#1

Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 26.04.2009 20:44
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo zusammen, habe hier einen interessanten Bericht über eine Flucht eines Grenzers gefunden, sollte unbedingt bis zum Ende gelesen werden.
http://meine-flucht.over-blog.de/article-23730128.html
Gruß, Augenzeuge


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#2

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 27.04.2009 06:49
von S51 | 3.733 Beiträge

Nun, was soll´s. Ich denke, er kann von Glück reden.
Hätten sie ihn gekriegt, wären auch wegen der "Untreue" in Bezug auf die falschen Bilanzen für ihn alle Züge abgefahren. So ein bis drei Jahre hätte er sicher zumindest auf Bewährung kassiert. Und ob die Sache wirklich so selbstlos war - inzwischen egal. Seine Zukunft, jedenfalls als "gutes leben" in der DDR war erledigt.
Nicht wenige sind ausgebüchst, weil sie sich nicht zu Unrecht ausrechneten, dass sie wegen dieser oder jener Kleindelikte in der Bundesrepublik im Gegensatz zur DDR keine Verfolgung zu erwarten hatten.
Dass es teilweise extrem einfach war, zu flüchten, weiß ich. Im Harz hätte man teilweise nur bequem am Brocken vorbeilaufen und mal eben über den 3 m Zaun klettern müssen. Das war bis 1987, vereinfacht ausgedrückt, eigentlich alles. Wenn die Leute das gewußt hätten, sie hätten uns umgerannt.
Man hat ihm im Westen nicht getraut? Wen wundert´s? Unabhängig vom offiziellen politischen Gedöns wußten sie dort auch Bescheid.
Nun ist er wieder zurück und stellt fest, dass gegenseitige Solidarität und Achtung doch sehr von dem Umstand abhingen, aufeinander angewiesen zu sein. Steigt die Konkurrenz, geht das andere den Bach hinunter. Gerade ihn sollte es nicht wundern.
Genaugenommen hat er viel Glück gehabt. Unsereins (ich meine mich und co.) haben ihn früher nicht hochgenommen. Wollen wir mal hoffen, dass er danach ehrlich geworden ist. Er hat offensichtlich ein relativ erfolgreiches Leben danach gehabt. Mag er es geniessen. Prost.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#3

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 27.04.2009 16:05
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo S51,
danke für den Kommentar. Die Idee mit den gebogenen Gabeln fand ich irre. Da muss man erst mal drauf kommen. War das wirklich so einfach am Brocken abzuhauen? Wieso soll das dort einfacher gewesen sein? Man musste doch erstmal ins Grenzgebiet kommen. Diese 5km wurden doch auch überwacht. Dann der Signalzaun? Ohne Hilfsmittel war der doch nicht zu überwinden, oder? Ich kenne jemanden, der es noch 1989 versucht hatte, aber der war schon lange vor dem Signalzaun erwischt worden. Pech, was? Aber man wusste ja als DDR-Bürger nicht genau was da lief. Selbst mit den Minien war man unsicher. Ich wäre, wenn ich gemusst hätte, von Ungarn nach Jugoslawien rüber....


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#4

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 29.04.2009 06:43
von S51 | 3.733 Beiträge

