wenigsten eine vollkommene Freiheit. Es wird immer auf ein gewisses Maß an Verpflichtungen und Einschränkungen einerseits, aber auch Möglichkeiten andererseits hinauslaufen.



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 09:43 | nach oben springen

#942

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 09:50
von Heckenhaus | 5.146 Beiträge

Reisen ins westliche Ausland allein waren auch damals nie der Punkt, der angeblich alle DDR-Bürger einte.
Wer das behauptet dem fehlt irgendwo irgendwas.

Übrigens empfehle ich den zu großen Optimisten jetzt, zu dieser Stunde, das ZDF, Generaldebatte im Bundestag.
Gibt es anschließend sicher auch in irgend einer Mediathek oder auf YouTube.

Gysi hat die Dinge beim Namen genannt, für jeden nachvollziehbar und einleuchtend, im Anschluß Merkel mit den bekannten Lügen.
Phrasen, Parolen, seit Jahren vorgefertigte Redewendungen, alternativlos eben.
Kameraschwenks ins Präsidium zeigen die "Arbeit" der Minister, die mit sich und persönlichen Gesprächen beschäftigt sind,
anstatt ernsthaft zuzuhören und das Gehörte geistig zu verarbeiten.
Ein Parlament mit so wenig Disziplin ist einfach nicht akzeptabel.
Und das soll die Gesellschaftsordnung sein, die erstrebenswert ist ? Wo Armut wächst, Billiglöhner zunehmen, Billigshoppen zur Religion erklärt wird, wo Milch verschleudert werden soll und Bauern nicht mehr finanziell überleben können, Rentner noch arbeiten müssen, um überleben zu können ?

Aber reisen ist wichtig, ich lach mich kaputt über soviel geistigen.............. !

@Freienhagener, dir seine Meinung belassen, es hat eben jeder andere Beispiele. Berlin paßt dir nicht, wurde bevorzugt, ein Oderbruchdorf
paßt dir nicht, warum auch immer, was ist denn für dich repräsentativ ?


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
Damals87, Fritze, Signalobermaat, RudiEK89 und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 09:51 | nach oben springen

#943

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 13:09
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von Klauspeter im Beitrag #922
Zitat von Potsdamerin im Beitrag #914
Ich stelle fest, dass die Beurteilung, ob ein Staat gut oder schlecht ist, bei den meisten Menschen einfach nur vom persönlichen Wohlstand abhängt, den sie erreicht haben.

Ich verdiene gutes Geld. Meine Kinder konnten studieren. Meine Eltern haben eine gute Rente. Ich fahre jedes Jahr ins Ausland. Deshalb ist dieser Staat gut und die DDR war schlecht. Nur dürften wir dann auch niemanden verurteilen, der sich im Dritten Reich wohl fühlte und diesen Staat für gut befunden hat.
Tut mir leid. Mir ist das alles zu oberflächlich.
...



Ich bin mit Deinem Beitrag nicht so ganz klar gekommen - das kann aber an mir liegen.

Sicher ist es legitim, einen Staat zunächst danach zu beurteilen, ob man durch etwas Wohlstand oder fehlenden Wohlstand gut oder schlecht in ihm lebt. Welches Kriterium sollte man sonst anlegen? Wonach beurteilst Du, ob ein Staat gut oder schlecht ist ?

M.E. geht es der überwiegenden Mehrheit der Menschen in unserem Land gut. Fast alle haben alles, was sie zum Leben brauchen. Hunderttausende Menschen wollen zu uns, weil sie leben wollen.

Leider oder erfreulicherweise weiß keiner, wie sich sein Leben weiter gestalten wird. Wird es unseren Kindern und Enkelkindern weiter gut gehen, oder werden sie auch einen großen Krieg erleben?

