#41

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 19:53
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Stabsfähnrich
[quote="Polter"]@S51!

Danke, reicht mir völlig.
( Ob der DDR-Zöllner auch geheime Kollegen gehabt hat?)[/quote]

....................könnte mir vorstellen dass der Zollfahndungsdienst der Zollverwaltung der DDR, auch den einen oder anderen "geheimen" Kollegen hatte.


Haben wir jemanden vom DDR - Zoll hier? Zur strengen Befragung ( unter Einsatz von Daumenschrauben, wenn hartnäckig ge-
schwiegen wird.)


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#42

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 19:57
von Merkur | 1.021 Beiträge

Zitat von S51
- Die K I übermittelte ihre Informationen nur und ausschließlich über den Leiter K I an uns. Wir kannten also keinen der Informanten persönlich, hatten nie direkt mit ihnen zu tun. Da also jeder, der uns in die Finger geriet, entsprechend seiner Tat gleich behandelt wurde, konnte so kaum Verdacht aufkommen. Es gab keine Vergünstigungen im Rahmen der normalen kriminalpolizeilichen Arbeit. Was dann der Richter und wie er es gewürdigt hat, das konnten wir in dieser Frage weder beeinflussen und schon gar nicht irgendwie kontrollieren oder überwachen. Ganz anders also, als heute so oft behauptet wird.
- Welche Informationen und wann übermittelt wurden, entschied einzig und allein die K I. Vorrang hatte immer der Quellenschutz. Das bedeutet freilich auch, dass wir dann schon mal ab und an "dumm gestorben" sind.
- Die K I ist nie selbst ermittelnd aufgetreten, hat keine Festnahmen, keine Durchsuchungen oder andere strafprozessualen Handlungen durchgeführt. Sie hat nur und ausschließlich Informationen über ihren Leiter übermittelt. Die ermittelnde und bearbeitende Kripo hatte wiederum keinerlei Einblick in deren Strukturen oder Vorgänge. Damit war recht sicher gestellt, dass auch nichts durchsickern konnte.




@ S 51 hat es schon grob beschrieben. Ein paar Ergänzungen von mir:
Das AG I arbeitete mit speziellen Mitteln und Methoden in Form von IKM verschiedener Kategorein und KK.
I. d. R. begann der Prozess der operativen Bearbeitung mit einer Ausgangsinformation. Zu diesen Ausgangsinformationen waren zielgerichtete Maßnahmen zur Bestätigung oder zum Ausschluss strafrechtlicher Relevanz einzuleiten. Die Ausgangsinformationen wurden überprüft u.a. durch IKM, Speicher des AG I, Karteien und Sammlungen der K sowie durch Ermittlungen der Kriminalisten des AG I.
Im Ergebnis der Überprüfung/Verdichtung der Ausgangsinformation wurde eine Entscheidung getroffen. Dies konnte sein:
- die Anlage eines Kriminalakten-Vorlaufs oder einer Kriminalakte bzw. eines Kontrollmaterials und damit weitere Bearbeitung durch das AG I
- die Übergabe des Sachverhalts an das MfS
- die Übergabe des Sachverhalts an die Zollverwaltung
- die Übergabe einer neutralisierten Information über die Chefs der BDVP/VPKÄ oder Leiter K an die Partei oder andere Kontrollorgane zur Auswertung und Beseitigung der festgestellten Ursachen und Bedingungen für Straftaten
- Speicherung des überprüften Sachverhalts bei Nichtbestätigung der strafrechtlichen Relevanz.

Kriminalakten waren anzulegen, wenn im Ergebnis der Überprüfungen Hinweise zu Straftaten vorlagen. Die Bearbeitung einer Kriminalakte erfolgte mit dem Ziel, Strafaten vorzubeugen, zu verhindern, aufzudecken, aufzuklären sowie beweiserhebliche Tatsachen zum Nachweis oder Ausschluss für den Verdacht einer Straftat und verdächtige Personen und ihre Verbindungen festzustellen.
Die kriminalpolizeilich-operative Bearbeitung in einer Kriminalakte war innerhalb eines Jahres zum Abschluss zu bringen/Verlängerungen waren mit entsprechender Begründung möglich. Kriminalakten wurden folgendermaßen abgeschlossen:
- Fertigung eines Ermittlungsberichtes und Übergabe an das AG II bzw. AG III der K (von dort erfolgte die Einleitung strafprozessualer Maßnahmen)
- gesellschaftliche Auswertung
- operative Nutzung der bearbeiteten Person, z. B. als IKMR
- Übergabe an andere Organe
- vorläufige Einstellung der Kriminalakte oder
- Einstellung der Kriminalakte.