Die Sperrzone am Brocken an der oberen Kreuzung begann kurz vor der Brockenstraße. Man konnte selbige sehen. Nicht wenige (relativ) sind dort bzw. an der alten Ilsenburger Straße hinein, dann oberhalb des Eckerloches an den Hunden vorbei und schließlich oberhalb des Goethebahnhofs auf den Kolonnenweg getroffen. Mit etwas Geduld war der Posten ausrechenbar. Nach links (südliche Richtung) endete der Signalaufsatz auf dem Zaun. Dort sind sie dann rüber und hatten noch etwa 30 m zu laufen...
Wenn sie sich nicht verirrt haben. Recht genau am Tage meines Wechsels nach Schierke ist einer diesen Weg gegangen. Bei dichtem Nebel hat er den Zaun überklettert, ist dann aber nicht nach links, sondern rechts die Ecker hinuntergelaufen. Die ganze Nebelnacht den Trampelpfad hinunter. Kaum einen Meter von der Grenzlinie entfernt. Nördlich des Brockengipfels hat er dann ganz die Orientierung verloren und ist wieder in östliche Richtung. Bis er zwischen Scharfenstein und Brocken wieder vor dem Zaun stand. Dort hat er sich an das Westfernsehen erinnert (Zwei Zäune sind zu überwinden) und ist wieder rübergeklettert. Zum Glück blieben die Felder stehen (zum Umschmeißen reichte dort schon manchmal starker Wind). Es war immer noch Nebel. Genau zu der Zeit, als die erste Kontrollstreife den Stein- äh Spurenstreifen kontrollierte. Da war er dann wieder "zu Hause". Gerüchteweise soll er die Kollegen auf englisch angesprochen haben (nicht sie ihn zuerst). Angesichts dessen und der Richtung dachten sie natürlich, so jemand wie Bond persönlich wäre da...
Während ich in der Kompanie abgesetzt wurde, war gerade Grenzalarm und der KC begrüßte mich "Da hätten sie auch in Ilsenburg warten können..."
Andere hatten mehr Glück. Im Frühjahr 1984 sind zwei etwa den selben Weg gegangen. Allerdings vor dem Goethebahnhof und hinter dem darunter beginnenden Signalzaun nach links abgebogen und auf den Wurmberg zugegangen. Die sind dann mitten am Tage vor allen Leuten unterhalb des Winterberges zwischen BT und FüST über den Zaun.
Im Frühsommer 1985 hat einer die kurze Strecke bis zum dreieckigen Pfahl genommen, auch erfolgreich. Dem ist dann rund einen Monat später einer gefolgt, der aber noch vor der Ecker nach rechts in das Moor abgebogen ist. Am Tage danach sind wir noch etwa 150 m hinterher gefolgt, dann wollten die Hunde nicht mehr. Als es beim Beratschlagen einem GAG beinahe den Stiefel ausgezogen hat (er ist durch den morschen Knüppeldamm gebrochen), haben wir den Hunden Recht gegeben und die Suche beendet. Auch beim BGS war nicht erkennbar, ob der GV angekommen ist. Wir haben von ihm nur den Knüppel gefunden, mit dem er über den Zaun geklettert ist, mehr nicht.
In allen diesen Fällen haben wir die Spuren mit Fährtenhunden zurück verfolgt. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Allgemein war die Erfolgsquote derjenigen, die es bis in den Schutzstreifen geschafft haben, etwa bei 50 %.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#5

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 29.04.2009 06:57
von S51 | 3.733 Beiträge

Der BGS kannte die Gegebenheiten. Wir hatten oft den Eindruck, dass in offiziellen Berichten nur die gut ausgebauten Grenzabschnitte gezeigt wurden. Selbst, wenn es um den Brocken ging, waren immer nur die Bereiche um den Winterberg zu sehen. Eben dort, wo es tatsächlich Spurenstreifen, Signalzaun und noch einen zweiten Zaun gab.
Ich persönlich glaube, dass man gar nicht vorhatte, allzu viele Leute über die Grenze zu locken. Es sollte wohl ehr abschreckend wirken. Dadurch hielt man die Region um den Brocken für andere, nicht so offensichtliche Dinge offen. Wohl von beiden Seiten.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#6

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 29.04.2009 16:25
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo S51, danke für die ausführliche Schilderungen- auch die im anderen Thread. Sehr informativ.


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#7

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 02.06.2009 23:29
von Grenzfuchs | 445 Beiträge

G E G E N D A R S T E L L U N G

Ich war dabei - nee - ich hatte UvDwut]

Hier die Geschichte von unserem Koch, welcher in der Nacht des 16.06.1974 der Meinung war, unsere Kompanie gen Westen zu verlassen.
Eine wahre Geschichte aus meiner Erinnerung geschildert.