Ich war und bin ein Freund der DDR. Aber in der DDR war es besonders in den letzten Jahren fast nicht mehr möglich, die Entwicklung des Landes, seine große politische Linie, mitzubestimmen. Es war auch fehlende echte Demokratie, die zum Untergang der DDR führte.
Aber irgendwie sind wir im vereinten Deutschland wieder an einer Stelle angekommen, wo eine echte Mitbestimmung nicht mehr möglich ist.
Oder täusche ich mich ?

Klaus




Für mich ist bei einem Staat (Regierung) zu allererst wichtig, was er für seine Bürger tut, wieviel Sicherheit er bietet. Und zwar für alle!
Ich habe nicht das Gefühl, dass die BRD-Regierung für mich oder irgend einen anderen Otto-Normalbürger da ist.
Sie kümmert sich nur darum, wie sie den Kapitalsiten das Leben noch leichter machen kann.
Milva hat so schön gesungen: " ... das Recht ist für alle gleich. Nur für die einen ist es gleicher. Und die sind auch ein bischen reicher..."
Das war schon vor '89 so in der BRD. Und die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter aus einander. Das sehe ich schon in meiner Verwandtschaft. Die einen wollen mit den anderen schon gar nix mehr zu tun haben. Könnte ja sein, dass einer was wollen könnte.

Wir waren in der DDR doch alle mehr bei einander, auch das Einkommen betreffend. Und dem entsprechend entspannt war auch das Leben mit einander.
Jeden Monat wurde von unserer Hausgemeinschaft ein Hausfest organisiert mit Grillen und Spiele für die Kinder. Heute kennt man sich in größeren Häusern kaum noch. Jeder hat mit sich selbst und seinen Problemen zu tun.
Die DDR-Regierung hatte es jedoch geschafft, das Leben für seine Bürger weitest gehend stressfrei zu halten. Man hatte Zeit und Nerven für sich und andere.
Weshalb bekommt man heute denn kaum einen Termin bei einem Psychologen? Wartezeit 6 - 9 Monate. Doch nicht, weil heute alle so glücklich und zufrieden sind? Zu DDR-Zeiten brauchte man nicht einmal einen Termin, geschweige denn einen Psychologen. (Trotzdem hätte ich das gerne studiert - mal nebenbei bemerkt.)

Man konnte in der DDR angstfrei leben. Keine Angst vor der Zukunft, keine Existenzängste, keine Angst seine Kinder allein großzuziehen, keine Angst vor Drogen oder Aids, keine Angst nachts allein auf der Straße. Hier und heute muss man schon am Tage auf der Hut sein.

Materiell gesehen geht es mir heute viel besser. Ich lebe allein in einer 3-Zi.-Wohnung (69 qm) für 395 € warm. Für alle restlichen Ausgaben habe ich 1000 € zur Verfügung. Das ist für einen EU-Rentner nicht schlecht, oder? Die Wohnung ist - ich liebe Kiefer - komplett eingerichtet. Wenn ich wollte, stünde auch ein Auto vor der Tür. Aber ich kann das alles nicht genießen, weil ich sehe, wie es meiner Familie geht. Wie Nachbarn und Freunde manchmal zu knapsen haben. Und überalle sind so viele Löcher bei ihnen, die ich alle gar nicht stopfen kann.
Und da sehne ich mich eben nach dem Leben in der DDR. Ich wäre noch gesund, hätte meinen tollen Job. Die Kinder hätten auch beide längst Familie. (In diese Welt wollen sie keine Kinder setzen. Deshalb werde ich wohl nie Großmutter werden :(( ] Und auch allen anderen würde es gut gehen, jedenfalls so gut, dass ich nicht dauernd Löcher stopfen müsste. Und da würde mich auch keine Mauer stören.
Und nachts wäre nicht so ein Krawall auf der Straße und nicht überall zerdöpperte Bierflaschen. Und tagsüber hätte man freundliche, deutsch sprechende Menschen um sich. Keine Ahnung, weshalb die Ausländer immer so laut sind und so frech? Erst am Wochenende - es gab nicht eine einzige Kartoffel mehr im Supermarkt, weil so viele Asylanten da waren. Die Wurst war komplett durch einander geworfen. Die haben sich aufgeregt, dass da überall nur Schwein drin ist, sagte die Kassiererin zu mir. Und sie müssten sich mit dem Sortiment erst umstellen. Wir hatten in der DDR doch auch Ausländer. Aber die haben sich anders benommen. Ich vermisse den guten alten ABV und unsere hilfsbereite Polizei und die gut erzogenen Kinder und und und