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#43

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 20:34
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich
@Felix: Vielleicht sollten wir einmal auflisten, wer bzw. was, zu den U-Organen gehörte.



Es gab die Untersuchungsorgane des MdI (K der DVP), des MfS (HA IX und Abteilungen IX der BV'en) und die der Zollverwaltung (Zollfahndungsdienst). Untersuchungsorganen gleichgestellt waren die Untersuchungsführer der Militärstaatsanwälte.

Untersuchungen konnten jedoch, nach Übertragung durch den Staatsanwalt, auch durch andere staatliche Stellen geführt werden. Durch diese Untersuchungsbefugnis wurden diese jedoch nicht zu U-Organen und diesen auch nicht gleichgestellt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 08.06.2011 20:38 | nach oben springen

#44

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 21:11
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Stabsfähnrich
@Felix: Vielleicht sollten wir einmal auflisten, wer bzw. was, zu den U-Organen gehörte.



Es gab die Untersuchungsorgane des MdI (K der DVP), des MfS (HA IX und Abteilungen IX der BV'en) und die der Zollverwaltung (Zollfahndungsdienst). Untersuchungsorganen gleichgestellt waren die Untersuchungsführer der Militärstaatsanwälte.

Untersuchungen konnten jedoch, nach Übertragung durch den Staatsanwalt, auch durch andere staatliche Stellen geführt werden. Durch diese Untersuchungsbefugnis wurden diese jedoch nicht zu U-Organen und diesen auch nicht gleichgestellt.




............hier (rot ) bitte ich um Erläuterung. Meinst Du z.B. die Abt. Inneres? Wenn JA, welche Ermittlungen führten diese Organe. Danke schon mal für Deine Antwort.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#45

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 21:30
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Diese anderen Stellen führten Ermittlungen die in ihren jeweiligen Arbeitsbereich lagen, also z.B. der Steuerfahndungsdienst wegen Straftaten im Bereich der Steuerverkürzung. Weitere Stellen konnten sein die Kontrollorgane der Staatsbank, die ABI, der Postüberwachungsdienst, die Finanzrevision oder auch ganz banal die Verkehrspolizei oder ein ABV.

Die Untersuchungsbefugnis konnte anderen Stellen im Einzelfall durch den aufsichtsführenden Staatsanwalt, oder grundsätzlich für ihren Aufgabenberich durch den Generalstaatsanwalt übertragen werden. So geschehen z.B. bei der Verkehrspolizei und den ABV's der DVP, aber auch beim Steuerfahndungsdienst.

Edit: Typografiefehler


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 08.06.2011 21:47 | nach oben springen

#46

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 21:38
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Polter

Noch eine Frage, konnten die entsprechenden Polizisten Briefkontrollen oder das Abhören von Telefonen vornehmen?


nein konnten sie nicht, dies oblag ausschliesslich dem mfs. auch wenn es in einem spielfilm der serie "polizeiruf 110" anders dargestellt wurde.




............kleine Zusatzfrage: das Abhören von Telefongesprächen durfte doch auch von Angehörigen der DVP vorgenommen werden, wenn dazu ein richterlicher Beschluss eingeholt wurde, bzw. bei Gefahr im Verzuge auf Anordnung der zuständigen Staatsanwaltschaft. Oder irre ich mich?




So hab mal wie versprochen in meinen Unterlagen nachgesehen und kann meine Zustimmung zu Deiner Aussage daher präzisieren.

Die Beschlagnahme von Postsendungen und die Überwachung und Aufzeichnung des Fernmeldeverkehrs bedurften einer Anordnung.
Diese Anordung war im laufenden Ermittlungsverfahren in Form einer Verfügung und im gerichtlichen Verfahren als Beschluss zu treffen, wobei der Beschluss durch ein Gericht nur im gerichtlichen Verfahren nötig war. Die Anordnung als schriftliche Verfügung wurde im EV vom Staatsanwalt erlassen, allein bei Gefahr im Verzuge reichte eine Anordung durch das zuständige U-Organ.