Warum auch immer, ich hatte wieder einmal UvD und hatte Abends meine Genossen zum Wachdienst eingeteilt. Bin mir zwar heute nicht mehr ganz sicher, ob wir noch Kompaniesicherung oder schon die Bataillonssicherung eingeführt hatten, spielt aber keine Rolle. Unsere Kompanie hatte Dienst.
Kurz nach dem Abendessen kam unser Koch, mit Spitznamen „Ali“ zu mir und sagte, dass er mal raus muss, er hatte einen anstrengenden Tag und wollte vorn in Juchhöh an der Eckkneipe ein Bier trinken. Der Ausgang war genehmigt und ich gab ihm gegen Quittung seine Ausgangskarte. Mit einem kurzen Gruß verabschiedete er sich.
Ergänzen möchte ich noch, dass er noch nicht allzu lange in der Kompanie war, kam so, glaube ich im Oktober / November 1973 in unsere Kompanie als ganz normaler Soldat und wurde in der Küche eingesetzt. Eigentlich war er ganz in Ordnung, wir konnten uns über das von ihm und dem „Chefkoch“ bereit gestellte Essen nicht beklagen, er war bemüht den Tisch immer ausreichend gedeckt zu haben, auch gab es zig Beilagen. Wir wurden wirklich satt und waren zufrieden. Bei Grenzlagen sorgte er stets zu unserer Zufriedenheit für ausreichend „Futter“ am Kanten.
Auch wenn hin und wieder „Einzelwünsche“ bezüglich von „Sonderrationen“ an ihn gestellt wurden, gab es seinerseits keine Probleme.
Na jedenfalls hat ihn die Führung Anfang 1974 dazu überreden oder vielleicht auch überzeugen können, seinen GWD auf 3 Jahre zu verlängern. Der zu diesem Zeitpunkt eingesetzte Koch, und das weiß ich heute nicht mehr, sollte wohl in einer anderen Kompanie eingesetzt werden.
Gesagt und getan, er ließ sich dazu überreden von jetzt an den Chefkoch zu spielen und erhielt wohl als Dankeschön „kleine Privilegien“. Diese bestanden darin, dass er öfters Ausgang (auch in Bereiche wo wir nie hinkamen) bzw. Urlaub bekam und auch so gewisse Narrenfreiheiten besaß.
Also an dem Abend, als er in den Ausgang ging, hat sich wohl keiner unserer Grenzer träumen lassen, dass wir ihn das letzte mal zu Gesicht bekommen sollten.
Die abendlichen Wachstunden verliefen ohne Zwischenfälle, im Abschnitt war alles ruhig. Der zum Nachdienst eingesetzte Zug wurde von einem im mittleren Alter und kleinen drahtigen Hptm. geführt. Er war total in Ordnung und nicht so streng und energisch wie manch anderer Zugführer. Er kam von den Pionieren in unsere Kompanie, muss wohl auch entweder Herbst 1973 oder Frühjahr 1974 gewesen sein.
Der Hptm. Neu...., den Namen weiß ich nicht mehr, war zur Kontrolle mit einem Trabbi oder P3 unterwegs. Welchen konkreten Auftrag er hatte, weiß ich auch nicht mehr.
So um Mitternacht erkundigte sich einer meiner Wachsoldaten vorn vom Kasernentor, ob denn der „Ali“ schon wieder rein sei, was ich verneinte, denn seine Ausgangskarte war noch nicht hinterlegt.
Na ja, wir haben uns anfänglich nichts weiter dabei gedacht, obwohl vorgeschrieben war, dass 24:00 Uhr Ausgangsschluss war. Hinterrund unserer anfänglichen Sorglosigkeit war, dass wir wussten, dass der „Ali“ in Gebersreuth eine Freundin hatte und er hin und wieder dort „abtauchte“.
Allerdings hätte er hierzu zwingend an der Wache am Tor vorbei laufen müssen und gesehen hatte ihn die Wache aber nicht. Da aber viele Wege bekanntlich nach Rom führen, entschloss ich mich dann den Uffz. in der Führungsstelle Bescheid zu sagen, er soll doch im Abschnitt bei den einzelnen Posten nachfragen, ob der „Ali“ gesehen wurde.
Da alles negativ war, erhielt der Hptm. den Auftrag die Kneipe anzufahren und zu prüfen, ob der „Ali“ noch dort rumhängt. Zwischenzeitlich wurden alle Wachsoldaten aktiviert und haben den Bau auf den Kopf gestellt. Weder in der Kompanie noch in der Kneipe wurde er angetroffen. Einziger Hinweis in der Kneipe, er hatte Mantel, Mütze und Koppel hängen gelassen. Der Wirt hierzu befragt, meinte sinngemäß, dass er ihm noch sagte, dass er seine Sachen vergessen habe. Darauf soll er sinngemäß gesagt haben, lass sie hängen, ist ein Grund zum wiederkommen.
Nun war guter Rat teuer und ihr wisst sicher aus eigener Erfahrung was da losging.
Die ganze Maschinerie wurde in Bewegung gesetzt den Koch suchen. Ein Streife klingelte die Freundin raus, allerdings ohne Ergebnis.
Na, Grenzalarm war die letzte Maßnahme und alles stürzte im Abschnitt rum, um „Ali“ zu suchen / festzunehmen.
Aufgrund der Dunkelheit war aber eine Suche nicht unbedingt zwingend erfolgreich, ebenso negativ die Spurensuche am K6.
Mit Tagesanbruch und dem allmählichen heller werden, übernahm dann der KC T….. selber mit dem P3 die Suche. Im Morgengrauen, es kann zwischenzeitlich so um halb 5 gewesen sein, hat er dann am Grenzzaun "Steigeisen" in Form von Fleischerhaken aus Aluminium festgestellt und nach dem Grenzzaun im westlichen Teil frische Spuren im Gras, schnurstracks in den Westen gesehen.
Es galt somit zu 100% sicher, dass dem Koch die Fahnenflucht geglückt war!