Übrigens meine erste Begegnung mit einem Betrüger:
Kurz nach der Wende, ich war gerade beim Gardinen waschen. Da klingelt es. Ein großer dunkelhaariger Mann in einem Talar steht vor der Tür und stellt sich als der neue Pfarrer der Gemeinde vor und wollte mal schauen, wie es mir so geht. Bereitwillig ließ ich Dummerchen ihn hinein, schaffte meine Gardinen beiseite und bot ihm Kaffee an. Aber er hatte sich nur kurz umgesehen (wollte ja sehen, wie es mir geht, ne.) und meinte, er kommt ein ander Mal, wenn ich nicht so viel zu tun hätte. Beim nächsten Kirchengang war ich dann sehr verwundert, dass ein blond haariger Pastor vor dem Altar stand. Ich sprach ihn an und fragte nach dem anderen Pfarrer. Tja, den gab es gar nicht.
Seit dem lasse ich niemanden mehr so einfach in die Wohnung und der Türspion ist in ständiger Benutzung.
Ach ja, der "falsche Pastor" musste wohl gesehen haben, dass es mir doch nicht so gut ging. Jedenfalls hat er sich nicht mehr blicken lassen.


Klauspeter, RudiEK89 und bürger der ddr haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#944

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 13:16
von Schakal | 271 Beiträge

@Potsdamerin , die Welt verändert sich nunmal. Das war schon immer so. Wenn alles immer gleich bleiben würde, lebten wir wahrscheinlich noch auf Bäumen und würden in den Wald scheissen. Bei allem Verständnis, aber wäre es nicht einfacher etwas flexibler zu werden und sich neuen Gegebenheiten anzupassen (nicht unterzuordnen), als der Vergangenheit nachzutrauern?


--- Ex oriente lux.---
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 13:16 | nach oben springen

#945

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 13:25
von Potsdamerin (gelöscht)
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Zitat von Schakal im Beitrag #944
@Potsdamerin , die Welt verändert sich nunmal. Das war schon immer so. Wenn alles immer gleich bleiben würde, lebten wir wahrscheinlich noch auf Bäumen und würden in den Wald scheissen. Bei allem Verständnis, aber wäre es nicht einfacher etwas flexibler zu werden und sich neuen Gegebenheiten anzupassen (nicht unterzuordnen), als der Vergangenheit nachzutrauern?


Sich "anpassen", mit dem Strom schwimmen, das wäre mit Sicherheit einfacher. Da gebe ich die völlig recht.

Wenn ich jedoch in der Geschichte mal so zurückschauen, die großen Revolutionäre waren nicht gerade die angepassesten. Aber sie waren es, die die Veränderungen, von denn du sprichst, herbei geführt haben.


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#946

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 13:29
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #939
Ich hör noch meinen Opa, Baujahr 1890, "Am besten ging es uns von 33 bis 39", Vollbeschäftigung, Wohnungsbauprogramm, Volksgemeinschaft, konnte man doch nicht meckern, oder?
Wäre der Führer, so wie es zum Beispiel die Verräter der 'Septemberverschwörung' planten, im Jahre 38 bei dem Putschversuch im inszenierten Handgemenge in der Reichskanzelei erschossen worden ... na dann wäre er wohl als einer der größten Deutschen in die Geschichte eingegangen.