Die letztendliche Aufzeichnung des Fernmeldeverkehrs erfolgte jedoch, im Gegensatz zum MfS, nach meinen Aufzeichnungen nicht durch eigene Kräfte der DVP, sondern wurde durch die Deutsche Post in deren Auftrag durchgeführt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#47

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.06.2011 23:44
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Manfred B.

die Herren bei Deiner ersten Vernehmung waren bestimmt in Uniform der damaligen Volkspolizei. Es gab auch Vernehmer in Zivil und die waren mit Sicherheit vom MFS. Rein logisch gedacht, das die Herren vom MFS im Hintergrund agierten um an ihr "Ergebniss" zu kommen.


@manfred, erstvernehmungen auf dem revier fanden meistens durch polizisten in uniform statt. anschliessend wurde, je nach delikt, weiter vernommen durch die k oder derjenige wurde ans mfs, abt. IX, überstellt. diese vernehmungen der k bzw. abt. IX fanden immer in zivil statt. die erstvernehmer auf der wache in uniform können keine mfs angehörigen gewesen sein ! in gängigen "schmalzfilmen" wie z.b. "das leben der anderen" werden natürlich, zu efekthascherei, vernehmungen in mfs- uniformen durchgeführt

Zitat
Übrigens hatten sich bestimmte Herren vom MFS als Kripo ausgegeben. Die Mittel standen denen ja reichlich zu Verfügung. Die gewissen Herren werden sich jetzt bestimmt in Schweigen halten.


selbstverständlich standen operativen mitarbeitern des mfs, je nach einsatzrichtung, dienstausweise anderer organe zur verfügung. das dürfte in der welt der geheimdienste wohl nicht einmalig sein. daher waren dienstausweise der k bei operativen mitarbeiter des mfs nicht ungewöhnlich. die dienstausweise des mfs galten eigentlich nur als "hausausweis" und hatten keinerlei weitere befugnis. die befugnisse der vp waren jedoch in einem extra gesetz geregelt.




Danke Gilbert, dass ist doch mal eine sehr genaue Antwort mit der ich etwas ANFANGEN kann. Mir geht es ums verstehen und dass hast Du damit erreicht.


zuletzt bearbeitet 08.06.2011 23:45 | nach oben springen

#48

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 00:04
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von S51

Zitat von ABV
... Aber Schutzpolizisten und/ oder die meisten Angehörigen der K, gehörten wohl kaum zum "Kreis der Auserwählten."
...



Außerhalb der normalen Dienstzeit, also ab 17:00 Uhr an Werktagen (in Berlin) sowie an Wochenenden und Feiertagen, gab es bei der Kripo einen Dauerdienst. Üblicherweise haben das Sachbearbeiter der K III gemacht. Einfach, weil es von ihnen mehr gab und weil die allermeisten jungen Spunde (wie ich seinerzeit) dort ihre Laufbahn begannen. Eben die jungen Spunde wurden hierfür ausgesprochen gerne verheizt. Das mag ein wenig sinnfrei wirken aber es gehörte in der Regel ja auch ein erfahrener Kriminaltechniker dazu.
Das meiste lernt man nun mal im "ersten Angriff" wobei man dort auch freilich grundlegend die Sache verhauen kann.
Na jedenfalls gehörte es zur Aufgabe des Dauerdienstes, sich zu Dienstbeginn und Dienstschluß auch bei der BV des MfS zu melden und Absprachen zu treffen. Wenn überdies Taten festgestellt wurden, die in die Zuständigkeit des MfS fielen (beispielsweise 213 /Republikflucht in besonders schwerem Fall oder Verunglimpfungen bzw. vergleichbare Straftaten gegen die staatliche Ordnung) dann waren diese Fälle an die BV zu übergeben. Das war einmal auch mein Part.
Die Zusammenarbeit mit dem MfS war in der Regel jedoch recht einseitig. Soll heißen, geliefert, ob Täter oder Meldungen, haben meist wir, die Kripo.




@s51, danke für diese sehr präzisende Auskünfte.


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#49

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 00:23
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.

Zitat von Stabsfähnrich

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Polter

Noch eine Frage, konnten die entsprechenden Polizisten Briefkontrollen oder das Abhören von Telefonen vornehmen?


nein konnten sie nicht, dies oblag ausschliesslich dem mfs. auch wenn es in einem spielfilm der serie "polizeiruf 110" anders dargestellt wurde.