Die "Durchbruchstelle" befand sich ca. 50 -100m rechts der jetzt wieder existierenden und offen Straßenverbindung Gefell - Töpen an der B 2.
Tja was soll ich sagen, der KC hat getobt, wie ich ihn noch nie erlebte. Die „Messen waren gelesen“!
Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, hat der Zugführer, also der Nachts für diesen Abschnitt verantwortlich war, mörderischen Ärger bekommen, ebenso die Soldaten, welche in dem Abschnitt zur Grenzsicherung eingesetzt waren. Im Bereich der B 2, also rechtsseits an einem Waldrand, ca 300m unterhalb der Kneipe war nur ein Postenpaar eingesetzt, was damals sein Glück war. Normalerweise waren in diesem Abschnitt oftmals 2 Postenpaare eingesetzt. Ein anderes Paar war am Schlagbaum oberhalb der Kneipe an der B 2 stationiert.
Was da aber im konkreten ablief, also im Rahmen der Auswertung seiner Flucht, verblieb mir wie auch zum Teil den anderen Soldaten verborgen.
Das Einzige was ich aus der Erinnerung heraus noch weiß, ist, dass er parallel zur B 2 seinen Fluchtweg gewählt hatte. Aufgrund seiner Postenversorgung im A-Fall hatte er gewisse Kenntnis, wo sich einzelne Postenbereiche befanden, wenn auch nicht ob und wann diese besetzt waren. Er hatte viel Glück.
Es erfolgte in der Kompanie keine große "Aufklärung", lediglich wurden die Zügel voll straff angezogen, ständige Belehrungen und "Vergatterungen". Es herrschte eine Zeitlang eiserne Disziplin und keiner getraute sich nur einen Mucks zu machen.
Letztendlich hat mich die Flucht von „Ali“ meinen Wochenendurlaub gekostet, denn ich hatte die Absicht nach meinem Wachdienst, wie so oft üblich, in den verdienten Urlaub zu fahren, zumal ich wenige Tage vorher Geburtstag hatte. Aus der Traum – dafür ein Albtraum, ich durfte 2 bzw. 3 Zusatzschichten an der Durchbruchstelle schieben und das ohne einen Schritt nach links oder rechts machen zu dürfen. Wir sicherten stundenlang nur im liegen und konnten den A…. nicht heben.
Irgendwann ging es zum Normaldienst über und die Abläufe in der Kompanie pegelten sich wieder ein.
Wir haben nie wieder etwas gehört. Hintergrund sollen wohl Unstimmigkeiten bezüglich der Finanzen in der Küche gewesen sein.