Zitat von Lutze im Beitrag #940
... ,oder man heiratet einen reichen Partner?zu DDR-Zeiten nützte sowas auch nichts um mal ins westliche Ausland zu fahren
Also Heirat war schon eine Option, nur sollte der auserwählte Gemahl nicht (nur ?) reich, sondern vor allem Inhaber des 'richtigen' Passes sein.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 13:30 | nach oben springen

#947

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 14:41
von Heckenhaus | 5.146 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #944
... die Welt verändert sich nunmal. Das war schon immer so. Wenn alles immer gleich bleiben würde, lebten wir wahrscheinlich noch auf Bäumen und würden in den Wald scheissen. Bei allem Verständnis, aber wäre es nicht einfacher etwas flexibler zu werden und sich neuen Gegebenheiten anzupassen (nicht unterzuordnen), als der Vergangenheit nachzutrauern?


Das tut die Welt, aber nicht zum Besseren. Das dürfte auch dem einfältigsten Geist erkennbar sein.
Und was die Kultur anbelangt die Notdurft betreffend, sauberer sind die Menschen nicht geworden. Sie scheissen zwar nicht mehr in den Wald,
dafür vermüllen sie ihr Umfeld zunehmend auf andere Art und Weise.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#948

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 15:08
von Grenzläufer | 1.775 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #946

Wäre der Führer, so wie es zum Beispiel die Verräter der 'Septemberverschwörung' planten, im Jahre 38 bei dem Putschversuch im inszenierten Handgemenge in der Reichskanzelei erschossen worden ... na dann wäre er wohl als einer der größten Deutschen in die Geschichte eingegangen.



Ich kann es mir nicht vorstellen. Mein Kampf ist eine üble wirre Propagandaschrift, das erkennt jeder halbwegs politische gebildete Mensch heutzutage, der das Buch liest.
Zudem hatte er schon bis 1938 Konzentrationslager für Andersdenkende errichten lassen. Die Machtübernahme 1933 war alles andere als demokratisch. Man würde in ihm einen machtbesessenen Diktator sehen analog evtl. Mussolini in Italien.

Schade, dass Putschversuch 1938 nicht klappte, der Welt wäre viel Leid erspart geblieben.
Zwei Monate später brannten in Deutschland die Synagogen.


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#949

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 17:09
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #942


@Freienhagener, dir seine Meinung belassen, es hat eben jeder andere Beispiele. Berlin paßt dir nicht, wurde bevorzugt, ein Oderbruchdorf
paßt dir nicht, warum auch immer, was ist denn für dich repräsentativ ?


Ein Oderbruchdorf kann nicht repräsentativ sein, ganz objektiv. Und Berlin habe ich nicht erwähnt (tatsächlich waren dort die größten Demos, wenn auch etwas verspätet).

Aber daß selbst bei berechtigter Kritik an Früherem von Einigen reflexartig dagegengehalten wird, da wundert man sich nicht mal mehr.
Wenn Dir die Vorstellung gefällt, daß Honecker gestürzt wurde und schließlich die Alleinherrschaft der SED, ohne daß die Mehrheit der Bevölkerung Druck machte, bittesehr..........


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 17:17 | nach oben springen

#950

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 17:59
von Heckenhaus | 5.146 Beiträge

Dir muß es ganz besonders schlecht gegangen sein...


.
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— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#951

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 18:01
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #950
Dir muß es ganz besonders schlecht gegangen sein...


Materiell nicht so sehr. Mache denken darüber hinaus, außerhalb des Oderbruchs

Was Du dort an Errungenschaften aufgezählt hast, ist außerhalb der "3. Welt" selbstverständlich nach nahezu 40 Jahren Aufbau.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 18:04 | nach oben springen

#952

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 18:12
von Heckenhaus | 5.146 Beiträge

Ich laß dir deine Meinung gerne, aber ich werde meine weiterhin vertreten, wenn du gestattest, @Freienhagener.
Und wenn du meinst, ich hätte das nicht getan,

Zitat
Mache denken darüber hinaus, außerhalb des Oderbruchs


sehe ich es dir nach.