............kleine Zusatzfrage: das Abhören von Telefongesprächen durfte doch auch von Angehörigen der DVP vorgenommen werden, wenn dazu ein richterlicher Beschluss eingeholt wurde, bzw. bei Gefahr im Verzuge auf Anordnung der zuständigen Staatsanwaltschaft. Oder irre ich mich?




So hab mal wie versprochen in meinen Unterlagen nachgesehen und kann meine Zustimmung zu Deiner Aussage daher präzisieren.

Die Beschlagnahme von Postsendungen und die Überwachung und Aufzeichnung des Fernmeldeverkehrs bedurften einer Anordnung.
Diese Anordung war im laufenden Ermittlungsverfahren in Form einer Verfügung und im gerichtlichen Verfahren als Beschluss zu treffen, wobei der Beschluss durch ein Gericht nur im gerichtlichen Verfahren nötig war. Die Anordnung als schriftliche Verfügung wurde im EV vom Staatsanwalt erlassen, allein bei Gefahr im Verzuge reichte eine Anordung durch das zuständige U-Organ.

Die letztendliche Aufzeichnung des Fernmeldeverkehrs erfolgte jedoch, im Gegensatz zum MfS, nach meinen Aufzeichnungen nicht durch eigene Kräfte der DVP, sondern wurde durch die Deutsche Post in deren Auftrag durchgeführt.





@Feliks, meine Frage: Der Postverkehr West > Ost bzw. Ost < West(inkl. Telefon) wurde doch vom MFS überwacht. Wo sind diese brisanten Daten nebst kopierten Briefsendungen gespeichert bzw. wozu brauchte man diese?


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#50

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 08:17
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Die Briefe wurden von der Abt. M in zwei eigenen Speichern geführt. Ein Speicher war nach inländischen und der andere Speicher nach ausländischen Adressen sortiert. Genutzt wurden diese dann unter anderem für Schriftgutanalysen und -vergleiche. Auch die Abt. 26 hatte eigene Speicher inkl. Tonkonserven von operativ bedeutenden Sprechern. Die Nutzung hier dürfte auf der Hand liegen, es ging darum inoffizielle Beweismittel erarbeiten zu können, indem Alias- und anonyme Anrufe bestimmten Tätern zugeordnet werden konnten.

Die Offizialisierung solch inoffizieller Beweismittel beider Abt., wie auch die aus IM Berichten gewonnenen, war dann im Falles der Einleitung eines EV eine Aufgabe und Herausforderung die durch die U-Führer der IX gelöst werden musste. Hierbei kam es ganz besonders auf das Können und die Hingabe des einzelnen U-Führers an.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#51

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 08:21
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Manfred B.


@Feliks, meine Frage: Der Postverkehr West > Ost bzw. Ost < West(inkl. Telefon) wurde doch vom MFS überwacht. Wo sind diese brisanten Daten nebst kopierten Briefsendungen gespeichert bzw. wozu brauchte man diese?



@manfred, briefsendungen wurden nur stichpunktartig kontrolliert. lag jedoch der verdacht einer straftat vor, so musste über den dienstlichen vorgesetzten beim militärstaatsanwalt eine verfügung zur postkontrolle beantragt werden. ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, nach 3 monaten wurde diese abgebrochen und man musste die postkontrolle mit konkreten verdachtshinweisen erneut beantragen. sämtliche beschlagnahmte (pornos, gewaltverherrlichende zeitungen, landserhefte etc.) und kopierte post wurden in der vorgangsakte archiviert. wenn post beschlagnahmt werden musste war die konspiration zur postkontrolle dahin. eigentlich konnte man dann die arbeit einstellen... in grössenordnungen wurden von ost nach west abschlusszeugnisse, eheurkunden etc. verschickt.

nochmal als zusammenfassung: alles befindet sich in den vorgangsakten und wurde anschliessend mitarchiviert.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#52

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 08:56
von eisenringtheo | 9.181 Beiträge

Wenn ich in Cottbus angekommen bin, habe ich jeweils von einer Münz-Telefonzelle nach Hause angerufen, dass ich gut angekommen bin. Wie da die Telefonkontrolle war, ist mir ein Rätsel. (Für Rufnummern in die BRD und Westberlin gab es keine direkte Durchwahl, bzw. es kam immer das Besetztzeichen...überlastet??)
Theo


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#53

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 09:48
von Alfred | 6.853 Beiträge

Hallo,

es gab im groben zwei Möglichkeiten.