Euer Grenzfuchs


Wer mit dem Strom schwimmt, wird nie die Quelle sehen!

GT der DDR, 1972-1975, GKS Süd -> GR-10 "Ernst Grube", II. Bat. Göttengrün / 8.GK Juchhöh - Uffz. - FW. d. Res.
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#8

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 01:11
von Berliner (gelöscht)
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Hallo Grenzfuchs,

sehr interessante Story. Diese Gegendarstellung zeigt auch ein bisschen mehr von der Wahrheit (und traegt auch zur Spannung bei, wie bei einem Film wo zwischen Verfolger und Verfolgten hin und hergeschaltet wird).


Kurze Frage, nicht zu ernst nehmen. Aus der Story von Ali:


In diesen Zusammenhang möchte ich folgendes loswerden.
Einen direkten Schießbefehl gab es nicht und im Endeffekt
lag es an jeden selber.
Ein einfacher Soldat in dieser Situation traf selten
und wenn, dann aus Zufall. Aufregung und Angst waren
sein Zielwasser. Da gab es schon andere,
die mit Zielfernrohr und einer Kalaschnikow
im Samtkoffer bei Grenzalarm sofort an der Grenzlinie
waren und darauf warteten das der Grenzverletzer
die letzte Hürde, also den Sichtzaun überwinden wollte.


Mehr möchte und will ich nicht hinzufügen, denn ich war
in der Küche tätig und bezieh mich da nur auf Gehörtes.



Hier ein lustiger Clip gleich mit der Frage, "gab es bei Euch auch solche Draufgaenger" ?



Vielen Dank,

Berliner


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#9

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 07:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Ach ja Polizeiakademie. So etwas wäre bei uns unvorstellbar gewesen. Deswegen machen die Filme ja auch Spaß. Wir hatten nur die Standartwaffen der GT, Kalaschnikow AK 47 KMS und Pistole Makarow. Private Waffen besaßen nur Jäger (nur Langwaffen, Kipplauf, keine Kurzwaffen, das hat sich erst nach der Wende geändert) und die waren für den Grenzdienst tabu. "Kalaschnikow mit Zielfernrohr im Samtkoffer" gab es nicht. Die KMS der GAK und einige LMG hatten zwar seitliche Schienen für Zusatzoptiken. Aber dafür waren keine Zielfernrohre vorhanden, es gab auf Kammer nur zwei oder drei Nachtzielgeräte (NSP 2 und ein NSPU). Die waren aber nicht justiert also praktisch zum Schießen unbenutzbar. Wurden wohl auch nie benutzt. Zielfernrohre gab es nur auf den Scharfschützengewehren SWD Dragunow, von denen wir zwei auf Kammer hatten. Die aber haben die Waffenkammer, außer zur Wartung und zum Schießplatz nie verlassen. Mein Nachfolger hat erzählt, das diese Gewehre 1986 oder 87 abgegeben worden sein sollen.
Und solche Chaoten? Lustig aber praktisch viiiieeel zu gefährlich.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#10

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 08:07
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo Berliner,

das witzigste an dem Spot ist für mich alten Pistolenschützen: Der Waffennarr hat keine Ahnung, wie man eine Pistole richtig hält. Die Waffe ist zu stark in Richtung Daumen verkantet, der Zeigefinger liegt mit dem zweiten Fingerglied am Abzug. Wenn der damit etwas trifft, dann allenfalls die Luft und vielleicht zufällig ein paar Vögel weitab vom Ziel.