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#953

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 20:04
von Klauspeter | 987 Beiträge

@Potsdamerin:

Danke für Deine ausführliche Antwort.
Vielen Überlegungen Deines Vergleiches DDR – BRD stimme ich zu.
Persönlich habe ich miterlebt, unter welch komplizierten Bedingungen
die DDR entstand: die verheerenden Folgen des Krieges; Verbündete der DDR, deren Land durch den Krieg ausgeblutet war; der kalte Krieg mit einem Rüstungswettlauf, der uns letztlich in die Knie zwingen musste.

Ich vergesse nie, dass ich in der DDR lernen und arbeiten konnte, das meine Kinder in ordentlichen Berufen arbeiten konnten und wir uns als Familie gemeinsam wohl fühlten. Ich habe in der DDR viele liebenswerte Menschen kennengelernt; wir haben gern und lustig gefeiert und waren ausgelassen.

Ich vergesse aber auch nicht die Dinge, über die ich mich in der DDR geärgert habe und die ich dann auch irgendwann nicht mehr verstehen konnte.
Wir sind satt geworden in der DDR, konnten uns vernünftig kleiden, Theater und Konzerte waren finanziell erschwinglich, die Schulbildung fast kostenlos – und dennoch war die Mangelwirtschaft spürbar.

Nur ein Beispiel:
Zum Leben eines Berufssoldaten gehörten auch Versetzungen. Problem Nr.1 dabei –am neuen Standort eine Wohnung zu bekommen. Ich bin 2 Jahre täglich von Halle/S. nach Leipzig mit der Deutschen Reichsbahn gefahren. Über meine diesbezüglichen Erlebnisse könnte ich ein Buch schreiben! Ich nenne nur die Zugverspätungen; überhitzte oder kalte Züge; überfüllte Züge. Abends 22 Uhr war es fast unmöglich, am Kiosk auf dem Leipziger Bahnhof noch was zu essen zu bekommen – entweder schon geschlossen oder nichts mehr da. Meine Trabbi-Bestellung lief noch; den Abteilungs-Dienstwagen nutzte der Chef, um sich die 6 Straßenzüge in Leipzig weiter nach Hause fahren zu lassen.

Nach 2 Jahren bekam ich in Leipzig eine Wohnung. Glücksfall, weil das Leipziger MSR nach Bad Frankenhausen verlegt wurde und einige Wohnungen frei wurden.
Sofort kam das nächste Problem – eine Firma zu finden, die den Umzug durchführt.
Das kostete schon Nerven, weil sich bei jeder Versetzung das gleiche nervenaufreibende Spiel wiederholte.

Mich störte in der DDR die Politikverbreitung mit dem Holzhammer.
Auch nur 1 Beispiel.
Ich erinnere mich an die Auswertung einer „ganz wichtigen“ ZK-Tagung. Alle Berufssoldaten mussten in den Kinosaal einrücken. Mehrere Offiziere der PLA verlasen nacheinander die fürchterlich lange Rede des Generalsekretärs nebst den „wichtigsten“ Diskussionsbeiträgen in vollem Wortlaut. Nach 2 Stunden schliefen sehr viele. Die Meinungen über diese Veranstaltung war einstimmig (hinter vorgehaltener Hand).

Mich störte in der DDR die immer wieder anzutreffende Bevormundung.
Dazu auch ein Beispiel.
Nachdem wir – entsprechend den geltenden Wartezeiten – unseren Trabbi bekamen, sollte unsere erste Familienfahrt an die Kriebstein-Talsperre gehen. Wer sich dort auskennt weiß, dass es dort eine Steigung gibt, die der Trabant nur im 1. Gang schaffte. Außerhalb des Standortes Leipzig – also brauchte ich einen Urlaubsschein (machte sonst kaum einer, aber hin und wider pochte der Vorgesetzte darauf). Mein Vorgesetzter weigerte sich zu unterschreiben, weil mir die PKW - Fahrpraxis fehlte. Weil mehrere maulten, gab er dann doch nach und unterschrieb. Sicher ein Stück Sorge um mich und meine Familie – letztlich aber Gängelei erwachsener Menschen.