Man konnte z.B. die Telefonnummer in "Fahndung" stellen von der angerufen wurde oder aber auch die Telefonnummer, die angerufen wird.


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#54

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 10:09
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Manfred B.


@Feliks, meine Frage: Der Postverkehr West > Ost bzw. Ost < West(inkl. Telefon) wurde doch vom MFS überwacht. Wo sind diese brisanten Daten nebst kopierten Briefsendungen gespeichert bzw. wozu brauchte man diese?



@manfred, briefsendungen wurden nur stichpunktartig kontrolliert. lag jedoch der verdacht einer straftat vor, so musste über den dienstlichen vorgesetzten beim militärstaatsanwalt eine verfügung zur postkontrolle beantragt werden. ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, nach 3 monaten wurde diese abgebrochen und man musste die postkontrolle mit konkreten verdachtshinweisen erneut beantragen. sämtliche beschlagnahmte (pornos, gewaltverherrlichende zeitungen, landserhefte etc.) und kopierte post wurden in der vorgangsakte archiviert. wenn post beschlagnahmt werden musste war die konspiration zur postkontrolle dahin. eigentlich konnte man dann die arbeit einstellen... in grössenordnungen wurden von ost nach west abschlusszeugnisse, eheurkunden etc. verschickt.

nochmal als zusammenfassung: alles befindet sich in den vorgangsakten und wurde anschliessend mitarchiviert.




.............wurde diese "Postkontrolle" durch die Abteilung M durchgeführt oder waren auch andere Abteilungen innerhalb einer BV beteiligt? Wurde die "Postkontrolle" nur in den jeweiligen Bahn-/Hauptpostämtern durchgeführt?


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#55

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 10:59
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich

.............wurde diese "Postkontrolle" durch die Abteilung M durchgeführt oder waren auch andere Abteilungen innerhalb einer BV beteiligt? Wurde die "Postkontrolle" nur in den jeweiligen Bahn-/Hauptpostämtern durchgeführt?


hmmm @stabsfähnrich, so richtig wird dir diese frage nur ein ehem. mitarbeiter der abt. m beantworten können. soweit mir bekannt war, haben ausschliesslich mitarbeiter der abt. m die entsprechende post geöffnet. vor kurzem hatte ich mir die entsprechende etage der abt. m im ehem. hauptpostamt am nordbahnhof angesehen. ein ehem. mitarbeiter der m erklärte mir dabei auch das gesamte "innerbetriebliche" prozedere...

anmerkung: zur abt. m gibt es bei der bstu ein sog. findbuch per pdf


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#56

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 11:08
von Alfred | 6.853 Beiträge

Hallo,

wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde die entsprechende Kontrolle im MfS nur durch die Abt. M realisiert.

Es gab aber eine enge Zusammenarbeit mit anderen Hauptabteilungen / Abt. . So "unterstand" ja die M/ Abt. M der Hauptabteilung II ( Spionageabwehr ) die auch eine entsprechende Abteilung ( Abteilung 5 ) hatte, die sich speziell mit "Post - Postwegen" beschäftigte.


zuletzt bearbeitet 09.06.2011 11:10 | nach oben springen

#57

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 09.06.2011 23:51
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Manfred B.


@Feliks, meine Frage: Der Postverkehr West > Ost bzw. Ost < West(inkl. Telefon) wurde doch vom MFS überwacht. Wo sind diese brisanten Daten nebst kopierten Briefsendungen gespeichert bzw. wozu brauchte man diese?



@manfred, briefsendungen wurden nur stichpunktartig kontrolliert. lag jedoch der verdacht einer straftat vor, so musste über den dienstlichen vorgesetzten beim militärstaatsanwalt eine verfügung zur postkontrolle beantragt werden. ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, nach 3 monaten wurde diese abgebrochen und man musste die postkontrolle mit konkreten verdachtshinweisen erneut beantragen. sämtliche beschlagnahmte (pornos, gewaltverherrlichende zeitungen, landserhefte etc.) und kopierte post wurden in der vorgangsakte archiviert. wenn post beschlagnahmt werden musste war die konspiration zur postkontrolle dahin. eigentlich konnte man dann die arbeit einstellen... in grössenordnungen wurden von ost nach west abschlusszeugnisse, eheurkunden etc. verschickt.

nochmal als zusammenfassung: alles befindet sich in den vorgangsakten und wurde anschliessend mitarchiviert.