Sehr amüsant!
Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#11

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 10:24
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
als alter Schießausbilder hab ich auch schon die Feststellung gemacht mit dem gekrümmten Finger.
Egal wer, wer den Umgang mit Schußwaffen nicht gewohnt ist, ob Kind oder Greis, wenn sie eine Waffe in die Hand nehmen ist sofort der gekrümmte Finger am Abzug, da gehört er aber erst unmittelbar vor Schußabgabe hin.
Auch bei manch Krimi könnte ich mich bekugeln, wenn ich die Handhabe von Schußwaffen beobachte, naja Fernsehen eben, ich weiss schon, warum Rainman keinen Fernseher hat, du warst das doch, oder irre ich mich da?

Gruß nf


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#12

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 11:31
von Berliner (gelöscht)
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Vielen Dank, Jungs.

Es war eine lustige Frage, sollte auch lustig sein.

Hierzu mein Beitrag, ganz im Sinne von allen dreien von Euch, auch mit kleiner Uebersetzung unten:

Rad des Missglueckes

Das Rad des Missglueckes

Jeden Tag in das Leben eines Schuetzens bringt neue Erfahrung. Die Fehler zu identifizieren ist dabei von hoechster Prioritaet. Folgende Grafik kann dabei behilflich sein die grundlegenden Defekte der Technik des Schuetzens zu finden, wobei die Lage der Einschussloecher beurteilt werden.
Wie sie darsteht ist die Grafik fuer einen Rechtshaender gedacht (Linkshaender horizontal gespiegelt).

11 schlimmsten Gewohnheiten eines Schuetzens

1. Visiere nicht anschauen

2. Abdruecken zu lange hinausziehen

3. Waffe falsch angepackt (hat Rainman angedeutet)

4. Ziehen oder Schieben, mit dem Finger oder Hand zusaetzlich Druck ausueben

5. Ruckstoss vorhersehen

6. Fehlende Konzentration

7. Angst

8. Faul sein

9. Man zieht den Abzug nicht voll durch nach dem Schuss ausgeloest ist

10. fehlender Rhytmus

11. sich dem Druck des Wettbewerbs nachgeben



So, Ihr habt bestimmt was aehnliches oder besseres.

Man soll gleich wissen ich bin hier kein Experte, uebe auch nicht und nehme nicht am Schiesssport teil.

Berliner

jetzt kann's mit der Flucht von 'Ali' weitergehen.

zuletzt bearbeitet 03.06.2009 11:33 | nach oben springen

#13

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 03.06.2009 13:09
von Berliner (gelöscht)
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Hi S51,

Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast ein bisschen von Eurer Ausruestung zu erzaehlen. Du hast "zwischen den Zeilen gelesen". Es interessiert mich doch was fuer eine Ausruestung Ihr damals hattet.

Interessant, dass es bei Euch Nachtsichtgeraete und auch Scharfschuetzengeweheren Dragunow auf Lager waren.
Obwohl sie nie zum Einsatz kamen, weisst Du fuer welche Situationen sie bestimmt waeren ?

Danke schoen!

Berliner

zuletzt bearbeitet 03.06.2009 13:12 | nach oben springen

#14

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 09.06.2009 00:10
von S51 | 3.733 Beiträge