Ich wäre auch bei offener Grenze nicht in die BRD gegangen.
Und dennoch –
Bei Gesprächen mit Soldaten und Uffz. kam oft die Frage, warum wir die DDR-Bürger einsperren müssen. Die Antwort war nicht einfach.

Mich störte, dass man sich in der DDR ziemlich gut überlegen musste, wem man was sagt. Misstrauen war da und besonders spürbar war das ab 1985.

Welchen Staat ich mir wünsche?
Einen Staat, in dem ich meine Meinung sagen kann, ohne das mir offen oder versteckt einer reingewürgt wird.
Ein Staat, in dem ich mich nicht eingesperrt fühle.
Ein Staat, in dem Leistung sich lohnt und in dem jeder auch nach seinen Fähigkeiten ehrlich entlohnt wird.
Vor allem aber wünsche ich mir einen Staat, in dem Friedenspolitik oberstes Gebot ist.

Nicht alle meine diesbezüglichen Wünsche erfüllte die DDR. Aber auch die BRD entfernt sich immer mehr von diesen Idealen.
1989 gingen die Menschen friedlich für Veränderungen auf die Straße. Ich hoffe, dass ich so etwas noch einmal erleben werde.

Klaus


Damals87, Arnstädter, Heckenhaus, der 39. und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#954

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 20:35
von Hanum83 | 4.778 Beiträge

Zitat von Grenzläufer im Beitrag #948
Zitat von 94 im Beitrag #946

Wäre der Führer, so wie es zum Beispiel die Verräter der 'Septemberverschwörung' planten, im Jahre 38 bei dem Putschversuch im inszenierten Handgemenge in der Reichskanzelei erschossen worden ... na dann wäre er wohl als einer der größten Deutschen in die Geschichte eingegangen.



Ich kann es mir nicht vorstellen. Mein Kampf ist eine üble wirre Propagandaschrift, das erkennt jeder halbwegs politische gebildete Mensch heutzutage, der das Buch liest.
Zudem hatte er schon bis 1938 Konzentrationslager für Andersdenkende errichten lassen. Die Machtübernahme 1933 war alles andere als demokratisch. Man würde in ihm einen machtbesessenen Diktator sehen analog evtl. Mussolini in Italien.

Schade, dass Putschversuch 1938 nicht klappte, der Welt wäre viel Leid erspart geblieben.
Zwei Monate später brannten in Deutschland die Synagogen.




Ich weiß nicht recht, je länger ich nachdenke um so mehr komme ich zu der Überzeugung das der Deutsche mit Demokratie nichts rechtes anfangen kann.
Vom Preußentum über Adolf und die DDR zieht sich doch so etwas wie eine imaginäre Linie, wir brauchen eine klare Ansage wo es langgeht, dann noch paar Flinten ausgeteilt und die Welt ist wieder in Ordnung, bringt man scheinbar einfach nicht raus das Gen.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#955

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 20:57
von 94 | 10.792 Beiträge

Na da schrammste aber ganz knapp am Forumsparagrafen 4.8 vorbei mit dieser Gleichsetzung. Hoffe ma das nun keiner der uffzigen Piefkes, ähm ... der üblichen Verdächtigen wollt ich meinen, nun das Meldeknöpfle benutzt?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#956

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 20:59
von Hanum83 | 4.778 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #955
Na da schrammste aber ganz knapp am Forumsparagrafen 4.8 vorbei mit dieser Gleichsetzung. Hoffe ma das nun keiner der uffzigen Piefkes, ähm ... der üblichen Verdächtigen wollt ich meinen, nun das Meldeknöpfle benutzt?