Danke @Feliks und Gilbert. Dies ist sehr genau beschrieben und nun auch endlich verständlich. Damit erklären sich viele Unstimmigkeiten bzw. Erklärungen / Beschreibungen in meinen Akten.


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#58

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.06.2011 00:22
von Manfred B. (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.
Die Briefe wurden von der Abt. M in zwei eigenen Speichern geführt. Ein Speicher war nach inländischen und der andere Speicher nach ausländischen Adressen sortiert. Genutzt wurden diese dann unter anderem für Schriftgutanalysen und -vergleiche. Auch die Abt. 26 hatte eigene Speicher inkl. Tonkonserven von operativ bedeutenden Sprechern. Die Nutzung hier dürfte auf der Hand liegen, es ging darum inoffizielle Beweismittel erarbeiten zu können, indem Alias- und anonyme Anrufe bestimmten Tätern zugeordnet werden konnten.

Die Offizialisierung solch inoffizieller Beweismittel beider Abt., wie auch die aus IM Berichten gewonnenen, war dann im Falles der Einleitung eines EV eine Aufgabe und Herausforderung die durch die U-Führer der IX gelöst werden musste. Hierbei kam es ganz besonders auf das Können und die Hingabe des einzelnen U-Führers an.




@Feliks, ich habe Deine Worte mal in Rot markiert. Ich gehe mal ganz stark davon aus, daß Du eine solche Position, sprich U-Führer, beim MFS zu Deinem damaligen Leben zählen kannst. Wenn es so ist, ist es doch eigentlich für beide Seiten gut, mal hier die Möglichkeit vom gegenseitigem Gegenüber, wie man es erlebt hat zu erklären. Was hälst Du davon? Oder wäre es besser dieses mittels PM zu klären?


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#59

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.06.2011 14:10
von Sachsendreier (gelöscht)
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............briefsendungen wurden nur stichpunktartig kontrolliert. lag jedoch der verdacht einer straftat vor, so musste über den dienstlichen vorgesetzten beim militärstaatsanwalt eine verfügung zur postkontrolle beantragt werden.


Ist meines Erachtens auch eine etwas einseitige Darstellung.
In der Praxis habe ich auch M-Kontrollen eingeleitet o h n e das ein Verdacht einer Straftat vorlag. Frage war doch, was war das Ziel der M-Kontrolle. Eine Einschaltung des MStAAw ??? kenne ich so nicht.


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#60

RE: die Kriminalpolizei (K1) der DVP und deren IM-Ausgelagert von *Meine persönlichen Wendeerlebnisse als Volkspolizist*

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.06.2011 14:12
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von Manfred B.

Zitat von Feliks D.
Die Briefe wurden von der Abt. M in zwei eigenen Speichern geführt. Ein Speicher war nach inländischen und der andere Speicher nach ausländischen Adressen sortiert. Genutzt wurden diese dann unter anderem für Schriftgutanalysen und -vergleiche. Auch die Abt. 26 hatte eigene Speicher inkl. Tonkonserven von operativ bedeutenden Sprechern. Die Nutzung hier dürfte auf der Hand liegen, es ging darum inoffizielle Beweismittel erarbeiten zu können, indem Alias- und anonyme Anrufe bestimmten Tätern zugeordnet werden konnten.

Die Offizialisierung solch inoffizieller Beweismittel beider Abt., wie auch die aus IM Berichten gewonnenen, war dann im Falles der Einleitung eines EV eine Aufgabe und Herausforderung die durch die U-Führer der IX gelöst werden musste. Hierbei kam es ganz besonders auf das Können und die Hingabe des einzelnen U-Führers an.




@Feliks, ich habe Deine Worte mal in Rot markiert. Ich gehe mal ganz stark davon aus, daß Du eine solche Position, sprich U-Führer, beim MFS zu Deinem damaligen Leben zählen kannst. Wenn es so ist, ist es doch eigentlich für beide Seiten gut, mal hier die Möglichkeit vom gegenseitigem Gegenüber, wie man es erlebt hat zu erklären. Was hälst Du davon? Oder wäre es besser dieses mittels PM zu klären?





ich würde mich freuen beide Ansichten und Erlebnisse hier lesen zu können... gute Idee von Dir Manfred B.


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
zuletzt bearbeitet 10.06.2011 14:12 | nach oben springen



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