Hallo, die Nachtsichtgeräte waren:
- zwei NSP 2, aktive Nachtsichtgeräte mit Infrarotscheinwerfer. Unhandliche, vergleichsweise riesige Klopper mit Kabeln zu den Akkus und dem Scheinwerfer oben darauf aus den späten 60-er Jahren.
- ein NSPU, passives Nachtsichtgerät, vergleichsweise einem zu dick geratenen Zielfernrohr.
Diese Geräte waren schon für den Dienst bestimmt aber keiner konnte sich entscheiden, auf welcher Waffe sie einzusetzen waren. Sie wurden also nie justiert. Dazu kam, dass die Akkus ziehmlich "müde" waren und praktisch nur wenige Minuten standhielten. Das haben wir aus Gaudi nachts im Flur ausprobiert. Wenn man unseren Spieltrieb gegensetzte, wären sie, wenn überhaupt, vermutlich gerade im entscheidenden Moment leer gewesen. Und wer weiß, wie lange die Geräte heil geblieben wären. Sie hatten beide keine automatische Helligkeitsregulierung wie man es heute gewöhnt ist, waren also gegen Licht sehr empfindlich. Also blieben sie auf Kammer...
Die Scharfschützengewehre waren zwei Dragunow SWD im Kaliber 7,62 x 54. Unhandliche, 1,25 m lange Halbautomaten. Eines hatte das originale russische Zielfernrohr (PSO) und das zweite ein ziviles Zielsechs. Keiner wusste warum. Sie befanden sich in verschlossenen und verplombten Holzkisten und durften nur zur Wartung (das Vergnügen hatte ich zweimal) oder auf besonderen Befehl des Bataillions (?) herausgenommen werden. Etwa bei Geiselnahmen. Zum Einsatz wären wohl wir GAK damit gekommen. Zumindest wir in Glöwen haben während der Uffz-Schule auch zweimal mit solchen Waffen geschossen (eine umfassende Ausbildung also...). Zu einem richtigen Einsatz ist es meines Wissens aber nie gekommen. Ein GAK, der nach mir kam, hat mal erzählt, dass diese Waffen noch vor der Wende von der Kompanie als überflüssig abgegeben wurden.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#15

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 09.06.2009 09:34
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hallole miteinander,

kann den Bericht über Sperrzone am Brocken im Großen und Ganzen nur bestätigen, hab aber aus meinem Gedächtnisfundus noch einige Ergänzungen.
Fest steht, das Harz und Brockenmassiv der Grenzsicherung erhebliche Probleme machten. Das ging los im Eckertal bei Stapelburg am Jungborngelände (die Kuranstalt "Jungborn" gehörte einmal meinen Vorfahren...Adolf und Rudolf *ust!, wen es interessiert, im Internet ist unter dem Begriff "Jungborn im Eckertal" ect. sehr viel zu finden, bin selbst auch gern bereit, mein Wissen über die "Ahnen" weiterzugeben). Das Jungborngelände befand sich ja auf DDR- Gebiet, im Westen heißt das Gebiet oberhalb des Jungborns "Schleifmühle", benannt nach der gleichnamigen Papierfabrik, die heute noch existiert.Dort begann abrupt schon das schwierige Gelände, was bestimmt manchen hochrangigen Konstrukteuren des "Anti- Imperialistischen Schutzwalls" erhebliche Probleme und bestimmt manch schlaflose Nacht bereitet hat...!
Hier war auf DDR Gebiet eine sehr masive Geröll- und Abraumhalde eines ehemaligen Steinbruchs. Außerdem ist der Hang extrem steil. Hier gab es für Grenzzaun und auch Versuche mit Betonelementen wenig Halt im Hang bzw. in den Geröllmassen. Nach Grenzöffnung konnte man auch gut sehen, das die Anlagen immer wieder abgängig Richtung Ecker waren und Wind, Wetter und Niederschlag das Abrutschen wohl sehr beschleunigt haben. Kurzum: Eine "undichte Stelle", aber wer wußte denn das schon so genau??? Nach dieser exponierten Schwachselle ging es für den "Hauptzaun" relativ gut, wenn man von den üblichen geologischen Problemen eines Gebirges absieht. Die beiden Vorzäüne mit Kollonnenweg trennten sich am ehem. Jungborngelände großzügig voneinander ("Suentaler" wird`s genau wissen!) und liefen dann in der seit Anfang der siebzieger Jahre üblichen Grenzbauweise bis zur Kompanie Scharfenstein/ Eckertalsperre. Dort begannen dann mit dem massiv steilen Anstieg zum Brocken erneut die Probleme. Ab der Kompanie "Scharfenstein war dann nur noch DDR- seitig der Kollonnenweg, rechts daneben Richtung Bundesrepublik 1 Zaun (Signalzaun), also auch für den Insider eine relativ undichte Stelle.... Oberhalb des s. g. "Eisernen Tisches" (Reste einer ehem. Skihütte, bei den Kämpfen um den Brocken im April 1945 zerstört, "Eiserner Tisch mit Einschußlöchern!! heute noch zu sehen!)begann dann die Brockenmauer, die hinter dem Bahnübergang ein großes Torweg über den Schienen hatte und etwa 200 m oberhalb der Gleise auf die Ringmauer des Brockens traf. Denke mal, eine relativ "dichte" und schwer überwindbare Stelle analog der Berliner Mauer. Die Brockenbahn fuhr dann "ungesichert" weiter, um direkt an der Einfahrt des Bahnhofs Brocken ein drittes mal durch ein "großes Tor" zu fahren. Hiervon existiert noch eine Ansichtskarte, auf der der josy95 am 03.Juni 1991 unter dem Titel "1. Zug (nach der Wende) durchfährt die Brockenmauer" zusehen ist.