Das nacheinander nennen von geschichtlichen Abschnitten ist eigentlich keine Gleichsetzung.
Wenn man da schon den Meldeknopf drücken kann, gute Nacht Diskussionskultur.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
Grenzläufer und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.09.2015 21:04 | nach oben springen

#957

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 21:07
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Hatte nicht unlängst jemand ein Video mit Zitaten (?) von Carl Friedrich von Weizsäcker aus der "Bedrohte Friede"in die Diskussion eingeworfen?

Das soll tatsächlich von ihm sein

Das deutsche Volk bewertete er wenig schmeichelhaft wie folgt:

Absolut Obrigkeitshörig,
des Denkens entwöhnt,
typischer Befehlsempfänger,
ein Held vor dem Feind,
aber ein totaler Mangel an Zivilcourage!


LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 09.09.2015 21:09 | nach oben springen

#958

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 21:14
von Hanum83 | 4.778 Beiträge

Wir arbeiten aber an uns


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#959

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 21:48
von Fritze | 3.474 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #951
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #950
Dir muß es ganz besonders schlecht gegangen sein...


Materiell nicht so sehr. Mache denken darüber hinaus, außerhalb des Oderbruchs

Was Du dort an Errungenschaften aufgezählt hast, ist außerhalb der "3. Welt" selbstverständlich nach nahezu 40 Jahren Aufbau.



"Sing mei Sachse ,sing ! "


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#960

RE: Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

in Das Ende der DDR 09.09.2015 21:49
von Grenzläufer | 1.775 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #954


Ich weiß nicht recht, je länger ich nachdenke um so mehr komme ich zu der Überzeugung das der Deutsche mit Demokratie nichts rechtes anfangen kann.
Vom Preußentum über Adolf und die DDR zieht sich doch so etwas wie eine imaginäre Linie, wir brauchen eine klare Ansage wo es langgeht, dann noch paar Flinten ausgeteilt und die Welt ist wieder in Ordnung, bringt man scheinbar einfach nicht raus das Gen.


Ich denke, wir sind mit der Demokratie und unserem Grundgesetz die 66 Jahre ganz gut gefahren und die Deutschen kommen genauso gut mit der Demokratie zurecht wie Franzosen oder Italiener. In dieser Zeit mit unseren Nachbarn wie Polen, Frankreich, Tschechien ausgesöhnt, eigentlich können wir ganz zufrieden sein.

Wenn du deine Linie ziehst, Preußentum, zu Bismarck und Wilhelm I fallen mir weniger gute Sache ein.
Deutsch-Deutscher Krieg 1866, Preußisch-Französischer Krieg 1870/1871, Kaiserkrönung in Versailles um die Franzosen zu demütigen.
Reparationsforderungen an Frankreich und dieses rächte sich dann später mit dem Versailler Vertrag 50 Jahre später.
Dann Wilhelm II., der wie ein Tollpatsch in den 1.Weltkrieg einrutschte.

Danach Weimarer Republik, die angesicht der widrigen Umstände ganz gut funktionierte bis der greise Hindenburg zum Reichspräsident gewählt wurde. Ein Verfechter der Monarchie in einen demokratischen Amt, das konnte nicht gut gehen.
Bei der Reichstagswahl 1932 wählen 1/3 der Wähler die NSDAP aber 2/3 wählten sie immerhin nicht. Und der greise Hindenburg bestimmte ohne Not Hitler zum Reichskanzler. Mit einem Friedrich Ebert als Reichspräsident wäre das nie und nimmer passiert.

Heutzutage haben eine wehrhafte Demokratie, nicht umsonst wurde die Sozialistische Reichspartei Deutschland, SRPD, die sich in der Tradition der NSDAP sah, 1952 vom Bundesverfassungsgericht verboten und das war auch gut so.
Etwas mehr direkte Demokratie wie in der Schweiz wäre noch wünschenswert.


Hanum83 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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