Die "Mauer" umringte den Brocken, etwa 100 m unterhalb des Brockenbahnhofs befand sich das Torweg mit gemeinsamer Kontrollstelle/ Posten GT und Sowjetarmee. Ab hier ging der Signalzaun weiter bis zur Brockenstraße/ oberer Bahnübergang der Brockenbahn. Bis hier diente die Brockenstraße auch als Kollonnenweg. Ab Bahnübergang folgte der (einfache) Signalzaun parallel der Brockenbahn bis zu Goethebahnhof, der Kollonenweg war auf der Gleisanlage ausgebaut. Ähnlich wie bei der Straßenbahn, die Gleisanlage war mit Betonplatten ausgelegt. Alles Anfang der 80-er Jahre einschl Gleise neu durch Grenzpioniere Ilsenburg und Gleisbautrupp der ehem Reichsbahn neu gebaut!!!
Am Goethebahnhof befand sich über der Gleisanlage ein weiteres Torweg und ein relativ großer Bungalow für die Posten der GT. Wie schon von "S51" beschrieben, ging es ab hier mit dem "normalen" 3- Zaun- System und intregierten Kollonenweg weiter. Ist schon was "dran", das hier doch erheblich "undichte" Stellen waren,wohlaber nur für den Insider. Das waren entweder Einheimische, die hier noch Weg und Steg von "früher" kannten, Leute, die dort beruflich (vornehmlich Forstleute) zu tun hatten oder eben Angehörige auch Ehemalige der GT. Die Leutchen, die dort ohne das besagte Insiderwissen "rüber" sind, haben nur unverschämtes Glück gehabt...!
Will meinen Bericht hier erstmal beenden, wird sonst vermutlich auch etwas langatmig. Werde diesen aber alsbald fortsetzen
Eins noch. Mienen gab es im Harz zwischen Abbenrode/ Stapelburg und Schierke/ Elend meines Wiisens und der Schilderung von "Insidern" keine. Gelände zu schwierig und große Gefahr des Wegspülens durch Witterungseinflüsse. Speziell im Bereich Eckertal soll es Anfang der 60-er einige (tödliche) Unfälle mit durch Hochwasser der Ecker fortgespülte Minen sowohl auf Ost- als auch auf Westseite gegeben haben, u. a. beim Pflügen von Äckern und Grenzstreifen im Überflutungsgebiet der Ecker.

Bis bald - Fortsetzung folgt -

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#16

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 09.06.2009 11:26
von daRONN (gelöscht)
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Ich würde mich über viel mehr solche Erfahrungsberichte (oder Links dazu) freuen. Im Netz findet man leider so gut wie nichts.


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#17

RE: Bericht über Flucht aus Grenzkompanie Juchhöh / Regiment Süd der DDR

in Grenztruppen der DDR 09.06.2009 11:47
von Pohranicnik | 16 Beiträge

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